Kurzhinweis: Der „Mythos ‚Der Pate’“ in der Analyse

Januar 25, 2012

Ach, herrje, da erhebe ich nacheinander alle drei „Der Pate“-Filme von Francis Ford Coppola zum TV-Tipp des Tages und vergesse, auch nur einmal auf den von Norbert Grob, Bernd Kiefer und Ivo Ritzer herausgegeben Sammelband „Mythos ‚Der Pate‘ – Francis Ford Coppolas Godfather-Trilogie und der Gangsterfilm“ hinzuweisen.
In dem Sammelband wird sich aus verschiedenen Perspektiven dem Film (naja, genaugenommen sind es drei Filme, die 1972, 1974 und 1990 entstanden) und seinem Einfluss auf den Gangsterfilm (vor allem natürlich den des ersten und auch des zweiten „Der Pate“-Films) gewidmet. Es geht um die Mafia im italienischen Film, die echte Mafia und die „Der Pate“-Filme, über die Kameraarbeit von Gordon Willis, den „Paten“ und die amerikanische Geschichte, den Einfluss von „Der Pate“ auf die Filme von Abel Ferrara, Martin Scorsese, Sergio Leone und Brian De Palma, die Auferstehung vom „Paten“ im Videospiel und einen Vergleich zwischen der Kino- und der von Coppola aus den ersten beiden „Der Pate“-Filmen und zusätzlichen Szenen erstellten TV-Fassung, in der die Geschichte der Familie Corleone chronologisch erzählt wird. Das ist, wie immer bei Bertz + Fischer, reichhaltig illustriert. Es wurde sogar eine 16-seitige farbige Fotostrecke spendiert.
Herz, was begehrst du mehr? Außer vielleicht einige ungestörte Stunden für die Lektüre.
Aber davon abgesehen ist „Mythos ‚Der Pate’“ in den legendären Worten eines Katzenliebhabers, ein Angebot, das Sie nicht ablehnen können.

Norbert Grob/Bern Kiefer/Ivo Ritzer (Herausgeber): Mythos ‚Der Pate‘ – Francis Ford Coppolas Godfather-Trilogie und der Gangsterfilm (Deep Focus 10)
Bertz + Fischer, 2011
208 Seiten
19,90 Euro
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Hinweise

Wikipedia über „Der Pate“ (deutsch, englisch)

Homepage von Mario Puzo

Wikipedia über Mario Puzo (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Mario Puzo

Kirjasto über Mario Puzo

Kaliber.38 über Mario Puzo

Time: Mario-Puzo-Titelgeschichte (28. August 1978 – mit einem schönen Titelbild)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“/“Apocalypse Now Redux“ (Apocalypse Now, USA 1979)

Meine Besprechung von Mario Puzos „Sechs Gräber bis München“ (Six Graves to Munich, 1967)

Meine Besprechung von Ivo Ritzers „Fernsehen wider die Tabus“ (2011)


TV-Tipp für den 25. Januar: Mr. Klein

Januar 25, 2012

Eigentlich könnte der Film auch Mal vor Mitternacht laufen

ARD, 00.20

Monsieur Klein (F/I 1976, R.: Joseph Losey)

Drehbuch: Franco Solinas, Fernando Morandi, Joseph Losey

Paris 1942: Robert Klein verdient als Kunsthändler gut an der Not der Juden. Eines Tages liegt vor seiner Haustür ein an ihn adressiertes Exemplar der „Les informations juives“. Klein will herausfinden, warum er die Zeitung zugeschickt bekommen hat. Er erfährt von einem gleichnamigen Juden, der sich anscheinend seiner Identität bemächtigen will.

Kafkaesker Alptraum ohne die Hoffnung auf ein Happy End, von Losey karg und sehr stilbewusst inszeniert. Delons zurückhaltendes Spiel passt perfekt zur Rolle des emotionslosen Mitläufers, der nur an sich denkt und dabei zielsicher ins Verderben läuft.

Delon war für einen Cesar als bester Schauspieler nominiert, Losey erhielt einen für die Regie und der Film gewann den Cesar für bester Film.

mit Alain Delon, Jeanne Moreau, Michel Lonsdale, Juliet Bertot, Suzanne Flon, Jean Bouise

Hinweise

Wikipedia über „Monsieur Klein“ (deutsch, englisch, französisch)

Homepage von Alain Delon

Wikipedia über Alain Delon (deutsch, englisch, französisch)

Kriminalakte zum 75. Geburtstag von Alain Delon

Meine Besprechung von „Der Leopard“ (mit Alain Delon und Burt Lancaster)

Meine Besprechung von „Die Abenteurer“ (mit Alain Delon und Lino Ventura)

Alain Delon in der Kriminalakte


Cover der Woche

Januar 24, 2012


TV-Tipp für den 24. Januar: Polizeiruf 110: Tiefe Wunden

Januar 24, 2012

Eins Festival, 21.30

Polizeiruf 110: Tiefe Wunden (D 2003, R.: Buddy Giovinazzo)

Drehbuch: Christian Limmer

Düsterer „Polizeiruf 110″, in dem wir erfahren, wie Kommissar Tauber seinen Arm verlor.

Mit Edgar Selge, Michaela May, Catherine Flemming, Thure Riefenstein

Hinweise

Wikipedia über Buddy Giovinazzo (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Buddy Giovinazzo

One Road.Endless Possibilities: Interview mit Buddy Giovinazzo (21. Februar 2011, deutsch)

Meine Besprechung von Buddy Giovinazzos „Cracktown“ (Life is hot in Cracktown, 1993)

Buddy Giovinazzo in der Kriminalakte

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Demnächst in diesem Theater:

ein ziemlich hemmungsloses Abfeiern von Buddy Giovinazzos neuem Noir „Piss in den Wind“ (Pulp Master) über einen College-Dozenten, der glaubt seine Freundin umgebracht zu haben und seine Probleme mit einem Geist (weiblich, gutaussehend, intelligent, willig und ziemlich tot) verarbeiten will.

Bis dahin gibt es einen Blick auf das Cover:


