TV-Tipps für die Weihnachtstage und das Wochenende: Vom Ice Harvest zum öffentlichen Feind

Dezember 24, 2008

Mittwoch, 24. Dezember

Sat.1, 22.20

The Ice Harvest (USA 2005, R.: Harold Ramis)

Drehbuch: Richard Russo, Robert Benton

LV: Scott Phillips: The Ice Harvest, 2000 (Alles in einer Nacht)

Heiligabend in Wichita, Kansas: Anwalt Charlie Arglist hat mit seinem Kumpel Vic einen Mafiaboss um zwei Millionen Dollar erleichtert. Bevor er Wichita verlassen kann, muss er noch den Weihnachtsabend überleben. Denn anscheinend wollen die Verwandtschaft, Kleingangster, eine Femme Fatale, ein Killer, sein nicht vertrauenswürdiger Mitverbrecher und der titelgebende Eissturm seinen Plan durchkreuzen.

Hochkarätig besetzte schwarze Komödie, die bei uns leider nur auf DVD veröffentlicht wurde.

Scott Phillips Debütroman war für den Edgar und Hammett Preis nominiert. Das Drehbuch war auch für einen Edgar nominiert.

Mit John Cusack, Billy Bob Thornton, Connie Nielsen, Randy Quaid, Oliver Platt

Wiederholung: Donnerstag, 25. Dezember, 01.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Scott Phillips

Amerikanische Homepage zum Film

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Donnerstag, 25. Dezember

RTL, 22.00

Children of Men (USA 2006, R.: Alfonso Cuarón)

Drehbuch: Alfonso Cuarón, Timothy J. Sexton, David Arata, Mark Fergus, Hawk Ostby

LV: P. D. James: The Children of Men, 1992 (Im Land der leeren Häuser)

2027: Seit 18 Jahren wurde weltweit kein Kind mehr geboren. Großbritannien ist ein Polizeistaat und eigentlich geht alles vor die Hunde. Da wird der desillusionierte Weltverbesserer Theo von einer Untergrundorganisation entführt. Er soll eine junge, schwangere Frau aus London in eine irgendwo außerhalb Englands liegende sichere Zone bringen. Denn das Baby darf nicht in die Hände der Regierung fallen. Auf ihrer Reise muss Theo schnell feststellen, dass er niemand vertrauen kann.

Verfilmung des S-F-Romans von P. D. James. Für den Film spricht die Darstellerriege, die Kameraarbeit (Cuarón schnitt auch in Action-Szenen extrem selten, teilweise überhaupt nicht). Gegen den Film spricht die 08/15-Story, dass diese Negativutopie ein einziges Patchwork verschiedenster, sich letztendlich wiedersprechender Negativutopien ist und dass „Children of Men“ im Gegensatz zu den großen Negativutopien deshalb eskapistisches Kino ist.

Mit Clive Owen, Julianne Moore, Chiwetel Ejiofor, Michael Caine, Danny Huston

Wiederholung: Freitag, 26. Dezember, 23.40 Uhr

Hinweise

Homepage von P. D. James

Krimi-Couch über P. D. James

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Children of Men“

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Freitag, 26. Dezember

RBB, 00.15

Casino (USA 1995, R.: Martin Scorsese)

Drehbuch: Martin Scorsese, Nicholas Pileggi

LV: Nicholas Pileggi: Casino: Love and Honor in Las Vegas, 1995 (Casino)

Biopic über die Mafia in Las Vegas in den Siebzigern

Kurz gesagt: ein Meisterwerk und Pflichttermin für Krimifans.

„Die einander ergänzenden Elemente von ‚Casino’, die genaue, materialistische Dokumentation, das Shakespeare-Drama von Macht und Fall, der Genrefilm und die Strindbergsche Seelenpein von Mann und Frau, zwischen denen eine unsichtbare Mauer steht, laufen alle auf die Feststellung hinaus, die Robert De Niro schon am Anfang getroffen hat: dass niemand gegen die Bank gewinnen kann. Das ist nicht nur konkrete Beschreibung einer ökonomisch-kriminellen Situation und soziale Metapher auf das Wesen des Kapitalismus, sondern auch ein philosophisches Gleichnis.“ (Georg Seeßlen: Martin Scorsese)

Mit Robert De Niro, Sharon Stone, Joe Pesci, James Woods, Kevin Pollak, L. Q. Jones

Wiederholung: BR, Samstag, 27. Dezember, 23.25 Uhr

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Samstag, 27. Dezember

BR, 22.25

Hollywood Gangster (D 2008, Regie: Eckhart Schmidt)

Drehbuch: Eckhart Schmidt

Einstündige Doku über das Bild des Gangsters in Hollywoodfilmen im Wandel der Zeit. Als Begleitprogramm gibt es um 20.15 Uhr die Gaunerkomödie „Der Clou“ (mit Robert Redford und Paul Newman) und um 23.25 Uhr „Casino“.

Mit Roger Corman, Nicholas Pileggi, Peter Bogdanovich, Martin Bregman, James Caan, Angie Dickinson, Joan Leslie, John Milius, Budd Boetticher

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Sonntag, 28. Dezember

Gangsterfilm-Double-Feature

BR, 23.00

GoodFellas – Drei Jahrzehnte in der Mafia (USA 1990, R.: Martin Scorsese)

Drehbuch: Martin Scorsese, Nicholas Pileggi

LV: Nicholas Pileggi: Wiseguy, 1985 (Der Mob von innen)

Preisgekrönter und mitreisender Gangsterfilm über das Leben des Mafia-Aussteigers Henry Hill zwischen 1955 und 1980 in New York.

Bei Scorsese sind Gangster die Kehrseite des amerikanischen Traums und die Mafia keine ehrenwerte Gesellschaft, sondern eine Ansammlung von Killern, Schlägern und Betrügern.

mit Robert De Niro, Joe Pesci (Oscar als bester Nebendarsteller), Ray Liotta, Lorraine Bracco, Paul Sorvino

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BR, 01.20

Der öffentliche Feind (USA 1931, R.: William A. Wellman)

Drehbuch: Harvey Thew

Kleiner Gauner wird zu einem Polizistenmörder.

Einer der unumstrittenen Klassiker des Gangsterfilms. Damals wurde „The public enemy“, ebenso wie der vergleichbare „Little Caesar“, als Glorifizierung des Verbrechens kritisiert.

