TV-Krimi-Buch-Tipps online

Juli 6, 2007

Bei den Alligatorpapieren sind meine bunt bebilderten TV-Krimi-Buch-Tipps für die kommenden beiden Wochen online.

Vor dem Klick gibt’s hier die ersten Zeilen:

Hallo liebe Krimifreunde,
in den kommenden beiden Wochen werden die beiden von Buddy Giovinazzo inszenierten Wilfsberg-Filme „Schuld und Sühne“ und „Todesengel“ wiederholt. Außerdem empfehlenswert sind Charles Laughtons Davis Grubb-Verfilmung „Die Nacht des Jägers“, Jonathan Demmes Richard Condon-Verfilmung „Der Manchurian Kandidat“, das auf der Biographie von Joseph Pistone beruhende Mafiadrama „Donnie Brasco“, Philip Noyces Graham Greene-Verfilmung „Der stille Amerikaner“, Wolfgang Murnbergers Wolf Haas-Verfilmung „Komm, süßer Tod“ (die Austro-Version eines Action-Thrillers), Bertrand Taverniers Georges Simenon-Verfilmung „Der Uhrmacher von St. Paul“ und die weiteren Abenteuer von Jane Tennison in der von Lynda La Plante erfundenen Serie „Heißer Verdacht“.
Gespannt bin ich auf die Brian Moore-Verfilmung „Am Ende einer Flucht – The Statement“ (verschwand viel zu schnell aus dem Kino) und den sehr selten gezeigten Noir „Die seltsame Liebe der Martha Ivers“. Der Noir ist gleichzeitig das Filmdebüt von Kirk Douglas. Die beiden Nesser-Verfilmungen „Das vierte Opfer“ und „Münsters Fall“ dürften dagegen für meinen Geschmack zu betulich sein.
Kabel 1 beginnt mit seinem alljährlichen Edgar Wallace-Festival. Immer samstags im Doppelpack.
 


TV-Tipp für den 6. Juli

Juli 6, 2007

Vor über zwanzig Jahren las ich den von Curt Siodmak geschriebenen S-F-Roman „Donovans Gehirn“ und war begeistert. Deshalb muss ich heute – was bei dem kärglichen Programm auch einfach ist – dieses selten gezeigte B-Picture empfehlen:

WDR, 00.25

Donovans Hirn (USA 1953, R.: Felix Feist)

Drehbuch: Felix Feist, Hugh Brooke (Adaption)

LV: Curt Siodmak: Donovan’s Brain, 1942 (Der Zauberlehrling, Donovans Hirn)

Der Hirnforscher Patrick Cory findet nach einem Flugzeugabsturz das noch aktive Gehirn des skrupellosen Unternehmers Donovan. Cory erhält es am Leben. Das Gehirn beeinflusst den Arzt immer mehr.

Der unbekanntere Bruder des Regisseurs Robert Siodmak wurde 1902 in Dresden geboren. Seinen ersten Erfolg hatte er mit dem später erfolgreich verfilmten Roman „F. P. 1 antwortet nicht mehr“. 1937 wanderte Curt Siodmak in die USA aus. Dort schrieb er erfolgreich Romane und Drehbücher und führte auch Regie. „Donovan’s Brain“ war sein erster, dreimal verfilmter Welterfolg. Er starb am 2. September 2000.

Die beste Filmfassung von Siodmaks Roman meint „Die Science Fiction Filmenzyklopädie“ über diese Mad-Scientist-Geschichte. Aber trotzdem kein guter Film, wie David Pringle in dem ebenfalls zuverlässigen „Das ultimative Science Fiction Lexikon“ meint: „Der Film ist Quatsch, noch dazu langweiliger Quatsch. Erschreckenderweise sind die beiden anderen Versionen noch schlechter. Noch erschreckender ist allerdings der Anblick von Nancy Davis, spätere Mrs. Reagan, die schrecklich betroffen darüber ist, dass ein reicher Mensch wie Donovan so geizig sein kann, auf Kosten der Armen weniger Steuern zu zahlen.“

Mit Lew Ayres, Gene Evans, Nancy Davis

 


TV-Tipp für den 5. Juli

Juli 4, 2007

WDR, 23.20

Schau mir in die Augen, Kleiner (D/F/Nl 2007, R.: André Schäfer)

André Schäfer zeichnet mit zahlreichen Filmausschnitten und Statements den Weg der schwul-lesbischen Filmkultur vom Underground in den Mainstream nach. Also von „Pink Flamingos“ zu „Brokeback Mountain“.

