TV-Tipp für den 8. September: Der Uhrmacher von St. Paul

September 8, 2009

RBB, 22.50
Der Uhrmacher von St. Paul (F 1974, R.: Betrand Tavernier)
Drehbuch: Jean Aurenche, Pierre Bost, Georges Simenon, Bertrand Tavernier
LV: Georges Simonon: L’Horloger d’Everton, 1954 (Der Uhrmacher von Everton)
Ist sein Sohn ein Mörder? Uhrmacher Michel Descombes will seinen Sohn verstehen.
Hochgelobtes, selten gezeigtes Debüt von Tavernier – psychologisch dicht und packend. Dafür erhielt Tavernier den Silbernen Bären.
Mit Philippe Noiret, Jean Rochefort
Hinweise
Diogenes über Georges Simenon
Sehr umfangreiche Georges-Simenon-Fanseite


Kurzkritik: Jack Ketchum „Beutegier“

September 7, 2009

Ketchum - Beutegier

„Beutegier“ in drei wenigen Sätzen:

„Beutegier“ ist die Fortsetzung von „Beutezeit“. Die Kannibalen sind zurück. Sie bringen in einem einsamen Landhaus in einer Mainacht in Maine mehrere Menschen um und verschleppen einige weitere. Sheriff George Peters, inzwischen pensioniert und passionierter Trinker, wird um Hilfe gebeten. Die Kannibalen werden wieder zu ihrer am Meer gelegene Höhle verfolgt.

„Beutegier“ ist ein Remake von „Beutezeit“, bei dem die erfolgreichen Elemente des ersten Buches beibehalten wurden. Denn die Unterschiede sind gering. In „Beutegier“ erfahren wir mehr über die Kannibalen und wie sie zusammenleben. Einer der von den Kannibalen bedrohten Menschen ist ein soziopathischer Mörder. Das führt zu der durchaus interessanten Frage, wer schlimmer ist: die Kannibalen oder der Psychopath. Davon abgesehen ist das Blutzoll in der Frühlingsnacht, wie schon in Ketchums Debütroman „Beutezeit“, sehr hoch.

Aber im Gegensatz zu „Beutezeit“ tauchen in „Beutegier“ verdächtig viele Menschen, die nach menschlichem Ermessen tot sind, einige Seiten später wieder auf und beteiligen sich, wenn auch schwer verwundet, weiter an der Kannibalenjagd.

Also: spannend, blutig und schnell gelesen.

Aber insgesamt zu wenig neues aus der Welt der Kannibalen um vollkommen zu überzeugen.


Sunfilm will die gleichnamige Verfilmung Anfang 2010 auf DVD veröffentlichen. Und wenn der Film das Versprechen des aktuellen Trailers erfüllt, wäre das die vierte Ketchum-Verfilmung (von vier), mit der Ketchum sehr zufrieden sein kann.

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Jack Ketchum: Beutegier

(übersetzt von Joannis Stefanidis)

Heyne, 2009

288 Seiten

8,95 Euro

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Originalausgabe

Offspring

Overlook Connection Press, 1991

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Verfilmung

Offspring (USA 2009)

Regie: Andrew van den Houten

Drehbuch: Jack Ketchum

mit Jessica Butler, Leigh Feldpausch, Stephen Grey, Amy Hargreaves, Art Hindle, Erick Kastel, Spencer List, Pollyanna McIntosh, Scott Mellema, Emma Elizabeth Messing, Andrew Elvis Miller, Will Miller, Preston Mulligan, Ed Nelson, Tommy Nelson, Taylor John Piedmonte, Ahna Tessler, Jana Veldheer, Rachel White

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Hinweise

Homepage von Jack Ketchum

Homepage zur Verfilmung

Meine Besprechung von „Red“ (DVD)

Meine Besprechung von „Jack Ketchum’s The Lost“ (DVD)

Kriminalakte: Interview mit Jack Ketchum

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Amokjagd” (Joyride, 1995)

Meine Besprechung von Jack Ketchums “Blutrot” (Red, 1995)


TV-Tipp für den 7. September: Sophie Scholl – Die letzten Tage

September 7, 2009

Spaß (ZDF, 22.15 Uhr: Hot Fuzz) oder Bildung?

SWR, 23.00

Sophie Scholl – Die letzten Tage (D 2005, R.: Marc Rothemund)

Drehbuch: Fred Breinersdorfer

Das sei Schulfernsehen, sagte Breinersdorfer, als Rothemund ihm vorschlug die letzten Tage der Geschwister Scholl zu verfilmen. Dann vertiefte er sich in die Protokolle der Verhöre und schrieb das Drehbuch zu einem von Kritikern, Kollegen und Publikum hochgelobten Film. Über eine Million sahen „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ in den deutschen Kinos.

Mit Julia Jentsch, Alexander Held, Fabian Hinrichs, Jörg Hube

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Sophie Scholl – Die letzten Tage“

Deutscher Filmpreis: Nominierungen für „Sophie Scholl – Die letzten Tage“

Das Parlament: Interview mit Fred Breinersdorfer zu „Sophie Scholl – Die letzten Tage“

Homepage von Fred Breinersdorfer

Meine Besprechung von Fred und Léonie Breinersdorfers „Das Hurenspiel – Ein Fall für Abel“ (2006)


TV-Tipp für den 6. September: Long Riders

September 6, 2009

Das Vierte, 22.20

Long Riders (USA 1980, R.: Walter Hill)

Drehbuch: Bill Bryden, Steven Phillip Smith, Stacy Keach, James Keach

Als Vorbereitung auf das demnächst erscheinende Buch über Walter Hill (von Ivo Ritzer) können wir uns wieder diesen schönen Spätwestern gönnen. Die sehr stimmungsvolle Musik ist von Ry Cooder, die Action ist – wie bei Walter Hill üblich – gut, aber der große Coup ist die Besetzung. Denn in dieser Verfilmung der Geschichte der James-Younger-Miller-Bande spielen Brüder Brüder.

mit James Keach, Stacy Keach, David Carradine, Keith Carradine, Robert Carradine, Dennis Quaid, Randy Quaid, Pamel Reed, Christopher Guest, Nicholas Guest, James Remar, James Whitmore jr. (inzwischen Regisseur, u. a. „24“,“Cold Case“, „The Unit“, „Navy CIS“), Edward Bunker, Ry Cooder (als Musiker)

Hinweise

Wikipedia über „Long Riders“ (deutsch, englisch)

Senses of Cinema: Michael Koller über „The Long Riders“ und „Wild Bill“ (noch’n Hill-Western)

IGN über Walter Hill


Kurzmeldungen: einmal Bruen, einmal Heinze und das ÖR-Fernsehen

September 5, 2009

Lange (Eine Woche? Zwei?) hier nichts mehr von Ken Bruen gehört? Geflucht, dass ich „Jack Taylor fliegt raus“ noch nicht gebührend abgefeiert habe? Kommt noch.

