TV-Tipp für den 16. Dezember: Neues aus der Anstalt

Dezember 16, 2008

ZDF, 22.15

Neues aus der Anstalt

Urban Priol, Georg Schramm und ihre Gäste Monika Gruber, Rainald Grebe, Jochen Malmsheimer und Dieter Hildebrandt haben heute eine Stunde für ihren satirischen Rundumschlag, der natürlich auch ein Rückblick auf die vergangenen zwölf Monate ist.

Für Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie bitte die Packungsbeilage.

Wiederholung: Mittwoch, 17. Dezember, 02.45 Uhr (Taggenau!)


Frühwerk von Joe R. Lansdale in einer umfangreichen Jubiläumsausgabe

Dezember 15, 2008

lansdale-der-gott-der-klinge

Als Joe R. Lansdales „Nightrunners“ 1998 bei rororo in der Allgemeinen Reihe erschien, nahm ich das Buch überhaupt nicht wahr. Erst später, dank Martin Comparts kurzlebiger Noir-Reihe entdeckte ich Lansdale. Danach verschlang ich alle deutschen Ausgaben und auch einige Originalausgaben. Seine Hap-Collins/Leonard-Pine-Geschichten, eine mitreisende Mischung aus Action und Humor, wurden schon zutreffend als Gonzo-Privatdetektivromane bezeichnet. Seine frühen Einzelwerke beeindrucken vor allem durch die schonungslose Darstellung von Gewalt. Seine späteren, wie das hier vollkommen untergegangene, mit dem Edgar ausgezeichnete „Die Wälder am Fluss“ (The Bottoms, 2000), sind großartige, in den Südstaaten spielende Geschichten.

Mit dem Sammelband „Der Gott der Klinge“ kehrte Joe R. Lansdale vergangenes Jahr zu seinen Anfängen zurück. Der kleine, feine Verlag Subterranean Press brachte zum zwanzigjährigen Jubiläum von „The Nightrunners“ eine Geschenkausgabe von Lansdales Roman und sechs Kurzgeschichten, die etwas mit dem „Gott der Klinge“ zu tun haben und, bis auf „Jane findet ein Messer“, bereits an verschiedenen Orten veröffentlicht wurden, heraus. Lansdale schrieb zu allen Geschichten kurze Einleitungen und fertig war das Werk, das jetzt auch (und erheblich günstiger, aber weniger prächtig als die Originalausgabe) in Deutschland veröffentlicht wurde.

In „Nightrunners“ kämpft ein junges Ehepaar gegen die Nightrunners, eine Gruppe Jugendlicher, die Becky und ihren Mann Montgomery, der sich für einen Schlappschwanz hält, in einem einsamen Ferienhaus umbringen wollen. Die Nightrunners beten den Gott der Klinge an. Ob er ein übernatürliches Phänomen oder nur eine spinnerte Vorstellung der Nightrunners ist, ist in dieser Geschichte unklar.

Eine spannende Lektüre und selbstverständlich ein Thriller ist dieses Frühwerk von Joe Lansdale, das, so Lansdale in dem Vorwort, in vielen Listen der besten Horrorromane der achtziger Jahre und manchmal auch der besten Horrorromane aufgeführt wird.

Die Kurzgeschichten sind dann eher Horrorgeschichten. Denn damals schrieb Lansdale vor allem Horrorgeschichten. In „Nicht aus Detroit“ begegnet ein altes Ehepaar dem Tod und nervt ihn gehörig. In „Das zottelige Haus“ beginnt ein plötzlich auftauchendes Haus das Leben aus den anderen Häusern herauszuziehen. In „Der Gott der Klinge“ begegnet ein Antiquitätenhändler in einem verlassenen Haus einem seltsamen Typen, der ihm etwas über den Gott der Klinge erzählt und anschließend mit einem Rasiermesser umbringen will. In „König der Schatten“ erzählt Lansdale von dem vierzehnjährigen Leroy, der plötzlich den elfjährigen Draighton als jüngeren Bruder akzeptieren muss. Draightons Vater hat seine Mutter und anschließend sich selbst umgebracht. Mit einem Rasiermesser. Eines Tages entdeckt Leroy, dass Draighton das Rasiermesser besitzt.

„Zwischenfall an einer Bergstraße“ ist fast schon ein Thriller. Ellen rempelt auf einer Bergstraße ein im Weg stehendes Auto an. Kurz darauf wird sie von einem Mann verfolgt, der sie umbringen will. Da ist es gut, dass ihr vorheriger paranoider Freund ihr einiges über Überlebenstechniken in der Wildnis beigebracht hat. Und in der fünfseitigen Vignette „Janet findet ein Rasiermesser“ fehlt eigentlich nur der Halbsatz „und bringt einige Leute um“ um den Inhalt der Geschichte wiederzugeben.

Für die vorliegende Ausgabe wurde die alte rororo-Übersetzung von „Nightrunners“ etwas überarbeitet; – wobei Lansdale-Fans sich den „Gott der Klinge“ wegen der neuen Geschichten und des Vorworts von Lansdale (insgesamt immerhin fast 150 Seiten) in jedem Fall kaufen müssen. Die anderen können mit „Der Gott der Klinge“ einen begnadeten Erzähler kennenlernen und sich danach an den absolut diesseitigen Collins/Pine-Bücher („Wilder Winter“ und „Rumble Tumble“ gibt’s derzeit auf Deutsch) erfreuen. Denn die meisten anderen Lansdale-Übersetzungen gibt es, teilweise zu ziemlich unverschämten Preisen, nur noch antiquarisch.