Zu Wort kommen unter anderem John Waters, Gus Van Sant, Rosa von Praunheim und Stephen Frears.

Arte über die Doku: http://www.arte.tv/de/woche/244,broadcastingNum=696185,day=7,week=7,year=2007.html


TV-Tipp für den 4. Juli

Juli 3, 2007

Erinnern Sie sich noch daran? Die Öffentlich-Rechtlichen haben einen Kulturauftrag. Und sie kommen ihm auch nach. Zum Beispiel indem dieser hochgelobte Zeichentrickfilm seine TV-Premiere kurz nach Mitternacht erlebt. Und nein, das ist jetzt kein Affront gegen das Publikum. Auch die Teen-Noir-Serie „Veronica Mars“ scheint im ZDF auf ihrem nachmitternächtlichen Sendeplatz erfolgreicher zu sein als am Samstagnachmittag.

Hier also der Tipp des Tages:

ARD, 00.35

Das große Rennen von Belleville (F/B/Can 2003, R.: Sylvain Chomet)

Drehbuch: Sylvain Chomet

Ein Tour-de-France-Radfahrer wird entführt. Seine Großmutter und ihr Hund jagen die Gangster.

Stellvertretend für die vielen positiven Kritiken: „Mit ungeheurem Detailreichtum und viel Liebe zu alten Comics und dem skurrilen Witz europäischer Komiker wie Jacques Tati ist Das große Rennen von Belleville eine wundervolle, sepiafarbene Hommage an selige untergegangene Kinozeiten, die zudem ohne Dialoge auskommt und allein auf die mitunter kantige Ausdruckskraft ihrer Figuren vertraut. Eine gelungene, sehenswerte und sehr europäische Alternative zum glatten und cleanen Animationskino aus den USA.“ (http://www.kino-zeit.de/filme/artikel/522_das-grose-rennen-von-belleville.html )

Wenn Ihnen das zu spät ist, können Sie auf die nächste Ausstrahlung warten: 3sat, Donnerstag, 26. Juli 2007, 22.25 Uhr. Ist dann Teil der Reihe „Trickfilme für Erwachsene“ und das Heft dazu gibt es hier: http://pressetreff.3sat.de/Public/Trickfilme.pdf


TV-Tipp für den 3. Juli

Juli 2, 2007

Gestern „Die Träumer“, heute

 

HR, 00.05

Der letzte Tango in Paris (I/F 1972, R.: Bernardo Bertolucci)

Drehbuch: Bernardo Bertolucci, Franco Arcalli, Agnès Varda (zusätzliche Dialoge)

In einem leeren Pariser Apartment treffen sich ein älterer Amerikaner und eine junge Französin. Sie geben sich ihren sexuellen Trieben hin und öffnen dem anderen ihre Seele.

Damals war’s ein Skandalfilm, bei dem besonders die aus heutiger Sicht sehr harmlosen Sexszenen provozierten. Heute ist es ein immer noch in jeder Beziehung beeindruckender Film über sexuelle Obsessionen und existentielle Verzweiflung. Halt ein zeitloser Klassiker und einer der Brando-Filme, die man gesehen haben muss.

Michael Althen schlug in „Marlon Brando“ (Bertz Verlag, 2004) in seiner Besprechung von „Der letzte Tango in Paris“ die Brücke zu „Die Träumer“: „Zwei Menschen begeben sich in die camera obscura eines unmöblierten Pariser Appartements, um herauszufinden, ob es ein Leben jenseits von Geschichte und Geschichten geben kann, ob man alles abstreifen und sich neu erfinden kann. Und so wie dieser Film ein Schlag ins Gesicht jener Jahre war, ist es auch The Dreamers (Die Träumer, 2003), mit dem Bertolucci unlängst jene Jahre Revue passieren ließ. Die Wahrheit, von der diese Filme erzählen, ist aber, dass im Scheitern womöglich der ganze Zweck des Lebens liegt. Brando mag sich für den Einzigen gehalten haben, der in seiner Biographie gefangen ist – dabei ist er nur ein Mensch wie du und ich.“

Mit Marlon Brando, Maria Schneider, Jean-Pierre Léaud, Massimo Girotti, Catherine Breillat


Ein bisschen Luxus – Teil 3: Der Einbruch oder Die Bösen bei der Arbeit

Juli 2, 2007

(Nach einer Pause geht’s jetzt weiter mit dem Lesekommentar. Die Pause füllte ich mit Audiokommentaren.)

