TV-Tipp für den 5. Februar: Aufforderung zum Tanz

Februar 5, 2011

WDR, 21.40

Aufforderung zum Tanz (D 1977, R.: Peter F. Bringmann)

Drehbuch: Matthias Seelig

Drei Jahre bevor „Theo gegen den Rest der Welt“ im Kino antrat, erhielt er eine „Aufforderung zum Tanz“ und weil der TV-Film so erfolgreich war, entschlossen sich Regisseur Peter F. Bringmann, Drehbuchautor Matthias Seelig und Hauptdarsteller Marius Müller-Westernhagen (der später als Musiker ein Star wurde) die Abenteuer des Ruhrpottjungen Theo Gromberg weiterzuerzählen. In „Aufforderung zum Tanz“ wollen Theo und sein Kumpel Enno Goldini einen LKW kaufen. Aber Theo verzockt das Geld.

Heute läuft der sehr selten gezeigte Film endlich mal wieder im TV.

mit Marius Müller-Westernhagen, Guido Gagliardi Riad Gholmié, Elga Sorbas, Gudrun Landgrebe (Debüt!)

Hinweis

Wikipedia über „Aufforderung zum Tanz“


Die Glauser-2011-Longlist

Februar 4, 2011

Vor der Shortlist (die in einem Monat veröffentlicht wird) hat die Jury für den diesjährigen Glauser-Preis, dem Krimipreis der Autorenvereinigung „Das Syndikat“, folgende Bücher auf ihre Longlist gesetzt:

Zoe Beck – Das alte Kind (Bastei Lübbe)

Gunter Gerlach – Friedhof der Beziehungen (Ars Vivendi)

Frank Göhre – Der Auserwählte (Pendragon)

Paulus Hochgatterer – Das Matratzenhaus (Deuticke)

Bernhard Jaumann – Die Stunde des Schakals (Rowohlt)

Kurt Palm – Bad Fucking (Residenz)

Bernhard Salomon – Donaublut (Emons)

Amaryllis Sommerer – Keine Wunde, nichts (Milena)

Klaus Stickelbroeck – Fischfutter (KBV)

Daniel Twardowski – Das blaue Siegel (Goldmann)

–

Hm, da sind ja mal wieder viele mir unbekannte Autoren und Bücher dabei.


TV-Tipp für den 4. Februar: Two Much – Eine Blondine zuviel

Februar 4, 2011

Das Vierte, 20.15

Two Much – Eine Blondine zuviel (USA/E 1996, R.: Fernando Trueba)

Drehbuch: Fernando Trueba, David Trueba

LV: Donald Westlake: Two much, 1975 (Two much – Zwei zuviel – Wer kriegt wen?)

Gauner Art (Banderas) nimmt in Miami Hinterbliebene aus, bis er auf zwei bezaubernde Schwestern stößt und beide haben will. Art erfindet einen Zwillingsbruder.

Grandios, wie Antonio Banderas zwischen beiden Schwestern hin- und herspringt. Bester Slapstick ist die Frühstücksszene (zu sehen im zweiten Clip): Banderas läuft zwischen den Schlafzimmern der Schwestern hin und her, muss sich ständig verkleiden und darf nicht in einen riesigen Pool fallen.

„Two Much“ ist eine sommerlich leichte Komödie mit zahlreichen glänzend aufgelegten Darstellern.

Mit Antonio Banderas, Melanie Griffith, Daryl Hannah, Danny Aiello, Joan Cusack, Eli Wallach

Hinweise

Homepage von Donald E. Westlake

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake


Krimiautoren schreiben Comics

Februar 3, 2011

Die Krimiautoren Duane Swierczynski, Greg Rucka, Victor Gischler, Tom Piccirilli, Gregg Hurwitz, Charlie Huston und Jonathan Maberry haben in ihrer Heimat einen festen Leserstamm. Etliche ihrer Krimis waren auf verschiedenen Nominierungslisten (inclusive gewonnener Preise). Gleichzeitig wurden sie in den vergangenen Jahren auch gefragt, ob sie Szenarien für Comics schreiben wollen.

Sie sagten zu und schrieben Geschichten für Cable, Deadpool, den Punisher und Superman; naja, genaugenommen für eine Welt ohne Superman, weil dieser auf seinem Heimatplaneten gerade etwas erledigen muss.

Im sechsten „Cable“-Sammelband „Heimkehr“ geht die Odyssee von Cable und seinem Schützling Hope zu Ende. Vor siebzehn Jahren wurde Cable von dem Chef der X-Men in die Zukunft geschickt. Dort sollte er ein Baby vor Lucas Bishop beschützen. Denn während die X-Men in dem Baby die Zukunft der X-Men sahen, sah Bishop in ihr den Untergang der X-Men und der Welt.

In den folgenden Bänden jagte er die beiden durch die Zeit und auch durch verschiedene Welten. Während bei einigen Heften unklar war, wo das Ganze hinführen soll, hat Swierczynski für den Abschluss noch einmal kräftig auf die Tube gedrückt. Wir erfahren zwar nichts bahnbrechend neues über Cable, Hope und Bishop, aber dafür gibt es Action satt. Und das nicht nur in einer Zeit, sondern in verschiedenen Zeiten. Denn weil Cable mit seiner reparierten Zeitmaschine keine Punktlandung machen kann, nähern sie sich durch Sprünge in die Vergangenheit und die Zukunft immer mehr der Gegenwart. Und Bishop versucht alles, um Cables Mission in letzter Sekunde noch zu verhindern.

Das gibt Swierczynski die Gelegenheit, noch einmal Cable, Hope und Bishop alte Bekannte treffen zu lassen und Schlaglichter auf die verbrecherischen Vergangenheit New Yorks zu werfen. Denn selbstverständlich geraten sie auch in einen handfesten Mobkrieg.

Neben der vierteiligen Geschichte „Heimkehr“ gibt es in dem sechsten „Cable“-Sammelband auch einige Episoden auch Hopes Jugend und die Geschichte „Deadpool & Cable: Zwei Mutanten & ein Baby“. In dieser Geschichte erzählt Deadpool gewohnt großspurig, dass Cable und Hope nur dank seiner Hilfe überhaupt überlebten und sich auf die Reise in die Zukunft begeben konnten.

„Action satt“ ist auch das Motto der beiden „Deadpool – Der Söldner mit der großen Klappe“-Sammelbände von Hardboiled-Krimiautor Victor Gischler.

Gischlers Roman „Gun Monkeys“ wurde für den Edgar-Allan-Poe-Preis nominiert, „Shotgun Opera“ für den Anthony Award. Seine beiden krimifernen Romane „Die Go-Go-Girls der Apocalypse“ und „Vampire à Go-Go“ wurden auch ins Deutsche übersetzt. Daneben erfand er auch zahlreiche Geschichten für verschiedene Comicserien und Hollywood hat auch schon an seine Tür geklopft.

In „Kopfsprung“ wird Deadpool für zwei Millionen Dollar in das Wilde Land geschickt. Er soll dort einen Kontaktmann treffen und etwas sehr wichtiges herausholen. Der Kontaktmann ist eine vollbusige Wissenschaftlerin und das sehr wichtige Ding ist ein sprechender Zombiekopf, der aus einem Paralleluniversum kommt und dort eine andere Inkarnation von Deadpool war. Der Zombiekopf hat ein genauso loses Mundwerk wie Deadpool und beide kommentieren die Geschichte immer wieder sehr treffend.

Im zweiten Sammelband „Nächster Halt: Zombieville“, der unmittelbar an „Kopfsprung“ anschließt, versucht Deadpool den Zombiekopf wieder in dessen Universum zurückzubringen. Das geht nicht ohne einige Schäden an Gebäuden, Menschen und Zombies ab.

Jedenfalls hat Deadpool seinen Spaß – und wir dürfen die zahllosen popkulturellen Anspielungen entschlüsseln.

Und weil die verschiedenen Auftritte von Deadpool in anderen Serien aus dem Marvel-Universum und auch die 13-teilige Action-Satire „Deadpool – Der Söldner mit der großen Klappe“ bei den Lesern gut ankamen, gibt es inzwischen eine eigene „Deadpool“-Serie und Panini will alle zwei Monate ein „Deadpool“-Heft mit mehreren „Deadpool“-Geschichten veröffentlichen.

Allerdings sind, nach den durchgeknallten „Deadpool“-Abenteuern von Duane Swierczynski und Victor Gischler, die in dem ersten „Deadpool“-Heft versammelten anderthalb Geschichten von Daniel Way geradezu schwach. In „Welle der Erniedrigung“ versucht der Söldner sich als Pirat. Im ersten Teil von „Ich will, dass du mich willst“ schippert er weiter auf den Weltmeeren herum und tänzelt, vollgepumpt mit Drogen, durch San Francisco. Das ist nicht amüsant.

