TV-Tipp für den 30. August: Der nächtliche Lauscher

August 30, 2009

ARD, 00.35

Der nächtliche Lauscher (USA 2006, R.: Patrick Stettner)

Drehbuch: Armistead Maupin, Terry Anderson, Patrick Stettner

LV: Armistead Maupin: The Night Listener, 2000 (Der nächtliche Lauscher)

Radiotalker Gabriel Noone steckt in einer Midlife-Crisis. Da erhält er die Aufzeichnungen eines aidskranken 14-jährigen, der behauptet von seinen Eltern missbraucht worden zu sein. Noone will dem Jungen helfen.

Gut besetztes Psychodrama, das bei uns nur auf DVD veröffentlicht wurde und seine TV-Premiere zu nachmitternächtlicher Stunde erlebt.

Stellvertretend für die vielen durchwachsenen bis negativen Kritiken: “Unausgewogene Mischung aus Drama und Suspense-Thriller, die die psychologischen Befindlichkeiten der Personen nicht erschließt.” (Lexikon des internationalen Films)

mit Robin Williams, Toni Collette, Joe Morton, Bobby Cannavale, Rory Culkin, Sandra Oh

auch bekannt als “The Night Listener” (DVD-Titel)

Wiederholung: Montag, 31. August, 21.15 Uhr

Hinweise

Homepage von Armistead Maupin

Interview mit Armistead Maupin zu den wahren Ereignissen, die “The Night Listener” inspirierten und der Verfilmung


Kurzmeldungen: Quentin Tarantino, Mehmet Murat Somer, Buddy Giovinazzo, Shutter Island

August 29, 2009

Quentin Tarantino unterhält sich mit Charlie Rose eine Stunde über seinen neuen Film „Inglourious Basterds“.

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Mehmet Murat Somer (aktuell „Der Kuss-Mord – Ein Hop-Cika-Yaya-Thriller“) beantwortet bei Crime Always Pay einige Fragen.

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Buddy Giovinazzos neuer Film „Life is hot in cracktown“ (eine Verfilmung seines Romandebüts „Cracktown“)  ist in den USA auf DVD erschienen. Schnittberichte vergleicht die Kinofassung mit den Director’s Cut – und sagt, dass über eine deutsche Veröffentlichung noch nichts bekannt ist.

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Variety erklärt, warum die Dennis-Lehane-Verfilmung „Shutter Island“ von Martin Scorsese mit Leonardo Di Caprio in der Hauptrolle erst 2010 in die Kinos kommt:

It’s Hollywood bookkeeping gone nuts: A studio can increase its profits by not releasing a film.


KrimiWelt-Bestenliste September 2009

August 29, 2009

Veränderung ist das große Wort der KrimiWelt-Bestenliste für den Wahlmonat September. Sieben Bücher flogen raus. Im August waren es nur sechs. Die aktuelle Zehnerliste sieht so aus:

1 (7) James Sallis: Dunkle Schuld

2 (4) Richard Stark: Das Geld war schmutzig

3 (2) Reggie Nadelson: Kalter Verrat

4 (-) Ken Bruen: Jack Taylor fliegt raus

5 (-) Wolf Haas: Der Brenner und der liebe Gott

6 (-) David Ignatius: Das Netzwerk

7 (-) Friedrich Ani: Totsein verjährt nicht

7 (-) Warren Ellis: Gott schütze Amerika

8 (-) Tana French: Totengleich

9 (-) Andrew Brown: Schlaf ein, mein Kind

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In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

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Ignatius und French sind beide deutlich über der 600-Seiten-Marke und damit für meinen Geschmack abschreckend dick. Der neue Brenner-Roman von Wolf Haas gefällt mir bis jetzt ganz gut und Warren Ellis liegt noch ungelesen bei mir herum. Aber der dürfte mir auch gefallen.