James Cagney begründete mit dieser Rolle seinen Ruhm; besonders mit dieser Szene: Cagney zerdrückt eine Grapefruit in Mae Clarkes Gesicht.

Mit James Cagney, Edward Woods, Jean Harlow


Cover der Woche

Dezember 23, 2008

cannon-der-weise-tod


TV-Tipp für den 23. Dezember: James Bond – Der Hauch des Todes

Dezember 23, 2008

HR, 20.15

JAMES BOND: Der Hauch des Todes (GB 1987, R.: John Glen)

Drehbuch: Richard Maibaum, Michael G. Wilson

LV: Ian Fleming: The living daylights, 1962 (Duell mit doppeltem Einsatz, Kurzgeschichte)

Bond soll einem russischen Agenten zur Flucht verhelfen. Aber dieser treibt ein doppeltes Spiel.

Der erste Bond mit Timothy Dalton ist ein rundum unterhaltsamer Familienfilm: etwas Action (jugendfrei), schöne Frauen (dito), Pferde, Exotik (na, so a la Karl May). Tja, man gab sich Mühe zum 25-jährigen Leinwandjubiläum.

Sogar einige Elemente der Fleming-Story wurden in „Der Hauch des Todes“ verwandt.

Mit Timothy Dalton, Maryam d´Abo, Jeroen Krabbé, Joe Don Baker (hier einer der Bösen)


Schöner Bildband über das Kino des Grauens

Dezember 22, 2008

duncan-horror-cinema

„Horror ist das Gegenwärtige, die Vergegenwärtigung. Die Tatsache, der man ins Auge sehen muss. Der Mörder, der vor dir steht, mit gefletschten Zähnen und erhobenem Messer. Die tote Ehefrau am Boden. Das schlaffe Fleisch im Spiegel – das Kind, das hinter einem Ball herläuft und dabei den Lastwagen nicht wahrnimmt, den du kommen siehst. Horror ist die Wanze, die dir aus dem Ohr kriecht. Horror sind die Nazis an der Macht.

Worin besteht der Unterschied zwischen Horror und Terror? Horror ist die zweite Stufe. Terror ist die Ungewissheit, die Angst. (…) Horror ist, wenn deine Befürchtungen wahr werden. Horror ist die Erfüllung.“ schreiben Jonathan Penner und Steven Jay Schneider in der Einleitung zu dem von Paul Duncan herausgegebenen, gewohnt prächtig gelayouteten Band „Horror Cinema“ der „Film series“ des Taschen Verlages.

In neun Kapitel zeichnen Penner und Schneider in knappen Texten die Geschichte des Horrorfilms von den Anfängen bis zur Gegenwart nach. Sie fassen die Genregrenzen, wie man nach den einleitenden Worten vermuten kann, großzügig. Es geht um Slasher und Serienmörder, Kannibalen und Hinterwäldler, die Rache der Natur, Science-Fiction-Horror, lebende Toten, Geister und Spukhäuser, Besessene und teuflische Bösewichte, Voodoo und Satanisten, Vampire und Werwölfe, und Ungeheuer in Frauengestalt.

Die ersten Kapitel sind umfangreicher und auch für Genrekenner gewinnbringend zu lesen. Ab der Mitte des Buches werden sie kürzer und erschöpfen sich teilweise in einer kaum kaschierten Aufzählung von Filmtiteln, die, auch weil sie zu unsortiert sind, nicht mehr als Ansehempfehlungen taugen.

Doch das ist nur ein kleiner Kritikpunkt. Denn insgesamt bietet „Horror Cinema“ auf wenigen Seiten einen gelungenen Überblick über das Genre. Jonathan Penner und Steven Jay Schneider gelingt es, die Entwicklung des Genres von den Stummfilmen über die klassischen Horrorfilme der dreißiger Jahre und die Zombie- und Slasherfilme hin zu den aktuellen Werken nachzuzeichnen.

Die Texte werden, wie gewohnt, durch zahlreiche Fotos, kundige Bildunterschriften und prägnante Zitate ergänzt. Dabei beeindruckt – wie schon bei den früheren Veröffentlichungen in der Filmreihe des Taschen-Verlages – die Auswahl der Bilder. Denn neben den wenigen bekannten Filmfotos gibt es zahlreiche selten bis nie abgedruckte Filmfotos und Bilder von den Dreharbeiten.

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Paul Duncan (Hrsg.): Horror Cinema

(Texte von Jonathan Penner und Steven Jay Schneider)

Taschen Verlag, 2008

192 Seiten

19,99 Euro

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Hinweis

Taschen-Verlag über „Horror Cinema“ (in dem Buch kann geblättert werden)


Neue Drehbücher: „Sex and the City“ & „RocknRolla“

Dezember 22, 2008

Na, das ist doch ein ausgewogenes Paket von Simply Scripts:

Für die Mädels: „Sex and the City“ (Drehbuch von Michael Patrick King – Hm.)

Für die Jungs:  „RocknRolla“ (Drehbuch und Regie: Guy Ritchie – Und im Gegensatz zu seinem letzten Film „Revolver“ soll der Gangsterfilm „RocknRolla“ ab dem 19. März 2009 auch in den deutschen Lichtspieltheatern gezeigt werden. Ansonsten dreht Madonnas Exmann jetzt eine moderne, also actionhaltige, Version von Sherlock Holmes.)


TV-Tipp für den 22. Dezember: Tatort: Und dahinter liegt New York

Dezember 22, 2008

RBB, 22.05

Tatort: Und dahinter liegt New York (D 2001, Friedemann Fromm)

Drehbuch: Friedrich Ani

Wer erschoss den Polizisten Reck? Batic und Leitmayr ermitteln in Münchens nicht so gut gestellten Kreisen.

Toller Krimi mit fesselnder Story, guter Besetzung und authentischer Atmosphäre.

Bei der Erstausstrahlung gab es eine groteske Diskussion über den Titel: Dürfen wir nach dem Anschlag vom 11. September noch die Worte New York im Titel haben? Oder sollen wir sie durch die Welt ersetzten?

