TV-Tipp für den 14. Februar

Februar 14, 2008

HR, 23.55 (VPS 23.10)

Die Rechnung ging nicht auf (USA 1956, R.: Stanley Kubrick)

Drehbuch: Jim Thompson, Stanley Kubrick

LV: Lionel White: Clean Break, 1955 (später „The killing“, deutsch “Der Millionencoup“)

Ex-Sträfling Johnny Clay will mit einigen Amateuren die Wettgelder während eines Pferderennens klauen. Der minutiös geplante Coup läuft nach Plan ab. Dann geht alles schief.

Grandioses, düsteres Caper-Movie und der endgültige Durchbruch für Kubrick. Im Gegensatz zu anderen Caper-Movies wird die Handlung im Buch und im Film nicht chronologisch, sondern mit zahlreichen Vor- und Rücksprüngen erzählt. Und der Überfall wird, zusammengehalten von einer atemberaubenden Montage, aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Mit seinen Diskontinuitäten und Dekonstruktionen ist „Die Rechnung ging nicht auf“ ein Vorläufer des postmodernen Kinos.

Einer von Kubricks Schülern ist Quentin Tarantino, der diesen Film in „Reservoir Dogs“ ausführlich würdigte. Im Drehbuch ist sogar eine – im Film nicht gezeigte – Widmung an Lionel White enthalten.

Mit Sterling Hayden, Coleen Gray, Vince Edward, Jay C. Flippen, Elisha Cook jr.

Hinweise:

Mordlust über Lionel White

Noir of the Week über „The Killing“ (mit Filmausschnitten) 

Turner Classic Movies über “The Killing”


Ausgewählte Frühjahrsmorde 2008: Auftritt der Krimiverlage

Februar 13, 2008

Die Verlage Emons, Gmeiner und Grafit sind vor allem für ihre Kriminalromane von deutschsprachigen Autoren bekannt. Emons und Gmeiner veröffentlichen auch andere Bücher. Grafit lässt inzwischen auch übersetzten. Trotzdem liegt bei diesen Verlagen der Schwerpunkt immer noch bei Krimis von deutschsprachigen Autoren.

 

Emons

Februar

Martin Conrath: Der Schattenreiter (Saarland Krimi: Kommissar Bremer ermittelt im Reitermilieu. Ohne mich; denn „Das schwarze Grab“ gefiel mir überhaupt nicht.)

Markus Guthmann: Weinstrassen Marathon (Pfalz Krimi: Ein toter Historiker, ein fünf Jahre zurückliegender Mord und ein Keltengrab beschäftigen das Team Roöder/Hellinger.)

Ingrid Strobl: Tödliches Karma (Köln Krimi: Nele soll ihren Dealer umgebracht haben. Katja glaubt’s nicht.)

März

Peter Freudenberger: Stiller und die Tote im Bus (Main Krimi: Journalist Paul Stiller will herausfinden, wer die alte Hedda Kunkel in einem Linienbus vergiftete. – Hm, nicht gerade der Unauffällige Tatort Nr. 1.)

Alfred Hellmann: Vor den Hymnen (Erstens: der Krimi spielt in Berlin. Zweitens: ich kenne den Autor. Drittens: ich bin gespannt.)

Hannsdieter Loy: Rosen für eine Leiche (Oberbayern Krimi: Kriminalrat a. D. Joe Ottakring will den Mörder der in einem Ausflugschiff ermordeten Menschen finden.)

Barbara Meyer: Im Schatten des Doms (Historischer Kriminalroman: Paderborn um 1600)

Antonia Pauly: Der Büttel zu Köln (Historischer Kriminalroman: Köln, 1271)

April:

Hannes Nygaard: Todesküste (Hinterm Deich Krimi: Haben Terroristen auf dem Heider Marktfrieden einen Mord verübt? Lüder Lüders und Große Jäger – die Namen sind kein Scherz – ermitteln.)

Rainer Martin Mittl: Der Fröhlichmann (Der Badische Krimi: in dem Psychothriller müssen sich die Kommissare Kindlein und Morgenthaler mit zwei Männern herumschlagen, die die gleichen Frauen umgebracht haben wollen.)

Britt Reissmann: Der Traum vom Tod (Stuttgart Krimi: Kommissarin Thea Engel ermittelt in der Szene der Fantasy-Rollenspiele.)

Jobst Schlennstedt: Tödliche Stimmen (Küsten Krimi: Kommissar Birger Andresens dritter Fall: Ein Serienmörder in Lübeck?)

Mai

Oliver Buslau: Neandermord (Der Bergische Krimi: Privatdetektiv Remigius Rott wird Zeuge eines Mordes und Gejagter. Das könnte ein spannender Thriller sein.)

