Texas, 1878: Das junge Halbblut Pacer Burton muss sich entscheiden, wem seine Loyalität gehört. Den Weißen oder den Indianern. Dabei möchten er und seine Familie doch nur ihre Ruhe haben.
Pessimistischer Western die Verpflichtungen und Anforderungen an Menschen, die zwischen zwei verfeindeten Gruppen stehen – und wissen, dass jede Entscheidung falsch ist.
„Es liegt durchaus eine gewisse Tragik darin, dass Elvis sein filmisches Meisterwerk nicht wirklich dominieren konnte, weil der Part überwiegend passiver Natur und ‚Flaming Star’ von seiner Struktur her ein Ensemblestück ist. Und in seiner nüchtern-illusionslosen Grundhaltung macht ‚Flaming Star’ natürlich überdeutlich klar, dass Don Siegel keineswegs der tumbe, rechtslastige Law-and-Order-Bolzen sein konnte, den spätestens nach ‚Dirty Harry’ viele partout in ihm sehen wollten, allerdings auch kein den Zeitgeist hofierender und auf verlogene Sentimentalitäten und Versöhnlichkeiten (die in diesem Fall die amerikanische Realgeschichte schon gar nicht hergab) setzender Liberaler.“ (Ulrich van Berg in Frank Arnold/Michael Esser [Hrsg.]: Dirty Harry – Don Siegel und seine Filme)
„Es wird immer Menschen geben, deren Vorurteile so tief sitzen, dass für sie keine Hoffnung besteht.“ (Don Siegel in Stuart M. Kaminsky: Don Siegel: Director)
Mit Elvis Presley, Dolores del Rio, Steve Forrest, John McIntire, Barbara Eden, Richard Jaeckel, L. Q. Jones
LV: James Ellroy: Blood on the moon, 1984 (Blut auf dem Mond)
Sergeant Lloyd Hopkins geht bei der Jagd nach einem Serienmörder nicht gerade zimperlich vor.
Erste düster-nihilistische, unterschätzte Verfilmung eines Buches von James Ellroy. Die zeitgenössische Kritik war verheerend: „distanzloses Starvehikel“ (Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms), „mittelmäßiger Polizei-Thriller“ (Lexikon des Internationalen Films), „Doch anstelle subtiler Psychologie und Suspense setzen Woods und Harris auf drastische Mittel, die aus einem Polizei- einen Gewaltfilm machen.“ (Fischer Film Almanach 1989).
Zu den wenigen Verteidigern von „Der Cop“ gehört Georg Seesslen: „Es ist eine fast schon abstrakte (und gelegentlich ironische) Studie über den harten und besessenen Cop, der am Ende alles verliert: Frau, Familie und bürgerliche Existenz.“ (Georg Seesslen: Copland)
Mit James Woods, Lesley Ann Warren, Charles Durning
Georg Schramm, Urban Priol und ihre Gäste Andreas Giebel, Andreas Müller und Frank-Markus Barwasser (aka Erwin Pelzig) läuten die parlamentarische Sommerpause mit 45 Minuten Satire ein.
Wiederholung: Mittwoch, 2. Juli, 02.05 Uhr (Taggenau! – und in der ZDF Mediathek)
Schimanski: Die Schwadron (D 1997, R.: Josef Rusnak)
Drehbuch: Josef Rusnak, Matthias Seelig
Sechs Jahre nachdem Schimanski sich aus dem „Tatort“ verabschiedete, kehrte er mit einer eigenen Serie zurück auf den Bildschirm. Inzwischen lebt der Ex-Kommissar als Frührentner in Lüttich und erhält in den ersten Fällen von einer Staatsanwältin Spezialaufträge. Später wurde er auf eigene Faust tätig oder schlitterte in etwas hinein und die Fälle wurden als Krimis zunehmend beliebig-langweiliger; als Spielfilme, in denen junge Regisseure sich austoben, sind sie etwas anderes.
