Kleinkram: Interviews mit Andreas Steinhöfel, Elmore Leonard und Harlan Coben, Neuigkeiten zu „Killshot“, Filmbesprechungen von „Das Fenster zum Hof“ und „Gewagtes Alibi“

Mai 18, 2009

Bei Planet Interview beantwortet Jugendkrimibuchautor Andreas Steinhöfel viele Fragen:

Nur aus Konflikten entsteht eine Bewegung, sowohl im Kopf als auch nach außen. Entwicklung findet immer unter Gegensätzen, die aufeinander prallen, statt. Nichts passiert von allein.

Warum er Krimis schreibt:

Mit Kriminalgeschichten hält man Kinder mit am besten bei der Stange. Es ist ein probates Mittel, um Inhalte zu transportieren, sozusagen die ideale Art, Unterhaltung mit Anspruch zu paaren. (…) Wenn am Schluss nur die Unterhaltung für den kindlichen Leser übrig bleibt, ist das in Ordnung für mich. Wenn die sagen: Das war eine spannende Abenteuergeschichte, ein cooler Krimi, super. Aber es sind dann immer welche da, die tiefer sehen, die erkennen, dass Rico nicht der gängige Held aus dem Kinderbuch ist.

Und was er selbst liest:

Wenn ich dann wirklich Zeit zu lesen habe, dann sind es letztendlich immer die Engländer oder Amerikaner, die ich lese. Ich mag, wie sie Unterhaltung mit Anspruch kombinieren. Deutsche Literatur ist mir fast immer zu kopflastig.

Ach, lest das ganze Interview.

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In den USA ist Elmore Leonards neuer Roman „Road Dogs“ erschienen.  Bei Amazon.com gibt’s ein Interview. Duane Swierczynski hat ihn getroffen und er hat auch gleich noch ein schon etwas älteres Interview gepostet:

I’m always making it up as I go along. The first 100 pages seem to work, because I’m introducing characters, and we find out what their angle is. But then from 100–and I always think of it that way, in three parts—but from 100 to 200 is when I have to do a little plotting. And I don’t want the plot to be obvious. I want the reader to wonder what’s going to happen and be surprised at what develops. Because now in that second act some of the secondary characters will get into action. And then, of course, the third act, in the past my manuscripts all run around 350-360 pages, around in there. So once I approach page 300, I have to start thinking of the ending. And there are always several different ways you can end it. I choose one that I like and just go for it.

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Bleiben wir bei Elmore Leonard. In den USA erscheint die, nach den Kritiken durchaus gelungene, hochkarätig besetzte Leonard-Verfilmung „Killshot“ jetzt Ende Mai direkt auf DVD. Hier eine DVD-Kritik, hier die Besprechung der New York Times:

‘Killshot’’ is a tough, uncompromising picture that has much more in common with the no-hope noirs of the ‘40s and ‘50s than with the test-marketed pap no one is ashamed to release today. Hossein Amini’s screenplay misses Mr. Leonard’s dark humor, but that’s a small price to pay for preserving his hardnosed tone. Caleb Deschanel’s photography puts a wintry sheen on the frozen industrial Midwest. And Mr. Madden, whose career has stumbled since ‘‘Shakespeare in Love,’’ directs with tight control and an obvious love for actors.

Die da wären: Diane Lane, Mickey Rourke, Thomas Jane, Hal Holbrook, Rosario Dawson, Joseph Gordon-Levitt.

Eigentlich sollte „Killshot“ bereits 2007 starten und es war auch ein deutscher Kinostart geplant. In der IMDB steht, dass „Killshot“ am 16. Juli in Deutschland starten soll. Dann hoffe ich mal, dass das stimmt. Ansonsten wird sich die DVD besorgt.

Vor einigen Tagen erschien bei Bertz + Fischer das knapp achtstündige Hörbuch „Killshot“. Rider Strong (Das Leben und ich, Cbin Fever) liest das gesamte Buch ungekürzt vor.

Die Übersetzung von „Killshot“ erschien vor Jahren bei Heyne als „Beruf: Killer“ und wenn Sie es in einem Antiquariat finden, schlagen sie zu.

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Harlan Coben hat einen neuen Myron-Bolitar-Roman veröffentlicht. The Rap Sheet fragt ihn zu „Long Lost„, der Verfilmung von „Tell no one“ (Kein Sterbenswort), seiner Beziehung zu Frankreich und dem ganzen Rest:

I’m not a big researcher; most of the stuff I already knew about, or I made up. One of the things I’ve always said is that “Hey, I don’t need to do much research, as I don’t write the big international thrillers, with big conspiracies.” But now I’ve done it! Again, it’s about trying to do new things. You see, for Long Lost I had this idea: a small-scale tragedy with one of Myron’s old girlfriends, Terese Collins, whose story I never finished anyway; and then [in Long Lost] I watched it blossom into something much bigger.

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Drehbuchautor William Martell schreibt über seinen Lieblingsfilm „Rear Window“ (Das Fenster zum Hof, USA 1954, Regie: Alfred Hitchcock, Drehbuch: John Michael Hayes, nach einer Kurzgeschichte von Cornell Woolrich) eine ausführlich, kundige Analyse.

Ach, da krieg ich doch glatt  Lust, den Film wieder zu sehen.

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Und der Noir of the Week ist „Criss Cross“ (Gewagtes Alibi, USA 1948). Regie führte Robert Siodmak. Das Drehbuch ist von Daniel Fuchs und basiert auf dem Roman von Don Tracy. Burt Lancaster, Yvonne De Carlo und Dan Duryea spielen mit.

