Hinweise: Kollegen über Gregory Mcdonald, Barry Eisler über den US-Wahlkampf, Jack Reacher im Kino – und vieles mehr

Oktober 7, 2008

Bei The Rap Sheet schreiben zahlreiche bekannte Autoren, unter anderem Joe R. Lansdale, Don Winslow, Ken Bruen, Markus Sakey und Robert Eversz, um nur die in Deutschland bekannten Namen zu nennen, über den unlängst verstorbenen „Fletch“-Erfinder Gregory Mcdonald und dessen Bedeutung für sie und die Kriminalliteratur.

–

Allan Guthrie (Abschied ohne Küsse) hat seinen Webauftritt überarbeitet. Sieht hübsch modern aus; – aber jetzt finde ich dort nichts mehr.

–

Barry Eisler ist von Sarah Palin immer noch nicht begeistert. Er fragt „Why do the Palins hate America?“ und kommentiert die Vizepräsidenten-Debatte:

I don’t think the regular-girl schtick brings in the undecideds. Here, the low expectations she had created with her recent interview disasters worked against her. The essential problem is that Palin has set expectations so low that even if she exceeds them, people will still recognize it’s not enough. Acting like a regular gal doesn’t change that dynamic; it worsens it. (…)

I think the best anyone could say for Palin is that she exceeded the stunningly low expectations her recent performances have established. I can’t imagine that a material number of undecideds watched this debate and decided based on it to vote for McCain/Palin (I can, however, easily imagine it picking up some undecideds for Obama/Biden). So the best you can say is that Palin avoided making things much worse for her ticket. Which is another way of saying that in November, Barack Obama will be elected president.

(Hoffentlich! Denn Sarah Palin ist absolut nicht geeignet für das Amt. Wer nach ihren letzten Interviews daran noch zweifelte, sollte einen Blick in die Vizepräsidenten-Debatte riskieren. Es ist schon erstaunlich, wie unkonkret sie antwortet – falls sie überhaupt antwortet. Joseph R. Biden Jr. ist einfach viel faktensicherer, beantwortet die Fragen und wirkte überzeugender als künftiger Vizepräsident.)

Die gesamte Vizepräsidenten-Debatte kann hier mit einem Transkript und weiteren Recherchemöglichkeiten angesehen werden.

–

Schnittberichte hat eine Liste der 2008 in Deutschland im Kino und auf DVD zensierten Filme veröffentlicht. Eine gerade für den Kinobereich beeindruckende Liste.

–

Josh Olsen (A History of Violence) schreibt das Drehbuch zur Lee-Child-Verfilmung „One Shot“ (Sniper). Wer Jack Reacher spielt, ist noch unklar.

–

Der Noir of the Week ist „Road House“ (Nachtclub-Lilly, USA 1948, Regie: Jean Negulesco, Drehbuch: Edward Chodorov, mit Ida Lupino, Cornel Wilde, Richard Widmark).

–

Die Okktober-Ausgabe von The Big Thrill ist online; mit Hinweisen auf die neuen Romane von Sean Chercover (mit Interview), Jeffrey Mariotte, Alex Klava (mit Interview), Raymond Benson (mit Interview zu dem James-Bond-Dreierband), Heather Graham und F. Paul Wilson (ein neuer Handyman-Jack-Roman).

–

Bei Murderati hat Alexandra Sokoloff einen weiteren Teil ihres Schreibseminars veröffentlicht: Story Structure – Act two, Part two. Lesenswert!


TV-Tipp für den 7. Oktober

Oktober 7, 2008

Planung oder Zufall? In jedem Fall passt der Arte-Themenabend „Management und Verantwortung“ perfekt zu den Schlagzeilen

Arte, 21.02

Bosse, Börse und Bilanzen (D 2008, R.: Regie: Monika Hielscher, Mattias Heeder)

Drehbuch: Monika Hielscher, Mattias Heeder

Doku über Manager zwischen Rendite und sozialer Verantwortung.

Wiederholungen

Freitag, 17. Oktober, 09.55 Uhr

Donnerstag, 23. Oktober, 05.00 Uhr

–

Arte, 21.55

Mit Charme und Dollars (D 2008, R.: Carmen Butta)

Drehbuch: Carmen Butta

Doku über den Investor Guy Wyser-Pratte, der sich als Heilsbringer sieht. Andere sehen in ihm die perfekte „Heuschrecke“, weil er sich in Aktienunternehmen einkauft um das Management zu einem profitableren Kurs zu zwingen.