In „Die Schwadron“, dem Auftakt der eigenständigen Schimanski-Reihe, soll Schimanski den Tod seines alten Partner Thanner aufklären und gerät schnell in einen actionhaltigen Schlamassel.
Nächsten Montag, den 7. Juli, dürfen wir wieder Götz Georges ersten Auftritt als Kommissar Horst Schimanski genießen. „Duisburg Ruhrort“ läuft im WDR um 22.45 Uhr.
Mit Götz George, Steffen Wink, Geno Lechner, Denise Vireux, Laura Tonke, Diego Wallraff
Bei Notruf Mord (S/Fr/D 2004, R.: Richard Solarz, Fredrik von Krusenstjerna)
Drehbuch: Richard Solarz, Fredrik von Krusenstjerna
Klingt nach Wien. Klingt nach einem morbiden Ösi-Krimi. Ist aber im polnischen Lodz bis 2002 geschehen: Bestatter haben Ärzten und Sanitätern Prämien für neue Kunden (ähem: gerade Verstorbene) gezahlt. Um ihr Einkommen zu steigern, haben die Mediziner anscheinend auch Notfallpatienten im Rettungswagen umgebracht.
„Bei Notruf Mord“ ist eine neunzigminütige Doku darüber.
Horrorfilm über eine Gruppe Jungerwachsener, die auf einem pflanzenüberwucherten Maya-Tempel gegen etwas kämpfen müssen, dass sie aufessen will.
Das Buch ist ein Langweiler, weil die Charaktere zu platt und die Zehn-kleine-Negerlein-Story zu vorhersehbar für gut 500 Seiten sind. Dagegen kann der neunzigminütige Film nur besser (das heißt ‚schneller überstanden’) sein. Doch – wie die spärlichen Kritiken sagen – ist er auch nicht gut. Damit die Kenner des Buches im Kino nicht einschlafen, änderte Smith die Sterbereihefolge und das Ende. Ist wohl trotzdem ein weiterer Fall für einen gemütlichen Fernsehabend.
Mit Jonathan Tucker, Jena Malone, Laura Ramsey, Shawn Ashmore, Joe Anderson, Sergio Calderón
Das Rätsel von Tunguska (D 2008, R.: Ute Mügge-Lauterbach, Christoph Schuch)
Drehbuch: Ute Mügge-Lauterbach, Christoph Schuch
Doku über die geheimnisvolle Explosion am 30. Juni 1908 in Tunguska in Zentralsibirien. Sie zerstörte ein Waldgebiet von der Größe des Saarlandes. Die Filmemacher prüfen die verschiedenen Erklärungen und Legenden über diese Explosion.
LV: Max Allan Collins (Text), Richard Piers Rayner (Zeichnungen): Road to Perdition, 1998 (Road to Perdition, Graphic Novel)
Buch zum Film: Max Allan Collins: Road to Perdition, 2002 (Road to Perdition)
Chicago, 30er Jahre: Profikiller Michael Sullivan steht plötzlich selbst auf der Abschußliste. Nachdem seine Familie umgebracht wird, flüchtet er mit seinem Sohn aus Chicago.
„Sam Mendes ist eine äußerst sehenswerte, in die Tiefe des Vater-Sohn-Verhältnisses lotende Film-noir-Tragödie gelungen, mit exzellenten Schauspielern und großartiger Kamerarbeit von Conrad L. Hall.“ (Sönke Lars Neuwöhner, tip 18/2002) oder „großartig besetzter, klassisch epigonaler Gangsterfilm“ (Adrian Prechtel, AZ 5. 9. 2002). Wahrscheinlich bin ich einer der wenigen Menschen, die die Graphic Novel dem etwas langatmigen Film vorziehen.
Max Allan Collins schrieb nach der erfolgreichen Verfilmung weitere Romane und Graphic-Novels, in denen die Geschichte von Michael Sullivan jr. weitererzählt wird. Übersetzt wurde nur die erste Fortsetzung „Road to Purgatory“ (2004, Road to Purgatory – Straße der Vergeltung).
