TV-Tipp für den 5. Dezember: Der letzte Scharfschütze

Dezember 5, 2008

ARD, 01.20

Der letzte Scharfschütze (USA 1976, R.: Don Siegel)

Drehbuch: Scott Hale, Miles Hood Swarthout

LV: Glendon Swarthout: The Shootist, 1975 (Der Superschütze)

Revolverheld Books will seine letzten vom Krebs gekennzeichneten Tage in Ruhe verbringen. Aber so einfach ist das nicht.

Einer der besten Spätwestern – und John Waynes letzter Film.

„Don Siegel unterzog in ‚The Shootist – Der Scharfschütze’ den Mythos einer distanzierten Würdigung, die noch einmal dem Western zurückgab, was ihm in den letzten Jahren abhanden gekommen war: Ruhe. Und vielleicht exakt diese Botschaft ist es, die endgültig dem Genre ein friedvolles Ende bescheren hätte können: nämlich, die, dass der Western tot, die Grenze erschlossen, die Gesellschaft korrupt ist und dass man sich darüber nicht besonders aufregen muss.“ (Georg Seesslen: Western)

Die Western Writers of America verliehen Swarthouts Buch den Spur-Award als bester Western-Roman des Jahres 1975. Später nahmen sie „The Shootist“ in die Liste der 21 besten Western, Swarthout in die Liste der besten Western-Autoren und die Verfilmung in die Liste der zehn besten Western des zwanzigsten Jahrhunderts auf.

Mit John Wayne, Lauren Bacall, James Stewart, Ron Howard, Richard Boone, John Carradine

Auch “The Shootist – Der Scharfschütze”

Hinweis

Homepage von Glendon Swarthout


Kleinkram: Jason Starr schreibt, Dave Gibbons antwortet, Paul Laverty auch, ein Text über Chester Himes, einer über die „Tannöd“-Verfilmung und die Dezember-„Krimi-Couch“

Dezember 4, 2008

Jason Starr gastbloggte die vergangenen Tage bei The Rap Sheet über die Taschenbuchausgabe von „The Follower“ (deutscher Erscheinungstermin noch unklar), Buch-Trailer (mit zwei schönen Beispielen, vor allem zu seinem Buch), den Beginn der Dreharbeiten zu dem auf seiner Kurzgeschichte „The Bully“ basierendem Film, seine erste Graphic Novel „The Chill“ bei dem DC-Imprint Vertigo Crime (Ian Rankin schreibt dafür auch eine Geschichte) und am Ende bedankt er sich höflich.

I think that some of the best crime-writing being done right now can be found in comics. Writers such as Brian Azzarello, Ed Brubaker, Greg Rucka, and Brian Wood have been doing amazing work for years.

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Dave Gibbons, „the Artist behind WATCHMEN“, beantwortet bei Tor einige Fragen. Kinogänger haben den vielversprechenden Watchmen-Trailer (dafür sind Trailer ja da) wahrscheinlich bereits genossen.

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In der taz beantwortet Paul Laverty, der Drehbuchautor von „It’s a Free World“ und zalreichen weiteren Ken-Loach-Filmen, einige Fragen.

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Michael A. Gonzales schreibt im Noirzine über Chester Himes.

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In der Netzeitung gibt es eine dpa-Artikel über die „Tannöd“-Verfilmung.

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Und die Dezember-Ausgabe der Krimi-Couch ist online; mit Ian Rankins „Ein Rest von Schuld“, John le Carrés „Marionetten“ und einigen weiteren Kapitalverbrechen. Gut, dass „Der blaue Hammer“ greifbar ist.


TV-Tipp für den 4. Dezember: Outland – Planet der Verdammten

Dezember 4, 2008

Tele 5, 20.15

Outland .- Planet der Verdammten (GB 1981, R.: Peter Hyams)

Drehbuch: Peter Hyams

Buch zum Film: Alan Dean Foster: Outland (Outland, 1981)

Auf einem Jupitermond betreibt ein Konzern eine ertragreiche Mine. Als der dort stationierte Polizist O’Niel herausfindet, dass die Arbeiter unter Drogen gesetzt werden und deshalb vor dem Ablauf ihres Vertrages sterben, stellt er sich gegen den Leiter der Mine. Und der versteht keinen Spaß.

Der Weltraumwestern „Outland“ wurde schnell auf die prägnante Formel „High Noon im Weltraum“ gebracht. Dabei ist die Atmosphäre in der Weltraumstation beklemmender als in einem Western, es gibt etwas Kapitalismuskritik und Sean Connery als Einzelner gegen die Bösen ist immer eine gute Wahl.

„Intelligente Unterhaltung und bestimmt einer der besten Thriller des Jahres“ (Sunday Telegraph)

„It’s also a movie of unexpected pleasures, including some uncommonly handsome science-fiction sets, a straightforward narrative that recalls “High Noon“ without that film’s holy seriousness, some wonderfully effective chases through the darkest interiors of this huge, hermetically sealed moon camp, plus two staunch, robust performances by Mr. Connery and Miss Sternhagen. “Outland“ is what most people mean when they talk about good escapist entertainment.“ (Vincent Canby, New York Times, 22. Mai 1981)

Der Film wurde für einen Hugo nominiert. „Jäger des verlorenen Schatzes“ erhielt die Trophäe.

mit Sean Connery, Peter Boyle, Frances Sternhagen, James B. Sikking, Steven Berkoff

Wiederholung: Freitag, 5. Dezember, 00.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Outland“