Wiederholungen

Freitag, 17. Oktober, 10.50 Uhr

Freiat, 24. Oktober, 05.00 Uhr

Hinweis

Arte zum Themenabend

Bonus-Hinweis: am Mittwoch, den 22. Oktober, gibt es den Arte-Themenabend „Das Wall-Street-Fiasko“.


Der neue Mike-Hammer-Roman

Oktober 6, 2008

Anlässlich der Veröffentlichung des neuen Mike-Hammer-Romans „The Goliath Bone“, den Max Allan Collins nach dem Tod von Mickey Spillane (auf dessen Wunsch) fertigstellte, unterhielt J. Kingston Pierce (The Rap Sheet) sich mit Max Allan Collins über Mickey Spillane, dessen Arbeitsstil, den Roman und die Arbeit an dem unvollendetenManuskript.

Über den nach 9/11 spielenden Roman schriebt J. Kingston Pierce:

„The Goliath Bone“ doesn’t send Hammer in a new direction, or cause one to rethink Spillane’s series as a whole. It’s a solid capper to Hammer’s professional arc, though, and a valuable reminder of this series’ strengths–fast action, a fully realized protagonist, and mayhem not inconsistent with Hammer’s urban jungle milieu and the dangers of his assignments. It is hard to tell exactly where Collins flexed his authorial muscles.

Und hier ein Ausschnitt aus dem lesenswertem Interview. Max Allan Collins beantwortet die Frage, warum Spillanes Mike-Hammer-Romane heute immer noch gelesen werden sollten:

Hammer is one of the handful of great detective characters to come out of fiction. Really, there’s probably only Sherlock Holmes, Poirot, Miss Marple, and Philip Marlowe in that club. Much as I love Nero Wolfe (and Archie Goodwin) and Perry Mason, they are not quite in that league. Hammer is an anachronism, but so are Holmes, Poirot, Marple, and Marlowe … and, of course, so is James Bond, who even now is a 1960s sexist in a tuxedo.

Speaking of which, Hammer was the character without whom you would have no James Bond, and the list is endless of who else you wouldn’t have–Dirty Harry, Jack Bauer, Spenser, and on and on.

He remains the toughest and nastiest of the great detectives, with a voice that is unmistakable and pure noir. The endings of Hammer stories have incredible impact, second to none in the genre, and there is sex and violence and … well, everything that makes popular fiction fun.

There are two reasons why Mickey isn’t read as much lately, and it’s just lately, the last decade or so: Mickey didn’t publish much, and his longtime publisher, NAL, stopped keeping him steadily in print. I, The Jury [1947] and Kiss Me, Deadly [1952] have outsold Stephen King and Dean Koontz–not having them readily available to new readers is criminal.


TV-Tipp für den 6. Oktober

Oktober 6, 2008

Kabel 1, 20.15

Jede Menge Ärger (USA 2002, R.: Barry Sonnenfeld)

Drehbuch: Robert Ramsey, Matthew Stone

LV: Dave Barry: Big Trouble, 1999 (Jede Menge Ärger – Big Trouble)

Etwa ein halbes Dutzend Menschen suchen in Florida eine Atombombe.

Auch Dave Barry porträtiert Florida als Irrenanstalt und Barry Sonnenfeld (Get Shorty, Men in Black) schien der geeignete Regisseur zu sein. Trotzdem floppte die sehr kurze, prominent besetzte Komödie, kurz nach 9/11, an der Kasse und erlebte in Deutschland nur eine Videopremiere. Und das lag nicht nur an 9/11.

„So simpel die Story, so prominent die Besetzung – von leichter Hand inszenierte Komödie, der ein wenig mehr Ironie gut getan hätte.“ (Lothar R. Just: Filmjahrbuch 2004) Und etwas weniger Klamauk.

