You kill me (You kill me, USA 2007, R.: John Dahl)
Drehbuch: Christopher Markus, Stephen McFeely
Nach „Brügge sehen…und sterben“ ist „You kill me“ innerhalb weniger Wochen die zweite schwarze Komödie über einen Killer in der Fremde. Dieses Mal wird Sir Ben Kingsley, der den Alki-Killer Frank Falenczyk spielt, von seinem Boss von Buffallo, New York, in das sonnige San Francisco geschickt. Dort soll er bei den Anonymen Alkoholikern den dringend nötigen Entzug machen. Überflüssig zu sagen, dass das zu einigen tödlichen Verwicklungen und einer Liebesgeschichte führt.
(Anmerkung: Vielleicht ist es nur Zufall, aber Krimiautor Lawrence Block wurde in Buffalo, New York geboren, er schreibt eine Serie über einen Alkoholiker und eine über einen Killer. Vielleicht auch nicht.)
Mit Sir Ben Kingsley, Téa Leoni, Luke Wilson, Philip Baker Hall, Dennis Farina, Bill Pullman, Al Corley
Quellcode des Lebens: Gert Scobel im Gespräch mit William Gibson – na, dieser Titel verrät doch schon alles: eine Stunde mit dem Vater des Cyberpunks. Das ist doch eine echte Alternative zu dem Fußballspiel.
The Minus Man – Der nette Mörder von nebenan (USA 1999, R.: Hampton Fancher)
Drehbuch: Hampton Fancher
LV: Lew McCreary: The Minus Man, 1991 (Der Schrecken des letzten Lächelns; The Minus Man)
Der neue Nachbar Vann hat ein Geheimnis. Er ist ein Serienkiller. Als er sich in Ferrin verliebt, hat er die Chance auf ein neues Leben – oder sein nächstes Opfer.
Langsam erzähltes Regiedebüt von Blade-Runner-Drehbuchautor Hampton Fancher.
„Aus dem Widerspruch zwischen Kleinstadtidylle und dem leisen Grauen zieht der Film seine Spannung. Der Serienkiller ist nun auch im letzten heimeligen Ort angekommen.“ (Martin Schwarz, Zitty 20/2000)
Mit Owen Wilson, Brian Cox, Mercedes Ruehl, Janeane Garofalo, Dwight Yoakam, Dennis Haysbert, Sheryl Crow, Lew McCreary (Cameo als Mann Wendy’s Place Diner)
LV/Buch zum Film: Graham Greene: The third man, 1950 (Der dritte Mann)
Wien, kurz nach dem Krieg: Holly kann es nicht glauben. Sein toter Freund Harry Lime soll ein skrupelloser Geschäftemacher sein. Holly will Harrys Unschuld beweisen.
Na, den Film kennen wir – das kaputte Wien, die grandiosen Leistungen der Schauspieler, die Verfolgung durch die Wiener Kanalisation, die Zither-Melodie von Anton Karas – und sehen ihn immer wieder gern.
Mit Joseph Cotten, Orson Welles, Alida Valli, Trevor Howard, Bernard Lee, Erich Ponto, Paul Hörbiger
Watch the Skies! – Sie kommen, um uns zu vernichten (USA 2005, R.: Richard Schickel)
Drehbuch: Richard Schickel
Sehenswerte einstündige Doku über die amerikanischen Science-Fiction-Filme der Fünfziger und wie sie einige Hollywood-Regisseure beeinflussten. Nur das Ende, wenn ziemlich unverhohlen für Spielbergs „Krieg der Welten“ (War of the worlds) geworben wird, nervt (Wenn Tom Cruise auftaucht, können Sie abschalten.). Davor erfahren wir, welche Jugenderinnerungen Steven Spielberg und George Lucas zumindest teilweise in „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ verbraten.
Mit Steven Spielberg, George Lucas, Ridley Scott, James Cameron
Uwe Timm – Die Freiheit zu schreiben (D 2007, R.: Arpad Bondy, Margit Knapp)
Drehbuch: Arpad Bondy, Margit Knapp
45-minütige Doku über den 1940 geborenen Schriftsteller. Zu seinen Werken gehören „Heißer Sommer“, „Die Entdeckung der Currywurst“, „Morenga“, „Der Freund und der Fremde“ (über Benno Ohnesorg) und das Kinderbuch „Rennschwein Rudi Rüssel“.