Richard Starks letzter Parker-Roman „Das Geld war schmutzig“ hat mir natürlich gefallen. Mit „Dunkle Schuld“ beginnt James Sallis seine Turner-Trilogie mit einem den Genrekonventionen noch rudimentär folgendem Krimi. In den nächsten beiden Turner-Bänden interessiert ihn die Aufklärung der Fälle immer weniger. Demnächst gibt es eine Turner-Gesamtbesprechung. Und dass Ken Bruens grandioser Auftakt seiner mit dem Shamus ausgezeichneten Jack-Taylor-Reihe endlich übersetzt wurde, freut mich natürlich. Allerdings dürfte sein schwarzer Humor und seine düstere Weltsicht, wie bei James Sallis, nicht für jeden etwas sein.


TV-Tipp für den 29. August: Without a trace – Spurlos verschwunden: Nacht der Wahrheit

August 29, 2009

Kabel 1, 23.05

Without a trace – Spurlos verschwunden: Nacht der Wahrheit (USA 2005, R.: Jeannot Szwarc)

Drehbuch: Hank Steinberg

Ein Junge verschwindet. Jack Malone und sein Team suchen ihn.

So weit, so vertraut. Aber in der achten Episode der vierten Staffel von „Without a trace“ hat Serienerfinder Hank Steinberg sich etwas Neues einfallen gelassen: er erzählt die Episode aus Sicht der Eltern. Und plötzlich sieht alles, was wir seit vielen Episoden kennen, ganz anders aus. Köstlich!

Eine neue Folge gibt es bereits um 20.15 Uhr.

Mit Anthony LaPaglia, Poppy Montgomery, Marianne Jean-Baptiste, Enrique Murciano, Eric Close, Roselyn Sanchez, Andrea Bowen, Benjamin Bryan, Matt Craven, Nikolas Jade Fortune, David Goldman, Laurie Metcalf

Hinweise

CBS über „Without a trace“

Kabel 1 über „Without a trace“

Fernsehserien über „Without a trace“

Serienjunkies über „Without a trace“

Wikipedia über „Without a trace“ (deutsch, englisch)


Kurzmeldungen: Tannöd, Die Tür, Videoüberwachung, Killer Covers, Whiteout

August 28, 2009

Einige Bilder aus der im November startenden Verfilmung von Andrea Maria Schenkels Debütroman „Tannöd“.

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Und einige Bilder aus der ebenfalls im November startenden Verfilmung von Akif Pirinccis Mystery-Thriller „Die Damalstür“ als „Die Tür“.

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Überwachungskameras bringen nix. Hier der Daily-Telegraph-Bericht.

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Bei Killer Covers beantwortet Hard-Case-Crime-Macher Charles Ardai einige Fragen zu HCC.

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Collider hat „7 Movie Clips from Kate Beckinsale’s WHITEOUT„. Gemeint ist natürlich die im Schnee spielende Greg-Rucka-Verfilmung.


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

August 28, 2009

Es ist wieder soweit. Bei den Alligatoren sind die neuen TV-Krimi-Buch-Tipps mit vielen schönen Bildern online:

Inzwischen habe ich die Spartensender von ARD und ZDF aufgenommen. Denn sie zeigen einige Filme, die sonst nur zu sehr publikumsunfreundlichen Zeiten gezeigt werden, zu normalen Uhrzeiten.
Die kriminalfilmischen Höhepunkte der kommenden beiden Wochen sind Charles Vidors „Gilda“, Richard Irvings Richard-Levinson/William-Link-Verfilmung „Columbo: Mord nach Rezept“, Michael Ciminos Robert-Daley-Verfilmung „Im Jahr des Drachen“, Francis Ford Coppolas „Cotton Club“ (William Kennedy ist einer der Drehbuchautoren), Robert Enricos José-Giovanni-Verfilmung „Die Abenteurer“, Jean-Pierre Melvilles José-Giovanni-Verfilmung „Der zweite Atem“ (beide mit Lino Ventura), Barry Levinsons Larry-Beinhart-Verfilmung „Wag the dog“, John Frankenheimers Thomas-E.-Gaddis-Verfilmung „Der Gefangene von Alcatraz“, Budd Boettichers Elmore-Leonard-Verfilmung „Um Kopf und Kragen“, Jean-Jacques Beineixs Delacorta-Verfilmung „Diva“, Marc Rothemunds Fred-Breinerdorfer-Verfilmung „Sophie Scholl – Die letzten Tage“, Bertrand Taverniers Georges-Simenon-Verfilmung „Der Uhrmacher von St. Paul“, Dominik Grafs Uwe-Erichsen-Verfilmung „Die Katze“ und seine Günter-Schütter-Drehbuchverfilmung „Tatort: Frau Bu lacht“, Stephen Frears Jim-Thompson-Verfilmung „The Grifters“ (nach einem Drehbuch von Donald Westlake) und William Friedkins Gerald-Petievich-Verfilmung „Leben und Sterben in L. A.“.
Als TV-Premiere gibt’s die Armistead-Maupin-Verfilmung „Der nächtliche Lauscher“. Und Otto Premingers fast unbekannte, seit ich-weiß-nicht-wann-nicht -mehr-gezeigte Graham-Greene-Verfilmung „Der menschliche Faktor“ (nach einem Drehbuch von Tom Stoppard) ist sicher einen Blick wert.


