Neu im Kino: American Gangster

November 15, 2007

Genrejunkies freuen sich seit Wochen auf „American Gangster“, den neuen Film von Ridley Scott, mit Denzel Washington und Russell Crowe, nach einem Drehbuch von Steven Zaillian. Zaillian schrieb auch die Bücher zu „Schindlers Liste“, „Hannibal“, „Gangs of New York“ und „Die Dolmetscherin“; halt immer Qualitätsarbeit. Die Inspiration für das zweieinhalbstündige Biopic war das Leben von Frank Lucas. Der in Harlem lebende Afroamerikaner importierte in den frühen Siebzigern in die USA mehr und bessere Drogen als die Mafia, weil er den Drogenhandel wie ein normales Geschäft anging. Cop Richie Roberts machte es sich zur Lebensaufgabe, den Gangster zu jagen. Zu seinen schlimmsten Gegnern zählten dabei korrupte Polizisten.

Mark Jacobson schrieb den „New York“-Artikel „The Return of Superfly“, der als Inspiration für den Film diente.

Max Allan Collins  schrieb das Buch zum Film. Bis jetzt ist keine deutsche Übersetzung angekündigt.

Das Drehbuch von Steven Zaillian wird definitiv nicht übersetzt, kann aber hier gelesen werden.

Der englische Wikipedia-Eintrag ist sehr informativ; die deutsche und die amerikanische Homepage zum Film unterscheiden sich nur in akustischer Hinsicht.


TV-Tipp für den 15. November

November 15, 2007

Arte, 20.40

Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben (GB 1964, R.: Stanley Kubrick)

Drehbuch: Stanley Kubrick, Peter George, Terry Southern

LV: Peter George: Red Alert. 1958 (Die Welt der letzten Tage)

Buch zum Film: Peter Bryant (Pseudonym von Peter George): Dr. Strangelove Or: How I learned to stop worrying and love the bomb, 1963

Air-Force-Kommandant Jack D. Rippern glaubt, dass die Russen für seine Impotenz verantwortlich sind. Also gibt er den Befehl aus, das Reich des Bösen anzugreifen. Seine Vorgesetzten versuchen einen dritten Weltkrieg zu verhindern. Doch das ist nicht so einfach.

Tiefschwarze Satire auf den Rüstungswahnsinn und das Denken der Militärs, Technokraten und Politiker, die beängstigend nahe an der Wirklichkeit ist und auch nach dem Ende des Kalten Krieges nicht veraltet ist. Eine Alptraum-Komödie

Mit Peter Sellers, George C. Scott, Sterling Hayden, Keenan Wynn, Slim Pickens, Peter Bull, James Earl Jones, Tracy Reed

Wiederholung:

Freitag, 16. November, 14.55 Uhr

Hinweise:

Arte zum Film


Ira Levin gestorben

November 14, 2007

R. i. P.: Ira Levin, 27. August 1929 – 12. November 2007

Zwei Tage nach Norman Mailer starb ein weiterer amerikanischer Autor. Ira Levin schrieb wenig, aber „Der Kuss des Todes“, „Rosemaries Baby“, „Die Frauen von Stepford“, „Die Boys aus Brasilien“ und „Sliver“ waren als Buch und Film erfolgreich. Er schrieb Thriller, die mal mehr Krimi, mal mehr Horror, mal mehr Science Fiction, aber immer spannend waren.

Hier die erste Meldung zu seinem Tod in der New York Times, hier die Spiegel Online-Meldung und hier ein Verzeichnis seiner Werke.


Kurz notiert

November 14, 2007

„Stirb langsam 4.0“ ist jetzt in mehreren Fassungen auf DVD erschienen. Aber die Unrated-Version gibt es in Deutschland noch nicht. Schnittberichte zeigt die Unterschiede zwischen der Kinofassung und der wohl ursprünglich geplanten Fassung (vor allem mehr „Fucks“).

„Deadline“ heißt die neue, am Donnerstag startende Sat.1-Krimiserie. „Deadline“ heißt ein 2005 von Katharina Bachmann veröffentlichter Roman. Jetzt, so Quotenmeter, läßt sie das Schutzrecht für den Titel prüfen; also ob sie den alleinigen Anspruch auf den Titel „Deadline“ hat. Da sollte die Dame aber nicht in der Internet Movie Database recherchieren: eine genaue Übereinstimmung des Titels wird 29 mal gefunden. Wenn jetzt die Produzenten die Autorin verklagen, weil ihre älteren Rechte an dem Titel verletzt wurden…

Aber vielleicht hat Bachmann auch den Titel von Rogelio J. Pineiro  geklaut. Denn sein Buch „De@dline“ erschien bereits 2004 bei Bastei-Lübbe.