Auch ein sehr sehenswerter Film (ich habe ihn erst vor kurzem gesehen), der seit Ewigkeiten nicht mehr im Fernsehen lief. Aber die DVD ist günstig erhältich.


TV-Tipp für den 18. Mai: Violette Nozière

Mai 17, 2009

Arte, 21.00

Violette Nozière (F/Can 1978, R.: Claude Chabrol)

Drehbuch: Odile Barski, Hervé Bromberger, Frédéric Grendel

LV: Jean-Marie Fitère: Violette Nozière, 1975 (Violette Nozière)

Paris 1933: Die siebzehnjährige Violette Nozière führt ein Doppelleben. Sie will aus ihrer kleinbürgerlichen Existenz ausbrechen. Das scheint nur zu gehen, indem sie ihre Eltern umbringt. Sie wird verhaftet und zum Tod verurteilt.

Damals erregte der Fall in Frankreich großes Aufsehen. Surrealistische Dichter verklärten die Angeklagte zu einer Heldin gegen die bürgerliche Familie. Aragon, Magritte, Simone de Beauvoir und Piere Brasseur waren von Violette Nozière und ihrer widersprüchlichen Persönlichkeit gefesselt. Chabrol zeigt diese Widersprüche mit zahlreichen Rückblenden. Fast allen Handlungen von Violette Nozière können mehrere, einander widersprechende Motive zugeordnet werden.

Einer von Chabrols besten Filmen, inszeniert mit seinen bewährten Schauspielern Isabelle Huppert, Stéphane Audran und Jean Carmet

Wiederholung: Dienstag, 2. Juni, 00.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über Claude Chabrol

Senses of Cinema über Claude Chabrol

Wikipedia über „Violette Nozière“


TV-Tipp für den 17. Mai: Columbo: Ein Hauch von Mord

Mai 17, 2009

Direkt nach der „Leiche zum Dessert“ (Das Vierte, 20.15 Uhr) gibt’s einen weiteren Peter-Falk-Film

SRTL, 22.10

Columbo: Ein Hauch von Mord (USA 1973, R.: Jeannot Szwarc)

Drehbuch: Jackson Gillis, Myrna Bercovici (Geschichte)

Erfinder: Richard Levinson, William Link

Eine Kosmetikdiva erschlägt ihren Ex, weil dieser ihre Formel für eine revolutionäre Antifaltencreme an ihren Erzfeind verkaufen wollte. Lt. Columbo beginnt den Mörder zu suchen.

Allein schon wegen der Besetzung sehenswert.

Mit Peter Falk, Vera Miles, Martin Sheen, Vincent Price


Zwischenbemerkung zu Suhrkamp Krimi und Unionsverlag Metro

Mai 16, 2009

Nachdem Ulrich Deurer im Titel-Magazin, wie viele andere, die Metro-Reihe des Unionsverlages lobt und sie positiv gegen die demnächst startende Krimireihe des Suhrkamp-Verlages absetzt, sollten wir einen Blick auf die ersten Metro-Bücher werfen:

Jean-Claude Izzo: Total Cheops (Frankreich)

Helen Zahavi: Donna und der Fettsack (England)

Walter Mosley: Socrates in Watts (USA – ein damals bereits bekannter Name)

Stan Jones: Weißer Himmel, schwarzes Eis (USA – Fraglich, ob seine neuesten Bücher übersetzt werden)

Christopher G. Moore: Haus der Geister  (in Bangkok lebender Kanadier – es wurden nur drei von zehn Calvino-PI-Krimis übersetzt)

Rebecca Bradley, Stewart Sloan: Temutma (als Mix aus Krimi und Horror etwas neues)

Chester Himes: Plan B (Wiederveröffentlichung)

Jon Ewo: Torpedo (Skandinavien; allerdings Hardboiled-Gangsterkrimi und der dritte Band der Trilogie wurde nicht mehr übersetzt)

Mongo Beti: Sonne, Liebe, Tod (Afrika)

Jerry Raine: Frankie Bosser kommt heim (England, Gangsterkrimi – keine weiteren Übersetzungen)

Ein durchaus durchwachsener Start mit bekannten Gegenden, bekannten Genrevarianten und bekannten Autoren. Letztendlich hat sich, als Neuentdeckung, nur Izzo bei uns durchgesetzt.

Denn von Zahavi, Mosley und Himes erschienen bereits bei anderen Verlagen Übersetzungen.


TV-Tipp für den 16. Mai: Eine Leiche zum Dessert

Mai 15, 2009

Nachdem ich gestern zwei „Columbo“-Folgen gesehen und heute den neuen, grandiosen „100 Bullets“-Band „Du sollst nicht töten“ (dieses Mal liefern Azzarello/Risso eine Hardboiled-PI-Geschichte) gelesen habe, kann es nur einen Film als Tipp des Tages geben:


Das Vierte, 16.05

Eine Leiche zum Dessert (USA 1976, R.: Robert Moore)

Drehbuch: Neil Simon

Ein Millionär lädt die berühmtesten Detektive der Welt ein. Er behauptet, sie könnten einen Mord nicht aufklären, der um Mitternacht stattfinden wird. Die Detektive sehen das anders.

Neil Simon zieht in seiner Krimikomödie die Images der bekanntesten, literarischen Detektive der Welt (hier: Miss Marple, Hercule Poirot, Sam Spade, Nick Charles aka Der dünne Mann mit Gattin Nora, Charlie Chan) und die Prinzipien des Whodunits durch den Kakao. Ein köstlicher Spaß – nicht nur für Genre-Fans.