LV: Jim Thompson: The Grifters, 1963 (Muttersöhnchen, Die Abzocker)
Roy Dillon schlägt sich als kleiner Trickbetrüger mehr schlecht als Recht durch. Als er an eine größere Menge Geld kommt, haben seine Freundin Mary und seine Mutter Lilly plötzlich Interesse an ihm; besonders an dem Geld.
Der potentielle Klassiker basiert auf einem der besten und düstersten Bücher von Thompson. Westlake schrieb ein grandioses Drehbuch, und das gesamte Team (es wäre wirklich unfair, eine einzelne Person herauszuheben) gab ihr bestes. „The Grifters ist ein starkes Stück Kino, ein Krimi, der seinen Alptraum formvollendet präsentiert.“ (Fischer Film Almanach)
Mit Anjelica Huston, John Cusack, Annette Bening, Pat Hingle, Charles Napier, J. T. Walsh, Xander Berkeley
Alligator-Alfreds (der nach seinem Italienurlaub nur noch Don Alfredo genannt werden will) hat keine Sekunde gezögert, meine TV-Krimi-Buch-Tipps mit Bildern zu verschönern. Deshalb gibt’s hier nur die ersten Zeilen:
Hallo liebe Krimifreunde
zu den ersten TV-Krimi-Buch-Tipps des Sommers. Denn, egal was das Thermometer sagt: erst wenn die Edgar-Wallace-Verfilmungen gezeigt werden ist Sommer. Neben Edgar Wallace verschönern diese, teils selten gezeigten, Filme die heißen EM-Tage: Stephen Frears grandiose Jim-Thompson-Verfilmung „The Grifters“ (nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake), Raoul Walshs Eric-Ambler-Verfilmung „Spion im Orientexpress (Drehbuch: W. R. Burnett), Sidney Lumets Robert-Daley-Verfilmung „Nacht über Manhattan“, Sam Raimis Scott-B.-Smith-Verfilmung „Ein einfacher Plan“, Carol Reeds Graham-Greene-Verfilmung „Der dritte Mann“, Alfred Hitchcocks Patrick-Hamilton-Verfilmung „Cocktail für eine Leiche“ (falls Sie den Film in den vergangenen Tagen verpasst haben), Alvin Rakoffs ewig nicht mehr gezeigte James-Hadley-Chase-Verfilmung „An einem Freitag um halb zwölf“ (ein Caper-Movie, das ich noch nicht kenne), Sidney Lumets Reginald-Rose-Verfilmung „Die zwölf Geschworenen“, Orson Welles Whit-Masterson-Verfilmung „Im Zeichen des Bösen“ und J. Lee Thompsons John-D.-MacDonald-Verfilmung „Ein Köder für die Bestie“.
Zum Entspannen gibt es Gene Quintanos Donald-E.-Westlake-Verfilmung „Why me?“ und Elvis und JFK kämpfen gegen „Bubba Ho-Tep“ (nach einer Geschichte von Joe R. Lansdale).
Die Brüder Terry und Ian haben Geldprobleme. Da bietet ihnen Onkel Howard einen Weg aus der finanziellen Misere an: sie müssen einen seiner Geschäftspartner umbringen. Das ist leichter geplant, als getan.
Der neue Woody-Allen-Film. Wieder in Europa gedreht. Wieder ein Krimi. Doch im Gegensatz zu „Match Point“ und „Scoop“ wäre „Cassandras Traum“ in Deutschland, trotzt der bekannten Besetzung, fast nur als DVD-Premiere gestartet. Dabei gehört doch die jährliche Kinodosis Woody Allen zum Überleben.
Mit Ewan McGregor, Colin Farrell, Tom Wilkonson, Sally Hawkins, Hayley Atwell
Berlin – Arm, aber sexy (D 2008, R.: Heinz Peter Schwerfel)
Drehbuch: Heinz Peter Schwerfel
Fortbildung für uns Berliner: Wer sind eigentlich diese Künstler, die in den Ateliers schuften? Wer bezahlt sie? Und warum kommen die ausgerechnet nach Berlin? Es kann doch nicht nur die Miete sein.
