Der „Stern“ als recherchefreie Zone

Dezember 31, 2009

Stefan Niggemeier hat mich auf diesen schön peinlichen Artikel von Wolfgang Röhl aufmerksam gemacht. Im „Stern“ pöbelt Röhl gegen die Wiederholungskultur der Öffentlich-Rechtlichen Sender (also ARD, ZDF, deren Regional- und Spartensender, wie Arte und 3sat). Dass er dabei die Wiederholungskultur der privaten Sender links liegen lässt; – geschenkt.

Aber dass er dabei auf jede Recherche verzichtet, ist kein gutes Zeichen für den „Qualitätsjournalismus“. Denn Röhl nennt Beispiele und greift dabei ziemlich daneben.

Der Aufhänger seiner Kolumne ist „Telefon“. Der lief aber nicht an Weihnachten (wie der Text suggeriert), sondern zuletzt am 24. Oktober um 23.15 Uhr im ZDF. 2008 und 2007 jeweils einmal (plus Nachtwiederholung) bei Tele 5. Das qualifiziert den Thriller nicht für diese Röhlsche Aussage: „Denn kaum ein Streifen – abgesehen vom „Tatort“-Klassiker „Reifezeugnis“ mit Nastassja Kinski – ist im deutschen Fernsehen so oft abgenudelt worden wie der Krimi um sowjetische Schläfer-Agenten in Amerika.“

Wirklich putzig ist die von Röhl erstellte Liste von „kinematografischen Reservisten, die das öffentlich-rechtliche Bezahlfernsehen immer gern an die Unterhaltungsfront schickt – oft mehrmals im Jahr -“. Es geht los mit dem schon erwähnten „Telefon“. Weiter geht’s unter anderem mit „Der eiskalte Engel“ (zuletzt 12. Mai 2008 im RBB, 2007 etwas öfter, weil er von Arte mehrmals wiederholt wurde; aber für so einen Klassiker ist das viel zu selten), „Die Vögel“ (2009, 2008 und 2007 jeweils einmal auf Vox), „Fahrstuhl zum Schafott“ (2009 auf Tele 5, 2007 auf 3sat), „Lohn der Angst“ (zuletzt am 26. April 2007 nach Mitternacht im ZDF), „Das Gesetz bin ich“ (2009 einmal im ARD, 2008 einmal im HR, 2007 einmal im ARD), „Der Malteser-Falke“ (zuletzt am 7. Januar 2007 auf 3sat), „Eine Leiche zum Dessert“ (gab es 2009 und 2008 nur auf Das Vierte, 2007 überhaupt nicht), „Es geschah am hellichten Tag“ (zuletzt, wenn das Original gemeint ist, am 3. Oktober 2009 und 3. Oktober 2007 im ZDF), „Die toten Augen von London“ und „Der Frosch mit der Maske“ (die stehen wohl stellvertretend für die Edgar-Wallace-Filme, die seit Jahren bei Kabel 1 laufen), „Der Klient“ und die „Dirty Harry“-Filme laufen auch nur bei den Privaten. Dass er dann die Wiederholungen von „sämtliche ‚James Bond‘-Filme“ den Öffentlich-Rechtlichen zuschlägt ist Quatsch, weil einige Bond-Filme (vor allem die ersten und letzten) bei den Privaten laufen.

Dracula“ (die 1958er Version mit Christopher Lee) lief zuletzt, nach einer jahrelangen Pause bei „Das Vierte“. An die letzten Ausstrahlungen von „Wenn die Gondeln trauern tragen“ (seit Ewigkeiten auf meiner Aufnehmen-Liste), „Vier im roten Kreis“ (Ähem, nach der ziemlich zuverlässigen OFDB lief dieser Jean-Pierre-Melville-Klassiker noch nie im TV.) und „Ein Mann sieht rot“ (nach der OFDB zuletzt 1999 auf Vox) erinnere ich mich überhaupt nicht.