Die besten Kriminalreportagen 2008

August 28, 2009

Nach meiner Besprechung von „Ein Mord genügt“ fiel mir wieder ein, dass dieser Post überfällig ist. Ich las mich, einige werden sich erinnern, vor einem Jahr für einen Sammelband mit den besten Kriminalreportagen des Jahres 2008 durch Unmengen von Kriminalreportagen. Im letzten Moment machte dann der Verlag einen Rückzieher (Zweimal dürft Ihr raten warum.) und alles wanderte in mein Privatarchiv.

Aber weil viele der Reportagen immer noch lesenswert sind, auch online gelesen werden können und wir vieles so unglaublich schnell vergessen, präsentiere ich euch heute die Liste der Reportagen, die ich gerne in dem Sammelband veröffentlicht hätte:

Außerdem waren in der engeren Auswahl:

Also dann: Viel Spaß beim Lesen!

Und vielleicht gibt es nächstes Jahr einen Sammelband mit den besten Kriminalreportagen des Jahres 2009.


TV-Tipp für den 28. August: The Good German

August 28, 2009

ZDF, 22.30

The Good German – In den Ruinen von Berlin (USA 2006, R.: Steven Soderbergh)

Drehbuch: Paul Attanasio

LV: Joseph Kanon: The Good German, 2001 (In den Ruinen von Berlin)

Als der in Schwarzmarktgeschäfte verwickelte Fahrer des US-JOurnalisten Jake Geismar umgebracht wird und die Alliierten den Mord nicht aufklären wollen, beginnt er auf eigene Faust den Mörder zu suchen.

Soderbergh verfilmte den Roman im Noir-Stil der vierziger Jahre. “The Good German” unterscheidet sich dann auch nicht von einem damaligen Hollywood-Film. Nur wer braucht das heute?

Mit George Clooney, Tobey Maguire, Cate Blanchett, Beau Bridges

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Good German“

Wikipedia über Joseph Kanon (deutsch, englisch)


Vetterleswirtschaft im NDR?

August 27, 2009

Wenn ich der gewöhnlich gut-informierten Süddeutschen Zeitung glaube, dann hat Doris J. Heinze, die Leiterin der TV-Filmabteilung (unter anderem viele, viele „Tatorte“), ihren Gatten und gute Freunde reichlich mit Aufträgen versorgt, Scheinaufträge vergeben und es ihrem Arbeitgeber verschwiegen. Dieser hat sie jedenfalls heute mit sofortiger Wirkung suspendiert und strebe, so die SZ, eine fristlose Kündigung an.

Und die Affäre zieht weitere Kreise. Denn, so die SZ weiter, mindestens zwei Produktionsfirmen seien in die Affäre verwickelt.

Ich bin gespannt, wie sich diese Geschichte weiter entwickelt.

Nachtrag (29. August 2009): taz und Tagesspiegel schreiben etwas ausführlicher über die Hintergründe.

Nachtrag (31. August 2009): Weitere Hintergründe in der SZ und im Spiegel.

