TV-Tipp für den 12. März: 3satbuchzeit

März 12, 2009

3sat, 21.00

3satbuchzeit

Gert Scobel stürzt sich ins Messegewühl und berichtet fast live und direkt, zwischen johlenden Kindern und schweigenden Leseratten, von Deutschlands schönster Buchmesse. Bei ihm sind Gesine Schwan und Hubert Winkels.

Hinweise

Homepage der Leipziger Buchmesse

3sat-Seite zur Leipziger Buchmesse


Zitat des Tages: Felix Huby über das Schreiben

März 11, 2009

Ich setzte mich hin, habe den Anfang einer Geschichte, eines Films, eines Theaterstücks oder eines Hörspiels, und dann fangen die Figuren an zu agieren. Ich muss nur nachkommen mit dem Schreiben. Es ist oft so, dass ich an den Schreibtisch gehe, um überhaupt zu erfahren, wie es weitergeht. Für mich ist Schreiben ein bisschen wie lesen. Ich bin dann in einer Art Trancezustand, lebe mit meinen Figuren, die handeln, und ich schreibe es auf. Da kommt es schon mal vor, dass ich 30 oder 35 Seiten am Tag schreibe, ohne Mühe, ohne irgendwelche Nöte.

Felix Huby

in „Felix Huby – Fast wie von selbst (Ein Gespräch mit Dieter de Lazzer)

Verlag der Autoren, 2008, S. 82


TV-Tipp für den 11. März: Harlem Action – Eine schwarze Komödie

März 11, 2009

Tele 5, 22.25

Harlem Action – Eine scharze Komödie (USA 1991, R.: Bill Duke)

Drehbuch: John Toles-Bey, Bobby Crawford

LV: Chester Himes: A rage in Harlem, 1957 (auch bekannt als „For Love of Imabelle“, „The Five-Cornered Square“, in Deutschland „Die Geldmacher von Harlem“)

Musik: Elmer Bernstein

Harlem, 50er Jahre: Alle suchen, meist mit drastischen Methoden, einen Koffer Gold und der fromme, naive Leichenbestatter verknallt sich in die Gangsterbraut Imabelle.

„A rage in Harlem“ war das erste Abenteuer des Polizisten Grave Digger und Coffin Ed – hier noch als Nebenfiguren.

Die Verfilmung ist unterhaltsam als vulgäre Crime-Sex-Mixtur, die sich selbst nicht besonders ernst nimmt.

Mit Forest Whitaker, Gregory Hines, Robin Givens, Danny Glover

Wiederholung: Samstag, 14. März, 02.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über Chester Himes (deutsch, englisch)

detnovel über Chester Himes



Harry Bosch ermittelt im „Echo Park“ und Michael Connelly liest in Deutschland

März 10, 2009

connelly-echo-park

In „Kalter Tod“ wurde Michael Connellys Serienheld Harry Bosch öfters auf die Ereignisse im Echo Park angesprochen und seine Beziehung zur FBI-Agentin Rachel Walling ging in die Brüche. Jetzt erfahren wir, was in „Echo Park“ geschah.

Harry Bosch arbeitet immer noch zusammen mit Kiz Rider in der Abteilung Offen-Ungelöst. Da erhält er einen Anruf von Freddy Olivas vom Morddezernat Northeast. Er sucht die Akte zu einem Mordfall von 1993. Damals ermittelte Harry Bosch im Fall der spurlos verschwundenen Marie Gesto. Von ihr wurden in einer Garage in dem High-Tower-Apartmentkomplex in einem Auto ihre fein säuberlich zusammengelegten Kleider gefunden. Von ihrem Mörder gab es keine Spur und ihre Leiche wurde nie gefunden. Bosch nahm sich in den vergangenen Jahren den Fall immer wieder vor, kopierte für seinen kurzzeitigen Ruhestand die Akte und hat sie auch jetzt wieder auf seinem Schreibtisch liegen, um sie wieder einmal zu lesen und den Spuren nachzugehen. Er hat zwar schon lange einen Verdächtigen, aber keine Beweise gegen Anthony Garland, den Sohn des Ölmagnaten Thomas Rex Garland.

Olivas will die Akte für Staatsanwalt Rick O’Shea. Er klagt Raynard Waits an. Dieser wurde von einer Streife zufällig angehalten. Sie entdeckten in mehreren Plastiktüten Teile von zerstückelten Menschen. Damit ist der eiskalte Psychopath Waits ein sicherer Kandidat für den elektrischen Stuhl. Über seinen Anwalt Maurice Swann bietet Waits O’Shea ein Geständnis zu neun weiteren Morden an, wenn dafür die Todesstrafe nicht beantragt wird. Eines der neun Opfer war Marie Gesto.

O’Shea ist bereit, wenn sich die Informationen von Waits als zuverlässig herausstellen, den Deal einzugehen. Zähneknirschend willigt Bosch ein. Zusammen mit Kiz Rider beginnen sie Waits zu überprüfen. Dabei vermuten sie schnell, dass Waits ein Pseudonym ist.

Noch vor dem ersten Verhör mit Waits erfährt Bosch von Olivas, dass Waits sich während der Ermittlungen im Mordfall Gesto bei der Polizei meldete und er diese Spur nicht verfolgte. Bosch fragt sich, ob er damals einen fatalen Fehler begangen hat.

Nach dem Verhör verlangen die Ermittler von Waits, dass er sie zu der Leiche von Marie Gesto führt. Während dieser Ortsbesichtigung gelingt es Waits zu flüchten. Dabei bringt er Olivas um und verletzt Kiz Rider schwer.

Der zwölfte Harry-Bosch-Roman „Echo Park“ ist, gemessen an dem hohen Standard der Werke von Michael Connelly, eine etwas enttäuschende Angelegenheit. Denn die in großen Teilen vorhersehbare Lösung lässt einige wichtige Fragen offen und erscheint deshalb unlogisch. Außerdem wird, weil im Mittelpunkt von Harry Boschs Aufmerksamkeit der Mordfall Marie Gesto steht, auf die anderen Morde von Raynard Waits, außer auf seinen ersten Mord, überhaupt nicht eingegangen.