Verkörpert werden die Meisterdetektive und Tatverdächtige u. a. von Truman Capote, Peter Falk, Alec Guiness, David Niven, Peter Sellers

Wiederholung: Sonntag, 17. Mai, 20.15 Uhr


Kleinkram

Mai 15, 2009

Vor über einem halben Jahr habe ich geschrieben, dass die „Neues vom Wixxer“-Macher auch Jerry Cotton verfilmen wollen. Jetzt sind sie beim Drehen und die Berichte vom Pressetreffen beim Dreh (natürlich hier in Berlin) lassen schlimmes erahnen. Der eine verwechselt Jerry Cotton mit Perry Rhodan (HaHa!), der andere findet die Hefte langweilig und der Produzent meint:

Wir drehen drei Viertel in Berlin und ein Viertel in Hamburg. Ganz am Ende drehen wir zwei oder drei Tage in New York. 90 Prozent der Zuschauer werden nicht merken, dass fast alles hier gedreht wurde.

Oh, und das ganze soll keine Parodie, sondern eine Action-Komödie sein. 2010 im Kino ihres Vertrauens.

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Schnittberichte meldet, dass die Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ dieses Jahr auf DVD erscheinen soll. Das ist aus zwei Gründen bemerkenswert: es ist weltweit die erste DVD-Veröffentlichung des Burt-Reynolds-Films und es wird die ungekürzte Version veröffentlicht. In unseren Kinos und im TV lief bislang immer eine gekürzte Version.

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Beim Rap Sheet gibt’s ein Interview mit Lee Child.

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Bei Irresistible Targets eines mit Michael Connelly – und Crimespree Cinema weist auf die Videos zu seinem neuen Roman hin.


Neu im Kino: Illuminati, Im Sog der Nacht

Mai 15, 2009

Illuminati (Angels & Demons, USA 2009, R.: Ron Howard)

Drehbuch: David Koepp, Akiva Goldsman

LV: Dan Brown: Angels & Demons, 2000 (Illuminati)

Der Papst ist tot. Die Illuminati wollen jetzt den Vatikan mit einer Antimateriebombe vernichten und Symbolologe Robert Langdon soll im Auftrag der katholischen Kirche die Zeichen entziffern und so das Schlimmste verhindern.

Zweite Dan-Brown-Verfilmung, die kommerziell natürlich jenseits jeder Kritik steht, auch wenn bei „Rotten Tomatoes“ die positiven und negativen Stimmen zu ausgewogenen 50 Prozent Frische (also schnell essen oder wegwerfen) kommen und sich immerhin einig sind, dass „Illuminati“ besser als der „Da Vinci Code“ ist.

Stellvertretend: „zweieinhalb Stunden heiteren Stuss, der am meisten Spaß macht, wenn man gar nicht erst zu verstehen versucht, was die gehetzten Typen auf der Leinwand da beim Hin- und Herrennen, aber auch Hin- und Herfahren, Hin- und Herfliegen und Hin- und Herhüpfen gerade von Konklave, Bernini, Illuminati, Galileo – und wie diese ganzen anderen komischen lateinischen Fachausdrücke noch so heißen – erzählen.“ (Jens Balzer, Berliner Zeitung 12. Mai 2009)

Tja, vielleicht doch besser wieder „Illuminatus!“ von Robert Shea und Robert A. Wilson lesen.

Ansonsten:

Dan Browns neuer Roman „The lost symbol“ erscheint am 15. September in den USA.

„The Da Vinci Code – Sakrileg“ läuft am Sonntag, den 17. Mai, um 20.15 Uhr auf Pro  7; die Wiederholung gibt’s am Montag, den 18.  Mai, um 09.15 Uhr.

Mit Tom Hanks, Ewan McGregor, Ayelet Zurer, Stellan Skarsgård, Pierfrancesco Favino, Nikolaj Lie Kaas, Armin Mueller-Stahl

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Illuminati“

Wikipedia über Dan Brown

Homepage von Dan Brown

Deutsche Homepage von Dan Brown

Spielfilm.de: Interview mit Dan Brown (13. Mai 2009)

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Im Sog der Nacht (Ch/D 2009, R.: Markus Welter)

Drehbuch: Moritz Gerber

Nach einem missglückten Banküberfall ziehen sich eine Frau und zwei Männer auf eine einsame Berghütte zurück.

Das Drama läuft in Berlin zwar nur in zwei Kinos (mit je einer Vorstellung pro Tag), aber das klingt gut: „Vom geradezu mystischen Finale abgesehen hat der Film tatsächlich die Qualitäten des französischen Kriminalthrillers von anno dazumal (…) Er hat die Konzentration auf das Wesentliche, und er hat etwas, das deutschen Debüts so gerne abgeht: nämlich Rhythmus.“ (Philipp Bühler, Berliner Zeitung, 14. Mai 2009)

Mit Nils Althaus, Lena Dörrie, Stipe Erceg

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Im Sog der Nacht“


TV-Tipp für den 15. Mai: Mach’s noch einmal, Sam!

Mai 15, 2009

WDR, 23.15

Mach’s noch einmal, Sam! (USA 1972, R.: Herbert Ross)

Drehbuch: Woody Allen (nach seinem Theaterstück)

Der New Yorker Filmkritiker Allan wird von seiner Frau verlassen. Die Suche nach einer neuen Freundin gestaltet sich (wie der Clip beweist) schwierig. Erst als sein Idol Humphrey Bogart ihn berät, scheint sich das Blatt zu wenden.

