Neu im Kino/Filmkritik: Mit Don Winslow auf der „Crime 101“

Februar 12, 2026

Davis (Chris Hemsworth) ist ein Profi-Dieb. Er überfällt Juweliere entlang der Highway 101 und wendet dabei keine Gewalt an. Er ist gut vorbereitet und höflich. Ältere Semester werden hier vielleicht an den von George Clooney gespielten, von Elmore Leonard erfundenen charmanten Dieb Jake Foley in „Out of Sight“ denken. Davis bewundert dagegen eher Steve McQueen, den King of Cool, und wie Frank Bullitt (in „Bullitt“) kurvt er durch Kalifornien.

‚Lou‘ Lubesnik (Mark Ruffalo) ist ein LAPD-Kriminalpolizist, der glaubt, dass es einen Dieb gibt, der entlang der Pacific Coast Highway 101 Überfälle begeht und dabei keine für die Polizei verwertbaren Spuren hinterlässt. Obsessiv jagt er ihn. Auch ohne eine ausgeprüfte Leidenschaft für Jazz könnte Lou ein geistiger Bruder von Michael Connelleys LAPD Detective Harry Bosch sein.

Die Konstellation und die parallele Erzählung zwischen dem Verbrecher und dem ihn fanatisch verfolgendem Polizisten erinnert ältere Semester an Michael Manns Meisterwerk „Heat“, auch wenn es in Bart Laytons Thriller „Crime 101“ weniger gewalttätig zugeht. Davis gehört zu den Profigangstern, die ihre Verbrechen gewaltfrei begehen. Dafür ist er zu schlau und plant zu präzise. Aber nicht immer läuft alles nach Plan.

Dritte im Bunde ist Sharon Coombs (Halley Berry). Die Versicherungsagentin muss erkennen, dass sie als Über-Fünfzigjährige nicht weiter befördert, sondern auf das Abstellgleis abgeschoben wird. Ihre Vorgesetzten halten sie für zu alt, um vermögende Kunden mit ihrem Aussehen zu einem Vertragsabschluss zu bringen. Da erhält sie von Davis ein Angebot, das sie zunächst empört ablehnt. Ältere Semester denken hier an „Thomas Crown ist nicht zu fassen“ (The Thomas Crown Affair), ein weiterer Film mit Steve McQueen. Faye Dunaway spielt die den Dieb jagende Versicherungsagentin.

Zwischen ihnen agiert Ormon (Barry Keoghan) als Wild Card. Weil Money (Nick Nolte) glaubt, dass Davis zu alt für das Verbrechergeschäft wird, soll Ormon Davis beschatten. Dummerweise sind Ormons Ambitionen größer als sein kriminelles Talent.

Und wer jetzt glaubt, dass „Crime 101“, der neue Film von Bart Layton („American Animals“), basierend auf einer Steve McQueen gewidmeten Novelle von Don Winslow, eine erschreckend langweilige, vorhersehbare und überaus altmodische, aus vertrauten Versatzstücken lieblos zusammengestückelte Angelegenheit ist, irrt sich gewaltig. „Crime 101“ ist ein ruhig erzählter Thriller, der seine Vorbilder kennt, sie nebenbei zitiert, und ein gelungenes Update liefert. Vor zwanzig, dreißig Jahren wäre der Thriller als zukünftiger Klassiker gehandelt worden und hätte einen kleinen Kult ausgelöst. Heute – keine Ahnung, ob es noch ein Publikum für diese kleinen, erwachsenen Filme gibt, in denen Profis souverän ihr Können demonstrieren und die Hauptpersonen Erwachsene sind, die sich wie Erwachsene verhalten. Die Lösungen für ihre Probleme, wie sie in Konfliktsituationen reagieren und wie sie doch, mehr oder weniger, ans Ziel gelangen, entsprechen ihrem Charakter und sie überraschen. Layton nimmt sich Zeit für seine Figuren und ihre Handlungen. Das macht „Crime 101“ zu einem ziemlich langem Film. Er dauert 141 Minuten. Trotzdem ist er keine Minute zu lang. Die Don-Winslow-Verfilmung ist in jeder Sekunde eine wunderschöne Liebeserklärung an klassische Gangsterthriller und der beste Michael-Mann-Film seit „Collateral“. Damit dürfte klar sein, welche Tradition Laytons Thriller überzeugend fortschreibt.