Bis dahin eine wichtige Nachricht aus der Welt der geplanten Bruen-Verfilmungen:

In England wird es eine TV-Serie mit Jack Taylor geben. Zunächst sind 13 Filme geplant und ab November wird in Galway gedreht.

Damit wären Ort und Wetter schon einmal bruenisch.

Und Jack Taylor wird gespielt von – Tata! – Dominic West. West spielte in der Cop-Serie „The Wire“ Det. James McNulty.

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Eine halbe Erklärung, warum „The Wire“ nicht im deutschen TV gezeigt wird gibt es heute in der Süddeutschen Zeitung. Ein namentlich nicht genannter Autor (Hey, SZ, Autorennamen sind wichtig!) schreibt über die Misere des deutschen Fernsehens (vor allem des Öffentlich-Rechtlichen):

Innovatives Fernsehen kommt heute aus den USA und Großbritannien: Der Skandal um die NDR-Redakteurin Doris Heinze erzählt viel über Kartelle, die sich in erster Linie selbst mit Aufträgen und das deutsche TV dafür mit den immer gleichen öden Formaten versorgen. Ein neuer Helmut Dietl entsteht so nicht.


TV-Tipp für den 5. September: 24h Berlin

September 5, 2009

RBB, 05.30

Arte, 06.00

24h Berlin

Ein Tag im Leben der Hauptstadt. In Echtzeit.

Also irgendwann einfach einmal reinzappen oder die Homepage besuchen.


Die Selbstdarstellung des „Very British Gangster“ Dominic Noonan

September 4, 2009

Schlimm.

Sehr schlimm.

Jedenfalls wenn ich Donal MacIntyres spielfilmlange Dokumentation „A Very British Gangster“ aus der political-correctness-Perspektive betrachte. Denn in dem Film erscheint der porträtierte Dominic Noonan, seine Familie und seine Gefolgsleute nicht als eine Verbrecherbande, mit teils etlichen Jahren Zuchthaus im Lebenslauf, sondern sie erscheinen als ganz normale Menschen und Noonan als ein durchaus für sich einnehmender Familienvater und freiwilliger, aber nicht uneigennütziger Sozialarbeiter, der in seinem Viertel von den Bewohnern und auch von der Polizei immer wieder um Hilfe gebeten wird.

Diese durchaus problematische (und von den Machern bewusst in Kauf genommene) Gratwanderung zwischen Mystifizierung und sich langsam einstellender Demystifizierung ist der Preis für die große Nähe des Journalisten zum Objekt seiner Begierde. Denn natürlich wird der porträtierte Verbrecher vor laufender Kamera keine Verbrechen zugeben, für die er später angeklagt werden kann. Außerdem – und hier zeigt sich die Macht der Bilder – ist der Schritt von der Beobachtung zur Glorifizierung des Gangster klein. Wenn Dominic Noonan vor laufender Kamera sehr offen aus seinem Leben erzählt (und Noonan ist ein guter Erzähler), wenn er mit seinen Jungs, die alle einen Anzug tragen, durch die Straßen geht, wenn sie in ausgesucht ästhetischen Bildern vor Arbeiterhäusern warten und am Fluss angeln, dann erscheint das Verbrecherleben als ein ziemlich cooles Leben.

Die eingesetzte Musik passt gut zu den Impressionen von Manchester. Die Perspektiven, Schwenks und Schnitte sind reinstes Kino. Donal MacIntyre lässt sich auf den Porträtierten ein und übernimmt auch seine Sicht auf die Welt. Denn natürlich sieht Noonan sich nicht als bösen Menschen. Er ist der Mann, der in seinem Revier durch Verhandlungen für Ruhe sorgt. Er holt die Jungs von der Straße, kleidet sie ein, sorgt für den richtigen Haarschnitt, bringt ihnen Manieren bei. Er macht das, was die Gesellschaft nicht tut.

Seine Verbrechen und auch die Gerichtsverhandlungen werden nicht gezeigt. Dafür aber die sich an die Freisprüche anschließenden Feiern. Es wird auch seine Trauer über den Mord an seinem Bruder Desmond Noonan und der große Trauermarsch durch Manchester gezeigt.

Gleichzeitig erzählt Noonans Sohn, dass er seinen Vater eigentlich nicht kennt, weil er die meiste Zeit im Gefängnis ist, und Noonans Jungs erzählen von ihren Träumen. Einer will Schauspieler, einer will Noonans Nachfolger werden.

Und vielleicht gelingt es MacIntyre als teilnehmendem Beobachter viel näher an die Wahrheit zu kommen, als vielen anderen TV-Reportern. Denn im Gegensatz zu einem Zeitungsjournalisten sind sie auf Bilder angewiesen. MacIntyre war in seiner dreijährigen Langzeitbeobachtung auf die Kooperation von Dominic Noonan angewiesen. In dem kurzen, aber informativen Making-of (betitelt als „Behind the Scenes“) sagt Donal MacIntyre, dass er Noonan bewusst nicht nach seinen Verbrechen gefragt hat und Noonan den Film vor der Veröffentlichung gezeigt hat. Dieser sagt, ebenfalls in dem Making-of, dass ihm der Film gefalle. Dass der Film die Wahrheit zeige.

Wenn ich MacIntyres Dokumentation nicht aus der PC-Perspektive betrachte, die schon vor der ersten Filmminute weiß, was richtig und was falsch ist, dann ist „A very british Gangster“ ein grandioser Film. Denn ich lerne einen schwulen Gangster kennen, erhalte einen ziemlich ungeschminkten Blick in eine fremde Welt und sehe einen Dokumentarfilm, der immer wieder Bilder für die große Leinwand hat.

Beim Cognac Festival du Film Policier erhielt „ A Very British Gangster“ den Großen Preis.