Woody Allen sagte über „Mach’s noch einmal, Sam!“, es sei „die autobiographische Geschichte eines Verliebten mit ungeheuren Komplexen. Die Anhäufung von Themen, die mich faszinieren, Sex, Ehebruch, neurotische Liebe, Angst. Dennoch ist es eine Komödie im strengsten Sinn des Wortes, ohne ein ernsthaftes Element.“

Außerdem ist es Woody Allens erste Liebeserklärung an den Film.

Mit Woody Allen, Diane Keaton, Tony Roberts, Jerry Lacy, Susan Anspach

Hinweis

Woody Allen in der Kriminalakte


„Wir sind Kameruner“

Mai 14, 2009

Kunkel - Kuhls KosmosVor fünf Jahren massakrierte die Kritik „Endstufe“ von Thor Kunkel regelrecht. Sein neuestes Werk „Kuhls Kosmos“ wurde dann weitgehend ignoriert. Zu Unrecht. Denn „Kuhls Kosmos“ ist ein schön schwarzhumoriger Pulp über Thor Kunkels bereits aus früheren Werken bekannten Verlierer Kuhl und ein illusionsloser Blick zurück in die späten Siebziger, als vieles anders, aber nicht besser war.

Anton Kuhlmann, von allen „Kuhl“ genannt, ist 1979 kurz vor der Silvesternacht auf den Bahamas mit dem Durchbringen von einem Haufen unrechtmäßig erworbenem Geld und dem angemessenen Feiern des Endes der glorreichen siebziger Jahre mit Drogen, Sex und Müßiggang beschäftigt. Denn danach, davon ist der Neuzehnjährige fest überzeugt, kann nichts mehr kommen. Deshalb will er, bevor der letzte Pfennig aufgebraucht ist, sterben.

Der windige Pornoproduzent Earl B. Holsten möchte ihn währenddessen an seinem nächsten Projekt „Geisha des Todes: Die 1002. Nacht“ beteiligen und die ältere Pornodarstellerin Pola Popova (sie hat das biblische Alter von Dreißig schon vor einigen Jahren überschritten) mit standesgemäß großem Busen will mit ihm (immerhin produziert er vielleicht ihren nächsten Film und außerdem ist der Junge ganz nett) ins Bett.

Kuhls Erlebnisse in Nassau werden von den erfolglosen Ermittlungen von Kommissar Jörg Herbricht und Kuhls Erinnerungen an seine Frankfurter Zeit unterbrochen. Zusammen mit seinen Kumpels Mario „Rio“ Bravo und Sonnfried „Sonny“ Lattmann zog Kuhl durch den Stadtteil Kamerun und versuchte sich ziemlich erfolglos als Kleinkrimineller. Denn wenn es eine wiederkehrende Melodie in seinem kurzen Leben gibt, ist es, dass jeder seiner Pläne scheitert. Das gilt für die Fahrt an die Nordsee, das Besorgen von Alkohol aus dem Kaufhaus, das Bestehlen eines toten Rentners und das Vermeiden von ehrlicher Arbeit. Denn die Zicke vom Arbeitsamt will dem Schulabbrecher unbedingt zu einem Job verhelfen. Kuhl hat allerdings keinen Bock und erfindet eine Reihe grandios-unglaubwürdiger Ausreden, die auch einem Hartz-IV-Empfänger gefallen können. Der Erfolg von Kuhls Bemühen ist, wenig überraschend, dass ihm das Arbeitslosengeld gestrichen wird.

Thor Kunkel schildert diese Geschichte eines nach bürgerlichen Maßstäben gescheiterten Lebens im schwarzhumorig, geradlinigen Hardboiled-Tonfall. Er urteilt nicht über seine Charaktere. Er langweilt nicht mit weltbekehrender Sozialarbeiterprosa. Stattdessen wechselt er öfter – und sehr gelungen – in eine verknappte Drehbuchprosa. Immerhin sehen die glücklosen Kleingangster und Discofans Rio, Sonny und Kuhl ihr Leben als dreckiges B-Movie.

Ein dickes Dankeschön an „Pulp Master“-Herausgeber Frank Nowatzki für die Veröffentlichung von Thor Kunkels neuem Roman. Denn wenn „Kuhls Kosmos“ bei einem großen Verlag erschienen wäre, hätte ich es sehr wahrscheinlich nicht gelesen und so ein verdammt gutes Buch verpasst.

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Thor Kunkel: Kuhls Kosmos

Pulp Master, 2008

336 Seiten

13,80 Euro

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Hinweise

Homepage von Thor Kunkel

Wikipedia über Thor Kunkel


TV-Tipp für den 14. Mai: Mean Streets – Hexenkessel

Mai 14, 2009

Ein leicht verspätetes Geburtstagsgeschenk zu Harvey Keitels Geburtstag:


WDR, 23.15

Mean Streets – Hexenkessel (USA 1973, R.: Martin Scorsese)

Drehbuch: Martin Scorsese, Mardik Martin

New York, Lower East Side: Charlie versucht sich um seinen leicht durchgeknallten Kumpel Johnny Boy zu kümmern. Denn dieser verärgert mit seinen Eskapaden auch die Mafia.

Grandioses Frühwerk von Martin Scorsese und der Start von mehreren großen Karrieren.