„Schwarzer Engel“ war 1946 eines der zahlreichen B-Pictures in denen verdiente Nebendarsteller und aufstrebende Schauspieler wichtige Rollen übernahmen. Doch „Schwarzer Engel“ ist außerhalb der Fankreise ein fast unbekannten Noir.
Zu Unrecht.
Denn „Schwarzer Engel“ ist sehr gut gealtert und das Ende ist – vor allem in der Präsentation von Roy William Neill – auch nach über sechzig Jahren immer noch schockierend.
Die Geschichte beginnt mit dem Mord an der erfolgreichen Sängerin Marvis Marlowe (Was für ein Namen! Constance Dowling). Auf ihrem Plattenspieler dreht sich das von ihrem Ex Martin Blair (Dan Duryea) geschriebene Lied „Heartbreak“. Die Ermittlungen der Polizei führen schnell zu Kirk Bennett (John Phillips). Er wurde am Tatort gesehen, die Beweise sprechen gegen ihn und er wird, obwohl er die Tat leugnet, zum Tode verurteilt. Seine Frau Catherine Bennett (June Vincent) beginnt auf eigene Faust den Mörder zu suchen. Ihre einzige Spur ist eine Rubin-Brosche, die ihr Mann auf der Leiche gesehen hatte und die verschwunden ist. Ihre Ermittlungen führen sie zu Martin Blair, der seine Tage hauptsächlich betrunkenen im Selbstmitleid verbringt. Als sie ihm ein Bild ihres verurteilten Mannes zeigt, sagt Blair, er habe an diesem Abend einen anderen Mann gesehen. Gemeinsam beginnen sie den Mörder von Marvis Marlowe zu suchen. Sie glauben, dass es der zwielichtige Nachtclubbesitzer Marko (Peter Lorre) ist. Als Gesangsduo schleichen sie sich in seinen Club Rio’s ein.
Cornell Woolrich (1903 – 1968 ) war mit seinen düsteren Visionen über von echter und falscher Schuld getriebene Menschen der Noir-Autor par excellence. Entsprechend oft wurden seine Werke verfilmt. Die IMDB listet über einhundert Verfilmungen auf. Die bekanntesten sind „Rear Window“ (Das Fenster zum Hof), „La mariée était en noir“ (Die Braut trug schwarz), „La sirène du mississippi“ (Das Geheimnis der falschen Braut), „Martha“ (weil Fassbinder eine Woolrich-Geschichte verfilmte, ohne die Rechte zu haben, durfte der Film lange Zeit nicht gezeigt werden) und natürlich die in den Vierzigern gedrehten Noirs, wie „The night has a thousand eyes“ (Die Nacht hat tausend Augen; Du stirbst um Elf), „Phantom Lady“ (Zeuge gesucht; Das Geheimnis der Lady X), „Deadline at dawn“ und “The Mark of the Whistler” (Das Zeichen des Whistler). Etliche Verfilmungen gingen ziemlich frei mit Woolrichs Geschichten um. Auch „Schwarzer Engel“ macht da keine Ausnahme.
Drehbuchautor Roy Chanslor (1899 – 1964) hat im Filmgeschäft vor allem als Romanautor seine Spuren hinterlassen. Denn er schrieb die Vorlagen für „Johnny Guitar“ und „Cat Ballou“. Außerdem schrieb er, neben zahlreichen Drehbüchern zu inzwischen vergessenen Filmen, auch das Buch zu dem von Roy William Neill inszenierten Sherlock-Holmes-Film „The House of Fear“ (Das Haus des Schreckens). Für „Schwarzer Engel“ – sagen wir mal – straffte Chanslor Woolrichs Roman von einem Rachefeldzug in der Unterwelt auf einen verdächtigen Nachtclubbesitzer. Doch den Woolrichsen Kosmos von Verzweiflung und Getriebensein übertrug er in sein Drehbuch.