Der Punisher ist Frank Castle. Nachdem seine Familie von Verbrechern ermordet wurde und er schwer verletzt überlebte, schwor er Rache. Seitdem bringt er jeden Verbrecher, der ihm vor die Flinte läuft, um. Der beliebte Charakter wurde 1974 von Autor Gerry Conway und den Zeichnern John Romita, Sr. und Ross Andru erfunden. Zeitweise gab es gleichzeitig drei „Punisher“-Serien. Die jüngste Inkarnation erlebte Frank Castle als „The PunisherMAX“ (bei dem Marvel-Comics-Imprint MAX). Die Vigilanten-Geschichten richteten sich jetzt an ein erwachsenes Publikum und, im Gegensatz zu anderen Comichelden, wurde Frank Castle älter. Nach 75 Heften (die in den USA in 13 Sammelbänden wiederveröffentlicht wurden) war 2009 Schluss (und es gab unmittelbar danach einen Relaunch als „PunisherMAX“). Gerade die letzten Heften von „The PunisherMAX“/“The Punisher: Frank Castle“, die jetzt bei uns erschienen, wurden von Krimiautoren geschrieben.

Nachdem Duane Swierczynski in „Sechs Stunden zu Leben“ den Punisher halb Philadelphia umbringen ließ, sterben in dem nächsten „Punisher“-Abenteuer, das in den Sümpfen von Louisiana spielt, wesentlich weniger Menschen. Victor Gischler schrieb die „Punisher“-Geschichte „Willkommen im Bayou“, in der Punisher Frank Castle auf dem Weg nach New Orleans ist. Er will dort einen Gefangenen abliefern und so an Informationen herankommen. Auf dem Weg wird er von einer Gruppe Jugendlicher überholt. Nachdem sie alle an einer Tankstelle anhielten, sind die Jugendlichen verschwunden. Castle beschließt sie zu suchen und er trifft auf eine dieser netten, Menschenfleisch essenden Hinterwäldlersippen, die spätestens seit dem „Texas Chainsaw Massacre“ ein fester Bestandteil der Popkultur sind.

Gischler liefert mit „Willkommen im Bayou“, wie schon in „Deadpool – Der Söldner mit der großen Klappe“, schnelle und extrem kurzweilige Unterhaltung.

Weil die MAX-Punisher-Serie mit ihrem 75. Heft, das auch in dem Sammelband „Willkommen im Bayou“ enthalten ist, ihren Abschluss fand, wurden für das letzte Heft Tom Piccirilli, Gregg Hurwitz, Duane Swierczynski, Charlie Huston und Comic-Veteran Peter Milligan gebeten, jeweils eine kürzere Geschichte zu schreiben. Diese Geschichten sind eine nette Beigabe.

In dem neuesten „Punisher“-Sammelband „Abgrund des Bösen“ sind dann vier schon etwas ältere One-Shoots (also Geschichten, die ein Comicheft umfassen) versammelt. Duane Swierczynski, Victor Gischler, TV-Autor, Produzent und Comicautor Mike Benson (unter anderem die TV-Serien „The Bernie Mac Show“ und „Entourage“) und der mehrfache Bram-Stoker-Preis-Gewinner Jonathan Maberry (von dem bislang auf Deutsch nur der Thriller „Patient Null“ erschien) schrieben die vier spannenden Geschichte, die nicht unbedingt aus Castles Sicht erzählt werden.

In „Naturgewalt“ von Duane Swierczynski erfährt Castle, dass drei Kleingangster an einer großen Sache dran sind. Während einem ihrer monatlichen Angelausflüge nimmt er sie sich vor, indem er ihr Boot sinken und sie auf ein kleines Schlauchboot verbannt. In dem Boot wird dann, sorgfältig von Castle vorbereitet, für die Gangster alles noch schlimmer.

In „Alles gespeichert“ von Victor Gischler erzählt die Edelprostituierte Miss Vette die Geschichte. Sie wird von Castle erpresst, ihn zu dem gut bewachtem Plattenlabelbesitzer Carlos Ramirez (der in Wirklichkeit ein Drogenhändler ist) zu bringen.

In „Der Gejagte“ von Mike Benson steht der Gangster Eddie im Mittelpunkt. Zusammen mit seiner Gang verdient er mit dem heißen Abriss von Gebäuden sein Geld. Nach einer Brandstiftung treffen sie Castle, der Eddies Gang tötet. Nur Eddie kann flüchten. Jedenfalls vorläufig.

In „Requisiten“ von Jonathan Maberry kämpft Castle gegen eine Bande, die mit echten Folterpornos ihr Geld verdient. Zusammen mit einem der Verbrecher kann Castle den hochgesicherten Daedalus Tower, in dem die Filme gedreht werden und Frauen aus Russland und Asien als Sklavinnen gefangen gehalten werden, betreten. Allerdings kann er keine Waffen hineinschmuggeln. Er muss also improvisieren.

Die vier kurzen „Punisher“-Geschichten sind, kein Wunder bei den Autoren, schnelle, schwarzhumorige und ziemlich blutige Kriminalgeschichten.

Superman ist, wie wir in den sehr vertrauenswürdigen Chuck Norris Facts erfahren, der Typ, der gegen Chuck Norris eine Wette verloren hat und seitdem seine Unterhose über der Hose tragen muss.

Ansonsten ist der Mann vom Planeten Krypton eigentlich unbesiegbar und weltweit unterwegs, die bösen Buben zu verdreschen. Dass er dabei superschnell durch die Luft fliegen kann, ist natürlich ein enormer Kampfvorteil. Er kann auch im Weltraum atmen. Das ist auch gut. Denn jetzt musste er zu seinem Heimatplaneten Krypton fliegen und dort einige Dinge in Ordnung zu bringen.

„Die Welt ohne Superman“ (so auch der Titel der Comicserie) ist da, aber es leben immer noch etliche Kryptonier auf der Erde. Weil die Menschen sie nicht mögen, versuchen sie weitgehend außerhalb des Fokusses der Öffentlichkeit zu leben. Das ist natürlich einfacher geplant, als getan.

In dem fünfteiligem Comic „Die Schläfer“ von Greg Rucka (unter andere „Whiteout“ und die Tara-Chace-Serie), erschienen in „Die Welt ohne Supermann – Band 1“, stehen Nightwing und Flamebird im Mittelpunkt, die auf den ersten Seiten des Fünfteilers Tor-an verkloppen und anschließend neutralisieren. Er ist einer von mehreren Kryptoniern, die sie fangen sollen. Gleichzeitig werden sie von General Sam Lane, einem Menschen, gejagt, der alle Kryptonier umbringen will.

Die Geschichten des zweiten „Die Welt ohne Superman“-Sammelbandes wurden von James Robinson geschrieben und mit Mon-El und dem Guardian stehen zwei andere Superhelden im Mittelpunkt.

Mon-El begibt sich als Jonathan Kent nach Metropolis, um Supermans Heimatstadt an Supermans Stelle zu beschützen. Dort trifft er auf den Guardian, wie Jim Harper, der Kommandant der Wissenschaftspolizei, sich nennt. Der nimmt ihn in seine Einheit auf und gemeinsam jagen sie Verbrecher mit Superkräften.

Die beiden „Die Welt ohne Superman“-Bücher sind für Nicht-Superman-Fans ein sehr verwirrender Einblick in das Superman-Universum, bei dem man als nicht in die Superman-Mythologie kaum etwas versteht und sich öfters fragt, was diese Endlos-Kloppereien sollen. Auf eine Welt ohne Superman kann daher verzichtet werden.