Edgar Noske: Himmel über Köln (allerdings nicht heute, sondern 1968)

 

 

Gmeiner

Der Verlag aus Meßkirch feiert das zehnjährige Bestehen seiner Krimireihe. Dafür schon einmal Herzlichen Glückwunsch. Der erste Teil des Jubiläumsprogramms enthält:

Hermann Bauer: Fernwehrträume (Ein Wiener Kaffehauskrimi mit einem Amateurdetektiv auf Mörderjagd.)

Sinje Beck: Totenklang (Anscheinend der dritte und letzte Heiner-Himmel-Krimi.)

Ulrike Blatter: Vogelfrau (Kommissar Erich Bloch sucht den Mörder eines Archäologieprofessors, der standesgemäß mit einer Steinzeitaxt erschlagen wurde.)

Manfred Bomm: Notbremse (Kommissar Häberles achter Fall: dieses Mal führen ihn die Morde zu Pharmakonzernen und zur Spielautomatenmafia. Da fragen wir uns doch, wer von beiden der größere Schurke ist.)

Ella Danz: Nebelschleier (Kommissar Angermüller muss auch im Urlaub Mörder jagen. Ein Großgrundbesitzer, der seine Felder einem Gentechnikkonzern verkaufen wollte, wurde erwürgt.)

Sandra Dünschede: Solomord (Kommissar Hagen Brandt sucht den Mörder eines entführten Mädchens. Die Spur führt – Überraschung! – ins Kinderpornomilieu.)

Pierre Emme: Ballsaison (Krimi zur Fußball-EM)

Christian Gude: Binärcode (Ein ermordeter Italiener und geheimnisvolle Signale aus dem All beschäftigen Kommissar Karl Rünz.)

Uwe Gardein: Die letzte Hexe – Maria Anna Schwegelin (Historischer Kriminalroman: Kempten, 1775)

Uta-Maria Heim: Das Rattenprinzip (Neuauflage; Deutscher Krimi Preis 1992)

Erwin Kohl: Willenlos (Ein Polizist wird ermordet. Der Täter ist auch schnell gefunden. Aber Kommissar Joshua Trempe glaubt nicht an diese einfache Lösung.)

Paul Lascaux: Salztränen (Privatdetektiv Heinrich Müller soll herausfinden, ob der Autounfall eines Käseeinkäufers wirklich nur ein Unfall war. Lascaux hat unter seinem bürgerlichen Namen Paul Ott das sehr lesenswerte Sachbuch „Mord im Alpenglühen: Der Schweizer Kriminalroman“ veröffentlicht)

Claudia Puhlfürst/Petra Steps (Hrsg.): Mordssachsen 2 (Zwanzig Kurzgeschichten von –ky, Jan Flieger, Franziska Steinhauer und anderen)

Jochen Senf: Knochenspiel (Fritz Neuhaus schlägt sich dieses Mal mit der Organmafia herum.)

Friederike Schmöe: Pfeilgift (Ein Ehemann wird mit einem mit Curare vergifteten Pfeil umgebracht. Privatdetektivin Katinka Palfy ermittelt.)

Harald Schneider: Ernteopfer (Kommissar Reiner Palzki jagt den Mörder eines polnischen Erntehelfers und stochert unter Gemüsebauern herum.)

Franziska Steinhauer: Menschenfänger (Kommissar Peter Nachtigall jagt einen mehrfachen Frauenmörder. Außerdem sucht die Polizei einen flüchtigen Vergewaltiger und Mehrfachmörder. Nach dem Krimilehrbuch gehören beide Fälle zusammen.)

Günther Thömmes: Der Bierzauberer (Historischer Kriminalroman: Mittelalter)

Verena Wyss: Todesformel (das Manuskript erhielt 2004 den Frauen-Krimi-Preis „Agathe“)

Wolfgang Zander: Hundeleben (Privatdetektiv Siegfried Gass muss sich mit zwei Millionen Euro, einer verlassenen Frau, sexlüsternen Buchhändlerinnen und feuerfesten Kinoleinwänden herumschlagen.)

 

 

Grafit

Februar

Jacques Berndorf: Eifel-Kreuz (Taschenbuch-Ausgabe)

Ingo Gach: Freyas Fluch (Historischer Kriminalroman; spielt im von Römern besetzten Köln)

Pentti Kirstilä: Schwarzer Frühling – Ein Fall für Lauri Hanhivaara (Taschenbuch-Ausgabe)

Ernst Solèr: Staub im Schnee (Dritter Kommissar-Staub-Krimi: ein bekannter TV-Moderator wird ermordet.)