„Mean Streets besteht vor allem aus einem Mosaik von Momentaufnahmen und Anekdoten; an Stelle einer kontinuierlichen Entwicklung herrscht die Kontinuität des Stillstands. Vielleicht ist das der Hauptgrund, warum Mean Streets so irritierend authentisch wirkt.“ (Hans Günther Pflaum in Peter W. Jansen/Wolfram Schütte [Hrsg.]: Martin Scorsese – Hanser Reihe Film 37, 1986)

Die größte Ironie bei dem Film ist, dass „Mean Streets“ untrennbar mit New York verbunden ist, obwohl, wegen des Geldes, die meisten Szenen nicht an Originalschauplätzen sondern in Los Angeles gedreht wurden

Mit Robert De Niro, Harvey Keitel, David Proval, Amy Robinson, Robert Carradine, David Carradine, Martin Scorsese (als Shorty, der Killer im Auto)

Hinweise

Wikipedia über „Mean Streets“

Süddeutsche Zeitung: Fritz Göttler über Harvey Keitel (13. Mai 2009)

FAZ: Michael Althen über Harvey Keitel (13. Mai 2009)

Die Welt: Gerhard Midding über Harvey Keitel (13. Mai 2009)


Kleinkram: Klönne über ihren Glauser-Roman, Compart über Verschiedenes, Weinman über Pelecanos, D’Amato über Preise – und Killer Covers

Mai 13, 2009

Gisa Klönne spricht über ihren mit dem Glauser ausgezeichneten Roman „Nacht ohne Schatten“, sagt aber nichts zum Preis. Verdächtig oft kommt dabei das Wort „Hass“ vor. Bei Morden ist es Frauenhass und, wenn’s um Prostitution geht, ist es Frauenverachtung. Hmhm; – mehr nach der Lektüre.

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Martin Compart haut auf unschuldige Politiker ein und hat Neuigkeiten zu seinem Roman  „Die Lucifer Connection“:

Wie mir Peter Hiess mitteilte, laufen die Vorbereitungen für den LUCIFER CONNECTION–Vorabdruck bei EVOLVER. Über die anschließende Veröffentlichung bei Book on Demand werde ich im Blog detailliert berichten.

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Sarah Weinman schreibt über den neuen Roman „The Way Home“ von George Pelecanos und verbindet das mit einem Rückblick auf seine vorherigen Bücher:

„The Way Home“ remains true to its titular purpose; as a result, the structure is perhaps less weighted toward a classic narrative arc and more toward the journey itself. As with his last two novels, Pelecanos demonstrates that redemption, if it comes at all, is hard-won.

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Barbara D’Amato vom The Outfit erzählt ein wenig über die Tätigkeit als Jurymitglied bei verschiedenen Buchpreisen und warum Preise so wichtig sind:

they all do one thing—give recognition to authors who might otherwise receive none. I don’t agree with the people who wish awards didn’t exist.

Deshalb poste ich hier auch so ausführlich so viele Nominierungslisten. Sie weisen auf Bücher und Autoren hin, die ich sonst vielleicht nicht kennen würde.

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Und es gibt Killer Covers aus den Suburbs.


TV-Tipp für den 13. Mai: Die Arbeitslosen von Marienthal

Mai 13, 2009

3sat, 21.05

Die Arbeitslosen von Marienthal (Aus 2009, R.: Günter Kaindlstorfer)

Drehbuch: Günter Kaindlstorfer

Knapp einstündige Doku über eine klassische soziologische Studie (Wie alle Klassiker: jeder Soziologiestudent hat von ihr gehört; jeder bestätigt die Wichtigkeit und niemand hat sie gelesen). In der empirischen Studie werden die Auswirkungen von Arbeitslosigkeit in dem Dorf Marienthal, das von einer einzigen, 1930 geschlossenen Textilfabrik abhängig war, geschildert.

Die Doku fragt, ob die Ergebnisse der Studie „Die Arbeitslosen von Marienthal – Ein soziographischer Versuch über die Wirkungen langandauernder Arbeitslosigkeit“ heute immer noch (oder wieder) relevant sind.

Fast im Anschluss gibt es um 22.25 Uhr „Einstweilen wird es Mittag“ (D/Aus 1988, R.: Karin Brandauer), die hmhm Verfilmung der Studie.

Wiederholungen

Donnerstag, 14. Mai, 04.30 Uhr (Taggenau!)

Dienstag, 2. Juni, 11.10 Uhr

Hinweise

3sat über die Doku

Wikipedia über die Studie „Die Arbeitslosen von Marienthal“ (jeweils mit weiterführenden Links)


Cover der Woche

Mai 12, 2009

Zeindler - Tarock


TV-Tipp für den 12. Mai: Diese Zwei sind nicht zu fassen

Mai 12, 2009

Tele 5, 20.15

Diese Zwei sind nicht zu fassen (USA 1986, R.: Peter Hyams)

Drehbuch: Gary DeVore, Jimmy Huston

Die Cops Ray Hughes und Danny Costanzo verbringen einen Zwangsurlaub in Florida. Dort reift ihr Entschluss, den Job im kalten Chicago hinzuschmeißen. Doch zuerst wollen sie in Chicago noch ihren Intimfeind, einen Drogenboss, fangen.

Typische 80er-Jahre Buddy-Komödie mit dummen Sprüchen und viel Action. Gerade für letzteres ist Peter Hyams, wenn das Genre stimmt, immer ein Garant.