Davon abgesehen erzählt Connelly die Geschichte in seinem gewohnt sachlich-ruhigen Stil. Die Spannung erwächst dabei weniger aus überraschenden Plotwendungen. Dafür sind einige, wie die Flucht von Waits während der Ortsbesichtigung, zu absehbar (Umgekehrt ist diese Szene ein schönes Beispiel für den Aufbau von Spannung. Denn natürlich erwarten wir von Anfang an, dass Waits einen Fluchtversuch unternimmt. Aber zuerst ist er nur der hilfsbereite, gefesselte Angeklagte.). Bei Connelly erwächst die Spannung immer aus der detaillierten Beschreibung der Ermittlungen, die sich fast in Echtzeit entfalten, den lebensnahen Charakteren (mit dem einsamen Wolf Harry Bosch im Zentrum) und den moralischen Dilemma, die sie zu harten Entscheidungen zwingen. Dazu gehört die Entscheidung, ob Waits durch das Gestehen von mehreren Morden seine Strafe reduzieren kann, und, am Ende, mehrere von Harry Bosch durchaus bewusst heraufbeschworene tödliche Konfrontationen. Bosch war zwar noch nie ein Paragraphenreiter, aber kurz vor seiner Pensionierung legt er die Regeln noch lockerer aus.

Aber auch ein schwächeres Harry-Bosch-Abenteuer ist immer noch ein spannender Polizeithriller.

Insider-Hinweis: Achten Sie auf die Namen auf Seite 245 oben.

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Michael Connelly: Echo Park

(übersetzt von Sepp Leeb)

Heyne Verlag, 2009

464 Seiten

19,95 Euro

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Originalausgabe

Echo Park

Little, Brown and Company, 2006

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Michael Connelly besucht Deutschland

KÖLN

Donnerstag, 12. März, 19:30 Uhr

Polizeipräsidium Kalk · Walter-Pauli-Ring 2-4

Moderation: Margarete von Schwarzkopf

Eine Veranstaltung im Rahmen der Lit.Cologne

BERLIN

Freitag, 13. März, 20:00 Uhr

Festsaal Kreuzberg, Skalitzer Str. 130

Moderation: Regula Venske

Eine Veranstaltung in Zusammenarbeit mit der Krimibuchhandlung Hammett (Vorverkauf: 030 / 691 58 34)

LEIPZIG

Samstag, 14. März, 18:00 Uhr

Krautgarden: leipzig.liest.amerika ·

Spinnwerk in der Baumwollspinnerei Leipzig ·

Moderiertes Autorengespräch

Samstag, 14. März, 21:00 Uhr

Theater Fact, Hainstraße 1 ·

Moderation: Regula Venske

Zwei Veranstaltungen im Rahmen der Leipziger Buchmesse

MÜNCHEN

Sonntag, 15. März, 20:00 Uhr

Beach 38°, Friedenstr. 22c

Moderation: Regula Venske

Eine Veranstaltung im Rahmen des Münchener Krimifestivals

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Hinweise

Homepage von Michael Connelly

Michael Connelly in der Kriminalakte (Interviews, Verfilmung des Anfangs von „Echo Park“, undsoweiter)

Meine Besprechung von Michael Connellys „The Lincoln Lawyer“ (2005, deutscher Titel: Der Mandant)

Meine Besprechung von Michael Connellys „Vergessene Stimmen“ (The Closers, 2005)

Meine Besprechung von Michael Connellys “L. A. Crime Report” (Crime Beat, 2004)

Meine Besprechung von Michael Connellys “Kalter Tod” (The Overlook, 2007)


Cover der Woche

März 10, 2009

connelly-schwarzes-echo


TV-Tipp für den 10. März: Der einsame Job

März 10, 2009

Das Vierte, 03.00

Der einsame Job (USA 1975, R.: Milton Katselas)

Drehbuch: Abby Mann, Ernest Tidyman

LV: James Mills: Report to the Commissioner, 1972

Ein junger Polizist wird als Undercover-Agent gegen Drogenhändler eingesetzt. Als er sieht, wie Kollegen eine junge Frau laufen lassen, beginnt er sie zu verfolgen. Er ahnt nicht, dass sie ebenfalls eine Undercover-Agentin ist.

Der Polizeithriller bewegt sich gelungen in den damals üblichen Genreregeln: auch heute noch rasante Action-Szenen, viele dokumentarische Aufnahmen und eine vehemente Anklage gegen die Korruption innerhalb der Polizei und deren fragwürdigen Methoden der Kriminalitätsbekämpfung. „Der einsame Job“ ist kein Klassiker, aber einen Blick wert.

Mit Michael Moriarty, Susan Blakely, Yaphet Kotto, Hector Elizondo, Dana Elcar, Bob Balaban (als Robert Balaban), William Devane, Stephen Elliott, Richard Gere (erster Kinoauftritt)


Die Glauser-Nominierungen 2009

März 9, 2009

Das Syndikat hat für den diesjährigen Friedrich-Glauser-Pries folgende Kriminalgeschichten nominiert

Bester Roman

– Rob Alef – Das magische Jahr, Rotbuch

– Wilfried Eggers – Paragraph 301, Grafit

– Bernhard Jaumann – Die Augen der Medusa, Aufbau

– Gisa Klönne – Nacht ohne Schatten, Ullstein

– Heinrich Steinfest – Mariaschwarz, Piper

Bestes Debüt

– Lucie Klassen – Der 13. Brief, Grafit

– Oliver Pötzsch – Die Henkerstochter, Ullstein

– Jochen Rausch – Restlicht, KiWi

– Linus Reichlin – Die Sehnsucht der Atome, Eichborn

– Amaryllis Sommerer – Selmas Zeichen, Milena

Beste Kurzgeschichte

– Sebastian Fitzek – Alles für Bergkamen (in: “Mord am Hellweg IV”, grafit)

– Sandra Lüpkes – Das Gewissen von Werl (in: “Mord am Hellweg IV”, grafit)

– Jörg Juretzka – Die Matraze von Uentrop (in: “Mord am Hellweg IV”, grafit)

– Hans Forster – Himmel und Hölle (in: “Im Kreis der Familie”, Fischer TB)

– Judith Merchant – Monopoly (in: “Money. Geschichten von schönen Scheinen”, Verlag J. Heyn)

Der Friedrich-Glauser-Ehrenpreis 2009 wird dem Kölner Kriminalschriftsteller

Hans-Werner Kettenbach

für seine Verdienste um die deutschsprachige Kriminalliteratur zuerkannt.