Mit Tim Allen, Rene Russo, Stanley Tucci, Tom Sizemore, Johnny Knoxville, Dennis Farina, Dwight ‚Heavy D‘ Myers, Omar Epps, Jason Lee, Martha Stewart (als sie selbst), Dave Barry (Gastauftritt als Anwalt)

Hinweise

Dave Barrys Homepage

Dave Barry zu seinem Roman


Neu im Kino: Burn after reading, Far Cry

Oktober 3, 2008

Heute starten die neuen Filme von drei Kultfilmern. Natürlich auf vollkommen verschiedenen Ebenen. Vorhang auf für:

Burn after reading – Wer verbrennt sich hier die Finger? (USA 2008, R.: Joel & Ethan Coen)

Drehbuch: Joel & Ethan Coen

Nach dem düsteren “No Country for old Men” liefern die Coen-Brüder wieder eine ihrer schwarzhumorigen Komödie à la “Fargo” und “The Big Lebowski” ab. In „Burn after reading“ will ein CIA-Agent sich für seine Entlassung rächen. Er schreibt seine unverhüllten Memoiren und verliert das sich auf einer CD befindende Manuskript. Es fällt, wenig überraschend, in die Hände eines Fitness-Trainers, der endlich das große Geld machen will. Einige andere Trottel versuchen ebenfalls ihren Schnitt zu machen.

Ach, es ist beruhigend, dass die Hollywood-Phase mit „Ein (un)möglicher Härtefall“ und „Ladykillers“ der Coens überstanden ist.

Mit George Clooney, Brad Pitt, Frances McDormand, John Malkovich, Tilda Swinton, Richard Jenkins, David Rasche, J. K. Simmons, Olek Krupa

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über “Burn after reading”

“You know, for Kids!” (Coen-Seite)

–

Far Cry (D 2008, R.: Uwe Boll)

Drehbuch: Masaji Takei, Michael Roesch, Peter Scheerer

Ein neues Werk des legendären Uwe Boll. Dieses Mal verfilmte er das Computerspiel „Far Cry“. Ex-Elitesoldat Jack Carver hilft einer schönen Journalistin gegen einen Bösewicht, die auf einer einsamen Insel genmanipulierte Superkrieger erschafft. – Ach, eigentlich ist auch hier, wie bei den Coens, die Story nur der Vorwand für etwas anderes. Bei Boll Ballereien, bei den Coens…

Mit Till Schweiger, Emmanuelle Vaugier, Natalia Avelon, Udo Kier, Ralf Moeller, Michael Paré

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Far Cry“


TV-Tipps für das lange Wochenende

Oktober 3, 2008

TV-Tipp für den 3. Oktober

ZDF, 23.30

Arsène Lupin (F/I/E/GB 2004, R.: Jean-Paul Salomé)

Drehbuch: Jean-Paul Salomé, Laurent Vachaud, Nicolas Saada

LV: Maurice Leblanc: La comtesse de Cagliostro, 1924 (Die Gräfin von Cagliostro oder die Jugend des Arsène Lupin)

Meisterdieb Arsène Lupin soll die verschwundenen Königsjuwelen finden. Das wollen auch einige andere Parteien mit unlauteren Absichten und eine mysteriöse, ewig junge Gräfin becirct Lupin.

„Zu viel kann gar nicht genug sein in diesem überbordenden und im charmantesten Sinne naseweisen Abenteuerfilm, randvoll mit großen Gefühlen, großer Romantik, großem Wagemut und fantastischen Elementen. Hinreißend frech folgt hier auf jede noch so tolldreiste Actionsequenz ein noch furioserer Stunt und immer neue Wendungen werden aus dem Hut gezaubert, bis der erzählerische Faden uns irgendwann sanft entgleitet. Egal!“, bewirbt das Programmheft des 19. Fantasy Filmfest gewohnt euphorisch dieses aufwändige Spektakel, das in Deutschland, wie es sich inzwischen für einen französischen Film gehört, seine Premiere auf DVD erlebte.

Mit Romain Duris, Kristin Scott Thomas, Eva Green, Mathieu Carrière

Hinweise

Wikipedia über Arsène Lupin

Krimi-Couch über Maurice Leblanc

Kirjasto über Maurice Leblanc

–

TV-Tipp für den 4. Oktober

WDR, 00.15

Der unauffällige Mr. Crane (USA 2001, R.: Joel Coen)

Drehbuch: Joel Coen, Ethan Coen

Friseur Ed Crane führt ein unauffälliges und ehrliches Leben, bis ihm ein Kunde ein todsicheres Geschäft anbietet.

Die Noir-Hommage „The Man who wasn’t there“ ist einer der schönsten Filme der Coen-Brüder.