Ich habe jetzt, weil ich diese Daten auf meinem PC habe, vor allem die Verfilmungen von Krimis herausgepickt und mir nur die letzten drei Jahre angesehen. Bei den anderen Filmen greift er oft ähnlich daneben und wenn er am Ende einige Serien nennt, die nach seiner Meinung öfters im ÖR-Fernsehen laufen, dann ist „Miami Vice“ ein schlechtes Beispiel und „Columbo“ falsch. Denn der ermittelt nur bei den privaten Kollegen von SRTL.

Sorry, Herr Röhl, das war nichts.

Und beim „Stern“ werden Fakten anscheinend überhaupt nicht mehr überprüft.

P. S.: Sie wollen wissen, wie oft „Reifezeugnis“ in den letzten Jahrzehnten wiederholt wurde? Nun, nach Tatort-Fundus gar nicht so oft.


KrimiWelt-Bestenliste Januar 2010

Dezember 29, 2009

Die letzte Bestenliste der KrimiWelt für dieses Kalenderjahr sieht so aus:

1 (4) Don Winslow: Frankie Machine

2 (6) Gerard Donovan: Winter in Maine

3 (1) David Peace: Tokio im Jahr Null

4 (-) Angelo Petrella: Nazi Paradise

5 (5) Heinrich Steinfest: Gewitter über Pluto

6 (3) Linus Reichlin: Der Assistent der Sterne

7 (10) William Boyd: Einfache Gewitter

8 (-) Giampaolo Simi: Camorrista

9 (-) Jim Nisbet: Dunkler Gefährte

10 (5)* Ulrich Ritzel: Beifang

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat. Ritzel ist ein Wiedereinstieg. Er war im November auf der Bestenliste.

Jim Nisbet und Angelo Petrella, beide bei Pulp Master, erschienen, habe mir gut gefallen und ich werde sie die Tage auch gebührend abfeiern. David Peace hab ich schon abgefeiert. Gerard Donovan hat mich nicht so richtig überzeugt und Don Winslow liegt immer noch auf dem Zu-Lesen-Stapel, irgendwo zwischen James Ellroy, Olen Steinhauer, Robert Littell, Colin Harrison, Daniel Depp und einigen anderen Büchern.

Den Rest find ich nicht so interessant.


Kleinkram

Dezember 27, 2009

Bei Krimikultur gibt es ein Interview mit Pulp-Master-Macher Frank Nowatzki.

Viceland unterhält sich mit David Simon (The Wire).

Das Wall Street Journal mit Dan Brown.

Das Time Magazine mit Sue Grafton.

Christa Faust verrät, welche Bücher und Filme ihr im vergangenen Jahrzehnt gefielen.

Als Noir of the Week gibt es „Die Dame im See“ (The Lady in the Lake, USA 1946). Robert Montgomery spielte die Hauptrolle und übernahm auch die Regie. Das ging,  jedenfalls in der Theorie einfach, weil der Film (wie der Roman) ausschließlich aus der subjektiven Sicht des Helden erzählt wurde. Und dieser ist – ihr ahnt es – Raymond Chandlers Privatdetektiv Philip Marlowe.

Schnittberichte hat einen ausführlichen Vergleich der verschiedenen Fassungen von „Krieg der Sterne“ (vor allem die Kinofassung mit der später von George Lucas erstellten Special Edition) und sie verraten uns, welche Szenen aus John Woos neuestem Epos „Red Cliff“ für die internationale Fassung (die bei uns nur auf DVD erschien) geschnitten wurden (Teil 1, Teil 2).


One World Berlin: Interview mit Walter van Rossum online

Dezember 27, 2009

Nachdem die Jungs von „Schattenblick“ bereits einen ausführlichen Bericht über den von mir (als HUler) präsentierten Abend „Die Innere Sicherheit? – Mediale Darstellungen der Terrorbedrohung für Deutschland“ und ein Interview mit Kay Sokolowsky (zuletzt „Feindbild Moslem“) veröffentlichten, ist jetzt auch ihr Gespräch mit Walter van Rossum online. Er verbrachte einige „Sonntage mit Sabine Christiansen“ und erstellte die hörenswerte Radioreportage „Ein Käfig voller Enten – Recherchen zur Sauerlandzelle“ (Deutschlandfunk 2009).