And you call yourself a Scientist! über Outland (nicht so begeistert)

Classic Science Fiction über Outland (begeistert)


Die dunkle Seite von Edinburgh

Dezember 3, 2008

guthrie-post-mortem

Wem Allan Guthries “Abschied ohne Küsse” zu düster war, der sollte um “Post Mortem” einen großen Bogen machen. In seinem für den Debüt-Dagger der britischen Autorenvereinigung Crime Writers’ Association nominiertem Werk bewegen sich im winterlichen Edingburgh einige mehr als halbseidene Charaktere auf eine tödliche Konfrontation, die kaum einer von ihnen überleben wird, zu. Es sind ein Gangstertrio, das bei seinen Postfilialen-Überfällen und Geiselnahmen mit beispielloser Brutalität vorgeht. Das Gleichgewicht innerhalb des Trios gerät außer Kontrolle, als Robin Greaves, der Kopf der Bande, von einem schmierigen Privatdetektiv erfährt, dass seine Frau ihn mit seinem Komplizen betrügt. Wie ihm der Detektiv das auf den ersten Seiten von „Post Mortem“ schonend beibringt, ist großes Theater. Die zweite Partei ist der Privatdetektiv und dessen Laufbursche, der einen Überfall des Trios beobachtet, und die mit diesem Wissen ihren Schnitt machen wollen. Als dritte Partei gesellt sich der Ex-Knacki und Geldeintreiber Pearce dazu. Als seine Mutter bei einem Überfall von Greaves erstochen wird, beginnt Pearce sie zu jagen und spätestens jetzt verläuft für keinen der Charaktere mehr etwas nach Plan; – falls er überhaupt jemals einen hatte.

Der Plot von „Post Mortem“ mit den parallel ablaufenden Geschichten ist nicht neu und in der Post-Tarantino-Euphorie der neunziger Jahre wurden solche Geschichten von dummen Gangstern, dem großen Ding, der eigenen Unfähigkeit und dem grandios-blutigem Scheitern von Plänen schon tausendmal, begleitet vom Gelächter des Publikums, erzählt.

Allan Guthries Debüt unterscheidet sich von diesen Werken vor allem durch seinen dreckig-ironiefreien Tonfall, der ihn für eine popkulturelle Verwertung sperrt. Er lässt seine grimmige Geschichte an zwei Tagen spielen. Er jongliert, ohne dabei ins Straucheln zu geraten, mit einem guten Dutzend verschiedener Charaktere und mehreren parallelen Handlungssträngen. Er erzählt die Geschichte lakonisch-knapp auf 280 Seiten in der deutschen Ausgabe; die Erstausgabe hat keine 200 Seiten.

In seinem zweiten Roman „Abschied ohne Küsse“, der wie „Post Mortem“ zuerst in den USA erschien und in seiner Heimatstadt Edinburgh spielt, erzählt Guthrie dann eine bittere Rachegeschichte, in der ein Vater den Tod seiner Tochter rächen will. Dieser verdient seine Brötchen als skrupelloser Schuldeneintreiber für den bereits in „Post Mortem“ auftauchenden Kredithai Cooper. Erzählerisch machte Allan Guthrie mit seinem zweiten Roman einen gewaltigen Schritt in die richtige Richtung. Denn während „Post Mortem“ zu sehr an der vorhersehbaren Geschichte und dem etwas übertriebenem Ende litt, erzählt Guthrie in „Abschied ohne Küsse“ ganz traditionell eine Geschichte mit einer gemeinen Pointe.

Sein auch von bekannten Autoren wie Ian Rankin, Ken Bruen, Jason Starr, Bill Pronzini und George Pelecanos gelobtes Debüt „Post Mortem“ ist dagegen vor allem die überzeugende Talentprobe eines neuen Noir-Autors. 2009 will der Rotbuch Verlag das dritte Buch von Guthrie „Hard Man“ auf Deutsch veröffentlichen.

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Allan Guthrie: Post Mortem

(übersetzt von Gerold Hens)

Rotbuch Verlag, 2008

288 Seiten

16,90 Euro

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Originalausgabe

Allan Guthrie: Two-Way Split

PointBlank, 2004

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Hinweise

Homepage von Allan Guthrie

Meine Besprechung von Allan Guthries „Abschied ohne Küsse“ (Kiss Her Goodbye, 2005)


TV-Tipp für den 3. Dezember: Lichter der Vorstadt

Dezember 3, 2008

Arte, 22.45

Lichter der Vorstadt (Fin/D/F 2006, R.: Aki Kaurismäki)

Drehbuch: Aki Kaurismäki

Willkommen in Kaurismäki-Land. Dieses Mal erzählt er, als Abschluss seiner Verlierer-Trilogie, die Geschichte des Wachmanns Koistinen, der sich in eine Blondine verliebt. Diese will – wir ahnen es – von ihm nur einen Zugangscode für ein Juweliergeschäft haben.

Nach dem grandiosen „Der Mann ohne Vergangenheit“ ist „Lichter der Vorstadt“ ein enttäuschendes Werk. Denn in „Lichter der Vorstadt“ ist alles zu stilisiert und zu verknappt, um noch ernst genommen zu werden. Aber in Zeiten, in denen anscheinend kein Film unter 120 Minuten mehr im Kino gezeigt wird, ist Kaurismäki das probate Gegenmittel gegen den Exzess. Denn mit 75 Minuten hat „Lichter der Vorstadt“ die gewohnt-kurze Kaurismäki-Länge.