„Kein Fehler, sich dieses kunstvolle Meisterwerk der Melancholie anzusehen.“ (Adrian Prechtel, AZ, 8. November 2001)

Mit Billy Bob Holland, Frances McDormand, James Gandolfini, Scarlett Johansson, Richard Jenkins, Tony Shalhoub

Auch bekannt als “The Man who wasn’t there” (Kinotitel)

Hinweise

You know, for Kids! (Coen-Seite)

Drehbuch „The Man who wasn’t there“ von Joel & Ethan Coen

–

TV-Tipp für den 5. Oktober

Arte, 20.45

Die Affäre der Sunny von B. (USA 1990, R.: Barbet Schroeder)

Drehbuch: Nicholas Kazan

LV: Alan M. Dershowitz: Reversal of Fortune – Inside the von Bülow Case, 1985 (Die Affäre der Sunny von B.)

Die Staatsanwaltschaft glaubt Millionär Claus von Bülow habe versucht seine Frau zu töten. Nach seiner Verurteilung engagiert von Bülow den Rechtsprofessor Alan Dershowitz. Dieser erwirkt 1985 einen Freispruch.

Schroeder verfilmte den wahren, in der Sensationspresse ausführlich behandelten Fall: „Nuancierte Regie, effizientes Drehbuch, eine Kamera, die in Einstellung, Bewegung und Farbe die Welten der drei Hauptpersonen exakt differenziert und konfrontiert, exzellente Hauptdarsteller, die in jeder Sequenz überzeugen, haben ein vielschichtiges Kunstwerk geschaffen. Hervorzuheben ist das Fingerspitzengefühl, mit dem unverhüllt ein Vorgang behandelt wird, dessen Protagonisten, einschließlich der wahren Sunny, alle noch leben.“ (Fischer Film Almanach 1992)

Mit Jeremy Irons, Glenn Close, Ron Silver, Annabella Sciorra

Wiederholung: Dienstag, 7. Oktober, 14.55 Uhr

Hinweise

Spiegel: Gerhard Mauz über Alan Dershowitz, die Vorlage und die Verfilmung (6/1991)

Crime Library: Mark Gribben über den von-Bülow-Fall


Besprechung „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ online

Oktober 2, 2008

Meine Besprechung des wunderschönen Bildbandes „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (herausgegeben von Pierre-Henri Verlhac, mit einem biographischen Essay von Peter Bogdanovich, Henschel Verlag) ist online in der Berliner Literaturkritik.


TV-Krimi-Buch-Tipps online

Oktober 2, 2008

Alfred ist aus seinem Urlaub zurück und stellt auch gleich (Koffer sind noch nicht ausgepackt) die TV-Krimi-Buch-Tipps online. Deshalb kann ich mich hier auf die einleitenden Bemerkungen beschränken:

Die wenigen Fans von Gerald Petievich können sich auf „Boiling Point“ und „Leben und Sterben in L. A.“ freuen. James Bond rettet in verschiedenen Inkarnationen die Welt. Kommissar Van Veeteren jagt Mörder. Außerdem gibt es den Columbo „Schreib oder stirb“ mit Mickey Spillane, John Fords Alan-LeMay-Verfilmung „Der schwarze Falke“, Don Siegels Richard-Dougherty-Verfilmung „Nur noch 72 Stunden“, die Noir-Liebeserklärung „Der unauffällige Mr. Crane“ von den Coen-Brüdern, Paul Greengrass’ Robert-Ludlum-Verfilmung „Die Bourne-Verschwörung“, Brian De Palmas Tom-Wolfe-Verfilmung „Fegefeuer der Eitelkeiten“, Barbet Schroeders Alan-Dershowitz-Verfilmung „Die Affäre der Sunny von B.“ (dieses Mal zu christlichen Zeiten), Dennis Hoppers Charles-Williams-Verfilmung „The Hot Spot“, Richard Fleischers Elmore-Leonard-Verfilmung „Das Gesetz bin ich“ und bei den TV-Premieren die Maurice-Leblanc-Verfilmung „Arsène Lupin“, die Hülya-Özkan-Verfilmung „Mordkommission Istanbul: Die Tote in der Zisterne“ und die Mari-Jungstedt-Verfilmung „Der Kommissar und das Meer: An einem einsamen Ort“ (beide liebevoll öffentlich-rechtlich angerichtet).