Mit Udo Wachtveitl, Miroslav Nemec, Michael Fitz, Barbara Rudnik

Hinweise

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)


TV-Tipp für den 21. Dezember: Das Gasthaus an der Themse

Dezember 21, 2008

Das Vierte, 20.15

Das Gasthaus an der Themse (D 1962, R.: Alfred Vohrer)
Drehbuch: Trygve Larsen (Egon Eis), Harald G. Petersen
LV: Edgar Wallace: The india-rubber men, Wolves of the waterfront, The pool, 1929 (Das Gasthaus an der Themse)
Inspektor Wade verfolgt den Hai; einen Mörder, der mit einer Harpu ne zuschlägt und in einem Taucheranzug in die Londoner Kanalisation abtaucht.
Das war das letzte Drehbuch von Egon Eis für einen Wallace-Film (er schrieb u. a. „Der Frosch mit der Maske“, „Der rote Kreis“ und „Die toten Augen von London“) und die erste Wallace-Verfilmungen mit einem anderen Haupttäter im Film als im Buch. Kramp hält „Das Gasthaus an der Themse“ für eine der besten Schwarzweiß-Wallace-Verfilmungen von Vohrer.

Ansonsten: ein Edgar-Wallace-Film ist ein Edgar-Wallace-Film.

Mit Joachim Fuschberger, Brigitte Grothum, Richard Münch, Elisabeth Flickenschildt, Klaus Kinski, Eddi Arent, Siegfried Schürenberg.

Hinweis
Meine Besprechung von Egon Eis‘ „Duell im Dunkel“


TV-Krimi-Buch-Tipps für die Weihnachtstage und Silvester online

Dezember 21, 2008

Alfred ließ für einige Stunden den Kampf gegen Viren, Bakterien und ärztliche Ratschläge („Bettruhe! Tee trinken! Nicht aufregen! Nicht aufregen!!“) ruhen und stürzte sich in die Alligatorenpapiere-Arbeit. Ein Ergebnis sind die TV-Krimi-Buch-Tipps für die letzten Tage des Jahres. Ansehen! Einen kleinen Vorgeschmack gibt es hier:

Hallo liebe Krimifreunde,
zu den letzten TV-Krimi-Buch-Tipps für dieses Jahr. Traditionell geizen die Sender während der letzten Tage des Jahres nicht mit Filmen. Neben viel Müll lohnt sich bei diesen Filmen das Einschalten (oder programmieren des Rekorders): die sechste Folge von Lynda La Plantes „Heißer Verdacht“, Liliana Cavanis Patricia-Highsmith-Verfilmung „Ripley’s Game“, Frank Capras Joseph-Kesselring-Verfilmung „Arsen und Spitzenhäubchen“, Martin Scorseses Nicholas-Pileggi-Verfilmungen „Casino“ und „GoodFellas“, José Giovannis „Der Rammbock“, Sam Peckinpahs „Sacramento“, den Alfred-Hitchcock-Filme „Die Vögel“, „Vertigo – Aus dem Reich der Toten“, „Das Fenster zum Hof“ und „Der Mann, der zuviel wusste“.
Die sehenswerte TV-Premiere ist Harold Ramis Verfilmung von Scott Phillips‘ Debütroman „The Ice Harvest“, die okaye TV-Premiere ist Alfonso Cuaróns P.-D.-James-Verfilmung „Children of Men“ und dann gibt es für die Freunde des Gangster- und Noir-Films gleich eine ganze Reihe guter Filme. Es sind, in der Reihenfolge ihrer Ausstrahlung, „Der kleine Caesar“, „Der öffentliche Feind“, „Goldenes Gift“, „Maschinenpistolen“, „Die wilden Zwanziger“, „Entscheidung in der Sierra“, „Stadt an der Grenze“, „Wem gehört die Stadt?“, „Chicago – Engel mit schmutzigen Gesichtern“ und „Gardenia – Eine Frau will vergessen“.


TV-Tipp für den 20. Dezember: Ripley’s Game

Dezember 20, 2008

Sat.1, 00.35

Ripley’s Game (GB/I/USA 2002, R.: Liliana Cavani)
Drehbuch: Liliana Cavani, Charles McKeown
LV: Patricia Highsmith: Ripley’s Game, 1974 (Ripley’s Game oder Regel ohne Ausnahme, Ripley’s Game oder Ein amerikanischer Freund)
Ripley schlägt einem todkranken Mann vor, mit einem Auftragsmord seiner Familie ein finanzielles Polster zu verschaffen.
„John Malkovich ist perfekt in der Hauptrolle, die Spannung stimmt, die Inszenierung souverän.“ (Lothar R. Just: Filmjahrbuch 2005)
Hochgelobte, sehenswerte Highsmith-Verfilmung, die in Deutschland nur eine DVD-Premiere erlebte und bevorzugt zu unmöglichen Zeiten ausgestrahlt wird.
Mit John Malkovich, Ray Winstone, Hanns Zischler
Wiederholung: Sonntag, 21. Dezember, 04.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Gerald Peary: Interview mit Liliani Cavani (Boston Phoenix, Dezember 2003)

Roger Ebert’s Overlooked Film Festival: Ripley’s Game

Wikipedia über Patricia Highsmith

Krimi-Couch über Patricia Highsmith

Kirjasto über Patricia Highsmith


CSI: Las Vegas und CSI: NY auf Mörderjagd

Dezember 19, 2008

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Tote im Knast, in einem italienischen Cafe, in einem See und in einer Villa. Das sind in den neuen Büchern von Jerome Preisler und Keith R. A. DeCandido die harten Fälle für die CSIler aus New York und Las Vegas.

Preisler und DeCandido sind erprobte Tie-In-Autoren. Preisler schrieb mehrere „Homicide“- und „Tom Clancy’s Power-Plays“-Romane. DeCandido „Resident Evil“-, „Buffy“-, „Supernatural“- und „Star Trek“-Romane. Beiden gelingt es mit ihrer ersten Arbeit für das CSI-Franchise einerseits perfekt die Formel für die TV-Fans auszufüllen, und andererseits spannende Fälle für die Leser, die die Serien nicht ansehen, zu erfinden. Denn auch ein Tie-In-Roman muss vor allem als Roman funktionieren.

Im Original heißt Jerome Preislers Roman mit dem Las-Vegas-Team um Gil Grissom „Nevada Rose“. Dieser Titel bezieht sich dabei auf beide Fälle, während der deutsche Titel „Tod in der Wüste“ einen Fall hervorhebt. Denn in dem einem Fall wird das stadtbekannte Partygirl Rose Demilles, genannt Nevada Rose, tot in ihrem Bett gefunden. Wurde sie ermordet oder ist ein SM-Spiel zu weit gegangen? Catherine Willows und Warrick Brown haben schnell zwei Verdächtige. Demilles Freund, den Baseball-Star Mark Baker, und ihren verheirateten Liebhaber. Dr. Layton Samuels ist Schönheitschirurg und seine Ehe inzwischen ein schrottreifes Unternehmen mit glänzender Fassade.