April

Angela Esser (Hrsg.): Schöne Leich’  in Wien (Kurzgeschichten zur Criminale von Heinrich Steinfest, Jürgen Kehrer, Burkhard Driest, Nessa Altura, Leo P. Ard, Andrea Maria Schenkel und anderen)

Peter Godazgar: Unter schrägen Vögeln (Privatdetektiv Markus Waldo zweifelt an seinem Job. Er soll den Entführer von Kaninchen finden.)

Matti Rönkä: Bruderland (Der zweite Viktor-Kärppä-Krimi oder guter Hardboiled aus Finnland.)

Mai

Lucie Klassen: Der 13. Brief (Debüt: eine Ausreißerin drückt wieder die Schulbank. Sie will herausfinden, warum die 16-jährige Eva sich umbrachte.)

Jaroslav Kutak: Tod unter Par (Ein Schulfreund von Privatdetektiv Karel Schwarz stirbt auf dem Golfplatz. Der Detektiv sucht unter den Vereinsmitgliedern den Mörder. Das klingt nicht besonders aufregend, aber Kutak wurde für „Strafe muss sein“ mit dem tschechischen Krimipreis ausgezeichnet und mit 192 Seiten ist „Tod unter Par“ angenehm kurz.)

Gabriella Wollenhaupt: Leichentuch und Lumpengeld (Historischer Kriminalroman aus dem Vormärz)

 

Fett Kursiv sind die Titel gedruckt, auf die ich mich besonders freue.


TV-Tipp für den 13. Februar

Februar 13, 2008

Das Vierte, 20.15

Der Andeson-Clan (USA 1970, R.: Sidney Lumet)

Drehbuch: Frank Pierson

LV: Lawrence Sanders: The Anderson Tapes, 1970 (Die Anderson-Bänder)

Einbruchspezialist Duke Anderson, gerade frisch aus dem Knast entlassen, plant seinen letzten, großen Coup. Aber er und seine Kumpels werden pausenlos überwacht.

In seinem auf Tatsachen beruhenden Kassenknüller zeichnet Lumet ein düsteres Bild einer totalen Überwachung der Gesellschaft. Weil die verschiedenen staatlichen Stellen, die das Gebäude überwachen, keinen Kontakt zueinander haben und jeweils eigene Interessen verfolgen, können sie mit den belauschten Gesprächen nichts anfangen.

Der Roman von Lawrence Sanders erhielt den Edgar für das beste Debüt.

Mit Sean Connery, Dyan Cannon, Martin Balsam, Ralph Meeker, Christopher Walken, Val Avery

Hinweise:

Thrilling Detective über Lawrence Sanders 

Nachruf in der New York Times 


Cover der Woche

Februar 12, 2008

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RiP: Roy Scheider, Stefan Murr; WGA-Drehbuchpreise 2008

Februar 12, 2008

R. i. P. Roy Scheider (10. November1932 – 10. Februar 2008 )

Er spielte in „Klute“, „French Connection“, „Der weiße Hai“, „Der Marathon-Mann“, „Atemlos vor Angst“, „Hinter dem Rampenlicht“, „In der Stille der Nacht“, „Das fliegende Auge“, „2010 – Das Jahr in dem wir Kontak aufnehmen“, „52 Pick-Up“, „Das Russland-Haus“, „Romeo is bleeding“, „Naked Lunch“ und „Der Regenmacher“ mit. Wahrlich keine schlechte Liste.

(Weitere Infos: Nachruf der New York Times; Nachruf von Associated Press; Meldung in Spiegel Online)

R. i. P. Stefan Murr (4. September 1919 – 22. Januar 2008)

Einer der wichtigsten deutschsprachigen Autoren(Ein Toter stoppt den 6 Uhr 10; Vorsicht – Jaczek schießt sofort; Affäre Nachtfrost, Auf den Tag genau) ist tot – und die Zahl der Nachrufe hält sich in überschaubaren Grenzen. Die Alligatorpapiere melden es und hier gibt es einen, hm, Nachruf. „Stefan Murr ist ein Phänomen. Von allen deutschen Krimi-Autoren ist er der dienstälteste, der kontinuierlich veröffentlicht, und er konnte sich sogar im Hardcover-Bereich etablieren, in Deutschland ein schwieriges Terrain für heimische Thriller-Autoren.“ (Rudi Kost/Thomas Klingenmaier: Steckbriefe, 1995)

Die WGA hat ihre Preise für die besten Drehbücher verliehen (btw: der Streik ist wohl zu Ende.). Keine schlechte Liste mit vielen bekannten Namen. So sind die Coen-Brüder mit „No Country for old Men“ dabei. „The Wire“ (Wann kommt diese diese Polizeiserie endlich ins deutsche Fernsehen?) und „The Company“ (die auf Robert Littells Roman basierende Miniserie hat auch noch keinen deutschen Ausstrahlungstermin) ebenso. Aus dem Nicht-Krimi-Bereich wurden „Juno“ von Diablo Cody als bestes Drehbuch und „Taxi to the Dark Side“ von Alex Gibney als beste Dokumentation prämiert. – Herzlichen Glückwunsch an alle Gewinner!