Fragen über Fragen.

Während des Nachdenkens können wir auch mal das Drehbuch zu einem deutschen Serienkrimi lesen. Das Ehepaar Eva und Volker A. Zahn haben ihr Drehbuch zur „Soko Leipzig“-Folge „Herrenrunde“ online gestellt.

Das gibt mir die Gelegenheit endlich auch darauf hinzuweisen: Die BBC hat in ihrem writersroom etliche Drehbücher online. Für uns Krimifans sind natürlich die Krimi-Drehbücher interessant. Es sind „Silent Witness: Schism“ von Christian Spurrier,  „Waking the Dead: Shadowplay“ von Ed Whitmore, „Life on Mars, Episode 1“ von Matthew Graham und Doctor Who ist auch an Bord.

Ziemlich blöd versteckt hat „Die Zeit“ den schönen Artikel von Dominik Graf über Samuel Fuller, seinen Kressin-Tatort „Tote Taube in der Beethovenstraße“ und zwei, damals ebenfalls in Deutschland arbeitende, Regiekollegen. Wer die Wochenzeitung nicht kaufen will, kann’s hier lesen.

Nicht so versteckt ist in der heutigen „taz“der Artikel von Andreas Fanizadeh über die Edition Nautilus (mehr) und ihr Zugpferd Andrea Maria Schenkel (weniger).  


TV-Tipp für den 14. November

November 14, 2007

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Arte, 23.10

Uhrwerk Orange (GB 1971, R.: Stanley Kubrick)

Drehbuch: Stanley Kubrick

LV: Anthony Burgess: A Clockwork Orange, 1962 (Uhrwerk Orange)

Der Halbstarke Alex terrorisiert mit seinen Freunden die Gegend. Nachdem er zu einer langen Haftstrafe verurteilt wird, ist er bereit an einem neuen Rehabilitationsprogramm teilzunehmen. Mit fatalen Folgen.

Als „Uhrwerk Orange“ 1971 in die Kinos kam, war er hochumstritten. Zwar sagte Kubrick, sein Film sei eine Verteidigung des freien Willens, aber Gewalt (wenn auch sehr stilisiert) und Beethoven oder „Singing in the Rain“ in einer Szene und der Verzicht auf eine eindeutige Position des Regisseurs im Film war dann für die meisten Kritiker doch zuviel.

Heute ist der stilisierte Alptraum als Meisterwerk der Filmgeschichte anerkannt – und der Roman schaffte es in die Time-Liste der 100 besten englischsprachigen Romane sein 1923.

Mit Malcolm McDowell, Patrick Magee, Michael Bates, Warren Clarke, John Clive, Steven Berkoff, David Prowse

Wiederholung:

Montag, 19. November, 00.30 Uhr (VPS) (Taggenau!)


Cover der Woche

November 13, 2007

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TV-Tipp für den 13. November

November 13, 2007

3sat, 22.25

Kennwort Kino: Unter Brüdern (D 2007, R.: Herbert Krill)

Drehbuch: Herbert Krill

Halbstündige Doku über Brüder im Filmgeschäft. Ich sage nur Coen (für die Jüngeren) und Taviani (für die Älteren). Die Doku ist der Auftakt des Programmschwerpunkts „Regie-Brüder“.

Alle Infos über den 3sat-Schwerpunkt „Regie-Brüder“


Ein bisschen Luxus – Kapitel 26 online

November 13, 2007

Hier geht’s weiter.


One World Berlin – ab Mittwoch mit mir

November 12, 2007

Am Mittwoch beginnt das hier bereits erwähnte One World-Festival. Die Humanistische Union präsentiert mit der Gustav Heinemann-Initiative beim diesjährigen „One World Berlin – Filmfestival für Menschenrechte und Medien“ diese Veranstaltungen:

 

Eröffnungsveranstaltung

Mittwoch, 14. November, 19.30 Uhr, KATO (U-Bahn „Schlesisches Tor“)

Mit:

Bernhard Docke (Anwalt von Murat Kurnaz),

Hans-Christian Ströbele (Mitglied des Bundestages),

 Tamer Yigit (Künstler),

Fredrik Roggan (Humanistische Union)

 

Der diesjährige Festivalschirmherr Bernhard Docke hat den Bremer Guantánamo-Häftling Murat Kurnaz verteidigt. Kurnaz (mit dem Ko-Autor Helmut Kuhn) hat die Erlebnisse während seiner Inhaftierung ohne rechtmäßige Verurteilung in dem Buch Fünf Jahre meines Lebens – Ein Bericht aus Guantánamo niedergeschrieben. Schauspieler/Regisseur/Musiker Tamer Yigit wird von Kurnaz ausgewählte Buchpassagen lesen.