„Filme der 2000er“ wagt einen Rückblick auf das letzte Filmjahrzehnt

Januar 23, 2012

„Filme der 2000er“ setzt die schöne Buchreihe des Taschen Verlags fort, in der die wichtigsten Filme eines Jahrzehnts in einem Buch in kurzen Besprechungen, pro Film einem Triviakasten mit zusätzlichen Information über den Regisseur oder einen Schauspieler und, selten, über etwas Filmtechnisches und vielen, oft unbekannteren Filmbildern, auf um die sechs Seiten zusammengefasst werden. Die opulente Aufmachung lädt zum Blättern und Schwelgen in Erinnerungen ein. Langjährige Filmfans werden freilich, weil sie die Filme meist schon kennen, wenig neues entdecken. Jüngere können sich anhand der „Filme der XYer“ ein solides Filmwissen aufbauen.
Aber während es für frühere Jahrzehnte bereits einen etablierten Kanon gibt, auch weil man die historische Bedeutung eines Films erst mit etwas Abstand einschätzen kann, hat Herausgeber Jürgen Müller jetzt, fast ohne zeitlichen Abstand, in „Filme der 2000er“ auf über achthundert Seiten mit 139 Filmen einen Rückblick auf des vergangene Jahrzehnt, das für das Kino einen großen Umbruch bedeutete, gewagt.
Wie immer wurde versucht zwischen Hollywood-Kino, Kassenschlagern, Arthaus-Kino und dem nationalen Blick einen Kompromiss zu finden, der auch dieses Mal weitgehend gelungen ist. Dabei wurden nur Filme aufgenommen, die auch in Deutschland im Kino liefen; – was insofern wichtig ist, weil in den vergangenen Jahren immer mehr wichtige Filme nur auf DVD veröffentlicht werden, wozu viele französische Kriminalfilme und, obwohl sie etwas schmuddelig für die „Filme der XYer“-Reihe sind, Horrorfilme zählen, und das Fernsehen, vor allem im Serienbereich, immer wichtiger wurde. Gleichzeitig, obwohl diese Entwicklung noch nicht abschätzbar ist, wird das Internet und die damit verbundenen neuen Vertriebswege immer wichtiger.
Natürlich sind die großen Kassenerfolge, wie „Harry Potter“, „Der Herr der Ringe“, „Fluch der Karibik“, „Das Bourne Ultimatum“, „Spider-Man“, „Iron Man“, „The Dark Knight“ und „Avatar“ enthalten. Auch viele, oft mit zahlreichen Preisen überhäufte, Kritikerlieblinge und Publikumslieblinge, mehr natürlich Richtung publikumswirksames Arthaus-Kino und traditionelles Erzählkino, sind drin. Zum Beispiel die grandios deprimierende Daniel-Woodrell-Verfilmung „Winter’s Bone“, „Black Swan“ und „The King’s Speech – Die Rede des Königs“. Aus Frankreich sind „8 Frauen“, „Die fabelhafte Welt der Amelie“, „Ein Prophet“ und „Carlos – Der Schakal“ (wobei die Lang- oder TV-Fassung eindeutig besser ist) dabei.
Aus Deutschland gibt es „Das Leben der anderen“, „Der Baader Meinhof Komplex“, „Yella“ und den Überraschungserfolg „Das weiße Band – Eine deutsche Kindergeschichte“.
Von einigen Regisseuren wie Pedro Almodovar, Joel & Ethan Coen, David Fincher, Michael Mann, Jason Reitman und Quentin Tarantino wurde fast jeder Film aufgenommen, was dann doch vielleicht etwas zu viel der Liebe ist.
Denn einige wichtige Regisseure wurden teils erstaunlich wenig beachtet. Bei Woody Allen beschränkte man sich mit „Match Point“ und „Vicky Cristina Barcelona“ auf die offensichtliche Wahl. Ebenso bei Clint Eastwood mit „Million Dollar Baby“ und „Gran Torino“. „Mystic River“ fehlt dagegen. Steven Spielberg und Martin Scorsese sind mit nur je einem Film vertreten. Erstgenannter mit „München“, zweitgenannter mit „Departed – Unter Feinden“ (einem Remake des hier nur auf DVD erschienenen Hongkong-Cop-Thrillers „Infernal Affairs“), was so konsensfähig, wie wenig aufregend ist, aber dazu führt, dass „Gangs of New York“ und „Aviator“ fehlen.
Es gibt auch seltsame Entscheidungen wie die Aufnahme von den doch eher belanglosen Komödien „Ricky Bobby – König der Rennfahrer“, „Hangover“ und „Stichtag“. Auch „State of Play – Stand der Dinge“ (nach einer TV-Serie) und „Barney’s Version“, die mir zwar gefallen haben, scheinen mir durch die Aufnahme in das Buch doch etwas überbewertet zu sein.
Dafür fehlen Alexander Paynes „Sideways“, Patty Jenkins‘ Serienkillerbiographie „Monster“ mit der Oscar-prämierten Charlize Theron, Robert Altmans „Gosford Park“, Tod Williams‘ John-Irving-Verfilmung „The Door in the Floor“ und Antoine Fuquas „Training Day“.
Aber insgesamt ist die Auswahl in Ordnung und, gerade auch wegen der seltsamen Entscheidungen, gibt „Filme der 2000er“ einen gelungenen Rückblick auf die letzten zehn Kinojahre.
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Jürgen Müller (Herausgeber): Filme der 2000er
Taschen, 2011
864 Seiten
29,99 Euro
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Hinweise
Taschen über „Filme der 2000er“ (mit einem Blick ins Buch und der Liste der präsentierten Filme)

Universitätshomepage von Jürgen Müller


TV-Tipp für den 23. Januar: Die Killer/Hammett

Januar 23, 2012

Die „Film Noir“-Reihe von Arte geht weiter

Arte, 20.15
Die Killer (USA 1946, R.: Robert Siodmak)
Drehbuch: Anthony Veiller
LV: Ernest Hemingway: The Killers, 1927 (Kurzgeschichte)
Ex-Boxer Pete, genannt „Der Schwede“ (bzw. Swede) wartet tatenlos in einem schäbigen Zimmer auf zwei Auftragskiller, die ihn umbringen sollen. Nach seinem Tod fragt sich ein Versicherungsdetektiv, warum sich jemand einfach so erschießen lässt. Er beginnt zu recherchieren.
„Eine Figur des Film noir, die noch resignierter ist als sonst bereits üblich: Swede weiß, dass die Vergangenheit ihn einholen wird, wenn nicht heute, dann morgen – wozu also davonlaufen? Der Versicherungsagent Riordan, der (in ausgefuchsten Rückblenden) der Vergangenheit Swedes nachforscht, erhält auch keine befriedigende Antwort, und seine Jagd auf die Killer scheint absurd und purer Selbstzweck.“ (Paul Werner: Film noir, 1985, mehrere erweiterte Neuauflagen)
„Noch heute ist dieser Film (…) der radikalste Anschlag auf den Mythos des Hollywood Helden.“ (Norbert Grob, Die Zeit, 6. Juli 1990)
John Huston, der die erste Drehbuchversion schrieb, übernahm von Ernest Hemingway nur die Grundidee und am Ende entstand ein Noir-Klassiker, der auch einen Edgar erhielt und für vier Oscars nominiert war.
1964 ging Don Siegel mit der Kurzgeschichte ähnlich rabiat um und er erzählte eine ganz andere Geschichte.
mit Edmond O’Brien, Ava Gardner, Albert Dekker, Sam Levene, Burt Lancaster, William Conrad
auch bekannt als „Rächer der Unterwelt“
Wiederholung: Dienstag, 24. Januar, 14.40 Uhr
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Hinweise
Wikipedia über „The Killers“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „The Killers“