TV-Tipp für den 12. Februar

Februar 12, 2008

BR, 23.25

Die Kinder sind tot (D 2003, R.: Aelrun Goette)

Drehbuch: Aelrun Goette

Eindrückliche Doku über die 23-jährige Daniela Jesse, die im Sommer 1999 ihre beiden Söhne in einem Plattenbau in Frankfurt/Oder verdursten lässt. Aelrun Goette rekonstruiert die Tat und wie es dazu kommen konnte.

„Was ich erlebt habe, war eine Art Zustand des Wegschauens und dann diese unglaubliche Banalität; weil der gerade nicht dort war und der mit dem gerade sauer war und Kinder ja immer Radau machen undsoweiter…Es gab eine Summe von Elementen, die dann dazu geführt haben, dass sich niemand um die Kinder gekümmert hat. Was überhaupt nichts Dämonisches, sondern eben etwas unglaublich Banales hat. Das hat mich erschreckt.“ (Aelrun Goette in 3sat Kulturtzeit)

Wiederholung:

WDR, Donnerstag, 21. Februar, 23.15 Uhr

Hinweis:

3sat über die Doku 


Ein Schmöker aus Berlin

Februar 11, 2008

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Nach mehreren schlechten deutschsprachigen Krimis, war das neue Buch von Sebastian Fitzek eine willkommene Entspannung. „Das Kind“ ist ein Thriller für einen verregneten Nachmittag, bei dem man die Gehirnzellen nicht übermäßig beanspruchen will. Die Geschichte beginnt mit einer Kette rätselhafter Ereignisse.

Eine Freundin bittet den erfolgreichen Strafverteidiger Robert Stern zu einem Treffen. Auf einem abgelegenen Industriegelände trifft er den zehnjährigen, todkranken Simon Sachs. Der Junge behauptet, vor fünfzehn Jahren hier einen Menschen umgebracht zu haben. Stern hält das selbstverständlich für einen schlechten Scherz; – bis er wenig später zusammen mit Simon die Leiche entdeckt. Kurz darauf erhält Stern eine DVD, auf der er eine Stimme ihm sagt, er habe fünf Tage Zeit den Mörder zu finden. Dann werde er erfahren, wo sein vor zehn Jahren verstorbener Sohn lebt. Als Beweis für diese abenteuerliche Behauptung einer Wiedergeburt sieht Stern seinen damals verstorbenen Sohn im Krankenhaus und heute bei einem Kindergeburtstag.

Am nächsten Tag erzählt Simon dem Anwalt, dass er in seinem früheren Leben mehrere Menschen umgebracht habe. Stern hält Simons Geschichte mit der Wiedergeburt immer noch für ein Hirngespinst. Aber er findet nach Simons Informationen weitere Spuren zu noch nicht entdeckten Morden. Kurz darauf beobachtet er, wie Dr. Johann Tiefensee, der Psychologe von Simon Sachs, in seiner Praxis ermordet wird. Die Polizei verdächtigt Stern. Er taucht unter und versucht mit einigen Vertrauten das Rätsel zu lösen. Dabei fragt er sich immer wieder, ob es eine Wiedergeburt gibt.

Bei der Vorstellung der Werbekampagne (Berlin Kriminell, Krimiblog und einige nicht-übliche Verdächtige machten bei dem Alternative Reality Game Marketing mit) und des Buches in Berlin sagte Sebastian Fitzek, die Idee für die Geschichte sei ihm nach einem Streit mit seiner Freundin gekommen. Sie habe gesagt, sie habe schon einmal als Johanna von Orleans gelebt. Als Siebenjährige habe sie bei einem Frankreich-Besuch einen Marktplatz wieder erkannt. Er, als vernünftiger Mensch, habe das als Quatsch bezeichnet. Die Situation eskalierte, bis sie wutentbrannt das Zimmer verließ. Dann habe er angefangen nachzudenken. Warum behaupten Wiedergeborene immer, sie hätten schon einmal als wichtige Person gelebt? Warum sagte niemand, er habe als armer Bauer gelebt? Oder als Verbrecher? Oder, noch schlimmer, als Serienmörder? Aus dieser Frage entstand dann sein dritter Roman „Das Kind“.