In diesem Kapitel schildere ich einen Einbruch der Verbrecher. Hier wollte ich zeigen, wer die Gegner von Diana Schäfer sind.

Sie sind Profis.

Sie haben ihren Einbruch lange im Voraus geplant. Sie brechen erst ein, wenn der Besitzer weg ist. Sie hinterlassen keine Spuren. Das ist hier sogar wörtlich zu verstehen. Denn sie haben Duplikate von den Dingen angefertigt, die sie klauen. So wird der Besitzer vielleicht niemals erfahren, dass er eine Fälschung bewundert. In jedem Fall werden in dem Moment, in dem der Besitzer – falls überhaupt – den Diebstahl anzeigt, keine Beweise mehr vorhanden sein. Bessere Diebe kann es nicht geben.

Ihre Identität enthülle ich hier noch nicht, weil ich hier noch ein Rätselelement haben wollte. Die Verbrecher werden bei ihrem zweiten Auftritt für uns fassbarer, weil sie nicht mehr nur anonyme Stimmen (Sie erinnern sich an die ersten Zeilen?), sondern handelnde Menschen sind. Wir wissen nach dem Einbruch mehr über sie. Sie sind Profis. Sie sind skrupellos. Sie haben bereits einen Zeugen umgebracht. Und sie werden es wieder tun.

Selbstverständlich wird Diana Schäfer ihre Wege kreuzen und in Lebensgefahr geraten. Damit verrate ich kein großes Geheimnis. Immerhin gehört das zu den Konventionen eines Thrillers und Sie wären zu Recht enttäuscht, wenn ich diese Erwartung nicht irgendwie erfüllen würde.

Strukturell ist der Einbruch in erster Linie eine Charakterszene. Wir lernen die Verbrecher und ihr blindes, fast wortloses Verständnis füreinander kennen. An offensichtlicher Handlung für die Geschichte geschieht wenig. Ich könnte die Szene einfach entfernen und niemand würde die Lücke bemerken. Oder sie an einen anderen Ort innerhalb des Buches verschieben. Trotzdem liefere ich natürlich bereits einige Informationen die später wichtig werden. Deshalb muss sie letztendlich doch spätestens hier stehen. Außerdem ist dieser Einbruch die Initialzündung für die kommenden Ereignisse.

Das Gegenteil einer Charakterszene ist eine Handlungsszene. Eine solche Szene bringt die Geschichte eindeutig voran und kann deshalb auch nicht beliebig verschoben werden. Wenn Diana Schäfer eine neue Information erhält, die sie näher zum Ziel hin bringt. Wenn sie erfährt, dass Robert Brandt nach dem Seminar noch nach Konstanz gehen wollte, dann wird diese neue Information dazu führen, dass sie in Konstanz und nicht in der Universität nach ihm sucht. Wenn sie einfach so in Konstanz ermitteln würde, würden wir uns fragen, was das soll. Insofern bauen Handlungsszenen nach dem Prinzip Information A führt zu Information B führt zu Information C undsoweiter aufeinander auf. Charakterszenen sind austauschbarer.

Im Idealfall sollte allerdings jede Szene in einer Geschichte (Es ist letztendlich egal, ob es sich um ein Buch, ein Hörspiel oder einen Film handelt.) die Geschichte voranbringen und gleichzeitig etwas über die handelnden Personen verraten.

Und nun wünsche ich viel Spaß beim siebten Kapitel.


Ein bisschen Luxus – Kapitel 7 online

Juli 2, 2007

Hier geht’s weiter mit Diana und den bösen Jungs.


KrimiWelt präsentiert die Juli-Liste

Juli 2, 2007

Die neue Bestenliste der KrimiWelt sieht so aus:

1 (2) Michael Collins: Schlafende Engel
2 (3) Matti Rönkä: Der Grenzgänger
3 (–) Astrid Paprotta: Feuertod
4 (–) Gisbert Haefs: Caesar
4 (8) Elmore Leonard: Callgirls
5 (–) Stuart MacBride: Die Stunde des Mörders
5 (–) Daniel Scholten: Der zweite Tod
5 (–) Karin Slaughter: Gottlos
6 (–) Christine Lehmann: Allmachtsdackel
6(1) Petros Markaris: Der Großaktionär

Es gibt auffallend viele Neuzugänge und ein wahres Gedrängel auf den letzten Plätzen. Den Scholten sollte ich jetzt doch einmal aus meinem Noch-zu-lesen-Stapel zerren.