„Eine Einsamkeitszeremonie. Das selbstauferlegte Martyrium eines Nachtwächters. Und von Liebe – fast – keine Spur. Eilig verständigte sich die Kaurismäki-Gemeinschaft auf ein Minimalziel, auf die Freude an sublimem Rhythmus und Kadrage, an Tangos und Garagenrock, an pointiert gesetztem Licht und klaren Farben, an unübertroffen sparsamen und wirkungsvollen Dialogen: Immerhin, wo Kaurismäki draufsteht, war auch diesmal wieder Kaurismäki drin.“ (Jan Schulz-Ojala in Eue/Söffker: Aki Kaurismäki)

mit Janne Hyytiäinen, Maria Järvenhelmi, Maria Heiskanen, Ilkka Koivula

Wiederholungen

Montag, 15. Dezember, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Mittwoch, 24. Dezember, 00.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Lichter der Vorstadt“

Meine Besprechung des von Ralph Eue und Linda Söffker herausgegebenen Filmbuchs „Aki Kaurismäki“


Cover der Woche

Dezember 2, 2008

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Kurzmeldungen: Shawn Ryan über „The Shield“, Alexandra Sokoloff über den dritten Akt, Andrea Maria Schenkel gewinnt einen Preis, Krimileser „Bernd“ über Verträge, Die Dezember-Ausgabe von The Big Thrill, Dreimal „Noir of the Week“

Dezember 2, 2008

Im A. V. Club spricht Shawn Ryan über das Ende der von ihm erfundenen Serie „The Shield“:

By the time we started filming the first episode of the final season, we had a pretty good idea where we were gonna go. Then we figured some other things out along the way, as we were filming. So it was a process. It evolved. But I always think it’s better to take your time and go through a lot of ideas—and dismiss a lot of ideas—before figuring out where to land. It’s a good way to care for your audience, too. If you spend hours and hours and days and weeks coming up with the ending, then there’s a chance the fans won’t figure it out on their own.

Er fasst die Entwicklung von sieben Staffeln „The Shield“ so zusammen:

The original central question still holds true, I guess: „What are you willing to accept, in terms of behavior, from the people who protect you?“ That was a very resonant question in 2002, when we were still in the shadow of 9/11. But I think as the series has gone on, the question has turned more inward, relating more to Vic and the other guys on the Strike Team in terms of, „What price do people pay for having bent the rules?“

Außerdem spricht er über „Nash Bridges“, seine Zukunftspläne (wozu auch eine Polizeiserie gehört, die James Ellroy schreibt und eine Privatdetektivserie) und seine Lieblingsserien.

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Bei Murderati ist Alexandra Sokoloff bei den Elemten des dritten Aktes einer Geschichte angekommen:

The third act so often falls apart or disappoints, don’t you think? We all seem to be somewhat afraid of it – that is, unless it’s all there in our heads to begin with and we can just – “speed we to our climax”, as Shakespeare said.

But even then, a third act is a lot of pressure. (…)

The essence of a third act is the final showdown between protagonist and antagonist.

Sometimes that’s all there is to it – one final battle between the protagonist and antagonist. In which case some good revelatory twists are probably required.

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Andrea Maria Schenkel hat für „Tannöd“ den schwedischen Krimipreis „Martin Beck Preis“ in der Kategorie „Internationaler Kriminalroman“ gewonnen. Der Name „Martin Beck“ – Uuh, muss ich euch das wirklich sagen?

Herzlichen Glückwunsch!

Der dritte Roman „Bunker“ von Andrea Maria Schenkel erscheint Ende Februar 2009. Er ist wieder ziemlich kurz und erzählt aus der Perspektive des Täters und des Opfers die Geschichte einer Geiselnahme.

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Bernd hat einiges Lesenswerte zu Verträgen und Genreerwartungen geschrieben. Der Anlaß war meine Besprechung von Norbert Horsts „Sterbezeit“ und die Reaktion von Dieter darauf.

Die Tage werde ich noch ausführlicher schreiben, was mir neben dem Ende an dem Buch nicht gefallen hat. Und das ist einiges.

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Die ziemlich dünne Dezember-Ausgabe von The Big Thril, dem Magazin der International Thriller Writers ist online. Es gibt einige Buchvorstellungen und Interviews mit Steve Berry, Stephen Coonts und Nick Stone.

Und es gibt die Möglichkeit für eine Person 150 signierte Thriller zu gewinnen.

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Der Noir of the Week ist „Das verlorene Wochenende“ (The lost weekend, USA 1945, Regie: Billy Wilder, Drehbuch: Billy Wilder, Charles Bracket, mit Ray Milland, Jane Wyman). Filmhistoriker Bill Hare feiert den Film ab.

Davor wurden die Cornell-Woolrich-Verfilmungen „Angst in der Nacht“ (Fear in the night, USA 1947, Regie/Drehbuch: Maxwell Shane) und „Im Dunkel der Nacht“ (Nightmare, USA 1956, Regie/Drehbuch: Maxwell Shane) unter die Lupe genommen. Die literarische Vorlage war beide Male die Kurzgeschichte „Nightmare“, die Woolrich als William Irish veröffentlichte. Thomas C. Renzi, der Autor von „Cornell Woolrich from Pulp Noir to Film Noir“, schrieb die Besprechungen.