Der Thriller ist kein perfektes Buch. Es gibt immer wieder herbe sprachliche Schnitzer. Die Charaktere sind reine, weitgehend in den bekannten Klischees verhaftete Funktionsträger. Der erfolgreiche, geschiedene Anwalt, der nicht über den Tod seines Sohnes hinwegkommt. Die Krankenschwester mit dem goldenen Herzen. Der eiskalte Verbrecher, der Pädos hasst. Wie oft haben wir das schon gelesen?

Und dass Sterns Jagd nach dem Mörder ihn zu einem weltweit operierenden Pädophilenring führt, ist auch nicht gerade neu. Zuletzt durfte ich das in den vergangenen Wochen in Mechtild Borrmanns „Morgen ist der Tag nach gestern“ (2007) und Nick Stones „Voodoo“ (Mr. Clarinet, 2006) lesen.

Aber „Das Kind“ ist spannend. Da jagt eine überraschende Wende die nächste und für Fitzeks Helden wird es auf jeder Seite immer schlimmer. Die Settings sind plastisch beschrieben. Die Geschichte bewegt sich in vielen kurzen Kapiteln und wechselnden Perspektive schnörkellos voran. Das Ende bringt die verschiedenen Handlungsstränge zu einem schlüssigen Ende und es gibt für Simon Sachs Wissen eine vernünftige und diesseitige Erklärung.

Insgesamt ist Fitzeks dritter Thriller „Das Kind“ das literarische Äquivalent zu einer Curry-Wurst.

 

 

Sebastian Fitzek: Das Kind

Droemer, 2008

400 Seiten

16,95 Euro

 

Homepage von Sebastian Fitzek

Das Alternative Reality Game „push11“


„Vanity Fair“-Hollywood-Ausgabe mit Hitchcock-Nachinszenierungen

Februar 11, 2008

Im neuen Vanity Fair (Nein, nein, nein, nicht im deutschen, im amerikanischen) gibt es eine Bilderstrecke, in der bekannte Schauspieler bekannte Szenen aus Alfred-Hitchcock-Filmen nachstellen. Sehen Sie sich das Retro-Vergnügen an – und erraten die Stars.


TV-Tipp für den 11. Februar

Februar 11, 2008

ZDF, 20.15

Eine Stadt wird erpresst (D 2006, R.: Dominik Graf)

Drehbuch: Dominik Graf, Rolf Basedow

Eigentlich sagt der Titel schon alles: Unbekannte erpressen Leipzig. Die einzige Spur führt Kommissar Kalinke und sein Team in ein Dorf, das dem Tagebau geopfert werden soll.

Auch die neueste Zusammenarbeit des Teams Basedow/Graf gehört zu den TV-Höhepunkten des Jahres: gute Geschichte, gute Inszenierung und Schauspieler, die endlich zeigen dürfen, dass sie mehr als sprechende Kleiderständer sind.

„Es ist ein guter, alter Polizeifilm, ein Thriller, modern inszeniert. Und wie jeder gute Krimi ist es auch ein Sozialdrama.“ (Björn Wirth,Berliner Zeitung, 23. Februar 2007)

Mit Uwe Kockisch, Misel Maticevic, Julia Blankenburg

ZDF über „Eine Stadt wird erpresst“


Bloody Cover

Februar 10, 2008

Zum siebten Mal kann das „Bloody Cover“ gewählt werden. Wie der englischsprachige Name eindeutig verrät, geht es um die Wahl des besten Titelbildes eines deutschsprachigen Kriminalromans. Zu den Titelbildern und zur anschließenden Wahl geht’s hier lang.


TV-Tipp für den 10. Februar

Februar 10, 2008

Arte, 22.45 (VPS 22.40)

Verdacht Kindesmissbrauch – Der Justizskandal von Worms (D 2007, R.: Jutta Pinzler, Dorothea Hohengarten)

Drehbuch: Jutta Pinzler, Dorothea Hohengarten

Was passieren kann, wenn nur der gute Wille Taten bestimmt, zeigt diese Doku: Mitte der Neunziger werden in Worms 25 Erwachsene angeklagt Kinder missbraucht zu haben. Während dem Prozess stellt sich heraus, dass die Ermittlungen schlampig geführt wurden. Die Angeklagten werden freigesprochen, aber ihre und die Leben zahlreicher weiterer Betroffener sind – wie die Doku zeigt – zerstört. Pinzler und Hohengarten gelang es für „Verdacht Kindesmissbrauch“ auch einige der Anklagten vor die Kamera zu bekommen.

Wiederholung:

Samstag, 23. Februar, 01.50 Uhr (VPS 01.55) (Taggenau!)

