TV-Tipp für den 27. Oktober

Oktober 26, 2007

Wegen Lino Ventura, und weil Claude Lelouch am 30. Oktober seinen Siebzigsten feiert:

BR, 20.15

Die Entführer lassen grüßen (F/I 1971, R.: Claude Lelouch)

Drehbuch: Claude Lelouch, Pierre Uvtterhoeven

Fünf Gauner entdecken Entführungen als Geschäftsmodell. Ihre Geisel werden immer höhere Repräsentanten der Gesellschaft.

Laue Komödie, die sich – weil viel zu undifferenziert – erfolglos in Gesellschaftskritik versucht. „Die Entführer lassen grüßen“ ist, trotz einiger gelungener Szene, wirklich kein wichtiger Ventura-Film.

„Mäßig unterhaltsame Burleske mit oberflächlicher Kritik an Ideologien; stellenweise amüsant, doch überwiegend auf billige Gags und mäßige Späße ausgerichtet.“, schrieb der Katholische Film-Dienst zutreffend zum deutschen Kinostart.

Meinolf Zurhorst und Lothar Just urteilten in ihrem „Lino Ventura“-Buch ähnlich: „Lelouch, gerühmt von den Schauspielern für seine Improvisationsfreude und die Freiheit, die er seinen Darstellern lässt, trat mit ‚Die Entführer lassen grüßen’ in viele Fettnäpfchen. Sein Film ist nicht nur Gaunerkomödie, sondern auch eine deftige, nicht immer geschmacksichere Politiksatire, die alles über einen Kamm schert, seien es lateinamerikanische Freiheitsbewegungen oder die Aktivitäten der CIA…Lelouchs eigenwilliger Stil, immer auf knallige Effekte bedacht und konsumfreundlich, eingängig unterstützt  durch die Musik von Francis Lai, lässt dabei manch gelungene Szene zu, etwa jene, in der die Ganoven am strand verschiedene Annäherungstaktiken für die da liegenden Schönheiten einüben. Man spürt förmlich den Spaß, den die Hauptdarsteller bei der Arbeit gehabt haben.“ Nur überträgt sich dieser Spaß nicht ins Wohnzimmer.

Mit Lino Ventura, Jacques Brel, Charles Denner, Yves Robert, Johnny Hallyday (als er selbst), Juan Luis Buñuel, André Falcon

Homepage von Claude Lelouch (viele Bilder, viele französische Texte)


TV-Krimi-Buch-Tipps online

Oktober 26, 2007

Alfred hat sich durch die Tiefen des Internets gewühlt und viele schöne Bilder gefunden. Die dazugehörigen Texte sind von mir. Die Kombination von Bild und Text kann bei den Alligatorpapieren genossen werden. Hier gibt’s die ersten Zeilen:

Endlich wieder im Fernsehen kann zu vielen der filmischen Höhepunkte der kommenden beiden Wochen gesagt werden. Es werden noch zwei Lino Ventura-Filme gezeigt: „Fahrstuhl zum Schafott“ (von Louis Malle) und „Ich – die Nummer eins“ (von Claude Pinoetau). Schon länger nicht mehr zu sehen waren Michael Hodges Ted Lewis-Verfilmung „Get Carter“ (mit Michael Caine), der zweite Teil des „Heißer Verdacht“-Films „Die letzten Zeugen“, Sidney Lumets Reginald Rose-Verfilmung „Die zwölf Geschworenen“, Michael Manns Frank Hohimer-Verfilmung „Der Einzelgänger“ (okay, der läuft öfters), Lars Beckers erster „Einsatz in Hamburg“-Film „Rückkehr des Teufels“, im Rahmen einer Arte-Spielfilmreihe über Stanley Kubrick gibt es „Die Rechnung ging nicht auf“ und „Wege zum Ruhm“ (bei beiden schrieb Jim Thompson mit am Drehbuch), Ulu Grosbards John Gregory Dunne-Verfilmung „Fesseln der Macht“ wird bereits wieder wiederholt und Robert Butlers unterschätzte William P. McGivern-Verfilmung „Countdown in Manhattan“ läuft wieder.
Außerdem gibt es drei gelunge Elmore Leonard-Verfilmungen: „Schnappt Shorty“ von Barry Sonnenfeld, „Out of sight“ von Steven Soderbergh und „Touch – Der Typ mit den magischen Händen“ von Paul Schrader.
Für filmhistorisch Interessierte gibt es die Doku „Midnight Movies: From the Margin to the Mainstream“.
Wer braucht bei dem Programm noch die Briten James Bond und Miss Marple?


Zwei Arten, mit Zeichnungen umzugehen

Oktober 26, 2007

Pulp Covers können als Titelbilder bei neuen Büchern dienen:

collins-two-for-the-money.jpg

oder man macht das damit.