Außerdem wurden folgende Romane für den Hansjörg-Martin-Preis 2009 (Kinder- und Jugendkrimi) nominiert:

– Robert Brack – Kai und die Weihnachtsdiebe, Carlsen

– Olaf Büttner – Die letzte Party, Sauerländer

– Franziska Gehm – Der Tote im Dorfteich, Sauerländer

– Marjaleena Lembcke – Der Mann auf dem roten Felsen, Nagel & Kimche

– Christian Linker – Blitzlichtgewitter, dtv

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Herzlichen Glückwunsch an alle Nominierten!

Der Preis wird auf der Criminale am Samstag, den 9. Mai, auf der Tango Criminale in der Stadthalle Singen verliehen.

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Zu den meisten Romanen kann ich, weil ich sie nicht gelesen habe, nichts sagen. „Paragraph 301“ habe ich angefangen, aber nach siebzig Seiten gelangweilt weggelegt. Von den meisten Debütanten hab ich noch nichts gehört (und ich dachte immer, dass ich gut informiert sei, aber die Glauser-Nominierungen belehren mich immer eines bessere). Besser sieht es, weil ich den „Mord am Hellweg IV“ gelesen habe, bei den Kurzkrimis aus. Fitzek und Juretzka rocken.


Erste Eindrücke: „Gefährliche Nachbarn“, „Felix Huby – Fast wie von selbst“, „Scenario 3“, „Trimmels letzter Fall“

März 9, 2009

Gefährliche Nachbarn ist der zweibändige offizielle Sammelband zur diesjährigen Criminale in Singen und Umgebung. Die Geschichten des einen Bandes spielen in Deutschland, die des anderen Bandes in der Schweiz und auf dem Bodensee spielt keine Geschichte. Geschrieben wurden die 42 Kurzgeschichten von bekannten Autoren wie Felix Huby, -ky, Peter Zeindler, Sam Jaun, Heinrich Steinfest, Gunter Gerlach, Doris Gercke und Horst Eckert.

Das klingt schon mal ganz gut.

Aber der Gmeiner Verlag hat nicht einfach die Geschichten hintereinander geklatscht, sondern jeder Autor hat eine kleine Einleitung zu seiner Geschichte geschrieben und es gibt Karten und Wissenswertes über die Handlungsorte.

Damit sind die beiden Kurzgeschichtenbände auch als rudimentäre Reiseführer geeignet und wir erfahren etwas über die Hintergründe der Geschichten.

Vorbildlich; – andere Herausgeber von Kurzgeschichtenbänden sollten diesem Beispiel nacheifern.

Barbara Grieshaber/Siegmund Kopitzki (Hrsg.): Gefährliche Nachbarn (D)

Gmeiner Verlag, 2009

336 Seiten

9,90 Euro

Paul Ott (Hrsg.): Gefährliche Nachbarn (CH)

Gmeiner Verlag, 2009

336 Seiten

9,90

(Zusammen, mit einem Polizeiabsperrung-Bändchen 18,90)

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Felix Huby – „Fast wie von selbst“ könnte auch „Fast eine Biographie“ heißen. In dem Interview erzählt Huby von seiner Jugend, seinen Anfängen als Journalist, den ersten Bienzle-Romanen und seiner Arbeit für das Fernsehen. Bei einem ersten Blättern durch das Interview steigt die Lust zum Lesen. Denn Huby hat einiges zu erzählen. Gut ist auch, dass es am Ende ein ausführliches Register gibt. Schade ist, dass Biblio- und Filmographie unvollständig sind. Da muss dann doch auf verschiedene Quellen im Internet zugegriffen werden.

Ebenfalls schade, aber aus finanziellen Erwägungen nachvollziehbar, ist der Verzicht auf Bilder.

Unverzeihlich ist dagegen, dass es keine Kurzbiographie des Interviewers gibt.

Felix Huby: Fast wie von selbst (Ein Gespräch mit Dieter de Lazzer)

Verlag der Autoren, 2008

176 Seiten

16,– Euro

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Scenario 3: Das jährlich erscheinende Kompendium über Drehbücher und vor allem für Drehbuchautoren geht in die dritte Runde. Am bewährten Layout mit den vielen Bildern und der informativen Randspalte wurde nichts geändert. Ebenso wurden die Kategorien beibehalten. Es beginnt mit einem ausführlichen Interview mit dem Drehbuchautor und Regisseur Chris Kraus (Scherbentanz, Vier Minuten) und endet mit dem „Drehbuch des Jahres“; der Preis wird jährlich vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien für das beste nicht verfilmte Drehbuch vergeben. Dieses Jahr ist es „Das zweite Leben des Häuslers Stöckler“ von Klaus Krämer.

Dazwischen gibt es mehrere Texte über regieführende Autoren. Unter anderem von Fred Breinersdorfer über seine Erfahrungen als Regisseur und Lars-Olav Beier über amerikanische Top-Autoren, die Regisseure wurden. Peter Schneider (Messer im Kopf, Der Mann auf der Mauer) schreibt über sein vergangenes Jahr. Es gibt die „Splitter einer Geschichte des Drehbuch“ und einige Buchbesprechungen. Unter anderem über die Bücher von David Mamet.