In den kundigen Händen von Regieveteran Roy William Neil (1887 – 1946) wurde aus der Geschichte ein effektvoller Noir mit zahlreichen erinnerungswürdigen Szenen und guten Leistungen des Ensembles. Neill begann als Stummfilmregisseur und ist heute vor allem für seine regelmäßig nachmittags oder nachts laufenden Sherlock-Holmes-Filme mit Basil Rathbone und Nigel Bruce bekannt. Das B-Picture „Schwarzer Engel“ war sein letzter Film und es ist ein würdiger Abschluss eines kurzen Lebens. Das geringe Budget gestatte es, Themen anzusprechen, die in einem Film mit bekannten Schauspielern und Stars nicht mehr möglich gewesen wären. Denn Catherine Bennetts Suche nach dem Mörder ist gleichzeitig eine Emanzipationsgeschichte (aus der braven Hausfrau wird eine Nachtclubsängerin) und eine Liebesgeschichte. Dass sie am Ende die Unschuld ihres Mannes beweisen kann, lässt ihre Mission auf den ersten Blick erfolgreich enden. Doch es ist ein Phyrrussieg. Denn jetzt ist wieder in den Armen ihres ehebrechenden Trottels.
Catherine-Bennett-Darstellerin June Vincent sollte als Blondine eine zweite Veronika Lake werden, doch der große Durchbruch gelang ihr nicht. Dan Duryea hatte damals als charismatischer Nebendarsteller, vor allem auf der Seite der Bösen, bereits einen Namen. In „Schwarzer Engel“ spielt er glaubwürdig einen Alkoholiker, der sich an jeden Strohhalm klammert und durch seine Beziehung zu Catherine Bennett wieder neuen Lebensmut fasst.Dass diese Beziehung auf der Prämisse aufbaut, dass ihr Mann bald sterben wird und er daher eigentlich kein Interesse an einer erfolgreichen Mörderjagd haben kann, wirft schon früh ein schlechtes Licht auf den charmanten Musiker (jedenfalls wenn er nüchtern ist).
Diesem seltsamen Paar gegenüber stehen etliche charismatische Männer. Peter Lorre ist wieder einmal der mit halbgeschlossenen Lidern und hängender Zigarette durch den Film schleichende, allwissende Bösewicht, der sich mit seinem Schicksal abgefunden hat. Ex-Boxer Freddie Steele spielt Lucky, den Manager vom Rio’s, als einen kultivierten Schläger, dem ein kaltblütiger Auftragsmord ohne weiteres zuzutrauen ist. Broderick Crawford (für „All the King’s men“ [Der Mann, der herrschen wollte] erhielt er einen Oscar) spielt seine Rolle als ermittelnder Captain Flood so entspannt, dass an seiner Ehrlichkeit als Polizist Zweifel angebracht sind.
Koch Media hat mit den ersten drei Filmen ihrer Film-Noir-Collection die Noir-Perlen „Die Blaue Dahlie“, „Spiel mit dem Tode“ und „Schwarzer Engel“ den Krimifans und Filmfreunden wieder zugänglich gemacht. Hoffentlich wird die Reihe in den kommenden Monaten ähnlich liebevoll fortgesetzt.
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Schwarzer Engel (Black Angel, USA 1946)
Regie: Roy William Neill
Drehbuch: Roy Chanslor
LV: Cornell Woolrich: The black angel, 1943 (Der schwarze Engel; Adresse Friedhof)
Mit Dan Duryea, June Vincent, Peter Lorre, Broderick Crawford, Constance Dowling
Auch bekannt als “Vergessene Stunde” und „Das Geheimnis des Hotelzimmers“
Journalistin Marie geht für ihre Karriere in jedes Bett. Kurz vor einem entscheidenden Karrieresprung verliebt sie sich in einen verheirateten Mann und plötzlich muss sie ihre Lebensprinzipien hinterfragen.
Verfilmung eines Mainstream-Romans der Anna-Marx-Erfinderin Grän.
Wenn die Angaben stimmen, feiert „Hurenkinder“ erst heute, zwei Jahre nach seiner Produktion die, hm, Weltpremiere. Immerhin ist Kleinert ein für gehaltvolle Filme bekannter Regiesseur und die Besetzung ist auch nicht schlecht.
Mit Nina Kunzendorf, Péter Franke, Michael Brandner, Ulrike Krumbiegel, Karin Baal, Hans Peter Hallwachs
Auf Wunsch des korrupten Politikers Jack Benyon wird Doc McCoy vorzeitig aus der Haft entlassen. Er soll eine Bank ausrauben. Der Überfall gelingt, aber danach geht alles schief.