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Joe R. Lansdale: Der Gott der Klinge

(übersetzt von Walter Hartmann und Frank Dabrock)

Heyne, 2008

400 Seiten

8,95 Euro

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Originalausgabe

The God of the Razor

Subterranean Press, 2007

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enthält den Roman:

Nightrunners (The Nightrunners, 1987)

und die auf Deutsch unveröffentlichten Kurzgeschichten

Der Gott der Klinge (The God of the Razor, 1987)

Nicht aus Detroit (Not from Detroit, 1988)

König der Schatten (King of Shadows, 2006)

Das zottelige Haus (The Shaggy House, 1986)

Zwischenfall an einer Bergstraße (Incident on and Off a Mountain Road, 1991)

Janet findet ein Rasiermesser (Janet Finds the Razor, 2007)

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Hinweise

Homepage von Joe R. Lansdale

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Wilder Winter” (Savage Season, 1990)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Rumble Tumble” (Rumble Tumble, 1998)


TV-Tipp für den 15. Dezember: The New World

Dezember 15, 2008

Tele 5, 20.15

The New World (USA 2005, R.: Terrence Malick)

Drehbuch: Terrence Malick

„Badlands“, „In der Glut der Sonne“, „Der schmale Grad“ und zuletzt „The New World“. Vier Filme in über dreißig Jahren, Das ist nicht gerade viel. Doch Malicks Filme sind für Cineasten immer ein optischer Festschmaus. Auch in seiner Interpretation der Legende von Pocahontas (wer die Geschichte nicht kennt: USA, 1607: John Smith soll für die Siedler mit den Indianern verhandeln. Diese nehmen ihn gefangen. Die Häuptlingstochter Pocahontas rettet ihn. Er verliebt sich in sie. Und jetzt beginnen die wirklichen Probleme.) sind die Bilder grandios, die Besetzung hochkarätig (obwohl in seinem Kriegsfilm „Der schmale Grad“ die Stardichte höher war), der Erzählduktus hypnotisch und fern der gängigen Hollywood-Konventionen.

Wer den Film im Kino verpasste, kann heute die TV-Premiere genießen. Allerdings wird die Meditation von Werbepausen unterbrochen.

mit Colin Farrell, Q’orianka Kilcher, Christopher Plummer, Christian Bale, August Schellenberg, Wes Studi, David Thewlis

Wiederholung: Dienstag, 16. Dezember, 08.15 Uhr

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The New World“


TV-Tipp für den 14. Dezember: Der Stoff, aus dem die Helden sind

Dezember 14, 2008

Endlich mal zu einer vernünftigen Zeit

Tele 5, 20.15

Der Stoff, aus dem die Helden sind (USA 1983, R.: Philip Kaufman)

Drehbuch: Philip Kaufman

LV: Tom Wolfe: The Right Stuff, 1979 (Die Helden der Nation)

Das ist einer der Filme, der trotz der zahlreichen Nominierungen und Preise, nie den Ruhm erhalten hat, den er verdient. „Der Stoff, aus dem die Helden sind“ war für den Oscar als bester Film nominiert. „Zeit der Zärtlichkeit“ (Wer erinnert sich noch an den Film?) erhielt die Trophäe. Sam Shepard war für den Oscar als bester Nebendarsteller nominiert. Jack Nicholson erhielt ihn für seine Rolle in „Zeit der Zärtlichkeit“. Als Trost gab es vier Oscars in Nebenkategorien. Beim Directors Guild of America Award und Golden Globe verlor der Film wieder gegen „Zeit der Zärtlichkeit“. Im Rennen um den SF-Preis HUGO ging der Preis für den besten Film wieder nicht an „Der Stoff, aus dem die Helden sind“ sondern an den dritten „Krieg der Sterne“-Film „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“.

Dabei ist das dreistündige Epos über das gefährliche Testpilotenleben zwischen dem Durchbrechen der Schallmauer (Chuck Yeager tat’s 1947) und dem ersten bemannten Flug in den Weltraum „patriotisches Kino ohne Scheuklappen und mit gelegentlichen Anzeichen von Ironie und Selbstkritik“ (Fischer Film Almanach 1985). „Ein sowohl von spöttischer Ironie als auch von ehrlicher Bewunderung für diese ‚Helden der Nation‘ geprägter Film, der dank der mitreisenden Darstellung der extremen Flüge bis zum Schluss spannend bleibt.“ (Lexikon des internationalen Films) Das ist dann auch das Dilemma das Films: für die Rechten nicht patriotisch genug, für die Linken zu patriotisch. Dass Besetzung und Ausstattung erlesen sind, dass die Bilder nach der großen Leinwand rufen, dass die Vergangenheit lebendig wird, das ist dann unerheblich.

Tom Wolfes gewohnt detaillierte und glänzend geschriebene Reportage „The Right Stuff“ war in den USA ein Bestseller . Wenn Sie das Buch irgendwo finden, kaufen Sie es. Es ist eine faszinierende Lektüre, über Männer, die bereit waren, sich in die Spitze einer Rakete zu setzen, in die Luft schießen zu lassen und dabei vielleicht zu sterben (Tom Wolfe entdeckte 1970 einen Artikel, in dem die Wahrscheinlichkeit eines tödlichen Unfalls für einen Navy-Piloten mit 23 Prozent angegeben wurde. Dazu kam noch der Tod im Gefecht. Wahrscheinlich gab es keinen gefährlicheren Beruf.) und ihren Frauen.