Jochen Brunow (Hrsg.): Scenario 3 – Film- und Drehbuch-Almanach

Bertz + Fischer, 2009

328 Seiten

19,90 Euro

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Trimmels letzter Fall: Eigentlich habe ich schon nicht mehr an einen neuen Trimmel-Roman geglaubt. 1982 erschien mit „Trimmel und das Finanzamt“ der letzte Trimmel-Roman. Danach veröffentlichte Friedhelm Werremeier keine Romane mehr. Aber das Gerücht, dass er an einem neuen Trimmel-Roman arbeite, hielt sich hartnäckig.

Jetzt ist er draußen und ich bin gespannt, ob „Trimmels letzter Fall“ ein grandioser Epilog zu einer der großen deutschen Krimiserien oder ein enttäuschender Nachschlag ist.

Ein Lob verdient der Pendragon-Verlag schon vor der Lektüre. Das Buch enthält ein ausführliches Nachwort von Frank Göhre über die Trimmel-Romane.

(Hinweis: Bis auf „Taxi nach Leipzig“ sind die Romane nur noch antiquarisch erhältlich. Aber dort sind sie gut erhältlich.)

Friedhelm Werremeier: Trimmels letzter Fall

Pendragon Verlag, 2009

232 Seiten

9,90 Euro

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Vier (oder fünf?) Bücher, die alle einen sehr positiven ersten Eindruck hinterlassen haben. Genaueres gibt es nach der Lektüre.


TV-Tipp für den 9. März: Bienzle und der Taximord

März 9, 2009

NDR, 21.00

TATORT: Bienzle und der Taximord (D 2003, R.: Hans-Christian Blumenberg)

Drehbuch: Felix Huby

In Stuttgart werden zwei Taxifahrer ermordet. Bienzle ermittelt bei einer attraktiven Taxiunternehmerin und ihrem biestigen Konkurrenten.

Einer der besseren Bienzles der späten Jahre.

Mit Dietz Werner Steck, Rüdiger Wandel, Rita Russek, Katrin Saß, Christian Redl

Hinweise

Homepage von Felix Huby

Lexikon deutscher Kriminalautoren über Felix Huby (Stand: Januar 2007)

Planet Interview: Gespräch mit Felix Huby (21. Dezember 2008)

Tatort-Fundus über Bienzle


TV-Tipp für den 8. März: Lord of War

März 8, 2009

RTL, 20.15

Lord of War – Händler des Todes (USA 2005, R.: Andrew Niccol)

Drehbuch: Andrew Niccol

There are over 550 million firearms in worldwide circulation. That’s one firearm for every twelve people on the planet. The only question is: How do we arm the other 11? (Yuri Orlov)

Einer der wenigen ansehbaren Nicolas-Cage-Filme, die der Schauspieler in diesem Jahrzehnt drehte. Dafür sammelte er in den vergangenen Jahren Razzie-Nominierungen.

In der knalligen Satire „Lord of War – Händler des Todes“ spielt er Yuri Orlov, einen Waffenhändler, der ungefähr jeden Potentaten der Nach-Kalter-Kriegs-Welt mit Waffen beliefert. Der Film erzählt in kurzen Episoden die Geschichte seines märchenhaften Aufstiegs von den Hinterhöfen Little Odessas in die Hinterhöfe der Weltpolitik. Denn mit dem illegalen Waffenhandel kann viel Geld verdient werden.

That was intentional, just to be a little subversive and make almost like a ‚how-to‘ film – how to be an arms dealer – and I thought that would be a more interesting way into it than a typical story structure. (Andrew Niccol)

Mit Nicholas Cage, Jared Leto, Bridget Moynahan, Ian Holm, Ethan Hawke

Wiederholung: Montag, 9. März, 01.00 Uhr (Taggenau! – wegen der FSK-16-Freigabe dürfte dann die Kinoversion laufen)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über “Lord of War”

Drehbuch „Lord of War“ von Andrew Niccol

Moviefreak: Interview mit Andrew Niccol

IGN: Interview mit Andrew Niccol

Spike: Andrew Niccol redet über „Lord of War“


Die intimen Geständnisse der Herren Connelly, Harvey, Hiaasen und Huston

März 7, 2009

Als Vor- oder Nachbereitung zu den gerade erschienenen Büchern und demnächst stattfindenden Lesereisen:

Michael Connelly redet mit Stacey Cochran

Michael Connelly redet mit Stephen Usery (WYPL Book Talk; Anlass war immer sein neuer Roman „The Brass Verdict“)

John Harvey redet mit Otto Penzler (auf der  Bouchercon 2008)

Carl Hiaasen redet mit Stacey Cochran (über sein neues Jugendbuch „Scat“, Februar 2009)

und Charlie Huston sitzt in einem Diner (und redet über seinen neuen Roman „The Mystic Art of Erasing All Signs of Death“)


TV-Tipp für den 7. März: 2001 – Odyssee im Weltraum, Lolita

März 7, 2009

Zum zehnten Todestag von Stanley Kubrick

Tele 5, 20.15

2001: Odyssee im Weltraum (GB 1968, R.: Stanley Kubrick)

Drehbuch: Stanley Kubrick, Arthur C. Clarke

LV: Arthur C. Clarke: The Sentinel (1950, Kurzgeschichte)

Buch zum Film: Arthur C. Clarke: 2001: A Space Odyssey, 1968 (2001 – Odyssee im Weltraum)

Buch über den Dreh: Arthur C. Clarke: The Lost Worlds of 2001, 1972 (2001: Aufbruch zu verlorenen Welten – Das Logbuch der Kapitäne Clarke und Kubrick)

Ein Raumschiff wird, weil ein Monolith auf dem Mond Signale zum Jupiter schickt, dorthin geschickt. Auf der Reise entwickelt der Bordcomputer HAL ein Eigenleben.

Ein S-F-Klassiker, der eigentlich ins Kino gehört.