Viele neue Drehbücher online

Oktober 26, 2007

Zwei der Filme sind noch nicht in Deutschland gestartet, aber bereits jetzt sind die Drehbücher für einige Kriminalfilme (wie gewohnt lege ich den Begriff großzügig aus) online:

Steven Zaillian: American Gangster (American Gangster; auf Tatsachen beruhender Gangsterfilm von Ridley Scott mit Denzel Washington und Russell Crowe; Kinostart: 15. November 2007)

Tony Gilroy, Scott Z. Burns, George Nolfi: The Bourne Ultimatum (Das Bourne Ultimatum; Abschluss der Bourne-Trilogie von Paul Greengrass mit Matt Damon – läuft bereits)

Adam Mazer, William Rotko,  Billy Ray: Breach (Enttarnt – Verrat auf höchster Ebene; auf Fakten basierender Geheimdienstfilm von Billy Ray mit Chris Cooper und Ryan Phillippe – läuft bereits)

Bruce A. Evans, Raynold Gideon: Mr. Brooks (Mr. Brooks – Der Mörder in Dir; ein psychologischer Thriller von Bruce A. Evans mit Kevin Costner, Demi Moore und Marg Helgenberger; Kinostart: 29. November 2007)

Matthew Micahel Carnahan: The Kingdom (Operation Kingdom; Politthriller von Peter Berg mit Jamie Foxx und Chris Cooper – läuft bereits)

Scott Alexander, Larry Karaszewski: 1408 (Zimmer 1408; Stephen King-Verfilmung von Mikael Hafstöm mit John Cusack und Samuel L. Jackson – läuft bereits)


TV-Tipp für den 26. Oktober

Oktober 25, 2007

ARD, 01.20

Im Dreck verreckt (F/Mex/I 1968, R.: José Giovanni)

Drehbuch: José Giovanni

LV: John D. Carrick: The Vulture, 1966 (Der Geier)

Lino Ventura spielt einen Profikiller, der  in Südamerika den Landespräsidenten umbringen soll.

Spannender, in Mexiko gedrehter, Abgesang auf den Homme Solitaire.

Auch bekannt als „Fremder, wohin gehst du?“


Sallis überzeugt hundertprozentig

Oktober 24, 2007

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Perfekt. Damit ist schon alles über das neue Buch des Noir-Poeten James Sallis gesagt. „Driver“ ist ein Noir-Roman. „Driver“ ist hohe Literatur. Er wird aber nicht als literarischer Kriminalroman beworben, weil das für Krimifans ein Warnsignal ist. Denn ein literarischer Kriminalroman ist meisten das Synonym für einen schlechten Krimi, der mit etwas hochkulturellem Wissen aufgepeppt wurde, ist. Nein, „Driver“ ist die volle Ladung auf 160 Seiten. Kein Wort zuviel. Keines zuwenig.

Und das macht es auch so schwer über „Driver“ zu schreiben. Denn allzu leicht entsteht der Eindruck, dass James Sallis einen Roman vorgelegt hat, in dem er mit seinem Wissen protzt und der Rezensent das mit seinem Wissen überbieten will. Dabei ist „Driver“ beim Lesen vor allem ein atemberaubend genau konstruierter, gut geschriebener, sich seiner literarischen und filmischen Vorbilder sehr bewusster, höchst unterhaltsamer, düsterer Gangsterkrimi.

Schon die ersten Zeilen sind stark. Driver liegt schwer verwundet in einem Hotelzimmer. Er hat sich an einem Überfall beteiligt, der schief gegangen ist. In diesem Moment endet sein altes Leben als Stuntman und unbeteiligter Fahrer von Fluchtfahrzeugen bei Überfällen. Sein neues Leben beginnt. Auf den folgenden Seiten erzählt Sallis, gekonnt zwischen Gegenwart und Vergangenheit springend, die Lebensgeschichte von dem namenlosen Fahrer. Mit wenigen Worten porträtiert er einen Mann am Rand der Gesellschaft, der sich in dieser Position bequem eingerichtet hat. Ohne ihn würde es zwar keinen Actionfilm und keinen Banküberfall geben, aber niemand kennt ihn.

Auch nicht in der Populärkultur. Bislang gibt es nur Walter Hills fast dreißig Jahre alten Actionfilm „Driver“ in dem der ebenfalls namenlose Fluchtwagenfahrer auch der Held ist. Aber in dem Thriller geht es um das Duell zwischen einem fanatischen Polizisten und einem Fluchtwagenfahrer. Sicher kennt Sallis den Film, aber noch nicht einmal der Originaltitel ist von dem Film übernommen. Denn im Original heißt der Roman „Drive“. Nicht viel besser sieht es mit Stuntmen als Hauptperson in einer Geschichte aus. Es gibt den Kopfgeldjäger-Stuntman Colt Seavers in der langlebigen TV-Serie „Ein Colt für alle Fälle“. Es gibt den durchgeknallten Stuntman Mike in Quentin Tarantinos „Death Proof“. Beide Stuntmänner haben mit James Sallis’ „Driver“, außer dem Beruf, nichts zu tun.

Dagegen hat James Sallis lakonischer Stil viel mit den stilisierten Gangsterdramen eines Jean-Pierre Melville und dem Jazz in seinen kühlen Varianten zu tun.

 

P. S.: Auf Seite 4 steht „Ed McBain, Donald Westlake und Larry Block gewidmet – drei großen amerikanischen Schriftstellern“.

P. P. S.: Universal Studio hat die Filmrechte gekauft. Die Drehbuchautoren sind, wie der Übersetzer, nicht zu beneiden. Denn alles in „Driver“ widersetzt sich einer angemessenen Verfilmung.