Wie üblich dürfte die 20.15 Uhr-Ausstrahlung gekürzt und die Nachtwiederholung die Kinoversion sein.
Mit Tom Hanks, Paul Newman, Jude Law, Jennifer Jason Leigh, Daniel Craig, Stanley Tucci
Der fünfzehnjährige Michael muss sich in Neukölln gegen Jugendgangs behaupten. Als einzigen Ausweg gegen die alltäglichen Demütigungen sieht er den Weg in die Kriminalität.
Gut der Abstieg aus der noblen Grunewald-Villa in den schlimmsten Neuköllner Häuserblock geht etwas schnell. Ebenso die Anpassung des Grunewald-Bengels an die für ihn neuen Ghettoregeln.
Aber davon abgesehen ist „Knallhart“ ein verdammt gutes Stück Kino. Der Buck kann’s, wenn er will.
Mit David Kross, Jenny Elvers-Elbertzhagen, Erhan Emre, Oktay Özdemir, Kida Ramadan, Arnel Taci, Kai Müller, Hans Löw, Jan Henrik Stahlberg
Spielfilmlange Doku über die neuen nicht-tödlichen Schusswaffen, wie Elektroschocker und bleigefüllte Bohnensäcke, und wie sie – nicht unbedingt zum Guten – die Arbeit von Polizei und Sicherheitsdiensten verändern.
Jack Bauer erlebt wieder einen dieser Tage. Zwanzig Monate wurde er in einem chinesischen Gefängnis gefoltert. Währenddessen häuften sich in den USA terroristische Anschläge und die USA werden immer mehr zu einem Polizeistaat mit Internierungslagern. Präsident Wayne Palmer (Bruder von Ex-Präsident David Palmer) sieht nur eine Möglichkeit, weitere Anschläge zu verhindern. Er geht auf ein Angebot von Abu Fayed ein. Fayed will, wenn ihm Jack Bauer übergeben wird, den Aufenthaltsort von Hamri Al-Assad verraten.
Deshalb wird Bauer aus den Händen der Chinesen freigekauft und wenige Minuten später in die Hände eines Mannes übergeben, der Bauer für den Tod seines Bruders bestrafen will. Während Fayed Bauer foltert, sagt er ihm, dass nicht Al-Assad, sondern er hinter den Anschlägen steckt. Al-Assad ist in die USA gekommen, um weitere Anschläge zu verhindern.
Nachdem Jack Bauer das erfahren hat, bricht er aus Fayeds Gefängnis aus. Auf seiner Flucht versucht er Präsident Palmer zu überzeugen, dass Al-Assad nicht getötet wird. Nachdem ihm das nicht gelingt, rettet er Al-Assad auf eigene Faust vor dem Tod und wir haben eine der typischen „24“-Konstellationen, in der Todfeinde aufgrund der äußeren Umstände zu Verbündeten werden.
Beginnen wir mit dem größten Unterschied zu den vorherigen fünf „24“-Staffeln: Nach der fast zweijährigen Folter zweifelt Jack Bauer mehrmals, ob er diese Arbeit noch tun kann. Die zweite große Entwicklung ist, dass die Macher nach der fast dreimonatigen Terrorwelle zeigen, wie ein demokratischer Staat sich in einen Polizeistaat verwandelt und wie schnell dafür die Bürgerrechte geopfert werden.
Gleich geblieben ist die CTU-Zentrale. Viele vertraute Charaktere (Chloe O’Brian,Bill Buchanan, Curtis Manning und Karen Hayes) sind wieder dabei. Die Folgen enden mit einem Cliffhanger und es ist spannende Unterhaltung.