TV-Tipp für den 2. Oktober

Oktober 2, 2008

Arte, 21.00

Gegen die Wand (D 2004, R.: Fatih Akin)

Drehbuch: Fatih Akin

Sibel will endlich leben. Als einziger Ausweg aus ihrer strenggläubigen türkischen Familie bleibt ihr die Scheinehe mit Cahit. Er ist wahrlich kein Traummann, aber Türke. Die Scheinehe funktioniert prächtig, bis Cahit sich in Sibel verliebt und das labile Gleichgewicht zwischen ihnen außer Kontrolle gerät.

Das mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Drama wurde auch vom Kinopublikum angenommen. „Gegen die Wand“ landete mit über 760.000 Zuschauern, deutlich vor „Unterwegs nach Cold Mountain“, „Hidalgo“ und „Paycheck“, auf dem 48. Platz der Kinojahrescharts 2004. Der Grund dafür ist ziemlich einfach: „In ‚Gegen die Wand’ steckt eine ungeheure Kraft, die sich zugleich aus der Liebe und der selbstzerstörerischen Energie der Liebenden speist. (…) So klaffen der Rhythmus der Montage und der Herzschlag der Geschichte mitunter ein wenig auseinander. Doch was zählt das schon, wenn man die melodramatische Wucht mit der eher lauwarmen Betriebstemperatur der meisten Wettbewerbsbeiträge vergleicht?“ (Peter Körte, FAZ, 12. Februar 2004 zur Berlinale-Premiere und vor dem Erhalt des Goldenen Bärens)

Mit Birol Ünel, Sibel Kekilli, Catrin Striebeck

Wiederholungen

Arte, Dienstag, 7. Oktober, 00.20 Uhr (Taggenau!)

NDR, Mittwoch, 8. Oktober, 00.25 Uhr (Taggenau! – Als Vorprogramm läuft ab 23.00 Uhr Fatih Akins Musikdoku „Crossing the Bridge – The Sound of Istanbul“)

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Gegen die Wand“


Mamet meckert über seine große Liebe Hollywood

Oktober 1, 2008

Zwiespältig, sehr zwiespältig ist David Mamets neues Buch „Bambi vs. Gorilla: Über Wesen, Zweck und Praxis des Filmbusiness“. Einerseits schreibt er pointierte Spitzen über Hollywood, andererseits fehlt dem Buch der große Bogen. Denn es ist eine Sammlung von 41 kurzen Texten, die schon an anderen Orten publiziert wurden. In der deutschen Ausgabe fehlt jeder Hinweis darauf und im Original steht auch nur, dass einige Texte im Guardian und ein Teil im Harper’s Magazine erschienen. Für die Buchausgabe wurden sie, nach dem Impressum, überarbeitet. Aber letztendlich ist „Bambi vs. Godzilla“ immer noch eine Sammlung von assoziativen Kolumnen, die wie Pralinen nur in kleinen Dosen genossen werden sollten.

Für ein Buch fehlt, abgesehen von einigen wiederkehrenden Themen (die bösen Produzenten, die schlechter werdenden Filme), der rote Faden und damit die von Mamet bei Filmen eingeforderte Dramaturgie. „Bambi vs. Godzilla“ ist, wie die von ihm kritisierten Filmen, eine Ansammlung von Gags und Kunststücken. „Diese Vorfälle, die früher nur eine richtige Geschichte ein wenig ausgeschmückt haben, sind nun mehr oder weniger der einzige Grund für die Existenz des Films.“

Die meist fünfseitigen Texte wurden etwas in die Chronologie der Filmproduktion sortiert. Es beginnt mit Texten über Produzenten und das Verhältnis der einzelnen Berufsgruppen zueinander (Die guten Leute von Hollywood; Der Unterdrückungsmechanismus), geht über das Drehbuch (Das Drehbuch; Technik) zu den heutigen Spielfilmen (Einige Prinzipien; Genre) und schließt mit eher unsortierten Anmerkungen (Urteile in Nebensachen; Verbrechen und andere Kleinigkeiten).

Auch in den einzelnen Kolumnen bewegt Mamet sich oft weit weg vom Titel. Teils bietet er dann grandiose Einsichten, teils räsoniert er wie ein alter Mann über die gute alte Zeit, als alles besser war.