mit Sam Shepard, Barbara Hershey, Charles Frank, Ed Harris, Scott Glenn, Dennis Quaid, Lance Henriksen, Fred Ward, Kim Stanley, Veronica Cartwright, Jeff Goldblum, Chuck Yeager (als Bartender Fred)

Hinweise

Homepage von Tom Wolfe

Mehr über Tom Wolfe in der Kriminalakte

Combustible Celluloid: Interview mit Philip Kaufman über „The Right Stuff“ (20.  Juni 2003)


TV-Tipp für den 13. Dezember: Heißer Verdacht – Tödliche Verstrickung

Dezember 13, 2008

Tele 5, 20.15 (Teil 1)

Tele 5, 22.30 (Teil 2)

Heißer Verdacht: Tödliche Verstrickung – Teil 1/Teil 2 (GB 1996, R.: Philip Davis)

Drehbuch: Guy Andrews

LV: Charakter von Lynda la Plante

Detective Jane Tennison wurde nach Manchester versetzt. Ihr erster Fall ist der Mord an einem kleinen Dealer. Selbstverständlich will der Großdealer Street das Problem alleine und auf seine Art lösen. Tennison

Die fünfte „Prime Suspect“-Ausgabe war wieder ein voller Erfolg. Nachdem die vierte aus drei spielfilmlangen Fällen bestand, gibt es dieses Mal wieder eine richtige Doppelfolge, Helen Mirren erhielt einen Satellite Award und die Doppelfolge einen Emmy.

Mit Helen Mirren, John McArdle, Steven Mackintosh

Wiederholung

Teil 1: Sonntag, 14. Dezember, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Teil 2: Montag, 15. Dezember, 01.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweis

Homepage von Lynda La Plante

PBS über „Prime Suspect 5“ (umfangreich, auch zu den anderen Folgen)

Weitere Infos zu Lynda La Plante und „Heißer Verdacht“


Henry Parker in Gefahr

Dezember 12, 2008

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“72 Stunden”, das Debüt von Jason Pinter, war für den Barry Award, den neuen Strand Magazine Critics Award und den Romantic Times Reviewers Choice Award nominiert. Während der Barry ein in der Krimiszene durchaus bekannter Preis ist, sind die beiden anderen hier unbekannter. Allerdings wird der Strand Magazine Award von bekannten Krimikritikern vergeben. Und bei drei Nominierungen sind die Erwartungen selbstverständlich höher als bei einem x-beliebigen Debüt. Auch die positiven Kritiken (mehr) und die Blurbs bekannter Schriftsteller (weniger), hauptsächlich aus dem Bereich Bestsellerautoren von Thrillern, steigern die Erwartungen.

Und vielleicht ist deshalb „72 Stunden“ ein eher enttäuschender Thriller. Der Anfang ist gar nicht so schlecht. Der vierundzwanzigjährige Ich-Erzähler Henry Parker liegt blutend auf dem Boden eines verlassenen Hauses. Vor ihm liegen zwei Männer, die ihn für verschiedene Parteien umbringen wollten. Bevor er vielleicht stirbt, beginnt Parker uns seine Geschichte zu erzählen (Yep, das Buch ist eine einzige lange Rückblende.). Wie er vor einem Monat aus der Provinz nach New York kam und anfing als Journalist für die New York Gazette zu schreiben. In den ersten Wochen richtet er sich in New York ein, versucht die Beziehung zu seiner Studi-Freundin Mya Loverne zu kitten und, endlich, von seinem Journalistenidol Jack O’Donnell einen kleinen Rechercheauftrag erhält. O’Donnell schreibt seit Wochen an einer großen Geschichte über die New Yorker Mafia. Parker soll dafür den Ex-Knacki Luis Guzman befragen. Das Interview verläuft normal. Doch Parker fragt sich, wie ein Knacki, der als Wachmann arbeitet, sich ein neunzig Quadratmeter-Apartment leisten kann. Er will es herausfinden (Ohoh!). Deshalb geht er nach dem Interview wieder zurück zu den Guzmans und stolpert in eine unschöne Szene. Ein Mann hat Luis Guzman und seine Frau Christine gefesselt und geschlagen. Er bedroht Parker mit einem Revolver. In dem anschließenden Kampf löst sich ein Schuss und der Mann stirbt (wie nicht anders zu erwarten). Sie sagt ihm, er solle abhauen und er tut es (Auch zukünftige Top-Journalisten dürfen absolut idiotisch handeln).

Am nächsten Tag sieht Parker sein Bild in der Zeitung. Der Tote war ein Polizist (Tja, Pech gehabt.). Parker soll ihn kaltblütig ermordet haben (Da haben die Guzmans doch tatsächlich die Polizei belogen!) und mit einem Päckchen (das alle haben wollen und das Parker natürlich nicht hat) geflohen sein.

In diesem Moment sind wir zwar erst auf Seite achtzig, aber auf den folgenden dreihundert Seiten verläuft die Geschichte geradlinig auf den bekannten Gleisen von New York nach St. Louis und zurück. Die Polizei jagt ihn als Polizistenmörder. Die Mafia will das Päckchen haben und schickt einen gnadenlosen Killer los. Seine Freundin will ihm nicht helfen. Aber dafür hilft ihm eine andere, selbstverständlich gutaussehende, Frau. Und warum der Polizist die Guzmans gefoltert hat, können Krimifans, obwohl die Aktion mit dem Päckchen nicht gerade für die Intelligenz der Bösen spricht, sich ebenfalls denken. Weil Pinter keinen 250-seitigen Noir, sondern einen 370-seitigen Thriller über einen unschuldig Verfolgten schrieb, tat er nach dem Polizistenmord, was für einen Thriller normal ist: er wechselt die Perspektive zwischen dem Gejagten und den Jägern. Dummerweise muss Pinter dafür in den Kapiteln, die aus der Perspektive der Jäger erzählt sind, auch die eingangs gewählte Ich-Perspektive aufgeben. So zerstört er alle paar Seiten den Lesefluss und brüllt: „Alles nur erfunden!“