Arte zur Doku


TV-Tipp für den 9. Februar

Februar 9, 2008

Das Vierte, 22.00

Bad Company (USA 1995, R.: Damian Harris)

Drehbuch: Ross Thomas

Ex-Geheimagent Nelson Crowe heuert bei dem privaten Dienstleister “Grimes” an. „Grimes“ benutzt die während des Kalten Krieges erworbenen Fähigkeiten der Geheimagenten für neue Ziele. Schnell wird Crowe in ein nicht nur für ihn verwirrendes Spiel um Erpressung und Mord verwickelt.

Wäre wahrscheinlich als Roman besser gewesen.

Mit Laurence Fishburne, Ellen Barkin, Frank Langella

Hinweise:

Meine Besprechung von „Kälter als der Kalte Krieg“ (Der Einweg-Mensch, The Cold War Swap, 1966) von Ross Thomas

Meine Besprechung von „Umweg zur Hölle“ (Chinaman’s Chance, 1978) von Ross Thomas

Meine Besprechung des Romans „Gottes vergessene Stadt“ (The Fourth Durango, 1989) von Ross Thomas


Unsortierte Kurzmeldungen mit viel Stallone

Februar 8, 2008

„Rambo IV“ läuft in den deutschen Kinos in einer gekürzten Fassung. Wahrscheinlich wurde eine Minute herausgeschnitten. Schade, denn nach den bisherigen Meldungen scheint er wieder an den ersten Rambo-Film anzuknüpfen.

Ken Levine erklärt, was die Technischen Berater beim Film machen. Er greift dabei auf seine Erfahrung bei „M. A. S. H.“ zurück. Anfangs hatten sie einen Technischen Berater vom Militär, der ihnen lange Fachvorträge hielt. Innerhalb weniger Monate wurde er dann ‚zu Hollywood‘. Die Show scheint – im Gegensatz zu den neuen Arztserien – den medizinischen Teil fachlich richtig gezeigt zu haben. Das gleiche gilt für „CSI: Las Vegas“. Schön ist hier auch die Diskussion dazu und der Hinweis auf die Criterion-„Armageddon“-DVD und den Audiokommentar der Technischen Berater. Im Wesentlichen sagen sie wohl immer wieder: „Wir haben Michael Bay gesagt, dass das so nicht geht. Es war ihm egal.“

Markus Sakey (Der Blutzeuge) hat Barack Obama gewählt und erklärt es im „Outfit“:

I believe that Obama’s character is exactly what we need right now. Now perhaps more than ever in our history. Our role in the world is changing. Our internal systems are breaking down. We are divided and distrustful.

We need a leader of unquestionable intelligence who refuses to dumb down a position to a soundbite. We need a leader who is more interested in fixing America’s many problems than in sitting behind the big desk. We need a leader who dares tells us that we shouldn’t be afraid to hope.

Duane Louis (Swierczynski) , der Autor von „Blondes Gift“, hat seinen Brotjob gekündigt. In seinem Blog erklärt er warum (Tja, er will mehr schreiben.) und verlinkt zu einem Interview (So sieht er aus, wenn er in einem New Yorker TV-Studio sein Sherlock-Holmes-Rätselbuch vorstellt: Will you solve Sherlock’s Mystery?).

Die Februar-Ausgabe der Phantastik-Couch ist online mit Besprechungen von Joe Hill (Black Box, Kurzgeschichten) und William Gibson (Mustererkennung).

Bleiben wir in der Zukunft: eine nicht produzierte Version von „Demolition Man“ (der Action-Kracher in dem Stallone und Snipes sich verkloppen) ist online. Die Fassung vom 19. November 1992, geschrieben von Daniel Waters und Jonathan Lemkin scheint sich, so Donovan, sehr von dem Film zu unterscheiden: DEMOLITION MAN changed almost completely from its first draft before it made it to the screen. Different characters, different story, different genre, even a different “world”. Only Lenkov’s basic concepts (e.g. cryo-prison, cop vs psycho) survived.