Beschränkte Kartenzahl, daher Voranmeldung unter 030 – 24 31 30 30

 

 

Workshop: Film/Video/Neue Medien und Menschenrechtsvermittlung

Samstag, 17. November, 11.00 – 18.00 Uhr, Haus der Demokratie und Menschenrechte (Greifswalder Str. 4, Tram „Am Friedrichshain“)

Mit:  

Meira Asher (Regisseurin/Sound Artist),

Emanuel Vaughan-Lee (Regisseur),

Claudia Lohrenscheit (Deutsches Institut für Menschenrechte),

Angie Koch (Filmverleiherin, Neuzeit Film)

 

Medienmacher/innen, Filmbusinessleute, NGO-Vertreter/innen, Entwickler/innen von sozialen Kampagnen, Bildungsexpert/innen stellen ihre Arbeit vor und tauschen sich aus. In drei Gesprächsrunden wird über die Möglichkeiten einer Zusammenarbeit zwischen Filmemachern und NGOs, der Ansprache bestimmter Zielgruppen am Beispiel von Jugendlichen und dem Erreichen einer breiten Öffentlichkeit informiert und diskutiert.

Der Workshop richtet sich in erster Linie an NGO-VertreterInnen, die in diesem Bereich demnächst etwas tun wollen oder schon einschlägige Erfahrungen gesammelt haben.

Die Teilnehmerzahl ist begrenzt.

Eine Anmeldung ist daher erforderlich unter 030 – 20 45 02 56 oder info@humanistische-union.de

 

 

Film „The Trap: What happened to our dream of freedom“ (GB 2007)

Sonntag, 18. November, 18.00 Uhr, Brotfabrik (Prenzlauer Promenade 3, S-Bahn „Prenzlauer Allee“)

Mit:

Prof. Dr. Bernd Ladwig (FU Berlin)

 

In drei Stunden zeichnet Adam Curtis in seinem beeindruckenden BBC-Dreiteiler „The Trap: What happened to our dream of freedom“ von Adam Curtis. In drei Stunden zeichnet er nach, wie sich während des Kalten Krieges ein reduzierter Begriff von Freiheit und ein ebenso reduziertes ökonomisches Menschenbild (ich sage nur Rational Choice und Public Choice) zuerst in der Wissenschaft und später in der Politik durchsetzte. Er zeigt, wie Ideen die Welt verändern können. Er zeigt, wie das Rational-Choice-Menschenbild und der Glaube, alles messen zu können, die Politik beeinflusst. Denn wenn die Politiker nur noch von selbstinteressierten Menschen ausgehen, werden sie eine bestimmte Politik machen. Eine Politik die bestimmt ist von Misstrauen und Paranoia. Denn eine der Kernpunkte des Rational-Choice-Menschenbildes ist, dass man niemand vertrauen kann. Ein anderer, dass jeder nur noch nach seinem eigenen Glück streben solle. So etwas wie Gemeinschaft, Vertrauen undsoweiter gibt es nicht.

 

 

Film „Taxi to the Dark Side“ (D/USA/GB 2007)

Mittwoch, 21. November, 19.00 Uhr, Acud (Veteranenstraße 21, U-Bahn „Rosenthaler Platz“, S-Bahn „Nordbahnhof“)

Mit:

Andrea Arndt, Behandlungszentrum für Folteropfer

Britta Jenkins, Behandlungszentrum für Folteropfer

Prof. Dr. Rosi Will, Bundesvorsitzende der Humanistischen Union, Professorin an der Humboldt-Universität

 

Der afghanische Taxifahrer Dilawar wird 2002 während einer Taxifahrt mit seinen Fahrgästen vom US-Militär festgenommen und ohne einen Prozess im Gefängnis festgehalten. Fünf Tage später stirbt er in seiner Zelle an den Folgen der Misshandlungen, die ihm die US-Soldaten zugefügt haben. In der gleichen Weise sind seit dem Beginn des „Krieges gegen den Terror“ über hundert US-Gefangene unter mysteriösen Umständen umgekommen. Die mehrfach ausgezeichnete Dokumentation zeigt den Umgang mit Folter als legitimes staatliches Handeln vonseiten der Bush-Regierung und wie sie dadurch gegen die Genfer Konvention verstößt.