In dem zweiten Fall wird in einem künstlichen See eine männliche Leiche gefunden. Aber der Fundort ist nicht der Tatort. Anhand des sandartigen Materials an den Kleidern des Toten finden Greg Sanders und Sara Sidle heraus, dass Adam Belcher in einem Stollen starb und durch ein Unwetter in den See gespült wurde. Der Tote hatte zusammen mit seinem Bruder Charles einen wertvollen Stein gefunden, den sie „Nevada Rose“ nannten. Aufgrund ihrer Ermittlungen glauben die CSIler an einen Mord und Charles, der den Stein meistbietend verkaufen wollte, ist ihr Hauptverdächtiger.

Während Jerome Preislers „Tod in der Wüste“ einfach eine weitere Geschichte mit den Forensikern aus Las Vegas ist, platziert Keith R. A. DeCandido seine Geschichte genau an das Ende der dritten „CSI: NY“-Staffel zwischen die Folgen „Nachspiel“ und „Ausnahmezustand“. Deshalb werden in „Ohne Ausweg“ für einen Tie-In-Roman ungewöhnlich oft frühere Ereignissen erwähnt. Außerdem lässt DeCandido, genau wie in vielen Episoden, nach der Verhaftung einen langen Epilog folgen. Das funktioniert überraschend gut, weil er allen Charakteren einen abschließenden Auftritt gewährt.

Am Anfang von „Ohne Ausweg“ werden Mac Taylor und seine Jungs in die Richmond Hill Correctional Facility gerufen. Vance Barker wurde erstochen. Der Mithäftling Jack Mulroney gesteht sofort die Tat. Taylor und sein Team sollen nur die Spuren sichern.

Der zweite Todesfall ist wesentlich komplizierter. Der allseits beliebte, zum Islam konvertierte Ex-Polizist Malik Washburne wurde erschlagen. Der erste Tatverdächtige ist Jorge Melendez. Er fand die Leiche und er hatte in den vergangenen Tagen Streit mit Malik, weil dieser ihm bei einer Berufungsverhandlung nicht helfen wollte.

Stella Bonasera und Lindsay Monroe müssen derweil den Mord an der Nachtbedienung Maria Campagna in Belluso’s Bakery aufklären. Ihr erster Verdächtiger ist ein cholerischer Kampfsportler, der die Tote zuletzt gesehen hatte und, nachdem er früher bereits wegen einer Vergewaltigung fälschlich verdächtigt wurde, die Polizei hasst und sich entsprechend unkooperativ verhält.

Im direkten Vergleich ist Keith R. A. DeCandidos „Ohne Ausweg“ gelungener als Jerome Preislers „Tod in der Wüste“. Denn während Preisler sich vor allem auf die Frage nach dem Täter konzentriert und diesen, entsprechend der TV-Serie, anhand der Spuren ermittelt, gewinnen bei DeCandido die einzelnen Charaktere, ihre Gefühle, Motive und Wünsche ein größeres Gewicht. Es entsteht ein kleines Sittenbild von New York als einer pulsierenden Großstadt, die doch ein Dorf ist. Jedenfalls spätestens, wenn Stella Bonasera ihre Arbeitskollegen am Ende in Belluso’s Bakery zum Cannoli-Essen einlädt.

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Jerome Preisler: CSI: Crime Scene Investigation – Tod in der Wüste

(übersetzt von Frauke Meier)

vgs, 2008

264 Seiten

17,95 Euro

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Originalausgabe

CSI: Crime Scene Investigation – Nevada Rose

Pocket Books, 2008

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Keith R. A. DeCandido: CSI: NY – Ohne Ausweg

(übersetzt von Frauke Meier)

vgs, 2008

312 Seiten

17,95 Euro

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Originalausgabe

CSI: NY – Four Walls

Pocket Books, 2008

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Hinweise

Homepage von Jerome Preisler

Homepage von Keith R. A. DeCandido

CSI Files: Interview mit Keith R. A. DeCandido über seinen CSI: NY-Roman (30. April 2008)

Meine Besprechungen der CSI-Romane und CSI-Comics (mit weiterführenden Links)

Max Allan Collins: CSI: Crime Scene Investigation – Die Last der Beweise (CSI: Crime Scene Investigation – Body of Evidence, 2003):

Max Allan Collins: CSI – Crime Scene Investigation: Im Profil des Todes (CSI: Crime Scene Investigation – Snake Eyes, 2006)

Max Allan Collins:  CSI – Das Dämonenhaus (Demon House, 2004 – Comic)

Max Allan Collins:  CSI: NY – Blutiger Mond (Bloody Murder, 2006 – Comic)

Donn Cortez: CSI: Miami – Mörderisches Fest (CSI: Miami – Harm for the Holidays – Misgivings, 2006)

Donn Cortez: CSI: Miami – Todsicheres Alibi (CSI: Miami – Harm for the Holidays – Heart Attack, 2006)

Donn Cortez: CSI: Miami – Im freien Fall (CSI: Miami – Cut and run, 2007)

Ken Goddard: CSI: Crime Scene Investigation – In Extremis (CSI: Crime Scene Investigation – In Extremis, 2007)

Steven Grant: CSI: Geheimidentität (Secret Identity, 2005 – Comic)

Stuart M. Kaminsky: CSI: NY – Der Tote ohne Gesicht (CSI: NY – Dead of Winter, 2005)

Stuart M. Kaminsky: CSI: NY – Blutige Spur (CSI: NY – Blood on the sun, 2006)

Stuart M. Kaminsky: CSI: NY – Sintflut (CSI: NY – Deluge, 2007)

Jeff Mariotte/Kris Oprisko: CSI Miami (enthält die Comics „Blut/Geld“, „Du sollst nicht“ und „Verräterische Waffe“, 2005)

Kris Oprisko: CSI: Domino (Dominoes, 2005)




TV-Tipp für den 19. Dezember: Glen or Glenda?

Dezember 19, 2008

Arte, 00.10

Glen or Glenda? (USA 1953, R.: Edward D. Wood jr.)