Das klingt jetzt nach einem furchtbaren Desaster. Aber als Thriller, bei dem auf jeder Seite klar ist, in welcher Gefahr Henry Parker (ein absolut gewöhnlicher Name, der mich sofort an Spider-Man Peter Parker erinnerte) sich befindet und weil die gesamte Geschichte während der titelgebenden 72 Stunden spielt, funktioniert Pinters Erstling als nicht sonderlich plausibler, seine Geschichte unnötig detailliert erzählender 08/15-Thriller für die U-Bahn.

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Jason Pinter: 72 Stunden

(übersetzt von Maike Walter)

Mira, 2008

384 Seiten

7,95 Euro

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Originalausgabe

The Mark

Harlequin Enterprises, 2007

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Hinweise

Homepage von Jason Pinter

The Man in Black (Blog von Jason Pinter)

YouTube-Kanal von Jason Pinter

Let’s do Lunch: Interview mit Jason Pinter (28. Juni 2006)

Writer Unboxed: Interview mit Jason Pinter (7. März 2008)

Material Witness: Interview mit Jason Pinter (6. Juni 2008)


TV-Tipp für den 12. Dezember: Tilt! 2008

Dezember 12, 2008

BR, 22.45

Tilt! 2008

Jahresende – Jahresrückblicke. Doch bei Urban Priol nicht in der stundenlangen Jauch-Kerner-Version, sondern im kabarettistischen Schnelldurchlauf mit einigen Schlägen unter die Gürtellinie und Spitzen gegen die Frau, das Krisenmanagement der Regierung und die Regierungsfähigkeit der Hessen-SPD.


Neu im Kino: Transsiberian

Dezember 11, 2008

Transsiberian (Transsiberian, GB/D/E 2007)

Regie: Brad Anderson

Drehbuch: Will Conroy, Brad Anderson

Ein amerikanisches Ehepaar will mit der Transsibirischen Eisenbahn von Peking nach Moskau fahren. Auf ihrer Fahrt geraten sie zwischen die Fronten eines Kampfes zwischen Drogenschmugglern und einem skrupellosen Drogenfahnder.

Wer in den vergangenen Jahren nur einen Ben-Kingsley-Film gesehen hat, kann sich denken, auf welcher Seite Kingsley mitspielt. Und unser Mann in Hollywood (neinnein, der andere) ist auch dabei. Ansonsten: nach vielen Jahren wieder ein Eisenbahnthriller, der sogar in der Gegenwart spielt. Die internationale Kritik feierte das neue Werk des „The Machinist“-Regisseurs ab.

„Der Film hat eigentlich alle Anlagen zum B-Movie. Indem Anderson aber die inneren Konflikte seiner Figuren in den Mittelpunkt stellt, wird aus einem potenziellen Actionthriller ein durchaus überzeugendes Drama.“ (Andreas Busche, epd Film 12/2008)

mit Woody Harrelson, Emily Mortimer, Ben Kingsley, Kate Mara, Eduardo Noriega, Thomas Kretschmann

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Transsiberian“

Arizona Daily Star: Phil Villarreal porträtiert Will Conroy (26. Juli 2007)

Cinematical: Interview mit Brad Anderson über „Transsiberian“ (25. Juni 2008)

Dark Horizons: Interview mit Brad Anderson über „Transsiberian“ (2. Juli 2008)

Shock till you drop: Interview mit Brad Anderson über „Transsiberian (14. Juli 2008)

IFC: Interview mit Brad Anderson über „Transsiberian“ (17. Juli 2008)

Chud: Interview mit Brad Anderson über „Transsiberian“ (19. Juli 2008)

Bullz-Eye: Interview mit Brad Anderson (25. Juli 2008)


TV-Tipp für den 11. Dezember: Die Ehe der Maria Braun

Dezember 11, 2008

Wer vor einigen Tagen die Ausstrahlung der „Ehe der Maria Braun“ während der Michael-Ballhaus-Nacht verpasst hat, kann den Film heute genießen. Der Anlass ist der 65. Geburtstag von Hauptdarstellerin Hanna Schygulla am 25. Dezember. Morgen zeigt 3sat „Lili Marleen“.

3sat, 22.25

Die Ehe der Maria Braun (D 1978, R.: Rainer Werner Fassbinder)

Drehbuch: Peter Märtesheimer, Pea Fröhlich (nach einer Idee von Rainer Werner Fassbinder)

Fassbinder-Klassiker über das Leben einer Frau von den Kriegsjahren bis zum 4. Juli 1954.