Noir of the Week: Bill Hare über „The Killers“

Meine Besprechung von Don Siegels Remake „Der Tod eines Killers“ (The Killers, USA 1964)
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Arte, 21.55
Hammett (USA 1982, R.: Wim Wenders)
Drehbuch: Ross Thomas, Dennis O´Flaherty, Thomas Pope
LV: Joe Gores: Hammett, 1975 (Dashiell Hammetts letzter Fall, Hammett)
Ex-Privatdetektiv Dashiell Hammett, der inzwischen Pulp-Autor ist, wird von einem alten Freund gebeten um einen Gefallen gebeten – und der Rest ist eine Geschichte, die Dashiell Hammett erfunden haben könnte, wenn es nicht Hammett-Kenner Joe Gores einige Jahrzehnte später gemacht hätte.
Ein feiner Film, einer von Wenders‘ besten Filmen, aber auch sein unpersönlichster Film, der aber gleichzeitig viele seiner bekannten Themen bearbeitet und rückblickend immer besser wird. Denn jetzt muss „Hammett“ nicht mehr mit den damaligen Kinohits konkurrieren.
Mit Frederic Forrest, Peter Boyle, Marilu Henner, Roy Kinnear, Elisha Cook, R. G. Armstrong, Samuel Fuller, Silvia Sydney, Jack Nance, Ross Thomas (einer der Männer im Sitzungszimmer)
Wiederholung: Samstag, 28. Januar, 01.50 Uhr (Taggenau!)
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Hinweise

Wikipedia über „Hammett“ (deutsch, englisch)

Homepage von Wim Wenders

Wim Wenders in der Kriminalakte

Wikipedia über Joe Gores

Thrilling Detective über Joe Gores

Joe Gores: Why I write Mysteries

Meine Besprechung von Joe Gores’ „Hammett“ (Hammett, 1975)

Mein Nachruf auf Joe Gores

Joe Gores in der Kriminalakte (mit viel Stoff zu und über Dashiell Hammett)

Dashiell Hammett in der Kriminalakte
Meine Besprechung von Wim Wenders‘ „Hammett“ (Hammett, USA 1982)


TV-Tipp für den 22. Januar: Der Pate – Teil III

Januar 22, 2012

Arte, 20.15
Der Pate – Teil III (USA 1990, R.: Francis Ford Coppola)
Drehbuch: Mario Puzo, Francis Ford Coppola
1979: Michael Corleone kriegt Ärger mit der katholischen Kirche.
Im Vergleich zu den ersten beiden Paten-Filmen ist der dritte eine langatmige Enttäuschung.
Mit Al Pacino, Diane Keaton, Talia Shire, Andy Garcia, Joe Mantegna, Sofia Coppola, Bridget Fonda, Eli Wallach, George Hamilton, Helmut Berger, John Savage
Wiederholung: Dienstag, 24. Januar, 01.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Der Pate“ (deutsch, englisch)

Homepage von Mario Puzo

Wikipedia über Mario Puzo (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Mario Puzo

Kirjasto über Mario Puzo

Kaliber.38 über Mario Puzo

Time: Mario-Puzo-Titelgeschichte (28. August 1978 – mit einem schönen Titelbild)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“/“Apocalypse Now Redux“ (Apocalypse Now, USA 1979)
Meine Besprechung von Mario Puzos „Sechs Gräber bis München“ (Six Graves to Munich, 1967)


„Chew“: Sättigend, mit Fleisch und „Eiskalt serviert“

Januar 21, 2012

Der Originaltitel des dritten „Chew“-Sammelbandes „Just Desserts“ ist treffender als der deutsche Titel „Eiskalt serviert“. Denn Autor John Layman und Zeichner Rob Guillory (ein Interview mit ihm ist im Buch enthalten) servieren dieses Mal fünf kurze Geschichten, die alle gut schmecken, aber eher Episoden aus dem Polizeialltag und, hm, Leben von Tony Chu, John Colby und Amelia Mintz erzählen, die in einer nahen Zukunft spielen, in der nach einer Seuche der Verzehr von Fleisch, vor allem Hühnerfleisch, verboten ist. Selbstverständlich hat sich schnell ein florierender Schwarzmarkt entwickelt und die Lebensmittelaufsicht (FDA) jagt die Fleischesser. Dafür hat sie mehr Kompetenzen als das FBI und der Heimatschutz zusammen. Die FDA ist die mächtigste Exekutivbehörde der Welt.
Tony Chu ist einer ihrer Ermittler und Cibopath. Er kann in eine Banane beißen und bekommt ein Gefühl dafür, von welchem Baum die Banane stammt, welches Pestizid verwendet und wann sie geerntet wurde. Meistens muss er allerdings andere Dinge essen und so die Ermittlungen verkürzen.
Seine Freundin Amelia Mintz ist Saboskripterin. Die Journalistin kann Essen so anschaulich beschreiben, dass die Leser beim Lesen ihres Artikels das Essen schmecken können.
Chews Kollege John Colby ist ein ganz normaler Mensch, der gerne Fleisch isst und nur noch ein halbes Gesicht hat. Die andere Hälfte wurde von Ärzten wieder hergerichtet. Jetzt sieht er aus wie der Terminator und sein Ermittlungsansatz ist meist ähnlich geradlinig.
In „Eiskalt serviert“ müssen Tony und John herausfinden, wer in einem Stall den Sohn eines Senators und Öko-Terroristen ermordete und ihm einen Grauschwanzzwergmarder (ganz oben auf der Liste der bedrohten Arten) in den Mund stopfte. Die Spur führt zu einem Feinschmeckerclub, auf dessen seltenen Dinners bevorzugt bedrohte Tierarten verspeist werden. In einer anderen Geschichte tauchen Tony und sein Kollege John in die Welt der selbstverständlich vollkommen verbotenen Hahnenkämpfe ab.
Sie wollen das Geheimnis von „Poultplus“, einem Hühnchenersatz von Montero Industries, herausfinden. Nach einem Bissen weiß Tony, dass „Poultplus“ kein Chicken, sondern Fricken (was etwas ziemlich kloakiges ist) ist.
Der vom cibopathischen Partner zum Erzfeind mutierte Mason Savoy taucht auch wieder auf. Und auf den letzten Seiten von „Eiskalt serviert“ lernen wir die große Familie von Tony Chu kennen.
Während Chew absolut humorfrei ist, haben wir in den ziemlich absurden Geschichten einiges zu lachen. Allein schon das erste Panel, in dem Tony und Amelia mit blutverschmierter Kleidung in einem reichlich demolierten Edelrestaurant stehen und er sagt „Äh. Nicht gerade ein gewöhnliches erstes Date, was?“, ist offensichtlich, dass für spritzige Unterhaltung gesorgt ist. Auch wenn es „Just Desserts“ sind.
Sehr gut haben mir auch die Filmplakate für „Pullet Fiction“ und „Reservoir Chogs“ gefallen.
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John Layman/Rob Guillory: Chew – Bulle mit Biss: Eiskalt serviert (Band 3)
(übersetzt von Marc-Oliver Frisch)
Cross Cult 2011
128 Seiten
16,80 Euro
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Originalausgabe
Chew Vol. 3: Just Desserts
Image, 2010
(enthält Chew # 11 – 15)
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Hinweise

Homepage von Chew/John Layman

Comicgate: Interview mit John Layman (5. März 2011)

Meine Besprechung von John Layman/Rob Guillorys „Chew – Bulle mit Biss: Leichenschmaus (Band 1)“ (Chew Vol. 1: Taster’s Choice, 2009)

Meine Besprechung von John Layman/Rob Guillorys „Chew – Bulle mit Biss: Reif für die Insel (Band 2)“ (Chew: International Flavor, 2010)


TV-Tipp für den 21. Januar: Flashpoint – Das Spezialkommando: Skorpion/Warteliste