Drehbuch: Edward D. Wood jr.

Ohne den Golden Turkey Award, der Ed Wood posthum zum schlechtesten Regisseur und „Plan 9 from Outer Space“ zum schlechtesten Film aller Zeiten kürte, der harten Konkurrenz anderer Ed-Wood-Filme für den schlechtesten Film aller Zeiten (Sorry, es kann nur einen Gewinner geben.), der detailreichen Biographie von Rudolph Grey und dem grandiosem Tim-Burton-Biopic „Ed Wood“ wäre Ed Wood und sein schmales Werk sicher schon lange vergessen. Die Ed-Wood-Klassiker „Glen or Glenda?“ und „Plan 9 from Outer Space“ sind zwar keine guten Filme, aber in den Fünfzigern sie einfach nur weitere, für sehr wenig Geld gedrehte Werke, die mit Sex und Thrills marktschreierisch um ein jugendliches Publikum warben, das sich in Doppelvorführungen nur ablenken wollte, und kurz darauf größtenteils vergessen wurden.

In seinem in vier Tagen gedrehtem Debütfilm „Glen or Glenda?“ über Transvestiten und ihre Nöte im damaligen Amerika spielte Ed Wood, im Angorapulli, als Daniel Davis die Hauptrolle.

1995 wurde „Glen or Glenda?“ in einigen deutschen Kinos gezeigt. Heute feiert diese Trashperle nach über einem halben Jahrhundert seine TV-Premiere. Und so schlecht, immerhin wurde der Film von dem schlechtesten Regisseur aller Zeiten gedreht, ist „Glen or Glenda?“ (auch bekannt als „I led two lives“ und „I changed my sex“) nicht.

Mit Edward D. Wood jr., Bela Lugosi, Dolores Fuller, Tim Farrell, Lyle Talbot

Wiederholung: Samstag, 27. Dezember, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über “Glen or Glenda?”

B-Movie-Central über „Glen or Glenda?“

Bright Lights Film Journal über „Glen or Glenda?“

Bad Movies über „Glen or Glenda?“

Google Video: “Glen or Glenda?” (der Film im Original)


Neu im Kino: Lakeview Terrace

Dezember 18, 2008

Lakeview Terrace (Lakeview Terrace, USA 2008)

Regie: Neil LaBute

Drehbuch: David Loughery, Howard Korder

Rassismus andersrum: ein junges Paar (er: weiß, sie: schwarz) zieht in das noble Lakeview-Terrace-Viertel von Los Angeles. Schnell bekommen sie Ärger mit einem Nachbarn. Er ist Polizist, Rassist – und schwarz.

Dank Samuel L. Jackson als bösem Nachbarn und vielen präzisen Beobachtungen ist „Lakeview Terrace“, auch wenn das Ende zu sehr in Richtung konventioneller Thriller geht, einen Blick wert.

„It’s a challenging journey LaBute takes us on. Some will find it exciting. Some will find it an opportunity for an examination of conscience. Some will leave feeling vaguely uneasy. Some won’t like it and will be absolutely sure why they don’t, but their reasons will not agree. Some will hate elements that others can’t even see. Some will only see a thriller. I find movies like this alive and provoking, and I’m exhilarated to have my thinking challenged at every step of the way.“ (Roger Ebert, Chicago Sun-Times)

mit Samuel L. Jackson, Patrick Wilson, Kerry Washington, Ron Glass, Justin Chambers, Robert Pine

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Lakeview Terrace“


TV-Tipp für den 18. Dezember: Easy Rider

Dezember 18, 2008

Das Vierte, 20.15

Easy Rider (USA 1969, R.: Dennis Hopper)

Vor dem Drehstart sollte es nur ein weiterer billiger Biker-Film werden. Doch als „Easy Rider“ in die Kinos kam, wurde er zu einem Kultfilm für eine Generation und der Initialzündung für das New Hollywood. Oder, wie ein älterer Mann während der Berlinale-Aufführung 2004 zu seinem Nachbarn sagte:

„Ich habe den Film noch nie gesehen.“

„Wirklich?“

„Nüchtern.“

Die Story des Roadmovies ist denkbar einfach: zwei junge Männer fahren mit ihren Motorrädern von Los Angeles nach New Orleans zum Mardi Gras. Ihre Reise wird zu einem Porträt Amerikas.

Die Musik von Steppenwolf, The Byrds, The Band, Roger McGuinn und Jimi Hendrix trug sicher auch ihren Teil zum Erfolg bei.

„Easy Rider (war) der richtige Film zur richtigen Zeit. Sein Kassenerfolg gab der Filmindustrie, die in den sechziger Jahren mit superteuren, starbestückten Ausstattungsfilmen ihr Publikum nicht mehr gefunden hatte, eine neue Richtung vor: Filme für ein junges Publikum, gedreht außerhalb der Studios on location.

Wahrscheinlich war Easy Rider auch deshalb ein solcher Erfolg, weil er eben nicht den vollkommenen Bruch mit der Tradition vollzog (…), sondern vielmehr anknüpfte an amerikanische Mythen – und sie zugleich hinterfragte. Aus dem Gegensatz von klassischer narrativer Struktur im Motiv der Reise und visuellem Bruch mit den Gewohnheiten erwächst die Stärke von Easy Rider, der seine Kraft ebenso den Kinoerinnerungen an die Landschaftsbilder des Westens verdankt wie der präzisen Auswahl von zeitgenössischen Rocksongs.“ (Frank Arnold in Hans Helmut Prinzler/Gabriele Jatho: New Hollywood 1967 – 1976: Trouble in Wonderland)

Drehbuch: Peter Fonda, Dennis Hopper, Terry Southern

mit Peter Fonda, Dennis Hopper, Jack Nicholson, Karen Black, Phil Spector, Bridget Fonda (ungenanntes Debüt; Kind in der Kommune)

Hinweise

Wikipedia über „Easy Rider“

Filmsite (Tim Dirks) über „Easy Rider“

Filmzentrale (Andreas Thomas) über „Easy Rider“

History Routes über „Easy Rider“


Neue Drehbücher von David Hare, Eric Roth und Courtney Hunt online

Dezember 17, 2008

Via Simply Scripts (dort gibt es eine Liste aller Drehbücher, die im Rennen um den Oscar und die anderen US-amerikanischen Filmpreise sind und von den Produktionsgesellschaften online gestellt wurden) habe ich von diesen Drehbüchern erfahren:

David Hare: The Reader (undated, unspecified draft script – Das ist das Drehbuch zur Verfilmung von Bernhard Schlinks Roman „Die Vorleserin“.  Regie führte Stephen Daldry.  Er inszenierte „Billy Elliot“ und „The Hours“. Ralph Fiennes, Kate Winslet, Jeanette Hain, David Kross und Susanne Lother übernahmen die Hauptrollen.  Der deutsche Kinostart ist Ende Februar 2009)

Eric Roth: The Curios Case of Benjamin Button (nach einer Kurzgeschichte von F. Scott Fitzgerald. Das ist der neue Film von David Fincher, mit Cate Blanchett, Julia Ormond, Elias Koteas, Tilda Swinton und Brad Pitt)

Courtney Hunt: Frozen River (undated, unspecified draft script – Courtney Hunt führte auch Regie bei ihrem vielfach nominiertem und ausgezeichnetem Debütfilm. „Frozen River“ erhielt unter anderem den Großen Preis der Jury des Sundance Film Festivals und den New York Film Critics Circle Award für das beste Debüt. Melissa Leo und Michael O’Keefe spielen in dem Drama über zwei Frauen, die an der amerikanisch-kanadischen Grenze in die Geschäfte von Schmugglern hineingezogen werden, mit.)

(Im Moment lässt sich das „Frozen River“-Drehbuch nicht öffnen. Aber über die Seite von Sony Classics kann auf dieses und andere Drehbücher zugegriffen werden.)

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Außerdem gibt es die Black List 2008: „was compiled from the suggestions of over 250 film executives, each of whom contributed the names of up to ten of their favorite scripts that were written in, or are somehow uniquely associated with, 2008 and will not be released in theaters during this calendar year.“


TV-Tipp für den 17. Dezember: Die 30 besten Berlin-Filme

Dezember 17, 2008

RBB, 21.00
Die 30 besten Berlin-Filme
Unser Hauptstadtsender RBB ließ die Zuschauer die dreißig besten Berlin-Filme (aus einer vorgegebenen Liste) wählen. Heute wird das Ergebnis präsentiert und einige Promis (bevorzugt einheimisch) erzählen etwas dazu. Das klingt jetzt nach einem dieser Listensendungen vom Privatfernsehen, aber erstens fehlt hier die Werbung und zweitens ist die Sendung kürzer.
Und nun zu meiner Ad-hoc-Liste.
Auf den ersten Platz gehört natürlich „M – eine Stadt sucht den Mörder“ (wird’s wahrscheinlich nicht mal in die Top Ten schaffen). Außerdem müssen, ohne eine besondere Ordnung, drin sein: „Berlin: Die Symphonie einer Großstadt“ (das ist der Stummfilm von 1927), „Berlin – Sinfonie einer Großstadt“ (das Remake von 2002), „Der letzte Mann“ (natürlich der Stummfilm), „Good bye Lenin“, „Lola rennt“, „Berlin Alexanderplatz“ (einmal der Film aus den Dreißigern, einmal die Fassbinder-Verfilmung, obwohl sie für’s TV war und, aus der Erinnerung, nicht in Berlin gedreht wurde), „Eins, zwei, drei“, „Sommer vorm Balkon“, „Die Bourne Verschwörung“, „Equilibrium“ (zwei Ami-Produktionen, die in Berlin gedreht wurden), „Emil und die Detektive“ (ich sag mal alle Versionen, weil sie immer in Berlin gedreht wurden), „Linie 1“, eigentlich alles von Rudolf Thome, dito Lothar Lambert (aber der ist Underground), Jörg Buttgereit (dito), einiges von Rosa von Praunheim (hm, nochmal Underground, jedenfalls früher; heute Arthaus), Dani Levy (das meiste), Tom Tykwer (eher das Frühwerk), Fassbinders „Die dritte Generation“, einige Spionagefilme, wie „Der Mann, der aus der Kälte kam“, „Das Quiller-Memorandum“ und „Finale in Berlin“, „Kroko“, „Berlin is in Germany“, die Wenders-Filme „Der Himmel über Berlin“ und „In weiter Ferne, so nah!“, Christiane F. – Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“, „Sonnenallee“, „Herr Lehmann“,  „Cabaret“, „Das Leben ist eine Baustelle“, „Heidi M.“ (X-Filme ist halt eine gute Anlaufstelle für Berlin-Filme) und damit dürfte ich, ohne zu sehr im Stumm-, SW- und Defafilm zu suchen, schon über dreißig Filme haben.
„Der Untergang“ muss nicht sein, dürfte aber dabei sein. Dann schon lieber „Mein Führer – Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler“.
Und die Edgar-Wallace-Filme wurden auch in Berlin gedreht. Aber die zählen wohl nicht.


Cover der Woche

Dezember 16, 2008

chandler-the-long-goodbye


Hinweise: Horst Tappert gestorben, Glauser-Abend in Berlin, Letzter Band der Fauser-Edition erscheint, Tipp: Deaver-Thriller über Datenschutz, „Für alle Fälle Fitz“-DVD, Amazon-Bestsellerliste

Dezember 16, 2008

R. i. P. Horst Tappert (26. Mai 1923 – 13. Dezember 2008)

Von 1974 bis 1998 war Horst Tappert Oberinspektor Stefan Derrick. Herbert Reinecker schrieb die 281 Folgen, das ZDF strahlte sie freitags aus, jeder Heranwachsende genoss seine Portion „Derrick“ (die Eltern erlaubten schon früh diese moralisch einwandfreie, weltfremde Stunde Mord und Totschlag) und zog später bessere Programme vor.

Vor „Derrick“ spielte Tappert in den erfolgreichen TV-Mehrteilern „Die Gentlemen bitten zur Kasse“ und „Das Halstuch“ mit. Zu seinen Kinofilmen gehören „Wir Wunderkinder“, der Jerry-Cotton-Film „Die Rechnung – eiskalt serviert“, und die Edgar-Wallace-Filme „Der Hund von Blackwood Castle“, „Der Gorilla von Soho“, „Der Mann mit dem Glasauge“ und, nicht zum offiziellen Kanon gehörend, „Der Teufel kam aus Akasawa“. Sein letzter „Auftritt“ war 2004 in dem gefloppten Zeichentrickfilm „Derrick – Die Pflicht ruft!“.