Die SZ schreibt:

Rund um Doris Heinze wimmelt es von Phantomen. Wer Verdacht schöpfte, fragte nach – merkte aber schnell, dass er besser schweigen sollte. Im Kreis der Regisseure und Autoren hatten einige das Gefühl, vom NDR geschnitten zu werden, weil sie zu neugierig gewesen waren. Am 18. August bat die Süddeutsche Zeitung den NDR, einen Kontakt zu Becker und Funder herzustellen; es gebe den Verdacht, dies seien falsche Namen oder Strohleute. Thomas Schreiber, beim Sender Chef des Bereichs Fiktion & Unterhaltung, stellte erste Nachforschungen an und beschwichtigte: In der Tat seien dies Pseudonyme, aber das gelte ja auch für Mark Twain, Hera Lind, John le Carré oder Matthias Claudius.

Hera Lind und  John le Carré kann ich allerdings für ein Gespräch treffen.

Der Spiegel meldet:

Die Affäre um die suspendierte NDR-Fernsehspielchefin Doris Heinze weitet sich aus: Sie habe dem NDR unter einem Pseudonym zwei fertige Drehbücher und ein Kurz-Drehbuch verkauft, ohne dies dem Sender mitzuteilen, hat der Norddeutsche Rundfunk am Montag bekanntgegeben. „Der NDR geht deshalb nunmehr davon aus, dass ihm auch ein materieller Schaden entstanden ist“, heißt es in der Mitteilung. Als NDR-Redakteurin hätten Heinze für ein von ihr verfilmtes Drehbuch lediglich 50 Prozent der üblichen Drehbuchhonorare zugestanden.


ZAPP über den Kampf gegen Kinderpornographie im Netz

August 27, 2009

Ist zwar nichts grandios neues, aber sehenswert:

ZAPP (NDR) vom 26. August 2009


Neu im Kino: Horsemen

August 27, 2009

Horsemen (Horsemen, USA 2009)

Regie: Jonas Åkerlund

Drehbuch: Dave Callaham

Und wieder einmal jagt ein Bulle mit derangiertem Privatleben einen Serienkiller.

Tja nun, für seinen zweiten Spielfilm nach dem genialen „Spun“ hätte Åkerlund sich doch etwas Spannenderes aussuchen können als den hunderttausendsten Serienkillerthriller.

In den USA wurde diese Michael-Bay-Produktion in einigen Kinos gezeigt und dann direkt auf DVD veröffentlicht.

„If nothing else, Horsemen (which is alternately known as The Horsemen in some circles) proves that production company Platinum Dunes is capable of more than just screwing up remakes of classic horror films-they’re equally adept at ruining original (and I use the term loosely…) ideas as well. (…)

this tepid chiller from director Jonas Akerlund starts out well enough, but then quickly derails on a one-way trip to Crapsville. To be fair to Akerlund, this isn’t entirely his fault-he’s been saddled with a script that’s so damn stupid I found myself wondering if the whole film was an elaborate prank about twenty minutes in. By the end-which features a twist so dumb and so obvious that I’m amazed no one demanded a re-write-I came to realize the joke was on me. Akerlund and company had just made me waste ninety minutes of my life. (The Horror Geek Mike Bracken, 26. Juli 2009)

mit Dennis Quaid, Ziyi Zhang, Eric Balfour, Peter Stormare

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Horesemen“


TV-Tipp für den 27. August: Space Cowboys

August 27, 2009

Vox, 20.15

Space Cowboys (USA 2000, R.: Clint Eastwood)

Drehbuch: Ken Kaufman, Howard Klausner

Wenn 1958 nicht ein Affe ins All geschossen worden wäre, wären Frank Corvin und sein Team die ersten Lebewesen im All gewesen. Jetzt droht ein russischer Satellit (ausgestattet mit geklauter Ami-Technik) abzustürzen und nur Corvin und seine Jungs kennen noch die alte Technik. Sie sollen nun die jungen Spunde beraten, aber das hindert Corvin und die anderen nicht daran, mit allen Mitteln zu versuchen, endlich ihren Jugendtraum vom Weltraumflug zu verwirklichen.

Köstlich entspannte Komödie von Clint Eastwood mit einer All-star-Besetzung,

mit Clint Eastwood, Tommy Lee Jones, James Garner, Donald Sutherland, James Cromwell, Marcia Gay Harden, William Devane, Courtney B. Vance, Rade Serbedzija, Jay Leno (als er selbst)

Wiederholung: Freitag, 28. August, 00.35 Uhr (Taggenau!)