Spielfilmlange Doku über den fälschlich als Terrorist beschuldigten afghanischen Taxifahrer Dilawar. Er wird verhaftet, gefoltert und stirbt fünf Tage später. Gibney zeigt in seiner eindrücklichen, sachlich argumentieren Dokumentation am Schicksal eines Jedermanns, wie die US-amerikanische Regierung ihre Soldaten ermutigte, Folter als Verhörmethode wieder einzusetzen.

“Taxi zur Hölle” wurde auf den Filmfestival in Tribeca (New York) und Chicago als beste Dokumentation ausgezeichnet.

 

Weitere Informationen zum One World-Festival

Weitere Informationen zur Humanistischen Union

Weitere Informationen zur Gustav Heinemann-Initiave


TV-Tipp für den 12. November

November 12, 2007

Arte, 20.40

2001: Odyssee im Weltraum (GB/USA 1968, R.: Stanley Kubrick)

Drehbuch: Stanley Kubrick, Arthur C. Clarke

LV: Arthur C. Clarke: The Sentinel, 1951 (Der Wachposten, Kurzgeschichte, abgedruckt unter anderem in “Verbannt in die Zukunft” und “2001: Aufbruch zu verlorenen Welten“)

Buch zum Film: Arthur C. Clarke: 2001: A Space Odyssey, 1968 (2001: Odyssee im Weltraum)

Buch über die Dreharbeiten: Arthur C. Clarke: The lost worlds of 2001, 1972 („2001“ Aufbruch zu verlorenen Welten – Das Logbuch der Kapitäne Clarke und Kubrick)

Auf dem Mond wird ein schwarzer Monolith entdeckt. Er sendet Signale zum Jupiter. Die „Discovery“ wird losgeschickt, um das Rätsel zu lösen. Doch während des Flugs beginnt der Bordcomputer HAL sich über seine menschliche Besatzung so seine Gedanken zu machen.

Ein zeitloser Klassiker und ein Film, der für die große Leinwand gemacht wurde.

„2001: Odysse im Weltraum war ohne Zweifel der einflussreichstes Science-Fiction-Film der sechziger Jahre. Von nun an gewann das Science-Fiction-Kino einen wahrhaft spekulativen Aspekt und folgte damit der Science-Fiction-Literatur.“ (Phil Hardy, Hrsg.: Die Science Fiction Filmenzyklopädie) Denn: „Nach all dem Kinoschwachsinn, den Heerscharen unbedarfter SF-Filmer dem Publikum bis 1969 vorgesetzt hatten, ging 2001: Odyssee im Weltraum den SF-Fans herunter wie die reinste Götterspeise.“ (Ronald M. Hahn/Volker Jansen: Lexikon des Science Fiction Films).

Mit Keir Dullea, Gary Lockwood, William Sylvester, Daniel Richter

Wiederholung:

Dienstag, 13. November, 14.30 Uhr

Hinweise:

Homepage der Arthur C. Clarke-Foundation (aka Homepage von Arthur C. Clarke)

Arthur C. Clakre-Bibliographie bei Fantastic Fiction (gewohnt umfangreich und mit vielen Bilder

Phantastik-Couch über Arthur C. Clarke (deutsch, die fantastische Schwester der Krimi-Couch)

„2001“-Seite von Warner Brothers

Und – endlich, endlich – erscheinen am 7. Dezember einige Kubrick-Filme in einer angemessenen Neuauflage als Doppel-DVD mit umfangreichem Bonusmaterial. Es sind „2001“, „Uhrwerk Orange“, „Shining“, „Full Metal Jacket“ und „Eyes Wide Shut“.


TV-Tipp für den 11. November

November 10, 2007

Heute war die Wahl des TV-Tipps wieder schwierig: Tatort-Kommissar Ehrlicher nimmt endlich seinen Abschied, es gibt eine Bogart-Reihe, Sydney Pollacks Politthriller „Die Dolmetscherin“, Terry Georges Politdrama „Hotel Ruanda“ (zur Geisterstunde) und Warren Beattys Monumentalfilm „Reds“ (über 25 Jahre nach seinem Kinostart) werden erstmals ausgestrahlt.

Im Hinblick auf künftige Wiederholungen geht der TV-Tipp des Tages deshalb wieder an Arte. Im Rahmen des Themenabends „1917 – Die Russische Revolution“ gibt es ein Epos, wie es heute von Hollywood nicht mehr produziert wird.