 

James Sallis: Driver

(übersetzt von Jürgen Bürger)

Liebeskind, 2007

160 Seiten

16,90 Euro

 

Originaltitel:

Drive

Poisoned Pen Press, Scottsdale, Arizona, 2005

 

Hinweise:

Homepage von James Sallis

Crimespace: Criminal Calender: Barbara Peters interviewt James Sallis (2007? – sehr bescheidene Qualität mit vielen Bild- und Tonsprüngen; Sallis redet hauptsächlich über die verschiedenen Arten einen Roman zu schreiben)

3am: Richard Marshall interviewt James Sallis (2002)

Mordlust über James Sallis


TV-Tipp für den 25. Oktober

Oktober 24, 2007

Ein Grund für Fernsehgebühren ist der Bildungsauftrag der öffentlich-rechtlichen Sender. Arte wird ihm mal wieder gerecht:

Arte, 00.20

Zombie 2 – Das letzte Kapitel (USA 1985, R.: George A. Romero)

Drehbuch: George A. Romero

Der Titel ist etwas irreführend. Denn „Day ot the Dead“ ist nach „Die Nacht der lebenden Toten“ (Night of the living Dead, USA 1968) und „Zombie“ (Dawn of the Dead, USA 1978) der dritte Zombie-Film von Romero. Inzwischen haben die Zombies die Macht auf der Erde übernommen. In einem unterirdischen Bunker in Florida versuchen einige Militärs und Wissenschaftler die menschliche Rasse am Leben zu erhalten.

Die seriöse Filmkritik meinte gewohnt ablehnend zu dem Splatterfilm:  „reichlich ekelerregende Horroreffekte der härteren Art“ (Lexikon des internationalen Films) oder „Anstatt neue Zombie-Filme zu drehen, könnte man auch den ersten ‚Die Nacht der lebenden Toten’ in zeitlichen Abständen immer wieder neu starten. Viel hat sich seitdem bestimmt nicht verändert, weder die Geschmacksgewohnheiten der Zombies noch die ihrer Fans.“ (Fischer Film Almanach 1988). Die Zensurgeschichte folgte auch den bekannten Mustern.

Romero war mit dem bis dahin härtesten Zombiefilm zufrieden und den Fans gefiel er. Etliche halten ihn, wie Romero, für den Besten der Serie. Inzwischen hat Romero mit „Land of the Dead“ (USA 2005) und „Diary of the Dead“ (USA 2007) für Nachschub gesorgt.

Bei all den Morden, die einen stabilen Magen verlangen, sollte nie die in Romeros Zombie-Filmen enthaltene überaus düstere Diagnose der Gesellschaft übersehen werden.

„Zombie 2“ erlebt heute Nacht seine TV-Premiere. Allerdings ist noch unklar, welche Fassung. Wahrscheinlich wird die gegenüber dem Original um sieben Minuten gekürzte deutsche Kinofassung gezeigt.

Mit Lori Cardille, Terry Alexander, Joseph Pilato, Jarlath Conroy

Wiederholungen:

Samstag, 27. Oktober, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Freitag, 9. November, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise:

Arte zum Film

OFDB zum Film (mit einer Auflistung der verschiedenen Fassungen und dem Beschlagnahmebeschluss)

Schnittberichte mit einem Vergleich der beschlagnahmten FSK 18-Version und der ungeschnittenen US-Fassung


Ärgerlich: Die Fremde in dir

Oktober 24, 2007

the-brave-one.jpg

The Brave One, USA 2007, R.: Neil Jordan

Drehbuch: Roderick Taylor, Bruce A. Taylor, Cynthia Mort

Mit Jodie Foster (Erica Bain), Terrence Howard (Detective Mercer), Nicky Katt (Detective Vitale), Naveen Andrews (David Kirmani),   Mary Steenburgen ( Carol)

 

++Spoiler-Alarm++

In dem folgenden Text verrate ich das Ende des Films. Für diese Menschen sage ich jetzt: Es lohnt sich nicht, für diesen Film Geld auszugeben. Die anderen dürfen weiter lesen.

++Spoiler-Alarm++

 

Heute habe ich mir endlich “Die Fremde in dir”, den Selbstjustizfilm mit Jodie Foster angesehen. Ich bin schon skeptisch ins Kino gegangen, aber ich wollte ihn unbedingt mit „Death Sentence“ vergleichen. Bei der Kritik ist „Die Fremde in dir“ etwas besser weggekommen. Für mich ist er der ärgerlichere Film.

Die Story ist genretypisch einfach: Erica Bain ist eine erfolgreiche, verliebte New Yorker Radiomoderatorin. Eines Nachts wird sie im Park von drei Gangstern überfallen und zusammenschlagen. Ihr Freund stirbt. Die Polizei kann die Verbrecher nicht fassen. Bain nimmt das Gesetz in die eigenen Hände.

Daraus kann man viel machen. James Wan machte daraus in „Death Sentence“ eine bitterböse Studie über Gewalt und Gegengewalt und den selbstgewählten Weg in den Abgrund. Neil Jordan machte daraus – Ja, was eigentlich?

Wenn wir das Ende betrachten, immerhin ist im Ende eines Films die Botschaft versteckt, dann hat er ein erzreaktionäres und staatsverachtendes Bekenntnis zur Selbstjustiz abgeliefert, das, gerade weil es qualitativ weit über dem Standard dritt- und viertklassiger Ramschware liegt, nur noch ärgerlicher ist.

Also, das Ende geht so: Bain hat erfahren, wo die Gangsterbande ist. Sie geht zu ihnen und bringt sie der Reihe nach um. Zur gleichen Zeit hat der grundehrliche Cop, der in Bain verknallt ist, herausgefunden, wo Bain hingegangen ist. Er fährt hin. Als Bain den letzten Verbrecher umbringen will, geht der Polizist dazwischen. Der Gangster legt sich auf den Boden und wartet auf die Verhaftung. Da richtet Bain ihre Pistole auf den Cop. Ihre Hand zittert (Ein sicheres Zeichen, dass sie den Falschen umbringen will!). Der Cop nimmt ihr die Pistole ab. Und gibt ihr seine Pistole. Sie erschießt ohne zu Zittern den Gangster. Anschließend schießt sie den Cop mit ihrer Pistole an. Der Cop lässt Bain laufen und legt ihre Pistole in die Hand des Gangsters.