So sagt Walter van Rossum:

Der Begriff des Qualitätsjournalismus ist schreiend komisch, denn das ist wirklich ein letzter Versuch, noch irgendwie zu verhindern, daß alle Leute alles sagen dürfen. Die Öffentlichkeit, die die Presse oder diesen Qualitätsjournalismus produziert, funktioniert in meinen Augen seit langem nicht mehr. Qualitätsjournalismus hat sich auch angesichts der großen Koalition offenbart als etwas, das nicht in der Lage ist, die Welt selbständig zu betrachten, sondern dies immer nur nach Maßgabe dessen, was politisch erlaubt und gestattet ist, tut. Wir erleben in den letzten zehn Jahren einen unerträglichen Einheitsbrei, ein quasi totalitäres Einheitsdenken von allem und jedem, wo die übelsten Behauptungen des Neoliberalismus überall nachgequatscht wurden und es aber auch nirgendwo eine bescheidene Gegendarstellung gab. Ich kann jeden verstehen, der keine Zeitung mehr liest. Das Kaufen einer Zeitungen ist eine Ritualhandlung, die ich zum Beispiel aus eben diesem Grund vollziehe, aber nicht, um mich zu informieren.

Und zum Islam und dem Islamismus meint er unter anderem:

Der Islamismus kann bestimmt nicht beanspruchen, die Generalrepräsentation zu übernehmen, aber es gibt einen islamischen Hintergrund, das ist völlig klar. So können sich christliche Fundamentalisten natürlich auf die Bibel berufen. Wenn Sie dort auf 150 Seiten Träume von Genoziden und Morden und Brandschatzen finden, dann können Sie natürlich sagen, daß der christliche Fundamentalist dort seinen Stoff findet. Und so verhält es sich auch mit dem Islamisten, der findet auch seinen Stoff. Der Islam, so wie er heute gelebt wird, ist keine Einheit, sondern stellt sich, im Gegensatz zum Christentum, als unendliche Vielzahl von sehr lokalen Traditionen, Bezügen, Geschichten dar. Sie werden nicht einen Türken und einen Usbeken finden, die denselben Islam vertreten. Die verbreitete Darstellung, daß der Islam eine Einheit wäre, trifft nicht zu. Wenn wir so weitermachen wie bisher, dann könnte es vielleicht dazu kommen, aber auch das glaube ich nicht ernsthaft.


Fröhliche Weihnacht!

Dezember 24, 2009

Jack Bauer hatte keinen Erfolg. Nach dem Verhör übernahm der Nikolaus die CTU:

Loudon Wainwright III (Yep, der Daddy von Rufus und Martha) hat auch einige „Weihnachtslieder“ geschrieben (Sorry für den schlechten Sound):

Sohn Rufus hat auch ein Weihnachtslied:


Jack Bauer verhört den Weihnachtsmann

Dezember 22, 2009

Kleinkram mit Stieg Larsson, Sue Grafton, Peter Straub, Stefan Arndt, Walton Goggins, Robert Rodriguez, James Ellroy und einem Rückblick auf die TV-Serien des Jahrzehnts

Dezember 22, 2009

Stieg Larsson

Die Verfilmung seines zweiten Romans „Verdammnis“ startet am 4. Februar 2010. Die Besprechung gibt’s zum Filmstart. Den Trailer jetzt:

Ali Karim sich in London die erste Larsson-Verfilmung „Verblendung“ angesehen:

You can put me down right now as saying, the Swedish film version of The Girl with the Dragon Tattoo is going to be a “sleeper hit” in 2010. Even at 2.5 hours in length, the movie seemed to jet by. Afterward, the buzz was overwhelmingly enthusiastic. The only thing we all agreed upon was that the level of violence in this picture was disturbing.