Januar 21, 2012

RTL II, 21.55
Flashpoint – Das Spezialkommando: Skorpion/Warteliste (Kanada 2008, R.: Regie: David Frazee
Drehbuch: Mark Ellis, Stephanie Morgenstern
Tolle kanadische Polizeiserie über eine Sondereinheit, die in Krisensituationen, vor allem Geiselnahmen, gerufen wird und versucht, die Situation zu entschärfen. Dabei erfahren wir auch immer viel über die Gründe der Übeltäter, die dann doch nicht so schuldig sind, wie es auf den ersten Blick aussieht.
In Kanada und den USA ist die Serie sehr erfolgreich. Nur bei uns wird sie vom Publikum sträflich ignoriert. Auf DVD ist gerade die vierte Staffel erschienen und RTL II startet, mit der Wiederholung der ersten Staffel in Doppelfolgen, einen neuen Versuch.
mit Hugh Dillon, Enrico Colantoni, Amy Jo Johnson, David Paetkau, Sergio Di Zio, Michael Cram, Mark Taylor, Ruth Marshall

Hinweise

CTV über die Serie

CBS über die Serie

RTL II über die Serie

Wikipedia über „Flashpoint“ (deutsch, englisch) und die ETF

Polizei von Toronto über die ETF

Running with my eyes closed: Interview mit Stephanie Morgenstern und Mark Ellis (Oktober 2008, Teil 1, Teil 2)

Complications Ensue: Interview mit Stephanie Morgenstern und Mark Ellis (21. Juli 2009)

Meine Besprechung von „Flashpoint – Das Spezialkommando: Staffel 1“

Meine Besprechung von „Flashpoint – Das Spezialkommando: Staffel 2“

Meine Besprechung von „Flashpoint – Das Spezialkommando: Staffel 3“
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Uh, und so sieht das Cover der vierten Staffel aus:


TV-Tipp für den 20. Januar: Das Ende – Assault on Precinct 13

Januar 20, 2012

Pro 7, 22.30

Das Ende – Assault on Precinct 13 (USA/F 2005, R.: Jean-François Richet

Drehbuch: James DeMonaco (nach dem Drehbuch von John Carpenter)

Jahreswende in Detroit: In einem abgelegenem Polizeirevier, das demnächst aufgelöst werden soll, muss wegen eines Schneesturms über die Nacht ein berüchtigter Gangster untergebracht werden. Einige korrupte Polizisten, die verhindern wollen, dass der Gangster redet, wollen ihn umbringen. Sie belagern das Revier. Der Revierleiter nimmt den Kampf auf – und muss dabei auch dem Gefangenen vertrauen.

Fetziges Remake von John Carpenters gleichnamigem Film; wobei John Carpenter die Story auch geklaut hat (und nie ein Geheimnis daraus gemacht hat).

mit Ethan Hawke, Laurence Fishburne, Gabriel Byrne, Maria Bello, John Leguizamo, Brian Dennehy, Kim Coates, Hugh Dillon

Wiederholung: Samstag, 21. Januar, 02.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Das Ende – Assault on Precinct 13“ (deutsch, englisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Juan Carlos Fresnadillo, Clive Owen und die „Intruders“

Januar 19, 2012

Spoilerwarnung: Diese Besprechung enthält Spoiler und, weil sich meine Kritik hauptsächlich auf das Ende bezieht, wird das natürlich auch verraten; – wobei: wenn man das Ende kennt, kann man sich vielleicht genauer auf die Konstruktion einlassen, die Zeichen deuten und so einen besseren Film, freilich ohne die große Überraschung am Ende, genießen.
Na, egal, wie auch immer, nach dem Trailer geht’s mit der Besprechung los.

Als der Film zu Ende war, war ich tief enttäuscht. Denn das Ende ruinierte den atmosphärischen Gruselfilm.
Jetzt, mit etwas Abstand und intensiverem Nachdenken über den Film und das Ende, ist „Intruders“ von Juan Carlos Fresnadillo („Intacto“, „28 Weeks Later“) gar nicht so schlecht, aber auch nicht wirklich gut.
In England findet Mia (Ella Purnell) in einem schwer erreichbaren Loch in einem Baum ein Kästchen, in dem alte Aufzeichnungen sind. Sie beginnt sie fasziniert zu lesen und ein Dämon, das Schattengesicht, tritt in ihr Leben. Er will von ihr Besitz ergreifen und sie vielleicht sogar töten. Jedenfalls hat sie eine höllische Angst vor der dunklen, unheimlichen Bedrohung, die sich in den dunklen Ecken ihres Zimmers versteckt. Ihr Vater John Farrow (Clive Owen), der sehr verständnisvoll auf ihre Ängste eingeht, will ihr helfen. Denn niemand außer ihr sieht Schattengesicht und auch als sie eine Überwachungskamera in ihrem Zimmer installieren, sieht niemand den Eindringling, sondern nur John mit sich selbst kämpfen.
In Spanien sieht der kleine Juan (Izán Corchero) ebenfalls Schattengesicht. Seine Mutter Luisa (Pilar López de Ayala) versucht ihm zu helfen. Aber er hat weiterhin Angst. Sie wenden sich an einen jungen katholischen Priester Antonio (Daniel Brühl), der ihnen helfen will. Er erwägt sogar einen Exorzismus.
Fresnadillo erzählt parallel, und damit etwas redundant, diese beiden Geschichten und hemmt damit immer wieder den Erzählfluss. Denn bis zum Ende ist unklar, wie sie miteinander zusammenhängen und wie der Vater und die Mutter in ihrem Land die Eindringlinge (immerhin heißt der Film „Intruders“ und nicht „Intruder“) besiegen könnten.
Dennoch funktioniert der Film über weite Strecken als sanfter Horrorfilm, in dem es um die Versuche von Eltern geht, ihre Kinder zu schützen und bei den Kindern um die Faszination, aber auch Angst, vor dem Unbekannten.
In den letzten Minuten wird allerdings plötzlich deutlich, dass die Ereignisse in Spanien und England nicht gleichzeitig spielen. Der spanische Junge ist John (Clive Owen) und weil seine Mutter Schattengesicht nicht besiegen konnte, flüchten sie nach England. Dort belegt der Junge Schattengesicht mit einem Fluch, der dazu führt, dass der Geist ihn nicht mehr bedrohen kann, und er versteckt seine Aufzeichnungen und den Bannfluch in einem Baum.
Hmpf.
Aber damit hört die Erklärung der Drehbuchautoren nicht auf. Schattengesicht ist nämlich kein übernatürlicher Dämon, sondern er war der aus dem Gefängnis entlassene Mann von Luisa. Als er in einer Regennacht über das Baugerüst bei ihnen einbrach, flüchtete Juan vor ihm, es kam zu einem Kampf und der Eindringling stürzte in den Tod.
Dass der Junge dieses Ereignis verdrängt und es mit einem Geist erklärt, ist noch halbwegs verständlich, obwohl die Mutter sich dann doch etwas seltsam verhält. Immerhin weiß sie, vor was ihr Kind Angst hat.
Doch damit hören die Autoren und der Regisseur in ihrem Erklärungs- und Rationalisierungswahn nicht auf. Denn die besonders starke Liebe zwischen dem Vater John und seiner Tochter führt dazu, dass sie die Ängste ihres Vaters (der nicht weiß, dass sie seine Schatulle entdeckt hat) auf sich überträgt. Das ist nur noch gaga.
So wird aus zwei durchaus vielversprechenden Geschichten, die jede für sich als „Twilight Zone“-Geschichte funktionieren würde, am Ende eine herbe Enttäuschung.
Außerdem führt der Titel auf die falsche Fährte. Denn es gibt nur einen Eindringling.