Horst Eckert hätte natürlich einen Platz auf den vorderen Plätzen verdient gehabt. Und Gisbert Haefs sollte für mich endlich wieder einen neuen Matzbach schreiben. Solange muss ich mich halt mit einem anderen Meisterdetektiv trösten.

Weitere Informationen zu den Büchern gibt es hier.


TV-Tipp für den 2. Juli

Juli 2, 2007

ZDF, 22.15

Die Träumer (GB/I/F 2002, R.: Bernardo Bertolucci)

Drehbuch: Gilbert Adair

LV: Gilbert Adair: The holy innocents – A Romance, 1988 (später überarbeitet zu „The Dreamers“ und dann auf Deutsch als „Träumer“ erschienen)

Paris, Frühling 1968: Die Cinémathèque Francaise wird geschlossen. Drei Studenten, Matthew und die Zwillinge Isabelle und Theo, ziehen sich in die riesige Wohnung der Zwillinge zurück und spielen anfangs Filme nach. Später wird es immer mehr zu einem Spiel sexueller Obsessionen.

Bertoluccis Liebeserklärung an das Kino und sein bester Film seit langem. Adair meinte, so sein Agent in einem Gespräch, Bertolucci habe in dem Film das gesagt, was er in seinem Roman habe sagen wollen. Ein schöneres Kompliment hat wahrscheinlich noch kein Regisseur gehört.

Mit Michael Pitt, Eva Green, Louis Garrel

Ein Artikel von Jenni Quilter über „The holy innocents“, die Verfilmung, das Buch „The Dreamers“ und Gilbert Adair: http://www.oxonianreview.org/issues/3-3/3-3-2.htm


Politiker beantworten Fragen zum Internet

Juli 1, 2007

Die Kinderreporter stellten einigen Mitgliedern des Bundestages Fragen zum Internet. Die Antworten sind – einfach unglaublich.

Aber sie erklären auch einiges.


TV-Tipp für den 1. Juli

Juni 30, 2007

Zum zehnten Todestag von Robert Mitchum kann es nur eine Empfehlung geben:

Tele 5, 22.10

Fahr zur Hölle, Liebling (USA 1975, R.: Dick Richards)

Drehbuch: David Zelag Goodman

LV: Raymond Chandler: Farewell, my lovely, 1940 (Lebewohl, mein Liebling/Betrogen und gesühnt/Lebwohl, mein Liebling)

Los Angeles, 1941: Der gerade freigelassene Bankräuber Moose Malloy engagiert Marlowe. Der Detektiv soll Malloys Freundin Velma finden. Ein nur scheinbar einfacher Fall.

Dritte, sehr originalgetreue und sehr gelungene Verfilmung des Chandler-Buches.

Mit Robert Mitchum, Charlotte Rampling, John Ireland, Harry Dean Stanton, Sylvester Stallone (in einer erträglich kurzen Rolle) und – in einer ganz kleinen, aber wichtigen Rolle – Jim Thompson (!)

Wiederholung um 03.40 Uhr

 

Am 6. August hat Robert Mitchum seinen 90. Geburtstag. Dann senden die Öffentlich-Rechtlichen hoffentlich einige Filme mit ihm. Mein spontanes Wunschprogramm, ohne die regelmäßigen Wiederholungen, wäre:

Dead Man, Yakuza, Die Freunde von Eddie Coyle (Wann lief der Film zuletzt im TV?), Ein Köder für die Bestie, Engelsgesicht, Goldenes Gift und eine Wiederholung der lange nicht gezeigten David Morrell-Verfilmung „Der Geheimbund der Rose“. Wurde dieser TV-Zweiteiler überhaupt jemals wiederholt?


TV-Tipp für den 30. Juni

Juni 30, 2007

Kult oder Kultur?

Hmhm.

Zur Auswahl stehen Werner Herzog und Pamela Anderson.

Ui.