Mit Hanna Schygulla, Klaus Löwitsch, Ivan Desny, Gottfried John, Gisela Uhlen, Günter Lamprecht, Elisabeth Trissenar, Volker Spengler, Karl-Heinz von Hassel, Michael Ballhaus, Hark Bohm, Günther Kaufmann, Bruce Low, Rainer Werner Fassbinder, Claus Holm

Hinweise

Wikipedia über „Die Ehe der Maria Braun“

Deutsches Filmhaus über „Die Ehe der Maria Braun“

Filmzentrale: Besprechungen von Ulrich Behrens, Janis El-Bira und Dieter Wenk über „Die Ehe der Maria Braun“


Weitere Bücher für den Drehbuch-Oscar 2009 online

Dezember 10, 2008

Dank der kommenden Hollywood-Filmpreise, vor allem natürlich der Oscar, gibt es weitere Drehbücher von hochkarätigen Filmen online. Bei Simply Scripts sind sie alle aufgelistet. Für Krimifans am interessanten dürften diese sein:

Joel & Ethan Coen: Burn After Reading

Woody Allen: Vicky Cristina Barcelona (naja, ich bin halt ein Woody-Allen-Fan)

J. Michael Straczynski: Changeling (Regie: Clint Eastwood, Hauptrolle: Angelina Jolie)

Jonathan & Christopher Nolan: The Dark Knight

Zu den weiteren Drehbücher gehören der neue Leonardo-di-Caprio/Kate-Winslet-Film „Revolutionary Road“ (Drehbuch: Justine Haythe), „Milk“ (Drehbuch: Dustin Lance Black – über Harvey Milk), das hochkarätig besetzte, auf Tatsachen basierende Drama „Frost/Nixon“ (Drehbuch: Peter Morgan) und Mike Leighs „Happy-Go Lucky“.

Das Drehbuch on Nick Schenk zu dem anderen neuen Clint-Eastwood-Film „Gran Torino“ gibt es derzeit hier.


TV-Tipp für den 10. Dezember: Frequenz Mord

Dezember 10, 2008

SWR, 23.00

Frequenz Mord (F 1988, R.: Elisabeth Rappenau)

Drehbuch: Elisabeth Rappenau, Jacques Audiard

LV: Stuart M. Kaminsky: When the dark man calls, 1983

Die erfolgreiche Radiomoderatorin Jeanne Quester wird von einem anonymen Anrufer bedroht. Anscheinend ist er der kürzlich entlassene Mörder ihrer Eltern. Inspector Lieberman versucht ihr zu helfen.

Unterhaltsamer, konventioneller und durchaus spannender Psychothriller, dessen Lösung letztendlich ziemlich nahe liegend ist.

Stuart Kaminsky widmete Lieberman später eine eigene Serie. Einige Bände erschienen bei Ullstein.

Mit Catherine Deneuve, André Dussollier, Martin Lamotte

auch bekannt als „Tödliche Frequenz“

Hinweise

Homepage von Stuart M. Kaminsky

Meine Besprechung von Stuart M. Kaminskys „CSI: NY – Der Tote ohne Gesicht“ (CSI:NY – Dead of Winter)“ und „CSI:NY – Blutige Spur“ (CSI: NY – Blood on the sun)

Meine Besprechung von Stuart M. Kaminskys „CSI: NY – Sintflut“ (CSI: NY – Deluge, 2007)


Cover der Woche

Dezember 9, 2008

thomas-die-millionenernte


TV-Tipp für den 9. Dezember: Die Akte Odessa

Dezember 9, 2008

Das Vierte, 20.15

Die Akte Odessa (GB/D 1974, R.: Ronald Neame)

Drehbuch: Kenneth Ross, George Markstein

LV: Frederick Forsyth: The O. D. E. S. S. A. File, 1972 (Die Akte Odessa)

Ein Reporter will einem Nazi-Geheimbund auf die Spur kommen.

Durchaus spannender Polit-Thriller, der niemals die Regeln des Genres sprengt, einen Hang zur Kolportage hat und aus heutiger Sicht mit viel Lokalkolorit aufwarten kann (Deutschland vor dreißig Jahren).

Mit Jon Voight, Maximilian Schell, Maria Schell, Klaus Löwitsch, Towje Kleiner

Hinweise

Wikipedia über Frederick Forsyth

Krimi-Couch über Frederick Forsyth

Wired for Books: Interview mit Frederick Forsyth (1984)

NZZ Folio: Frederick-Forsyth-Porträt (11/1992)

FAZ: Frederick Forsyth zum Siebzigsten (25. August 2008)

Focus: Frederick Forsyth zum Siebzigsten (25. August 2008)

Frederick-Forsyth-Fanseite

Der zehnmimütige YouTube-Clip zeigt Ausschnitte aus dem Film – mit grandiosen deutschen Akzenten.



Es ist nicht nur das Ende

Dezember 8, 2008

Wow, da werfe ich das Wort Vertrag in die unendlichen Weiten des Internets und es geht los. Bernd hat hier ja einiges zu Verträgen gesagt und so hab ich das auch verstanden: gegenseitige Erwartungen an eine Geschichte. Im Filmbereich hat der Begriff es sogar auf einen Buchtitel gebracht hat: „Der Publikumsvertrag“. Da hat sich, meines Wissens, keiner so über den Begriff „Vertrag“ empört, wie hier.

Doch „Sterbezeit“, der vierte Roman des mit dem Glauser und Deutschen Krimipreis ausgezeichneten Norbert Horst, ist nach meiner Ansicht nicht nur wegen des Endes misslungen. Und es war sicher ein Fehler, sich nur auf das Ende zu konzentrieren. Denn das Ende ist nur der Abschluss einer enttäuschenden Lektüre, bei dem kein Plot überzeugt.

„Sterbezeit“ besteht aus diesen Plots:

Hauptplot: der Fall mit den skelettierten Händen im Keller

Subplot 1: der tote Junkie-Sohn in der Villa der Eltern

Subplot 2: die tote alte Frau und ihr trauernder Mann

Privater Plot 1: seine Beziehung zu Ayse

Privater Plot 2: die drogensüchtige Tochter der entfernten Verwandten

Bei jedem Plot stellt sich die Frage, was der Held (und auch die anderen Charaktere) wollen. Bei den Polizeiplots können wir einfach sagen: er will den Fall klären. Dafür wird er bezahlt und das reicht eigentlich schon als Motivation.