Das ist nicht mehr, wie am Ende von „Ein Mann sieht rot“ das Wegsehen eines Polizisten, sondern das ist das aktive Helfen der Polizei bei Lynchjustiz. Die Botschaft des Films lautet: Und das ist gut so.

Doch schon lange vor diesem Ende hat „Die Fremde in dir“ es bei mir gründlich verschissen. Die letzten Minuten sind einfach nur der letzte Sargnagel eines Desasters, weil Jordan niemals eine stringente Haltung zu seiner Geschichte entwickelt. Denn der Film ist kein psychologisches Drama. Dafür wird Bains Charakter nicht genug ausgelotet.

Der Film ist kein Porträt von New York nach 9/11. Dafür ist von der Millionenstadt einfach nichts zu spüren. Der Film könnte in jeder größeren Stadt überall auf der Welt zu jeder Zeit spielen.

Der Film ist auch, trotz des eindeutigen Originaltitels „The Brave One“, kein überzeugender Selbstjustizfilm. Denn dafür müsste er sich zu seinem Charakter positionieren und ihre Morde in irgendeiner Form aufgrund ihrer Psyche und äußerer Ereignisse nachvollziehbar machen.

In „Ein Mann sieht rot“ war es das Versagen des Staates bei der Strafverfolgung. In „Die Fremde in dir“ schnappen die Polizisten die Täter, aber in diesem Moment hat Bain bereits einige, wahrscheinlich therapeutisch zu verstehende, Morde auf dem Kerbholz und will weitermorden.

In „Death Sentence“ war es das übersteigerte Rachebedürfnis des Vaters. Er wollte nicht, dass der Verbrecher für einige Jahre in den Knast wandert. Er wollte, dass er lebenslänglich für seine Tat büßt.

In „Ein Richter sieht rot“ konnte ein Richter Verbrecher aufgrund von Verfahrensfehlern nicht verurteilen. Er wollte Gerechtigkeit und schloss sich einer Kammer von Lynchjustizrichtern an.

In „Die Frau mit der 45er Magnum“ wehrt sich eine stumme New Yorkerin handgreiflich gegen ihren zweiten Vergewaltiger. Eine in einer Männerwelt immer zum Sexobjekt degradierte Frau wehrt sich.

Und in vielen Filmen (und Büchern), in denen der Held das Recht in die eigenen Hände nimmt, muss er auf eine akute Bedrohung reagieren.

In „Die Fremde in dir“ haben wir dagegen eine Frau, die nach einem Überfall einfach mehr oder weniger wahllos einige Bösewichte abknallt. Dabei sucht sie bewusst gefährliche Orte auf, um ihre Pistole sprechen zu lassen. Denn nach diesem traumatischen Erlebnis muss sie etwas tun. ‚Warum nicht einige Stunden bei einem Psychiater verbringen?’ werden Sie jetzt vielleicht fragen. Das wäre natürlich eine die Kriminalstatistik schonende Vorgehensweise, aber anscheinend ging es Mitproduzentin Jodie Foster nur darum, einige schlechte Karikaturen abzuknallen.

Das ist filmischer Schrott, mit einer auf Haut und Knochen abgemagerten Jodie Foster in der Hauptrolle und einem jede Szene zukleisternden Soundtrack.

 

Homepage des Films


TV-Tipp für den 24. Oktober

Oktober 24, 2007

Arte, 23.15

Stammheim (D 1986, R.: Reinhard Hauff)

Drehbuch: Stefan Aust

LV: Stefan Aust: Der Baader-Meinhof-Komplex, 1985

Hauff und Aust verfilmten, basierend auf den Protokollen des Gerichts, den Prozess in Stammheim gegen die RAF-Terroristen Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Jan-Carl Raspe und Ulrike Meinhof.

Der sehr selten im Fernsehen gezeigte, karge Film erhielt 1986, nach einem Streit in der Jury, den Goldenen Bären.

Derzeit wird, auch vor meiner Haustür, unter der Regie von Uli Edel, nach einem Drehbuch von Bernd Eichinger, das ganze Buch von Stefan Aust verfilmt. Diese Version (Remake kann es nicht genannt werden) gerät sicher opulenter.

Mit Ulrich Pleitgen, Ulrich Tukur, Therese Affolter, Sabine Wegner, Hans Kremer

Wiederholungen:

Montag, 29. Oktober, 14.55 Uhr

Dienstag, 6. November, 14.55 Uhr

Arte zum Film


TV-Tipp für den 23. Oktober

Oktober 23, 2007

ZDF, 21.00

Terrorziel Deutschland – Tödlicher Wettlauf zwischen Ermittlern und Fanatikern (D 2007, R.: Elmar Theveßen, Souad Mekhennet, Christoph Röckerath)

Drehbuch: Elmar Theveßen, Souad Mekhennet, Christoph Röckerath

45-minütige Doku der „Frontal 21“-Redaktion über unsere islamistischen Terroristen.

Wiederholung: Mittwoch, 24. Oktober, 04.00 Uhr (Taggenau!)

(und wahrscheinlich in der ZDF Mediathek)

Weitere Informationen


Ein bisschen Luxus – Kapitel 23 online

Oktober 22, 2007

Hier geht’s weiter.


Sachdienliche Hinweise von Block bis Voss

Oktober 22, 2007

Tobias Gohlis schreibt jetzt nicht mehr in sein Krimitagebuch, sondern in seinen Blog.