Intruders (Intruders, USA/England/Spanien 2011)
Regie: Juan Carlos Fresnadillo
Drehbuch: Nicolás Casariego, Jaime Marques
mit Clive Owen, Carice van Houten, Daniel Brühl, Kerry Fox, Ella Purnell, Izán Corchero, Pilar López de Ayala, Lolita Chakrabarti, Mark Wingett
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Hinweise
Deutsche Hompeage zum Film
Film-Zeit über „Intruders“
Rotten Tomatoes über „Intruders“
Wikipedia über „Intruders“


TV-Tipp für den 19. Januar: Jesse Stone: Alte Wunden

Januar 19, 2012

ZDF, 00.45

Jesse Stone: Alte Wunden (USA 2007, R.: Robert Harmon)

Drehbuch: Ronni Kern

LV: Robert B. Parker: Sea Change, 2006

Ex-Großstadtcop Jesse Stone langweilt sich in der malerischen Kleinstadt Paradise. Also rollt er einen 15 Jahre alten Mordfall wieder auf.

Vierter Jesse-Stone-TV-Krimi, der das Niveau der vorherigen Stone-Filme hält: gutes altmodisches Schauspielerkino, das vom ZDF (wie die vorherigen Stone-Filme) zu einer indiskutablen Uhrzeit ausgestrahlt wird.

Tom Selleck erhielt für seine Darstellung von Jesse Stone eine Emmy-Nominierung

mit Tom Selleck, Viola Davis, William Devane, Kathy Baker, William Sadler, James Gammon, Saul Rubinek

Hinweise

Homepage von Robert B. Parker

Mein Porträt der Spenser-Serie und von Robert B. Parker

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Die blonde Witwe“ (Widow’s walk, 2002)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Alte Wunden” (Back Story, 2003)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der gute Terrorist“ (Now & Then, 2007)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Hundert Dollar Baby” (Hundred Dollar Baby, 2006)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Trügerisches Bild“ (Painted Ladies, 2010)

Mein Nachruf auf Robert B. Parker

Robert B. Parker in der Kriminalakte


DVD-Kritik/Blu-ray-Kritik: Der immer noch frische Nouvelle-Vague-Klassiker „Außer Atem“

Januar 18, 2012

Dass Jean-Luc Godards Debütfilm „Außer Atem“ ein Klassiker ist, dürfte wohl kaum jemand bestreiten; ein Film der in jedem ernst zu nehmendem Filmkanon auftaucht und es auch in den inzwischen wohl weitgehend vergessenen Filmkanon der Bundeszentrale für politische Bildung von 2003 schaffte.
Dass „Außer Atem“ viele Regisseure beeinflusste, dürfte auch bekannt sein. In der Doku „Godard: Made in USA“ erzählen Robert Benton, Arthur Penn, William Friedkin, Peter Bogdanovich, Paul Schrader, Brian de Palma und James Gray, wie Godard sie beeinflusste.
Dass Jean-Paul Belmondo mit „Außer Atem“ seine Karriere begann, in der er, neben Alain Delon, einer der großen Stars des französischen Kinos der sechziger und siebziger Jahre wurde, ist ebenfalls bekannt. Auch dass das Spätwerk von Belmondo und Delon nicht mit ihrem Frühwerk mithalten kann.
Aber ist ein über fünfzig Jahre alter Film, der die Nouvelle Vague mitbegründete und der Nukleos für verschiedene Entwicklungen war, heute immer noch sehenswert? Ist das, was damals als Neuerung erkannt und bejubelt wurde, heute nicht hoffnungslos veraltet, naiv und anachronistisch?


Nun, „Außer Atem“ ist nichts davon. Der Film hat eine heute immer noch mitreisende Energie, die von der Experimentierfreude der Beteiligten, von den Kürzungen, die Godard machen musste, und den Darstellern, vor allem Jean-Paul Belmondo als Michel Poiccard und Jean Seberg als Patricia Franchini, kommt.
Michel ist ein Kleingangster, der ungefähr jedem zweiten Rock hinterhersteigt. Aber in die Amerikanerin Patricia hat er sich verliebt. Er weiß auch nicht warum. Aber er will unbedingt bei ihr bleiben. Die Sorbonne-Studentin, die auch als Journalistin arbeitet und die New York Herald Tribune verkauft, findet ihn wohl eher „interessant“.
Als er ein geklautes Auto von Marseille nach Paris fährt, wird er von einem Polizisten erwischt, tötet ihn (obwohl wir die Tat nie sehen) und taucht in Paris bei ihr unter. Während er auf das Geld von einem Freund wartet, verbringt er die Tage mit ihr. In einem kleinen Hotelzimmer und ständig miteinander redend. Sie geht zu einem Interview mit dem bekannten Autor Parvulesco (gespielt von Jean-Pierre Melville), erfährt, dass ihr Liebhaber von der Polizei gesucht wird, verrät ihn und Michel wird auf der Flucht erschossen.
Das ist nicht viel Story. Das meiste ist improvisiert. Was hier bedeutet, dass Godard die Texte erst kurz vor dem Dreh schrieb und den Schauspielern teils während des Drehs zuflüsterte. Die Vorbilder aus den USA sind deutlich zu erkennen. „Außer Atem“ ist die französische Variante eines Hollywood-Gangsterfilms, eines Noirs, die Geschichte einer unglücklichen Liebe von einem Mann zu einer Femme Fatale.
Es ist aber auch der Aufbruch zu einem neuen Kino, das bereits viele Merkmale von Jean-Luc Godards späteren Filmen hat, wie die endlos-ziellosen Dialoge, die zwischen Tiefsinn und Dadaismus pendeln, die regelbrechende Kamera und dem Verweigern von bekannten Genrekonventionen.
Gleichzeitig, in einer Mischung aus Improvisation beim Drehen, langen, ungeschnittenen Szenen, in denen die Kamera sich teils schwerelos durch den Raum bewegt, einem Vernachlässigen der Continuity (die ja darauf aufpasst, dass die Anschlüsse stimmen und Gläser nicht mal leer, mal voll sind) und einem kräftigen Kürzen der ersten Schnittfassung entstand dann diese nervöse Energie, die einfach über Anschlussfehler und damals in der Filmsprache verbotenen Jump Cuts hinwegsah.
Damals brachte „Außer Atem“, wie auch die anderen Filme der Nouvelle Vague, frischen Wind in das verstaubte Kino der Väter.
Heute; nun, heute wirkt „Außer Atem“ immer noch wie eine frische Brise, die zeigt, was möglich ist.