Die zeitgenössische Kritik war nicht so begeistert: „Actionkomödie, die sich jedoch in ihre Bestandteile aufzulösen droht.“ (Fischer Film Almanach 1987) „Das Vergnügen an diesem Gangsterfilmjux hält sich in Grenzen, da die Witze, Sprüche und Actionszenen weder taufrisch noch besonders originell dafür in Discountmengen anfallen.“ (Zoom)

Mit Gregory Hines, Billy Cristal, Steven Bauer, Darlanne Fluegel, Joe Pantoliano, Dan Hedaya, Jimmy Smits


Peter Zeindler zwischen alten Damen und Agenten

Mai 11, 2009

Zeindler - Die MeisterpartieZeindler - Das SargbukettZeindler - Feuerprobe

Peter Zeindler, der am 18. Februar seinen 75. Geburtstag feierte, ist vor allem für seine Spionagethriller bekannt. Er wurde öfters mit seinem Vorbild John le Carré verglichen, er erhielt mehrere Preise und verschwand in den vergangenen Jahren aus den deutschen Buchhandlungen. Nicht, weil er keine neuen Bücher mehr veröffentlichte, sondern weil er diese Bücher bei Schweizer Verlagen (hauptsächlich Arche Literaturverlag) veröffentlichte. Erst mit den beiden bei Pendragon veröffentlichten Büchern „Das Sargbukett“ und „Die Meisterpartie“ kehrte er auf den hiesigen Buchmarkt zurück. Da trifft es sich gut, dass kürzlich auch seine Nachwendeagentengeschichte „Feuerprobe“ in der „Kriminellen Sittengeschichte Deutschlands“ wiederveröffentlicht wurde. Denn die beiden Pendragon-Bücher sind Zeindler-Untypisch.

„Die Meisterpartie“ enthält zwölf Kurzgeschichten, die mehr oder weniger Kriminalgeschichten sind. Er schreibt über immer wieder über Doppelagenten und die Versuche sie zu enttarnen; über Schriftsteller (so ist ein Schriftsteller als Vorleser auf einer Kreuzfahrt dabei und er verliebt sich in die falsche Frau; ein anderer möchte mit allen Mitteln, dass sein Werk von einem Großkritiker abgefeiert wird), über eine ältere Dame in den Fängen eines Bankbeamten (oder umgekehrt?), einen hilfsbereiten Lehrer-Kollegen (oder doch nicht?), einen hilfsbereiten Heimwerker (oder doch nicht?), einen Mann, der für seine Frau alles mit sich tun würde und über Ehefrauen, die an alles gedacht haben. Die oft ohne einen Mord auskommenden Geschichten zeigen, dass Zeindler mehr als ein Agentenroman-Autor ist. Sie sind witzig, ironisch, immer mit einem überraschenden Ende und meistens spielen sie unter Menschen, die, wie der Erzähler, ihre Lebensmitte bereits überschritten haben, teilweise schon in Rente sind und keine drängenden finanziellen Sorgen haben. „Die Meisterpartie“ ist eine ebenso angenehme Lektüre wie Zeindlers zweites Pendragon-Buch „Das Sargbukett“.

In dem sanften Rätselkrimi in der Tradition von Agatha Christie lässt er Sophie in einen Mordfall stolpern. Sie will ihren mal wieder verschwundenen dementen Mann Eugen aus einer Wirtschaft abholen. Doch er ist schon weg. Dafür entdeckt sie an seinem Platz ein Sargbukett und sie trifft einen vorlauten jungen Mann. Ihre Neugier, immerhin ist sie eine begeisterte Leserin der Abenteuer von Miss Marple, Hercule Poirot und Lord Peter Wimsey, ist geweckt. Zusammen mit dem jungen Mann als ihrem eher unfreiwilligen Begleiter und Fahrer (mit seiner Harley Davidson), will sie Herausfinden, warum ihr Mann das Sargbukett kaufte. Als sie auf der Beerdigung des vermögenden Bertram Senger eintreffen, ist Sophie nach einem Blick auf die Trauergemeinde überzeugt, dass der Verblichene ermordet wurde. Sie will – aus reiner Neugierde – den Mörder überführen.

„Das Sargbukett“ funktioniert vor allem als kurze Liebeserklärung an Miss Marple. Denn bevor allzuviel über die Logik der Geschichte nachgedacht und mitgerätselt werden kann, ist die Geschichte bereits schmunzelnd gelesen.

Direkt vor „Das Sargbukett“ veröffentlichte Peter Zeindler den mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichneten Agentenroman „Feuerprobe“. Allerdings ist „Feuerprobe“, besonders nach den kürzeren Texten, ein beeindruckend missratener Roman. Die Geschichte spielt während des Zusammenbruchs der DDR. Gerd Brenner spioniert als Agent für die DDR seit Jahrzehnten die Amerikaner in Ramstein aus. Doch jetzt weiß er nicht, wie es weitergehen soll. Ein Treffen mit seinem Instrukteur Fred geht schief. In Ramstein wird seine Informantin umgebracht, ein amerikanischer Soldat will ihn umbringen und Fred hat seiner Frau, vor einem tödlichen Autounfall, alles über sein Doppelleben erzählt. Die arrangiert sich beeindruckend schnell mit ihrem neuen Wissen und Brenner macht sich auf den Weg in die DDR.

Tja, und spätestens jetzt häufen sich die Fragen an die Motivation der Charaktere und die Wahrscheinlichkeit. Dass dabei einige Handlungsfäden ganz vergessen oder irgendwann wieder sehr lieblos aufgegriffen werden, verärgert zusätzlich.