A very british Gangster

A Very British Gangster (A Very British Gangster, GB 2007)

Regie: Donal MacIntyre

Drehbuch: Donal MacIntyre

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DVD

New KSM

Bild: 16:9 (1.77:1)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel:

Bonusmaterial: Deleted Scence, Behind the Scenes, Wendecover

Laufzeit: 98 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Homepage zum Film

Wikipedia über Dominic Noonan


Kurzmeldungen: The Big Thrill im September, Zapp über Doris Heinze, Wolfgang Kohlhaase über „Whisky mit Wodka“, Script Collector, Maigret und Simenon, 24h Berlin und Pieke Biermann

September 4, 2009

Die September-Ausgabe von The Big Thrill ist online. Dieses Mal sind unter anderem diese Russell Atwood, Heather Graham, William Kent Krueger, Lisa Black, William Bernhardt, Clive Cussler & Grant Blackwood, Joe R. Lansdale (mit seinem neuen Hap-Collins/Leonard-Pine-Roman „Vanilla Ride“), F. Paul Wilson (mit dem neuen Repairman-Jack-Thriller „Ground Zero“), Norb Vonnegut (Yep, verwandt mit Kurt Vonnegut), Kathy Reichs (der neue Temperance-Brennan-Roman „206 Bones“), Dan Fesperman (Sein „The Prisoner of Guantanamo“ erhielt zahlreiche Preise, aber keinen deutschen Verlag) und Laura Caldwell im Porträt oder im Verhör.

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Im NDR-Medienmagazin „Zapp“ gibt es einen zehnminütigen Bericht über Doris Heinze.

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Drehbuchautor Wolfgang Kohlhaase redet bei „Stichwort Drehbuch“ über seinen neuen, gerade im Kino angelaufenen Film „Whisky mit Wodka“. Andreas Dresen verfilmte das Buch. Henry Hübchen, Corinna Harfouch, Sylvester Groth und Peter Kurth spielen mit.

„eine echte Perle“ meint epd-Film und vergibt die Höchstwertung.

Die erste Zusammenarbeit von Andreas Dresen und Wolfgang Kohlhaase war „Sommer vorm Balkon“.

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Mit dem Script Collector gibt es eine neue Anlaufstation für Menschen, die Drehbücher lesen wollen. Aktuell hat er „The Haunting in Connecticut“, „Year One“, „Fast and Furious“, „Sweeney Todd“, „The Dark Knight“ und die anderen Batman-Filme, „The International“, „Public Enemies“ und viele Hitchcock-Drehbücher online gestellt.

Ist zwar nicht alles brandneu, aber ein Blick lohnt sich.

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Diogenes hat für die Maigret- (wenn sie in der Schweiz wohnen) und Simenon-Fans (heute ist sein 20. Todestag) unwiderstehliche Angebote:

Im Oktober erscheinen die drei letzten Bände der Maigret-Gesamtausgabe in 75 Bänden.

Beantworten Sie auf franceguide.com drei Fragen zu Kommissar Maigret und gewinnen Sie die Gesamtausgabe in 75 Bänden. In Zusammenarbeit mit dem französischen Verkehrsbüro Atout France (Teilnahme nur in der Schweiz möglich).

Oder schicken Sie uns ein Foto von sich und Ihrer Maigret-Gesamtausgabe, und Sie erhalten als Geschenk den hochwertigen Bildband Sein Leben in Bildern. Schicken Sie eine Mail an werbung@diogenes.ch oder per Post: Diogenes AG, Sprecherstrasse 8, CH-8032 Zürich.

(der Link zu Franceguide funktioniert im Moment nicht)

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Überall wird ja schon darauf hingewiesen: Am Samstag zeigen der RBB (ab 05.30 Uhr) und Arte (ab 06.00 Uhr) das Projekt „24h Berlin“. Über 24 Stunden wird ein Tag im Leben der Hauptstadt dokumentiert (Ist das nicht eine alte Idee von Alfred Hitchcock?)

Pieke Biermann hat auch mitgemacht:

Zum “längsten Fernsehfilm aller Zeiten” gibt es auch ein Buch, dh zwei: eins mit Fotos und eins mit Texten (Steidl Verlag, Göttingen). Zu letzterem habe ich die ”Nachtstreife in Wedding” mit Äi-Dschäi und Schumi vom Abschnitt 36 beigesteuert.

Gefeiert wird das Ganze auch live ua zwischen 11 und 24 Uhr mit Lesungen und Gesprächen moderiert von Patricia Klobusicky.

Um unsere Nachtstreife geht’s ab ca. 17:30 im Foyer von C/O Berlin (Oranienburger Str. 34-35 = das alte Postfuhramt)


TV-Tipp für den 4. September: Wag the Dog

September 4, 2009

3sat, 22.25

Wag the dog – Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt (USA 1997, R.: Barry Levinson)

Drehbuch: Hilary Henkin, David Mamet

LV: Larry Beinhart: American Hero, 1991 (American Hero)

Ein Medienberater rät dem Stab des Präsidenten, einen Krieg in Albanien zu inszenieren, um von einer Sexaffäre des Präsidenten abzulenken. Nach einem überzeugenden Anfang gerät das Ablenkungsmanöver außer Kontrolle.

Köstliche Medien- und Politsatire, die von Beinharts langatmigem Buch nur die Idee („Wir fälschen einen Krieg. Merkt doch keiner.“) übernimmt und durch die damaligen politischen Ereignisse (Clinton-Lewinsky-Affäre, Jugoslawien) eine nicht geplante tagespolitische Brisanz erhielt.

Mit einer bestens aufgelegten Riege von Schauspielern: Dustin Hoffman, Robert De Niro, Anne Heche, Denis Leary, Willie Nelson, Kirsten Dunst, William H. Macy, Woody Harrelson

Hinweise

Drehbuch „Wag the Dog“ von David Mamet

Homepage von Larry Beinhart

Huffington Post: Kolumne von Larry Beinhart

Meine Besprechung von Larry Beinharts „Crime – Kriminalromane und Thriller schreiben“


Die Nominierungen für den Deutschen Fernsehpreis 2009

September 3, 2009

Jetzt sind Nominierungen für den Deutschen Fernsehpreis draußen und die Liste ist – tja, nun, man muss halt mit dem vorhandenen Material arbeiten.

„Eine Zumutung.“ schreibt Peer Schader absolut zutreffend im FAZ-Fernsehblog.

Also im Bereich „Beste Serie“ haben wir „Franzi“ (noch nie gehört), „Der Lehrer“ (schon gehört, aber nicht gesehen; soll auch nicht so toll sein) und „Lasko – Die Faust Gottes“ (gesehen; fand’s sogar vorm Einschlafen ganz unterhaltsam, aber: BESTE SERIE?).