Die Vorwürfe, dass sich alles wiederhole, stimmen einerseits. Aber andererseits wird das auch keiner anderen Krimiserie zum Vorwurf gemacht (Oder haben Sie schon einmal gelesen, dass die neue Staffel von CSI schwach sei, weil es schon wieder nur um Mordfälle gehe, ständig DNS-Spuren verfolgt würden und der abgelegte Liebhaber der Mörder ist?). Und außerdem sind es keine Eins-zu-Eins-Wiederholungen, sondern Variationen von Situationen innerhalb einer gegebenen Welt.
Unverständlich ist dagegen der Sendetermin. Natürlich muss Pro 7 die sechste Staffel irgendwann ausstrahlen, aber ausgerechnet im Sommer, wenn Viele in Urlaub fahren, eine Serie mit einer zusammenhängenden Handlung zu zeigen ist nicht gerade quotenfördernd.
Die DVD-Box erscheint am 10. Oktober.
Mit Kiefer Sutherland (Jack Bauer), Mary Lynn Rajskub (Chloe O’Brian), DB Woodside (Präsident Wayne Palmer), James Morrison (Bill Buchanan), Peter MacNicol (Tom Lennox), Jayne Atkinson (Karen Hayes), Carlo Rota (Morris O’Brian), Eric Balfour (Milo Pressman), Marisol Nichols (Nadia Yassir), Roger Cross (Curtis Manning), Adoni Maropis (Abu Fayed), Alexander Siddig (Hamri Al-Assad)
Sidney Poitier – Ein Outsider in Hollywood (F 2008, R.: Catherine Arnaud)
Drehbuch: Catherine Arnaud
Einstündige Doku über den Schauspieler, der als erster Afroamerikaner 1964 den Oscar als bester Hauptdarsteller erhielt. „Lilien auf dem Felde“ hieß die „heitere Komödie, die ihre religiöse Thematik (…) nur an der Oberfläche erfasst“ (Lexikon des internationalen Films). Aber Poitier spielte auch, um nur seine wichtigen Rollen in Krimis zu nennen, dreimal Detective Virgil Tibbs, einen der flüchtigen Verbrecher in „Flucht in Ketten“ und einen renitenten Jugendlichen in „Saat der Gewalt“. Während er im Film erfolgreich die Barrieren zwischen den Rassen überwand (auch wenn einige Filme heute genau deshalb veraltet erscheinen) und damit zum Vorbild für viele afroamerikanische Schauspieler wurde, tat die Bürgerrechtsbewegung dies auf der Straße.
Mit Sidney Poitier, Martin Luther King, Tony Curtis, Malcolm X
U-Turn – Kein Weg zurück (USA 1997, R.: Oliver Stone)
Drehbuch: John Ridley
LV: John Ridley: Stray Dogs, 1997 (später dann als „U-Turn“ publiziert)
Auf der Flucht vor Gläubigern bleibt Bobby Coopers 64er Mustang mitten in der Wüste liegen. Während in einer Werkstatt sein Auto repariert wird, trifft er die verheiratete Grace und seine wirklichen Probleme beginnen erst jetzt. Denn Grace will ihrem Mann Jake umbringen, Jake will Grace umbringen und beide wollen sich – gegen Bares – von Bobby helfen lassen.
Grandioses Romandebüt für die Noir-Gemeinschaft, fast grandioser Film. Denn Stones „Natural Born Killers“-Stil nervt.