BR zeigt einfach so ab 20.15 Uhr „Fitzcarraldo“ (D 1982), „Mein liebster Feind“ (D 1999) und „Invincible – Unbesiegbar“ (USA/GB/D/Irl. 2001). Der erste Film, in dem Klaus Kinski als Opernfan ein Schiff über einen Dschungelberg zerrt, ist bekannt. Der Zweite heißt neudeutsch „Making of“ und ist eine mit zahlreichen Ausschnitten von den Dreharbeiten zu den Herzog-Kinski-Filmen versehene Liebeserklärung von Herzog an seinen Star. Und dem Dritten hätte eine Portion Kinski sicher nicht geschadet. Aber der starb bereits 1991.

Das Vierte zelebriert ab 18.10 Uhr den Vierzigsten von Pamela Anderson. Es beginnt mit fünf Folgen “Baywatch”. „Ein mörderischer Wettkampf“, „Die Graffiti-Gang“, die Doppelfolge „Spuk im Hotel“ und „Filmteam am Strand“. Danach gibt’s “Playboy’s Babes of Baywatch”, “The Best of Pamela Anderson“, „The Ultimate Pamela Anderson“ und The Pamela Anderson Video Centrefold”.

Oha.

Ähem, Programm 23.


X-Zine lobt das „Krimijahrbuch 2007“

Juni 29, 2007

Claus Kerkhoff hält in seiner Besprechung das „Krimijahrbuch 2007“ für „sehr empfehlenswert„. Dem will ich nicht widersprechen, sondern gleich noch einige weitere Kerkhoffsche Worte zitieren:

„Das Ergebnis sind 340 Seiten Krimikultur vom Feinsten mit den Krimihighlights des vergangenen Jahres, mit Interviews und Porträts, und Axel Bußmer schlägt darüber hinaus noch einen Bogen zum Krimi in Film und Fernsehen. (…) Mit dem „Krimijahrbuch 2007“ ist jetzt bereits das zweite Krimijahrbuch im NordPark-Verlag erschienen und es hat das Zeug dazu, eine feste Institution zu werden. Das „Krimijahrbuch 2007“ ist spannender Lesestoff, der Lust macht, neue Autoren und ihre Bücher zu entdecken. Ein Muss für alle, die mehr über Krimis wissen wollen.“

Außerdem erwähnt er neben zahlreichen anderen Artikeln meinen „kenntnisreichen Beitrag zu Robert B. Parker´s einflussreicher Spenser-Serie„.

Da kann ich nur noch ergänzen, dass der neuen Spenser-Krimi „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)  im Juli vom Pendragon Verlag ausgeliefert wird. Eine Besprechung gibt es die Tage.


TV-Tipp für den 29. Juni

Juni 28, 2007

Sat.1, 03.25

Blond: Eva Blond! – Wie das Leben so spielt (D 2004, R.: Matthias Glasner)

Drehbuch: Sascha Arango

Man soll aufhören, wenn es am Schönsten ist. Außerdem waren die Quoten für „Blond: Eva Blond!“ auch nie wirklich überzeugend. Einige Preise sicherten der abgedrehten Krimiserie ein längeres Leben bei dem Privatsender. Für Krimifans mit einem Hang zum Absurden, Makabren und Schwarzhumorigen waren die sechs „Blond: Eva Blond!“-Filme immer ein Festschmaus. Drehbuch, Regie, Schauspieler – hier stimmte einmal einfach alles.

Dabei klingt der Fall nach schlimmster Kolportage: Regierungsdirektor Bierbichler und Starkoch Schlenz sterben anscheinend eines natürlichen Todes. In ihren Mägen werden Reste einer Prostituierten gefunden. Die schusselige, blonde Kommissarin Eva Blond gerät an drei seltsame Witwen.

Das klingt jetzt nach 08/15-Krimi, aber die Mischung macht’s und die stimmt hier.