Dieses Lästern über das neue Hollywood-Blockbuster-Kino für ein Teenager-Publikum ist natürlich berechtigt. Aber es wirkt auch etwas seltsam. Denn David Mamet gehört in Hollywood zu den geachteten Drehbuchautoren. Stars reißen sich um eine Rolle in einem seiner Filme, zu denen „The Winslow Boy“, „Heist – Der letzte Coup“, „Spartan“ und zuletzt „Redbelt“ gehören. Er schrieb die Drehbücher zu „Wenn der Postmann zweimal klingelt“, „The Verdict – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit“, „The Untouchables – Die Unbestechlichen“, „Glengarry Glen Ross“, „Wag the Dog – Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt“, „Ronin“ (als Richard Weisz) und der Thomas-Harris-Verfilmung „Hannibal“. Außerdem ist er einer der Produzenten der erfolgreichen TV-Serie „The Unit“. Kurz: er hat seine Nische im gehobenen Unterhaltungskino gefunden und er hat nie Filme für ein jugendliches Publikum gemacht.

Vor seiner Hollywood-Karriere hatte er bereits einen Namen als Theatorautor. Er schrieb „American Buffalo“, das mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnete „Glengarry Glen Ross“ und „Oleana“.

Gerade im Hinblick auf diese lange, erfolgreiche Karriere als Autor, der immer wieder für seinen Stil gelobt wird, sind einige der Essays erstaunlich schlecht geschrieben. Den Übersetzter trifft hier nur eine Teilschuld. Denn letztendlich gehört es nicht zu den Aufgaben eines Übersetzter, die Sprache zu polieren.

–

David Mamet: Bambi vs. Gorilla – Über Wesen, Zweck und Praxis des Filmbusiness

(übersetzt von Bert Rebhandl)

Alexander Verlag, 2008

264 Seiten

19,90 Euro

–

Originalausgabe

Bambi vs. Gorilla – On the Nature, Purpose, and Practice of the Movie Business

Pantheon Books, New York 2007

–

Hinweise

Wikipedia über David Mamet (deutsch, englisch)

Village Voice: David Mamet: Why I am no longer a „Brain-Dead-Liberal“ (11. März 2008)

Vanity Fair: David Mamet beantwortet den Proust Fragebogen (Mai 2008)


TV-Tipp für den 1. Oktober

Oktober 1, 2008

ARD, 20.15

Sommer vorm Balkon (D 2005, R.: Andreas Dresen)

Drehbuch: Wolfgang Kohlhaase

Ein Fest für Berliner und Berlin-Freunde: Andreas Dresen verfolgt in seinem wahrscheinlich leichtesten Film die beiden Mittdreißigerinnen Nike und Katrin. Beide sind aus dem Leben gegriffene Charaktere, die ihre alltäglichen Probleme auch mit viel Humor kaum bewältigen können. Dank des liebevoll-melancholisch-humorvollen Tonfalls schwebt ein sehr angenehmer Hauch von Nouvelle Vague durch den skizzenhaften Film. Da fällt die dünne Story kaum auf.

Mit Nadja Uhl, Inka Friedrich, Andreas Schmidt, Stefanie Schönfeld

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Sommer vorm Balkon“

Bonustipp: Arte, 22.30: Muxmäuschenstill (noch ein Berlin-Film, ebenfalls witzig, aber schwarzhumorig)


Cover der Woche

September 30, 2008


Zitat des Tages: Komplimente

September 30, 2008

„Hier also ein hilfreicher Hinweis für Filmemacher und Zuschauer: Komplimente – ‚Was für eine Ästhetik!’, ‚Was für ein Handwerk!’, ‚Was für eine Kameraarbeit!’ und ‚Was für eine Technik!’ – bedeuten alle: ‚Das Drehbuch ist Mist.’“

David Mamet: Bambi vs. Godzilla

(Bambi vs. Godzilla, 2007)


TV-Tipp für den 30. September

September 30, 2008

Arte, 23.15 (VPS 23.30)

Amerika made in Hollywood (F 2006, R.: Jean-Michel Meurice)

Drehbuch: Jean-Michel Meurice

Meurice behauptet, dass die US-Bürger ihr geschichtliches Wissen nicht von Historikern, sondern aus Spielfilmen erhalten. Er präsentiert zur Erhärtung seiner These Ausschnitte aus fünfzig Filmen und lässt sie von den Autoren Jim Harrison (Legenden der Leidenschaft) und Russell Banks (Das süße Jenseits, Der Gejagte) kommentieren.