Die Filmrechte für eine amerikanische Version der Romane von Stieg Larsson sind an Sony verkauft. Scott Rudin soll produzieren und Steve Zaillian das Drehbuch schreiben. Ich bin zwar skeptisch, ob Larssons Geschichte auch in den USA funktioniert (jedenfalls gehe ich davon aus, dass die Story in die USA verlegt wird), aber bei der Sjöwall/Wahlöö-Verfilmung „Massenmord in San Fanzisco“ (nach ihrem Roman „Endstation für neun“), mit Walter Matthau in der Hauptrolle, hat es ja prächtig funktioniert.

Sarah Weinman porträtiert Sue Grafton (A is for Alibi, B is for Burglar, C is for…).

Tom Piccirilli unterhält sich mit Peter Straub.

Die Süddeutsche unterhält sich mit X-Filme-Gründer Stefan Arndt (zuletzt Michael Hanekes „Das weiße Band“).

Peter Mühlbauer blickt bei Telepolis auf das Jahrzehnt der Serien zurück. Im ersten Teil „The Wire“, „Rome“, „The Shield“, „House MD“ und „Jericho“; im zweiten „Dexter“, „Drawn Together“, „American Dad“, „24“ und „Aqua Teen Hunger Force“.

Apropos „The Shield“: Walton Goggins (er spielte Detective Shane Vendrell und war Mitglied in Vic Mackeys Strike Team) erzählt Steve Weintraub (Collider), was er vom Ende der grandiosen Cop-Show hält und was seine künftigen Pläne sind.

Robert Rodriguez verrät Steve Weintraub (Collider) einiges über „Sin City 2“ und „Machete“.

Im neuen „Rolling Stone“ gibt es ein vierseitiges Interview von Sean Wood mit James Ellroy. Lesenswert, aber leider nur offline.


One World Berlin: ein Interview mit Kay Sokolowsky

Dezember 21, 2009

Nach der Präsentation „Die Innere Sicherheit? – Mediale Darstellungen der Terrorbedrohung für Deutschland“ (ausführlicher Bericht hier) unterhielten die Jungs von Schattenblick sich lange mit Walter van Rossum und Kay Sokolowsky. Das Gespräch mit Sokolowsky kann jetzt bei Schattenblick gelesen werden:

Man muß die Leute immer fragen „Woher weißt du das?“. Und man kann ihnen dann immer auch ein paar Sachen um die Ohren hauen: „Weißt du denn das noch nicht?“ Ich habe erlebt, daß das hilft – nicht bei allen, denn die echten Rassisten erreicht man natürlich nie. Die sind in ihrem Weltbild eingemauert. Niemals wird man einen Antisemiten bekehren. Das geht nicht. Und einen Antiislamisten genauso wenig. Doch es gibt Leute, die ein bißchen kippeln. Die haben Ressentiments im Kopf, die sie angelesen haben, die sie im Fernsehen aufgesaugt haben, wo sie immer nur Kopftuch-Frauen sehen. Wenn man mit ihnen ein bißchen länger redet, dann gestehen sie schon zu, daß man recht hat. Das habe ich inzwischen schon erlebt. Am meisten hat mich gefreut, wenn mir jemand gesagt hat: Das hat mir in dem Punkt die Augen geöffnet. Ich bin nicht mit allem einverstanden. Aber ich habe gemerkt, daß es bestimmte Vorurteile in meinem Kopf gibt, die ich als Vorurteile noch gar nicht erkannt habe. Wenn ich von solchen Reaktionen noch mehr bekäme, dann wäre ich richtig froh, dieses Buch geschrieben zu haben.


Einige Buchtipps für Weihnachten

Dezember 18, 2009

Zuerst gibt es die Eigenwerbung:

Cordelia Borchardt/Andreas Hoh (Hrsg.): Die Uhr läuft ab

Fischer Taschenbuch Verlag, 2009

256 Seiten

7,95 Euro

Der Untertitel ist „Die besten Einsendungen für den Agatha-Christie-Krimipreis 2009“ und meine bombige Kurzgeschichte „Val Kilmer kommt“ ist drin.