Mit Corinna Harfouch, Erdal Yildiz, Herbert Knaup, Sissi Perlinger, Merit Becker, Ulrike Krumbiegel, Frank Giering, Bülent Sharif

Die „Blond: Eva Blond!“-Filme:

Das Urteil spricht der Mörder (D 2002, R.: Jorgo Papavassiliou)

Das Buch der Beleidigungen (D 2002, R.: Urs Egger)

Der Zwerg im Schließfach (D 2004, R.: Hermine Huntgeburth)

Wie das Leben so spielt (D 2004, R.: Matthias Glasner)

Epsteins Erbe (D 2006, R.: Achim von Borries)

Der sechste Sinn (D 2006, R.: Matthias Glasner)

Sascha Arango schrieb alle sechs Drehbücher und beantwortet einige Fragen zu seiner „Blond: Eva Blond!“: http://presse.prosieben.de/db/6/doc/9/4/5/8/1.html


Guter Stoff, schlecht verarbeitet

Juni 28, 2007

seyerle-schweinekrieg.jpg

Es gibt sicher tausend Möglichkeiten, aus einem Stoff eine spannende Geschichte zu machen. Gute, weniger gute und schlechte. In Guido Seyerles Romandebüt „Schweinekrieg“ ist der Stoff das Schwäbisch-Hällische Landschwein und wie es einigen Landwirten in den vergangenen beiden Jahrzehnten gelang, aus einer aussterbenden Rasse eine Marke zu machen. Diese Etablierung in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts ging nicht ohne Konflikte ab.

Das ist der reale Hintergrund und auch der Stoff den Guido Seyerle zu einem Roman verarbeitete. Allerdings ist es kein gelungener Roman. Gründe gibt es dafür viele. Der wichtigsten ist die Wahl der Hauptperson. „Schweinekrieg“ wird ausschließlich aus der Sicht des freiberuflichen Lokaljournalisten Chris Schranz erzählt. Er beobachtet mit Sympathie, wie der nach einem mehrjährigen Auslandsaufenthalt 1984 zurückgekehrte Landwirt Heinrich Bauer das vom Aussterben bedrohte Schwäbisch-Hällische Landschwein als Marke etablieren will. Bauer versucht die anderen Schweinezüchter zu überzeugen, ihre Zucht umzustellen. Er engagiert sich bei den Grünen. Er gründet eine Erzeugergemeinschaft und er organisiert einen Stand auf der Grünen Woche in Berlin. Der Stand wird ein voller Erfolg. Später kann Bauer mit einem der größten europäischen Lebensmittelkonzerne, Feinkost Küfer, einen lukrativen Vertrag für die Gesundheitslinie „ich darf“ abschließen.

Gleichzeitig versucht die Schweinemafia (so nennen die Züchter das Kartell der Abnehmer, die die Preise immer weiter nach unten drücken), personifiziert durch die Schweinezentrale und ihren Chef Falko Dombrowski, Bauer zu behindern. Während sich diese Aktionen der Schweinezentrale innerhalb der marktwirtschaftlichen Spielregeln bewegen, tritt bei mehreren Schweinen auf verschiedenen Höfen die Aujetzki-Krankheit auf, zwei Reifen werden mit einem aus der DDR stammenden Messer zerstochen, eine Inkassofirma versucht von Bauer nicht vorhandene Schulden einzutreiben und Lukas Ritzer wird ermordet.

Das ist eigentlich mehr als genug Handlung für ein spannendes Buch. Aber Chris Schranz tut genau das, was ein Journalist tun soll: er hält sich aus allem heraus, beobachtet und berichtet darüber.

Doch der erste, einige behaupten der einzige, Grundsatz für eine spannende Geschichte lautet: Die Hauptperson will ein bestimmtes Ziel mit allen Mitteln erreichen.

Der zweite dehnt diesen Satz auf die anderen Charaktere aus: Jeder will in jeder Szene etwas erreichen. Auch wenn es nur ein Glas Wasser ist.

Aber Schranz will nichts erreichen. Dagegen will Heinrich Bauer etwas erreichen. Er nimmt den Kampf eines Davids gegen Goliath auf und gewinnt. Das wäre eine tolle Geschichte gewesen. Auch die Geschichte der Menschen, die mit allen Mitteln verhindern wollen, dass Bauer erfolgreich ist, wäre spannend zu lesen gewesen. Oder die Geschichte von Bauers Frau, die an dem Ehrgeiz ihres Mannes zerbricht. Oder die der Polizisten, die den Mörder von Ritzer suchen.

Doch Seyerle wählte mit Chris Schranz den schwächsten von allen möglichen Hauptcharakteren aus.