Mörderischer Ruhrpott – die True Crime Edition

August 26, 2009

Bohn - Ein Mord genügt

Weil das Buch schon etwas länger gelesen bei mir herumliegt und ich die für eine geplante Sammelbesprechung anderen Bücher immer noch nicht gelesen habe (Warum hat ein Tag nur 24 Stunden? Warum muss ich schlafen?), gibt es heute eine Kurzkritik von Nicolette Bohns „Ein Mord genügt“. Neben „Die Macht des Bösen – Wahre Kriminalfälle aus Österreich“ von Helga Schimmer war das im Frühjahr der Auftakt der neuen Reihe „emons: True Crime“ .

Bohn schildert in „Ein Mord genügt“ neun wahre Kriminalfälle aus dem Ruhrgebiet aus den Sechzigern und Siebzigern. Es sind eher kleine, alltägliche Fälle, die allerdings alle etwas über die damaligen moralischen Standards erzählen. Bei der Schilderung der Fälle steht meist der Weg zur Tat im Mittelpunkt. Sie versucht zu beantworten, wie ein Mensch zum Mörder wird. Und warum ein anderer Mensch das Opfer ist. Insofern orientiert sie sich an dem Forschungsprogramm der Viktimologie. Die Ermittlungen der Polizei interessieren sie dagegen weniger.

Schade ist allerdings, dass ihre Schilderungen normalerweise beim Urteilsspruch aufhören und sich wie eine Zusammenfassung der, von ihr auch zitierten, Gerichtsakten und einschlägiger Zeitungsartikel lesen. Denn gerade weil zwischen den Taten und der Veröffentlichung von „Ein Mord genügt“ so viel Zeit vergangen ist, wäre es interessant zu wissen, was die damals Beteiligten heute denken. Wie sie die Ereignisse verarbeitet haben und wie sie heute leben.

Ebenfalls schade ist, dass Bohn ihre Auswahl der Fälle nicht genauer begründet. Ich vermute, dass sie die Mordfälle danach ausgewählt hat, wie sehr sie gerade aufgrund der damaligen moralische Standards, wie dem Verschweigen von Homosexualität, Gewalt in der Familie und Borniertheit, geschehen konnten. Hier hätte die Chance bestanden, die Fälle viel stärker zu einem Sittengemälde des Ruhrgebiets in den sechziger und siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts auszubauen. So bleiben sie nur eine Sammlung von neun, etwas willkürlich zusammengestellten Kriminalfällen, die ohne große Änderungen auch vor dreißig Jahren hätte erscheinen können.

Also: kein Pflichtkauf, aber auch keine Zeitverschwendung und ein okayer Auftakt einer neuen Reihe.

Nicolette Bohn: Ein Mord genügt – Neun wahre Kriminalfälle aus den 60er und 70er Jahren

Emons, 2009

192 Seiten

9,90 Euro


TV-Tipp für den 26. August: Ware Mensch

August 26, 2009

Phoenix, 21.15

Ware Mensch – Illegaler Eizellenhandel in Rumänien (D 2009, R.: Susanne Glass)

Drehbuch: Susanne Glass

Halbstündige TV-Doku, die auf einem ÖR-Spartensender ihre Premiere erlebt. Phoenix schreibt über die Doku:

Weibliche Eizellen sind weltweit Mangelware. Die Lieferantinnen dieses ‚Humanrohstoffs’ sind oft blutjung, ungebildet und arm. Das nutzen skrupellose Eizellenhändler vor allem in Osteuropa aus. (…)

Korrespondentin Susanne Glass gelang es, in dieses illegale Netzwerk einzudringen. Sie drehte mit versteckter Kamera zum Teil Minderjährige, die von dubiosen Krankenschwestern angesprochen wurden. Und sie traf eine Frau, deren Gesundheit durch die illegalen Eizellenspenden zerstört wurde.

Klingt doch nach dem Plot für einen guten Krimi.