TV-Tipp für den 8. Februar

Februar 8, 2008

RBB, 02.35

Berlinale Pressekonferenzen

Während der Berlinale zeigt der RBB jede Nacht, nach Mitternacht, vom Blitzlichtgewitter der Fotografen bis zur letzten Frage die Berlinale-Pressekonferenzen. Das ist dann jedes Mal ein Stück surreales Fernsehen. In den Pressekonferenzen sitzen Journalisten aus der ganzen Welt. Allein das führt schon zu einem lustigen Sprachwirrwarr, weil fast jeder in irgendeiner Fremdsprache herumdilettiert und Fragen und Antworten immer simultan übersetzt werden müssen. Verschärft wird die Situation durch die höchst ungleich verteilte filmische Kompetenz der Fragenden. Profis stehen neben seltsamen Gestalten, deren Filmwissen irgendwo zwischen ‚nicht vorhanden’ und ‚obskurstem Fantum’ angesiedelt ist. Das daraus entstehende Potpourri von Fragen ist entsprechend bunt. Die einen stellen informative Fragen zum Film. Die anderen sind an reinen Klatschgeschichten interessiert. Die letzten wollen einfach nur sagen: „Miss XXX (Name nach Belieben einfüllen), ich finde Sie wundervoll. Und ich möchte mich bei Ihnen bedanken, dass Sie uns diesen Film geschenkt haben.“ Die Angesprochene nimmt, irritiert lächelnd, das Kompliment entgegen. Die neben ihr sitzende Regielegende (David Cronenberg? John Boorman? Claude Chabrol? Sidney Lumet? Martin Scorsese???) langweilt sich. Und wenn ihm dann nach gefühlten Stunden die erste Frage gestellt wird, wird nach seinem vor Jahrzehnten gedrehten Meisterwerk gefragt. Der Angesprochene versucht höflich auf seinen neuen Film hinzuweisen. Der Produzent (niemand kennt ihn) kämpft energisch mit einer Wasserflasche – und der Drehbuchautor wurde eh draußen gelassen.

Unbedingt einschalten!


Neu im Kino: Der Krieg des Charlie Wilson, Saw IV

Februar 7, 2008

Der Krieg des Charlie Wilson (USA 2007, R.: Michael Nichols)

Drehbuch: Aaron Sorkin

LV: George Crile

Auf Tatsachen basierende, von der Kritik abgefeierte und für viele Preise nominierte Polit-Komödie über den liberal-demokratischen Kongressabgeordneten Charlie Wilson, der in den Achtzigern half den afghanischen Widerstand gegen die Sowjets finanziell und mit Waffen zu unterstützten.

Ich denke, die Kritik von Lars Penning im „tip“ bringt das Problem der gut gespielten Komödie, die keine Satire ist, auf den Punkt: „Was will uns der Film mit seinen reaktionären Identifikationsfiguren eigentlich erzählen?“

Denn heute kennen wir die weitere Geschichte von Afghanistan, den Taliban und von Al-Qaida.

Mit Tom Hanks, Julia Roberts, Philip Seymour Hoffmann

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Der Krieg des Charlie Wilson“

Drehbuch von Alan Sorkin (derzeit noch nicht verfügbar, aber Universal will es online stellen)

 

Saw IV (USA 2007, R..: Darren Lynn Bousman)

Drehbuch: Patrick Melton, Marcus Dunstan

„Saw IV“ –  so geschrieben wirkt der Horrormüll doch wirklich bedeutend. Dabei ist „Saw 4“ einfach nur ein weiterer Torture-Porn mit schnellen Schnitten, lauter Musik, Gewalt, Blut, Gekreische und Gekotze.

Fans dürfen sich schon jetzt auf „Saw V“ (Die Deutschlandpremiere ist für den 1. November angekündigt) freuen. „Saw VI“ undsoweiter wird’s auch geben. Denn solange die Kasse stimmt, ist Jigsaw unsterblich

Mit Tobin Bell, Costas Mandylor, Scott Patterson, Donnie Wahlberg, Dina Meyer, Angus Macfadyen

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Der offizielle „Saw“-Fanclub

House of Jigsaw (eine nicht so offizielle Fanseite) 

Film-Zeit über „Saw IV“

 


TV-Tipp für den 7. Februar

Februar 7, 2008

3sat, 19.20 (VPS 19.00)

Berlinale 2008 – Die Eröffnung

Live vom roten Teppich: Martin Scorsese und die Rolling Stones laufen drüber. Dieter Kosslick begrüßt sie – und einige andere Gäste. Die 58. Berlinale läuft bis zum 17. Februar. Das Programm können Sie unter anderem hier nachlesen:

Berlinale-Homepage

3sat zur Berlinale

Die Eröffnung gibt es bei 3sat auch als Livestream.


Langweiler über die böse Nahrungsmittelindustrie

Februar 6, 2008

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Cem Melou ist Facharzt für Physiologie und Ernährungsmediziner. Das wäre nicht wichtig, wenn sein Debüt „Toxische Killer“ nicht ein verkappter Ernährungsratgeber mit einer unglaubwürdigen Story wäre.