Vom Rest kenne ich auch vieles nicht, „Die Patin“ habe ich nach wenigen Minuten gelangweilt ausgeschaltet, aber „Mogadischu“ gebe ich jeden Preis. Axel Prahl hat auch jeden Preis verdient (Aber warum ausgerecht für seine Rolle in „Die Patin“?).  Josef Hader wäre wahrscheinlich sogar grandios, wenn er neunzig Minuten nur auf ein Bierglas starren würde (daher nominiert Bester Schauspieler, aber nicht für den Brenner).

Und wo bleibt das Positive?

Hm, wie wär’s damit?

Die ARD wehrt sich gegen den Vorwurf, dass in der Affäre um die gefeuerte Fernsehspielchefin des Norddeutschen Rundfunks (NDR), Doris Heinze, interne Kontrollmechanismen versagt hätten. Heinze sei „mit hoher krimineller Energie vorgegangen“, sagte der ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust. (…)

„Man muss realistisch davon ausgehen, dass solche Fälle immer wieder auftreten“, sagte Boudgoust mit Blick auf den Drehbuchskandal. Anlass für eine Verschärfung der internen Kontrollen sehe er aber nicht.

Also auf zum nächsten Skandal nach Marienhof, Emig, diversen Nebenjobs von Moderatoren.

Oder doch mal bei Transparency International nachfragen.


Ankündigung: Stalking – Wenn Liebe zum Verbrechen wird

September 3, 2009

Als einer der Organisatoren bin ich natürlich begeistert von dem Podium, aber auch als Nicht-Organisator würde ich sagen: Hingehen!

Wohin?

Stalking Plakat254

Stalking – Wenn Liebe zum Verbrechen wird

Stalking ist das willentliche, obsessive und unnormal lange Nachstellen, Bedrohen und Belästigen einer anderen Person. JedeR kann davon betroffen sein.

Die ersten Gesetzte gegen StalkerInnen gab es in den Neunzigern in den USA und in England. In Deutschland hat Bündnis 90/Die Grünen lange ein entsprechendes Gesetz gefordert. Mit dem Gewaltschutzgesetz vom Dezember 2001 und dem Einfügen eines entsprechenden Straftatbestandes in das Strafgesetzbuch, wurde diese Forderung erfüllt.

In Berlin wurde 2002 die Möglichkeit einer Wegweisung in das Polizeigesetz (ASOG) aufgenommen. Was ist seitdem geschehen? Werden die Opfer besser geschützt? Hat Stalking abgenommen?

Während der etwa zweistündigen Podiumsdiskussion wollen wir erfahren, was Stalking von anderen Formens des Verfolgens unterscheidet, was gegen TäterInnen unternommen und wie Opfern geholfen werden kann, wie die Zusammenarbeit zwischen Opfern, Opferberatung, AnwältInnen und Polizei aussieht und was der Gesetzgeber auf Bundes- und Landesebene noch unternehmen kann, um den Betroffenen zu helfen.


Diskussion mit

Bettina Geißel (Anwältin)

Opens external link in new windowMartina Linke (KHK, LKA Präv 2)

Opens external link in new windowSusanne Schumacher (Stalking Opferhilfe Berlin e.V.)

Opens external link in new windowAnja Kofbinger (Mitglied des Abgeordnetenhauses und frauenpolitische Sprecherin für Bündnis 90/Die Grünen; Direktkandidatin für den Bundestag in Neukölln)

Opens external link in new windowModeration: Dirk Behrendt (Mitglied des Abgeordnetenhauses und rechtspolitischer Sprecher für Bündnis 90/Die Grünen, Richter)


am Montag, den 14. September

um 19.00 Uhr

im „Opens external link in new windowMax & Moritz“ (Oranienstraße 162, Nähe U-Bahn Moritzplatz)


Eine gemeinsame Veranstaltung der LAGen Demokratische Rechte und Opens external link in new windowFrauen- und Geschlechterpolitik


Weiterführende Informationen

Wikipedia über Stalking (Opens external link in new windowdeutsch, Opens external link in new windowenglisch)

Opens external link in new windowFamilienministerium (BMFSFJ): „Stalking: Grenzenlose Belästigung“ (Broschüre)

Opens external link in new window§ 238 StGB (Nachstellung), eingefügt durch das Gesetz zur Strafbarkeit beharrlicher Nachstellungen (40. StrÄndG) vom 22.3.2007 (BGBl. I S. 354) m.W.v. 31.3.2007

Opens external link in new windowBundestag: Beschlussempfehlung und Bericht zu den Gesetzentwürfen von Bundesrat (einstimmig abgelehnt) und Bundesregierung (in geänderter Fassung angenommen, gegen Stimmen von Grünen/FDP/Linken – So vom Bundestag beschlossen am 30.11.2006 beschlossen)

Opens external link in new windowGrüne Bundestagsfraktion: So nicht! (30.11.2006)

Opens external link in new windowPE Irmingard Schewe-Gerigk, 30.11.2006: Strafrecht allein reicht nicht aus

Opens external link in new windowGrüner Entschließungsantrag zum Stalkinggesetz (29.11.2006)

Opens external link in new windowSachverständigenanhörung im Rechtsausschuss 18.10.2006

Opens external link in new windowZusammenfassende hib-Meldung zur Anhörung

Opens external link in new windowDie Grüne Abgeordnetenhausfraktion hatte 2005 gefordert, dass sich Berlin im Bundesrat für eine gesetzliche Verankerung strafrechtlicher Vorschriften gegen Stalking einsetzt.

Opens external link in new windowDies wurde vom Abgeordnetenhaus entsprechend beschlossen und getan.

Opens external link in new windowStellungnahme des Deutschen Juristinnenbund von 2006 zum Stalkinggesetz

Opens external link in new windowBIG – Berliner Interventionszentrale bei häuslicher Gewalt


TV-Tipp für den 3. September: Babel

September 3, 2009

ARD, 23.02

Babel (USA 2006, R.: Alejandro González Iñárritu)

Drehbuch: Guillermo Arriaga (nach einer Idee von Guillermo Arriaga und Alejandro González Iñárritu)

Weil um 20.15 Uhr mal wieder irgendein Mist gezeigt werden muss, bleibt für einen mit Preisen überhäuften Film wie „Babel“, der heute seine TV-Premiere vor einem ausgesuchten Publikum erlebt, mal wieder nur ein beschissener Sendeplatz.