Josefine Rosalski (Hrsg.): Schneeglöckchen, Mordsglöckchen

Edition Karo, 2009

176 Seiten

12 Euro

Der Untertitel ist „Berliner Weihnachtskrimis – KaroKrimiPreis 2009 – Die besten Dreizehn“ und meine fantastische Kurzgeschichte „Die Sache mit den Fabergé-Eiern“ ist drin.

Und nun zu den anderen.

Dominik Graf: Schläft ein Lied in allen Dingen

Alexander Verlag, 2009

376 Seiten

19,90 Euro

Inzwischen habe ich es gelesen und ich kann meinen ersten Eindruck bestätigen: ein sehr lesenswertes Buch. Danach sieht man die von Graf besprochenen, einige andere und auch seine Filme mit anderen Augen. Denn, wie Graf in einer Mail schrieb:

Neulich sagte oder schrieb jemand, dass ich mit meinen Artikeln meine eigene Filmographie legitimieren will…Hmmm. Kann sein. What’s wrong with that?“

Nichts, solange der Schreiber einen so guten Geschmack hat.

Ben Hecht: Von Chicago nach Hollywood – Erinnerungen an den amerikanischen Traum

Berenberg, 2009

152 Seiten

19,00 Euro

Nochmal Film, aber auch Chicago vor gut hundert Jahren. Ein begnadeter Erzähler.

Ross Thomas: Voodoo, Ltd.

Alexander Verlag, 2009

360 Seiten

14,90 Euro

Artie Wu und Quincy Durant sollen den Mord an einem Hollywood-Produzenten aufklären. Ross Thomas zeichnet ein gewohnt illusionsloses Porträt der USA. Für die Neuausgabe wurde die alte Heyne-Übersetzung überarbeitet.

Und zum Abschluss gibt es einige Empfehlungen, die nur auf einem ersten Eindruck basieren:

Ivo Ritzer: Walter Hill – Welt in Flammen

Bertz + Fischer, 2009

288 Seiten

25 Euro

Ein Filmbuch über einen der wichtigsten und innovativsten Action-Regisseure der späten siebziger und achtziger Jahre. Danach ging das Publikum lieber in den nächsten Blockbuster.

Inzwischen hat Hill bei der TV-Serie „Deadwood“ mitgemacht und den abgefeierten TV-Western „Broken Trail“ gedreht.

Erstaunlich, dass es das erste Buch über Walter Hill ist.

Harald Steinwender: Sergio Leone – Es war einmal in Europa

Bertz + Fischer, 2009

400 Seiten

25 Euro

Noch ein Filmbuch. Noch eine Dissertation. Und, wie bei Bertz üblich, fein illustriert.

Oh, und mit vierhundert engbedruckten Seiten noch umfangreicher als das Walter-Hill-Buch (das hat nur 288 engbedruckte Seiten).

Manfred Büttner/Christine Lehmann: Arsen und Zielfahndung – Das aktuelle Handbuch für Krimiautorinnen und Neugierige

Ariadne, 2009

256 Seiten

16,90 Euro

Darf auch von Jungs gelesen werden, aber es lässt die eh schon fantastischen deutschen Krimis als meist sehr irreale Werke (besonders natürlich die TV-Krimis) erscheinen.

James Mollison: Escobar – Der Drogenbaron

Heyne, 2009

416 Seiten

16 Euro

Mark Bowden schrieb bereits mit „Killing Pablo“ die wichtige Biographie über Pablo Escobar, den 1993 erschossenen Drogenboss des Medellin-Kartells. In „Escobar – Der Drogenbaron“ wird Escobars Leben mit über 350 bislang unveröffentlichten Fotos aus verschiedenen Archiven dokumentiert. Eine faszinierende Spurensuche.

Robert Littell: Das Stalin-Epigramm

Arche, 2009

400 Seiten

22 Euro

Sein neuer Roman, den ich wegen „wichtigeren“ Büchern immer wieder zur Seite gelegt habe.

Colin Harrison: Im Schlund des Drachen

Droemer, 2009

448 Seiten

16,95 Euro

Nachdem Harrisons Roman in seiner Heimat abgefeiert wurde und auf ungefähr jeder wichtigen Nominierungsliste war, bin ich natürlich sehr gespannt auf diesen Thriller.