Gleichzeitig war Seyerle der Kampf der kleinen Schweinezüchter gegen die Schweinezentrale zu wenig. Er pfropfte diesem Kampf einen dünnen und, wenn er nicht der Wirklichkeit entspricht, abstrus-unglaubwürdigen Krimiplot auf. Denn irgendjemand will anscheinend mit allen Mitteln verhindern, dass Bauer und seine Mitstreiter erfolgreich sind. Jedenfalls ist beim Lesen unklar, ob die Anschläge gegen die Schweinezüchter wirklich die geplanten Taten eines einzelnen Täters sind. Am Ende (und damit gebe ich den Lesern, die das Buch nach diesem Verriss doch noch kaufen, die Spannung, die in der Geschichte nicht vorhanden ist) wird der hinter allem steckende Bösewicht verhaftet und es gibt eine Erklärung für die vielen aus Osteuropa, hauptsächlich der DDR, kommenden Menschen. Denn diese Ostler arbeiten zusammen.

 

Guido Seyerle: Schweinekrieg

Gmeiner Verlag, 2007

288 Seiten

9,90 Euro

 

Homepage von Guido Seyerle: http://www.reise-schriftsteller.de/

 

„Schweinekrieg“ vermischt Fakten mit Fiktion. Auf der Seite der Bäuerlichen Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH) gibt es einige Fakten:

http://www.besh.de/html/startseite.html


Besprechung von Stewart O’Nans „Eine gute Ehefrau“ online

Juni 28, 2007

Meine Besprechung von Stewart O’Nans neuestem Roman „Eine gute Ehefrau“ (The good wife, 2005) ist online in der Berliner Literaturkritik. Wer in den vergangenen Tagen immer mehr glaubte, ich würde nur Krimis lesen, wird sich erstaunt die Augen reiben. Denn „Eine gute Ehefrau“ ist kein Kriminalroman. So weit will ich die Genreregeln dann doch nicht dehnen.

Außerdem – und das dürfte der nächste Schock sein – hat mir das Buch sehr gut gefallen.

Wenn Sie wissen wollen warum – die Antwort ist nur einen Klick entfernt.


TV-Tipp für den 28. Juni

Juni 28, 2007

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ARD, 22.45

Catch me if you can (USA 2002, R.: Steven Spielberg)

Drehbuch: Jeff Nathanson

LV: Frank Abagnale (mit Stan Redding): Catch me if you can: The Amazing True Story of the Youngest and Most Daring Con Man in the History of Fun and Profit, 1980 (Mein Leben auf der Flucht, Catch me if you can)

Spielberg erzählt die wahre Geschichte des Hochstaplers Frank Abagnale. Der Film „ist eine swingende, schwerelose Krimikomödie, die durch Tempo, Charme und Verspieltheit überzeugt.“ (Berliner Zeitung, 30. Januar 2003)

Mit Leonardo DiCaprio, Tom Hanks, Christopher Walken, Martin Sheen, Nathalie Baye, James Brolin, Jennifer Garner

Heute berät Frank Abagnale immer noch Banken und das FBI. Wie er über seine wilde Jugend denkt, erfahren Sie in diesem Spiegel-online-Artikel.


TV-Tipp für den 27. Juni

Juni 26, 2007

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Kabel 1, 22.25

Leben und Sterben in L. A. (USA 1985, R.: William Friedkin)

Drehbuch: William Friedkin, Gerald Petievich

LV: Gerald Petievich: To live and die in L. A., 1984 (Leben und Sterben in L. A.)

Zwei Polizisten jagen einen Geldfälscher. Dabei sind sie in der Wahl ihrer Mittel nicht gerade zimperlich.

Nihilistischer Polizei- und Gangster-Thriller mit rasanten Action-Szenen.

Mit William L. Petersen, Willem Dafoe, John Pankow, John Turturro, Dean Stockwell, Gerald Petievich (in einer Minirolle als „Special Agent“)

Homepage von Gerald Petievich: http://www.petievich.com/

Meinen mit vielen schönen Buchcovers, Filmplakaten und Fotos aufgepeppten Überblick über die verfilmten Kriminalromane gibt es in den TV-Krimi-Buch-Tipps. Außerdem informiert der Alligator täglich über krimirelevantes in der Web-Öffentlichkeit und ist damit immer einen Klick wert.

 


Einige Drehbücher für gute Filme im Netz

Juni 26, 2007

Die Tage sind – allerdings nur im Original – einige Krimi-Drehbücher (ich habe davon einen ziemlich weiten Begriff) ins Netz gestellt worden. Deutsche Autoren sind in diesem Punkt sehr zurückhaltend. Ad hoc fällt mir nur dieses ein.