Für’s Protokoll: „Babel“ gewann, nach der IMDB, 28 Filmpreise und war für 75 weitere Preise nominiert. Er war, unter anderem, für den Oscar und BAFTA als bester Film des Jahres nominiert und erhielt in dieser Kategorie einen Golden Globe. In Cannes gewann er drei Preise (unter anderem für die Regie) und Arriagas Drehbuch hat es auf ungefähr jede wichtige Preisliste geschafft.

In ihrem dritten gemeinsamen Spielfilm (nach „Amores Perros“ und „21 Gramm“) verschränken Iñárritu und Arriaga wieder mehrere Geschichten miteinander. Dieses Mal erzählen sie die Geschichte eines amerikanischen Touristenpärchens in Marokko, deren Haushälterin in San Diego und einer Teenagerin in Tokio. Auch wenn die Verbindung zwischen den Geschichten etwas gewollt ist (ich sage nur Gewehr) und der Film mit 135 Minuten Laufzeit ziemlich lang ist, hat er mir im Kino gut gefallen.

Mit Brad Pitt, Cate Blanchett, Rinko Kikuchi, Elle Fanning, Gael García Bernal, Adriana Barraza

Hinweise

Film-Zeit über „Babel“

Wikipedia über „Babel“ (deutsch, englisch)


Der kriminelle Buchherbst – Teil 7: Random Murders, Part 1

September 2, 2009

Blanvalet

Oktober

Jeffery Deaver: Ein einfacher Mord (im Aktionspreis; Deaver veröffentlichte den Krimi ursprünglich als William Jefferies)

November

Steve Berry: Der Pandora-Effekt (Mystery-Thriller: Ex-Agent Cotton Malone sucht, um eine Gegenmittel gegen B-Waffen zu finden, das Grab von Alexander.)

Sandra Brown: Eisnacht (Taschenbuch-Ausgabe)

Jordan Dane: Assassin (Christian Delacorte soll auf Wunsch einer Mörderin seinen Vater, einen in Brasilien entführen Unterweltboss, befreien.)

Michael McBride: Reiter der Apokalypse (Auftakt einer Mystery-Trilogie)

Stephan M. Rother: Die letzte Offenbarung (Mystery-Thriller: Restaurator Amadeo Fanelli legt sich wegen den geheimen Aufzeichnungen des Apostels Johannes mit dem Vatikan an.)

Patrick Woodrow: Kalter Sog (Taschenbuch-Ausgabe. „Als hätte Clive Cussler das Drehbuch zu einem Alfred-Hitchcock-Film geschrieben.“ verspricht der Verlag)

Dezember

Dale Brown: Überschall (High-Tech-Thriller)

Robin Cook: Schock (Taschenbuch-Ausgabe eines Medizin-Thrillers)

Jeffery Deaver: Die Menschenleserin (Taschenbuch-Ausgabe)

Rob Grant/Doug Naylor: Roter Zwerg (ist SF, aber die Abteilung „Per Anhalter durch die Galaxis“ und basiert auf der BBC-Sitcom „Red Dwarf“)

Lucretia Grindle: Namenstag (Taschenbuch-Ausgabe eines in Florenz spielenden Psychothrillers)

Helena Reich: Engelsfall (Kommissar David Andel ermittelt in Prag)

Januar

Cindy Gerard: Wer den Tod begrüßt/Wer das Feuer sucht (Doppelband der unterhaltsamen Thriller mit der in Florida residierenden Bodguard-Agentur E. D. E. N..)

Laura Griffin: Der sanfte Kuss des Todes (Eine Phantomzeichnerin der Polizei muss gegen einen Serienkiller kämpfen.)

Martin Langfield: Maleficus (Mystery-Thriller: dieses Mal ist es Sir Isaac Newtons Formel für das Geheime Feuer, die eine Katastrophe verhindern kann.)

Chloe Palov: Die Saat des Feuers (Mystery-Thriller: Fundamentalistische Christen und Juden wollen, mit Hilfe der Bundeslade, die Ungläubigen aus dem Heiligen Land vertreiben. Nur zwei Menschen können sie aufhalten.)

Karin Slaughter: Verstummt (Taschenbuch-Ausgabe)

Vanda Symon: Der ungeschminkte Tod (Neuseeland-Thriller: Als die junge Polizistin Sam Shepard eine Zirkus überprüft, stößt sie auf die Spur zu einem Serienkiller. Der New Zealand Listener meint „Spannende Unterhaltung“.)

Februar

Clive Cussler/Dirk Cussler: Der Fluch des Khan (Taschenbuch-Ausgabe eines Dirk-Pitt-Thrillers)

Patrick Graham: Die Brut des Bösen (Eine FBI-Profilerin sucht ein elfjähriges Mädchen, das die letzte Hoffnung für die Menschheit gegen ein Virus ist.)

Colin Greenland: Sternendieb (Auftakt einer SF-Trilogie, die mit dem Arthur-C.-Clarke-Award und dem BSFA-Award ausgezeichnet wurde)

Mike Lawson: Hardliner (ist der dritte Thriller mit Joe DeMarco. Dieses Mal muss er einen Senator stoppen, der muslimische Attentate für seine Zwecke ausnutzen will.)

J. D. Robb: Das Herz des Mörders (Lieutenant Eve Dallas jagt einen Mörder, der Serienkiller kopiert.)

März

Katherine Howell: Ein grausames Versprechen (ein in Sydney spielender Lady-Thriller über einen Serienkiller, der eine Sanitäterin und eine Polizistin in Lebensgefahr bringt)

Tara Moss: Fetisch-Mörder/Freiwild (ein Doppelband mit einem Model als Ermittlerin)

James Rollins: Der Judas-Code (Taschenbuch-Ausgabe eines Sigma-Force-Thirllers)

Lisa Scott: Fatal (Ist der Adoptivsohn von Journalistin Ellen Gleeson vor der Adoption entführt worden? Oder hat er einen vermissten Zwillingsbruder? Gleeson recherchiert.)

April

Clive Cussler/Jack Du Brul: Seuchenschiff (Auf einem Kreuzfahrschiff entdeckt die Crew der „Oregon“ hunderte von Leichen. Sie wollen herausfinden, warum die Menschen sterben mussten und stoßen auf eine Verschwörung.)

Linda Fairstein: Tödliches Vermächtnis (Ein neuer Fall für Alex Cooper.)

Phillip Gwynne: Vor dem Regen (Der Krimi aus Australien ist das Krimidebüt eines preisgekrönten Jugendbuchautors.)