Mit Sean Penn, Jennifer Lopez, Nick Nolte, Joaquin Phoenix, Powers Boothe, Billy Bob Thornton, Jon Voight
Alfred hat wieder keine Qualen gescheut (Verzicht auf das gestrige Fußballspiel) und im WWW viele schöne Bilder für meine TV-Krimi-Buch-Tipps gefunden. Doch welche empfehlenswerten Krimi-Verfilmungen laufen die nächsten beiden Wochen im Fernsehen? Nun:
Herzlich willkommen, liebe Krimifreunde
zu einer TV-Premiere und vielen Wiederholungen. Die sehenswerte Premiere ist Detlev Bucks Gregor-Tressnow-Verfilmung „Knallhart“. Die sehenswerten Wiederholungen sind Oliver Stones John-Ridley-Verfilmung „U-Turn“, als Ergänzung gibt’s John Ridleys Regiedebüt „The Hunt – Eiskalte Liebe“, Richard Brooks‘ Frank-O’Rourke-Verfilmung „Die gefürchteten Vier“, George Stevens‘ Jack-Schaefer-Verfilmung „Mein großer Freund Shane“ (Yep, noch ein Western), etwas moderner wird’s mit Sam Mendes‘ Max-Allan-Collins-Verfilmung „Road to Perdition“, René Clements Patricia-Highsmith-Verfilmung „Nur die Sonne war Zeuge“, Stanley Donens Alex-Gordon-Verfilmung „Arabeske“, Sidney Lumets Robert-Daley-Verfilmung „Nacht über Manhattan“, Jean-Luc Godards Debüt „Außer Atem“, Claude Chabrol verrät „Die Farbe der Lüge“, James B. Harris‘ James-Ellroy-Verfilmung „Der Cop“, Robert Altmans Raymond-Chandler-Verfilmung „Der Tod kennt keine Wiederkehr“ und Sean Connery muss als James Bond zweimal die Welt retten in „Man lebt nur zweimal“ und „Sag niemals nie“.
Einbrecher Gus Cardinale klaut zufällig einen unglaublich wertvollen Rubinring. Selbstverständlich machen sich andere Einbrecher, die Polizei, Geheimdienste und obskure Gestalten auf die Jagd nach dem Dieb.
Durchgeknallte Gaunerkomödie nach einem nicht ins Deutsche übersetzten Dortmunder-Roman (Das war mein erster Dortmunder und ich lag beim Lesen die meiste Zeit vor Lachen auf dem Boden.).
„Eine wirre, wilde Gaunerkomödie (…) mit Christopher Lambert und Christopher Lloyd, die ihren Affen reichlich Zucker verabreichen.“ (Fischer Film Almanach 1991)
Mit Christopher Lambert, Kim Greist, Christopher Lloyd, J.T. Walsh
Auch bekannt als „Die Jagd nach dem Teufelsrubin“ und „Warum gerade ich?“
Bank Job (The Bank Job, GB 2008, R.: Roger Donaldson)
Drehbuch: Dick Clement, Ian La Frenais
Dick Clement und Ian La Frenais sind zwei alte Hasen im britischen Filmgeschäft. Sie schrieben unter anderem die Drehbücher zu „Commitments“, „Wasser – Der Film“, etlichen Lovejoy-Folgen (in Deutschland nie gezeigt) und zu „Die alles zur Sau machen“ (Villain).
Mit ihrem neuesten Film „Bank Job“ kehrten sie wieder in die frühe Siebziger und dem von ihnen mit „Villain“ mitbegründeten britischen Gangsterfilm zurück. Dieses Mal lassen sie sich von einem wahren Bankraub inspirieren. Am 11. September 1971 raubten einige Kleingauner aus der Lloyd’s Bank 500.000 Pfund (was heute sechs Millionen Euro wären). Die Zeitungen füllten ihre Spalten mit Sensationsberichten über den „Walkie-Talkie-Einbruch“. Vier Tage lang. Dann untersagte die Regierung aus Gründen der nationalen Sicherheit weitere Berichte, vier Räuber wurden verhaftet, ihren Namen wurden nie bekannt, das Strafmaß ist unbekannt, große Teile der Beute verschwunden und die Akten darüber sind bis 2054 unter Verschluss. Das Team Clement/La Frenais hat jetzt mit „Bank Job“ eine Geschichte erfunden, die die Wahrheit sein könnte.
Und Roger Donaldson hat im Retro-Look einen angenehm altmodischen Ganovenfilm über den großen Coup, gewürzt mit einer Prise Polit-Thriller, gedreht.