Wiederholungen

Donnerstag, 27. August, 11.30 Uhr

Donnerstag, 27. August, 19.30 Uhr


Willi Voss hat „Gegner“ im Blog

August 25, 2009

Hm, damit wäre im Telegrammstil eigentlich alles gesagt.

Ausformuliert liest es sich so: Autor Willi Voss veröffentlicht seinen Roman „Gegner“ in seinem Blog als Fortsetzungskrimi. Den ersten Teil gibt es hier. Den zweiten in vierzehn Tagen (Können wir’s nicht auf wöchentliche Happen verkürzen?).

Worum geht’s in „Gegner“? Nun, auf seiner Homepage steht das:

Obwohl er nur die Stimme kennt, kehrt er in den Libanon zurück, um den Mann zu finden und zu töten, der ihm bewiesen hatte, dass die Würde des Menschen antastbar ist.
In dem von Wahnsinn und Bürgerkrieg zerrissenen Beirut beginnt eine dramatische Menschenjagd – die große Geschichte eines bitteren Kampfes, einer  einzigartigen Freundschaft und einer leidenschaftlichen Liebe – realistisch und mit vibrierender Spannung erzählt.

„Mit GEGNER hat Voss den großen Beirut-Roman geschrieben.“ (Martin Compart im Buchmarkt)



Cover der Woche

August 25, 2009

Banks - Verschworen


TV-Tipp für den 25. August: Lolita

August 25, 2009

SWR, 00.10

Lolita (GB/USA 1962, R.: Stanley Kubrick)

Drehbuch: Vladimir Nabokov

LV: Vladimir Nabokov: Lolita (1955/1958, Lolita)

Professor Humbert Humbert verliebt sich in die pubertierende Tochter seiner Vermieterin Charlotte Haze.

Film und Buch gehören heute zu den Klassikern in ihrem Genre.

Nabokovs Roman wurde 1955 zuerst auf Englisch in Frankreich veröffentlicht. Die US-amerikanische Erstausgabe erschien 1958 und wurde sofort ein Bestseller.

Mit James Mason, Sue Lyon, Peter Sellers, Shelley Winters

Hinweise

Wikipedia über „Lolita“ (deutsch, englisch)


Die Cameos von Alfred Hitchcock

August 24, 2009

TV-Tipp für den 24. August: Verdacht

August 24, 2009

MDR, 23.10

Verdacht (USA 1941, Regie: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Samson Raphaelson, Joan Harrison, Alma Reville

LV: Francis Iles (Pseudonym von Anthony Berkeley): Before the fact, 1932 (Vor der Tat)

Hals über Kopf verknallt sich die schüchterne, vermögende Lina McLaidlaw in den Playboy Johnny Aysgarth. Nach ihrer Heirat erfährt sie, dass ihr Mann ein Spieler ist und dringend Geld braucht. Deshalb glaubt sie, dass er sie umbringen will.

Klassiker, der zuletzt vor über sechs Jahren im TV zu sehen war.

Zur Einordnung: Das ist der Hitchcock, in dem Grant mit einem Glas Milch auf einem Tablett eine Treppe hochgeht.

“Durchaus spannend, aber auch humorvoll, ist ‚Verdacht‘ eine Kriminalgeschichte ohne ein Verbrechen.” (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms)

mit Joan Fontaine, Cary Grant, Sir Cedric Hardwicke, Nigel Bruce

Hinweise

Classic Crime Fiction über Francis Iles

Wikipedia über Francis Iles (deutsch, englisch)

Times: The 50 Greatest Crime Writers: No. 25. Francis Iles (17. April 2008)