Krimiautor Willi Voss ist unter die Blogger gegangen. Außerdem hat er mir (und damit der Krimiwelt gesagt):

Ja, ist wirklich an der Zeit, wieder einmal einen Krimi zu schreiben… ist in Arbeit. Nachdem ich einen dickleibigen Thriller fertig gestellt habe, der noch seinen Verleger sucht, steht das Ende des neuen Kriminalromans in Aussicht. Gute sechs Wochen noch, denke ich. Ob das Comeback gelingt, wird sich zeigen. 

Das hört sich gut an.

Kurz notiert:

The Writing Show interviewt David Simon, den Macher der Krimiserie „The Wire“ (Eine realistische, hochgelobte Serie, für die auch Ed Burns, Richard Price, Dennis Lehane und George Pelecanos schrieben. Über einen deutschen Start ist noch nichts bekannt.)

Mark Coggins interviewt Joe Gores über Dashiell Hammett (In dem Interview verrät Joe Gores auch, dass er Jahrzehnte nach seinem Roman „Hammett“ jetzt ein Prequel zu „Der Malterser-Falke“ schreibt.)

Blockianer aufgepasst! Krimiautor Wallace Stroby schreibt über den Matthew Scudder-Krimi „The Devil knows your’re dead“: „It is, in my mind, the ne plus ultra of the Scudder books and maybe one of the ten best private eye novels ever.“

Things I’d rather be doing schreibt, dass die Sammlung von sehr frühen Kurzgeschichten „One Night Stands“ von Lawrence Block 2008 wiederveröffentlicht wird. Die erste Auflage ist schon lange ausverkauft. (Etwas runterscrollen bis „Early Lawrence Block stories coming back to print“)

Außerdem:

Heute ist der Erstverkaufstag von „Im Namen der Toten“ (The Naming of the Dead, 2006), dem neuen John Rebus-Roman von Ian Rankin. Das ist für uns ein viel wichtigeres Ereignis als der neue Harry Potter.  Eine Besprechung von dem fast sechshundertseitigen Werk gibt es demnächst.


TV-Tipp für den 22. Oktober

Oktober 22, 2007

ARD, 00.50

Der Kommissar und sein Lockvogel (F/I 1969, R.: José Giovanni)

Drehbuch: José Giovanni

LV: Joseph Harrington: The last known Address, 1965

Kommissar Leonetti soll in wenigen Tagen einen seit fünf Jahren verschwundenen Zeugen suchen.

Ewig nicht mehr gezeigter Klassiker des Polizeifilms. Giovanni zeigt ohne gefällige Lösungen die zermürbende Arbeit eines Polizisten. Besonders das Ende ist in seiner bitteren Konsequenz grandios.

„Mich reizte die Idee, einen Bullen zu zeigen, der zu Fuß durch die Stadt marschiert, der weder einen schnellen Schlitten fährt, noch dieses ganze Theater wahrnimmt, das man im Kino immer sieht. Aus diesem Grund habe ich diesen Film gemacht, als Gegensatz zu allem, was existiert. Das war übrigens auch schon im Buch von Harrington, der früher selbst Polizist war.“ (José Giovanni)

Mit Lino Ventura, Marlène Jobert, Michel Constantin

Auch bekannt als „Tödliche Frist“ und „Letzter bekannter Wohnsitz“ (unter dem Titel war der Film im Kino angekündigt)

Hinweise:

Lino Ventura-Fansite


TV-Tipp für den 21. Oktober

Oktober 20, 2007

Lino Ventura (14. Juli 1919 – 22. Oktober 1987)

Deshalb heute „Der Panther wird gehetzt“ – und in den kommenden Tagen weitere immer wieder sehenswerte Filme mit dem Europameister im Ringen

MDR, 00.15

Der Panther wird gehetzt (F/I 1960, R.: Claude Sautet)

Drehbuch: José Giovanni, Claude Sautet, Pascal Jardin

LV: José Giovanni: Classe tous risques, 1958 (Das Ende vor Augen)

Gangster Abel Davos kehrt aus seinem italienischen Versteck nach Frankreich zurück. Seine alten Freunde wollen nichts mehr von ihm wissen. Nur der Einzelgänger Eric Stark hält zu ihm.

Tolles Unterweltdrama über die letzten Tage eines Gangsters. Jean-Pierre Melville war begeistert. „Für mich bedeutete dieser Film einen Wendepunkt in meiner Karriere, rein gefühlsmäßig zählt er sehr viel. Er gehört zu jenen Filmen, die ich liebe. Aber das ist ganz persönlich.“ (Lino Ventura)

Damals fand die kirchliche Filmkritik keine lobenden Worte: „Was soll eigentlich der Film? Eine spannende Handlung hat er nicht zu bieten…Dann wird zu unserer berechtigten Empörung das Leben eines Verbrechers ganz unverfroren als Beruf hingestellt. In der gleichen Weise wird die Freundestreue hier so erstaunlich gewürdigt, dass man beinahe vergisst, dass hier Menschen durch Gewaltverbrechen aneinander gebunden sind. Die Kinder des Panthers sind schließlich noch der Gipfel der Unverfrorenheit, denn sie dienen nur dem Zweck, den eiskalten Mörder außerberuflich zum rührenden Familienvater zu verklären.“ (Evangelischer Filmbeobachter)

Mit Lino Ventura, Jean-Paul Belmondo, Sandra Milo

Wiederholung:

RBB, Mittwoch, 24. Oktober, 22.35 Uhr


TV-Tipp für den 20. Oktober

Oktober 19, 2007

Nicht weil der Film so gut ist, sondern weil die viel witzigere Vorlage von Carl Hiaasen ist:

RTL II, 22.10

Striptease (USA 1996, R.: Andrew Bergman)

Drehbuch: Andrew Bergman

LV: Carl Hiaasen: Striptease, 1993 (Striptease)

Erin Grant verdient das Geld für einen Sorgerechtsprozeß in einer Striptease-Bar. Dort verliebt sich Senator Dilbeck in sie und verteidigt sie mit einer Champagnerflasche gegen einen Verehrer. Jerry fotografiert dies und erpresst Dilbeck. Kurz darauf ist er tot und Erin sieht das Sorgerecht gefährdet.