Die gelungene und kommerziell sehr erfolgreicheVerfilmung des Krimis, mit Steve McQueen und Ali MacGraw – obwohl das letzte Drittel des Buches fehlt. Und das ist noch nicht alles, wie der französische Regisseur Alain Corneau meint: „Im Gegensatz zu Hammett und Chandler sind die Amerikaner nicht dazu in der Lage, Thompson zu verfilmen. Nehmen wir zum Beispiel Getaway. Die Figuren werden für die Verfilmung um 180 Grad gedreht, das Buch um mindestens ein Drittel gekürzt. Die Personen und das Thema des Romans wurden an die Seite gedrängt. Doc McCoy ist im Buch ein viel düsterer Charakter als Steve McQueen, und die philosophischen Dimensionen gingen völlig verloren.“ – Trotzdem ist „Getaway“ ein kalter, düsterer und amoralischer Film.
Wenn man den Film nicht kennt, ist der Trailer abschreckend. Aber so wurde damals für Filme geworben.
Mit Steve McQueen, Ali MacGraw, Ben Johnson, Al Lettieri, Slim Pickens, Bo Hopkins
Michael Hofer diskutiert mit Christian Elger (Neurowissenschaftler, Bonn), Udo Jesionek (Professor für Jugendstrafrecht und Strafvollzug, Wien), Wolfgang Schild (Rechtsphilosoph und Strafrechtshistoriker, Bielefeld) und Elisabeth Wagner (Psychotherapeutin, Baden) über Strafe im Allgemeinen und im Speziellen.
Wer die Erstausstrahlung am 11. März verpasste (zum Beispiel ich), kann’s jetzt wiedergutmachen. Die dritte Chance gibt es am –
Kim Novak badete nie im See von Genezareth (S 2005, R.: Martin Asphaug)
Drehbuch: Martin Asphaug
LV: Håkan Nesser: Kim Novak badade aldrig i Genesarets sjö, 1998 (Kim Novak badete nie im See von Genezareth)
Sommer 1962: Der 14-jährige Erik erlebt, während seine Mutter in einem Krankenhaus auf den nahen Krebstod wartet, mit einigen Freunden an einem See seinen letzten unbeschwerten Sommer. Da taucht eine Nachbarin, die wie Kim Novak aussieht, auf und einer seiner Freunde beginnt eine Affäre mit ihr. Mit fatalen Folgen.
Lassen Sie sich nicht durch den bekannten Namen „Nesser“, den Hinweis „Jugenddrama“, die FSK-12-Freigabe, das Labeling „schwedisches ‚Stand by Me’“ und die positiven Kritiken täuschen. „Kim Novak badete nie im See von Genezareth“ ist kein Film für die breite Masse, sondern ein Minderheitenprogramm. Sonst würde Das Erste die TV-Premiere doch nicht vor einem Arbeitstag zur Geisterstunde versenden, oder?
Mit Anton Lundqvist, Jesper Adefelt, Jonas Karlsson
LV: Lawrence Sanders: The Anderson Tapes, 1970 (Die Anderson-Bänder)
Einbruchspezialist Duke Anderson, gerade frisch aus dem Knast entlassen, plant seinen letzten großen Coup. Aber er und seine Kumpels werden pausenlos überwacht.
In seinem auf Tatsachen beruhenden Kassenknüller zeichnet Lumet ein düsteres Bild einer totalen Überwachung der Gesellschaft. Weil die verschiedenen staatlichen Stellen, die das Gebäude überwachen, keinen Kontakt zueinander haben und jeweils eigene Interessen verfolgen, können sie mit den belauschten Gesprächen nichts anfangen.