Duane Swierczynski (Autor)/Steve Dillon (Zeichner)/Paul Gulacy (Zeichner)/ Lan Medina (Zeicher): Cable 6: Heimkehr

(übersetzt von Michael Strittmatter)

Panini Comics, 2011

180 Seiten

19,95 Euro

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Originalausgabe/enthält

Ein Mädchen namens Hope (X-Men: Hope – A Girl called Hope, Mai 2010)

Heimkehr (Cable 21 – 24: Homecomming, Februar 2010 – Mai 2010
Deadpool und Cable: Zwei Mutanten und ein Baby (Cable 25: Deadpool & Cable: Two Mutants and a Baby, Juni 2010)

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Victor Gischler (Autor)/Bong Dazo (Zeichner): Deadpool – Der Söldner mit der großen Klappe: Kopfsprung (Band 1 von 2)

(übersetzt von Michael Strittmatter)

Panini/Marvel, 2010

148 Seiten

16,95 Euro

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Originalausgabe/enthält

Deadpool: Merc with a Mouth 1 – 6: Headtrip (September 2009 – Februar 2010)

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Victor Gischler (Autor)/Bong Dazo (Zeichner)/Kyle Baker (Zeichner): Deadpool – Der Söldner mit der großen Klappe (Band 2 von 2)

(übersetzt von Michael Strittmatter)

Panini/Marvel, 2010

188 Seiten

16,95 Euro

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Originalausgabe/enthält

Deadpool: Merc with a Mouth 7: Are you there? It’s me, Deadpool (Februar 2010)

Deadpool: Marc with a Mouth 8 – 15: Next Stop: Zombieville (März – August 2010)

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Daniel Way (Autor)/ Shawn Crystal (Zeichner)/Paco Medina (Zeichner): Deadpool 1

Marvel, 2011

(übersetzt von Michael Strittmatter)

76 Seiten

5,95 Euro

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Originalausgabe/enthält

Welle der Erniedrigung, Teil 1: Absahnen wie ein $%$€! (Deadpool 13: Wave of Mutilation, Part 1: Profiteerin‘ L. A. M. F., Oktober 2009)

Welle der Erniedrigung, Teil 2: Entert an Achtern! (Deadpool 14: Wave of Mutilation, Part 2: Surrender the Booty, Oktober 2009)

Ich will, dass du mich willst, Teil 1: Der Metaphern-Leitfaden für Vollidioten (Deadpool 15: Want you to want me, Part 1: The complete idiot’s guide to metaphers, November 2009)

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Victor Gischler (Autor)/Goran Parlov (Zeichner): The Punisher: Willkommen im Bayou

(übersetzt von Reinhard Schweizer)

MAX Comics/Panini 2010

156 Seiten

16,95 Euro

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Originalausgabe/enthält

Punisher (Vol. 7) 71 – 74: Welcome to the Bayou, Part 1 – Part 4 (August – November 2009)

Punisher (Vol. 7) 75: Dolls/Gateway/Ghouls/Father’s Day/Smalest Bit of This (Dezember 2009)

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Victor Gischler (Autor)/Duane Swierczynski (Autor)/Laurence Campbell (Zeichner): The Punisher: Abgrund des Bösen

(übersetzt von Reinhard Schweizer)

MAX Comics/Panini 2011

148 Seiten

16,95 Euro

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Originalausgabe/enthält

Duane Swierczynski (Autor)/Michel Lacombe (Zeichner): Naturgewalt (Punisher: Force of Nature, April 2008)

Victor Gischler (Autor)/Jefte Palo (Zeichner): Alles gespeichert (Punisher: Little Black Book, August 2008)

Mike Benson (Autor)/Laurence Campbell (Zeichner): Der Gejagte (Punisher MAX Annual 1: The Haunted, November 2007)

Jonathan Maberry (Autor)/Laurence Campbell (Zeichner): Requisiten (Punisher: Naked Kill, August 2009)

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Greg Rucka (Autor)/Eddy Barrows (Zeichner)/Sidney Teles (Zeichner)/Diego Olmos (Zeichner): Superman Sonderband 37: Die Welt ohne Superman (Band 1 von 2)

(übersetzt von Christian Heiss)

Panini Comics, 2010

124 Seiten

14,95 Euro

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Originalausgabe/enthält

Die Schläfer, Teil 1 – 5 (The Sleepers, Part 1 – 5, Action Comics 875 – 879, Mai – September 2009

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James Robinson (Autor)/Renato Guedes (Zeichner)/Pere Perez (Zeichner): Superman Sonderband 38: Die Welt ohne Superman (Band 2 von 2)

(übersetzt von Christian Heiss)

Panini Comics, 2010

132 Seiten

14,95 Euro

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Originalausgabe/enthält

James Robinson (Autor)/Pablo Raimondi (Zeichner): Ursprünge & Vorzeichen (Origins and Omens, Superman 685, April 2009)

James Robinson (Autor)/Renato Guedes (Zeichner): Gestern und Morgen (Yesterday and Tomorrow, Superman 686, Mai 2009)

James Robinson (Autor)/Renato Guedes (Zeichner): Stärken und Schwächen (Power and Weakness, Superman 687, Juni 2009)

James Robinson (Autor)/Renato Guedes (Zeichner): Der Fall und Aufstieg von Jonathan Kent (The Fall and Rise of Jonathan Kent, Superman 688, Juli 2009)

James Robinson (Autor)/Renato Guedes (Zeichner): Der Tourist (The Tourist, Superman 689, August 2009)

James Robinson (Autor)/Pere Perez (Zeichner): Die Falle (The Setup, Superman 690, September 2009)

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Hinweise

Secret Dead Blog von Duane Swierczynski

Meine Besprechung von Duane Louis (Swierczynskis) „Letzte Order“ (Severance Package, 2008)

Meine Besprechung von Duane Louis (Swierczynskis) „Blondes Gift“ (The Blonde, 2006)

Meine Besprechung von Anthony E. Zuiker/Duane Swierczynskis „Level 26 – Dark Origins“ (Level 26 – Dark Origins, 2009)

Meine Besprechung von Duane Swierczynskis „Cable: Kriegskind – Band 1″ (Cable: War Child – 1, 2008)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Michel Lacombe (Zeichner)/Ariel Olivettis (Zeichner) „Cable 2: Heimatfront“ (Cable 2: Homefront)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Ariel Olivettis (Zeichner) „Cable 3 – Warten auf das Ende der Welt“ (Waiting for the end of the world, Wasteland Blues, 2009)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski/Craig Kyle/Christopher Yost (Autoren)/Ariel Olivetti/Clayton Crain (Zeichner) „Cable 4: Messias-Krieg – Teil 1“ (Messiah War, 2009)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski/Craig Kyle/Christopher Yost (Autoren)/Ariel Olivetti/Clayton Crains (Zeichner) „X-Force 4: Messias-Krieg – Teil 2“ (Messiah War, 2009)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Paul Gulacy (Zeichner)/Gabriel Guzmans (Zeichner) „Cable 5 – Zu spät für Tränen (Cable 16 – 20, 2009/2010)

Meine Besprechung von Duane Swierczynski (Autor)/Michel Lacombes (Zeichner) „The Punisher – Sechs Stunden zu leben“ (Punisher: Six hours to kill, 2009)

Duane Swierczynski in der Kriminalakte

Homepage/Blog von Victor Gischler

Pulp Noir: Homepage/Blog von Charlie Huston

Meine Besprechung von Charlie Hustons „Killing Game“ (The Shotgun Rule, 2007)

Meine Besprechung von Charlie Hustons „Das Clean-Team“ (The mystic arts of erasing all signs of death, 2009)

Meine Besprechung von Charlie Hustons „Bis zum letzten Tropfen“ (Every last drop, 2008)

Mein Interview mit Charlie Huston

Charlie Huston in der Kriminalakte

Homepage von Gregg Hurwitz

Homepage von Peter Milligan

Homepage von Tom Piccirilli

Meine Besprechung von Tom Piccirillis „Killzone“ (The dead letters, 2006)

Tom Piccirilli in der Kriminalakte

Homepage/Blog von Jonathan Maberry

Homepage von Greg Rucka

Meine Besprechung von Greg Rucka/Steve Liebers „Whiteout“ (Whiteout, 1998/1999)

Meine Besprechung von Greg Rucka/Steve Liebers „Whiteout: Melt“ (Whiteout: Melt, 1999/2000)

Greg Rucka in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 3. Februar: Aus Liebe zum Volk

Februar 3, 2011

RBB, 23.30

Aus Liebe zum Volk (D/F 2004, R.: Eyal Sivan, Audrey Maurion)

Drehbuch: Eyal Sivan, Audrey Maurion, Aurélie Tyszblatt, Cornelia Klauss (dramaturgische Beratung) (nach einer Idee von Gills-Marie Tiné)

LV: Reinhardt O. Hahn: Ausgedient – Nach Notizen eines Stasi-Offiziers

Spielfilmlange, hochgelobte Doku die einen Einblick in die Ideologie und alltägliche Arbeit der Stasi gibt. Dafür montierten Sivan und Maurion, zu den Erinnerungen eines Stasi-Majors, Stasi-Überwachungsfilme, Propagandafilmen und nachgestellte Szenen.