Mit Jason Statham, Saffron Burrows, Stephen Campbell Moore, Daniel Mays, James Faulkner, Alki David
NCIS ist eine coole Serie. Aber wie sieht die Wirklichkeit aus? Diese Reportage zeigt sie. Ungeschminkt, ohne bekannte Gesichter und wahrscheinlich mit der gleichen Militärverehrung, die wir aus der Serie kennen.
„The best thing about Alfred Hitchcock presents is Alfred Hitchcock presenting“, schrieb die New York Tribune bereits 1955. Denn der Regisseur ließ sich für das von ihm zwischen 1955 und 1965 präsentierte Programm von James Allardice sarkastische Texte schreiben, die mal mehr, mal weniger mit der dann folgenden Kriminalgeschichte zu tun hatten und sich immer wieder über die Sponsoren (damals wurde eine Serie von einer Firma präsentiert) lustig machte. In Deutschland wurden diese Einleitungen, wie die jetzt veröffentlichte DVD-Box „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“ zeigt, fast immer durch vollkommen andere Texte ersetzt, immer gekürzt und einmal sogar vollkommen weggelassen. Auch die Episoden wurden für die Fernsehausstrahlung gekürzt. Denn auch damals gab es ein Sendeschema und US-amerikanische Serien wurden dafür mal mehr, mal weniger elegant zurechtgeschnitten.
In der schön gestalteten DVD-Box „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“ sind die ungeschnittenen Episoden (die damals nicht synchronisierten Teile sind untertitelt), die vollständigen Moderationen von Alfred Hitchcock, die deutsch synchronisierten Einleitungen von Hitchcock (die anderen Teile seiner Moderation wurden geschnitten; außerdem wurde teilweise ein falscher Vorspann benutzt) und ein informatives Beiheft enthalten.
Doch das ist nur die Verpackung für zehn, heute immer noch sehenswerte, Episoden der „Alfred Hitchcock Hour“. Drei der zehn in der DVD-Box enthaltenen Episoden sind Premieren. Es sind das Spielerdrama „Ein Stück vom Kuchen“ mit dem jungen Robert Redford, der als Pilotfilm geplante Thriller „Diagnose Gefahr“, inszeniert von Sidney Pollack, und die schwarzhumorige Geschichte „Die Leiche“ mit einer grandiosen Ruth McDevitt als nervige, ältliche Schnapsdrossel, die entgegen aller Hoffnungen des Publikums, überlebt. Während bei „Ein Stück vom Kuchen“ und „Diagnose Gefahr“ die Schlusspointe nicht besonders überraschend ist, ist „Die Leiche“ eine der typischen Hitchcock-Geschichten über einen Unschuldigen, der glaubt im Suff einen Mord begangen zu haben und jetzt die Leiche verschwinden lassen will.
Genauso stilistisch bunt wie die Premieren sind auch die bereits in Deutschland gezeigten Episoden. In „Der letzte Zeuge“, inszeniert vom Meister höchstselbst, verteidigt sich ein der Fahrerflucht angeklagter Schriftsteller vor Gericht. Die einzelnen Verhöre sind kleine Kabinettstückchen der Schauspielkunst. Denn die einzelnen Zeugen zeichnen innerhalb weniger Sekunden gegensätzliche Charaktere.
„Einer weiß mehr“ ist ein weiteres Gerichtsdrama. Doch dieses Mal sitzt der Mörder als Geschworener im Gerichtssaal. Der angesehen Kaufmann George Davis hat im Affekt ein stadtbekanntes Flittchen erwürgt. Angeklagt wurde ihr Freund und Davis, der, obwohl von Schuldgefühlen geplagt, seine Tat nicht gestehen möchte, wird als ehrbarer Bürger einer der zwölf Geschworenen. Von der Jurybank aus versucht Davis die Unschuld des Angeklagten zu beweisen – ohne selbst angeklagt zu werden.