Crime 101 (Crime 101, USA 2026)

Regisseur: Bart Layton

Drehbuch: Bart Layton, Peter Straughan

LV: Don Winslow: Crime 101, 2020 (Novelle, erschienen in Broken, 2020)

mit Chris Hemsworth, Mark Ruffalo, Halle Berry, Barry Keoghan, Nick Nolte, Jennifer Jason Leigh, Monica Barbaro, Corey Hawkins

Länge: 141 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Die Vorlage (mit neuem Titel und Cover)

Don Winslow: Crime 101 – Sechs Geschichten

(übersetzt von Ulrike Wasel, Klaus Timmermann, Kerstin Fricke, Peter Friedrich und Joannis Stefanidis)

HarperCollins, 2026

512 Seiten

14 Euro

Deutsche Erstausgabe

Broken – Sechs Geschichten

HarperCollins, 2020

Originalausgabe

Broken

William Morrow, 2020

Druckfrisch

(sechs brandneue Kurzgeschichten, eine mit Boone Daniels. Da freut sich der Don-Winslow-Fan)

Don Winslow: The Final Score

(übersetzt von Conny Lösch)

HarperCollins, 2026

336 Seiten

24 Euro

Originalausgabe

The Final Score

William Morrow, 2026

Hinweise

Moviepilot über „Crime 101“

Metacritic über „Crime 101“

Rotten Tomatoes über „Crime 101“

Wikipedia über „Crime 101“ (deutsch, englisch)

Homepage von Don Winslow

Wikipedia über Don Winslow (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Don Winslows “London Undercover – Neal Careys erster Fall” (A cool Breeze on the Underground, 1991)

Meine Besprechung von Don Winslows “China Girl – Neal Careys zweiter Fall” (The Trail to Buddha’s Mirror, 1992)

Meine Besprechung von Don Winslows „Way Down on the High Lonely – Neal Careys dritter Fall“ (neue Übersetzung von „Das Schlangenmaul“; Way Down on the High Lonely, 1993)

Meine Besprechung von Don Winslows „A long Walk up the Water Slide – Neal Careys vierter Fall“ (A long Walk up the Water Slide, 1994)

Meine Besprechung von Don Winslows „Palm Desert – Neal Careys fünfter Fall“ (While Drowning in the Desert, 1996)

Meine Besprechung von Don Winslows „Bobby Z“ (The Death and Life of Bobby Z, 1997)

Meine Besprechung von Don Winslows „Die Sprache des Feuers“ (California Fire & Life, 1999)

Meine Besprechung von Don Winslows „Tage der Toten“ (The Power of the Dog, 2005)

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Private“ (The Dawn Patrol, 2008)

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Paradises“ (The Gentlemen’s Hour, 2009)

Meine Besprechung von Don Winslows “Savages – Zeit des Zorns” (Savages, 2010)

Meine Besprechung von Don Winslows „Satori“ (Satori, 2011)

Mein Interview mit Don Winslow zu “Satori” (Satori, 2011)

Meine Besprechung von Don Winslows “Kings of Cool” (The Kings of Cool, 2012)

Meine Besprechung von Don Winslows „Vergeltung“ (Vengeance, 2014 – noch nicht erschienen)

Meine Besprechung von Don Winslows „Missing. New York“ (Missing. New York, 2014 – noch nicht erschienen)

Meine Besprechung von Don Winslows „Das Kartell“ (The Cartel, 2015)

Meine Besprechung von Don Winslows „Germany“ (Germany, 2016 – noch nicht erschienen)

Meine Besprechung von Don Winslows „Broken – Sechs Geschichten“ (Broken, 2020) und mein Hinweis auf die Verfilmung

Meine Besprechung von Don Winslows „City of Dreams“ (City of Dreams, 2023)

Meine Besprechung von Don Winslows „City in Ruins“ (City in Ruins, 2024)

Mein Hinweis auf Don Winslows „London Undercover – Neal Careys erster Fall“ (A Cool Breeze on the Underground, 1991)

Mein Hinweis auf Don Winslows „Jahre des Jägers“ (The Border, 2019)

Mein Hinweis auf Don Winslows Lesereise zu „City on Fire“ (City on Fire, 2022) – und ein Bild von der Lesung

Meine Besprechung von Oliver Stones Don-Winslow-Verfilmung „Savages“ (Savages, USA 2012)

Don Winslow in der Kriminalakte


Don-Winslow-Fans, aufgepasst! „Crime 101“ kommt 2026 ins Kino

Oktober 27, 2025

Als hätte ich es nicht geahnt. Als „Broken“, eine Sammlung von sechs von Don Winslow geschriebenen kürzeren Geschichten, erschien, beschrieb ich sie als „ ausführliche Treatments für Hardboiled-Actionfilme“. Nun ist mit „Crime 101“ eine dieser Geschichten verfilmt worden. Als deutscher Kinostart wird der 12. Februar 2026 genannt.

Darum geht es laut Sony:

Davis (Chris Hemsworth) ist ein schwer fassbarer Dieb, dessen hochriskante Raubüberfälle die Polizei vor ein Rätsel stellen. Während er gerade seinen bisher größten Coup plant – in der Hoffnung, dass es sein letzter sein wird –, trifft er auf die desillusionierte Versicherungsmanagerin Sharon (Halle Berry), und wird gezwungen mit ihr zusammenarbeiten. Darüber hinaus wird er mit Orman (Barry Keoghan) konfrontiert, ein rivalisierender Dieb, dessen Methoden weitaus beunruhigender sind als die von Davis. Als der millionenschwere Raubüberfall näher rückt, kommt der unerbittliche Detective Lt. Lubesnik (Mark Ruffalo) der ganzen Operation auf die Spur und erhöht damit das Risiko noch weiter. Die Grenzen zwischen Jäger und Gejagten beginnen zu verschwimmen. Bald sind alle gezwungen, sich mit den Folgen ihrer jeweiligen Entscheidungen auseinanderzusetzen – und mit der Erkenntnis, dass es kein Zurück mehr gibt.