TV-Tipp für den 2. Dezember: Die fünf Geächteten

Dezember 2, 2008

Tele 5, 21.55

Die fünf Geächteten (USA 1967, R.: John Sturges)

Drehbuch: Edward Anhalt

Was geschah nach der Schießerei am O. K. Corral? Dieser Film erzählt die weitere Geschichte von Wyatt Earp, Doc Holliday und den Clantons.

„Der Film ist (…) weniger in seinen Fakten authentisch (in Wirklichkeit wurde Clanten von einem Deputy-Marshal in Arizona erschossen), als in der Zeichnung von Milieu, Umständen und Charakteren. Er ist überhaupt nicht langweilig für Freunde einer kühlen, nüchternen, intelligenten Beschreibung einer Entwicklung“ (Joe Hembus: Das Western-Lexikon) über diesen Sturges-Film, der immer noch im Schatten von seinem zehn Jahre früher gedrehtem Klassiker „Zwei rechnen ab“ (Gunfight at the O. K. Corral) steht. „Die fünf Geächteten“ ist für Western-Fans ein sehr angenehmer, gut gealterter Zeitvertreib.

Mit James Garner, Jason Robarts, Robert Ryan, Albert Salmi, Monte Markham, Jon Voight, Edward Anhalt (Doktor in Denver, ungenannt)

Wiederholung: Mittwoch, 3. Dezember, 08.50 Uhr

Hinweise

Riding the High Country über „Hour of the Gun“

DVD Verdict über „Hour of the Gun“

TCM über „Hour of the Gun“



Zitat des Tages: David Mamet über überflüssige Szenen

Dezember 1, 2008

Wann ist eine Szene überflüssig? Wenn sie nicht dem Fortschritt der Sache dient, um die es dem Film von Anfang an geht. Was geschieht während einer Abschweifung? Die Konzentration des Publikums gerät auf Abwege. Die Zuschauer sind aus ihrer Anteilnahme herausgerissen, und der Filmemacher hat seinen wichtigsten Partner verloren: die unkritische, weil durch die Sache beanspruchte Teilnahme des Publikums.

David Mamet: Bamibi vs. Godzilla

Alexander Verlag 2008, S. 90


TV-Tipp für den 1. Dezember: King Kong und die weiße Frau

Dezember 1, 2008

MDR, 22.55

King Kong und die weiße Frau (USA 1933, R.: Ernest B. Schoedsack, Merian C. Cooper)

Drehbuch: James Ashmore Creelman, Ruth Rose

Story/Originalentwurf: Edgar Wallace, Merian C. Cooper

Auf einer Südseeinsel entdeckt eine Filmcrew einen riesigen Affen und bringt ihn nach New York.

Auch heute noch beeindruckender Klassiker des Monsterfilms.

Im Anschluss läuft „Graf Zaroff – Genie des Bösen“. Ein weiterer Klassiker, der von Schoedsack und Irving Pichel in den Kulissen von „King Kong und die weiße Frau“ gedreht wurde.

Mit Fay Wray, Robert Armstrong, Bruce Cabot, Frank Reicher, Sam Hardy

Hinweise

Filmsite über „King Kong“

The Stop Button über „King Kong“

Senses of Cinema über „King Kong“


TV-Tipp für den 30. November: Mogadischu

November 30, 2008

kortner-mogadischu

ARD, 20.15

Mogadischu (D 2008, R.: Roland Suso Richter)

Drehbuch: Maurice Philip Remy

Buch zum Film: Timo Kortner: Mogadischu – Das Entführungsdrama der Landshut, 2008

Nach Heinrich Breloers hochgelobtem Zweiteiler „Todesspiel“ (auch schon über zehn Jahre alt) über den Deutschen Herbst 1977, diversen Dokumentationen (zum Beispiel letztes Jahr ein Zweiteiler) über die RAF, dem noch im Kino laufendem „Baader Meinhof Komplex“ mutet „Mogadischu“ etwas akademisch an. Denn die Fakten sind bekannt. Am 13. Oktober 1977 entführt ein palästinensisches Kommando die Lufthansa-Maschine Landshut. Nach einem mehrtätigen Irrflug landet das Flugzeug in Mogadischu und die GSG 9 beendet die Geiselnahme.

Neue Erkenntnisse, wie die Beteiligung des KGB an der Entführung und was Lufthansa-Pilot Jürgen Schumann machte, als er nach einer Notlandung in Aden zwanzig Minuten verschwand, ändern nichts an dem großen Bild.

Aber Autor Remy und Regisseur Richter verarbeiteten diese Geschichte, nach den bisherigen euphorischen Kritiken, jetzt zu einem die damaligen Ereignisse konzentriert nacherzählendem TV-Spielfilm, der auch im Kino überzeugt hätte.

„Es ist ein ernsthafter Versuch der Annäherung (an die Wahrheit, A. d. V.). Wir bemühen uns, mit Verantwortung an ein Thema heranzugehen. Die Menschen, die das erlebt haben, sollen nicht davor sitzen und sagen: Was machen die denn da? Was erzählen die da?“ (Remy in der FAZ)

Das gleichnamige „Begleitbuch zum Film ‚Mogadischu’“ von Timo Kortner nimmt eine seltsame Zwischenstellung zwischen einem traditionellem Buch zum Film, also einer höchstens sparsam erweiterten Romanfassung des Drehbuchs, und einem Sachbuch über die Entführung ein. Denn Kortner führt relativ ausführlich in das gesellschaftliche Klima während der Schleyer-Entführung ein und er fügt immer wieder erklärende Passagen ein. Dabei gibt es im Buch und im Film eine Verschiebung der Perspektive von den Tätern zu den Opfern. Der Tatsachenroman „Mogadischu“ erzählt von Menschen in einer Ausnahmesituation und wie sie versuchen, diese zu überleben. Die Entführer bleiben dagegen, bis auf den durchgeknallten Captain Martyr Mahmud, blass. Und die Ideologie der Terroristen wird höchstens in einem Nebensatz gestreift; – was sie als Bösewichter noch bedrohlicher macht.