Nachrufe gibt es bei Bunte, Spiegel Online, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Frankfurter Rundschau, Süddeutsche Zeitung (von Willin Winkler), Tageszeitung und Die Welt.

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Es hat schon etwas von einem Treffen der Giganten: Am 17. Dezember, um 20.00 Uhr reden Frank Göhre und Thomas Wörtche im Literaturforum des Brecht-Hauses (Chausseestraße 125, Berlin, zwischen den U-Bahnhöfen Zinnowitzer Straße und Oranienburger Tor) anlässlich des siebzigsten Todestages von Friedrich Glauser über den Erfinder von Wachtmeister Studer.

Frank Göhre veröffentlichte zuletzt den hochgelobten biographischen Roman „MO – Der Lebensweg des Friedrich Glauser“ und Krimiexperte Thomas Wörtche ist auch als Gründer der Krimireihe „metro“ im Unionsverlag (der auch das Gesamtwerk von Glauser veröffentlichte) bekannt.

Ergänzender Buchtipp: Der Schweizer Verlag „NIMBUS – Kunst und Bücher“ veröffentlichte vor wenigen Tagen „Pfützen schreien so laut ihr Licht – Gesammelte Gedichte“ und „Man kann sehr schön mit dir schweigen – Briefe an Elisabeth von Ruckteschell und die Asconer Freunde 1919 – 1932“ von Friedrich Glauser. Beides dürfte vor allem für die Hardcore-Fans sein.

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Ebenfalls eher für die Hardcore-Fans ist der letzte Band der Jörg-Fauser-Edition im Alexander-Verlag. Denn dieser, so der Verlag, erscheint demnächst:

Nach langem und nun endlich beendetem Rechtsstreit, freuen wir uns, Ihnen mitteilen zu können, dass im Februar 2009 der letzte Band der Jörg-Fauser-Edition erscheinen wird.

„Der Strand der Städte“ enthält alle journalistischen Arbeiten, die Jörg Fauser zwischen 1959 und 1987 publiziert hat; Essays, Kolumnen, Reportagen, von denen die meisten hier erstmals in Buchform erscheinen. Auf ca. 1600 Seiten „kann man den ganzen Fauser-Kosmos wieder finden“ (FAZ am Sonntag).

Im Juli 2009 veröffentlicht Diogenes eine Fauser-Werkausgabe in neun Bänden. Bitte beachten Sie, dass der im Zürcher Verlag erscheinende Essayband nur eine kleine Auswahl der journalistischen Arbeiten Fausers enthält.

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Bei den zahlreichen Datenschutzskandalen der vergangenen Wochen (zuletzt hat es die Berliner Landesbank erwischt) und dem schnellen Handeln der Politik (Ein besseres Datenschutzgesetz ist auf dem Weg und nach einer äußerst knappen Übergangsfrist von drei Jahren – DREI JAHRE? Oh, Mann, das ist schnell.) will ich ein Buch für den weihnachtlichen Gabentisch empfehlen:

Jeffery Deaver: Lautloses Duell

(übersetzt von Gerald Jung)

Goldmann, 2009

512 Seiten

8,95 Euro

Originalausgabe

The Blue Nowhere

Simon & Schuster, 2001

In dem Thriller erzählt Deaver von dem Kampf zwischen einem Mörder, der sich in die Computer seiner Opfer einkackt einhackt (wegen der Jugendfreiheit), und einem inhaftiertem Computergenie, der ihn fangen soll.

Ein hochrangiger Datenschutzexperte hat mir vor wenigen Wochen das Buch empfohlen. Er sagte, es schildere die Gefahren des illegalen Hackens sehr genau und realistisch. Nachdem die Regierung als großes Projekt zum Schutz der Bürger die Online-Durchsuchung von Computern wollen, ist ein wenig Fachwissen empfehlenswert

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Und jetzt will ich die nächste „Für alle Fälle Fitz“-DVD einschieben. Die grandiose Serie erschien vor wenigen Tagen vollständig in einer schön gestalteten Box. Auch sie ist ein gutes Weihnachtsgeschenk.

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P. S.: Eher eine Nicht-Kaufen-Liste ist dagegen die Amazon-Krimibestsellerliste. Mir ist vollkommen schleierhaft, wie Charlotte Links „Die letzte Spur“ auf den ersten Platz kommen konnte (Hat die wirklich so viele Bücher verkauft?), warum Frank Schätzings „Der Schwarm“ immer noch auf dem 23. Platz ist und warum so wenige der üblichen Verdächtigen auf der Liste sind.

Immerhin hat es Hugh Laurie mit „Bockmist“, nach Sebastian Fitzeks „Der Seelenbrecher“, auf den dritten Platz (Irgendwie muss „Dr. House“ sich bei Amazon grandios verkaufen.) und Harlan Coben mit „Das Grab im Wald“ auf den 26. Platz geschafft.


TV-Tipp für den 16. Dezember: Neues aus der Anstalt

Dezember 16, 2008

ZDF, 22.15

Neues aus der Anstalt

Urban Priol, Georg Schramm und ihre Gäste Monika Gruber, Rainald Grebe, Jochen Malmsheimer und Dieter Hildebrandt haben heute eine Stunde für ihren satirischen Rundumschlag, der natürlich auch ein Rückblick auf die vergangenen zwölf Monate ist.

Für Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie bitte die Packungsbeilage.

Wiederholung: Mittwoch, 17. Dezember, 02.45 Uhr (Taggenau!)


Frühwerk von Joe R. Lansdale in einer umfangreichen Jubiläumsausgabe

Dezember 15, 2008

lansdale-der-gott-der-klinge

Als Joe R. Lansdales „Nightrunners“ 1998 bei rororo in der Allgemeinen Reihe erschien, nahm ich das Buch überhaupt nicht wahr. Erst später, dank Martin Comparts kurzlebiger Noir-Reihe entdeckte ich Lansdale. Danach verschlang ich alle deutschen Ausgaben und auch einige Originalausgaben. Seine Hap-Collins/Leonard-Pine-Geschichten, eine mitreisende Mischung aus Action und Humor, wurden schon zutreffend als Gonzo-Privatdetektivromane bezeichnet. Seine frühen Einzelwerke beeindrucken vor allem durch die schonungslose Darstellung von Gewalt. Seine späteren, wie das hier vollkommen untergegangene, mit dem Edgar ausgezeichnete „Die Wälder am Fluss“ (The Bottoms, 2000), sind großartige, in den Südstaaten spielende Geschichten.