„eine so amüsante wie deprimierende Studie über die Hilflosigkeit des Überwachungsstaates“ (Frank Noack, Der Tagesspiegel, 8. Februar 2004)

Mit Axel Prahl (Sprecher deutsche Fassung), Hanns Zischler (Sprecher französische Fassung)

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Aus Liebe zum Volk“


Lest die Oscar-nominierten Drehbücher!

Februar 2, 2011

Die Oscar-Nominierungen sind draußen. Und, wie in den vergangenen Jahren, sind auch viele der nominierten Drehbücher online:

Best Original Screenplay

Another Year (undatiert), von Mike Leigh

The Fighter, von Paul Tarmasi und Eric Johnson

Inception (undatiert), von Christopher Nolen

The Kids Are All Right (Fassung vom 3. August 2009), von Lisa Cholodenko & Stuart Blumberg

The King’s Speech (undatiert), von David Seidler

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Best Adapted Screenplay

127 Hours (undatiert), von Danny Boyle und Simon Beaufoy (basierend auf dem Buch „Between a Rock and a Hard Place” von Aron Ralston)

The Social Network (undatiert), von Aaron Sorkin (basierend auf dem Buch „The Accidental Billionaires“ von Ben Mezrich)

Toy Story 3 (undatiert), von Michael Arndt (Geschichte von John Lasseter, Andrew Stanton und Lee Unkrich)

True Grit, von Joel & Ethan Coen (basierend auf dem Roman „True Grit“/“Die mutige Mattie“ von Charles Portis)

Winter’s Bone (undatiert), von Debra Granik und Anne Rosellini (basierend auf dem Buch „Winter’s Bone“ von Daniel Woodrell)

(via Simply Scripts)

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Und wo wir gerade bei Drehbüchern sind:

Black Swan, von Mark Heyman, Andres Heinz und John McLaughlin

Shutter Island (Fassung vom 3. October 2007), von Laeta Kalogridis (basierend auf dem Roman „Shutter Island“ von Dennis Lehane)

The American, von Rowan Joffe (basierend auf dem Roman „A very private gentleman“ von Martin Booth)

Somewhere, von Sofia Coppola

Greenberg, von Noah Baumbach

It’s a kind of a funny story, von Ryan Fleck und Anna Boden (basierend auf dem Roman von Ned Vizzini)

Napoleon, von Stanley Kubrick (Fassung vom 29. September 1969; ein wegen der immensen Kosten gescheitertes Projekt von Kubrick)

Hereafter – Das Leben danach (Fassung vom 1. Mai 2008), von Peter Morgan

The Town, von Peter Craig (Fassung vom 18. August 2009, basierend auf dem Roman „Prince of Thieves“/“Endspiel“ von Chuck Hogan)

Stone, von Angus MacLachlan (Krimi mit Robert de Niro und Edwart Norton, der am 15. März auf DVD erscheint)

Bullitt, von Alan Trustman und Harry Kleiner (basierend auf dem Roman „Mute Witness“/“Bullitt“ von Robert L. Pike)

Payback, von Brian Helgeland (basierend auf dem Roman „The Hunter“ von Richard Stark)

The Tourist, von Julian Fellowes (oder: eine Fassung des Buches, bevor Florian Henckel von Donnersmarck Hand anlegte)

 


TV-Tipp für den 2. Februar: Mörderischer Engel

Februar 2, 2011

RBB, 22.45

Mörderischer Engel (F 1985, R.: Jacques Deray)

Drehbuch: Jacques Deray, Michel Audiard

LV: Derek Raymond (Robin Cook): He died with his eyes open, 1984 (Er starb mit offenen Augen)

Hat die schöne Barbara den Pianisten umgebracht? Inspektor Staniland versetzt sich immer mehr in die Persönlichkeit des Toten und verliebt sich in Barbara.

Nicht so düster wie das Buch (der erste Band der Factory-Serie), in Teilen sogar langatmig, aber solide aufgebaut, mit zahlreichen Anleihen beim „Film Noir“ und zwei wundervollen Hauptdarstellern: Michel Serrault und Charlotte Rampling

Hinweise

Wikipedia über Derek Raymond (sehr ausführlich)

Krimi-Couch über Derek Raymond

Mordlust über Derek Raymond

Times Online: The 50 greatest Crime Writers of all Times – No. 30: Derek Raymond (17. April 2008)

The Nation: Charles Taylor über Derek Raymond (17. Dezember 2008)


Cover der Woche

Februar 1, 2011


TV-Tipp für den 1. Februar: Leben und Sterben in L. A.

Februar 1, 2011

Das Vierte, 20.15

Leben und Sterben in L. A. (USA 1985, R.: William Friedkin)

Drehbuch: William Friedkin, Gerald Petievich

LV: Gerald Petievich: To live and die in L. A., 1984 (Leben und Sterben in L. A.)

Zwei Polizisten jagen einen Geldfälscher. Dabei sind sie in der Wahl ihrer Mittel nicht gerade zimperlich.

Nihilistischer Polizei- und Gangster-Thriller mit rasanten Action-Szenen. Unterschätzt!

Aufgrund der Uhrzeit könnte eine gekürzte Version gezeigt werden.

Mit William L. Petersen, Willem Dafoe, John Pankow, John Turturro, Dean Stockwell, Gerald Petievich (in einer Minirolle als „Special Agent“)

Hinweise

Homepage von Gerald Petievich

Wikipedia über „Leben und Sterben in L. A.“ (deutsch, englisch)

Noir of the Week über „To Live and Die in L. A.“

Combustible Celluloid: Ein kurzes Interview mit William Friedkin über „To Live and Die in L. A.“  (21. November 2003)

MovieWeb: Ein Gespräch mit William Friedkin anläßlich der Blu-Ray-Veröffentlichung von „To Live and Die in L. A.“ (19. Februar 2010)

Yahoo/Associated Content: William Friedkin, William L. Petersen und Darlanne Fluegel über „To Live and Die in L. A.“ (31. Januar 2011)


DVD-Kritik: Hark Bohms grandioser Jugendfilm „Nordsee ist Mordsee“

Januar 31, 2011

Der letzte deutsche Film, der die Probleme von Jugendlichen halbwegs ernsthaft thematisierte, war Detlev Bucks „Knallhart“. Allerdings überzeugte „Knallhart“ weniger als Jugenddrama, sondern vor allem als Gangster-Ghetto-Drama, das durchaus gelungen amerikanische Vorbilder nach Berlin versetzte. Über das Leben von Jugendlichen erfuhr man dagegen, außer einer Bestätigung der eigenen Vorurteile, nichts.

Dabei waren wir schon einmal weiter.

In den siebziger Jahren drehte Hark Bohm mit seiner Filmfamilie einige Filme für junge Zuschauer, die explizit ihre Sorgen und Sehnsüchte ansprachen und die auch mit den Jugendlichen gemeinsam entwickelt wurden. „Tschetan, der Indianerjunge“, „Nordsee ist Mordsee“, „Moritz, lieber Moritz“ und, nach einigen anderen Filmen, „Yasemin“ hießen sie und, obwohl sie damals für Diskussionen sorgten und auch an der Kinokasse erfolgreich waren, sind sie heute weitgehend vergessen. Denn sie liefen schon seit Ewigkeiten nicht mehr im Fernsehen, im Kino sowieso nicht und es gibt auch bislang keine DVD-Veröffentlichungen (Naja, genaugenommen wurde „Nordsee ist Mordsee“ 2009 in der Spiegel-Edition „Deutscher Film“ veröffentlicht und in der aus fünfzig Filmen bestehenden, limitierten, entsprechend teuren und ausverkauften „Filmverlag der Autoren“-Werkschau wurden „Tschetan, der Indianerjunge“ und „Nordsee ist Mordsee“ veröffentlicht.).

In „Nordsee ist Mordsee“ erzählt Hark Bohm die Geschichte des vierzehnjährigen Uwe Schiedrowsky (Uwe Enkelmann, heute bekannter als Uwe Bohm) und des gleichaltrigen Dschingis Ulanow (Dschingis Bowakow). Sie leben in einem Sozialen Wohnungsbau auf der Elbinsel Hamburg-Wilhelmsburg, damals von den Bewohnern auch Niggertown genannt und ein Paradies für Sozialarbeiter und Stadtplaner.

Uwe wird von seinem Vater Walter Schiedrowsky (Marquard Bohm, der Bruder von Hark Bohm), einem Barkassenschiffer, der ein richtiger Seemann werden wollte und der seinen Frust über seinen Job im Alkohol ersäuft, regelmäßig geschlagen. Dafür ist Uwe mit seinem Platzhirschgehabe, das er sich von seinem Vater abgeschaut hat, bei den Gleichaltrigen der unumstrittene Anführer.