Mit Sean Connery, Dyan Cannon, Martin Balsam, Ralph Meeker, Christopher Walken, Val Avery
George Stroud (Ray Milland) sitzt gewaltig in der Patsche. Er wird in einem riesigen, leeren Bürohaus von den Wachleuten gesucht. Dabei war er vor 36 Stunden noch ein glücklich verheirateter Mann, der in wenigen Stunden in die verspäteten Flitterwochen aufbrechen wollte, und der Leiter des respektierten Magazins „Crimeways“. Sein Chef, der Zeitungsmogul Earl Janoth (Charles Laughton), schätzt ihn als Mitarbeiter, der sein Geld wert ist. Gerade hat er wieder einen flüchtigen Verbrecher ausfindig gemacht und so die Grundlage für massive Verkaufszuwächse der nächsten Ausgaben von „Crimeways“ geschaffen. Janoth möchte, dass Stroud sich weiter um die Berichte über den gefundenen Verbrecher kümmert. Aber Stroud lehnt ab. Er hat seiner Frau Georgette (Maureen O’Sullivan) die Reise versprochen. Der Konflikt zwischen Janoth und Stroud eskaliert – und Stroud kündigt.
Am Abend betrinkt er sich in einer Bar und gerät mit der schönen Blondine Pauline York (Rita Johnson) ins Gespräch. Sie betrinken sich, ziehen durch die Kneipen und landen schließlich in ihrer Wohnung. Als Stroud sie am nächsten Tag verlässt, um zu seiner Frau zu gehen, bewegt sich der Fahrstuhl nach oben. Stroud geht zur Treppe und beobachtet, wie sein ehemaliger Chef Earl Janoth den Fahrstuhl verlässt und Paulines Apartment betritt.
Stroud fährt zu seiner Frau in die Flitterwochen. Währenddessen bringt Janoth in einem Anfall von Eifersucht seine Geliebte um und beichtet seinem Assistenten Steve Hagen (George Macready) die Tat und dass er beim Betreten des Apartments von einem Nebenbuhler beobachtet wurde. Hagen, der in Janoths Imperium weiter aufsteigen will, schlägt vor, George Stroud aus den Flitterwochen zurückzuholen und mit der Jagd nach dem Unbekannten zu beauftragen.
Stroud ist einverstanden – und beginnt, während er versucht den Mörder zu überführen, sich selbst zu jagen.
Von Kenneth Fearing ist die Idee, des Unschuldigen, der sich selbst jagt. Jonathan Latimer, selbst ein erfolgreicher Noir-Autor, verarbeitete Fearings Roman „The Big Clock“ zu einem Noir-Klassiker, der in den hellen Gängen und Büros eines riesigen Pressehauses spielt, und 1949 für den Edgar als bester Kriminalfilm des Jahres nominiert war. „Kennwort 777“ erhielt den Preis.
Latimer hatte in Hollywood als Drehbuchautor fast vierzig Jahren lang mehr Erfolg als die ungleich bekannteren Hardboiled-Autoren Dashiell Hammett und Raymond Chandler. Er schrieb die Bücher zur Hammett-Verfilmung „Der gläserne Schlüssel“ (mit Alan Ladd und Veronika Lake), der Cornell-Woolrich-Verfilmung „Die Nacht hat tausend Augen“ (mit Edward G. Robinson), der David-Dodge-Verfilmung „Das geheimnisvolle Testament“ (mit Glenn Ford, bei beiden führte John Farrow Regie), für zwanzig Perry-Mason-Folgen (mit Raymond Burr) und, als letzte Arbeit, für den Columbo-Krimi „Die Blumen des Bösen“ (mit Ray Milland). Auch „Spiel mit dem Tode“ lebt von dem durchdachten Drehbuch, das den guten Schauspielern die Möglichkeit für große Auftritte gibt und Regisseur John Farrow unterstützt das mit seiner fast schwerelosen Kameraführung. Immer wieder gleitet sie, als ob es keine Wände gäbe, von einem Raum in den nächsten. So ist Laughtons erster Auftritt eine eindrückliche Demonstration seiner Macht. Er kommt später zu einer Besprechung seiner Chefredakteure, staucht sie wie kleine Kinder zusammen, lässt sich von vorne bis hinten bedienen und die Kamera verfolgt ihn mit dem gleichen bewundernd-demütigenden Blick, den auch die am Tisch sitzenden Journalisten haben. Sowieso ist Charles Laughton als geckenhafter, über scheinbar unbegrenzte Macht und eine unbegrenzte Armee williger Angestellter verfügender Zeitungsmogul, der immer die träge Freundlichkeit einer Kobra kurz vorm Zubeißen ausstrahlt, ein grandioser Bösewicht (Dagegen ist Gene Hackman im Remake „No way out – Es gibt kein zurück“ als verbrecherischer Verteidigungsminister zwar formal mächtiger, aber weniger furchteinflößend.).