Das Bonusmaterial

Das reichhaltige Bonusmaterial der Blu-Cinemathek-Ausgabe ist exzellent. Es gibt eine knapp fünfminütige Einführung von Colin McCabe zum Film, die gut achtzigminütige SW-Dokumentation „Zimmer 12: Hotel de Suède“ (Frankreich, 1993) von Claude Ventura und Xavier Villetard, die kurz vor dem Abriss des Hotels, in dem die langen Gespräche zwischen Belmondo und Seberg stattfanden, sich leicht prätentiös auf Spurensuche begaben und viele Interviews mit damals am Film Beteiligten machten, die fünfzigminütige, filmhistorisch sehr spannende Doku „Godard: Made in USA“ (Frankreich, 2009) von Luc Lagier über Godards Besuche und Arbeit in den USA und, mit zahlreichen Interviews mit US-Regisseuren, über seinen Einfluss auf ihre Arbeit, und die knapp achtminütige leicht experimentelle Annäherung „Luc und wie er Jean-Luc sieht“ von Godard-Freund und -Kenner Luc Moullet für Arte Kurzschluss.
Dazu gibt es noch eine umfangreiche Bildergalerie, einige Filmplakate (Nostalgia rules!) und den Trailer, der auch ein kleines Kunstwerk und „sehr Godard“ ist.

Außer Atem (À bout de souffle, Frankreich 1960)
Regie: Jean-Luc Godard
Drehbuch: Jean-Luc Godard (nach einer Geschichte von Francois Truffaut)
Buch zum Film: Claude Francolin: À bout de souffle, 1960 (Außer Atem)
mit Jean-Paul Belmondo, Jean Seberg, Daniel Boulanger, Jean-Pierre Melville, Henri-Jacques Huet, Van Dode, Jean-Luc Godard, Roger Hanin
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DVD
Studio Canal/Arthaus – Blu Cinemathek
Bild: 1,33:1 (1080/24p Full HD)
Ton: Deutsch, Französisch, Spanisch (Mono DTS-HD Master Audio)
Untertitel: – (obwohl „Deutsch, Englisch, Holländisch, Japanisch, Portugiesisch, Spanisch, Türkisch“ angekündigt sind)
Bonusmaterial: Filmpräsentation von Colin McCabe, Godard: Made in USA, Zimmer 12: Hotel de Suède, Luc und wie er Jean-Luc sieht, Fotogalerie, Trailer, Filmplakate
Länge: 90 Minuten
FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Arte zum Film (mit einem Interview mit Jean-Luc Godard)

Filmzentrale mit mehreren Besprechungen über „Außer Atem“: Behrens, Kreimeier, Richter

Senses of Cinema über Jean-Luc Godard

Die Zeit (Katja Nicodemus) redet mit Jean-Luc Godard: „Kino heißt streiten“

Jean-Luc Godard in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 18. Januar: Schwarzer Sonntag

Januar 18, 2012

ServusTV, 22.45

Schwarzer Sonntag (USA 1977, R.: John Frankenheimer)

Drehbuch: Ernest Lehman, Kenneth Ross, Ivan Moffat

LV: Thomas Harris: Black Sunday, 1975 (Schwarzer Sonntag)

Palästinensische Terroristen planen einen Anschlag auf ein vom us-amerikanischen Präsidenten besuchtes Footballspiel.

Spannender Thriller, der inzwischen wieder erschreckend aktuell ist.

Mit Robert Shaw, Marthe Keller, Bruce Dern, Fritz Weaver

Hinweise

Homepage von Thomas Harris

Wikipedia über „Schwarzer Sonntag“ (deutsch, englisch)

Filmreference (R. Barton Palmer) über „Black Sunday“

DVD Verdict (Mark van Hook) über „Black Sunday“

DVD Times (Mike Sutton) über „Black Sunday“

Die Zeit (Hans C. Blumenberg) über „Schwarzer Sonntag“ (9. September 1977)

Meine Bepsrechung von John Frankenheimers „Die jungen Wilden“ (The Young Savages, USA 1960)


Sherlock Holmes, die „Losers“, John Constantine und Deathlok im Kampf gegen das Böse

Januar 17, 2012

Von Ian Edgintons erster Sherlock-Holmes-Geschichte „Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies“ war ich etwas enttäuscht. Sherlock Holmes kämpft gegen Zombies. Das ist ja noch okay. Aber dass er als ultimative Lösung gegen die Zombie-Plage London einfach abfackeln lässt, widerspricht dann doch meiner Vorstellung von einem Meisterdetektiv bei der Arbeit.
In dem zweiten „Victorian Undead“-Sammelband lässt Edginton das von Sir Arthur Conan Doyle erfundene und heute wieder sehr populäre Ermittlerduo Sherlock Holmes und Dr. John Watson auf andere literarische Charaktere treffen, die ungefähr zur gleichen Zeit die literarische Bühne betraten und immer noch bekannt sind: Dr. Jekyll und Mr. Hyde (erfunden von Robert Louis Stevenson) und Graf Dracula (erfunden von Bram Stoker).
Diese Idee ist, vor allem nach Alan Moores „The League of Extraordinary Gentlemen“ (Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen), nicht mehr unbedingt neu, aber sie funktioniert  hier prächtig. In „Sherlock Holmes vs Jekyll/Hyde“ (gezeichnet von Horacio Domingues) entsteht so auch ein veritabler Rätselplot. Denn niemand kennt diesen seltsamen Mr. Hyde, der sich bei Dr. Jekyll eingenistet hat. In der deutlich längeren Geschichte „Sherlock Holmes vs. Dracula“ (gezeichnet von Davide Fabbri) wird Sherlock Holmes, weil natürlich alle aus Stokers „Dracula“-Roman bekannten Charaktere auftreten müssen, fast zu einer Randfigur. Dem Vergnügen bereitet das keinen Abbruch. Außerdem will diese Inkarnation von Graf Dracula nicht nur einige Frauen beißen, sondern gleich die Königin.
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Ian Edginton (Autor)/Horacio Domingues/Davide Fabbri (Zeichner): Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula
(übersetzt von Gerlinde Althoff)
Panini, 2011
144 Seiten
16,95 Euro
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Originalausgabe
Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Jekyll/Hyde
Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula, # 1 – 5
DC Comics, 2010/2011
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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“

Rotten Tomatoes über „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“

Wikipedia über „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (deutsch, englisch)

Homepage von Sir Arthur Conan Doyle (Erben)

Krimi-Couch über Sir Arthur Conan Doyle

Kirjasto über Sir Arthur Conan Doyle

Wikipedia über Sir Arthur Conan Doyle (deutsch, englisch)

Sherlockian.net (Einstiegsseite mit vielen Links)

Facebook-Seite der deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft

Thrilling Detective über Sherlock Holmes

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes Geschichten”, “Sherlock Holmes Kriminalgeschichten” und “The Adventures of Sherlock Holmes” (und hier eine Auflistung der in diesen Werken enthaltenen Geschichten)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Davide Fabbris (Zeichner): Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies! (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies, 2010)

Meine Besprechung von „Sherlock: Ein Fall von Pink“ (A Study in Pink)

Meine Besprechung von „Sherlock: Eine Legende kehrt zurück“ (Sherlock, GB 2010)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Sherlock Holmes in der Kriminalakte