Inglourious Basterds: Seeßlen, Tarantino und die Nazis

August 23, 2009

Seesslen - Quentin Tarantino gegen die Nazis

Die Hunderttausend-Euro-Frage ist: Soll ich zuerst Quentin Tarantinos neuen Film „Inglourious Basterds“ ansehen oder Georg Seeßlens Buch über den Film lesen? Denn auf sechzig Seiten erzählt der Filmhistoriker und Kritiker die Handlung, ergänzt um die wenigen Szenen, die im Drehbuch standen, es aber nicht in die Kinoversion geschafft haben, haarklein nach. Da gibt’s dann im Kino keine Überraschung mehr. Aber dafür kann jedes Bild, jeder Ton, jeder Name, jeder Fetzen Dialog (und davon gibt es hier mehr als Tarantino-üblich) in die Filmgeschichte einsortiert werden. Denn erstens ist Quentin Tarantino ein Filmfanatiker, der ebenso schamlos wie gekonnt seine Vorbilder zitiert, und zweitens ist Georg Seeßlen mindestens ein genauso großer Filmfanatiker, der ebenso schamlos sein Wissen ausbreitet und jede Anspielung erklärt. Manchmal tut er dabei des Guten zuviel. Wenn Seeßlen ausführt, dass der Name des Ortes Nadine wahrscheinlich nicht von Christoph Martin Wielands Erzählung, sondern von Robert Bentons eher unbekanntem Film inspiriert sei, ist fraglich, ob Tarantino überhaupt an eines der Werke dachte oder nur einen eingängigen Namen gesucht hat. Bei der in Nadine spielenden Kneipenszene, in der deutsche Soldaten, einige Basterds und ein deutscher Filmstar ein Ratespiel spielen, kann Seeßlen richtig loslegen und ein gutes Dutzend Namensreferenzen erklären. Filmische Anspielungen, deren zahlreichen Umkehrungen und Variationen innerhalb des Films erklärt er sowieso auf den 170 engbedruckten Buchseiten.

Seeßlen ordnet Tarantinos Film auch in die Geschichte des während der Nazidiktatur spielenden Kriegsfilms ein. Dabei sei für „Inglourious Basterds“ vor allem die Variante des „Dirty War Movies“, wie „Das dreckige Dutzend“, und dessen italienische Spielart wichtig. Immerhin ist Tarantinos Film ein Remake von Enzo G. Castellaris „The Inglorious Bastards“ und Tarantino ist seit Jahrzehnten ein Fan von dem Werk. Bei Seeßlen sind die „Dirty War Movies“ vor allem durch eine unklare Grenze zwischen Gut und Böse und der damit verbundenen Abwesenheit von eindeutigen Vorbildern gekennzeichnet. Bei den italienischen Kriegsfilmen (vulgo Italo-Trash) kommt dann noch eine deutliche Verwandtschaft zum Italo-Western (eigentlich wurden die gleichen Drehbücher mal als Western, mal als Kriegsfilm verfilmt) hinzu. Der gemeinsame Nenner all dieser in einem moralischen Niemandsland spielenden Filme ist die zynische Weltsicht. Auch in „Inglourious Basterds“ sind alle Protagonisten, ohne zu zögern, bereit für ihre Ziele Gewalt anzuwenden und zu morden.

Vor allem das erste Kapitel (Tarantino hat „Inglourious Basterds“ wie üblich in einzelne Kapitel aufgeteilt) ist ohne die Breitwand-Italo-Western von Sergio Leone nicht denkbar. In ihm taucht der Judenjäger Hans Landa auf einem einsamen Bauernhof auf. Er glaubt, dass dort Juden versteckt sind. In einem langen, unglaublich spannenden Gespräch findet er heraus, wo sie versteckt sind und er lässt sie töten. Nur Shosanna kann entkommen.

In seinem deutlich von Leone inspiriertem Ensemblefilm erzählt Tarantino mehrere Geschichten, die in einem Kino in Paris explosiv zusammenstoßen. Das sind die Basterds. Eine von Lt. Aldo Raine geführte Gruppe Juden, die in Frankreich Nazis skalpieren. Das ist die Jüdin Shosanna Dreyfus, die in Paris untergetaucht ist, ein Kino betreibt und jetzt, auf Wunsch des in sie verliebten Kriegshelden Fredrick Zoller, in einer großen Premiere mit Nazi-Prominenz einen wichtigen Kriegsfilm zeigen soll. Und natürlich ist es die Geschichte des gnadenlosen Judenjägers Col. Hans Landa, der bei der Premiere die Sicherheit garantieren soll. Dazu kommt noch, quasi als Subplot die Geschichte des Filmstars Bridget von Hammersmark, die als Agentin für die Briten arbeitet.