Hier also die Drehbücher für den englischsprachigen Teil der Menschheit:

Eine frühe Version von „U-Turn“ von John Ridley. Anscheinend schrieb Ridley mehr oder weniger gleichzeitig das Drehbuch und seinen 1997 erschienenen Noir-Debütroman „Stray Dogs“, der später als „U-Turn“ von Oliver Stone mit Sean Penn, Jennifer Lopez, Nick Nolte, Joaquin Phoenix, Billy Bob Thornton, Powers Boothe, Jon Voight, Liv Tyler, Claire Danes undundund verfilmt wurde.

Das Drehbuch von William Monahan zu dem neuesten Martin Scorsese-Film „The Departed“ gibt es hier. Das war einer meiner Lieblingsfilme 2006.

Die Coen-Seite „You know, for kids!“ hat das Drehbuch zu dem neuesten Film der Brüder Joel und Ethan Coen online gestellt. „No Country for Old Men“, die Verfilmung eines Buches von Cormac McCarthy, gibt es hier. Und die anderen Drehbücher der Coens gibt’s ebenfalls auf dieser Seite.

Wer’s lieber klassischer mag und nach „Prison Break“ wieder Blut auf Knastfilme geleckt hat, kann sich ja das Drehbuch von „Der Unbeugsame“ (USA 1967, R.: Stuart Rosenberg, mit Paul Newmann, George Kennedy, Strother Martin und Dennis Hopper) durchlesen. Das von Donn Pearce und Frank Pierson geschriebene Shooting Draft für „Cool Hand Luke“ gibt es hier. Auf „aellea Classic Movie Sripts“ gibt es auch das Drehbuch von Nunnally Johnson zur John Steinbeck-Verfilmung „Grapes of Wrath„. Mehr gibt es auf dieser neuen Seite noch nicht.

Thanks to SimplyScripts für einige Hinweise.


TV-Tipp für den 26. Juni

Juni 26, 2007

Das Vierte, 22.10

Repo Man (USA 1984, R.: Alex Cox)

Drehbuch: Alex Cox

LA-Vorstadt-Punk Otto hat null Bock auf eine geregelte Arbeit. Aber Action ist okay. Als Repo Man bekommt er genug davon. Besonders nachdem er, sein Chef, die CIA, Gangster und Ufo-Freaks einen alten Chevy haben wollen, weil eine sehr obskure Organisation dem Finder 20.000 Dollar für die Kiste geben will.

Die kohlrabenschwarze Satire „Repo Man“ war Alex Coxs gelungener USA-Start. Danach drehte der Brite „Sid & Nancy“, „Straight to hell“, „Walker“ und verschwand anschließend aus dem Blickfeld des Publikums. Ähnlich erging es Otto-Darsteller Emilio Estevez. In den Achtzigern einer der heißen Jungstars. In den Neunzigern abgetaucht und zuletzt mit „Bobby – Sie alle hatten einen Traum“ (für den starbestückten Film über die Ermordung von Robert F. Kennedy schrieb er auch das Drehbuch und führte Regie) wieder aufgetaucht.

„Repo Man“ war ein auch an der Kinokasse erfolgreicher Low-Budget-Punkfilm. „Cox versteht es, in seinem launig inszenierten Low-budget-Streifen innerhalb eines sehr realistisch dargestellten Umfeldes Action, Slapstick und Groteske zu integrieren, ohne dass Brüche entstehen. Witzige Dialoge, flotte Regie und gute Darstellung (besonders Harry Dean Stanton als Bud) hinterlassen den Eindruck eines rundherum gelungenen Spaßes.“ sagte der „Fischer Film Almanach 1985“. Heute sagt „Das große Filmlexikon“ von TV Spielfilm: „Repo Man ist vollgestopft mit absurden Einfällen, eingebettet in eine fragmentarische Handlung. Herausragend die Kamera von Robby Müller und der Soundtrack mit Musik von Black Flag, Suicidal Tendencies, The Circle Jerks und Iggy Pop.“ Und bei Rotten Tomatoes erhält der Kultfilm von den Kritikern eine fast hundertprozentige Frische bescheinigt.

Mit Emilio Estevez, Harry Dean Stanton, Fox Harris, Olivia Barash, Tom Finnegan