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Die „Losers“ sind, wie wir aus den vorherigen „The Losers“-Comics von Autor Andy Diggle und Zeichner Jock (und der  vergnüglichen Verfilmung) wissen, eine geheime CIA-Spezialeinheit, die nach einem Einsatz zum Abschuss freigegeben wurde, untergetaucht ist und sich jetzt an Max, dem geheimnisumwitterten CIA-Hintermann, der dafür den Befehl gab, rächen will.
Über einige Umwege haben die „Loser“, wie sie sich selbst sehr selbstironisch nennen, die Spur von Max nach London geführt. Dort vermuten sie bei der Cayman Credit Internationale, einer Bank, die gegründet wurde, um Drogengeld der CIA für die Contras zu waschen, weitere Informationen über Max, der ein Hauptgesellschafter der CCI ist. Getarnt als Waffenhändler wollen sie die Bank betreten. Wollen heißt hier aber nicht unbedingt können und dass es einfach wird, hat auch niemand behauptet.
In „Anti-Heist“ geht’s dann auf einen Frachter, der dreihundert Pfund waffenfähiges Plutonium transportiert und den, wie die Loser natürlich erst auf dem Schiff erfahren, Max zu einer schmutzigen Bombe umfunktionieren will. Zweihundert Meilen westlich der Azoren, also mitten auf Hoher See, müssen sie gegen die Schergen von Max kämpfen.
Die beiden Geschichten „London Calling“ (gezeichnet von Ben Oliver) und „Anti-Heist“ (gezeichnet von Jock) sind feines Action-Futter. Die Serie bewegt sich mit ihnen langsam auf die Zielgerade. Denn mit dem fünften „The Losers“-Sammelband endet die Geschichte.
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Andy Diggle (Autor)/Jock/Ben Oliver (Zeichner): The Losers: London Calling (Band 4)
(übersetzt von Bernd Kronsbein)
Panini, 2011
144 Seiten
16,95 Euro
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Originalausgabe
The Losers: Vol. 20 – 25
Vertigo/DC Comics, 2005
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Hinweise

Homepage von Andy Diggle

Blog von Andy Diggle

Homepage von Jock

Meine Besprechung von Andy Diggle/Jocks „The Losers: Goliath – Band 1“

Meine Besprechung von Andy Diggle/Jock/Shawn Martinbroughs „The Losers: Die Insel – Band 2“

Meine Besprechung von Andy Diggle/Jock/Nick Dragotta/Alé Garza: The Losers: Der Pass, Band 3 (The Losers 13 – 19, 2005)
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Nach dem Ende von „The Losers“ schrieb Andy Diggle, nach Alan Moore, Mike Carey, Garth Ennis, Brian Azzarello und Denise Mina, für „John Constantine, Hellblazer“ mehrere Geschichten. Die erste Hälfte seiner „Hellblazer“-Geschichten ist jetzt in „Spritztour“ erschienen.
John Constantine ist, hm, das Oberhaupt des britischen Untergrundokkultismus, Meister des Übernatürlichen, Kettenraucher, die Punk-Ausgabe eines Hardboiled-Detektivs und jetzt, nach einigen unschönen Ereignissen, die in den vorherigen „Hellblazer“-Heften erzählt wurden, ganz unten.
Auf den ersten Seiten von „Spritztour“, in „Ins kalte Wasser“, kniet Constantine, an einen Pfahl gefesselt, in brackigem Flusswasser vor einem Unbekannten, der ihn mit einer Pistole bedroht und man glaubt in Leonardo Mancos Zeichnung den Gestank des Flusses zu riechen. Von da an kann es für Constantine nur noch aufwärts gehen.
In diese missliche Lage ist er gekommen, weil ein im Knast sitzender Gangsterboss glaubt, dass Constantine seine Tochter ermordet hat.
Nachdem er sich befreit hat, macht er sich auf den Weg in ein einsam gelegenes Casino, das eine geheimnisvolle Vergangenheit hat. Jedenfalls will er sein altes Zimmer aus der Zeit haben, als das Casino noch kein Hotel war, und am Spieltisch setzt er durch, dass auf den Höchsteinsatz verzichtet wird.
Für sich betrachtet sind die miteinander verknüpften Geschichten in „Spritztour“ (die mit einem Cliffhanger enden) feine noir-infizierte Geschichten, bei denen allerdings, im Kontext einer seit über zwanzig Jahren erscheinenden monatlichen Comicserie, etwas seltsam ist, dass John Constantine mit dem Verlust seiner Position auch seine gesamtes Wissen verloren hat. Denn die Geschichten funktionieren nur, weil Constantine sich doch arg naiv verhält und so in einige Fallen tappt, in die ein erfahrener Troubleshooter nicht latschen dürfte.
Und natürlich ist Diggles John Constantine viel besser und cooler als Keanu Reeves in Francis Lawrences ziemlich missglückter und vergessener 2005er-Verfilmung „Constantine“. „Hellblazer“-Erfinder Alan Moore (Watchmen, V for Vendetta, From Hell) war, wieder einmal, nicht begeistert von der Hollywood-Bearbeitung seiner Geschichte und er setzte durch, dass sein Name im Abspann nicht genannt wird.
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Andy Diggle (Autor)/Leonard Manco/Danijel Zezelj (Zeichner): John Constantine, Hellblazer: Spritztour  (Band 10)
(Vorwort von Stephen Gallagher)
(übersetzt von Gerlinde Althoff)
Panini 2011
244 Seiten
29,95 Euro
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Originalausgabe
Hellblazer: Vol. 230 – 239
DC Comics 2008
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Ich bin ja ein großer Charlie-Huston-Fan, aber dieser Ausflug in die Comicwelt ist ziemlich misslungen. In „Deadlock“ erzählt er eine vor allem verwirrende Geschichte aus einer von Konzernen beherrschten Zukunft, in der Cyborgs auf Schlachtfeldern gegeneinander kämpfen und die besten Soldaten millionenschwere Werbeverträge haben. Die Kämpfe sind das Feierabendvergnügen für ein Millionenpublikum.
Das knüpft natürlich an bekannte Dystopien wie „Rollerball“ und „Starship Troopers“, mit einem Schuss „Robocop“, an und ist auch mit einigen satirischen Spitzen und viel Gewalt abgeschmeckt. Aber Charlie Huston springt so besinnungslos zwischen den verschiedenen Erzählzeiten und Perspektiven hin und her, dass das Schicksal von Luther Manning, einem Soldaten, der nach einem tödlichem Unfall zu „Deathlok“ wurde kaum nachvollzogen werden kann.
„Deathlok: Der Zerstörer“ ist eine einzige große Enttäuschung.
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Charlie Huston (Autor)/ Lan Medina (Zeichner): Deathlok: Der Zerstörer (MAX 41)
(übersetzt von Bernd Kronsbein)
Panini, 2011
180 Seiten
18,95 Euro
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Originalausgabe
Deathlok: The Demolisher, Vol. 1 – 7
Marvel, Januar – Juli 2010
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Hinweise

Pulp Noir: Homepage/Blog von Charlie Huston

Meine Besprechung von Charlie Hustons „Killing Game“ (The Shotgun Rule, 2007)