Dschingis ist das genaue Gegenteil von Uwe und wird von Uwes Clique als Ausländer gehänselt. In einer abgelegenen Bucht baut er ein Schiff, das, als es von Uwe entdeckt wird, gleich von Uwe und seinen Freunden zerstört wird.

Es kommt zu einem Kampf zwischen Dschingis und Uwe. Dschingis gewinnt und er zwingt Uwe, das Schiff zu reparieren. Danach ist Uwe als Anführer abgesägt. Er versucht mit einem Autodiebstahl wieder deren Respekt zurück zu erobern. Selbstverständlich wird er von der Polizei erwischt und kassiert von seinem Vater erst einmal eine ordentliche Tracht Prügel.

In diesem Moment kann er sich nur an Dschingis wenden, der ihm anbietet, bei ihm zu übernachten. Aber Dschingis‘ Mutter, die in der deutschen Gesellschaft nicht auffallen möchte, lehnt die Bitte von ihrem Sohn ab.

Dschingis und Uwe, die sich jetzt endgültig von den Erwachsenen abgelehnt fühlen, beschließen gemeinsam mit dem von ihnen gebautem Schiff die Elbe hinunter zu fahren. Doch schon nach wenigen Metern, im Hamburger Hafen, zwischen all den großen Schiffen, merken sie, dass sie mit ihrem Kahn nicht weit kommen werden. Sie klauen ein kleines Segelboot und machen sich auf dem Weg zur Nordsee.

Als „Nordsee ist Mordsee“ 1976 in die Kinos kam war der Film ein Hit.

Gleichzeitig gab es mächtigen Ärger wegen der Freigabe. Denn die Freiwillige Selbstkontrolle (FSK) gab dem Film zuerst eine „ab 16 Jahre“-Freigabe und begründete dies mit den möglichen negativen Auswirkungen auf unter Sechzehnjährige und warnte vor Nachahmungseffekten. Hark Bohm klagte dagegen, weil er wollte, dass die Jugendlichen, für die er den Film gemacht hatte, sich den Film ansehen können. Ihm schwebte eine „ab 6 Jahre“-Freigabe vor. Diese Streit wurde von zahlreichen Zeitungsartikeln und einer entsprechend breiten Debatte über die Freigabepolitik, die Aufgabe der FSK und die Wirkung von Filmen („Wenn ein Film so einfach wirken würde, dann hätte ‚Es herrscht Ruhe im Land‘ in der Bundesrepublik eine Revolution auslösen müssen.“ [Hark Bohm]) begleitet. Letztendlich ging es um die auch heute noch bei der Freigabe von Filmen aktuellen Fragen, inwiefern mit den Freigaben auch erzieherische Aussagen verknüpft sind oder sollten und wie sehr die Freigabe eines Filmes teilweise sogar erwachsene Zuschauer vor möglichen negativen Auswirkungen beschützen soll.

Letztendlich wurde „Nordsee ist Mordsee“ am 13. Mai 1976 im Rechtsausschuss (der höchsten Berufungsinstanz der FSK) „ab 12 Jahre“ freigegeben. Diese Freigabe hat der Film heute immer noch und deshalb kann „Nordsee ist Mordsee“ im Fernsehen, ohne Ausnahmegenehmigung, nicht vor 20.00 Uhr gezeigt werden.

Dabei ist „Nordsee ist Mordsee“ trotz kleiner Schwächen in der Geschichte und dem Schauspiel (Hey, es sind Jugendliche und einige Laienschauspieler) immer noch ein überzeugender Film, der die Jugendlichen, ihre Sorgen und Nöte und die Zwänge in denen sie und ihre Eltern leben, ernst nimmt. Denn Hark Bohm lebte vor den Dreharbeiten zur Recherche drei Monate in Hamburg-Wilhelmsburg und erarbeitete das Drehbuch mit seinen Darstellern. So floss in die von Uwe Enkelmann und Dschingis Bowakow gespielten Charaktere viel von ihrer eigenen Geschichte ein und genau diese in jeder Sekunde spürbare dokumentarische Qualität gibt „Nordsee ist Mordsee“ seine Kraft.

„Nordsee ist Mordsee“ lohnt wirklich eine Wiederentdeckung.

Nordsee ist Mordsee (D 1976)

Regie: Hark Bohm

Drehbuch: Hark Bohm

mit Uwe Enkelmann, Dschingis Bowakow, Marquard Bohm, Herma Koehn, Katja Bowakow, Günter Lohmann, Corinna Schmidt, Ingrid Boje, Gerhard Stöhr, Rolf Becker

–

DVD

Arthaus/Kinowelt

Bild: 1,66:1 (anamorph)

Ton: Deutsch (Mono Dolby Digital)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Trailer, Fotogalerie, Presseheft, Wendecover

Länge: 82 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Wikipedia über „Nordsee ist Mordsee“

Die Zeit: Hans C. Blumenberg über „Nordsee ist Mordsee“ (30. April 1976)

 


TV-Tipp für den 31. Januar: Cocktail für eine Leiche

Januar 31, 2011

Arte, 20.15

Cocktail für eine Leiche (USA 1948, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Arthur Laurents, Hume Cronyn

LV: Patrick Hamilton: The Rope, Rope’s End, 1929 (Theaterstück)

Zwei Studenten bringen, um ihre Überlegenheit zu demonstrieren, einen Mitstudenten um und feiern eine Party – mit dem Toten in einer für alle sichtbaren Truhe.

Hamiltons Stück basiert locker auf dem Fall Leopold/Loeb, bei dem 1924 zwei Studenten grundlos einen Mitstudenten umbrachten. Hitchcock faszinierte neben der moralischen Frage bei „Cocktail für eine Leiche“ ein technischer Aspekt: er drehte den Film in Echtzeit (von 19.30 Uhr bis 21.15 Uhr; beim Essen wird etwas geschummelt) ohne einen sichtbaren Schnitt. Das gelang Hitchcock, indem er immer am Ende einer Filmspule auf einen Gegenstand (wie die Truhe oder ein Jackett) fuhr und bei der nächsten Spule genau dort fortfuhr. In den dazwischen liegenden zehn Minuten gibt es nie einen Schnitt. Die Schauspieler mussten ihre Texte genau kennen, die Kamera bewegte sich durch den Raum und Gegenstände wurden hin und her bewegt. Und im Hintergrund verdunkelte sich die Skyline.

Damals wurde das Experiment verrissen und auch Hitchcock sagte später, die Idee sei idiotisch und gegen alle seine Prinzipien. Heute genießen wir den Film einfach als verdammt gute Verfilmung eines Theaterstücks mit guten Schauspielern, die gute Dialoge sprechen dürfen.

Mit James Stewart, John Dall, Farley Granger, Sir Cedric Hardwicke

Wiederholung: Mittwoch, 2. Februar, 14.45 Uhr

Hinweise

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2

Meine Besprechung von Thily Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Francois Truffaut redet mit Alfred Hitchcock über „Rope“

 


TV-Tipp für den 30. Januar: Der Uhrmacher von St. Paul

Januar 30, 2011

MDR, 01.10

Der Uhrmacher von St. Paul (F 1974, R.: Betrand Tavernier)

Drehbuch: Jean Aurenche, Pierre Bost, Georges Simenon, Bertrand Tavernier

LV: Georges Simenon: L’Horloger d’Everton, 1954 (Der Uhrmacher von Everton)

Ist sein Sohn ein Mörder? Uhrmacher Michel Descombes will seinen Sohn verstehen.

Hochgelobtes, selten gezeigtes Debüt von Tavernier – psychologisch dicht und packend. Dafür erhielt Tavernier den Silbernen Bären.

Mit Philippe Noiret, Jean Rochefort

Hinweise

Wikipedia über „Der Uhrmacher von St. Paul“ (deutsch, englisch, französisch)

Deutsche Georges-Simenon-Fanseite

Senses of Cinema: Carloss James Chamberlin über Bertrand Tavernier (August 2003)

Meine Besprechung der von Bertrand Tavernier inszenierten James-Lee-Burke-Verfilmung „In the electric mist“

Meine ausführliche Besprechung von „Der Uhrmacher von St. Paul“


Die zehn besten Krimis von 2010?