(Obwohl viele Ermittler noch eine persönliche Motivation haben. Was wäre Rebus ohne seinen Hass auf die da oben und auf Big Ger Cafferty? Und was wäre der letzte Rebus-Roman ohne diese persönlichen Motive?)

Im privaten Plot 1 will er mit Ayse zusammenbleiben.

Im privaten Plot 2 will er die fünfzehnjährige Tochter seiner Cousine (die er seit Jahren nicht mehr gesehen hat) vor dem Drogenkonsum bewahren.

Jetzt hat Kirchenberg in jedem Plot ein Ziel. Anschließend muss er Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um sein Ziel zu erreichen. Denn die anderen (zum Beispiel der Täter, andere in die Verbrechen involvierte Personen, seine Vorgesetzten, seine Kollegen, seine Freundin) wollen das verhindern. Der Held muss sein Ziel verfolgen und seine Handlungen müssen zu Veränderungen in der Welt und/oder in seiner Persönlichkeit führen. Denn jede Handlung bewirkt irgendetwas. In den drei Krimiplots von „Sterbezeit“ muss es den Kampf zwischen dem Polizisten, der ein Verbrechen aufklären will (also Gerechtigkeit wiederherstellen will) und dem Täter, der genau das verhindern will, geben.

Wie tut Kirchenberg nun, um seine Ziele zu erreichen?

In beiden privaten Plots hat er keinen Gegner.

Die Beziehung zu Ayse ist konfliktfrei. Sie will bei ihm bleiben und deshalb bleibt sie bei ihm.

Im zweiten privaten Plot reicht es nur zu einem Pflichtbesuch, der auch nach Kirchenbergs Meinung in die Hose geht.

Später treffen sie sich auf der Polizeistation und sie sagt, dass sie nie Drogen genommen habe und nicht deale. Er glaubt (!) ihr. Auch hier haben die Taten des Erzählers nichts geändert. Also wieder Zielerreichung durch Abwesenheit eines Konflikts.

Oder: Gähn!

Die beiden Polizei-Subplots, eigentlich eher kurze Episoden, enden ähnlich. Denn die Fälle werden ohne Kirchenberg aufgeklärt. Beim ersten Gespräch mit Kirchenberg gesteht der alte Mann freiwillig und ohne zu zögern, dass er seine Frau umgebracht hat.

Der Junkie starb an einer Überdosis. Beide Fälle werden schnell zu den Akten gelegt.

Nachdem Kirchenberg jetzt in vier Plots das vom Autor gesetzte Ziel erreicht hat, ohne sich anstrengen zu müssen, bleibt das Gesamtgewicht der dramatischen Handlung auf dem Hauptplot.

Doch auch hier tut Kirchenberg, außer Dienst nach Vorschrift, nichts. Die Initiative wird von dem neuen Assistenten übernommen, der den Fall aufklären möchte und dafür Ideen entwickelt. Kirchenberg legt dem Neuen keine Steine in den Weg. Aber aktive Ermittlungen sehen anders aus.

Am Ende der Ermittlungen gibt es ein aus meiner Sicht unbefriedigendes Ergebnis. Das liegt nicht nur an dem mangelhaftem Einsatz von Kirchenberg bei der Lösung des Falles. Es ist auch die von Autor Norbert Horst angebotene Lösung. Kirchenberg glaubt, dass vor dreißig Jahren die Mutter eine Beziehung zu einem Knacki hatte. Als der Knacki entlassen wurde, hat er ihren Mann umgebracht. Anschließend haben er/sie die Leiche über halb Deutschland verteilt. Er hat den Namen des Vaters angenommen und gemeinsam haben sie die Tochter großgezogen. Dafür haben sie alle Beziehungen zu ihren vorherigen Leben abgebrochen. Und zwei Hände (den wirklich belastenden Beweis) im Keller des Hauses, in dem sie zur Miete wohnten, versteckt.

Hm.

Allerdings könnte auch sie ihren Mann umgebracht haben. Oder es könnte auch irgendeine andere Lösung geben.

Das soll dann das großartige Ende von 280 Seiten Lektüre sein.

(Der Hinweis, dass in Wirklichkeit die Bösen nicht immer bestraft und dass nicht alle Verbrechen restlos aufgeklärt würden, ist aus mindestens zwei Gründen so richtig wie unerheblich.

Erstens: der Autor ist Herr über die von ihm erfundene Welt. Er kann daher auch über das Ende bestimmen.

Zweitens: selbst wenn der Held scheitert, dann müssen wenigstens seine vorherigen Bemühungen das Ziel [hier die Aufklärung eines alten Mordfalles] zu erreichen, wesentlich energischer gewesen sein. Er muss sein Ziel, wie zum Beispiel Rebus in seinem letzten Fall, fanatisch verfolgen.

Eigentlich muss jeder Charakter in einer Geschichte ein Fanatiker sein, der mit allen für ihn akzeptablen Mitteln sein Ziel verfolgt. In einer Geschichte liebe ich solche fanatischen Charaktere; in der Wirklichkeit nicht.)

Strukturell hört Horst für mich am Ende des zweiten Aktes auf. In diesem Moment kennt der Held seinen Gegner und er will ihn in einer letzten Anstrengung besiegen. Aber diese Konfrontation zwischen dem Helden und seinem Antagonisten (dem Mörder) fehlt in „Sterbezeit“.

Jetzt könnte gesagt werden: es gibt doch diese Konfrontation.