Meine Besprechung von Charlie Hustons „Das Clean-Team“ (The mystic arts of erasing all signs of death, 2009)

Meine Besprechung von Charlie Hustons „Bis zum letzten Tropfen“ (Every last drop, 2008)

Mein Interview mit Charlie Huston

Charlie Huston in der Kriminalakte


Cover der Woche

Januar 17, 2012


TV-Tipp für den 17. Januar: Tatort: Oskar

Januar 17, 2012

SWR, 20.15
Tatort: Oskar (D 2002, R.: Niki Stein)
Drehbuch: Niki Stein
Erster Fall für die Frankfurter Kommissare Fritz Dellwo (Jörg Schüttauf) und Charlotte Sänger (Andrea Sawatzki): sie suchen eine Mutter, die ihr Kind getötet hat und stolpern dabei durch triste Mietskasernen.
Nachdem Kommissar Brinkmann (Karl-Heinz von Hassel oder „der Mann mit der Fliege“) vorher in Frankfurt am Main mit meist höchst langweilig-absurden Fällen die Geduld des gutwilligen Zuschauers strapazierte, hatte ich von dem neuen Team aus der Finanzmetropole nichts erwartet und war positiv überrascht. Denn hier stimmte alles.
Nach acht Jahren und 18 Fällen beendete das Team Dellwo/Sänger 2010 seine Ermittlungsarbeit mit deutlich mehr guten als schlechten Fällen.
mit Andrea Sawatzki, Jörg Schüttauf, Peter Lerchbaumer, Christiane Schulz, Oliver Bootz, Edda Leesch
Hinweise
Tatort-Fundus über das Team Dellwo/Sänger
Meine Besprechung des Tatort-Romans „Bevor es dunkel wird“ von Uli Aechtner mit Dellwo/Sänger


Deutscher Krimi Preis 2012

Januar 16, 2012

Der diesjährige Deutsche Krimi Preis (DKP…) wurde verliehen:
National
1. Platz: Mechtild Borrmann: Wer das Schweigen bricht
2. Platz: Friedrich Ani: Süden
3. Platz: Elisabeth Herrmann: Zeugin der Toten
International
1. Platz: Peter Temple: Wahrheit (Truth)
2. Platz: Don Winslow: Zeit des Zorns (Savages)
3. Platz: Kate Atkinson: Das vergessene Kind (Started early, took my dog)


TV-Tpp für den 16. Januar: Die Lady von Shanghai/Frau ohne Gewissen

Januar 16, 2012

Noir-Fans lassen die Sektkorken knallen: nach fünf Jahren gibt’s endlich wieder „Die Lady von Shanghai“ und die „Frau ohne Gewissen“


Arte, 20.15
Die Lady von Shanghai (USA 1948, R.: Orson Welles)
Drehbuch: Orson Welles
LV: Sherwood King: If I die before I wake, 1938
Michael O’Hara heuert als Matrose und Mädchen für alles auf der Jacht der Bannisters an. Schnell erliebt er sich in Elsa Bannister und wird von ihr in ein Mordkomplott hineingezogen.
Heute zählt „Die Lady von Shanghai“ zu den zeitlosen Noir-Klassiker. Die grandiose Schlusssequenz im Spiegelkabinett gehört zu den Glanzstücken der Filmgeschichte: die Kontrahenten stehen sich gegenüber, ihr Bild wird in unzähligen Spiegeln gespiegelt und erst als bei der Schießerei die Spiegel zerschossen werden, können wir langsam erkennen, wer ein Mensch und was sein Abbild ist.
Aber während der Produktion sah es ganz anders aus: Orson Welles machte aus einem einfachen Krimi ein verschachteltes Vexierspiel, schrieb ständig Szenen um, das Studio mischte sich ein, es gab Probleme mit dem Geld und Insekten betrachteten die Filmcrew als Jagdrevier. Und, als sei das alles nicht genug, machte Welles aus dem Sexsymbol und Columbia-Star Hayworth eine kalte und berechnende Mörderin. Alle Zeichen waren für einen Flop gesetzt und das Studio schloss den Film, nachdem auch mit Umschneiden nichts mehr zu retten war, erst einmal in seinen Giftschrank.
Mit Orson Welles, Rita Hayworth, Everett Sloane
Wiederholung: Donnerstag, 19. Januar, 14.50 Uhr
Hinweise
Wikipedia über „Die Lady von Shanghai“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Die Lady von Shanghai“
Noir of the Week über „Die Lady von Shanghai“
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Arte, 21.45
Frau ohne Gewissen (USA 1944, R.: Billy Wilder)
Drehbuch: Raymond Chandler, Billy Wilder
LV: James M. Cain: Double Indemnity, 1936 (Doppelte Abfindung)
Ein Versicherungsagent verliebt sich mit tödlichen Konsequenzen in die falsche Frau.
„Der Prototyp des Film noir über die Frau als Femme fatale, einer der besten Filme Wilders und der Vorlage Cains weit überlegen.“ (Paul Werner: Film noir und Neo-Noir)
Mti Fred MacMurray, Barbara Stanwyck, Edward G. Robinson
Wiederholung: Montag, 23. Januar, 14.25 Uhr
Hinweise
Wikipedia über „Frau ohne Gewissen“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Frau ohne Gewissen“
Noir of the Week über „Frau ohne Gewissen“
Arte über seine Noir-Reihe


TV-Tipp für den 15. Januar: Der Pate – Teil II

Januar 15, 2012

Arte, 20.15
Der Pate II (USA 1974, R.: Francis Ford Coppola)
Drehbuch: Mario Puzo, Francis Ford Coppola
Sozusagen Pre- und Sequel zu „Der Pate“: Michael Corleone, jetzt das Familienoberhaupt, plant einen Casino-Deal auf Kuba. Und dazwischen wird der Aufstieg von Vito Corleone erzählt.
Die Fortsetzung von „Der Pate“ ist länger und mindestens genauso gut wie der erste Film. Für viele ist der zweite Pate-Film sogar noch besser (ich bin da unentschlossen). Außerdem wird „Der Pate II“ immer als Beispiel herangezogen für die These, Fortsetzungen seien besser als die Originale.
„Der Pate II“ erhielt mehrere Oscars: Bester Film, Beste Regie, Bestes Drehbuch, Bester Nebendarsteller (Robert de Niro), Beste Filmmusik (Nino Rota, Carmine Coppola), beste Ausstattung.
Mit Al Pacino, Robert De Niro, Robert Duvall, Diane Keaton, Lee Strasberg (ja, der Schauspiellehrer), John Cazale, Talia Shire, James Caan, Harry Dean Stanton, Danny Aiello

Hinweise

Wikipedia über „Der Pate“ (deutsch, englisch)

Homepage von Mario Puzo

Wikipedia über Mario Puzo (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Mario Puzo

Kirjasto über Mario Puzo

Kaliber.38 über Mario Puzo

Time: Mario-Puzo-Titelgeschichte (28. August 1978 – mit einem schönen Titelbild)

Meine Besprechung von Francis Ford Coppolas „Apocalypse Now“/“Apocalypse Now Redux“ (Apocalypse Now, USA 1979)
Meine Besprechung von Mario Puzos „Sechs Gräber bis München“ (Six Graves to Munich, 1967)