Arte, 20.45

Reds (USA 1981, R.: Warren Beatty)

Drehbuch: Warren Beatty, Trevor Griffiths, Peter S. Feibleman (ungenannt), Elaine May (ungenannt), Jeremy Pikser (ungenannt)

Über dreistündiges Biopic über den Journalisten John Reed, der die Oktoberrevolution miterlebte, darüber den Bestseller „Zehn Tage, die die Welt erschütterten“ schrieb, mit 33 Jahren starb und als einziger Amerikaner an der Kremlmauer beerdigt wurde.

Nachdem Beatty in den Siebzigern als Schauspieler und Produzent enorm erfolgreich war, erhielt er für dieses Projekt völlig freie Hand. Die nutzte er beim Dreh für einen nicht auf die Kosten achtenden Perfektionismus und danach für eine unkommerziell lange Fassung. Dennoch waren in den USA die Kritiker begeistert, der Film wurde für zahlreiche Preise nominiert, erhielt unter anderem drei Oscars, und, zur Wiederaufführung 2006, waren die Kritiker immer noch begeistert. „“Reds” remains a superior history lesson.“ (A. O. Scott, New York Times) „Reds wird seinen eigenen hohen Ansprüchen nicht immer gerecht, doch insgesamt ist es ein imponierendes Werk voll grandioser Bilder und exzellenter Darstellungen.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon)

In Deutschland ist „Reds“ dagegen fast unbekannt. „Der immense Erfolg von ‚Reds“ in den USA, der sich in der Bundesrepublik nicht wiederholte, hat wohl auch mit dieser Konstellation zu tun: Reed ist zwar Kommunist, aber doch in erster Linie Amerikaner.“ (Fischer Film Almanach 1983)

Heute erlebt der Monumentalfilm für denkende Menschen, wenn wir von einer nicht angekündigten Ausstrahlung in „Das Vierte“ absehen, seine TV-Premiere.

Mit Warren Beatty, Diane Keaton, Edward Hermann, Jerzy Kosinski, Jack Nicholson, Paul Sorvino, Maureen Stapleton, M. Emmett Walsh, Gene Hackmann

Hinweise:

Arte zum Film

A. O. Scott, New York Times, zur DVD (mit einem Gespräch mit Warren Beatty)

Jay C. Steinberg zum Film (Turner Classic Movies)

John Reed: Zehn Tage, die die Welt erschütterten

Warren Beatty bei Charlie Rose (bei YouTube gibt es noch einige weitere Clips mit Beatty, teilweise auch zu „Reds“)


TV-Tipp für den 10. November

November 10, 2007

ARD, 22.10 (VPS 01.10)

James Bond: Lizenz zum Töten (GB 1989, R.: John Glen)

Drehbuch: Richard Maibaum, Michael G. Wilson

LV: Figur von Ian Fleming

Nachdem Drogenbaron Sanchez seinen Freund Felix Leiter während der Hochzeit schwer verletzt und dessen Künftige umbringt, sieht Bond rot. Im Alleingang bringt er Sanchez um seine Existenzgrundlage.

Der zweite Einsatz von Timothy Dalton war realistischer und härter als die vorherigen Bonds. An der Kasse war er damit nicht so erfolgreich – und die Bond-Macher legten eine mehrjährige Pause ein. Pierce Brosnan beendete die Produktionspause 1995 mit dem kommerziell äußerst erfolgreichen „GoldenEye“.

In „Lizenz zum Töten“ ist die Mischung aus klassischem Bond und modernem us-amerkanischen Action-Kino nicht überzeugend. In Erinnerung bleiben vor allem, dass alles viel brutaler als gewohnt ist. Der nächste Versuch eines härteren Bonds gelang mit „Casino Royale“ wesentlich besser.

Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert.

Mit Timothy Dalton, Robert Davi, Talisa Soto, Benicio Del Toro


Vorratsdatenspeicherung – die Beerdigung eines Grundrechts

November 10, 2007

Während im Bundestag die Regierung die Vorratsdatenspeicherung beschloss, trafen wir von der Humanistischen Union uns bei der feierlichen Beerdigung des davon betroffenen Grundrechts.

Einige Aufnahmen (einige Aufnahmen wurden von mir geschossen) gibt es hier.