Jim Nisbet: Dunkle Geschäfte

Pulp Master, 2009

192 Seiten

12,80 Euro

Pulp Master, für den Hammett nominiert. Ich will’s an einem ruhigen Abend in einem Zug genießen.

Angelo Petrella: Nazi Paradise

Pulp Master, 2009

128 Seiten

12,80 Euro

Nochmal Pulp Master und nochmal Lektüre für einen ruhigen Abend.

Wem das alles zu textlastig ist, der kann bei Eric Powells „The Goon“ zuschlagen. Zuletzt erschienen „Meine mörderische Kindheit“ und „Bergeweise Trümmer“. Der Goon kloppt sich in einem Paralleluniversum, das eine Mischung aus „Amazing Stories“ und 30-Jahre-Gangsterfilm ist, mit Monstern, Zombies und Seemonster.

Da bleibt kein Auge trocken.


Die vorweihnachtliche telefonische Mordsberatung

Dezember 17, 2009

Reinhard Jahn (Bochumer Krimi-Archiv), Manfred Sarrazin (Krimibuchhandlung ALIBI, Köln) und Ingrid Müller-Münch (Journalistin) haben am Samstag, den 19. Dezember, von 20.05 bis 22.00 Uhr nichts besseres zu tun, als in einem Studio herumzulungern, sich zu unterhalten und Anrufern in der „telefonischen Mordsberatung“ Fragen zu beantworten.

Natürlich gibt es bei der neuesten „telefonischen Mordsberatung“ im WDR 5 einen Schwerpunkt. „Spannung nicht nur für die Weihnachtstage“ heißt er und da passt dann wieder alles rein.

Wer am Samstagabend zu faul ist, sein Radio anzustellen, kann die Sendung am PC als Livestream hören oder sie irgendwann später genießen.


Ein Bericht vom One World Berlin

Dezember 17, 2009

Selbstverständlich war ich Ende November auch wieder bei dem Dokumentarfilmfestival „One World Berlin“ dabei und dieses Mal war sogar die überörtliche Presse anwesend. Die Jungs vom Schattenblick haben den von mir moderierten Abend „Die Innere Sicherheit?“ besucht und einen unglaublich langen Artikel darüber geschrieben.

Der Abend begann mit der TV-Reportage „Terroristenjagd im Sauerland“ und Walter van Rossums Radioreportage „Ein Käfig voller Enten“. Anschließend diskutierte ich mit Walter van Rossum, Kay Sokolowsky (zuletzt „Feindbild Moslem“) und Burhan Kesici (Vizepräsident der Islamischen Föderation Berlin) über die in den Beiträgen angeschnittenen Fragen.

Alles weitere bei Schattenblick.


Neue Drehbücher und der Noir of the Week

Dezember 17, 2009

Die Nominierungen für den Golden Globe sind draußen und die meisten Drehbücher sind auch online verfügbar:

Mark Boal: The Hurt Locker (Shooting Draft, 7. Juni 2007 – ein toller Film von Kathryn Bigelow über Bombenentschärfer im Irak)

Nancy Meyers: It’s Complicated

Quentin Tarantino: Inglourious Basterds (hatte ich bestimmt schon mal verlinkt.)

Jason Reitman: Up In The Air (Fassung vom 19. August 2008, nach dem Roman von Walter Kirn; Well, dieser neue Film mit George Clooney startet am 4. Februar in Deutschland)

District 9“ ist noch offline.

Außerdem gibt es diese Drehbücher online:

brandneue Filme

Spike Jonze, Dave Eggers: Where The Wild Things Are (überarbeitete Fassung vom 21. November 2008, nach dem Kinderbuch „Where the Wild Things Are“ von Maurice Sendak; startet heute als „Wo die wilden Kerle wohnen“ in Deutschland)

Anthony Peckham: Invictus (Fassung vom 22. Mai 2007 – Tja, nun, der neue Eastwood.)

James V. Simpson: Armored (Der Gangsterfilm mit Matt Dillon, Jean Reno und Laurence Fishburne über einen Diebstahl von 42 Millionen Dollar aus einem gepanzerten Fahrzeug startet am 4. Februar in Deutschland.)

schon etwas ältere Filme

Martin McDonagh: In Bruges (hieß bei uns „Brügge sehen…und sterben?“ und erzählt was passiert, wenn zwei Killer in einer Kleinstadt ausspannen sollen. Herrliche schwarze Komödie.)

Constantin Costa-Gavras & Donald Stewart: Missing (Fassung vom 1. Dezember 1980)

Richard Matheson: Duel (nach seiner Kurzgeschichte. Steven Spielberg verfilmte das Buch.)

Stirling Silliphant: In the Heat of the Night (Zweite Fassung vom 28. September 1966. Yep, „In der Hitze der Nacht“)

Joseph Stefano: Psycho (10. November 1959, nach dem Roman von Robert Bloch)

Oh, und Hardboiled-Autor Wallace Stroby stellt den Noir of the Week vor. Es ist die fast unbekannte, sehr gelungene Richard-Stark-Verfilmung „The Outfit“:

Of all the films based on the Stark books, The Outfit might be the most faithful


Berlinale mit Scorsese und Polanski

Dezember 16, 2009

Die Berlinale-Macher haben die ersten Filme für den Wettbewerk bekannt gegeben. Wichtig für uns Krimifans sind:

Shutter Island USA
Regie: Martin Scorsese
Drehbuch: Laeta Kalogridis (nach dem Roman von Dennis Lehane)
Mit Leonardo DiCaprio, Mark Ruffalo, Sir Ben Kingsley, Michelle Williams, Patricia Clarkson, Max von Sydow
Weltpremiere / Außer Konkurrenz
The Ghost Writer (Der Ghostwriter) Frankreich / Deutschland / Großbritannien
Regie: Roman Polanski
Drehbuch: Roman Polanski, Robert Harris (nach seinem Roman)
Mit Ewan McGregor, Pierce Brosnan, Kim Cattrall, Olivia Williams
Weltpremiere
Die anderen Filme sind:
Bal (Honey) Türkei / Deutschland
Regie: Semih Kaplanoglu
Der Räuber Österreich / Deutschland
Regie: Benjamin Heisenberg
My Name Is Khan Indien
Regie: Karan Johar
Na Putu (On the Path) Bosnien und Herzegowina / Österreich / Deutschland / Kroatien
Regie: Jasmila Zbanic
Shekarchi (The Hunter) Deutschland / Iran
Regie: Rafi Pitts

Beurteile ein Buch nach dem Cover

Dezember 14, 2009

Die Rap-Sheet-Jungs haben aus den tausenden von dieses Jahr erschienenen Buchcovers einige ausgewählt, die sie für besonders gelungen halten und lassen jetzt uns das beste Cover auswählen.

Eine schöne Galerie, aber auch etwas retro.


Ein Interview mit Joseph Wambaugh

Dezember 13, 2009

Keith Rawson hat Anfang Dezember mit Joseph Wambaugh (Die Chorknaben, Sunset Boulevard) gesprochen.

16 Minuten.

Hörens- und auch sehenswert.


Bücher, viele Bücher, sehr viele Bücher

Dezember 12, 2009

Wenn ich nochmal gefragt werde „Haben Sie viele Bücher?“, denke ich an diese Bilder und kann ungelogen sagen „Nein.“.


Ein Interview mit Aldous Huxley

Dezember 12, 2009

Charlie-Huston-Fans, aufgepasst!

Dezember 7, 2009

Der erste Joe-Pitt-Roman „Already Dead“ (Stadt aus Blut) von Charlie Huston kann bei Scribd kostenlos herunterladen werden.

Dort gibt es auch die ebenfalls grandiose Hank-Thompson-Trilogie.

Es lohnt sich!

Die Übersetzungen gibt es bei Heyne.


Ein Interview mit Martin Wuttke

Dezember 7, 2009

Ich könnte mir ganz andere Stoffe vorstellen, in die man diese Type da reinführt. Keppler ist angelegt als eine Figur, die man über die Situationen, in der man ihr begegnet, kennenlernt. Die letzten Filme, die wir gemacht haben, brachten für Keppler ziemlich konventionelle Ermittlungsarbeit mit sich. Ich könnte mir Fälle vorstellen, in denen man sieht, wie Keppler aus der Reserve gelockt wird oder Fehler macht und unsicher wird. sagt Martin Wuttke, der seit Mai 2008 den in Leipzig ermittelnden „Tatort“-Kommissar Andreas Keppler spielt. In dem Interview spricht er auch ziemlich frei über seine Vorstellungen zu künftigen „Tatorten“, den unterschiedlichen Entscheidungsprozessen im Theater und im Fernsehen, welche Geschichten ihn langweilen und wie er den „Tatort“ sieht:

Der TATORT bildet nicht ab, was in unserem Land passiert. Das Verhältnis ist eher anders: Man kann an den Filmen sehen, womit sich die Leute in unserem Land beschäftigen wollen. Und auf welche Weise man sich mit bestimmten Themen beschäftigen will. Wie wir uns einen gesellschaftlichen Zusammenhang erzählen wollen. (…) Das Fernsehen will nicht wissen, dass es möglicherweise eine ganz andere Weltsicht geben könnte. Es gibt nur eine Weltsicht, nämlich die richtige. Dieses Problem betrifft aber nicht nur den TATORT, sondern das gesamte Fernsehen.

Lesenswert!


Äh?

Dezember 5, 2009

Konstantin Neven DuMont (Vorstand der Mediengruppe M. DuMont Schauberg, der unter anderem die Berliner Zeitung gehört) hat heute in der Berliner Zeitung geschrieben:

M. DuMont Schauberg entwickelt gerade Konzepte, den Anteil investigativer Reportagen in seinen Blättern zu erhöhen.

Klingt gut. Etwas seltsam wird es, wenn er im nächsten Satz die inzwischen wahrscheinlich übliche Forderung nach Bezahlinhalten erhebt, aber er kriegt dann noch so halbwegs die Kurve:

Daneben gibt es Überlegungen, eine Vermarktungsplattform für Bezahlinhalte deutschsprachiger Verlage und Autoren zu gründen. Damit soll die Möglichkeit geschaffen werden, hochwertige journalistische Inhalte nicht länger im Internet zu verschenken. Ebenso wichtig wie bedroht ist der investigative Journalismus in den Kommunen. Vor Ort geraten demokratische Prozesse der Meinungsbildung aufgrund des Kostendrucks zunehmend in Gefahr. Es ist dringend geboten, dass Politik, Netzinfrastrukturbesitzer, Suchmaschinenbetreiber, Inhalteanbieter und Autoren hier gemeinsame Lösungen zur Förderung des Gemeinwohls entwickeln.

Also: Mehr investigativer Journalismus, der unter Umständen auch mich als Leser etwas kostet. Hm. Hm.

Da passt doch diese Meldung, ebenfalls von heute, gut dazu:

Die „Berliner Zeitung“, Berlins größte Abonnementzeitung, will Personal abbauen. Der Berliner Verlag hat „allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die bereit sind, aus dem Unternehmen auszuscheiden, ein freiwilliges Abfindungsangebot unterbreitet“, bestätigt Oliver Rohloff, Geschäftsführer des Berliner Verlags, gegenüber HORIZONT.NET.

(Und die ebenfalls zu DuMont Schauberg gehörende „Netzeitung“ wird es bald nicht mehr geben.)

Jetzt frage ich mich, wie es in der „Berliner Zeitung“ mehr investigative Reportagen (neben dem normalen Tagesgeschäft, das aber künftig von zusammengelegten Redaktionen betrieben werden soll) geben kann, wenn es weniger Mitarbeiter gibt.

Aber wahrscheinlich will DuMont Schauberg einfach nur seinen Gewinn erhöhen.