Ray Milland als brav-bürgerlicher Journalist, der zwischen Beruf und Familie, zwischen Schuld (immerhin hat er seine fünfte Hochzeitsnacht bei einer anderen Frau verbracht) und Unschuld immer verzweifelter versucht, seine Unschuld zu beweisen und den wahren Mörder zu überführen, ist dagegen der Jedermann, der nach einem kleinen Schritt vom Pfad der Tugend immer tiefer in den Schlamassel gerät. Denn je besser er seine Arbeit macht und den unerwünschten Zeugen sucht (der dann der Justiz als Mörder präsentiert werden soll), umso mehr bringt er sein eigenes Leben in Gefahr.
Zwischen diesen beiden Männern stehen eine Armada von Vorzimmerdamen, eifrigen Journalisten und Lakaien, wie Steve Hagen. In dieser durchkapitalisierten Männerwelt hat Maureen O’Sullivan als brave Ehefrau nur die Rolle des schmückenden Beiwerks. Die Staatsmacht taucht hier nur noch als Witzfigur, gespielt von einem Schauspieler, auf.
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Spiel mit dem Tode (The Big Clock, USA 1947)
Regie: John Farrow
Drehbuch: Jonathan Latimer
LV: Kenneth Fearing: The big clock, 1945
Mit Ray Milland, Charles Laughton, Maureen O’Sullivan, George Macready, Rita Johnson, Elsa Lanchester, Harold Vermilyea
Dülmen, 1818: der frisch bekehrte Clemens Brentano protokolliert die Visionen der stigmatisierten Nonne Anna Katharina Emmerick und fragt sich, ob es den Teufel wirklich gibt.
Ein Historiendrama, das unter den Händen von Dominik Graf nicht schlecht sein kann.
Mit Misel Maticevic, Tanja Schleiff, Anke Sevenich, Maren Eggert, Johann von Bülow
Eins davon können wir mit gutem Gewissen unter Krimi verbuchen, die zwei anderen nicht (einmal Horror, einmal Geschlechterkampf), aber es passt so schön zusammen.
Funny Games U. S. (USA 2007, R.: Michael Haneke)
Drehbuch: Michael Haneke
Michael Haneke macht ein eins-zu-eins-Remake von seinem 1997er Film. Das verschafft ihm sicher in den USA einige Zuschauer, aber für die Kenner des Originals stellt sich die Frage, warum sie sich Naomi Watts und Tim Roth statt Susanne Lothar und Ulrich Mühe ansehen sollen. Und Haneke liefert auch keinen Grund: „Habe ich es zu aktualisieren? Eigentlich nicht. Die Aktualität ist innerhalb dieser zehn Jahre gewachsen, und inhaltlich fiel mir nichts Neues dazu ein.“
Mit Naomi Watts, Tim Roth, Michael Pitt, Brady Corbet, Devon Gearhart
Tip: Interview mit Michael Haneke (Oder „Das Remake eines Interviews“ – Extended Version ist angekündigt, aber derzeit ist nur der Promo-Cut vorhanden)
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The Eye (USA 2008, R.: David Moreau, Xavier Palud)
Drehbuch: Sebastian Gutierrez
Ein weiteres US-Remake eines asiatischen Horrorfilms. Dieses Mal muss „Gin Gwai“ (China 2002) dran glauben. Jessica Alba spielt eine blinde Violinistin, die mit ihren neuen Augen plötzlich Geister sieht. Dass das nicht gut enden wird, erfordert keine hellseherischen Fähigkeiten.
Remake Nummer 3: 2003 kreuzten Pierre Bokma und Katja Schuurman in Theo van Goghs (er wurde 2004 von islamischen Extremisten ermordet) Film „Interview“ die Klingen. Jetzt fetzen sich Steve Buscemi und Sienna Miller als abgefuckter Reporter und dumme Soapblondine. Natürlich ist sie nicht so dumm und gefühllos, wie der Journalist glaubt – und dieses Remake (natürlich im Wesentlichen ein Zwei-Personen-Theaterstück) scheint wirklich auch für die, die das Original kennen, einen Blick wert zu sein.