Es ist ein Biopic, aber weil ja einige darüber gemeckert haben sollen, dass Kritiker in ihren Besprechungen über „Titanic“ verrieten, dass das Schiff untergeht (Uups, das hast du nicht gewusst?), beginne ich mit einer Spoilerwarnung für alle, die nichts über Christy Martin wissen. Wer etwas über sie weiß, wird feststellen, dass ich nicht alles, eigentlich fast nichts, verrate.
Beim Boxen fühlt Christy Martin sich lebendig. Außerdem erhält sie Geld, wenn sie siegt. Für die aus ärmlichen Verhältnissen kommende Tochter eines Bergarbeiters sind das zwei unbestreibare Pluspunkte. Dass Frauenboxen damals – wir reden von den späten achtziger Jahren – nicht ernstgenommen wurde, stört sie nicht. Sie trainiert hart, kämpft sich nach oben, gewinnt im Ring während ihrer professionellen Laufbahn fast alle Kämpfe, ist im April 1996 die erste Boxerin auf dem Cover von „Sports Illustrated“ und das Gesicht des in den neunziger Jahren in den USA zu einem lukrativen Geschäft werdendem Frauenboxen.
In seinem in den USA grandios geflopptem Biopic „That’s why the Lady is a Champ“ (Originaltitel: „Christy“) erzählt David Michôd („War Machine“) ihren Weg von ihrem ersten Kampf 1989 bis 2010, als ihr Ehemann und Trainer sie umbringen will.
Dabei hakt Michôd weitgehend chronologisch die wichtigen Stationen und Begegnungen in ihrem Leben ab. Er spricht vieles an: das Boxgeschäft in all seinen Facetten, Sexismus, Gewalt in der Ehe, gleichgeschlechtliche Liebe, Bigotterie, Spielsucht, gewalttätige und schlechte Familienbeziehungen. In dem Film ist alles drin, weil es Teil von Christy Martins Leben ist.
Was fehlt ist eine über die Chronologie eines Wikipedia-Artikels hinausgehende Struktur. So kämpfte, wie das Tennis-Biopic „Battle of the Sexes“ (USA 2017) eindrucksvoll zeigt, die Tennisspielerin Billie Jean King in den frühen siebziger Jahren um höhere Preisgelder für Tennisspielerinnen. Ihre Preisgelder lagen deutlich unter denen der Männer. Dieser Kampf um gleiche Bezahlung zieht sich durch das gesamte Biopic und macht das überaus pointierte Biopic auch für Menschen, denen Tennis egal ist, sehenswert. In „That’s why the Lady is a Champ“ muss Christy Martin mehrere Kämpfe, beruflich und privat, durchfechten. Aber welches der wichtigste Kampf ist, bleibt lange diffus. Am Ende ist es der Kampf gegen ihren Trainer (der sie zuerst nicht trainieren wollte, weil Frauen nicht boxen können), der später ihr Ehemann und Buchhalter wird, ihr Geld verzockt und immer herrischer wird. Bis er sie umbringen will.
Ben Foster, unter der Maske kaum erkennbar, spielt Christys Mann Jim Martin betont unsympathisch.
Sydney Sweeney spielt Christy Martin mit einem festen Blick auf eine Oscar-Nominierung. Für die Rolle nahm sie einige Pfund zu, trug eine potthässliche Frisur und zog körperverhüllende Klamotten an. Sie tat alles, um im Film möglichst unattraktiv zu erscheinen. Gleichzeitig brüllt sie einen in jeder Sekunde des Biopics an, dass das ihre Oscar-Rolle ist und dass sie fortan nicht nur wegen ihres Aussehens, sondern auch als Schauspielerin wahrgenommen werden möchte.

That’s why the Lady is a Champ (Christy, USA 2025)
Regie: David Michôd
Drehbuch: Mirrah Foulkes, David Michôd (nach einer Geschichte von Katherine Fugate)
mit Sydney Sweeney, Ben Foster, Merritt Wever, Katy O’Brian, Ethan Embry, Jess Gabor, Chad Coleman, Bryan Hibbard, Tony Cavalero, Gilbert Cruz
Länge: 135 Minuten
FSK: ab 16 Jahre
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Hinweise
Homepage zum Film
Moviepilot über „That’s why the Lady is a Champ“
Metacritic über „That’s why the Lady is a Champ“
Rotten Tomatoes über „That’s why the Lady is a Champ“
Wikipedia über „That’s why the Lady is a Champ“ (deutsch, englisch) und Christy Martin
Veröffentlicht von AxelB