Kortners „Mogadischu“ ist ein packendes Drama, das auch eine gehörige Portion historisches Wissen vermittelt. Ein feines Buch.

Nach dem Film wird bei „Anne Will“ mit Zeitzeugen über die Entführung gesprochen und um 22.45 Uhr gibt es „Mogadischu – Die Dokumentation“ von Maurice Philip Remy.

Mit Nadja Uhl, Thomas Kretschmann, Christian Berkel, Said Tagmaqoui, Herbert Knaup, Simon Verhoeven, Jürgen Tarrach

Hinweise

ARD zum Film

FAZ: Interview mit Maurice Philip Remy über “Mogadischu” (24. November 2008)

FAZ (Michael Hahnfeld), Die Welt (Eckhard Fuhr), Spiegel Online (Christian Buß), Süddeutsche Zeitung (Christopher Keil), taz (René Martens), Die Zeit (Margit Gerste) über den Film „Mogadischu“

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Das Buch zum Film

Timo Kortner: Mogadischu – Das Entführungsdrama der ‚Landshut’

Knaur, 2008

272 Seiten

9,95 Euro

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Nachtrag: Ich kann den Zeitungskritiken zustimmen: Der Film ist absolut sehenswert. Für meinen Geschmack hätte die Wackelkamera etwas dezenter sein können. Die Diskussion bei „Anne Will“ war gewohnt ziellos. Die Dokumentation war dann wieder gut. Weil sie wie der Film von teamWorx produziert wurde, dürfte sie auf der demnächst erscheinenden DVD sein.


KrimiWelt-Bestenliste Dezember 2008

November 29, 2008

Mit sechs neuen Büchern gibt es auf der KrimiWelt-Bestenliste für den Dezember einiges zu entdecken:

1 (-) John le Carré: Marionetten

2 (2) Jean-François Vilar: Die Verschwundenen

3 (3) Jerome Charyn: Citizen Sidel

4 (-) Jo Nesbø: Der Schneemann

5 (-) José María Guelbenzu: Stört den Mörder nicht

6 (-) Ian Rankin: Ein Rest von Schuld

7 (10) Fred Vargas/Baudoin: Das Zeichen des Widders

8 (-) Kate Atkinson: Lebenslügen

9 (8) Bernhard Jaumann: Die Augen der Medusa

10 (-) George Pelecanos: Der Totengarten

Draußen sind unter anderem Allan Guthries „Post Mortem“ (schade, Besprechung kommende Woche), Norbert Horsts „Sterbezeit“ (nicht schade; – aber nachdem seine vorherigen Bücher, so meine Erinnerung, alle länger in der Liste waren, war das jetzt ein sehr kurzes Gastspiel) und Richard Starks „Fragen Sie den Papagei“ war ja lange genug drin. Von den Neueinstiegen kenne ich John le Carrés „Marionetten“ (nach einer langen Durststrecke endlich wieder ein lesenswerter le Carré; auch wenn die Geschichte ziemlich vorhersehbar ist), Ian Rankins „Ein Rest von Schuld“ (die grandiose Abschiedsvorstellung von Rebus; – jedenfalls vorläufig) und George Pelecanos’ „Der Totengarten“ (den ich, wie Rankin, bereits auf der November-Liste erwartet hatte).

In Klammer ist immer die Platzierung des Vormonats.


TV-Tipp für den 29. November: Der lange Michael-Ballhaus-Abend

November 29, 2008

„Das Adventsfest der Volksmusik“, „Das Supertalent – Das große Finale“, „Die große TV total Stock Car Crash Challenge“, „Gala-Konzert zugunsten der Deutschen AIDS-Stiftung“ – kommt den wirklich nichts Gescheites um 20.15 Uhr? Oh, hier:

BR, 20.15

Die Ehe der Maria Braun (D 1978, R.: Rainer Werner Fassbinder)

Drehbuch: Peter Märtesheimer, Pea Fröhlich (nach einer Idee von Rainer Werner Fassbinder)

Fassbinder-Klassiker über das Leben einer Frau von den Kriegsjahren bis zum 4. Juli 1954.

Mit Hanna Schygulla, Klaus Löwitsch, Ivan Desny, Gottfried John, Gisela Uhlen, Günter Lamprecht, Elisabeth Trissenar, Volker Spengler, Karl-Heinz von Hassel, Michael Ballhaus, Hark Bohm, Günther Kaufmann, Bruce Low, Rainer Werner Fassbinder, Claus Holm

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BR, 22.15

Michael Ballhaus – Eine Reise durch mein Leben (D 2008, R.: Vera Tschechowa)

Drehbuch: Vera Tschechowa

Doku über den deutschen Kameramann, der auch in Hollywood sehr begehrt ist. Der Bayerische Rundfunk widmete dem 73-jährigen diesen Abend mit einer feinen Filmauswahl aus seinem Werk.

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BR, 23.15

Die fabelhaften Baker Boys (USA 1989, R.: Steve Kloves)

Drehbuch: Steve Kloves

Ähem, das ist der Film mit Michelle Pfeiffer, singend, auf dem Piano. Jazzpianist Dave Grusin schrieb die Musik.