Iris Johansen: Riskante Träume (Daniel will die von Terroristen entführte Zilah befreien. Auf ihrer anschließenden Flucht kommen sie sich näher.)

James Patterson: Die 6. Geisel (Taschenbuch-Ausgabe des sechsten Auftritts von Lieutenant Lindsay Boxer und dem Women’s Murder Club)

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Hinweis

Der kriminelle Buchherbst – Teil 1: Ein Halleluja für Hollywood (Alexander Verlag, Belleville, Bertz + Fischer, Henschel)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 2: Zurück in die Provinz (Emons, Gmeiner)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 3: Regionale Küche, teils mit ausländischem Einschlag (Edition Nautilus, Grafit, Pendragon)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 4: Gemischte Küche, hauptsächlich aus fremden Gefilden (Edition Phantasia, Liebeskind, Rotbuch, Tropen, Unionsverlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 5: Nochmal gemischte Küche (Fischer Verlag)

Der kriminelle Buchherbst – Teil 6: Hauptsächlich regional, aber mit südamerikanischem Einschlag (Edition Köln, Matthes & Seitz, Verbrecher Verlag)


TV-Tipp für den 2. September: Get Smart: Mini-Max gegen KAOS

September 2, 2009

Kabel 1, 22.05

Get Smart: Mini Max gegen KAOS (USA 1967, R.: Earl Bellamy)

Drehbuch: Leonard Stern

Erfinder: Mel Brooks, Buck Henry

An den kommenden Mittwochabenden zeigt Kabel 1 jeweils drei Folgen der Serie, über die Martin Compart in „Crime TV“ schreibt: „Echten Kultstatus hat die von Mel Brooks und Buck Henry erfundene Geheimagenten-Parodie um den Volltrottel Smart, der mit Hilfe der hübschen Agentin 99 im Auftrag von C.O.N.T.R.O.L. Gegen die Organisation K.A.O.S. kämpft. Einige der Floskeln von Smart („missed it by that much“) sind in die amerikanische Umgangssprache eingegangen. Auf dem Höhepunkt der Agentenwelle schlug die Serie wie eine Bombe ein.“ Denn natürlich ist Maxwell Smart das komplette Gegenteil von James Bond. Jedenfalls irgendwie.

Denn Peter W. Jansen in „Woody Allen/Mel Brooks“ meint: die Serie sei „eine Übersatire auf die schon satirisch gemeinten James-Bond-Thriller“.

Anscheinend will Kabel 1 nur diese Folgen zeigen (aber wenn die Quote stimmt…):

2. September, 22.15 Uhr: Mini Max gegen KAOS I-III (A Man Called Smart I-III)

9. September, 21.55 Uhr: Das Wachsfigurenkabinett des Dr. Duvall I+II (House of Max I+II); Im Banne des Peitschers (I Am Curiously Yellow)

16. September 21.55 Uhr: Das kleine schwarze Buch I+II (The Little Black Book I+II), Hippie-Hippie (The Groovy Guru)

23. September 21.45 Uhr: Ziemlich heiß in Casablanca (Casablanca)

Mit Don Adams (Maxwell Smart, Agent 86), Barbara Feldon (Sue Hilton, Agentin 99), Edward Platt (Thaddeus, der Chef), Dave Ketchum (Agent 13), Stacy Keach (Carlson)

Auch bekannt als „Mini Max – oder die unglaublichen Abenteuer des Maxwell Smart“ und „Supermax, der Meisterspion“

Hinweise

Wikipedia über „Get Smart“ (deutsch, englisch)

„Get Smart“-Fanseite

Noch eine „Get Smart“-Fanseite

Und noch eine „Get Smart“-Fanseite

The Museum of Broadcast Communication: „Get Smart“


Cover der Woche

September 1, 2009

Haas - Silentium


TV-Tipp für den 1. September: 24: Redemption

September 1, 2009

Kabel 1, 20.15

24: Redemption (USA 2008, R.: Jon Cassar)

Drehbuch: Howard Gordon

Für die „24“-Fans ist „24: Redemption“ nur die spielfilmlange Überbrückung zwischen der sechsten und der siebten Staffeln, die uns erzählt, was zwischen den Tagen geschah.

Für normale Zuschauer ist es ein spannender Abenteuerfilm mit einigen seltsamen Szenen in Washington, während der Held in einem afrikanischen Bürgerkriegsland für das Leben von einigen Kindern kämpft und für deren Leben immer wieder Entscheidungen fällen muss, die ihn überhaupt nicht gefallen. Denn am Ende der Folge ist die Flucht von Jack Bauer vor der amerikanischen Justiz vorbei.

Das ist jetzt kein so großer Spoiler. Denn unmittelbar nach „24: Redemption“ zeigt Kabel 1 ab 22.00 Uhr die ersten beiden Folgen des siebten Tages von „24“. Jack Bauer muss sich in Washington, D. C., vor einem Untersuchungsausschuss für seine Taten verantworten. Da geschieht ein Anschlag. Jacks Wissen wird wieder einmal gebraucht und sein Gegner ist sein alter Freund Tony Almeida.

Kabel 1 zeigt den siebten Tag von Jack Bauer immer dienstags in Doppelfolgen.

mit Kiefer Sutherland, Cherry Jones, Bob Gunton, Colm Feore, Powers Boothe, Robert Carlyle, Jon Voight, Peter MacNicol, Gil Bellows, Hakeem Kae-Kazim

Hinweise

Kabel 1 über „24“

Fox über „24“ (schön umfangreich)

24 – eine deutsche Fanseite

Meine Ankündigung/Besprechung des sechsten „24“-Tages

Meine Besprechung von Michael Goldmans „24: Staffel 1 – 6 – Wettlauf gegen die Zeit“


R. i. P. Celia Fremlin

August 31, 2009

R. i. P. Celia Fremlin (20. Juni 1914 – 16. Juni 2009)

Bei Martin Edwards habe ich gelesen, dass Celia Fremlin bereits vor mehreren Wochen gestorben ist. Für „Die Stunden vor Morgengrauen“ (The Hours before dawn, 1958) erhielt sie den Edgar für den besten Roman. Wolf Gremm verfilmte den Roman 1997 mit Gudrun Landgrebe. Es war seine vierte und letzte Fremlin-Verfilmung.