Januar 29, 2011

Die Jahresbestenliste 2010 der KrimiWelt-Juroren bietet, weil die besten Krimis des Jahres aus den Krimis ausgewählt werden, die bereits auf einer der monatlichen Bestenlisten waren, keine großen Überraschungen:

1 Don Winslow: Tage der Toten

2 Richard Price: Cash

3 Dominique Manotti: Letzte Schicht

4 Pete Dexter: God’s Pocket

5 James Ellroy: Blut will fließen

6 Josh Bazell: Schneller als der Tod

7 David Peace: Tokio, besetzte Stadt

8 Nii Parkes: Die Spur des Bienenfressers

9 Roger Smith: Blutiges Erwachen

10 Thomas Willmann: Das finstere Tal

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Hm, das erinnert mich daran, dass einige Bücher noch auf meinem Zu-lesen-Stapel liegen – und ich meine Abendplanung (weniger Filme, weniger Außer-Haus-Termine, mehr Couch- und Lesesesselsitzungen bei abgestelltem Telefon) dringend überdenken sollte.


Die KrimiWelt-Bestenliste Februar 2011

Januar 29, 2011

Die Bestenliste der KrimiWelt für den Berlinale-Monat Februar sieht so aus:

1 (-) Elmore Leonard: Road Dogs

2 (3) Ken Bruen: London Boulevard

3 (1) John le Carré: Verräter wie wir

4 (2) Åke Edwardson: Der letzte Winter

5 (10) James Sallis: Dunkle Vergeltung

6 (5) Tana French: Sterbenskalt

7 (8) Kurt Bracharz: Der zweitbeste Koch

8 (-) Francisco González Ledesma: Gott wartet an der nächsten Ecke

9 (-) Martin Suter: Allmen und die Libellen

10 (-) Michael Koryta: Blutige Schuld

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In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat

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Dieses Mal gibt es wieder nur vier Neulinge – und alles Männer, zwei aus dem benachbartem deutschsprachigem Ausland. Die Liste ist mit neun Jungs sowieso sehr männerlastig. Ansonsten: Ken Bruen und James Sallis haben mir gefallen. John le Carré nicht und von Elmore Leonards „Road Dogs“ bin ich auch etwas enttäuscht. Aber dazu demnächst mehr.


TV-Tipp für den 29. Januar: Rififi

Januar 29, 2011

RBB, 23.15

Rififi (F 1954, R.: Jules Dassin)

Drehbuch: René Wheeler, Jules Dassin, Auguste le Breton

LV: Auguste le Breton: Du rififi chez les hommes, 1953

Kaum draußen aus dem Gefängnis plant Toni zusammen mit seinen Freunden Jo und Mario den Einbruch in ein Juweliergeschäft. Der Einbruch gelingt. Dann kommt ihnen eine rivalisierende Bande auf die Spur.

Mit „Rififi“ begründete Dassin das Caper-Movie: ein Film, bei dem die Planung und Durchführung eines Einbruches mit Mittelpunkt steht. „Dassins Film wirkt ein wenig wie die Synthese aus seinen eigenen realistischen Kriminalfilmen aus Hollywood, das er der antikommunistischten Hexenjagden McCarthys wegen hatte verlassen müssen, und den französischen Filmen aus der Tradition des Poetischen Realismus. Dabei potenziert sich der Pessimismus so sehr wie die Stilisierung: In einer halbstündigen Sequenz, in der der technische Vorgang des Einbruchs gezeigt wird, gibt es weder Dialoge noch Musikuntermalung. Die technische Präzision, die fast ein wenig feierlich zelebriert wird und in der die Männer ganz offensichtlich ihre persönliche Erfüllung finden, mehr als in der Freude über die Beute, steht dabei im Gegensatz zu ihrem fast ein wenig melancholischen Wesen.“ (Georg Seeßlen)

Mit Jean Servais, Carl Möhner, Robert Manuel, Robert Hossein, Perlo Vita (Pseudonym von Dassin)

Hinweise

Wikipedia über „Rififi“ (deutsch, englisch)

Filmforum über „Rififi“

Noir of the Week über „Rififi“

Criterion Confessions (James S. Rich) über Jules Dassin und „Rififi“

Kriminalakte: R. i. P. Jules Dassin


Neu im Kino/Filmkritik: Clint Eastwood philosophiert über „Hereafter – Das Leben danach“

Januar 28, 2011

In diesem Film hat jede Hauptfigur etwas, was die anderen brauchen – nicht unbedingt die richtigen Antworten, aber einen Ausgangspunkt, von dem aus man sein Leben fortsetzen kann. Sie alle müssen sich einfach nur nach Kräften bemühen, so lange sie sich noch im Diesseits befinden.

Clint Eastwood

 

Ein bestimmtes Niveau wird Clint Eastwood nie unterschreiten. Auch in seinem neuesten Film „Hereafter – Das Leben danach“ gibt es viele gelungene Momente. Aber insgesamt enttäuscht der überlange Film über das Ende des Lebens. Er erzählt nach einem Drehbuch von Peter Morgan (Frost/Nixon, The Dammed United, The Queen) parallel drei Geschichten.

Die einer französischen Journalistin (Cécile de France), die in Indonesien einen Tsunami überlebt, dabei eine Nahtoderfahrung hat und zurück in Frankreich das Erlebnis nicht vergessen kann und beginnt weiter über Nahtoderfahrungen zu forschen.

Die eines englischen Jungen (die Zwillinge Frankie und George McLaren), der seinen Zwillingsbruder in London bei einem Autounfall verliert und den Verlust nicht überwinden kann. Außerdem wird seine drogenabhängige Mutter in eine Therapieeinrichtung und er in eine sehr liebevolle Pflegefamilie gesteckt.

Und in San Francisco lebt ein Hafenarbeiter(Matt Damon). Der verdiente früher als Medium, der Gespräche mit Verstorbenen vermittelte, viel Geld. Aber die Arbeit strengte ihn zu sehr an. Deshalb versucht er jetzt seine Gabe, die er als Fluch empfindet, zu ignorieren und ein normales Leben zu leben. Während eines Kochkurs entwickelt sich eine Beziehung zu einer Teilnehmerin. Nachdem sie von seiner Gabe erfährt und ihn zu einer Sitzung auffordert, zerbricht die Beziehung. Er wird entlassen und, nachdem ihm sein Bruder stolz das neu eingerichtete Büro zeigt, in dem er wieder als Medium arbeiten kann, haut er ab. Er will sich selbst finden.

Am Filmende werden dann die drei Geschichten sehr gewollt auf der Londoner Buchmesse, garniert mit einem kurzen Auftritt von Derek Jacobi als Charles-Dickens-Vorleser, zusammengefügt.

Bis dahin plätschern die drei Geschichten, die sich alle irgendwie mit der Frage des Todes, dem Leben nach dem Tod und dem Umgang der Hinterbliebenen mit dem Tod beschäftigen, reichlich ziellos vor sich hin. Sicher, es gibt gute Szenen. Die Schauspieler sind gut. Die Kamera, wie schon bei Eastwoods vorherigen Filmen, Tom Stern, ist ebenfalls gut. Ebenso die von Clint Eastwood geschriebene Musik. Die Ausstattung ist stimmig.

Aber das Drehbuch von Peter Morgan wirkt wie ein willkürlicher Zusammenschnitt von drei Episoden einer lahmen Mystery-Serie mit dem Titel „Der Tod und ich“.

Gerade weil Clint Eastwood sich in den vergangenen Jahren in einer Reihe grandioser Filme immer wieder und wesentlich inspirierter mit dem Tod in all seinen Schattierungen und Variationen beschäftigte, ist der halbgare Mystery-Film „Hereafter – Das Leben danach“ so enttäuschend und, wenn man nicht wüsste, dass der Film von Clint Eastwood ist, würde man ihn wahrscheinlich noch weniger mögen.

Der nächste Clint-Eastwood-Film, ein Biopic über den FBI-Chef J. Edgar Hoover, nach einem Drehbuch von „Milk“-Autor Dustin Lance Black und mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle, befindet sich in den letzten Zügen der Vorproduktion und das dürfte ein wesentlich besserer Film werden.