Aber das Kernproblem von „Feuerprobe“ ist die Motivation des Erzählers Brenner. Denn während des Lesens und auch nach der Lektüre ist vollkommen unklar, was er erreichen will und inwiefern sein Handeln ihn näher an dieses Ziel bringt. So erscheinen alle seine Handlungen vollkommen beliebig und mehr oder weniger irrational. Denn nach dem missglückten Treffen in Zürich zieht er sich nicht, in der Hoffnung nicht enttarnt zu werden, in seine Tarnexistenz zurück. Er geht auch nicht zum Verfassungsschutz und bietet sich ihnen als Überläufer an. Stattdessen tut er alles, um auf sich Aufmerksam zu machen. Er setzt eine Meldung in die DDR ab, dass er nicht mehr als Agent arbeite (keine Ahnung warum) und fährt kurz darauf in die DDR (dito). Dort sucht er den echten Gerd Brenner. Denn die Identität des Erzählers ist selbstverständlich eine erfundene Identität, für die ein realer Name genommen wurde. Entgegen jeder Wahrscheinlichkeit, hat der echte Brenner bis vor wenigen Tagen noch quietschfidel in der DDR gelebt (Stellen Sie sich mal vor, der echte Brenner hätte Republikflucht begangen und an den deutschen Behörden wäre aufgefallen, dass sie schon einen Brenner haben.). Brenners Frau hüpft sofort mit dem Erzähler ins Bett und hilft ihm anschließend ohne zu Fragen bei seinen, teilweise illegalen, Taten. Der Erzähler setzt sich in ein Seminar seines genialen Ausbilders und  Führungsoffiziers und wird erstaunlich lange von ihm nicht erkannt. Später, um seine Tarnung, die im Wesentlichen aus gefärbten Haaren besteht, zu überprüfen setzt er sich wieder in das Seminar und wird – Oh Wunder! – nicht erkannt. Warum der Erzähler sich so in Gefahr begibt, ist vollkommen unklar. Es ist allerdings auch vollkommen unklar, was der Erzähler in der DDR will.

Wenn allerdings nicht klar ist, welches Ziel ein Charakter verfolgt, erscheinen alle seine Handlungen sinnlos und beliebig. Die Geschichte selbst langweilig und banal. Das ist, als ob man ein Kartenspiel beobachte, ohne die Regeln zu kennen.

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Peter Zeindler: Die Meisterpartie

Pendragon, 2009

160 Seiten

14,90 Euro

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Peter Zeindler: Das Sargbukett

Pendragon, 2009

160 Seiten

9,90 Euro

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Erstausgabe

Das Sargbukett oder Sophies erster Fall

Arche Literaturverlag, 1992

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Peter Zeindler: Feuerprobe

(Kriminelle Sittengeschichte Deutschlands, mit einem Porträt von Frank Göhre)

Edition Köln, 2008

336 Seiten

13,80 Euro

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Erstausgabe

Arche Literaturverlag, 1991

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Weitere Ausgaben

Goldmann, 1993

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Hinweise

Krimi-Couch über Peter Zeindler (Achtung: die Serieneinteilung ist falsch.)

Lexikon der deutschen Krimitautoren über Peter Zeindler

Toms Krimitreff über Peter Zeindler


Kleinkram: Jeffery Deaver redet, Killer Covers, Bloody Cover – und viel „Noir“

Mai 11, 2009

Gerade habe ich Jeffery Deavers neuen Roman „Der Täuscher“ (The broken window) verschlungen (ich werde ihn die Tage gebührend abfeiern), da entdecke ich diesen sehr informativen Blick in Deavers Schreibstube:

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Schon seit einigen Tagen gibt es das von J. Kingston Pierce als Nebenprojekt zum Rap Sheet betriebene Blog „Killer Covers“. Der Name ist selbstverständlich Programm.

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Tom Piccirilli versucht für einen Freund, mit zahlreichen Beispielen, die Frage „Was ist Noir?“ zu beantworten:

More than anything, I think that noir can be defined as a „date with doom.“ Characters know that they’re making mistakes, missteps, tempting fate, but for whatever reason they’re drawn to doing so anyway. Usually by a woman but not always. They step out of the average life and step into another life that they seem to have been destined for, a kind of surreal or hyper-real existence. (…)

That sense of fate, inevitability, highly romanticized-energized living before tragedy, the flame burning brighter before it burns out is the essence of noir, I think.

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„Noir of the Week“ widmet sich dem zeitgenössischeren Noir mit Arthur Penns Klassiker „Night Moves“ (Die heiße Spur, USA 1975) und John Baileys „China Moon“ (China Moon; Eine heiße Affäre, USA 1994).  Über diese fast unbekannte Videopremiere mit Ed Harris und Madeleine Stowe schreibt der Fischer Film Almanach: „Psychothriller à la ‚Bodyheat – die heißkalte Frau‘, der ein interessantes Wechselspiel zwischen prickelndem Liebesdrama und Thriller treibt.“

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Oh, und das „Bloody Cover“ (für das beste Titelbild für den Krimi eines deutschsprachigen Autors) ging an Renate Kampmanns „Fremder Schmerz“.