Weitere Infos zur Debatte und den Positionen verschiedener Verbände bei ARD (sogar mit Bilder der HU-Aktion), Spiegel Online oder beim Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung. Die beruhigenden Worte der Justizministerin klingen überhaupt nicht beruhigend, wenn just heute bekannt wird, dass Polizisten die Post von vier Berliner Tageszeitungen durchsuchte und Gespräche beim NDR abhörte.


TV-Krimi-Buch-Tipps online

November 9, 2007

Bei den Alligatorpapieren (immer einen Klick wert) sind die neuen TV-Krimi-Buch-Tipps online. Wie üblich präsentiere ich hier meine ersten Zeilen und dann geht’s ab zum Alligator (denn Alfred hat wieder viele, viele schöne Bilder ausgegraben):

Hallo liebe Krimifreunde,

zu zwei unspektakulären Fernsehwochen. James Bond macht einiges kaputt und es gibt erstmals im Free-TV den TV-Krimi „LA County 187“, nach einem Drehbuch von James Ellroy. Zu den empfehlenswerten, teils selten gezeigten Wiederholungen gehören die beiden Humphrey Bogart-Filme „Der versteinerte Wald“ und „Entscheidung in der Sierra“ (nach einem Roman von W. R. Burnett), Ulu Grosbards John Gregory Dunne-Verfilmung „Fesseln der Macht“, Don Siegels Glendon Swarthout-Verfilmung „Der letzte Scharfschütze“ (Natürlich John Wayne), Charles Laughtons Davis Grubb-Verfilmung „Die Nacht des Jägers“, Stanley Kubricks Lionel White-Verfilmung „Die Rechnung ging nicht auf“ (im Rahmen der Arte-Kubrick-Reihe), die Noir-Liebeserklärung „Der unauffällige Mr. Crane“ der Coen-Brüdern, Dominik Grafs „Eine Stadt wird erpresst“ (nach einem Drehbuch von Rolf Basedow) und Robert Altmans Raymond Chandler-Verfilmung „Der Tod kennt keine Wiederkehr“.


TV-Tipp für den 9. November

November 9, 2007

RTL II, 20.15

Mars Attacks (USA 1996, R.: Tim Burton)

Drehbuch: Jonathan Gems, Tim Burton (ungenannt)

LV: Topps Company: 55-teilige Sammelkartenserie aus den Sechzigern (Neuauflage 1994)

Außerirdische besuchen die Erde. Der Präsident und einige Wissenschaftler glauben an ein friedliches Zusammenleben der Welten, aber die Marsmenschen wollen einfach nur alles kaputtmachen.

Schön schräge, respektlose Satire und Liebeserklärung an die S-F-Filme der Fünfziger. Burtons Werk wurde damals als Gegenentwurf zu dem patriotisch-ironiefreien Roland Emmerich-Werk „Independence Day“ gesehen. Einmal dürfen sie raten, welcher Film der bessere ist. Und einmal, welcher Film das bessere Einspielergebnis hat.

„Eine der kompromisslosesten Demontagen des Hollywood-Kinos.

Zuerst wären da die Schauspieler zu nennen, eine Crew voller Berühmtheiten, denen nacheinander Schreckliches passiert: Sie alle scheiden in kürzester Zeit dahin, sterben einen wenig ruhmreichen Tod. (…) Mars Attacks! Karikiert nicht nur die patriotische, militaristische Variante des Invasionsfilms, sondern auch die ‚liberale’ Spielart, die den Außerirdischen mit pazifistisch und neuerdings esoterisch motiviertem Wohlwollen begegnet.“ (Helmuth Merschmann: Tim Burton)

Mit Jack Nicholson, Glenn Close, Annette Bening, Pierce Brosnan, Danny DeVito, Martin Short, Sarah Jessica Parker, Michael J. Fox, Rod Steiger, Tom Jones (als er selbst), Lukas Haas, Natalie Portman, Jim Brown, Sylvia Sidney, Pam Grier, Joe Don Baker, Christina Applegate, Jerzy Skolimonkski (Regisseur, als Dr. Zeigler), Barbet Schroeder (Regisseur, als französischer Präsident),

Wiederholung:

Samstag, 10. November, 14.15 Uhr (wahrscheinlich wird eine gekürzte Fassung gezeigt)

Hinweise:

Die Vorlage für den Film: die Sammelkarten der Topps Company 

Tim Burton bei Film-Zeit

Senses of Cinema-Artikel von Ben Andac über Tim Burton (2003)

Schnittbericht


Stachlige Argumente mit „Big Brother“-Schwerpunkt online

November 8, 2007

In der Ausgabe 5/2007 der „Stachligen Argumente“ sind im Schwerpunkt „Big Brother“ auch zwei Texte von mir abgedruckt. Einmal über die Rationalität der Schäubleschen Innenpolitik, einmal über die abgebrochene Evaluierung der Videoaufzeichung in den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG).