Nun, die sieht so aus: Der Kommissar sagt der Tochter, was nach seiner Meinung damals geschah. Der Knacki sitzt nach mehreren Schlaganfällen bewegungslos im Stuhl und reagiert nicht auf die Beschuldigungen von Kirchenberg. Keine Reaktion. Absolut keine Reaktion. Auch die Tochter reagiert nicht auf die Äußerungen von Kirchenberg, die im wesentlichen eine Menge Mutmaßungen sind: „können uns vielleicht auch nicht alles zusammenreimen“, „Dieser Mann (…) heißt mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit Rudolf Daniels.“ „Da können wir nur raten.“ „Ich weiß es nicht.“ „Ich glaube, dass dieser Mann dort Ihren Vater getötet hat, um an seiner Stelle weiterzuleben.“

Sie schiebt ihren „Vater“ nachdem sie angehört hat, dass er erstens nicht ihr Vater ist und zweitens der Mörder ihres Vaters ist, in den Wintergarten und beginnt ihm aus einem Buch vorzulesen.

Ende.

Das war die große Konfrontation zwischen dem Polizisten (dem Guten) und dem Mörder (dem Bösen)? Die Konfrontation, in der sich zum letzten Mal zwei widerstreitende Prinzipien gegenüberstehen und nur eines gewinnen kann? Die Konfrontation, die uns für die Lektüre des Buches belohnt?

Nein, das ist höchstens ein Ermittlungsansatz. Denn sogar die Identität des Mannes ist noch nicht geklärt.


TV-Tipp für den 8. Dezember: Die großen Kriminalfälle

Dezember 8, 2008

ARD, 21.00

Die großen Mordfälle: Der Ripper von Magdeburg (D 2008, R.: Hans-Dieter Rutsch)

Drehbuch: Hans-Dieter Rutsch

Heute beschäftigt sich die gute Dokureihe mit einem jungen Mann, der 1973 in der DDR als Dreifachmörder zum Tode verurteilt wurde. Später wurde er aus politischen Gründen begnadigt (Die Todesstrafe war schlecht für’s Image.), 1991 dank der Einheit aus dem Gefängnis entlassen, 1995 wegen eines weiteren Mordes wieder verurteilt und vor kurzem wurde Jürgen S. (eigentlich Peter A.) entlassen. Rutsch zeichnet das Leben des „Ripper von Magdeburg“ zwischen DDR und BRD nach.

Wiederholung: Dienstag, 9. Dezember, 03.25 Uhr (Taggenau! – und vielleicht in der ARD-Mediathek)

Hinweise

ARD über die Doku

Volksstimme über die Doku und die Hintergründe


TV-Tipp für den 7. Dezember: Der blaue Engel

Dezember 7, 2008

Arte, 22.55

Der blaue Engel (D 1930, R.: Josef von Sternberg)

Drehbuch: Robert Liebmann, Carl Zuckmayer, Karl Vollmöller

LV: Heinrich Mann: Professor Unrat, 1905

Lehrer Rath verliebt sich in die Nachtclubsängerin Lola Lola. Schnell darauf beginnt sein gesellschaftlicher Abstieg.

Ein UFA-Klassiker aus der Zeit, als Babelsberg das Zentrum des deutschen Films war. „Der blaue Engel“ war ein Kassenschlager und gilt heute als einer der Klassiker des Films. Marlene Dietrich setzte danach ihrer Karriere in Hollywood fort.

„Der von [Produzent Erich] Pommer lancierte Film entstand übrigens sozusagen hinter dem Rücken der UFA-Gewaltigen, für die Heinrich Mann natürlich ein suspekter Autor war. Dieser fand nach einer ersten Voraufführung den Film durchaus akzeptabel. ‚Gerade ein wirklicher Roman ist nicht ohne weiteres verfilmbar. Er hat viele Seiten, und nur eine ist dem Film zugewendet. Er muss richtig gedreht werden. Das ist hier meines Erachtens auch geschehen’, schrieb er 1930 an K. Lemke.“ (Barbara Rogall, Film-Blätter 1974)

Die Musik ist von Friedrich Holländer. „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“ wurde ein Gassenhauer; „Nimm dich in acht vor blonden Frauen“, „Ich bin die fesche Lola“ und „Kinder, heut abend, such ich mir was aus“ sind nicht so bekannt.

Und die Vorlage, Heinrich Manns grandiose Satire auf den Wilhelminismus und die spießbürgerliche Doppelmoral, ist ein Klassiker der deutschen Literatur. Die Geschichte ist heute (im Gegensatz zu „Der Untertan“) etwas veraltet, aber dank der Sprache fesselt sie heute immer noch. Hier sind die ersten Zeilen des lesenswerten Romans:

„Da er Raat hieß, nannte die ganze Schule ihn Unrat. Nichts konnte einfacher und natürlicher sein. Der und jener Professor wechselten zuweilen ihr Pseudonym. Ein neuer Schub Schüler gelangte in die Klasse, legte mordgierig eine vom vorigen Jahrgang noch nicht genug gewürdigte Komik an dem Lehrer bloß und nannte sie schonungslos beim Namen. Unrat aber trug den seinigen seit vielen Generationen, der ganzen Stadt war er geläufig, seine Kollegen benutzten ihn außerhalb des Gymnasiums und auch drinnen, sobald er den Rücken drehte.“

Mit Emil Jannings, Marlene Dietrich, Kurt Gerron, Rosa Valetti, Hans Albers

Wiederholungen

Mittwoch, 24. Dezember, 23.50 Uhr

Freitag, 26. Dezember, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Der blaue Engel“