Martin Edwards schreibt:

One thing is for sure – Fremlin’s work is not talked about too much these days. But it deserves to be, because she was a class act. (…)
The lack of attention paid to Fremlin’s work is all the more sobering when one reflects on the immediate impact she made when her first novel, The Hours Before Dawn, appeared in 1958. It’s a good title and an even better book – it went on to win an Edgar. My copy is a 1988 reprint, which benefits from a pithy preface by Fremlin. The story involves a harassed mother, Louise Henderson, who lives in suburbia and who takes in a lodger with unexpected consequences. The domestic milieu is very well drawn, and Fremlin was one of those who led the way in developing the psychological suspense set in recognisable everyday surroundings.

Weitere (spärliche) Informationen zu Celia Fremlin gibt es bei Wikipedia, Fantastic Fiction, Toms Krimitreff und, als kurzer Nachruf, Sarah Weinman und Krimiblog.


Der unbestechliche George Gently auf DVD/im TV

August 31, 2009

Auf den ersten Blick fragt man sich, warum man die Fälle eines alten Bullen, der 1964 in einem Küstenkaff ermittelt, ansehen soll. Nostalgie in allen Ehren, aber einige neue TV-Krimis wollen auch gesehen werden und die Serie kann nicht mit dem Etikett „Klassiker“ aufwarten. Denn der BBC strahlte sie erstmals 2007 aus.

Auf den zweiten Blick wird die Sache schon viel interessanter. Die Vorlage für die TV-Serie (in England wurden aufgrund des Erfolges bereits weitere Folgen gedreht) sind die Romane des produktiven, 2005 verstorbenen Alan Hunter. Zwischen 1955 und 1999 veröffentlichte er fast jedes Jahr einen Krimi mit Chief Superintendent George Gently als Ermittler. Einige wurden auch ins Deutsche übersetzt und sind erhältlich in den Antiquariaten ihres Vertrauens.

Hunter admired the writer Georges Simenon, and the character of Gently was sometimes likened to that of Inspector Maigret. Like the French detective, Gently solves his cases through a combination of reason, deduction and a world-weary understanding of his fellow man. But in fact, the character bore uncanny similarities to the author himself, who also smoked a pipe and had the same sort of pithy turn of phrase. (Nachruf im Telegraph, 11. März 2005)

Für die BBC-Filme übernahm Martin Shaw die Hauptrolle. Bei uns ist er immer noch nur als Bodie von den „Profis“ bekannt. Aber im Gegensatz zu seinem „Profis“-Partner Lewis Collins, ist Martin Shaw auf der Insel ein immer noch bekannter und geachteter Schauspieler mit zahlreichen Theater- und TV-Engagements, die bei uns nicht gezeigt wurden.

Und wenn dann die Fälle angesehen werden, wird es wirklich interessant. Denn die ersten drei spielfilmlangen Fälle für Inspector George Gently haben alles das, was die meisten „Tatorte“ nicht haben: glaubwürdige Charaktere, gut entwickelte Plots und ein stimmiges Zeit- und Lokalkolorit. Letzteres ist der Verdienst der Ausstatter. Die Wohnungen und das Polizeiquartier sehen richtig alt aus. Die Autos erfreuen das Herz des Nostalgikers. Die Landschaft und auch die Häuser haben sich in der englischen Provinz in den vergangenen Jahrzehnten (natürlich haben die Locaction Scouts in Irland eifrig nach den richtigen Orten gesucht) kaum geändert. Die Krimiplots konzentrieren sich auf eine überschaubare Zahl von Verdächtigen und ihre Beziehungen zueinander.

In „Kalte Rache“ erfährt Gently, dass in Northumberland ein junger Motorradfahrer, der auch Drogenhändler war, ermordet wurde und Gangsterboss Joe Webster dorthin gefahren ist. Gently folgt ihm. Denn er will Webster für den Mord an seiner Frau zur Strecke bringen. Dort trifft er den jungen, ehrgeizigen und auch heißblütigen John Bacchus, der den legendären Ermittler George Gently bewundert. Gemeinsam versuchen sie den Fall zu lösen.

Schnell entwickelt sich zwischen beiden eine nicht unproblematische Vater-Sohn-Beziehung, die von Martin Shaw und Lee Ingleby vorzüglich und mit schönstem britischen Understatement ausgespielt wird. Hier erzählt ein Blick mehr als tausend Worte. Und auch diese sind gut ausgewählt.

Am Ende von „Kalte Rache“ beschließt Gently in Northumberland zu bleiben und Bacchus zu einem guten Polizisten, also einem ‚Gently 2‘, zu erziehen.


In „Der Verbrannte“ müssen sie herausfinden, warum auf einem Feld ein Mann erschossen und verbrannt wurde. Die Ermittlungen führen sie zu einem benachbarten Militärstützpunkt und zur IRA.

Diese Folge war für zwei Irish Film and Television Awards (IFTA) nominiert: als Best Single Drama/Drama Serial und John Kavanagh als bester Nebendarsteller.

In „Die Schuld der Väter“ wird ein Deutscher, der als Kriegsgefangener auf einem Hof arbeitete, ermordet. Gently und Bacchus stöbern in der Vergangenheit und den Familienangelegenheiten des Ermordeten herum. Denn er wurde von seinem Sohn und seiner Stieftochter begleitet.

Gerade diese Folge sollte im Original gesehen werden. Denn während der Ermittlungen unterhalten sich die Deutschen auch in ihrer, für Gently unverständlichen, Muttersprache. In der deutschen Version sprechen sie dann französisch; – was natürlich die Stimmung der Geschichte vollkommen zerstört. Weil in dieser Folge die Bewohner des abgelegenen Hofes, auf dem der deutsche Kriegsgefangene arbeitete, einen fast unverständlichen Dialekt sprechen, fallen auch die fehlenden Untertitel schmerzlich auf.

Davon (und natürlich vom fehlendem Bonusmaterial) abgesehen sind die ersten drei George-Gently-Filme beste Krimiunterhaltung, die auf jeglichen neumodischen Schnickschnack, wie ausufernde Schilderungen aus dem Privatleben, platte Kabbeleien zwischen den Ermittlern, Wackelkamera und Sekundenschnitte, verzichtet. Denn im Mittelpunkt der ersten drei spielfilmlangen Fälle steht immer der konzentriert erzählte und ziemlich verwickelte Fall.

Bitte mehr davon!