Bis auf die Hauptrolle (Demi Moore, die auch beim Striptease nicht sonderlich erregend wirkt) gelungene Verfilmung eines satirischen Hiaasen-Buches, mit einer grandios aufspielenden Schar Nebendarsteller: Ving Rhames, Burt Reynolds, Armant Assante, Paul Guilfoyle

Wenn der Film zum Lesen des Buches (und der anderen Hiaasen-Werke!) führt, dann kann der Film gar nicht genug gelobt werden

Wiederholung um 02.45 Uhr

Hinweise:

Homepage von Carl Hiaasen

Meine Besprechung von „Sumpfblüten“ (Nature Girl, 2006)

Meine Besprechung von „Der Reinfall“ (Skinny Dip, 2004)

Meine Besprechung von „Krumme Hunde“ (Sick Puppy, 1999)

Meine Besprechung von „Unter die Haut“ (Skin Tight, 1989)


Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte

Oktober 18, 2007

higgins-harold-und-maude.jpg

Gleich auf der ersten Seite erhängt sich der neunzehnjährige Harold Chasen. Für den reichen Bengel hat das Leben einfach keinen Sinn. Seine Mutter, Mrs. Chasen, reagiert, während sie telefoniert, angemessen schockiert: „Also wirklich, Harold. Ich nehme an, du hältst das für wahnsinnig witzig. Es scheint dir völlig egal zu sein, dass die Crawfords heute zum Dinner kommen.“

Während des Dinners hat Harold Halsschmerzen und er verabschiedet sich früher. Wenig später liegt er blutend in der Badewanne. Jetzt reagiert Mrs. Chasen. Sie verlässt kreischend das Bad. In der darauf folgenden Sitzung bei seinem Psychiater Dr. Harley meint Harold zu seinem fünfzehnten inszenierten Selbstmord: „Es war der größte Erfolg, den ich in den letzten Wochen hatte.“

Wenn Harold nicht gerade, um endlich von seiner egozentrischen Mutter als Mensch wahrgenommen zu werden, Selbstmorde vorbereitet, fährt er mit einem Leichenwagen durch die Gegend und besucht Beerdigungen. Auf einer Beerdigung wird er von der fast achtzigjährigen, lebensfrohen Maude Chardin angesprochen. Während ihres ersten Gesprächs bemalt sie in der Kirche einige Heilige und klaut das Auto des Paters. Ihr Lebensmotto ist das genaue Gegenteil von Harolds Motto: „Probier jeden Tag was Neues. Schließlich leben wir, um das Leben zu entdecken. Man lebt ja nicht ewig.“

Schnell entsteht zwischen den beiden gegensätzlichen Charakteren eine tiefe Freundschaft. Harold will Maude sogar heiraten. In diesem Moment hört Mrs. Chasen ihm sogar einmal zu.

Die von Colin Higgins erfundene Geschichte von Harold und Maude traf 1971 natürlich den Zeitgeist des Programmkino-Publikums. Dort entwickelte sich der Film schnell zu einem Hit. Denn Higgins gelingt in seiner Geschichte die perfekte Balance zwischen Schwarzer Komödie, Gesellschaftssatire und Entwicklungsgeschichte. Harold entwickelt sich in wenigen Tagen, mit der tatkräftigen Hilfe einer antiautoritären Holocaust-Überlebenden, von einem todessehnsüchtigen zu einem lebensbejahenden Mann. Hal Ashby setzte die Geschichte adäquat mit einem beeindruckenden Ensemble und der Musik von Cat Stevens um.

Für die Romanfassung hielt sich Colin Higgins natürlich genau an die Szenenabfolge des Films (jedenfalls soweit ich mich im Moment an die Komödie erinnern kann). Er fügte nur das nötigste an erklärenden Sätzen bei. Marcel Keller übersetzte jetzt den Roman neu und „Harold und Maude“ ist immer noch eine berührende Geschichte. Denn die von Higgins geschaffenen Charaktere stehen für den zeitlosen Konflikt zwischen Lebensüberdruss und Lebensfreude.

 

Colin Higgins: Harold und Maude

(neu übersetzt und mit einem Nachwort von Marcel Keller)

Pendragon, 2007

168 Seiten

14,80 Euro

 

Originalausgabe:

Harold and Maude

J. B. Lippincott Company, 1971

 

Verfilmung:

Harold und Maude (Harold and Maude, USA 1971, Regie: Hal Ashby)

Drehbuch: Colin Higgins

Mit Bud Cort (Harold Chasen), Ruth Gordon (Maude), Vivian Pickles (Mrs. Chasen, Cyril Cusack (Glaucus), Charles Tyner (Onkel Victor), Ellen Geer (Sunshine Doré)

 

Hinweise:

Colin Higgins Foundation

„Harold and Maude“-Fanpage

Der Roman von Colin Higgins

Das Drehbuch von Colin Higgins


TV-Tipp für den 19. Oktober

Oktober 18, 2007

Arte, 23.50

Phantom (D 1922, R.: Friedrich Wilhelm Murnau)

Drehbuch: Thea von Harbou

LV: Gerhart Hauptmann: Phantom – Aufzeichnungen eines ehemaligen Sträflings, 1923 (Erstabdruck 1922 in Berliner Illustrierten Zeitung)

Ratsschreiber Lubota verliebt sich in eine reiche Frau. Um an Geld zu gelangen, gerät er auf die schiefe Bahn.