Herafter – Das Leben danach (Hereafter, USA 2010)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: Peter Morgan

mit Matt Damon, Cécile de France, Frankie McLaren, George McLaren, Jay Mohr, Bryce Dallas Howard, Marthe Keller, Thierry Neuvic, Derek Jacobi

Länge: 128 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Herafter – Das leben danach“

Wikipedia über „Hereafter“ (deutsch, englisch)

Collider: Interview mit Peter Morgan über „Hereafter“

Coming Soon: Interview mit Peter Morgan über „Hereafter“

Cinema Blend: Interview mit Peter Morgan über „Hereafter“

Deadline Hollywood: Interview mit Peter Morgan über „Hereafter“

Washington City Paper: Interview mit Peter Morgan und Clint Eastwood über „Hereafter“

 


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

Januar 28, 2011

Mit vielen Bildern (Dank an Alfred!) sind bei den Alligatorpapieren meine TV-Krimi-Buch-Tipps (eine kommentierte Auflistung der demnächst im TV laufenden Krimi-Verfilmungen) online:

In den kommenden beiden Wochen gibt es eine satte Portion Alfred Hitchcock: „Cocktail für eine Leiche“, „Die Vögel“ und „Vertigo“.
Ansonsten ist Clint Eastwoods Andrew-Klavan-Verfilmung „Ein wahres Verbrechen“ ein guter Einstieg in die kommenden beiden Krimiwochen. Ebenfalls sehenswert sind Jules Dassins Auguste-le-Breton-Verfilmung „Rififi“, Stuart Rosenbergs Donn-Pearce-Verfilmung „Der Unbeugsame“, Bertrand Taverniers Georges-Simenon-Verfilmung „Der Uhrmacher von St. Paul“, William Friedkins Gerald-Petievich-Verfilmung „Leben und Sterben in L. A.“, Jacques Derays Derek-Raymond-Verfilmung „Mörderischer Engel“, Alan Parkers William-Hjortsberg-Verfilmung „Angel Heart“, Lee Tamahoris Pete-Dexter-Verfilmung „Nach eigenen Regeln, Martin Scorseses Martin-Pileggi-Verfilmung „Casino“ und, als TV-Premiere, Ridley Scotts David-Ignatius-Verfilmung „Der Mann, der niemals lebte“.

Stieg-Larssons-Fans dürfen sich auf die gegenüber den Kinoversionen deutlich verlängerten TV-Versionen von „Verblendung“ (zweiter Teil) und „Verdammnis“ (erster Teil) freuen.


Ein Interview mit „Moon“-Regisseur Duncan Jones

Januar 28, 2011

Weil mir der mit dem Hugo ausgezeichnete SF-Film „Moon“ gut gefallen hat,

weil am 28. Januar der Film auf DVD und BluRay (mit viel Bonusmaterial) erscheint, und

weil das von Koch-Media zur Verfügung gestellte Interview interessant ist,

poste ich es.

In „Moon“ erzählt Duncan Jones die Geschichte von Sam Bell (Sam Rockwell), der als einziger auf einer Mondstation arbeitet. Kurz vor dem Ende seines Dreijahresvertrages häufen sich die seltsamen Ereignisse und plötzlich steht er seinem Doppelgänger gegenüber. Ist er jetzt endgültig verrückt geworden oder gibt es eine rationale Erklärung für den doppelten Bell?

 

Was fasziniert Sie an dieser Geschichte?

Der Mond bietet sich so offensichtlich als Schauplatz für eine Science-Fiction-Story an, aber er wird meistens ignoriert. Es ist erst vierzig Jahre her, dass wir zum ersten Mal auf den Mond flogen. Ich bekomme eine Gänsehaut bei dem Gedanken, dass der Mond vielleicht bald die Quelle sein könnte, aus der wir unseren Planeten für die nächsten hundert Jahre mit Energie versorgen. Aber unabhängig davon hat doch sowieso jeder eine persönliche Verbindung zum Mond: Jede Nacht gucken wir hoch zu ihm, jede Nacht haben wir da Science Fiction, direkt vor unseren Augen.

Wie kamen Sam Rockwell und Kevin Spacey zu diesem Film?

Nachdem ich die Rolle speziell für Sam Rockwell schrieb, musste es entweder eine große Herausforderung für ihn sein, den Part zu spielen, oder zumindest Spaß versprechen. Außerdem brauchte die Geschichte auch einen Reiz für das Mainstream-Publikum. Deshalb hatte ich schließlich die Idee, dass Sam mehrere Rollen gleichzeitig spielen sollte. Das würde alle unsere Richtlinien abdecken: Sam hätte seine Herausforderung als Schauspieler, die Besetzung bliebe minimal, und wir könnten uns auf einen bestimmten Typ von visuellen Effekten konzentrieren.

Ich spielte mit dem Ansatz, einen einsamen Mann auf einer Mondbasis zu platzieren, und zu diesem Grundgedanken passte auch das Klonen, die Vervielfachung von Sam. Ich wurde ganz aufgeregt, als ich darüber nachdachte, ob man sich wohl mögen würde, wenn man sich auf einmal selbst gegenüber stände. Ich glaube, das ist die brutalste, ehrlichste und menschlichste Frage, die es gibt – und das macht sie perfekt für einen Science-Fiction-Film. Kevin Spacey kannte bereits das Script, aber er wollte einen Rohschnitt des Films sehen, bevor er eine Entscheidung traf. Obwohl der Ton nur ersatzweise und die Effekte noch gar nicht drin waren, hat es ihn umgehauen. Kevin Spacey war begeistert von dem, was Rockwell da bot. Er hat sofort den Vertrag unterschrieben.“

Wie war das Besondere bei der Produktion von MOON?

Es war eine ziemlich verzwickte Aufgabe, MOON zusammenzubasteln. Wir wollten eine minimale Besetzung und die völlige Kontrolle über unseren Drehort. Und wir wollten den letzten Tropfen Leinwandpräsenz aus unseren Spezialeffekten herauspressen.

Der Film war technisch und logistisch sehr kompliziert. Wir hatten 33 harte, sehr von der Technik abhängige Drehtage in den Shepperton Studios. Wir arbeiteten in genau der Umgebung, in der Ridley Scott vor etwa 30 Jahren Alien gedreht hatte.

Ich bin im goldenen Zeitalter der Science-Fiction-Filme aufgewachsen. Wenn also ‚Gerty‘ [der Stationscomputer in MOON] oder ‚Sarang‘ [die Mondstation] ein Design haben, das eine bestimmte Retro-Ästhetik besitzt, dann ist das nicht zufällig so. Es ist die Inspiration der Filme, die wir geliebt haben, als ich aufgewachsen bin: Alien, Silent Running, Outland, und 2001: A Space Odyssey. Es ist eine Hommage an diese Filme und ihre Zeit.

Gibt es eine Szene, die Ihnen besonders vom Shooting in Erinnerung geblieben ist?

Es gibt einen Grund, warum man ‚Indie-Film‘ und ‚Science-Fiction-Film‘ so selten im selben Satz hört. Science Fiction ist das Genre, das am meisten Tricks und Ausstattung braucht, und das kann man mit einem ‚Indie‘-Budget natürlich nie finanzieren. Wir wollten mit dem Film eine Geschichte erzählen, die einerseits sehr persönlich ist, andererseits einen universellen Anspruch erfüllt. Eine bestimmte Szene war so kompliziert, dass wir sie einige Tage aussetzen mussten, um darüber nachzudenken. Aber es hat sich gelohnt – es ist einer der Momente des Films geworden, bei dem der Zuschauer sich anschließend fragt, wie wir das gemacht haben…

Was war die größte Herausforderung an diesem Film?

Einen waschechten Science-Fiction-Film zu drehen, mit einer spannenden Story, einem außergewöhnlichen Schauspieler, einem Sack voll bester Spezialeffekte – und wir haben das in 33 Tagen mit einem niedrigen Budget geschafft.

Was sollen die Zuschauer aus diesem Film mitnehmen?

Ich bin ein Nerd, ein Sci-Fi-Freak – aber ich bin auch hoffnungslos romantisch und ich liebe Filme.

Ich wünsche mir, dass die Science Fiction Fans dieser Welt sich bei dem Versuch überschlagen, all die Zitate und kleinen Hommagen zu entdecken, mit denen wir an vergangene Science-Fiction-Filme erinnern wollen.