Die anderen Schwerpunktartikel sind von Biggi Bender über die elektronische Gesundheitskarte, Markus Beckedahl über die Vorratsdatenspeicherung, Benedikt Lux über die erste Demo gegen die Vorratsdatenspeicherung, Volker Ratzmann über den § 129a Strafgesetzbuch (der mit den terroristischen Organisationen) und Dirk Behrendt über die Berliner Knäste.

Die „Stachligen Argumente“ ist die Mitgliederzeitschreift von Bündnis 90/Die Grünen, Landesverband Berlin. Sie ist kein Hurra-Parteiblatt, sondern ein von einer unabhängigen Redaktion erstelltes Diskussionsblatt.

Ein Download lohnt sich.


TV-Tipp für den 8. November

November 8, 2007

Arte, 20.40

Wege zum Ruhm (USA 1957, R.: Stanley Kubrick)

Drehbuch: Jim Thompson, Stanley Kubrick, Calder Willingham

LV: Humphrey Cobb: Paths of glory, 1935

Erster Weltkrieg: Der französische Colonel Dax erhält den aussichtslosen Befehl, die Höhe 19 einzunehmen. Als der Angriff gegen die Deutschen stockt und die Soldaten den Befehl des ehrgeizigen Generals Mireau, auf die eigenen Leute zu schießen, verweigern, befiehlt Mireau, dass aus den beteiligten Regimenter drei zufällig ausgewählte Soldaten wegen Feigheit vor dem Feind erschossen werden soll. Dax versucht ihr Leben zu retten.

Krasser Antikriegsfilm, der auch nach einem halben Jahrhundert nichts von seiner Wirkung verloren hat.  In Frankreich wurde der Film erst 1975 gezeigt. Bis dahin hatte kein Verleiher den Mut gehabt „Wege zum Ruhm“ zu präsentieren.

„’Wege zum Ruhm’ ist eine Studie über Macht. Kubrick zeigt eine Welt, in der die Mächtigen die Untergebenen zu Schachfiguren degradieren, in der aber auch jeder, der in der Hierarchie weiter oben steht, mit dem Wissen leben muß, selbst nur Schachfigur zu sein.“ (Christoph Haas in Andreas Kilb, Rainer Rother u. a.: Stanley Kubrick)

Mit Kirk Douglas, Ralph Meeker, Adolphe Menjou, George MacReady

Wiederholungen:

Mittwoch, 14. November, 14.55 Uhr

Dienstag, 20. November, 14.55 Uhr

Arte zum Film


„Bis zum Hals“ in der S…

November 7, 2007

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Privatdetektive sind in Krimis oft die edlen Ritter, die eine unbefleckte Prinzessin vor dem bösen Drachen retten wollen. Im Märchen kriegt der Ritter die Schöne. Im Krimi, wenn wir an „Der Malteser-Falke“, „Der große Schlaf“, „Ich, der Richter“ undundund denken, endet die Geschichte oft anders. Auch Jörg Juretzkas Ruhrpott-Privatdetektiv Kristof Kryszinski ist so ein edler Ritter, der das schwache Geschlecht beschützen möchte. Allerdings ein mächtig ramponierter. „Verschwitzt, verquollen, stoppelbärtig, die Glubschkugeln rot geädert und schwarz umrandet, die Hosenfront pissegelb, die ganze Gestalt schwankend wie ein Mast in der Dünung und zittrig wie eine Pflasterramme, fehlte eigentlich nur noch, dass mir der Sabber vom Kinn tropfte“ beschreibt sich Kryszinski nach einer ermittlungstechnisch erfolglosen Nacht.

Er steht vor Anoushka Jalnikow, die vor seiner Tür kauernde Schöne aus dem Osten. Drei Tage davor hat er ihren Mann, nach einem nächtlichen Besuch bei einem zahlungsunwilligen Klienten, überfahren. Die Polizei, vertreten durch die Kryszinski abgrundtief hassenden Kommissare Hufschmidt und Menden, glaubt an einen tödlichen Unfall. Dass Kryszinski behauptet, zwei Männer hätten Dimitrij Jalnikow vor sein Auto gestoßen, halten sie für eine Ausrede. Also muss Kryszinski die Mörder auf eigene Faust suchen. Bis Anoushka bei ihm auftaucht, sind seine Ermittlungen ein einziges Desaster. Er wird geschlagen. Er wird von trinkfesten Russen eingeladen und trinkt mehr Alkohol, als er verträgt.