Kaum bekanntes Stummfilm-Melodrama von „Nosferatu“-Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau. Die Premiere war eine Feier zum sechzigsten Geburtstag von Gerhard Hauptmann.

„Eine Geschichte zwischen Realität und Halluzination. (…) Phantom ist ein Kleinstadtfilm, aber dem (amerikanischen) Genre entgegen inszeniert, wie später dann bei Val Lewton oder David Lynch. Die Träume liegen unter der sanften Oberfläche, aber ohne die beruhigende Aufteilung in Wunsch- oder Alptraum. (…) Das Individuum weiß nicht mehr, wie ihm geschieht, es gibt seine Moral auf und seine Rechtfertigung. Für ihr Drehbuch hat Thea von Harbou die Distanz des moralischen Erzählers in Hauptmanns Text aufgehoben, der die fixe Idee des Lorenz Lubota zum klinischen Fall Fall macht. Treuwillig müssen wir Zuschauer ihm folgen, ‚durch lange Akte hindurch, durch alle Höhen und Tiefen seines Erlebens’. Schuldlos-schuldig ist ihr Held: ‚Die Selbstanklage des Lorenz Lubota im Roman verstummt im Film’.“ (Peter W. Jansen/Wolfram Schütte [Hrsg.]: Friedrich Wilhelm Murnau, Hanser Reihe Film 43, 1990)

Arte zeigt die restaurierte Fassung von 2002.

Mit Alfred Abel, Frida Richard, Aud Egede Nissen

Wiederholungen:

Dienstag, 23. Oktober, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Mittwoch, 31. Oktober, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise:

Arte zum Film

Förderverein Filmkultur Bonn zum Film


Monika Griefahn und die Quote

Oktober 18, 2007

Der Auslöser für die gestrige Quotendiskussion (Zur Erinnerung: dieses Mal ging’s um eine Quote für deutsche Produktionen im Fernsehen) war eine BILD-Meldung, die die  SPD-Politikerin Monika Griefahn,  Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion für Kultur und Medien, zitierte. Jetzt erklärt sie auf ihrer Homepage, dass sie das nicht gefordert habe. Sondern: „Nach wie vor, spreche ich mich für die stärkere Berücksichtigung von deutschsprachiger und in Deutschland produzierter populärer Musik im Rundfunk aus. Die hohen Verkaufszahlen bei Konzertkarten und CDs zeigen die großen Erfolge von Künstlerinnen und Künstlern aus Deutschland, die jedoch keine ausreichende Anerkennung im Rundfunk finden. (…) Da sich allerdings gerade bei deutschen Serien bisher keine so starke Differenz zwischen vorhandener und gesendeter Qualität wie im Bereich der Musik erkennen lässt, gibt es für mich hier keinen Grund für eine gesonderte politische Forderung.“

Kann mir jemand den Griefahns letzten Satz erklären? Oder ist es ein reines Analogieargument? Dann ginge das ungefähr so: Bis jetzt werden DVDs von deutschen Serien kaum gekauft. Die schlechten Verkaufszahlen spiegeln sich nicht im TV-Programm wieder und deshalb muss ich nichts fordern.

Der Beweis: ein Blick auf die Amazon-Liste der meistverkauften TV-Produktionen. Erst auf Platz 48 ist, wenn wir Mario Barth und Oliver Pocher (Hey, das sind Bühnenprogramme und keine Serien), mit „Stromberg“ eine in Deutschland produzierte Serie.


Kinostarts, Deutschquote, Streik

Oktober 18, 2007

Im Internet wurde der Film „Trade – Willkommen in Amerika“ von Marco Kreuzpaintner heftig beworben. Die ersten deutschen Kritiken sind durchwachsen-positiv, den amerikanischen Kritiker gefiel der Film nicht. Untergegangen ist dabei die Inspration für den Film: die Reportage „The Girls Next Door“ von Peter Landesmann. Sie erschien am 25. Januar 2004 im New York Times Magazine und wurde später in der sehr empfehlenswerten Kriminalreportagensammlung „The Best American Crime Writing 2005“ (herausgegeben von Otto Penzler und Thomas H. Cook, mit einer Einleitung von James Ellroy) abgedruckt. In den USA löste die Reportage eine Diskussion über die Sexsklaverei aus.

Außerdem startet im Kino der Western „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Bob Ford“ (USA 2006, Regie/Drehbuch: Andrew Dominik). Er braucht gute 160 Minuten um seine Geschichte zu erzählen. Samuel Fuller schaffte die Story in seinem Debüt „Ich erschoss Jesse James“ in der halben Zeit. Mal sehen, wer den besseren Film gemacht hat.

Ebenfalls auf Tatsachen basiert „Enttarnt“ (USA 2007, Regie: Billy Ray, Drehbuch: Adam Mazer, William Rotko, Billy Ray). Es geht um den verdienten FBI-Agenten Robert Hanssen. Im Februar 2001 wurde er als langjähriger Doppelagenten für die Sowjetunion verhaftet. Ist anscheinend ein langsam erzählter Thriller mit einem intelligenten Drehbuch und guten Schauspielerleistungen. Aber wer hätte von Chris Cooper etwas anderes erwartet?

