Neu im Kino/Filmkritik: „Dead of Winter – Eisige Stille“, tödliche Schüsse und eine Entführung

Februar 19, 2026

Heute will die in Minnesota lebende Barb (Emma Thompson im Actionheldinnenmodus) den letzten Wunsch ihres verstorbenen Mannes erfüllen. Sie fährt zu einem einsamen, im Norden des Landes gelegenem See. Beide verbinden mit Lake Hilda Erinnerungen an glückliche Stunden. Der Höhepunkt des Tagesausflugs wird das Verstreuen der Asche ihres Mannes sein. Ihre Trauerarbeit wird unterbrochen, als sie in der winterlichen Einsamkeit eine junge Frau entdeckt, die offensichtlich entführt wurde. Barb will sie retten – und nun beginnt ein Abenteuer, das als im Schnee spielender Thriller spannend unterhält. Bis man beginnt, über die Story nachzudenken und sich fragt, warum nicht wenigstens die gröbsten Logiklöcher behoben wurden.

So spielt die Geschichte im Schnee in einer menschenleeren Gegend. Aber es scheint überhaupt keinerlei verräterische Spuren im Schnee zu geben. Egal wie oft die vier Menschen durch den Schnee stampfen, sie hinterlassen keine Spuren.

Die ziemlich durchgeknallte Entführerin ist eine begnadete Scharfschützin. Wenn es passt.

Denn Barb kann im hellen Licht des Tages und ohne irgendeinen Schutz vor neugierigen Blicken eine auf dem vereisten See stehende Hütte zu einer Todesfalle umbauen. Auch der damit verbundene Lärm lockt die Bösewichter – ein Paar, das aus der schon erwähnen skrupellosen Scharfschützin und ihrem leicht depperten Mann besteht – nicht an. Weil Regisseur Brian Kirk („21 Bridges“, „Game of Thrones“) nicht zeigt, wie Barb die Falle errichtet, sorgt ihr Zuschnappen im Film für einen vollkommen unglaubwürdigen Überraschungsmoment.

Ein weiterer Schwachpunkt ist das Motiv der Entführer. Es wird erst am Filmende enthüllt. Es ist durchaus nachvollziehbar, aber die Entführer wählen die umständlichste und ungeschickteste Methode, um an ihr Ziel zu gelangen. Sogar die dusseligen Bösewichter der Coen-Brüder machen bessere Pläne. 

Dead of Winter – Eisige Stille (Dead of Winter, USA/Deutschland/Kanada 2025)

Regie: Brian Kirk

Drehbuch: Nicholas Jacobson-Larson, Dalton Leeb

mit Emma Thompson, Gaia Wise, Judy Greer, Laurel Marsden, Marc Menchaca, Cúán Hosty-Blaney

Länge: 98 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „Dead of Winter“

Moviepilot über „Dead of Winter“

Metacritic über „Dead of Winter“

Rotten Tomatoes über „Dead of Winter“

Wikipedia über „Dead of Winter“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Brian Kirks „21 Bridges“ (21 Bridges, USA 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: Über „21 Bridges“ kannst du nicht gehen in dieser Nacht

Februar 6, 2020

Als einige Streifenpolizisten an die Tür des Mosto’s klopfen, sind Michael (Stephen James) und Ray (Taylor Kitsch) gerade dabei, die im Keller versteckten Drogen zu klauen. Die Polizisten wollen mit dem Restaurantbesitzer über eine Feier reden. Als dieser nicht öffnet, betreten sie das Lokal durch den Hintereingang und stolpern in den sich im Gang befindenden Raub.

Schnell entwickelt sich im Lokal und auf der Straße davor ein Schusswechsel, bei dem acht Polizisten sterben. Die beiden Räuber Ray und Michael können unverletzt und mit einigen Taschen Kokain entkommen. Auf ihrer Flucht fragen sie sich, warum ihr Tippgeber ihnen die falsche Menge an Drogen – dreißig statt dreihundert Kilo – angab und wie sie aus Manhattan flüchten können. Denn alle ehrlichen und unehrlichen Gesetzeshüter von New York und alle Möchtegerngesetzeshüter werden sie jagen.

Angeführt wird die Jagd von Andre Davis (Chadwick Boseman), einem Polizisten mit lockerer Pistole. Er hat im Dienst schon mehrere Polizistenmörder erschossen. Als erstes befiehlt er, alle 21 von der Insel führenden Brücken zu sperren, alle Züge anzuhalten und die U-Bahn auf einen Kreisverkehr zu schicken, bis die beiden Polizistenmörder gefunden sind. Er macht Manhattan für eine Nacht zu dem Sperrgebiet, zu dem General William Devereaux (Bruce Willis) sie in „Ausnahmezustand“ (The Siege, 1998) für eine Terroristenjagd für mehrere Tage machte; – und schon damals verhinderte ein schwarzer Superman, gespielt von Denzel Washington, das Schlimmste.

In „21 Bridges“ ist ‚Black Panther‘ Chadwick Boseman der schwarze Superman. Bei all den Kämpfen mit Pistolen und Fäusten und Verfolgungsjagden zu Fuß und im Auto, selbstverständlich immer ohne schusssichere Weste, wird er nie verletzt und gerät auch nie außer Atem. Und sein Hemd sitzt am Ende der Nacht noch genauso akkurat wie am Anfang der Nacht. Er steht damit in der Tradition von „Shaft“, der, gespielt von Richard Roundtree, in den frühen Siebzigern, zur Musik von Isaac Hayes als cooler Action- und Frauenheld in New York aufräumte.

Diese Coolness geht Brian Kirks kompetent gemachtem, letztendlich mediokren Thriller „21 Bridges“ vollkommen ab. Sein Film ist ein jederzeit vorhersehbares Abarbeiten der bekannten Plot-Points. So ziemlich jede Wendung (Oh, korrupte Cops) und überraschende Enthüllung (Ach, er ist korrupt) ist absolut vorhersehbar und wird auch etwas lustlos präsentiert. So als habe man nicht die große Kinoleinwand, sondern den Slot für den „TV-Film der Woche“ im Blick gehabt. Mit einem höheren Budget, kompetenter gemacht und einer besseren Besetzung, als man es von einem TV-Film erwarten kann; – wobei die Streamingdienste diese Grenzen im Moment sehr verschieben.

So ist nichts wirklich schlecht in diesem Thriller. Aber nichts überzeugt in dieser Verfolgungsjagd durch Manhattan wirklich. Chadwick Boseman kämpft sich hier wenig charismatisch durch eine austauschbare Rolle in einem ebenso austauschbarem Film.

21 Bridges (21 Bridges, USA 2019)

Regie: Brian Kirk

Drehbuch: Adam Mervis, Matthew Michael Carnahan

mit Chadwick Boseman, Sienna Miller, J. K. Simmons, Stephan James, Taylor Kitsch, Keith David, Alexander Siddig, Louis Cancelmi, Victoria Cartagena

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „21 Bridges“

Metacritic über „21 Bridges“

Rotten Tomatoes über „21 Bridges“

Wikipedia über „21 Bridges“ (deutsch, englisch)