Mit Russell Banks, Jim Harrison und zahlreichen Kinostars

Hinweis

Arte zum Film


R. i. P.: Paul Newman

September 29, 2008

R. i. P.: Paul Newman (26. Januar 1925 – 26. September 2008)

Wir kennen und lieben den Schauspieler unter anderem aus „Haie der Großstadt“, „Ein Fall für Harper“, „Der zerrissen Vorhang“, „Man nannte ihn Hombre“, „Der Unbeugsame“, „Butch Cassidy und Sundance Kid“, „Das war Roy Bean“, „Der Mackintosh Mann“, „Der Clou“, „Unter Wasser stirbt man nicht“, „Buffalo Bill und die Indianer“, „The Bronx“, „The Verdict“, „Die Farbe des Geldes“, „Hudsucker – Der große Sprung“, „Im Zwielicht“ und „Road to Perdition“.

Michael Ballhaus sagt über Paul Newman:

Ich weiß nicht, ob es solche Männer nach ihm noch geben wird. Solche Karrieren. Ich glaube eigentlich nicht. Es braucht mehr als gute Rollen oder Schauspieltalent dazu. Bei Paul war es schon die ganze Persönlichkeit, die ihn so groß machte.

Alles weitere über den verstorbenen Filmstar erfahren Sie in den zahlreichen Nachrufen: The Rap Sheet, The New York Times, Berliner Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Spiegel Online, Süddeutsche Zeitung, Tageszeitung, Welt und Zeit.


TV-Tipp für den 29. September

September 29, 2008

RTL II, 22.55

Dexter: Der Tod kommt in kleinen Stücken (USA 2006, R.: Michael Cuesta)

Drehbuch: James Manos Jr.

LV: Jeff Lindsay: Darkly Dreaming Dexter, 2004 (Des Todes dunkler Bruder)

Dexter Morgen ist bei der Polizei von Miami Spezialist für Blutanalysen. Außerdem ist er Serienmörder. Allerdings bringt er, dank des liebevollen Einflusses von seinem Vater, nur andere Serienmörder um. Als in Miami ein neuer Serienkiller auftaucht, der seine Opfer vollkommen ausgeblutet und zerstückelt zurücklässt, ist Dexter von ihm fasziniert. Endlich hat er einen gleichrangigen Gegner gefunden.

Michael C. Hall hat bereits in „Six Feet Under – Gestorben wird immer“ Erfahrung mit Leichen und abseitigem Verhalten gesammelt. Die erfolgreiche Serie „Dexter“ knüpft daran an und ist noch gemeiner.

Die erste Folge hält sich dabei erstaunlich genau an das erste Drittel des schwarzhumorigen Romans von Jeff Lindsay, in dem Ich-Erzähler Dexter die Menschen und ihre Gefühle, mit dem kalten Blick eines Wissenschaftlers, wie eine fremde Spezies beobachtet. Der Plot und die Lösung sind dagegen zweitrangig.

Die restlichen elf Folgen der ersten Staffel, die, wie der erste Dexter-Roman, als großen Bogen die Jagd von Dexter nach dem Kühllaster-Killer schildert, strahlt RTL II an den kommenden Montagen aus.

Mal sehen, ob die Deutschen Dexter ebenfalls mögen oder ob die Serie ein Kritiker- und Nischenprogramm wird. Nach den Erfahrungen mit den „Sopranos“, „The Shield“, „24“, „Damages“, „Six Feet Under“ und „Nip/Tuck“, um nur einige zu nennen, befürchte ich letzteres. Im TV schlechte Quoten und dann gute DVD-Verkäufe.

Mit Michael C. Hall (Dexter Morgan), Julie Benz (Rita Bennett), Jennifer Carpenter (Debra Morgan), Erik King (Sergeant James Doakes), Lauren Vélez (Lt. Maria Laguerta), David Zayas (Angel Batista), James Remar (Harry Morgan), Dominic Janes (Young Dexter)

Wiederholung: Dienstag, 30. September, 00.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Jeff Lindsay

Showtime-Homepage zu „Dexter“

The Rap Sheet über „Dexter“

Crimespree Cinema über die erste “Dexter”-Staffel (Infos über die zweite und dritte Staffel dann über die Suche-Funktion)


TV-Tipp für den 28. September

September 28, 2008

SRTL, 22.20

Columbo: Schreib oder stirb (USA 1974, R.: Robert Butler)

Drehbuch: Peter S. Fischer

Verleger Riley Greenleaf ist stinkig. Sein Bestsellerautor Alan Mallory möchte den Verlag wechseln. Greenleaf denkt sich ‚nicht mit mir’ und der tapsige Lieutenant Columbo hat einen neuen Fall

Für Krimifans ist „Schreib oder Stirb“ ein Highlight. Es gibt zahlreiche Anspielungen auf den Literaturbetrieb und Mickey Spillane (Ja, genau der!) spielt einen Bestsellerautor.