Wer schon immer wissen wollte, wo genau der Unterschied zwischen den Privaten und den Öffentlich-Rechtlichen Sendern liegt, wenn eine Serie schlechte Quoten hat, erfährt es hier: „Ein Fall für Nadja“ wird nach fünf von sechs Folgen abgesetzt. Bei „Las Vegas“ ging’s doch beim ersten Mal schon nach drei Folgen, oder?

Angesichts dieser Situation ist natürlich die Forderung nach einer Quote für deutsche Serien – genauso blöd, wie die immer wieder erhobene Forderung nach einer Quote für deutsche Musik (aber: wenn ich sowieso kein Radio, sondern nur CDs höre, kann mir auch eine Quote egal sein. Hm.). Aber die Politiker tun’s mal wieder. In der Tageszeitung gibt es dazu einen schönen Bericht von Klaus Raab mit dem treffenden Satz:  „Und, ganz wichtig: Floppen deutsche Serien nicht reihenweise?“

Und Hollywood bereitet sich auf einen Streik der Drehbuchautoren vor.  Lee Goldberg zitiert einen Artikel von Howard Rodman aus der LA Times.


TV-Tipp für den 18. Oktober

Oktober 17, 2007

HR, 23.30

Wer mit dem Teufel reitet (Ride with the Devil, USA 1999, R.: Ang Lee)

Drehbuch: James Schamus

LV: Daniel Woodrell: Woe to live on, 1987 (Zum Leben verdammt)

USA, 1860: Jake Roedel und Jack Bull ziehen auf Seiten der Südstaaten in den Krieg. In einer Guerillagruppe beteiligen sie sich an einem zunehmend sinnlosen Vernichtungsfeldzug bei dem keine Gefangenen gemacht werden.

Wie so oft: aus einem hochgelobten Buch wurde ein – nun – mittelmäßiger Film.

Martin Compart halt Woodrells zweiten Roman “Woe to live on” für einen der besten Bürgerkriegs-Romane: “Mit jedem zündenden Satz verbrennt Woodrell die Hollywoodklischees über den Sezessionskrieg. Der Roman folgt dem jungen Ich-Erzähler auf seiner blutigen Spur an der Seite der Freischärler unter dem berüchtigten Quantrill. In den West Plains tobte ein brutaler Partisanenkrieg, der noch Jahre nach dem Ende des Bürgerkrieges Opfer forderte…Die Sprache des Romans ist filmisch und hypnotisch.“

Woodrell zu seinem Buch: „Die Amerikaner haben sich über das Buch zu Tode erschreckt, weil es vom Standpunkt der Südstaaten geschrieben ist. Ich bekam keine Rezension nördlich der Dixon-Linie. Keiner wollte wissen, was hier wirklich los war. Es war wie in Bosnien.“ Die Erstausgabe war ein Flop – und ist heute ziemlich teuer.

Woodrell zur Verfilmung: „I was merely the writer of the novel. That is, the one who created the story, characters, dialogue and structure from scratch. Once the movie started I was more or less blotted from the scene. I did enjoy watching actors mouth my words and so on, and did learn plenty from that experience. As to the process of making the film, all I can say is, if it happens again, I won’t make nice so much. I deferred to their arguments (I had no power to do anything) since I thought maybe they know more about narrative for film than I-and they don’t. Everything is clouded by,“If we show this scene in a truthful manner we think twelve people will walk out in Encino, so we will substitute a phony as shit scene we got from a can of old movies we found sitting open back in the vault.“ And so on.“

Der Film war kein Kassenerfolg; was hier allerdings – im Gegensatz zum Buch –  an der Qualität des Werkes liegt: „Eine Enttäuschung“ (Zitty), „Der Film wirkt mitunter so langatmig, als würde man den Bürgerkrieg in Echtzeit miterleben.“ (Berliner Zeitung). Und, was sicher auch zu seiner Unbeliebtheit beigetragen hat: „Ride with the Devil“ ist ein Film „über Männer, die für die falsche Sache auf der falschen Seite in einem schrecklichen Krieg kämpfen…Man könnte auch behaupten, dass dieser Film eine Feldstudie über galoppierende Dummheit ist.“ (Berliner Zeitung)

Eine der wenigen positiven Stimmen: “Ang Lee’s film, Ride with the Devil, is the best western since Clint Eastwood’s Unforgiven (1992)… Ride with the Devil displays a care and intelligence increasingly rare in mainstream American cinema. While there are suitably memorable images of violence there is also a lot of memorable talk. Wonderful cinematography from Frederick Elmes, excellent performances from its (then mostly) young, up-and-coming cast of actors, and the acting debut of pop star Jewel should have brought new, younger viewers to this old genre. The film deserved a better commercial fate because it is as “stone brilliant” as the writing from which it is derived, and making such a fine film also “required some genius”.” (Noel King, Senses of Cinema – eine sehr informative Web-Seite)

Die meisten Bücher von Woodrell erschienen im Rowohlt Verlag und sind inzwischen nur noch auf den Wühltischen und Antiquariaten ihres Vertrauens zu finden. Die Originale sind dagegen bei verschiedenen Verlagen gut erhältlich.

Mit Skeet Ulrich, Tobey Maguire, Jewel Kilcher, Jonathan Rhys, James Caviezel

Kinotitel: „Ride with the Devil – Die Teufelsreiter“

Hinweise:  

Meine Besprechung von “Winter’s Bone”  

Mordlust über Daniel Woodrell  

Martin Compart in „Evolver“ über Daniel Woodrell 

The Richmond Review interviewt Daniel Woodrell zum Film