Bei einer Lebensmittelstudie treten bei einem Patienten Nebenwirkungen auf, die eine Genehmigung des Medikaments gefährden könnte. Also bringt der Konzern, anstatt bei ihm das Medikament abzusetzen, zuerst den auffälligen Probanten um und löscht dann alle seine Daten aus der Untersuchung. Etwas später bringen die Konzern-Killer die Leiterin des Projektes, weil sie geheime Unterlagen gefunden hat (Kleiner Tipp: Legen Sie Unterlagen, die nicht innerhalb weniger Sekunden auf ihrem PC gefunden werden sollen, auf der Festplatte nicht unter offensichtlichen Namen ab.), um. Doch die beiden Killer müssen, um die Interessen des Konzerns zu schützen, noch viel mehr Menschen umbringen. Nur ein kleiner Wiener Polizist stellt sich dem Weltkonzern entgegen.

Für Melou ist dieser Plot, der sich in dieser Zusammenfassung wie eine trashig-spaßige David-gegen-Goliath-Geschichte liest, nur das Mittel seine Botschaft über die richtige Ernährung zu verkünden. Deshalb repetiert er seitenlang sein Wissen und schreibt im Stil eines Lexikonartikels über die Wirkung von verschiedenen Drogen und tödlichen Giften. Das alles bringt die Geschichte nicht voran und hat in dieser Form in einem Roman nichts zu suchen. Denn wenn ich etwas über richtige und falsche Ernährung, über Drogen und Gifte, erfahren will, dann schnappe ich mir ein Fachbuch. In einem Roman muss es ein Teil der Geschichte sein. Sonst interessiert es nicht.

Die Geschichte von „Toxische Killer“, sogar wenn wir glauben, dass Nahrungsmittelkonzerne heimlich süchtig und krank machende Substanzen in Lebensmittel mischen, funktioniert nie, weil sie einfach nicht glaubwürdig ist. Denn ein multinationaler Konzern hat elegantere Möglichkeiten ein Problem zu beseitigen, als, wie in einem drittklassigen Krimi, einige Killer loszuschicken. Und ein Polizist, der nach Dienstende zu einem Selbstmord gerufen wird und Dokumente stiehlt, ist einfach nur ein tiefer Griff in die Klischeekiste. Dass am Ende die Bösen ihre Taten freiwillig gestehen, zeigt dann wieder einmal das schlechte Plotting von „Toxische Killer“. Denn bei Melou steht immer die Botschaft an erster Stelle.


Cem Melou: Toxische Killer

Pendragon, 2007

216 Seiten

9,90 Euro

 

Homepage von Cem Melou

Interview mit Cem Melou


TV-Tipp für den 6. Februar

Februar 6, 2008

Das Vierte, 20.15

Atemlos vor Angst (USA 1977, R.: William Friedkin)

Drehbuch: Walon Green

LV: Georges Arnaud: Le salaire de peur, 1952 (Lohn der Angst)

Vier im lateinamerikanischen Dschungel gestrandete Existenzen erhalten die Chance auf einen Neuanfang. Sie müssen nur zwei mit Nitro bepackte Laster durch den unwegsamen Dschungel zu einer Ölbohrstelle fahren. Wer von ihnen wird den Höllentrip überleben?

Georges Arnauds kurzer, spannender Thriller wurde bereits 1952 als „Lohn der Angst“ erfolgreich verfilmt. Friedkins sträflich unterschätztes Remake konzentriert sich in der europäischen Version stärker auf die Spannungsmomente.

Die zeitgenössische Filmkritik verglich das Remake mit dem hochgeschätzten Original und verriss den Film ziemlich einhellig. Das Publikum sah sich lieber Weltraumschlachten an.

Für die europäische Auswertung wurde der Film vom Verleiher CIC um eine halbe Stunde gekürzt. Im Wesentlichen fiel der Prolog, in dem die einzelnen Charaktere vorgestellt werden, weg. Am schlechten Einspielergebnis änderte sich nichts.

Die Musik ist von Tangerine Dream.

Mit Roy Scheider, Bruno Cremer, Francisco Rabal, Amidou

Hinweise

UrbanCineFile über “Atemlos vor Angst” (Hintergründe zu den Dreharbeiten, den Schnitten und ein Gespräch mit William Friedkin)

Manifest – Das Filmmagazin: William Friedkin im Publikumsgespräch (anlässlich der Aufführung von „Bug“ in München)


Cover der Woche

Februar 5, 2008

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TV-Tipp für den 5. Februar

Februar 5, 2008

MDR, 20.45

Schrottklau – Die Jagd nach Altmetall (D 2007, R.: Holger Baars)

Doku über eine Wachstumsbranche mit einer geringen Aufklärungsquote. Baars begleitet den Bremer Polizisten Horst-Dieter Dunker auf der Jagd nach Menschen, die auch Gullydeckel klauen.