Mit Jeff Bridges, Beau Bridges, Michelle Pfeiffer, Jennifer Tilly, Xander Berkely, Gregory Itzin, Albert Hall

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BR, 01.00

Die bitteren Tränen der Petra von Kant (D 1972, R.: Rainer Werner Fassbinder)

Drehbuch: Rainer Werner Fassbinder (nach seinem Theaterstück)

Und noch ein Fassbinder-Klassiker

Mit Hanna Schygulla, Margit Carstensen, Irm Hermann, Eva Mattes

Hinweise

BR zum Abend (erster Film, Doku, zweiter Film, dritter Film – und ein aktuelles Interview)

Vierundzwanzig: Interview mit Michael Ballhaus (November 2008 – vor allem über „Martha“)

Michael Ballhaus: Das ist mein Amerika (Tagesspiegel, 2. November 2008)

Cinemascope: Porträt/Interview mit Michael Ballhaus (26. April 2008)

Planet Interview: Interview mit Michael Ballhaus (Februar 2007)

Wikipedia über Michael Ballhaus (deutsch)


Kommissar Kirchenbergs enttäuschender vierter Auftritt

November 28, 2008

horst-sterbezeit

Kann man einen Krimi schrieben, ohne den Täter zu präsentieren?

Ja, natürlich.

Kann man dafür gute Kritiken erhalten?

Ja, auch.

Aber nicht von mir. Denn für mich ist „Sterbezeit“ von Norbert Horst ein Roman, der den unsichtbaren Vertrag zwischen Erzähler und Publikum verneint. Dieser Vertrag besagt, dass der Erzähler am Ende eine Lösung für die von ihm eingangs aufgeworfene Frage liefert. Bei einem Krimi ist die Frage meistens „Wer ist der Täter?“ und am Ende wird der Täter überführt.

Schon in dem Polizeiroman „Blutskizzen“ strapazierte Horst diesen Vertrag, weil der Täter zwar ermittelt, aber entkommen konnte. In „Sterbezeit“, geht Horst auf diesem Weg noch einen Schritt weiter. Denn der Täter wird nicht mehr ermittelt, sondern am Ende hat Kommissar Konstantin Kirchenberg eine Vermutung, wer der Täter in einem alten Mordfall ist und wie sich die Tat abgespielt haben könnte.

Dieser zentrale Fall von „Sterbezeit“ beginnt mit dem Fund von zwei säuberlich abgetrennten, skelettierten Händen im Keller eines Mietshauses. Erst nachdem die Polizei eine neue wissenschaftliche Methode anwendet, können der Zeitpunkt der Tat und damit auch die zu befragenden Mieter genauer eingrenzt werden. Kirchenberg beginnt, mit einem neuen Kollegen, die ehemaligen Mieter zu befragen und die Vermisstenanzeigen durchzuforsten.

Dieser Mordfall wird mit dem Tod eines Drogensüchtigen und einer alten, kranken Frau, einem Fall von Drogenkonsum in der Verwandtschaft und Kirchenbergs Liebesgeschichte zu Ayse mühsam auf knappe dreihundert Seiten gestreckt.

Keiner dieser Subplots ist sonderlich interessant. Im Gegenteil. Die beiden privaten Plots bewegen sich auf dem Niveau einer Daily-Soap. Die drei Todesfälle sind letztendlich auch nicht viel besser. Doch während der Tod des Junkies und der alten Frau ohne große Mühe irgendwo in der Mitte des Buches aufgeklärt werden, gibt es bei dem Hauptfall keine Lösung.

Das ist, nachdem Horst in „Sterbezeit“ seinen vorherigen Roman mit keinem Wort erwähnt, nicht der Beginn eines zweiteiligen Romans (wie es Donn Cortez mit den „CSI: Miami“-Romanen „Mörderisches Fest“ und „Todsicheres Alibi“ tat), sondern einfach Verrat am Publikum. Denn das eingangs von dem Autor aufgeworfene Rätsel wird nicht gelöst. Er löst ein gegebenes Versprechen nicht ein, sondern beendet das Buch einfach indem er seinen Ich-Erzähler vage eine Vermutung äußern lässt, wer der Täter sei. Dieser Verstoß gegen die Genrekonventionen (und die Konventionen des Erzählens von Geschichten) könnte funktionieren, wenn Norbert Horst innerhalb der Geschichte ein anderes Thema präsentiert hätte, das er zu einem befriedigenden Schluss führen würde. Doch das tut er nicht. Deshalb ist „Sterbezeit“, genau wie ein Agatha-Christie-Roman bei dem die letzten Seiten fehlen, Zeitverschwendung.

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Norbert Horst: Sterbezeit

Goldmann, 2008

288 Seiten

7,95 Euro

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Hinweise

Homepage von Norbert Horst

Meine Besprechung von Norbert Horsts „Blutskizzen“

Nachtrag

Nachdem es in anderen Blogs eine Diskussion über diesen Text (vor allem meine Verwendung des Wortes „Vertrag“ gab), habe ich hier meine anderen Kritikpunkte gepostet.


TV-Tipp für den 28. November: Phoenix – Blutige Stadt

November 28, 2008

3sat, 23.10

Phoenix – Blutige Stadt (USA 1997, R.: Danny Cannon)

Drehbuch: Eddie Richey

In Phönix, Arizona, hat der spielsüchtiger Cop Harry Collins eine Pechsträhne. Zusammen mit seinen korrupten Kollegen will er einen Kredithai ausrauben. Natürlich geht die Sache in diesem noirischen Cop-Drama schief.