Regie bei dem wendungsreichen und stylish inszenierten Crime-Thriller führte Bart Layton („American Animals“, BAFTA Film Award für „Der Blender – The Imposter“). Für das Drehbuch zeichnen Bart Layton („American Animals“) und Peter Straughan („Konklave“) verantwortlich. Produziert wurde der Film von Tim Bevan, Dimitri Doganis, Eric Fellner, Benjamin Grayson, Chris Hemsworth, Bart Layton und Derrin Schlesinger. Executive Producer sind Joely Fether, Shane Salero und Bergen Swanson.

In den Hauptrollen spielen Chris Hemsworth („Furiosa: A Mad Max Saga”), Halle Berry („Moonfall“), Mark Ruffalo („Poor Things“), Barry Keoghan („Saltburn”), Monica Barbaro („Like A Complete Unknown”), Corey Hawkins („Die letzte Fahrt der Demeter”) u.v.m.

Was die Ankündigung verschweigt und aus dem Trailer, trotz Thomas-Crown-Vibes, nur so halb hervorgeht: Davis ist ein Profidieb der Parker-Schule und ein großer Fan von Steve McQueen, dem ‚King of Cool‘. Entsprechend cool ist er bei seinen Diebstählen.

Und weil bis zum Filmstart noch genug Zeit zum Lesen der spannenden Vorlage ist:

Don Winslow: Broken – Sechs Geschichten

(übersetzt von Ulrike Wasel, Klaus Timmermann, Kerstin Fricke, Peter Friedrich und Joannis Stefanidis)

HarperCollins, 2020

512 Seiten

22 Euro (Hardcover)

9,99 Euro (E-Book)

Originalausgabe

Broken

William Morrow, 2020

Hinweise (ein gewisses Fantum ist unübersehbar)

Perlentauscher über „City in Ruins“

Book Marks über „City in Ruins“

Homepage von Don Winslow

Wikipedia über Don Winslow (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Don Winslows “London Undercover – Neal Careys erster Fall” (A cool Breeze on the Underground, 1991)

Meine Besprechung von Don Winslows “China Girl – Neal Careys zweiter Fall” (The Trail to Buddha’s Mirror, 1992)

Meine Besprechung von Don Winslows „Way Down on the High Lonely – Neal Careys dritter Fall“ (neue Übersetzung von „Das Schlangenmaul“; Way Down on the High Lonely, 1993)

Meine Besprechung von Don Winslows „A long Walk up the Water Slide – Neal Careys vierter Fall“ (A long Walk up the Water Slide, 1994)

Meine Besprechung von Don Winslows „Palm Desert – Neal Careys fünfter Fall“ (While Drowning in the Desert, 1996)

Meine Besprechung von Don Winslows „Bobby Z“ (The Death and Life of Bobby Z, 1997)

Meine Besprechung von Don Winslows „Die Sprache des Feuers“ (California Fire & Life, 1999)

Meine Besprechung von Don Winslows „Tage der Toten“ (The Power of the Dog, 2005)

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Private“ (The Dawn Patrol, 2008)

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Paradises“ (The Gentlemen’s Hour, 2009)

Meine Besprechung von Don Winslows “Savages – Zeit des Zorns” (Savages, 2010)

Meine Besprechung von Don Winslows „Satori“ (Satori, 2011)

Mein Interview mit Don Winslow zu “Satori” (Satori, 2011)

Meine Besprechung von Don Winslows “Kings of Cool” (The Kings of Cool, 2012)

Meine Besprechung von Don Winslows „Vergeltung“ (Vengeance, 2014 – noch nicht erschienen)

Meine Besprechung von Don Winslows „Missing. New York“ (Missing. New York, 2014 – noch nicht erschienen)

Meine Besprechung von Don Winslows „Das Kartell“ (The Cartel, 2015)

Meine Besprechung von Don Winslows „Germany“ (Germany, 2016 – noch nicht erschienen)

Meine Besprechung von Don Winslows „Broken – Sechs Geschichten“ (Broken, 2020)

Meine Besprechung von Don Winslows „City of Dreams“ (City of Dreams, 2023)

Meine Besprechung von Don Winslows „City in Ruins“ (City in Ruins, 2024)

Mein Hinweis auf Don Winslows „London Undercover – Neal Careys erster Fall“ (A Cool Breeze on the Underground, 1991)

Mein Hinweis auf Don Winslows „Jahre des Jägers“ (The Border, 2019)

Mein Hinweis auf Don Winslows Lesereise zu „City on Fire“ (City on Fire, 2022) – und ein Bild von der Lesung

Meine Besprechung von Oliver Stones Don-Winslow-Verfilmung „Savages“ (Savages, USA 2012)

Don Winslow in der Kriminalakte