„Inglourious Basterds“, führt Seeßlen aus, „ist eine Rachephantasie, die sich um die historische Realität nicht kümmert, weil für Tarantino sowieso schon immer das Kino die bessere Wirklichkeit war. Diese Unverschämtheit, die Geschichte einfach zu ignorieren, hat bislang noch kein Film gehabt. Das Kino rächt sich nicht nur an jenen Personen, die, bevor sie selber sterben mussten, der Welt viel Unheil und Tod brachten. Das Kino rächt sich an der ungerechten Wirklichkeit selber.

Dass dies einer der wenigen Filme ist, die nicht gleichsam die Geschichte des deutschen Faschismus weitererzählen, die nicht auf den Nazi-Todeskitsch hereinfallen, die sich rüpelhaft und mühelos über die Schwere des Mythos hinwegsetzen, liegt nicht zuletzt an seiner Erzählweise. ‚Inglourious Basterds‘ ist keine Heldenreise und kein Erziehungsroman.“

Sein Buch „Quentin Tarantino gegen die Nazis“ funktioniert prächtig als schnell geschriebenes Kompendium zum Film und als Interpretationshilfe. Sicher hätte man einiges straffen und gerade das letzte Kapitel „Mr. Tarantinos Kriegserklärung“ stringenter auf einen Punkt hin formulieren können. Aber dafür liefert Seeßlen in der ersten, umfassenden Einschätzung und Einordnung von Tarantinos neuestem Film ein Übermaß an Informationen und inspirierenden Gedanken.

Wer also zuerst Tarantinos Film gesehen hat, wird nach der Lektüre von Seeßlens Buch wieder ins Kino gehen wollen. Allein schon, um die vielen in „Quentin Tarantino gegen die Nazis“ erwähnten Bezüge und Querverweise zu überprüfen.

Wenn möglich sollte spätestens dann die Originalfassung mit dem bunten (natürlich untertitelten) Sprachgemisch aus Deutsch, Englisch, Französisch und etwas Italienisch genossen werden. Denn nur dann kann der sehr unterhaltsame, episodische 150-minütige Mix aus Italo-Western und Nazi-Kriegsfilmen, garniert mit unzähligen filmischen Anspielungen, guten Mono- und Dialogen und einem grandiosen Ensemble, seine volle Wirkung entfalten.

Georg Seeßlen: Quentin Tarantino gegen die Nazis – Alles über „Inglourious Basterds“

(Kleine Schriften zum Film: 1)

Bertz + Fischer, 2009

176 Seiten

9,90 Euro

–

Der Film

Inglourious Basterds (Inglourious Basterds, USA/D 2009)

Regie: Quentin Tarantino

(Regie „Nation’s Pride“: Eli Roth)

Drehbuch: Quentin Tarantino

(deutsche Dialoge: Tom Tykwer; französische Dialoge: Nicholas Richard)

mit Brad Pitt, Mélanie Laurent, Eli Roth, Christoph Waltz, Michael Fassbender, Diane Kruger, Daniel Brühl, Til Schweiger, Gedeon Burkhard, Jacky Ido, B. J. Novak, Omar Doom, August Diehl, Sylvester Groth, Martin Wuttke, Mike Myers, Julie Dreyfus, Mike Myers, Rod Taylor, Sönke Möhring, Ken Duken, Christian Berkel, Ludger Pistor, Jana Pallaske, Bo Svenson, Enzo G. Castellari (als er selbst), Samuel L. Jackson (Erzähler in der Originalversion)

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Ein älterer Trailer mit der Rede von Lt. Aldo Raine (war glaube ich der erste Trailer)


Ein neuer Trailer, der viel vom Ende verrät (und einen anderen Film verspricht)


Und nun die Rede von Lt. Raine im Original

Oder so?

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Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Inglourious Basterds“

Collider: Interviews zum Film mit Christoph Waltz, Eli Roth, Samm Levine, B. J. Novak, Diane Kruger und Melanie Laurent

YouTube: Cannes-Pressekonferenz „Inglourious Basterds“ (Teil 1, Teil 2)

The Quentin Tarantino Archives (Fanseite)

Everthing Tarantino (dito)

Q-Tarantino.de (noch eine Fanseite)