Ein feines Genrestück: gut gespielt, schick fotografiert, mit teilweise etwas durchhängender Story – und hier nur lieblos als DVD auf den Markt geworfen.

Graeme Revell schrieb die Musik.

Mit Ray Liotta, Anthony LaPaglia, Anjelica Huston, Daniel Baldwin, Jeremy Piven, Tom Noonan, Xander Berkeley, Giancarlo Esposito, Brittany Murphy, Giovanni Ribisi

Wiederholung: Samstag, 29. November, 03.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

3sat über „Phoenix – Blutige Stadt“

Wikipedia über “Phoenix”


Bouchercon 2008: Ein Gespräch mit Lawrence Block

November 27, 2008

Während der diesjährigen Bouchercon unterhielt Hard-Case-Crime-Herausgeber Charles Ardai sich mit seinem Lieblingsautor Lawrence Block. Das einstündige Gespräch ist jetzt auch in guter Qualität bei YouTube vorhanden:

Unbedingt ansehen!


Neu im Kino: Death Race

November 27, 2008

Death Race (Death Race, USA 2008)

Regie: Paul W. S. Anderson

Drehbuch: Paul W. S. Anderson

Weniger ein Film für die Freunde des gesitteten Kriminalfilms, sondern ein Film für die Freunde röhrender Motoren: 2012 findet in einem Knast ein Autorennen auf Leben (für wenige) und Tod (für den Rest) statt.

Uh, und für alle, die es noch nicht mitbekommen haben: Andersons Film ist ein sehr, sehr freies Remake von dem inzwischen zum Kult avanciertem „Death Race 2000“ (USA 1975, Frankensteins Todesrennen, Herrscher der Straße) von Paul Bartel mit David Carradine und Sylvester Stallone. Roger Corman produzierte den Film und die deutsche Kritik war entzückt: „entartet er zum widerwärtigen Nervenkitzel“ (Filmdienst) oder „Action-Orgie der Gehirnzwerge von Übermorgen“ (Münchner Abendzeitung).

Mit Jason Statham, Tyrese Gibson, Ian McShane, Joan Allen, Natalie Martinez, Max Ryan, Ed O’Neill (ungenannter Auftritt als Fabrikarbeiter)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Death Race“

Rotten Tomatoes: Jason Statham über seine Lieblingsfilme und „Transporter 3“


TV-Tipp für den 27. November: Killer stellen sich nicht vor

November 27, 2008

ARD, 01.05

Killer stellen sich nicht vor (F 1980, R.: Jacques Deray)

Drehbuch: Jacques Deray, Christopher Frank

LV: Jean-Patrick Manchette: Trois hommes à abattre, 1976 (Killer stellen sich nicht vor/Westküstenblues)

Monsieur Emmerich läßt einige seiner Angestellten, die mit seiner Geschäftspolitik nicht einverstanden sind, aus dem Weg räumen. Spieler Gerfaut bringt einen von ihnen schwer verletzt in ein Krankenhaus und sich selbst – ohne sein Wissen – auf Emmerichs Todesliste. Gerfaut nimmt den Kampf auf.

Der Film mit hat nichts mit dem Buch zu tun. Naja, bis auf den Autounfall am Anfang.

Davon abgesehen: französischer Politthriller, der die Genreerwartungen gut bedient.

Mit Alain Delon, Dalila Di Lazzaro, Michel Auclair

Hinweise

Wikipedia über Jean-Patrick Manchette

Manchette-Seite des Distel-Literaturverlages

Französische Jean-Patrick-Manchette-Seite

Europolar: Elfriede Müller über Jean-Patrick Manchette

James Sallis über Jean-Patrick Manchette



Eisige Stunden mit US-Marshal Carrie Stetko

November 26, 2008

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Greg Rucka – – – ist in den USA bereits seit über zehn Jahren ein in der Krimi- und Comicszene bekannter Name. In Deutschland dauerte es, obwohl der große Druchbruch immer noch nicht gekommen ist, etwas länger. Denn seine Romane mit dem Bodyguard Atticus Kodiak wurden bislang nicht übersetzt. Die von Rucka geschriebenen, von Steve Lieber gezeichneten Comics „Whiteout“ und „Whiteout: Melt“, das einen Eisner Award erhielt, erschienen erst gute zehn Jahre nach ihrem Erscheinen in den USA in Deutschland. Die zwei auf dem gleichnamigem Spiel basierenden „Perfect Dark“-Romanen erschienen in der Heyne Science-Fiction-Reihe und sind nur noch antiquarisch erhältlich. Die später entstandene Comicserie „Queen & Country“ mit der britischen Agentin Tara Chace wurde fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit veröffentlicht. Aber der erste Tara-Chace-Roman „Dschihad“ (A Gentleman’s Game, 2004) wurde schon breiter wahrgenommen. Und wenn die lange angekündigte Verfilmung von „Whiteout“ von Dominic Sena mit Kate Beckinsale in der Hauptrolle am 11. September 2009 in den USA (nach einigem Hin und Her ist das der derzeit aktuelle Starttermin) und, sicher, kurz darauf in Deutschland startet, wird Greg Rucka endlich auch beim breiten Publikum bekannt werden.