George Gently - Staffel 1

George Gently – Der Unbestechliche (1. Staffel)

Edel Entertainment

Laufzeit: 270 Minuten

Bildformat: 16:9 PAL

Sprache: Deutsch/Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Bildergalerie (und ein Haufen Trailer, die wie eine schlechte VHS-Kopie aussehen)

FSK: ab 12 Jahre

–

klärt diese Fälle auf

Kalte Rache (George Gently, GB 2007)

Regie: Euros Lyn

Drehbuch: Peter Flannery

LV: Alan Hunter: Gently Go Man, 1961

Mit Martin Shaw, Lee Ingleby, Phil Davis, Richard Armitage

–

Der Verbrannte (The burning man, GB 2008)

Regie: Ciarán Donnelly

Drehbuch: Peter Flannery

LV: Alan Hunter: Gently where the road goes, 1962

Mit Martin Shaw, Lee Ingleby, Tony Rohr, John Kavanagh

–

Die Schuld der Väter (Bomber’s Moon, GB 2008)

Regie: Ciarán Donnelly

Drehbuch: Mick Ford

LV: Alan Hunter: Bomber’s Moon, 1994

Mit Martin Shaw, Lee Ingleby, Tony Rohr, Christian Oliver, Wolf Kahler

–

Hinweise

Fantastic Fiction: Bibliographie Alan Hunter

BBC über George Gently (Pressematerial zu „George Gently“)

ZDF über George Gently

Telegraph: Interview mit Martin Shaw und Lee Ingleby zu „George Gently“ (5. Juli 2008)



TV-Tipp für den 31. August: David Murray – I am a Jazzman

August 31, 2009

Arte, 22.35

David Murray – I am a Jazzmann (F 2008, R.: Jacques Goldstein)

Drehbuch: Jacques Goldstein

Einstündige Doku über den Saxophonisten, der anscheinend im Wochentakt eine hörenswerte CD nach der nächsten aufnimmt.

Wiederholung: Sonntag, 6. September, 06.05 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Arte über die Doku

Wikipedia über David Murray (deutsch, englisch)

My Space: Seite von David Murray

David-Murray-Fanseite (letztes Update Juni 2008)

Village Voice: The David Murray Guide (Tom Hull empfiehlt einige CDs aus über 90 Einspielungen als Leader, 30. Mai 2006)

JazzTimes über David Murray


„Long Weekend“ an einem paradiesischen Strand

August 30, 2009

Peter (Jim Caviezel) und Carla (Claudia Karvan) wollen ein romantisches Wochenende an einer abgeschiedenen Bucht verbringen. Es ist vor allem ein Versuch, ihre kriselnde Beziehung wieder zu kitten. Aber schon auf der Fahrt zum Strand zeigt Regisseur Jamie Blanks, wie Peter ein Tier überfahrt und eine Zigarette achtlos wegwirft. Damit ist, auch für Nicht-Genre-Junkies, klar, dass die beiden in der Einöde nicht nur Beziehungsstress haben, sondern auch gegen die Natur kämpfen müssen.

Trotzdem fällt „Long Weekend“, ein Remake des gleichnamigen australischen Semi-Ökohorrorklassikers von Colin Eggleston, für das Everett De Roche ebenfalls das Drehbuch schrieb, nicht einfach in die Subkategorie der Die-Natur-rächt-sich-am-Menschen-Horrorfilme. Denn die eher zahme und diffuse Bedrohung von außen (gut verstärkt durch die beunruhigende Musik von Jamie Blanks) kann auch immer als ein Sinnbild für die Beziehung von Peter und Carla gesehen werden. Sie bewegen sich im Kreis. Sie fahren, als sie auf der Hinfahrt den Strand suchen, immer wieder am gleichen Baum vorbei. Am nächsten Tag bewegt der Baum sich auf rätselhafte Weise. Sowieso scheinen in Bäume geritzte Pfeile, die Peter und Carla immer wieder im Kreis herumführen, im australischen Busch ein ganz schlechter Wegweiser zu sein. Sie können über bestimmte Dinge nicht sprechen. Sie misstrauen sich – obwohl sie einmal glücklich miteinander waren. Sie sehen die schönen Seiten der Natur (Jamie Blanks hat Bilder vom Wilsons-Promontory National Park aufgenommen, die nach einer großen Leinwand verlangen.). Aber sie verstehen die Natur nicht. Sie will vor allem wieder zurück in die Zivilisation. Er ist der junge Flegel, der den ersten Tag – quasi als Freizeitbeschäftigung – mit dem sinnlosen Fällen eines Baumes beginnt. Aber er hört mittendrin mit dem Fällen auf. Später schießt er ebenso grundlos auf Fische und Vögel und, sobald die Wellen es zulassen, will er eine Runde surfen.

Diese Story ist für einen Spielfilm einfach zu statisch und vorhersehbar. Die Attacken der Natur gegen den Menschen sind zu selten. Meistens ist es eine eher diffuse Bedrohung, die verschieden interpretiert werden kann. Auch zwischen Peter und Carla geschieht zu wenig. Denn für uns Zuschauer ist bereits in den ersten Minuten offensichtlich, dass diese Beziehung zu Ende ist. Nur sie wissen es noch nicht und ihre Versuche, die Beziehung zu kitten, sind höchstens halbherzig.

Deshalb wirkt das Zwei-Personen-Stück „Long Weekend“ wie ein auf Spielfilmlänge gedehnter Kurzfilm.

Als Bonusmaterial gibt es eine geschnittene Szene (ein Robert-de-Niro-ähnlicher Monolog von Jim Caviezel), den deutschen und den amerikanischen Trailer, ein vierzigminütiges Produktionstagebuch (mit einem sehr informativem Audiokommentar von Jamie Blanks) und einen uninteressantem Audiokommentar von Jamie Blanks, Everett De Roche, Jim Caviezel und Claudia Karvan. Denn außer gegenseitigem Lob gibt es fast nichts zu hören.

Long Weekend

Long Weekend (Long Weekend, Australien 2008)

Regie: Jamie Blanks

Drehbuch: Everett De Roche

mit Jim Caviezel, Claudia Karvan

–

DVD

Sunfilm

Laufzeit: 84 Minuten

Bild: 16:9 (1:2,35)

Sprachen: Deutsch, Englisch (5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Production Diary, Outtake, Audiokommentar, deutscher und englischer Trailer, Wendecover

FSK: ab 16 Jahre

–

Hinweise

Bluray-Disc: Interview mit Jamie Blanks zu „Long Weekend“ (Achtung: es wird auch über das Ende des Films diskutiert)

Bereits gesehen: Interview mit Jamie Blanks zu „Long Weekend“ und seinen anderen Filmen