Mit dem Sammelband „Der Gott der Klinge“ kehrte Joe R. Lansdale vergangenes Jahr zu seinen Anfängen zurück. Der kleine, feine Verlag Subterranean Press brachte zum zwanzigjährigen Jubiläum von „The Nightrunners“ eine Geschenkausgabe von Lansdales Roman und sechs Kurzgeschichten, die etwas mit dem „Gott der Klinge“ zu tun haben und, bis auf „Jane findet ein Messer“, bereits an verschiedenen Orten veröffentlicht wurden, heraus. Lansdale schrieb zu allen Geschichten kurze Einleitungen und fertig war das Werk, das jetzt auch (und erheblich günstiger, aber weniger prächtig als die Originalausgabe) in Deutschland veröffentlicht wurde.

In „Nightrunners“ kämpft ein junges Ehepaar gegen die Nightrunners, eine Gruppe Jugendlicher, die Becky und ihren Mann Montgomery, der sich für einen Schlappschwanz hält, in einem einsamen Ferienhaus umbringen wollen. Die Nightrunners beten den Gott der Klinge an. Ob er ein übernatürliches Phänomen oder nur eine spinnerte Vorstellung der Nightrunners ist, ist in dieser Geschichte unklar.

Eine spannende Lektüre und selbstverständlich ein Thriller ist dieses Frühwerk von Joe Lansdale, das, so Lansdale in dem Vorwort, in vielen Listen der besten Horrorromane der achtziger Jahre und manchmal auch der besten Horrorromane aufgeführt wird.

Die Kurzgeschichten sind dann eher Horrorgeschichten. Denn damals schrieb Lansdale vor allem Horrorgeschichten. In „Nicht aus Detroit“ begegnet ein altes Ehepaar dem Tod und nervt ihn gehörig. In „Das zottelige Haus“ beginnt ein plötzlich auftauchendes Haus das Leben aus den anderen Häusern herauszuziehen. In „Der Gott der Klinge“ begegnet ein Antiquitätenhändler in einem verlassenen Haus einem seltsamen Typen, der ihm etwas über den Gott der Klinge erzählt und anschließend mit einem Rasiermesser umbringen will. In „König der Schatten“ erzählt Lansdale von dem vierzehnjährigen Leroy, der plötzlich den elfjährigen Draighton als jüngeren Bruder akzeptieren muss. Draightons Vater hat seine Mutter und anschließend sich selbst umgebracht. Mit einem Rasiermesser. Eines Tages entdeckt Leroy, dass Draighton das Rasiermesser besitzt.

„Zwischenfall an einer Bergstraße“ ist fast schon ein Thriller. Ellen rempelt auf einer Bergstraße ein im Weg stehendes Auto an. Kurz darauf wird sie von einem Mann verfolgt, der sie umbringen will. Da ist es gut, dass ihr vorheriger paranoider Freund ihr einiges über Überlebenstechniken in der Wildnis beigebracht hat. Und in der fünfseitigen Vignette „Janet findet ein Rasiermesser“ fehlt eigentlich nur der Halbsatz „und bringt einige Leute um“ um den Inhalt der Geschichte wiederzugeben.

Für die vorliegende Ausgabe wurde die alte rororo-Übersetzung von „Nightrunners“ etwas überarbeitet; – wobei Lansdale-Fans sich den „Gott der Klinge“ wegen der neuen Geschichten und des Vorworts von Lansdale (insgesamt immerhin fast 150 Seiten) in jedem Fall kaufen müssen. Die anderen können mit „Der Gott der Klinge“ einen begnadeten Erzähler kennenlernen und sich danach an den absolut diesseitigen Collins/Pine-Bücher („Wilder Winter“ und „Rumble Tumble“ gibt’s derzeit auf Deutsch) erfreuen. Denn die meisten anderen Lansdale-Übersetzungen gibt es, teilweise zu ziemlich unverschämten Preisen, nur noch antiquarisch.

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Joe R. Lansdale: Der Gott der Klinge

(übersetzt von Walter Hartmann und Frank Dabrock)

Heyne, 2008

400 Seiten

8,95 Euro

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Originalausgabe

The God of the Razor

Subterranean Press, 2007

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enthält den Roman:

Nightrunners (The Nightrunners, 1987)

und die auf Deutsch unveröffentlichten Kurzgeschichten

Der Gott der Klinge (The God of the Razor, 1987)

Nicht aus Detroit (Not from Detroit, 1988)

König der Schatten (King of Shadows, 2006)

Das zottelige Haus (The Shaggy House, 1986)

Zwischenfall an einer Bergstraße (Incident on and Off a Mountain Road, 1991)

Janet findet ein Rasiermesser (Janet Finds the Razor, 2007)

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Hinweise

Homepage von Joe R. Lansdale

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Wilder Winter” (Savage Season, 1990)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Rumble Tumble” (Rumble Tumble, 1998)


TV-Tipp für den 15. Dezember: The New World

Dezember 15, 2008

Tele 5, 20.15

The New World (USA 2005, R.: Terrence Malick)

Drehbuch: Terrence Malick

„Badlands“, „In der Glut der Sonne“, „Der schmale Grad“ und zuletzt „The New World“. Vier Filme in über dreißig Jahren, Das ist nicht gerade viel. Doch Malicks Filme sind für Cineasten immer ein optischer Festschmaus. Auch in seiner Interpretation der Legende von Pocahontas (wer die Geschichte nicht kennt: USA, 1607: John Smith soll für die Siedler mit den Indianern verhandeln. Diese nehmen ihn gefangen. Die Häuptlingstochter Pocahontas rettet ihn. Er verliebt sich in sie. Und jetzt beginnen die wirklichen Probleme.) sind die Bilder grandios, die Besetzung hochkarätig (obwohl in seinem Kriegsfilm „Der schmale Grad“ die Stardichte höher war), der Erzählduktus hypnotisch und fern der gängigen Hollywood-Konventionen.

Wer den Film im Kino verpasste, kann heute die TV-Premiere genießen. Allerdings wird die Meditation von Werbepausen unterbrochen.

mit Colin Farrell, Q’orianka Kilcher, Christopher Plummer, Christian Bale, August Schellenberg, Wes Studi, David Thewlis

Wiederholung: Dienstag, 16. Dezember, 08.15 Uhr

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The New World“