Beckinsale spielt den in die Antarktis versetzten toughen US-Marshal Carrie Stetko. In dem Comic „Whiteout“ muss sie wenige Tage bevor die Stationen auf den Winterbetrieb umschalten und fast alle Beschäftigen die Antarktis verlassen, den Mord an einem Amerikaner aufklären. Schnell gibt es weitere Morde und der Mörder versucht Stetko zu töten.

Während „Whiteout“ ein Whodunit ist, der vor allem in den verschiedenen Polarstationen spielt, geht es in dem zweiten Abenteuer mit Carrie Stetko „Whiteout: Melt“ in die arktische Weite. Eine Gruppe russischer Ex-Elitesoldaten klaut aus einer russischen Station mehrere Atomwaffen. Dabei töten sie die dort stationierten Polarforscher. Stetko wird von ihrer Regierung zurück in das Eis geschickt. Sie soll die Atomwaffen finden und so die Verhandlungsposition der USA gegenüber Russland stärken. Denn nach dem Antarktisvertrag sind dort Atomwaffen verboten. Zusammen mit dem russischen Ermittler Kapitän Alexander Iwanowitsch Kuchin verfolgt sie die Söldner durch das Eis.

Wie Greg Rucka in dem in „Whiteout: Melt“ abgedrucktem Interview mit Jochen Ecke sagt, habe er sich nach einigen Romanen mit Atticus Kodiak bewusst dafür entschieden, auch Comics zu schreiben, weil die verschiedenen Medien wie Comic, Roman und Film ihre spezifischen Stärken hätten und mit Steve Lieber habe er den Partner gefunden, der die Stetko-Geschichten kongenial in sparsame Schwarz-Weiß-Zeichnungen, was vor dem Manga-Boom sehr ungewöhnlich war, übertrug.

In den beiden Hardboiled-Geschichten „Whiteout“ und „Whiteout: Melt“ ergänzen die Zeichnungen und den Text in mehr als nur einer Beziehung. Neben der Geschichte verhandeln die Beiden immer auch weitere Themen, wie das Leben einer Frau in einer reinen Männergesellschaft, und sie geben ein Gefühl für die eisige Landschaft.

Derzeit arbeiten Greg Rucka und Steve Lieber nach einer fast zehnjährigen Pause an einem dritten Carrie-Stetko-Abenteuer: „Whiteout: Night“.

Ein dickes Lob verdient „Crosscult“ für die liebevolle Ausstattung der beiden Bände. Im ersten Band gibt es eine Covergalerie und ein aktuelles Nachwort von Steve Lieber. Im zweiten Band ausführliche Interviews mit Greg Rucka und Steve Lieber, ein kurzes Porträt von Greg Rucka und ein Vorwort von Brian Michael Bendis, einem bekannten Marvel-Comics-Autor: „wenn ein Comic so vielschichtig und oft gelobt wird wie dieser, ertappe ich mich immer wieder bei dem Wunsch, dass dies der Standard für Comics sein, nicht die Ausnahme. (…) Glückwunsch zu einer außergewöhnlichen Geschichte, die gut erzählt ist, Greg und Steve.“

Yeah.

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Greg Rucka/Steve Lieber: Whiteout

(übersetzt von Stefan Pannor)

Cross Cult, 2007

128 Seiten

16 Euro

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Originalausgabe

Whiteout

Oni Press, 1999 (die Einzelhefte erschienen 1998)

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Greg Rucka/Steve Lieber: Whiteout: Melt

(übersetzt von Stefan Pannor)

Cross Cult, 2008

128 Seiten

16 Euro

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Originalausgabe

Whiteout: Melt

Oni Press, 2000 (die Einzelhefte erschienen 1999/2000)

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Hinweise

Homepage von Greg Rucka

YouTube: PressPass-Inteview mit Greg Rucka (Oktober 2008)

CrossCult über “Whiteout” und “Whiteout: Melt” (jeweils mit Leseprobe)

Crimespree Cinema über die Verfilmung “Whiteout”


TV-Tipp für den 26. November: Der zerrissene Vorhang

November 26, 2008

SWR, 23.00

Der zerrissene Vorhang (USA 1966, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Brian Moore, Keith Waterhouse (ungenannt), Willis Hall (ungenannt)

Ein Physiker läuft in den Osten über. Allerdings nicht, um sein Land zu verraten, sondern um von einem Ost-Kollegen wichtige Informationen zu erhalten.

In den Sechzigern drehte Hitchcock zwei Spionagefilme. Doch „Der zerrissene Vorhang“ und „Topas“ zählen zu seinen schwächsten Werken: zu viele Charaktere, zu lahme Geschichte, einfach zu wenig Hitchcock und zu viel von einem starbesetzten Spionagefilm, für Menschen, die Filme gerne mit einer Flipchart ansehen.

Aus heutiger Sicht bietet „Der zerrissene Vorhang“ immerhin einige bekannte deutsche Schauspieler in einem Hitchcock-Film und einen hübschen Mord. Das ist für zwei Stunden aber zu wenig.

Brian Moore schrieb später unter anderem „Hetzjagd“, „Die Farbe des Blutes“ und „Es gibt kein anderes Leben“.

Mit Paul Newman, Julie Andrews, Lila Kedrova, Hansjörg Felmy, Wolfgang Kieling, Günther Strack

Hinweise

Wikipedia über Brian Moore

Alfred Hitchcock redet mit Francois Truffaut über „Der zerrissene Vorhang“

Senses of Cinema über Alfred Hitchcock

Kriminalakte über Paul Newman