Und am allermeisten wünsche ich mir, dass die Menschen, die diesen Film lieben, sagen: „Das war richtig gut. Ich bin gespannt, was diese Jungs als Nächstes vorhaben…“


Moon (Moon, GB 2009)

Regie: Duncan Jones

Drehbuch: Nathan Parker (nach einer Idee von Duncan Jones)

mit Sam Rockwell, Kevin Spacey, Dominique McElligott, Kaya Scodelario, Benedict Wong, Matt Berry, Malcolm Stewart

–

Als Bonusmaterial ist angekündigt:

Single Disc Editions

• Originaltrailer

• Audiokommentar mit Regisseur Duncan Jones, Kameramann Gary Shaw sowie den Designern Gavin Rothery und Tony Noble

• Audiokommentar von Regisseur Duncan Jones und Produzent Stuart Fenegan

2-Disc Special Editions (zusätzlich)

• Kurzfilm „Whistle“ von Regisseur Duncan Jones (ca. 29 Minuten)

• Making of Moon (ca. 16 Minuten)

• Visuelle Effekte (ca. 11 Minuten)

• Interview auf dem Sundance Film Festival (ca. 11 Minuten)

• Science Center Interview mit Regisseur Duncan Jones (ca. 21 Minuten)

–

Hinweise

Englische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Moon“

Wikipedia über „Moon“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung des Films „Moon“


TV-Tipp für den 28. Januar: Nachtschicht: Wir sind die Polizei

Januar 28, 2011

ZDFneo, 21.45

Nachtschicht: Wir sind die Polizei (D 2010, R.: Lars Becker)

Drehbuch: Lars Becker

In Hamburg geht’s auch in der siebten „Nachtschicht“-Folge rund: die Schicht beginnt mit einem Krokodil. Dann gibt es schlagende Männer, Männer, die in Frauenkleidern einen Juwelierladen überfallen und falsche Polizisten (Kennen wir die nicht schon von der vorherigen Folge?).

Die Folge ist für den diesjährigen Grimme-Preis nominiert.

mit Armin Rohde, Barbara Auer, Minh-Khai Phan-Thi, Roeland Wiesnekker, Peter Kremer, Cosma Shiva Hagen, Ralph Herforth, Oliver Stokowski

Wiederholung: Samstag, 29. Januar, 03.25 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Nachtschicht“

Lexikon der deutschen Krimi-Autoren über Lars Becker


DVD-Kritik: „Du und ich“ oder ein vergessenes Meisterwerk von Fritz Lang

Januar 27, 2011

Es wäre Unfug, Fritz Langs hoch budgetiertes Drama „Du und ich“ auf eine Stufe mit seinen Stummfilmmeisterwerken „Der müde Tod“, „Dr. Mabuse, der Spieler“, „Die Nibelungen“, „Metropolis“, „Spione“, „Frau im Mond“, seinem Tonfilmdebüt „M“, seinem letzten deutschen Film vor seiner Flucht, „Das Testament des Dr. Mabuse“ zu stellen. Aber schlechter als seine zahlreichen, immer noch bekannt-beliebten Hollywood-Noirs, wie „Gefährliche Begegnung“, „Gardenia – Eine Frau will vergessen“ und „Heißes Eisen“ (bei denen ihm das geringe Budget deutliche Schranken setzte) ist „Du und ich“ nicht.

Denn „Du und ich“ (ein seltsam austauschbarer und nichtssagender Titel) ist viel besser als seine Bekanntheit, genauer Unbekanntheit, vermuten lässt. In den USA war der am 1. Juni 1938 uraufgeführte Film ein Kassenflop. In Deutschland erlebte er, wie viele von Langs Hollywood-Filmen, erst am 16. Januar 1978 im WDR seine Premiere und auch bei der wurde anscheinend auf eine deutsche Synchronisation verzichtet. Jedenfalls findet sich auf der jetzt in der „Film Noir Collection“ veröffentlichten Fassung keine deutsche Tonspur.

Geplant war von Fritz Lang ein Brechtsches Lehrstück über den Kapitalismus, Verbrechen und Resozialisierung. Dafür spricht auch, dass Kurt Weill die Musik schrieb. Jedenfalls einen Teil, bis er ein besseres Angebot erhielt und Hollywood gegen den Broadway eintauschte. Dennoch gefiel ihm der Rohschnitt des Films: „Es ist ein sehr schöner, teilweise aufregend schöner Film, aber zu lang, (d. h. zu lang und zu Lang), oft sehr schleppend und sehr deutsch, aber im Niveau unvergleichlich besser als alles was sie hier machen.“

Der fertige Film ist allerdings nicht „zu lang“ und auch nicht „zu Lang“. Denn schon der Auftakt, ein Kurt-Weill-Lied über den Kapitalismus, das von Bildern aus dem Kaufhaus und der Warenwelt illustriert und ironisch kommentiert wird, stimmt furios auf die folgenden neunzig Minuten ein. In den ersten Filmminuten werden einige Verkäufer ohne Umschweife als Verbrecher vorgestellt. Dann erklärt der Kaufhausbesitzer Jerome Morris (Harry Carey) seiner Frau, dass er vielen Verbrechern eine zweite Chance gebe und bis jetzt sei noch keiner rückfällig geworden.

Einer von diesen auf Bewährung entlassenen Verbrechern ist Joe Dennis (George Raft). Gerade bei ihm sah der Knastdirektor keine Chance auf eine Rehabilitation. Aber jetzt scheint ihm der Ausstieg aus dem Verbrecherleben zu gelingen. Joe ist in die Verkäuferin Helen Roberts (Sylvia Sidney) verliebt. Weil Joe noch auf Bewährung draußen ist, darf er unter anderem nicht heiraten. Er will, nachdem er seine Bewährungsstrafe erfolgreich hinter sich gebracht hat, nach Kalifornien umziehen und dort ein vollkommen neues Leben als ehrlicher Mann beginnen. Aber Helen fragt ihn nach einem gemeinsam verbrachtem, wundervollem Abend bei dem er das Ende seiner Bewährungsstrafe feierte, ob er sie heiraten will. Joe, der sein Glück kaum fassen kann, ist einverstanden. Er zieht bei ihr ein, wird von Helens Vermietern akzeptiert, erhält seine frühere Arbeit wieder und alles könnte perfekt sein.

Aber da erfährt er zufällig und nicht von Helen, dass sie ebenfalls auf Bewährung draußen ist. Für ihn zerbricht der Traum von einem ehrlichen Leben. Er trifft sich wieder mit seinen alten Kumpels (eine weitere, der zahlreichen erinnerungswürdigen Szenen des Films) und gemeinsam planen die Verbrecher, von denen etliche auch im Kaufhaus arbeiten, einen Einbruch in das Kaufhaus.

Und wenn Helen dann den während des Einbruchs erwischten Einbrechern in der Kinderabteilung den Kapitalismus erklärt gibt es eine kleine Lernstunde in angewandter Ökonomie. Denn sie rechnet den Jungs vor, wie hoch die Beute ist, was daran der Hehler verdient, welche Ausgaben sie haben und was ihnen am Ende bleibt. Es ist erschreckend wenig und untermauert eindrucksvoll die These, dass Verbrechen sich nicht lohne, lange bevor Steven D. Levitt und Stephen J. Dubner mit „Freakonomics“ einen Bestseller landete, in dem sie erklärten, warum Drogenhändler bei ihrer Müttern wohnen.

Damals bemängelten Kritiker, dass Fritz Lang sich nicht für ein Genre entscheide. Gerade dieser elegante Wechsel zwischen den verschiedenen Genres und natürlich die meisterhafte Beherrschung des filmischen Handwerks und einer stringent entwickelten, pointiert erzählten Geschichte verleihen dem über siebzig Jahre altem Film eine auch heute noch ungeahnte Kraft. Auch dass der Film nicht stupide seine Botschaft hinausbrüllt, sondern die verschiedenen Positionen nebeneinander präsentiert und sie immer wieder ironisch bricht, trägt zur Frische des Lehrstücks ohne Botschaft bei.

 

Die DVD

 

„Du und ich“ erschien als sechster Film in der „Film Noir Collection“ von Koch Media. Über die Einsortierung von „Du und ich“ als Noir könnte diskutiert werden (ich würde ihn unter Drama und nicht unter Noir einsortieren), aber nicht über die gewohnt liebevolle Ausstattung. Der Film wurde digital restauriert und entsprechend gut ist das Bild. Auch über den Ton des über siebzig Jahre alten Films kann nicht gemeckert werden Es gibt eine umfangreiche Bildergalerie, den Kinotrailer und ein zwölfseitiges Booklet mit einem informativem Text von Thomas Willmann über den Film.

Du und ich (You and Me, USA 1938)

Regie: Fritz Lang

Drehbuch: Virginia Van Upp (nach einer Geschichte von Norman Krasna)

mit Sylvia Sidney, George Raft, Robert Cummings, Barton MacLane, Roscoe Karns, Harry Carey

–

DVD

Koch Media (Film Noir Collection 6)

Bild: 1,37:1 (4:3)

Ton: Englich (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Bildergalerie, Original Trailer, Booklet

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Wikipedia über Fritz Lang (deutsch, englisch)

Senses of Cinema: Dan Shaw über Fritz Lang

BFI über Fritz Lang

MovieMaker: Interview von 1972 mit Fritz Lang

Manhola Dargis: Making Hollywood Films Was Brutal, Even for Fritz Lang (New York Times, 21. Januar 2011)