Mit Keir Dullea, Gary Lockwood, William Sylvester, Daniel Richter

Wiederholung: Sonntag, 8. März, 10.10 Uhr

Hinweise

Kubrick: 2001: The Space Odyssey Explained

Kriminalakte: Nachruf auf Arthur C. Clarke

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MDR, 00.20

Lolita (GB/USA 1962, R.: Stanley Kubrick)

Drehbuch: Vladimir Nabokov, Stanley Kubrick (ungenannt)

LV: Vladimir Nabokov: Lolita, 1955 (Lolita)

Ein Prof verliebt sich in die pubertierende Tochter seiner Vermieterin.

Ein Drama-Klassiker mit einer gehörigen Portion schwarzem Humor, nach einem Bestseller.

Mit James Mason, Shelley Winters, Sue Lyon, Pete Sellers, Lois Maxwell

Hinweis

Arte: Lars Penning über „Lolita“


Übersetzen? Sean Chercover: Big City, Bad Blood

März 6, 2009

chercover-big-city-bad-blood

Vergangenes Jahr war Sean Chercovers Debüt “Big City, Bad Blood” für den ITW Thriller Award, Anthony Award, Arthur Ellis Award und Barry Award nominiert und gewann, in der Kategorie „Bestes Debüt“, den Shamus Award, Gumshoe Award, Crimespree Award und Lovey Award. Zahlreiche Kollegen, wie Steve Hamilton, G. M. Ford und Ken Bruen, lobten das Buch. Bei soviel Vorablob steigen die Erwartungen natürlich ins unermessliche und, sicher auch um nicht enttäuscht zu werden, lag „Big City, Bad Blood“ lange auf dem Zu-Lesen-Stapel.

Nachdem ich in der lesenswerten, von Lee Child herausgegebenen Anthologie „Killer Year“ Sean Chercovers Kurzgeschichte „One Serving of Bad Luck“ gelesen hatte, nahm ich mir ohne auch nur noch eine Sekunde zu zögern seinen Debütroman „Big City, Bad Blood“ vor. In ihm soll der Chicagoer Privatdetektiv Ray Dudgeon den Hollywood-Location-Scout Bob Loniski beschützen. Loniski mietete von Frank DiMarco für einen Filmdreh Räume. Während des Drehs tauchte der rechtmäßige Besitzer auf und der von DiMarco eingefädelte Schwindel flog auf. Es wurde Anklage erhoben. Loniski erklärte sich bereit vor Gericht auszusagen. Loniski erhielt eine Morddrohung und wenn DiMarco nicht lose Verbindungen zur heimischen Mafia (die sich in Chicago Outfit nennt) hätte, würde Ray Dudgeon den Auftrag, einen Hollywoodtypen vor einem drittklassigem Gauner zu schützen, sofort annehmen.

Nachdem der wichtige Mafiaboss Johnny Greico Ray Dudgeon versichert, dass DiMarco nicht von der Mafia beschützt wird, übernimmt Dudgeon den Auftrag. Zu spät erkennt er, dass er zufällig zwischen die Fronten eines beginnenden Krieges innerhalb der Mafia geraten ist.

In „Big City, Bad Blood“ betritt mit Ray Dudgeon ein Privatdetektiv die Bühne, der in weiten Teilen dem bekannten Bild des Privatdetektivs entspricht. Er verdient nicht viel, seine Wohnung ist retro, er liebt Jazz, schöne Frauen und Autos (was bei seinem Besuch in Hollywood und der Nacht mit Virginia Lane eine sehr feuchte Verbindung eingeht) und er hat einen starken Sinn für Gerechtigkeit. Deshalb gab er seine Karriere als Reporter auf. Neuer ist dagegen, dass er Probleme mit seiner Freundin hat und, nachdem Loniski ermordet wird, alles für eine Flucht vorbereitet. Auf den Gedanken, vor der Mafia zu flüchten, wären Marlowe, Hammer und Spenser niemals gekommen. Aber genau wie seine literarischen Vorbilder beginnt Dudgeon die verschiedenen Verbrecher und sie beobachtenden staatlichen Institutionen gegeneinander auszuspielen und moralisch fragwürdige Koalitionen einzugehen.

Chercover erzählt diesen verwickelten Plot mit ruhiger Hand, präzisen Beobachtungen der in Chicago und Hollywood lebenden Menschen und einem fast nicht vorhanden Rätselteil. Dafür ist „Big City, Bad Blood“ dann zu sehr ein Thriller, bei dem Menschen, ihre Probleme und realistische Lösungen im Vordergrund stehen. Denn Ray Dudgeon ist kein Spenser-Klon, der unerschrocken einer Hundertschaft bewaffneter Mafiosi gegenübertritt und den Kampf ohne eine Schramme überlebt.

Sean Chercovers „Big City, Bad Blood“ ist er gelungene Einstand eines neuen Privatdetektivs auf der literarischen Bühne. Vor kurzem erschien in den USA der zweite Ray-Dudgeon-Roman „Trigger City“. Auch dieser Roman wurde in der amerikanischen Krimiszene breit abgefeiert.

„Big City, Bad Blood“ sollte unbedingt übersetzt und Sean Chercover deutschen Krimifans nicht länger vorenthalten werden.

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Sean Chercover: Big City, Bad Blood

Harper, 2008

352 Seiten

7,99 $

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Erstausgabe

William Morrow, 2007

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Hinweise

Homepage von Sean Chercover

The Outfit (Blog von mehreren in Chicago lebenden Autoren)


TV-Tipp für den 6. März: Tödliche Fragen

März 6, 2009

3sat, 22.25

Tödliche Fragen (USA 1990, R.: Sidney Lumet)

Drehbuch: Sidney Lumet

LV: Edwin Torres: Questions and Answers (Tödliche Fragen)

Ein Polizist erschießt einen Drogenhändler. Ein junger Anwalt ermittelt. Und Lumet vermißt wieder sein vertrautes Territorium von Gerechtigkeit und Korruption im amerikanischen Justizsystem: „Seit seinem klassischen Gerichtsfilm ´Die zwölf Geschworenen´ (1957) hat sich Sidney Lumet immer wieder mit dem Thema der Gerechtigkeit auseinandergesetzt. In seinem jüngsten Thriller, in dem Nick Nolte als irischstämmiger Polizist und verbohrter Law & Order-Fanatiker auftrumpft, vermittelt Lumet allerdings eine recht pessimistische Botschaft: Recht und Gerechtigkeit haben in einer von Rassismus und Korruption verseuchten Gesellschaft keine Chance mehr.“ (Fischer Film Almanach 1991)

Grandioser Cop-Thriller mit Nick Nolte, Timothy Hutton, Armand Assante, Patrick O´Neal, Luis Guzman

Hinweis

Wikipedia über Edwin Torres


Watchmen: Vor dem Film war der Comic

März 5, 2009

moore-gibbons-watchmen

Das Time Magazine nahm „Watchmen“ von Autor Alan Moore und Zeichner Dave Gibbons als einzigen Comic in die Liste der hundert wichtigsten Romane des zwanzigsten Jahrhunderts auf. Mit dieser fast hochkulturellen Adelung wurde eine Art des Geschichtenerzählens in den literarischen Kanon aufgenommen, die in Deutschland immer noch ein Schattendasein führt. Daran dürfte auch die jetzt anlaufende „Watchmen“-Verfilmung von Zack Snyder wenig ändern. Immerhin sind gut drei Stunden Kino mit Superhelden und Actionszenen eher etwas für ein jüngeres Multiplex-Publikum, während das bildungsbürgerliche Arthouse-Publikum die Romanverfilmungen „Der Vorleser“ oder „Effi Briest“ genießt. Dabei könnten auch sie in „Watchmen“ einiges entdecken.

Denn Alan Moore und Dave Gibbons stellen in dem zwölfteiligen Comic „Watchmen“ zuerst einmal das Superhelden-Genre vom Kopf auf die Füße. Moore fragte sich, wie den die Wirklichkeit aussähe, wenn wirklich verkleidete Männer Verbrecher gejagt hätten. Danach erfand er eine Alternativwelt, in der die USA den Vietnamkrieg gewonnen haben, Watergate nicht entdeckt wurde und Präsident Nixon Mitte der Achtziger noch im Amt ist. Gespiegelt werden die Erlebnisse der sich größtenteils im Ruhestand befindenden Superhelden in einem Piratencomic. Ergänzt werden die zwölf Comichefte von vertiefenden Texten, wie Autobiographien, Interviews und Briefwechsel der verschiedenen Charaktere. So entsteht langsam das Bild einer Welt, die sich nur in Teilen von unserer Welt (naja, genaugenommen unserer Welt vor gut 25 Jahren) unterscheidet.

Und wie in vielen Science-Fiction-Werken ist der Plot nur das Skelett für das Vorstellen der erfundenen Welt. Die Dramaturgie der Comichefte führt zu einer ähnlich episodischen Struktur, wie sie inzwischen auch öfters in TV-Serien verwandt wird. Im S-F-Genre wären das „Lost“, „Battlestar Galactica“, „Heroes“ und auch „Terminator: S. C. C.“. Die Hauptgeschichte, die Suche von Rohrschach nach dem Hintermann einer Verschwörung gegen die sich nach dem Keene-Erlass in den Ruhe zurückgezogenen Superhelden, bewegt sich manchmal kaum voran. Dann nehmen die Biographien der Superhelden, ihre Beziehung zueinander und die moralischen Fragen ihres Handelns einen breiten, teilweise heftfüllenden Raum ein. Denn Alan Moore hat, wie in den TV-Serien, als das erste „Watchmen“-Heft erschien die letzten Hefte noch nicht geschrieben und so entstand aus einer Mischung aus Improvisation und Planung ein dichtes Epos, das zugleich Abgesang, Liebeserklärung und Würdigung eines uramerikanischen Genres ist.

Auffallend ist daher, wie konsequent die verschiedenen Plots aufeinander bezogen sind und auch Nebenfiguren, wie der Zeitungsverkäufer, immer wiederkehren und wie sehr sich die einzelnen Plots und Charaktere immer wieder auf verschiedenen Ebenen spiegeln. Gleichzeitig wurden einige formale Elemente von Anfang an durchgehalten und erzeugen so das Gefühl einer in sich geschlossenen Welt. Weil „Watchmen“ von Anfang an auf zwölf Hefte festgelegt wurde, die Geschichte der Verschwörung nur in einer Katastrophe (oder eben dem Abwenden der Katastrophe in letzter Minute) enden kann und die Weltsicht düster ist, wurde der Countdown bereits auf der ersten Seite des ersten Heftes mit einer analogen Uhr, die auf zwölf Minuten vor Zwölf steht, eingeleitet. Jedes Heft beginnt mit dieser Uhr, dessen kleiner Zeiger sich mit jedem Heft immer eine Minute der vollen Stunde nähert. Gleichzeitig beginnt Blut von oben in das Bild zu fließen, bis um zwölf Uhr die Uhr von Blut verdeckt wird. Viele weitere Beispiele sind einfach zu finden und würden teilweise einige Plotwendungen der Geschichte verraten.

„Watchmen“ ist eine großartige Graphic Novel, die auf vielen Ebenen funktioniert und so erwachsen und politisch ist, wie es ein kindliches Genre (Männer in Kostümen! Quasi-allmächtige, teilweise mit Superkräften ausgestattete, über dem Gesetz stehende Verbrechensbekämpfer!) überhaupt sein kann, ohne seine Unschuld vollkommen zu verlieren. Auf diesem schmalen Grad wandelten Alan Moore und Dave Gibbons Mitte der Achtziger äußert gelungen, stopften gleichzeitig noch so viele literarische und politische Anspielungen hinein, dass auch die intellektuellen Leser und Literaturwissenschaftler genug Interpretationsfutter hatten. Die amerikanische Comic- und S-F-Szene war begeistert. Die deutsche Übersetzung erfolgte erst Jahre später.

Heute ist „Watchmen“ eine noch immer aufregend zu lesende Bildergeschichte, die wegen ihrer genauen historischen Verortung nur im politischen Teil (halt der gesamte Kalte-Krieg und die damals rechtslastige Propaganda aus Hollywood und dem Weißen Haus.) überholt ist. Denn die Frage, wie Verbrechen bekämpft werden soll, ist heute (dank des Krieges gegen den Terror) immer noch so aktuell wie damals.

Neben der düster-erwachsen-literarischen Lesart eröffnete „Watchmen“ allerdings auch die Tür zur Veralberung und Psychologisierung des Superheldengenres. „Hancock“, die britische Comedy „No Heroics“ und die neuen Superheldenfilme mit ihren menschlicheren Protagonisten sind die anderen Seiten der Medaille.

„Watchmen“ ist ein vielfach ausgezeichneter, gut gealterter „Klassiker“ (New York Post) und ein „Meilenstein“ (New York Times), der auch nach der heute startenden Verfilmung (die Alan Moore, wie die vorherigen Verfilmungen seiner Werke, selbstverständlich Scheiße findet) sicher viele neue Leser gewinnt. Denn letztendlich ist „Watchmen“ einfach vergnügliche Unterhaltung.

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Alan Moore/Dave Gibbons: Watchmen: Ultimate Edition

(übersetzt von Christian Heiss)

Panini Comics, 2008

436 Seiten

29,95 Euro

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Für Sammler

Watchmen: Absolute Edition

Panini Comics, 2009

468 Seiten

75 Euro

(Hardcover im Schuber, mit Skizzen, Entwürfen und Auszügen aus Alan Moores Originalmanuskript)

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Originalausgabe

Watchmen

DC Comics, 1986/1987

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Deutsche Erstausgabe

Watchmen

Carlsen, 2000

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Hintergrundinformationen zum Comic „Watchmen“

Dave Gibbons: Watching the Watchmen – Die Entstehung einer Graphic Novel

Panini Comics, 2009

260 Seiten

34,90 Euro

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Verfilmung

Watchmen (Watchmen, USA/GB/Can 2009)

Regie: Zack Snyder

Drehbuch: David Hayter, Alex Tse

Mit Jefrey Dean Morgan, Malin Akerman, Patrick Wilson, Billy Crudup, Jackie Earle Haley, Matthew Goode, Carla Gugino, Matt Frewer, Stephen McHattie

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Hinweise

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Tagesspiegel: Interview mit Dave Gibbons über die Verfilmung

Die komplette, erstaunlich S-F-lastige und sehr amerikanische Liste der 100 wichtigsten Romane des letzten Jahrhunderts des Time Magazine


Neu im Kino: Gran Torino

März 5, 2009

Gran Torino (Gran Torino, USA 2008)

Regie: Clint Eastwood

Drehbuch: Nick Schenk (nach einer Geschichte von Dave Johannson und Nick Schenk)

Das Leben des verbitterten, rassistischen Korea-Veteranen Walt Kowalski gerät aus den gewohnten Bahnen, als er einen Hmong-Nachbarjungen gegen eine Straßengang verteidigt (sie hatten den Fehler begangen ihren Streit auf Kowalskis Rasen austragen zu wollen). Kowalski wird zum Helden der asiatischen Gemeinschaft und die Straßengang will die erlittene Schmach vergelten.

Der neue Clint-Eastwood-Film, der inzwischen ein atemberaubendes Produktionstempo vorlegt, ist natürlich wieder gutes altmodisches Kino. Sein letzter Film „Der fremde Sohn“ läuft noch im Kino und den nächsten, „The Human Factor“, beginnt er in wenigen Tagen zu drehen. Denn wenn Eastwood die Story gefällt, geht’s schnell los. Drehbuchautoren lieben ihn wegen der wenigen Änderungswünsche am Drehbuch. Teilweise wird die erste Fassung gedreht (Und in Hollywood wird nie die erste Fassung verfilmt!). Auch bei „Gran Torino“ änderte Eastwood nichts am Drehbuch.

Gedreht wird auch schnell. „Million Dollar Baby“ war vor der geplanten Drehzeit fertig (und die war mit 39 Tagen auch nicht gerade üppig) und kostete deutlich weniger, als zuerst von den Produzenten zuerst gesagt wurde (normalerweise dürfte es umgekehrt sein; Oh, und auch die zuerst genannten Kosten waren gar nicht so hoch.).

Tja, und, wie schon bei „Million Dollar Baby“ und „Erbarmungslos“ ist die Kritik begeistert und wird nicht müde, über „Gran Torino“ als Alterswerk das ein gutes Vermächtnis wäre, zu fabulieren. Dabei erzählt der Film doch einfach nur eine gute Geschichte.

In aktuellen Interviews sagt Clint Eastwood durch die Blume, dass er, wenn er ein gutes Drehbuch findet, natürlich auch wieder vor der Kamera stehen wird. Nur nicht als Dirty Harry. Denn wer möchte Dirty Harry als grantelnden Rentner sehen?

Mit Clint Eastwood, Christopher Carley, Bee Vang, Ahney Her, Brian Haley, Geraldine Hughes, Dreama Walker, Brian Howe

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Gran Torino“

CTV.ca: AP-Artikel über Nick Schenk


TV-Tipp für den 5. März: Der Konformist

März 5, 2009

3sat, 22.25

Der Konformist (I/Fr/D 1970, R.: Bernardo Bertolucci)

Drehbuch: Bernardo Bertolucci

LV: Alberto Morovia: Il conformista, 1951 (Der Konformist)

Ein geachteter Philosophieprofessor glaubt, dass er als Jugendlicher einen anderen Mann erschossen hat. Geplagt von seinen Schuldgefühlen beginnt er mit dem Mussolini-Regime zu kooperieren.

Bertoluccis erster Erfolg beim Publikum endlich wieder im TV. „Von Paramount-Universal hatte Bertolucci ein mittelhohes Budget (…) bekommen plus Rendite-fördernde Namen wie Morovia und Trintignant. Er nahm die Herausforderung an und suchte sich ein breites Publikum. Dieses sprach schon damals auf die Mischung von Ironie und Affekt an, während die zeitgenössische Kritik sich schwer tat. Zehn Jahre später zeigt die Besichtigung des Films, dass die Kritik von den Zeitläufen überholt ist, der Film aber nach wie vor funktioniert. Die – vergebliche – Suche nach der Normalität ist aktuelles Drama geblieben.“ (Dietrich Kuhlbrodt in Peter W. Jansen/Wolfram Schütte [Hrsg.]: Bernardo Bertolucci, Hanser Reihe Film 24, 1982)

Danach drehte er den Klassiker „Der letzte Tango von Paris“.

Mit Jean-Louis Trintignant, Stefania Sandrelli, Gastone Moschin, Enzo Tarascio, Dominique Sanda

Auch bekannt als “Der große Irrtum”

Hinweis

Wikipedia über Bernardo Bertolucci

Wikipedia über „Der große Irrtum“


Wie Richard Dale zum Mann wurde

März 4, 2009

lansdale-der-teufelskeiler1

Joe R. Lansdale ist ein begnadeter Geschichtenerzähler, der sich meistens in den Genres Krimi und Horror tummelt, aber auch einige gelungene Ausflüge in die Mainstream-Literatur unternahm. „Der Teufelskeiler“ ist eines dieser mainstreamigeren Werke. In ihm erzählt Richard Dale, wie er während der Großen Depression in Osttexas in ärmlichen Verhältnissen auf einer abgelegenen Farm aufwuchs, Groschenhefte liebte, sie seinem schwarzen Freund Abraham Wilson vorlas, Schriftsteller werden wollte und gegen den Teufelskeiler kämpfen musste. Dieser Eber taucht seit Jahrzehnten (die Legenden behaupten seit einem Jahrhundert) immer wieder auf, vernichtet die Ernte und tötet alles, was sich ihm in den Weg stellt. Nur der steinalte Onkel Pharao überlebte die Begegnung mit „Old Satan“. Seitdem benötigt er Krücken.

Jetzt ist Old Satan zurückgekehrt. Er trampelt über die Felder der Dales. Richards Vater ist mit einem Zirkus als Preisboxer unterwegs. Er will so Geld für die Familie verdienen. Richards Mutter ist schwanger und der fünfzehnjährige Richard ist der Herr im Haus. Als „Old Satan“ die Hunde der Dales zerfetzt, weiß Richard Dale, dass er den Teufelskeiler zur Strecke bringen muss. Gemeinsam mit Abraham und einigen Hunden macht Richard sich auf die Jagd.

„Der Teufelskeiler“ liest sich, weil beide Geschichten in der gleichen Welt spielen, in Teilen wie eine Vorstudie zu Joe R. Lansdales mit dem Edgar ausgezeichnetem, leider nicht mehr erhältlichem „Die Wälder am Fluss“ (The Bottoms, 2000). Beide Geschichten spielen in Osttexas am Sabine River während der Depression. In beiden Erzählungen ist de Erzähler ein älterer Mann, der sich unsentimental an seine Jugend erinnert und konsequent aus seinem damaligen Erfahrenshorizont erzählt. Beide sind, auch, Erziehungsromane. Und in beiden Geschichten muss der Ich-Erzähler sich gegen ein mythisches Monster wehren. In „Der Teufelskeiler“ ist es ein wilder Eber. In „Die Wälder am Fluss“ ist es der mysteriöse Ziegenmann. Außerdem, immerhin ist „Die Wälder am Fluss“ ungefähr dreimal so lang wie „Der Teufelskeiler“, wird in „Die Wälder am Fluss“ ein Frauenmörder gejagt und die Frage des Rassismus nimmt einen viel breiteren Raum ein.

Dagegen konzentriert sich „Der Teufelskeiler“ auf das karge Leben eines Jugendlichen und wie er im Sommer 1933 zum Mann wird. Lansdale gelingt es auf knapp 140 Seiten eine gleichzeitig auf mehreren Ebenen überzeugende Geschichte für Jugendliche und Erwachsene zu erzählen.

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Joe R. Lansdale: Der Teufelskeiler

(übersetzt von Richard Betzenbichler, illustriert von Henning Ahlers)

Shayol, 2008

144 Seiten

12,90 Euro

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Originalausgabe

The Boar

Subterranean Press, 1998

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Hinweise

Homepage von Joe R. Lansdale

Subterranean Press: Längeres Interview mit Joe R. Lansdale

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Wilder Winter“ (Savage Season, 1990)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Rumble Tumble” (Rumble Tumble, 1998)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Der Gott der Klinge“ (The God of the Razor, 2007)


TV-Tipp für den 4. März: Die verrückten Reichen

März 4, 2009

Und noch ein selten gezeigter Film:

ARD, 00.35

Die verrückten Reichen (F/D/I 1975, R.: Claude Chabrol)

Drehbuch: Claude Chabrol, Norman Enfield

LV: Lucie Faure: Le Malheur fou, 1970

Ami-Autor William Brandeis und dessen Gattin Claire nehmen am oberflächlichen Gesellschaftsleben teil und betrügen sich gegenseitig. Als sie auf Claire Wunsch in ein Landhaus ziehen, bröckelt der Schein.

Nun, ein eher schwacher Chabrol, der ziemlich schnell aus dem Gedächtnis verschwindet. Trotz der zahlreichen parodistischen Elemente und Slapstick-Ästhetik.

Interessant ist „Die verrückten Reichen“ vor allem wegen des Aufwandes. Das kanadische Filmfinanzierungssystem ermöglichte eine bis in die Nebenrollen große Besetzung und die gesamte Ausstattung war echt. So waren die Türen des Studioappartements aus massivem Holz.

Mit Bruce Dern, Stéphane Audran, Sydney Rome, Jean-Pierre Cassel, Ann Margaret, Maria Schell, Charles Aznavour, Curd Jürgens, Tomas Milan, Sybil Danning, Claude Chabrol (als Mann im Verlagsbüro)

Hinweise

Wikipedia über Claude Chabrol

Senses of Cinema über Claude Chabrol


Cover der Woche

März 3, 2009

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