Doch jetzt begibt er sich mit der schönen Russin auf die Suche nach den Mördern ihres Mannes. Sie mischen die Ruhrpott-Unterwelt kräftig auf. Viel zu spät erkennt Kryszinski, dass Anoushka nicht so unschuldig ist, wie sie aussieht.

Nach einer dreijährigen Pause, in der Jörg Juretzka für das Fernsehen arbeitete, erschien jetzt mit „Bis zum Hals“ der siebte Kryszinski-Krimi. Es ist, wie die vorherigen, ein schnoddrig erzählter Privatdetektivkrimi, bei dem der Plot sich ebenso chaotisch wie die Ermittlungen des Erzählers entwickelt. Dass er dabei am Ende die Mörder überführen kann ist in erster Linie das Glück des Dummen. Denn seine Ermittlungen sind im Wesentlichen eine Abfolge von meist peinlichen Misserfolgen. Er schlittert von einem Desaster in das nächste, weil er – meist aufgrund eigener Unfähigkeit – nie einen seiner Pläne planmäßig bis zum Ende durchführt.

Damit ist er der typische kleine Mann, der ständig mit der Tücke des Objekts kämpft und sein Leid lakonisch erträgt. „Ich bin ein Flüchter.“ Dass Kryszinski am Ende der Gerechtigkeit zum Sieg verhelfen kann, gönnen wir ihm – stellvertretend für uns – von ganzem Herzen.

In seinem nächsten Abenteuer muss Kryszinski im Auftrag von seinem Freund Scuzzi auf Mallorca ermitteln. Die ersten Seiten hat Jörg Juretzka schon geschrieben und sie sind genauso witzig wie „Bis zum Hals“.

 

P. S.: Wenn Jörg Juretzka in Ihrer Nähe liest, sollten Sie hingehen. Denn die ohnehin schon witzigen Romane werden so noch witziger.

 

 

Jörg Juretzka: Bis zum Hals

Ullstein, 2007

304 Seiten

7,95 Euro

 

Hinweise:

Weil Jörg Juretzka immer noch keine Homepage hat, gibt es einige Hinweise auf bio-/bibliographische Informationen und schon ältere Interviews:

Alligatorpapiere – Befragung

Krimi-Couch

Krimi-Couch – Interview

Kaliber .38 – Interview

Lexikon deutscher Krimiautoren


TV-Tipp für den 7. November

November 7, 2007

Arte, 23.25

Die Rechnung ging nicht auf (USA 1956, R.: Stanley Kubrick)

Drehbuch: Jim Thompson, Stanley Kubrick

LV: Lionel White: Clean Break, 1955 (später „The killing“, deutsch “Der Millionencoup“)

Ex-Sträfling Johnny Clay will mit einigen Amateuren die Wettgelder während eines Pferderennens klauen. Der minutiös geplante Coup läuft nach Plan ab. Dann geht alles schief.

Grandioses, düsteres Caper-Movie und der endgültige Durchbruch für Kubrick. Im Gegensatz zu anderen Caper-Movies wird die Handlung im Buch und im Film nicht chronologisch, sondern mit zahlreichen Vor- und Rücksprüngen erzählt. Und der Überfall wird, zusammengehalten von einer atemberaubenden Montage, aus verschiedenen Perspektiven erzählt. Mit seinen Diskontinuitäten und Dekonstruktionen ist „Die Rechnung ging nicht auf“ ein Vorläufer des postmodernen Kinos.

Einer von Kubricks Schülern ist Quentin Tarantino, der diesen Film in „Reservoir Dogs“ ausführlich würdigte. Im Drehbuch ist sogar eine – im Film nicht gezeigte – Widmung an Lionel White enthalten.

Mit Sterling Hayden, Coleen Gray, Vince Edward, Jay C. Flippen, Elisha Cook jr.

Wiederholungen:

Donnerstag, 15. November, 14.55 Uhr

Mittwoch, 21. November, 14.55 Uhr

Hinweis:

Die Stanley Kubrick-Reihe von Arte im Überblick


Vorratsdatenspeicherung – nach der Demo

November 7, 2007

Die angekündigte Demo gegen die Vorratsdatenspeicherung ist gelaufen. Heise berichtet mit Text und Bild, Spiegel mit Text und Video – und sicher findet sich auch in der Tageszeitung ihres Vertrauens ein Artikel darüber.