Die Zeit: Volker Schlöndorff über „Der blaue Engel“

Deutsche Marlene-Dietrich-Seite über „Der blaue Engel“

Englische Marlene-Dietrich-Seite über „Der blaue Engel“

Filmstarts über „Der blaue Engel“

Kindlers Neues Literaturlexikon über Heinrich Manns „Professor Unrat“


TV-Tipp für den 6. Dezember: Das Schweigen der Lämmer

Dezember 6, 2008

Pro 7, 22.10

Das Schweigen der Lämmer (USA 1991, R.: Jonathan Demme)

Drehbuch: Ted Tally

LV: Thomas Harris: The silence of the lambs, 1988 (Das Schweigen der Lämmer)

FBI-Agentin Starling verfolgt einen Serienkiller und verliebt sich in den inhaftierten Hannibal Lecter.

Inzwischen schon ein Klassiker, der – zu Recht – etliche Oscars erhielt (Bester Film, Regie, Drehbuch, Hauptrolle). Beim wiederholten Sehen fällt auf, wie wenig von den schockierenden Ereignissen wirklich zu sehen ist – und wie konservativ die Kameraführung ist. Achten Sie auf die erste Begegnung von Jodie Foster und Anthony Hopkins. Da ist keine Bewegung überflüssig, kein Schnitt zuviel und es wird sich in jeder Sekunde auf das Drehbuch und die Schauspieler verlassen.

Hitchcock hätte der Film gefallen.

Ted Tally erhielt für sein Drehbuch auch einen Edgar.

Mit Jodie Foster, Anthony Hopkins, Scott Glenn, Ted Levine, Anthony Heald, Diane Baker, Roger Corman, Charles Napier, Chris Isaak (SWAT-Commander), George A. Romero (FBI-Agent in Memphis, ungenannt)

Hinweis

Homepage von Thomas Harris


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

Dezember 6, 2008

Alfred hat in gewohnter Qualität aus einer Bleiwüste ein ansehnliches Werk gemacht. Es kann hier bewundert werden. Und das gibt es die demnächst im Fernsehen:

Fast hat man den Eindruck, dass die Sender sich vor der großen Weihnachtsoffensive zurückhalten; – die dann bis auf einige bereits im Kino gesehene oder bewusst nicht gesehene Blockbuster auch nur aus Wiederholungen von bereits wiederholten Filmen besteht.
Die sehenswerten Wiederholungen der kommenden beiden Wochen sind die „Heißer Verdacht“-Fälle (mit „Tödliche Verstrickung“ ist auch ein lange nicht mehr gezeigter Fall dabei), Jonathan Demmes Thomas-Harris-Verfilmung „Das Schweigen der Lämmer“, Martin Scorseses Nicholas-Pileggi-Verfilmung „Casino“ (es soll ja zwei Menschen geben, die ihn die vergangenen Wochen verpasst haben), Elisabeth Rappenaus Stuart-M.-Kaminsky-Verfilmung „Frequenz Mord“ (ein Film mit Catherine Deneuve kann nicht ganz schlecht sein), Brad McGanns hochgelobte Maurice-Gee-Verfilmung „Als das Meer verschwand“ (Das ist eine weitere TV-Premiere für den Videorekorder.), und dann gibt es noch einige, bereits in den vergangenen Wochen öfters gezeigte Hitchcock-Filme.


R. i. P. John Michael Hayes

Dezember 5, 2008

R. i. P. John Michael Hayes (11. Mai 1919 – 19. November 2008)

Eben erst habe ich bei Cinema Retro entdeckt, dass Drehbuchautor John Michael Hayes tot ist. Er schrieb die Drehbücher zu den Hitchcock-Klassikern „Das Fenster zum Hof“ (Rear Window, 1953), „Über den Dächern von Nizza“ (To catch a thief, 1954), „Immer Ärger mit Harry“ (The trouble with Harry, 1954) und „Der Mann, der zuviel wusste“ (The man who knew to much, 1955). Danach schrieb er unter anderem die Drehbücher zu „Glut und Asche“ (Peyton Place, 1957), „Telefon Butterfield 8“ (Butterfield 8, 1960), „Infam“ (The children’s hour, 1961) und „Nevada Smith“ (1966). Mehrere seiner Bücher wurden für wichtige Filmpreise nominiert. Für „Das Fenster zum Hof“ erhielt er einen Edgar. 2004 erhielt er von der Writers Guild of America den Laurel Award for Screen Writing Achievement.

Nachrufe gibt es in der L. A. Times, New York Times, The Independent, und in der Süddeutschen Zeitung gab es immerhin eine Kurzmeldung.


True-Crime-Spurensuche online

Dezember 5, 2008

Nach langer Zeit gibt es endlich wieder eine neue Spurensuche bei den Alligatorpapieren und dieses Mal beschäftige ich mich nur mit Sachbüchern. Es sind Gay Taleses wundervolle Chronik „Ehre deinen Vater“ (Honor Thy Father, 1971) über die Mafiafamilie Bonanno, Sabine Rückerts „Unrecht im Namen des Volkes – Ein Justizirrtum und seine Folgen“ (2007/2008), Pieke Biermanns Reportagen „Der Asphalt unter Berlin“ (2008), die aktuelle Ausgabe des „Grundrechte-Report 2008 – Zur Lage der Bürger- und Menschenrechte in Deutschland“ (2008) und Frank Litteks „Alle Achtung! – Sich erfolgreich schützen und zur Wehr setzten bei Überfällen, Einbrüchen, Taschendiebstählen etc.“ (2008).