Mit Peter Falk, Jack Cassidy, Mickey Spillane

Hinweis

Meine Besprechung von Mickey Spillanes “Dead Street”


KrimiWelt-Bestenliste Oktober 2008

September 27, 2008

Die sehr männerlastige Oktober-Bestenliste der KrimiWelt-Juroren sieht so aus:

1 (3) Heinrich Steinfest: Mariaschwarz

2 (1) Richard Stark: Fragen Sie den Papagei

3 (-) Jean-François Vilar: Die Verschwundenen

4 (6) Deon Meyer: Weißer Schatten

5 (-) Massimo Carlotto: Die dunkle Unermesslichkeit des Todes

6 (5) Leonardo Padura: Der Nebel von gestern

7 (2) Jenny Siler: Portugiesische Eröffnung

8 (4) Andrew Vachss: Der Fahrer

9 (-) Michael Collins: Tödliche Schlagzeilen

9 (-) Bernhard Jaumann: Die Augen der Medusa

Weil Jenny Silers „Portugiesische Eröffnung“ in ihrer Heimat unter dem Pseudonym Alex Carr erschien, könnte sogar von einer reinen Männerliste gesprochen werden.

Ansonsten freue ich mich natürlich, dass Richard Stark und Andrew Vachss noch auf der Liste sind. John Harvey hat’s nicht mehr geschafft. Einige der älteren Werke von Jean-François Vilar:haben mir sehr gut gefallen; andere dagegen überhaupt nicht.

Die neuen Bücher von Ian Rankin, George Pelecanos und Norbert Horst müssten es dann auf die November-Liste schaffen.


TV-Tipp für den 27. September

September 27, 2008

Kabel 1, 01.25 Uhr

Boiling Point (USA 1993, R.: James B. Harris)

Drehbuch: James B. Harris

LV: Gerald Petievich: Money men, 1981 (Sumpfblüten, Boiling Point)

Innerhalb einer klassischen Genre-Geschichte (ein Cop jagt den Mörder seines Partners) präsentiert Harris eine melancholische und desillusionierte Charakterstudie über Männer, deren gescheiterte Beziehungen und großspurigen Pläne. Dabei laufen die Geschichten weitgehend unverbunden nebeneinander. Kein Klassiker, aber ein unterschätzter Film, der im Trailer zu Unrecht als Action-Film verkauft wird und viel zu wenig von Dennis Hopper zeigt. Aber Wesley Snipes war damals mit den erfolgreichen Filmen „New Jack City“, „Weiße Jungs bringen’s nicht“ und „Passagier 57“ der aufstrebende Star. „Demolition Man“ und „Die Wiege der Sonne“ starteten kurz darauf und festigten seinen Status; – auch wenn das angesichts der letzten Filme von Wesley Snipes heute schwer vorstellbar ist.

James B. Harris produzierte die frühen Kubrick-Filme, wie „Die Rechnung ging nicht auf“ und „Lolita“.

Morgen Abend zeigt Kabel 1 um 00.20 Uhr eine weitere Gerald-Petievich-Verfilmung: „Leben und sterben in L. A.“, inszeniert von William Friedkin, mit William Petersen in der Hauptrolle.

Mit Wesley Snipes, Dennis Hopper, Viggo Mortensen, Lolita Davidovich, Seymour Cassel, Tony Lo Bianco, Tobin Bell, Dan Hedaya, Paul Gleason

Hinweise

Homepage von Gerald Petievich

Wikipedia über „Boiling Point“


Kurzmeldungen: Ken Bruen, Stephen King, John Carpenter, Ian Rankin

September 26, 2008

Ken Bruen hat den vierten Roman der Serie um Detective Sergeant Brant, „Blitz“ (2002), nach Hollywood verkauft. Hoffentlich verlegen die die Handlung nicht von London nach L. A. (obwohl es bei Sjöwall/Wahlöö auch geklappt hat).

–

Ein Ratschlag von Stephen King:

–

Ein Ratschlag von John Carpenter:

–

Und, zum Abschluss, als Vorbereitung für die deutsche Veröffentlichung von „Exit Music“ (Ein Rest von Schuld), lassen wir Ian Rankin zu Wort kommen: