DVD-Kritik: Alice Creed ist nicht „Spurlos“ verschwunden

April 16, 2011

Zwei Männer entführen die junge, gut aussehende und vermögende Alice Creed (Gemma Arterton aka Bond-Girl Strawberry Fields in „Ein Quantum Trost“). Die beiden Entführer, der ältere Vic (Eddie Marsan) und sein Gehilfe, der jüngere Danny (Martin Compston), haben sich, wie schon die präzise wie ein Schweizer Uhrwerk abgelaufenen Vorbereitungen gezeigt haben, gut auf die Entführung vorbereitet.

Die beiden Ex-Knackis haben offensichtlich ihre Hausaufgaben gemacht und sich auf alles vorbereitet, bis Danny allein mit Alice im Apartment ist und sie auf die Toilette muss. Er stellt ihr einen Eimer vor’s Bett und sie soll, angekettet an einen Bettpfosten, ihr Geschäft erledigen. Es gelingt ihr trotzdem, an Dannys Pistole zu kommen – und wir erleben, nach 28 straff erzählten Minuten, unsere erste echte Überraschung. Zahlreiche weitere folgen in dem kleinen, aber sehr feinem, wendungsreichem Entführungsthriller, der aus der bekannten Situation und einem sehr überschaubarem Budget ein Maximum an Spannung herausholt. Denn „Spurlos – Die Entführung der Alice Creed“ ist ein Drei-Personen-Stück, das die meiste Zeit in dem absolut anonymem Apartment, in dem Alice Creed gefangen gehalten wird, spielt. Diese Beschränkung wird von Autor und Regisseur J. Blakeson, der hier nach zwei Kurzfilmen sein Spielfilmdebüt vorlegt, als Vorteil gesehen. Denn so lenkt nichts von den sich ständig verändernden Beziehungen innerhalb des Trios ab. Und Blakeson weiß, wie er mit minimalen Mitteln, wie einer Kugelhülse, Spannung aufbaut.

„Spurlos – Die Entführung der Alice Creed“ will einfach nur neunzig Minuten spannend unterhalten. Und das tut er glänzend.

Spurlos – Die Entführung der Alice Creed (The Disappearance of Alice Creed, GB 2009)

Regie: J. Blakeson

Drehbuch: J. Blakeson

mit Gemma Arterton, Martin Compston, Eddie Marsan

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DVD

Ascot-Elite

Bild: 2.40:1 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS, Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial (angekündigt): Originaltrailer, Making of Featurette, Interview mit Regisseur, Interview mit Produzent, Interview mit Gemma Arterton, Interview mit Eddie Marsan, Interview mit Martin Compston, Interview mit Philip Blaubach (Kameramann), Behind the Scenes, Wendecover

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Homepage zum Film

Wikipedia über „Spurlos – Die Entführung der Alice Creed“

Und noch zwei Bilder aus dem Film


TV-Tipp für den 16. April: Road to Perdition

April 16, 2011

RTL II, 20.15

Road to Perdition (USA 2002, R.: Sam Mendes)

Drehbuch: David Self

LV: Max Allan Collins (Text), Richard Piers Rayner (Zeichnungen): Road to Perdition, 1998 (Road to Perdition, Graphic Novel)

Buch zum Film: Max Allan Collins: Road to Perdition, 2002 (Road to Perdition)

Chicago, 30er Jahre: Profikiller Michael Sullivan steht plötzlich selbst auf der Abschußliste. Nachdem seine Familie umgebracht wird, flüchtet er mit seinem Sohn aus Chicago.

„Sam Mendes ist eine äußerst sehenswerte, in die Tiefe des Vater-Sohn-Verhältnisses lotende Film-noir-Tragödie gelungen, mit exzellenten Schauspielern und großartiger Kamerarbeit von Conrad L. Hall.“ (Sönke Lars Neuwöhner, tip 18/2002) oder „großartig besetzter, klassisch epigonaler Gangsterfilm“ (Adrian Prechtel, AZ 5. 9. 2002). Wahrscheinlich bin ich einer der wenigen Menschen, die die Graphic Novel dem etwas langatmigen Film vorziehen.

Max Allan Collins schrieb nach der erfolgreichen Verfilmung weitere Romane und Graphic-Novels, in denen die Geschichte von Michael Sullivan jr. weitererzählt wird. Übersetzt wurde nur die erste Fortsetzung „Road to Purgatory“ (2004, Road to Purgatory – Straße der Vergeltung).

Wie üblich dürfte die 20.15 Uhr-Ausstrahlung gekürzt sein.

Im Anschluss läuft um 22.20 Uhr  „A History of Violence“. Auch gut.

Mit Tom Hanks, Paul Newman, Jude Law, Jennifer Jason Leigh, Daniel Craig, Stanley Tucci

Hinweise

Homepage von Max Allan Collins

Thrilling Detective über Max Allan Collins

January Magazine: Interview mit Max Allan Collins (1999)

Comic Book Resources: Interview mit Max Allan Collins (2002 – unter anderem zu „Road to Perdition“)

Sean Chercover redet mit Max Allan Collins (2005)

Things I’d rather be doing redet mit Max Allan Collins (2007)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ “Two for the Money” (2004)

Meine Besprechung von Max Allan Collins‘ „Der erste Quarry“ (The First Quarry, 2008)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „The last Quarry“ (2006)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „Bones – Die Knochenjägerin: Tief begraben“ (Bones: Buried deep, 2006)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „CSI – Crime Scene Investigation: Im Profil des Todes“ (CSI: Crime Scene Investigation – Snake Eyes, 2006)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ „CSI: NY – Blutiger Mond“ (Bloody Murder, 2006 – Comic)

Meine Besprechung von Max Allan Collins’ “CSI – Das Dämonenhaus” (Demon House, 2004 – Comic)


R. i. P. Craig Thomas

April 14, 2011

R. i. P. Craig Thomas (24. November 1942, Cardiff – 4. April 2011, Somerset)

Für mich war der Engländer Craig Thomas, der Erfinder des Techno-Thrillers, ein sehr wichtiger Autor. Zum ersten Mal begegnete ich ihm als Ideenlieferant für den Clint-Eastwood-Film „Firefox“. Mein erster Clint-Eastwood-Film, aber nicht der letzte. Danach las, nein, verschlang ich die Vorlage, einem, so mein damaliges Gefühl, spannender Thriller über einen Amerikaner, der den Russen ein Superduperflugzeug mopsen soll, und Craig Thomas wanderte auf meine Zu-lesen-Liste. Er gehörte auch zu den ersten Autoren, die ich im Original las, weil der Heyne Verlag nicht schnell genug die Übersetzungen lieferte und einige Bücher, wie sein Debüt „Rat Trap“, überhaupt nicht übersetzte.

„Rat Trap“ ist ein 250-seitiger Thriller über eine Flugzeugentführung. Das war damals – der Roman erschien 1976 – ein großes Thema und der britische SIS-Geheimdienstchef Kenneth Aubrey, der in fast allen Romanen von Craig Thomas eine wichtige Rolle hatte, musste sich hier noch mit einem Cameo-Auftritt begnügen.. Die späteren Romane von Craig Thomas waren dann länger. So um die vier- bis fünfhundert Seiten.

Die direkt an „Firefox“ anschließende Fortsetzung „Firefox Down“ verschlang ich in wenigen Tagen.

Craig Thomas war auch der erste Autor, von dem ich mit meinem schmalen Taschengeld ein Hardcover im Original kaufte. „The Bear’s Tears“ hieß das Werk – und ich erinnere mich an keine einzige Zeile mehr.

Irgendwann in den frühen Neunzigern verlor ich das Interesse an den dicken Geheimdienstschinken des ehemaligen Lehrers. Nach dem Ende des Kalten Krieges hatte er, wie alle Spionageromanschriftsteller, sein großes Thema, den Kampf zwischen Ost und West, verloren. Es wurde sogar gefragt, ob es jetzt, am „Ende der Geschichte“, überhaupt noch Geheimdienste geben müsse. Naja, die Frage wurde schnell und schon lange vor 9/11 beantwortet.

Craig Thomas schrieb weiter. 1998 veröffentlichte er mit „Slipping into Shadow“ seinen letzten Roman. Warum er danach aufhörte zu schreiben, weiß ich nicht.

„Was Craig Thomas schreibt, ist Kolportage, allerdings in Vollendung. Er nistet sich in den Lücken der Zeitgeschichte ein und spekuliert munter drauflos.“ (Rudi Kost/Thomas Klingenmaier: Steckbriefe, rororo 1995)

Gleichzeitig war er (lange vor Tom Clancy) der erste, der in seinen Agentenschmökern die Geschichte mit Unmengen an technischen Details über mehr oder weniger fantastischen militärischen Waffensystemen aufpeppte. Das Publikum, wie die Millionenauflagen zeigten, liebte ihn dafür.

Unter Thriller-Fans wird er deshalb als Erfinder des Techno-Thrillers und der Vorlage für einen Clint-Eastwood-Film in Erinnerung bleiben.

Craig Thomas starb am 4. April 2011 an einer Pneumonie, die die Folge eines kurzen Kampfes gegen eine akute myeloische Leukämie war.

Nachrufe gibt es im Guardian, Express & Star, Wales Online, BBC,  und in der Bear Alley (Steve Holland – mit vielen Covers) .

Weitere Informationen gibt es bei Wikipedia (deutsch, englisch) und einer umfangreichen englischen Fanseite. Es gab auch mal eine deutsche Fanseite. Aber die finde ich im Moment nicht.


TV-Tipp für den 15. April: James Bond: Stirb an einem anderen Tag

April 14, 2011

Pro 7, 20.15

James Bond: Stirb an einem anderen Tag (USA/GB 2002, R.: Lee Tamahori)

Drehbuch: Neal Purvis, Robert Wade

LV: Charakter von Ian Fleming

Buch zum Film: Raymond Benson: Die Another Day, 2002

Nachdem James Bond kurzzeitig von M gefeuert wird, darf er wieder die Welt retten. Aktuelle Schauplätze sind Nordkorea, Hongkong, Kuba, London und Island.

Vierter und letzter Bond-Film mit Pierce Brosnan, der sich nicht sonderlich von den vorherigen unterscheidet: kurzweiliges Popcornkino für die ganze Familie.

Mit Pierce Brosnan, Halle Berry, Rick Yune, Judi Dench, John Cleese, Toby Stephens, Michael Madsen, Rosamund Pike, Michael G. Wilson, Madonna

Wiederholung: Samstag, 16. April, 23.00 Uhr

Hinweise

Meine Besprechung von Sebastian Faulks’ James-Bond-Roman „Der Tod ist nur der Anfang“ (Devil may care, 2008)

James Bond in der Kriminalakte


ITW nominiert beste Thriller 2011

April 14, 2011

Die amerikanische Autorenvereinigung International Thriller Writers (ITW) hat die Nominierungsliste für ihren diesjährigen Thriller Award veröffentlicht:

Best Hard Cover Novel

Michael Connelly: The Reversal (Little Brown)

Jeffery Deaver: Edge (Simon & Schuster)

Brian Freeman: The Burying Place (Minatour)

Mo Hayder: Skin (Grove)

John Sandford: Bad Blood (Putnam)

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Best Paperback Original

Robert Gregory Browne: Down Among The Dead Men (St. Martin’s)

Max Allan Collins/Matthew Clemens: You Can’t Stop Me (Pinnacle)

J.T. Ellison: The Cold Room (Mira)

Shane Gericke: Torn Apart (Pinnacle)

John Trace: The Venice Conspiracy (Hachette Digital)

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Best First Novel

Carla Buckley: The Things That Keep Us Here (Random House)

Paul Doiron: The Poacher’s Son (Minatour)

Reece Hirsch: The Insider (Berkley)

Thomas Kaufman: Dring The Tea (Minatour)

Chevy Stevens: Still Missing (St. Martin’s)

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Best Short Story

Mike Carey: Second Wind (in „The New Dead“, St. Martin’s)

Michael Connelly: Blue on Black (Strand Magazine)

Richard Helms: The God for Vengeance Cry (Dell Magazine)

Harley Jane Kozak: Madeeda (Crimes By Midnight)

Nicolas Kaufman: Chasing the Dragon (ChiZine Magazine)

Mickey Spillane/Max Allan Collins: Long Time Dead (Strand Magazine)

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Die Preisverleihung ist während des Thriller Fest am 9. Juli 2011 im Grand Hyatt, New York City.

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Bis jetzt wurde (wenn ich mich nicht irre) noch kein nominiertes Buch übersetzt, aber gerade die in der Kategorie „bestes Hardcover“ nominierten Thriller dürften demnächst alle übersetzt werden.


TV-Tipp für den 14. April: Håkan Nesser’s Inspektor Barbarotti: Verachtung

April 14, 2011

Ein ruhiger Abend, vor allem weil David Leans „Reise nach Indien“ erst um 00.35 Uhr (wahrscheinlich mit Verspätung) startet und der „Satire Gipfel“ (ebenfalls ARD, 23.30 Uhr) mit dem neuen Moderator und der seltsamen Gästeauswahl auch nicht mehr so toll ist. Daher

ARD, 20.15 (auch im Livestream)

Håkan Nesser’s Inspektor Barbarotti: Verachtung (D 2011, R.: Hannu Salonen)

Drehbuch: Serkal Kus

LV: Håkan Nesser: En helt annan historia, 2007 (Eine ganz andere Geschichte)

Inspektor Barbarotti erhält einen Brief, in dem der Mord an Anna Palme angekündigt wird. Kurz darauf ist sie tot und Barbarotti hat einen neuen Fall, der, nachdem er weitere Briefe erhält, an Dramatik gewinnt.

Zweiter “Inspektor Barbarotti”-Film, in dem Anders W. Berthelsen nach Sylvester Groth die Hauptrolle übernahm und die Macher sich anscheinend kaum an die Vorlage halten.

mit Anders W. Berthelsen, Trine Dyrholm, Godehard Giese, Suzan Anbeh, Henriette Confurius

Hinweise

Homepage von Håkan Nesser

Deutsche Homepage von Håkan Nesser

ARD über den Film


Live und in Farbe: Joe Jackson: „I’m the man“

April 14, 2011

TV-Tipp für den 13. April: Jerichow

April 13, 2011

Arte, 22.00 (VPS 21.45)

Jerichow (D 2008, R.: Christian Petzold)

Drehbuch: Christian Petzold

Der unehrenhaft entlassene Soldat Thomas hilft nach einem Unfall Ali Özkan, dem Besitzer einer Imbisskette. Ali stellt ihn als Fahrer ein und bald macht er sich an Alis Frau Laura ran.

Petzolds Variante von James M. Cains „Wenn der Postmann zweimal klingelt“ (The Postman always rings twice, 1934).

mit Benno Fürmann, Hilmi Sözer, Nina Hoss, André Hennicke, Claudia Geisler

Wiederholung: Mittwoch, 27. April, 01.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Arte über „Jerichow“

Film-Zeit über „Jerichow“

Wikipedia über „Jerichow“


Im Verhörzimmer: Friedrich Ani und die Sache mit dem „Süden“

April 12, 2011

Die Rückkehr von Tabor Süden in sein geliebtes München in dem grandiosen Roman „Süden“ verschaffte mir einen guten Vorwand für ein Gespräch mit Krimiautor Friedrich Ani. Das fast „Tatort“-lange Gespräch fand vor einer Woche ohne Zeugen in einem Nebenzimmer des Hotel Savoy in der Nähe des legendären Bahnhof Zoo statt.

 

„Süden“

 

Am Ende von „Süden und der Mann im langen schwarzen Mantel“ quittierte Tabor Süden („Ich arbeite auf der Vermisstenstelle der Kripo und kann meinen eigenen Vater nicht finden.“) seinen Dienst bei der Kripo und, bis auf das kurze Gastspiel „Der verschwundene Gast“ 2008 in der „Kaliber.64“-Reihe (wobei Süden in der Geschichte noch Polizist ist), gab es in den vergangenen Jahren kein Lebenszeichen von ihm. Er war verschwunden. In Köln hieß es. Mit „Süden“ kehrt Tabor Süden jetzt nach sechs Jahren wieder in ein verändertes München zurück. Er hat einen Anruf von seinem Vater erhalten. Und weil der Mensch auch etwas zum Beißen braucht (wobei Tabor Süden sich in „Süden“ vor allem flüssig ernährt), nimmt er einen Job in der Detektei von Edith Liebergesell an. Sein erster Auftrag: er soll einen vermissten Wirt finden.

Für Süden-Erfinder Friedrich Ani war Tabor Süden in den vergangenen Jahren allerdings sehr präsent. Es gab die schon erwähnte „Kaliber.64“-Geschichte. Es gab die beiden im April 2009 ausgestrahlten, hochkarätig besetzte, sehenswerte TV-Filme „Kommissar Süden und das Geheimnis der Königin“ (Regie: Martin Enlen) und „Kommissar Süden und der Luftgitarrist“ (Regie: Dominik Graf), für die Ani die Drehbücher schrieb und auch einen Grimme-Preis erhielt. Ursprünglich war eine Tabor-Süden-TV-Serie mit Ulrich Noethen als Tabor Süden geplant, aber irgendein ZDF-interner Kuddelmuddell (auch Ani weiß immer noch nicht, was genau zur Einstellung nach nur zwei Filmen führte, aber er ist darüber immer noch verärgert) beendete die Serie, bevor sie ihr Publikum finden konnte. Wiederholungen gab es bislang keine und auch auf DVD wurden die beiden „Kommissar Süden“-Filme nicht veröffentlicht. Und dabei waren die Quoten gar nicht so schlecht.

Damals bekam Ani wieder Lust auf Tabor Süden.

Für den dritten, 2009 erschienenen Polonius-Fischer-Roman „Totsein verjährt nicht“ hatte er ursprünglich ein Treffen von Fischer und Süden geplant. Der Verlag war von der Idee nicht begeistert und so musste Fischer das verschwundene Mädchen suchen.

Und dann schrieb Ani den neuen Süden-Roman und gleichzeitig drei halbstündige Hörspiele für den SWR, die im Juni und Juli gesendet werden. In diesen kurzen Vermisstengeschichten ist Tabor Süden ein Privatdetektiv. Das ist nur der Beginn einer Süden-Offensive.

Im November gibt es als Taschenbuch die Weihnachtsgeschichte „Süden und die Schlüsselkinder“. Der Knaur-Verlag plant parallel dazu eine Wiederveröffentlichung der ersten drei Süden-Bücher mit einem neuen Cover. Im Frühjahr 2012 wird es einen zweiten, kürzeren Süden-Roman geben und die zweite, wieder aus drei Süden-Büchern bestehende Lieferung und im Herbst 2012 die letzten vier Süden-Romane des zehnbändigen Zykluses; parallel zur Taschenbuch-Ausgabe von „Süden“. Im Frühjahr 2013 gibt es einen weiteren Süden-Roman als Hardcover, für den es auch schon erste Ideen gebe. Denn Ani will ihn weiter als Detektiv ermitteln lassen und dann auch mehr von der Detektei erzählen.

Dieser Wechsel von der Polizei in eine Detektei war von Ani gewollt. Dennoch stellt sich die Frage, ob Ani mit dem Wechsel seine Charakters von einem an Recht und Gesetz gebundenen Polizisten zu einem Privatdetektiv, der über keine besondere Rechte verfügt, aber auch nicht mehr gezwungen ist, einen Verbrecher zu verhaften, eine Verschiebung in seinem erzählerischem Kosmos plant.

„Es war schon eine extrem bewusste Entscheidung, jetzt mal jemand zu haben, der nicht eine Polizeibelobigungsfunktion hat. Ich wollte, dass er seine Arbeit weitermachen kann. Das Suchen von vermissten Personen geht auch in einer Detektei sehr gut. Das ist relativ realistisch und passt auch gut zum Süden. So ein Freelancer, der Geld verdienen muss, und seine Arbeit machen kann. Der Süden ist in dem Sinn ja kein Anarcho. Er ist vielleicht ein bisschen viel im Gasthaus oder er trinkt gelegentlich Bier, aber er ist von seiner Haltung kein anarchistischer Mensch. Er ist ein gewissenhafter Mensch. Er ist gern unter Leuten. Er ist gern dabei. Deshalb braucht er einen Beruf, wo er nicht versandelt. Die Gefahr bei Tabor Süden ist, dass er vereinsamt, wenn er nichts zu tun hat. Das spürt er. Deshalb braucht er einen Job – und den hat er jetzt. Ich bin schon froh, dass ich den Polizeiapparat jetzt nicht mehr beschreiben muss. Das fand ich auch immer ein bisschen einengend.

Manchmal bin ich da etwas mürrisch. Weil ich finde, wir schreiben genug Polizeibelobigungskrimis und irgendwann ist auch mal gut“, sagt Ani.

Von Anfang an war „Süden“ als längeres Werk geplant. Die Romane „Die Erfindung des Abschieds“, „German Angst“ und „Verzeihen“ mit Tabor Süden waren zwar auch länger, aber am bekanntesten ist die aus zehn Bänden bestehende, zwischen 2001 und 2005 erschienene Süden-Serie, deren Titel mit „Süden und…“ beginnen. Diese Bücher hatten immer zweihundert Seiten. „Süden“ ist ungefähr doppelt so lang. Dafür erzählt Ani auch drei Geschichten: die lange Geschichte vom verschwundenen Wirt, die private Geschichte von Südens Suche nach seinem Vater und eine kurze Geschichte von einer verschwundenen Mutter. Diese Struktur habe er von den TV-Filmen übernommen. Trotzdem sieht er seinen Stil als konträr zur TV-Dramaturgie an.

„Der Roman ist meine Art zu schreiben“, betont er. Dort könne er auch Nebenfiguren ihren Raum geben und er müsse sich nicht an feste Vorgaben, wozu inzwischen die streng festgelegte Länge eines TV-Films und, bei einer Reihe wie „Tatort“, die Wünsche der Stammschauspieler gehören, halten.

Denn er nimmt sich lieber Zeit und, auch wenn am Ende von „Süden“ eine Thriller-Spannung aufkommt, ist es in einem gewissen Rahmen egal, ob Süden den Wirt tot oder lebendig findet.

(Kurzer Einschub: ich würde jetzt gerne unsere Diskussion über das Ende einfügen, aber das wäre ein Mega-Spoiler. Deshalb lasse ich es heute bleiben, aber ich will einige Ausschnitte aus dem Interview transkribieren. Dann erfahrt ihr auch Friedrich Anis Meinung zu dem Ende von „Süden“, warum der „Süden“ die viereinhalbte Fassung ist und ihr könnt einiges über die von uns während des Interviews beschrittenen Irrwege lesen. Doch jetzt weiter im Text.)

Das liegt auch daran, dass in „Süden“ die einzelnen Geschichten sich zu einem kunstvollem Ganzen fügen, das von Tabor Süden der wieder einmal im Milieu der kleinen Leute und Wirte ermittelt, zusammengehalten.

„Mei, ich find halt; – ich hab halt immer gedacht, man sollte über das schreiben, was man kennt, was man liebt, was einen aufregt, was einem nahe ist. Ich glaub schon, dass ich mich auch in andere Milieus hineindenken könnte oder kann. Aber die kleinen Leute, die Unscheinbaren, sind mir halt die liebsten und einer muss es machen. Es ist halt meine Welt. Das bin halt ich. Und – und ich find, das gibt immer noch einen Menge her. Das erschöpft sich nicht. Der Simenon hat auch hunderte von Büchern über sehr unscheinbare Leute geschrieben. Das geht. Man muss halt nur die Augen aufhalten. Ich versuch das auch oft im Drehbuch. Dass ich Leute habe, die auch ganz normale Berufe haben. Und die Redakteure sind dann immer wieder ganz erstaunt, dass das auch mal wieder vorkommt.

Es gibt auch Leute, die das gar nicht mögen. Die sagen dann, das ist so sozialkritisch.

Aber Sozialkritik interessiert mich nicht. Ist eigentlich auch Quatsch.“

„Für mich ist das Buch zeitlos. Es gibt keine plakative Hartz-IV-Kritik und Handys und Computer kommen eigentlich nicht vor“, werfe ich ein. So besitzt Tabor Süden erst am Ende des Romans ein Handy.

„Ja, vieles ist vielleicht doch spürbar, wenn man es will.

Aber mir gefällt das eigentlich. Ich mag das, dass die alle etwas wie aus der Zeit gefallen sind. Das war auch in den zwei Verfilmungen so. Vor allem im „Luftgitarristen“ vom Dominik Graf. Dass man das Gefühl hat, die sind alle etwas neben der Gegenwart. Das ist mir da so bewusst geworden.

Das ist eine schöne Vorstellung. – Dabei bleib ich.“

Und diese Vorstellung hat Friedrich Ani in „Süden“ kongenial umgesetzt. Denn in „Süden“ ist Tabor Süden ganz bei sich – und Friedrich Ani ist auch ganz bei sich. Ein feines Buch.

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Friedrich Ani: Süden

Droemer, 2011

368 Seiten

19,99 Euro

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Lesungen

Dienstag, 12. April 2011, 19 Uhr

Café Weiß, Geißstraße 16, Stuttgart (Krimi & Hörbuch Undercover)

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Mittwoch, 13. April 2011, 20 Uhr

Der Monarch, Skalitzer Straße 134, Berlin (Krimibuchhandlung Hammett)

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Donnerstag, 14. April 2011, 20 Uhr

Goldener Löwe, Kellergewölbe, Am Markt 6, Olpe (Buchhandlung Dreimann)

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Freitag, 15. April 2011, 20 Uhr

Die Fabrik, Mittlerer Hasenpfad 5, Frankfurt (Buchhandlung Schutt)

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Hinweise

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)

Planet-Interview: Interview mit Friedrich Ani (18. Dezember 2008)


Cover der Woche

April 12, 2011


DVD-Kritik: Brittany Murphys Abschiedsvorstellung „Ohne jede Spur“

April 12, 2011

Selten ist der letzte Film eines Künstlers ein Klassiker. Auch Brittany Murphys letzter Film „Ohne jede Spur“ – sie starb 32-jährig am 20. Dezember 2009 an einer Lungenentzündung – wäre, wenn er nicht die Adelung des letzten Films hätte, ein vollkommen unerhebliches Nebenwerk, bei dem die teilweise ziemlich namhafte Besetzung erstaunt. Denn die Story – Eine junge Frau sucht ihren spurlos im Krankenhaus verschwundenen Freund. Dabei ist sie, weil niemand den Verschwundenen gesehen hat, auf sich allein gestellt. – versackt nach einer bekannt-bewährten Prämisse zuerst im dramaturgischem Leerlauf (dafür darf die erstaunlich schlecht aussehende Frau Murphy durch die Gänge des Krankenhauses wandeln) und, nachdem nach einer knappen Stunde der Grund für das Verschwinden ihres Freundes enthüllt wird, endet alles in einem kläglich vorhersehbarem Showdown.

Mit knapp neunzig Minuten vergeht die Zeit bei diesem Direct-to-DVD-Werk halbwegs schnell, aber nicht angenehm.

Denn wenn es nicht etliche, wahrscheinlich ungewollte, Irritationen gäbe (wie holprige Dramaturgie, Logiklöcher von epischen Ausmaßen, schlecht ausgelegte falsche Fährten, banalste Dialoge, uneinheitliche Charakterzeichnungen und Darstellungen [wobei Regisseur und Filmhistoriker Peter Bogdanovich in einem Kurzauftritt als Psychiater grandios neben der Spur spielt; fast wie einer der verrückten Wissenschaftler aus der goldenen Zeit der B-Pictures], eine uneinheitlicher Erzählhaltung [Soll es eine Pseudo-Doku sein? Ein Noir? Ein Thriller? Eine Psycho-Thriller? Ein Drama über eine Frau, die den Kontakt zur Realität verliert? – Es ist mal dieses, mal jenes, am Ende nichts von allem, aber dafür gibt es immer wieder bedeutungsschwanger eingeblendete Überwachungsaufnahmen], uneinheitliche Kameraarbeit und Schnitt), wäre „Ohne jede Spur“ Malen nach Zahlen. Aber dann wäre am Ende wenigstens ein rundes Bild herausgekommen.

„Ohne jede Spur“ dürfte nur den Die-Hard-Brittany-Murphy-Fans gefallen. Alle anderen können das mit einem Minimal-Budget gedrehte Werk getrost ignorieren.

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Weil der Trailer den Film ziemlich gelungen zusammenfasst, gibt es ihn erst jetzt

 

Ohne jede Spur (Abandoned, USA 2010)

Regie: Michael Feifer

Drehbuch: Peter Sullivan (nach einer Geschichte von Jeffrey Schenck und Peter Sullivan)

mit Brittany Murphy, Dean Cain, Mimi Rogers, Peter Bogdanovich, Jay Pickett, Tim Thomerson, Scott Anthony Leet, America Young, Tara Subkoff

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DVD

Sunfilm

Bild: 1:1,85 (16:9)

Ton: Deutsch (DTS 5.1, DD 5.1), Englisch DD 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: –

Länge: 85 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweis

Homepage zum Film

 


TV-Tipp für den 12. April: Tödliche Entscheidung

April 11, 2011

RBB, 23.00

Tödliche Entscheidung (USA 2007, R.: Sidney Lumet)

Drehbuch: Kelly Masterson

Andy, der für Drogen Geld aus der Firmenkasse nahm, kann seinen Bruder Hank überreden, das elterliche Juweliergeschäft zu überfallen. Der Überfall, auch weil die Mutter gar nicht daran denkt, irgendwelchen hergelaufenen, maskierten Verbrechern die Juwelen zu geben, geht schief – und dann bröckelt die heile Fassade der Familie verdammt schnell ab.

Mit seinem bislang letztem Film drehte Sidney Lumet, nach einigen schwächeren Werken, mit einer Familientragödie noch einmal so richtig voll auf. Er seziert, wieder einmal, die Kehrseite des amerikanischen Traums anhand. Dieses Mal am Beispiel einer ziemlich kaputten, weißen Mittelstandsfamilie.

Der Pitch war vielleicht: „Family Business“, aber ohne Lacher.

„Tödliche Entscheidung“ ist ein feiner Noir und, kein Wunder bei der Besetzung, großes Schauspielerkino.

mit Philip Seymour Hoffman, Ethan Hawke, Albert Finney, Marisa Tomei, Aleksa Palladino, Michael Shannon, Amy Ryan, Sarah Livingston, Brían F. O’Byrne, Rosemary Harris

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Französische Homepage zum Film

Wikipedia über „Tödliche Entscheidung“ (deutsch, englisch)

Film-Zeit über „Tödliche Entscheidung“

Die Zeit: Katja Nicodemus trifft Sidney Lumet (12. April 2008)

Mein Nachruf auf Sidney Lumet (25. Juni 1924 – 9. April 2011)


TV-Tipp für den 11. April: Fluchtziel Europa: Jenseits vom Traum

April 11, 2011

3sat, 23.25

Fluchtziel Europa: Jenseits vom Traum (Aus 2007, R.: Johanna Tschautscher)

Drehbuch: Johanna Tschautscher

Nachdem unser neuer Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU-liberal bis auf die Knochen) aus aktuellem Anlass ein Zeichen wahrer europäischer Solidarität aussendet („Italien muss sein Flüchtlingsproblem selbst regeln.“) lohnt es sich, einen Blick auf die Flüchtlinge zu werfen.

Auch wenn die Doku schon etwas älter ist, sind die Probleme und Sehnsüchte der aus Afrika Flüchtenden noch immer aktuell.

Hinweise

3sat über die Doku

Wikipedia über Johanna Tschautscher

Homepage von Johanna Tschautscher


R. i. P. Sidney Lumet

April 10, 2011

R. i. P. Sidney Lumet (25. Juni 1924, Philadelphia, Pennsylvania – 9. April 2011, New York City, New York)

Nicht jeder seiner Filme (ich nenne nur das überflüssige John-Cassavetes-Remake „Gloria“) wurde ein Klassiker. Aber die meisten Sidney-Lumet-Filme sind richtig gut und es gibt erstaunlich viele Klassiker dabei. Schon das Kinodebüt des Live-TV-Regisseurs, die Theaterverfilmung „Die zwölf Geschworenen“ (12 angry Men, USA 1957), wurde ein Klassiker. Gleichzeitig steckte Sidney Lumet mit diesem Film bereits die wichtigsten Pfeiler seines künftigen Schaffens ab: die Frage nach Schuld, Unschuld, schuldig werden und der Verantwortung des Einzelnen, das Funktionieren und Nicht-Funktionieren von Systemen (die Korruption innerhalb der Systeme thematisierte er erst später), die Wichtigkeit von guten Schauspielern, Drehbuch und einer der Geschichte dienenden Kamera. Denn in diesem Punkt war Lumet immer angenehm altmodisch. Auch in seinem letzten Film, dem grandiosem Noir-Drama „Tödliche Entscheidung“ (Before the Devil knows you are dead, USA 2007) blieb er sich in jedem Punkt treu.

Dazwischen drehte Sidney Lumet „Angriffsziel Moskau“ (Fail Safe, USA 1964), „Ein Haufen toller Hunde“ (The Hill, GB 1965), seine erste Zusammenarbeit mit Sean Connery, „Der Anderson-Clan“ (The Anderson Tapes, USA 1971), „Sein Leben in meiner Gewalt“ (The Offence, GB 1972), „Mord im Orient-Express“ (Murder on the Orient Express, GB 1974) und „Family Business“ (Family Business, USA 1990) folgten, „Serpico“ (Serpico, USA 1973) und „Hundstage“ (Dog Day Afternoon, USA 1975) festigten den Ruf von Al Pacino als grandiosem Schauspieler, „Network“ (Network, USA 1976) ist eine erschreckend aktuelle Mediensatire, „Prince of the City“ (Prince of the City, USA 1981), „The Verdict – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“ (The Verdict, USA 1982), „Tödliche Fragen“ (Q & A, USA 1990), „Nacht über Manhattan“ (Night falls on Manhattan, USA 1996) und das unterschätzte „Find me guilty – Der Mafiaprozess (Find me guilty, USA 2006) beschäftigten sich immer wieder mit dem Rechtssystem. In „Daniel“ (Daniel, USA 1983) und „Die Flucht ins Ungewisse“ (Running on empty, USA 1988) beschäftigte er sich mit der jüngeren amerikanischen Vergangenheit. In „Power – Der Weg zum Ruhm“ (Power, USA 1986) wirft er einen erhellenden Blick auf die US-amerikanischen Wahlkämpfe.

Und dabei habe ich seine wenigen, eher gradlinigen Kriminalfilme, wie „Der Morgen danach“ (The morning after, USA 1986), „Sanfte Augen lügen nicht“ (A stranger among us, USA 1992) und „Jenseits der Unschuld“ (Guilty as sin, USA 1993), seine Komödien und Dramen noch nicht erwähnt.

Sehenswert sind alle seine Filme. Sie sind unterhaltsam, gut gemacht und meistens ist man am Ende des Films sogar etwas schlauer als vorher.

2005 erhielt er seinen einzigen Oscar: einen Ehrenoscar. Damit erging es ihm wie Alfred Hitchcock, der 1968 den Irving G. Thalberg Memorial Award erhielt.

Sidney Lumet starb am 9. April in der Stadt, die immer im Mittelpunkt seiner Arbeit stand und deren Chronist er war: New York City.

Nachrufe gibt es bei Spiegel Online, FAZ, Telegraph und der New York Times.

Sidney Lumet in der Kriminalakte und bei Wikipedia (deutsch, englisch).


TV-Tipp für den 10. April: Die Zeit nach Mitternacht

April 10, 2011

Arte, 20.15

Die Zeit nach Mitternacht (USA 1985, R.: Martin Scorsese)

Drehbuch: Joseph Minion

Computerprogrammierer Paul Hackett ist ein ganz gewöhnlicher Mann, der eines Tages eine schöne, junge Frau trifft und ihr in ins verrufene Künstlerviertel SoHo folgt. Dort gerät in einer Nacht sein wohlgeordnet-langweiliges Leben aus den Fugen.

Extrem selten gezeigte schwarze New-York-Komödie von Martin Scorsese.