TV-Tipp für den 11. Mai: Nouvelle Vague – Außenansichten

Mai 11, 2009

Arte, 22.35

Nouvelle Vague – Außenansichten (Fr 2008, R.: Luc Lagier)

Drehbuch: Luc Lagier

Nach Francois Truffauts Debüt „Sie küssten und sie schlugen ihn“ (21.00 Uhr; unbedingt ansehen!) gibt es eine fast einstündige Doku über den Einfluss der Nouvelle Vague auf andere Filmemacher:

Die Dokumentation wirft zahlreiche Fragen auf, unter anderem auch über den internationalen Einfluss der Nouvelle Vague. Hat sich diese Art Filme zu machen international durchsetzen können? Wie hat sie das amerikanische Kino von den 70er Jahren bis heute beeinflusst? Wie haben amerikanische Regisseure die Nouvelle Vague rezipiert? Und warum haben französische Regisseure wie Truffaut, Godard und Resnais letztlich nie in den USA gedreht? Antworten auf diese Fragen soll ein Blick über den Ozean geben. In New York und Los Angeles kommen dazu Filmgrößen wie Sidney Lumet, Arthur Penn, Monte Hellman, William Friedkin, Paul Schrader, Robert Benton, DA Pennebaker, Jerry Schatzberg, Brian De Palma, James Gray und Wes Anderson zu Wort. (Arte über die Doku)

Wiederholung: Donnerstag, 28. Mai, 16.00 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Nouvelle Vague“

Movie College über „Nouvelle Vague“


Glauser-Preis 2009 vergeben

Mai 10, 2009

Das Syndikat hat auf der Criminale den diesjährigen Friedrich-Glauser-Preis 2009 an diese Werke vergeben:

Bester Roman

„Nacht ohne Schatten“, von Gisa Klönne

Bestes Debüt

„Der 13. Brief“, von Lucie Klassen

Bester Kurzkrimi

„Monopoly“, von Judith Merchant (aus „Money – Geschichten von schönen Scheinen“)

Hansjörg-Martin-Preis (bester Jugendkrimi)

„Blichtlichtgewitter“ von Christian Linker

Friedrich-Glauser-Ehrenpreis

Hans Werner Kettenbach

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Herzlichen Glückwunsch an alle Gewinner!

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Die Nominierten finden Sie hier; die Begründung der Jury hier.

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Schon witzig, die Preisvergabe. Da gab’s auf der Criminale eine sicher als Jammerveranstaltung geplante Diskussion, dass Frauen keine Preise erhielten und dann das: Frau gewinnt, Frau gewinnt, Frau gewinnt.


TV-Tipp für den 10. Mai: Zimmer frei! mit Klaus Doldinger

Mai 9, 2009

WDR, 22.30

Zimmer frei!

Klaus Doldinger bewirbt sich um das Zimmer in der WG von Götz Alsmann und Christine Westermann.

Muss ich wirklich etwas zu Doldinger sagen? Nun gut: Passport, das „Tatort“-Intro, die Musik zu „Einer von uns beiden“, „Das Boot“, „Die unendliche Geschichte“ undundund.

Hinweise

WDR über „Zimmer frei!“

Homepage von „Passport“ und Klaus Doldinger

Wikipedia über Klaus Doldinger

Klaus-Doldinger-Fanseite

Die Zeit: Interview mit Klaus Doldinger (6.  Dezember 2008)


Kleinkram: Martin Compart, Robert B. Parker, Michael Connelly, Online-Petition gegen Internetsperre

Mai 9, 2009

Martin Compart hat die Fortsetzung seines Debüt „Der Sodom-Kontrakt“ geschrieben und was er über „Die Lucifer Connection“ verrät, klingt verdammt gut.  Außerdem schreibt er schon an seinem dritten Roman. Weil es Ärger mit dem Verlag gab, überlegt Martin Compart jetzt, wie er die Geschichte veröffentlicht.

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Spenser-Erfinder Robert B. Parker bringt uns mal wieder auf den neuesten Stand mit seinen Veröffentlichungen (wie immer: viele in den kommenden Monaten), den Jesse-Stone-Verfilmungen und er hat auch eine erfreuliche Neuigkeit:

we are in negotiation for a remake of the SPENSER: FOR HIRE series to be produced by SONY/DREAMWORKS, and shown on TNT

Yeah, bei den ganzen CSI- und Polizeiserien („Monk“, „Psych“ und „The Mentalist“ sind alle Polizeiberater) vermisse ich schon seit langem eine richtige Privatdetektivserie.

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Michael Connelly verrät einiges über sein neues Buch „The Scarecrow“:

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Unser Wirtschaftsminister hat Probleme, seine Gedanken über die Internetsperre und die Unterzeichner der Petition in verständlichen Sätzen auszudrücken und macht stattdessen auf Dadaismus.

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Und jetzt ab zum Bundestag und die Online-Petition gegen die Internetsperre unterzeichnen. Die für eine Beratung notwendigen 50.000 sind schon geknackt. Das nächste Ziel ist 100.000 Unterzeichner.

Der Text:

Wir fordern, daß der Deutsche Bundestag die Änderung des Telemediengesetzes nach dem Gesetzentwurf des Bundeskabinetts vom 22.4.09 ablehnt. Wir halten das geplante Vorgehen, Internetseiten vom BKA indizieren & von den Providern sperren zu lassen, für undurchsichtig & unkontrollierbar, da die „Sperrlisten“ weder einsehbar sind noch genau festgelegt ist, nach welchen Kriterien Webseiten auf die Liste gesetzt werden. Wir sehen darin eine Gefährdung des Grundrechtes auf Informationsfreiheit.

Begründung

Das vornehmliche Ziel – Kinder zu schützen und sowohl ihren Mißbrauch, als auch die Verbreitung von Kinderpornografie, zu verhindern stellen wir dabei absolut nicht in Frage – im Gegenteil, es ist in unser aller Interesse. Dass die im Vorhaben vorgesehenen Maßnahmen dafür denkbar ungeeignet sind, wurde an vielen Stellen offengelegt und von Experten aus den unterschiedlichsten Bereichen mehrfach bestätigt. Eine Sperrung von Internetseiten hat so gut wie keinen nachweisbaren Einfluß auf die körperliche und seelische Unversehrtheit mißbrauchter Kinder.