„Der Mann von nebenan“ ist eine gelungene „Das Fenster zum Hof“-Variante. Eine gerade zugezogene, junge Witwe glaubt, dass ihr Kleinstadt-Nachbar seine Frau umgebracht hat. Denn seit Tagen verhält er sich merkwürdig. Der Sheriff (gespielt von dem in den USA populären Davy-Crockett- und Daniel-Boone-Darsteller Fess Parker) beginnt sich umzuhören, aber – wie der schöne Originaltitel verrät – „Nothing ever happens in Linvale“.
„Ein Mord, wie er im Buche steht“, mit James Mason und Angie Dickinson, erzählt von einem angekündigten Mord. Ein Unbekannter schickt einem Verleger Tonbänder, auf denen er von einem Mord, den er begehen will, erzählt. Als der Verleger herausfindet, dass der Unbekannte einer seiner Krimiautoren ist, fragt er sich, ob der Autor ihm die Wahrheit oder nur die Geschichte von seinem neuesten Roman erzählt.
„Die Rechnung ist fällig“, mit Gena Rowlands, ist eine einfache, aber sehr effektive Gangstergeschichte mit zahlreichen Thrillerelementen. Richard Matheson (zuletzt wurde sein Roman „I am legend“ wieder verfilmt) schrieb den Roman und das darauf basierende Drehbuch. Der glücklich verheiratete, biedere Chris Martin erhält einen Anruf. Jemand will ihn umbringen. Schnell erfährt Martins Frau, dass ihr Mann früher ein Gangster war, er seine Mitverbrecher betrogen hatte und sie sich jetzt rächen wollen. Es entspinnt sich ein tödliches Spiel. Denn Martin will sein jetziges Leben beschützen.
„Kobalt 60“ erzählt die klassische Gangstergeschichte von einem minutiös geplantenÜberfall, bei dem die Diebe mit ihrer Beute nicht froh werden. Denn zur Beute gehört neben dem Geld auch hochgefährliches Kobalt 60. Katherine Ross hat hier die Rolle der Geliebten des jungen Verbrechers – und entsprechend viel Raum wird den Liebesnöten der beiden jungen Erwachsenen gegeben. Doch natürlich kommt auch die Geschichte des Diebstahl und der anschließenden Konflikte innerhalb der Gruppe nicht zu kurz.
„Die Straße führt nach Dos Cucharos“ ist ein Thriller über eine minderjährige Britin, die mit ihren Eltern durch die USA fährt, vor einem Gasthof müde in das falsche Auto einsteigt und in Mexiko Zeugin eines Mordes wird. Die Verbrecher jagen sie. Ihre Eltern suchen sie und melden ihre Tochter bei der örtlichen Polizei als vermisst. Dummerweise gehört der Sheriff zur Schmugglerbande – und auch auf der mexikanischen Seite arbeitet die Polizei mit den Verbrechern zusammen. .
Die zehn in „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“ enthaltenen Episoden (insgesamt wurden 63 einstündige und 266 halbstündige Episoden gedreht) lassen die schnelle Pointe des vorher halbstündigen Formats „Alfred Hitchcock presents“ vermissen. Dafür wird den einzelnen Charakteren und der Milieuzeichnung mehr Raum gegeben. Die TV-Filme sind so, ungeachtet aller Beschränkungen des Formats (kurze Drehzeit, wenige Orte, wenige Schauspieler, keine Massenszenen, hauptsächlich Innendrehs oder auf dem Studiogelände), kleine Spielfilme. Damit sind sie das Zweitbeste an „Alfred Hitchcock zeigt“.
Koch Media will im zweiten Teil von „Alfred Hitchcock zeigt“ die restlichen in den Sechzigern in der ARD ausgestrahlten Episoden veröffentlichen. Neben den fünf Episoden sollen auch mehrere Deutschlandpremieren auf der DVD-Box enthalten sein.Dass danach auch ein dritter Teil mit bislang in Deutschland noch nicht gezeigten Episoden veröffentlicht wird, ist leider ziemlich unrealistisch.