„Das Kino der Paranoia und Verfolgung erreicht einen Höhepunkt in ‚Die Zeit nach Mitternacht‘, einer alptraumhaften schwarzen Komödie von Martin Scorsese. Gleichsam eine Mischung aus ‚The Trial‘ (Der Prozess) und ‚Mean Streets‘ (Hexenkessel), wäre dieser angstbeladene Film wirklich lustig, würde er nicht mit jedermanns schlimmsten Befürchtungen über die heutige Großstadt spielen. (…) Für ernsthafte Kinogänger allerdings ist der Film ein Muss.“ (Variety)
mit Griffin Dunne , Rosanna Arquette, Verna Bloom, Thomas Chong, Linda Fiorentino, Teri Garr, John Heard, Cheech Marin, Will Patton

Wiederholungen

Samstag, 16. April, 01.35 Uhr (Taggenau!)

Montag, 18. April, 14.45 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Die Zeit nach Mitternacht“ (deutsch, englisch)

Martin Scorsese in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 9. April: Die Hölle von Henri-Georges Clouzot

April 9, 2011

BR, 00.00

Die Hölle von Henri-Georges Clouzot (Fr 2009, R.: Serge Bromberg, Rucandra Medrea)

Drehbuch: Serge Bromberg

Spielfilmlange Doku über den Spielfilm „Die Hölle“ von Henri-Georges Clouzot („Lohn der Angst“, „Die Teuflischen“) mit Romy Schneider und Serge Reggiani. Der Dreh wurde nach wenigen Wochen abgebrochen und die wenigen Aufnahmen verschwanden im Archiv.

1994 verfilmte Claude Chabrol Clouzots Drehbuch.

„Die Hölle von Henri-Georges Clouzot“ gewann den César als beste Dokumentation.

mit Romy Schneider, Serge Reggiani, Henri-Georges Clouzot

Hinweise

Wikipedia über „Die Hölle“ (deutsch, englisch, französisch)

BR über „Die Hölle von Henri-Georges Clouzot“

Schnitt über „Die Hölle von Henri-Georges Clouzot“

 


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

April 8, 2011

Für alle, die schon immer wissen wollten, welche Kriminalromanverfilmungen in den Tagen vor Ostern im TV laufen, muss auf die von mir erstellten und von Alligator-Alfred grandios bebilderten TV-Krimi-Buch-Tipps klicken. Als Appetitanreger gibt es hier die ersten Zeilen:

In den Tagen vor Ostern sind vor allem J. Lee Thompsons John-D.-MacDonald-Verfilmung „Ein Köder für die Bestie“, W. S. Van Dyke IIs Dashiell-Hammett-Verfilmung „Der dünne Mann“, Sam Mendes‘ Max-Allan-Collins-Verfilmung „Road to Perdition“, David Cronenbergs John-Wagner/Vince-Locke-Verfilmung „A History of Violence“, Alfred Hitchcocks Arthur-La-Bern-Verfilmung „Frenzy“, Sam Peckinpahs „Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia“ (zu nächtlicher Stunde), Francis Ford Coppolas Mario-Puzo-Verfilmung „Der Pate“ (dito) und, als TV-Premiere, David Ayers James-Ellroy-Verfilmung „Street Kings“ sehenswert.


Die KrimiZeit-Bestenliste April 2011

April 8, 2011

Die KrimiZeit-Bestenliste (Ex-KrimiWelt-Bestenliste) für den Ostermonat April:

1 (-) Peter Temple: Wahrheit

2 (-) Friedrich Ani: Süden

3 (3) Daniel Woodrell: Winters Knochen

4 (-) Linus Reichlin: Er

5 (1) Elmore Leonard: Road Dogs

6 (7) Heinrich Steinfest: Wo die Löwen weinen

7 (5) Richard Stark: Sein letzter Trumpf

8 (-) Arne Dahl: Opferzahl

9 (-) Didier Decoin: Der Tod der Kitty Genovese

10 (-) Elisabeth Herrmann: Zeugin der Toten

–

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat

–

Sechs Neueinsteiger. Dabei kann gegen Friedrich Ani (tolles Buch), Peter Temple (will ich noch lesen), Didier Decoin (dito) nichts gesagt werden. Daniel Woodrell und Richard Stark sind ebenfalls fantastisch. Nur von Elmore Leonads „Road Dogs“ war ich enttäuscht.

 


Fundstücke

April 8, 2011

Der linke Sänger Billy Bragg („A new England“) erklärt, warum er dieses Jahr keine Einkommenssteuer zahlt:

Volker Pispers sagt einiges zur FDP nach dem Rücktritt von Guido Westerwelle:


TV-Tipp für den 8. April: A Very British Gangster

April 8, 2011

Arte, 22.40

A Very British Gangster (GB 2007, R.: Donal MacIntyre)

Drehbuch: Donal MacIntyre

Tolle spielfilmlange Doku über den während der Dreharbeiten aktiven Manchester-Gangster Dominic Noonan, der erstaunlich offen vor der Kamera über sein Leben und seine Homosexualität spricht.

Beim Cognac Festival du Film Policier erhielt „ A Very British Gangster“ den Großen Preis.

Wiederholung: Dienstag, 19. April, 01.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Arte über „A Very British Gangster“

Meine ausführliche Besprechung von „A Very British Gangster“