Neu im Kino/Filmkritik: „The Uprising – Für die Freiheit“, gegen den König

September 10, 2026

Entlang an den in Großbritannien wahrscheinlich allgemein bekannten Tatsachen über den legendären Bauernaufstand von 1381 erzählt Paul Greengrass in seinem neuen Film „The Uprising – Für die Freiheit“ diese Geschichte. Sie wird auch Wat-Tyler-Rebellion oder Großer Aufstand genannt.

Damals regierte der von dem Amt nachvollziehbar hoffnungslos überforderte, von Alpträumen geplagte vierzehnjährige König Richard II (Woody Norman) das Land. Letztendlich ist er ein Kind, gepflegt und beraten von seinem Hofstaat.

Die Pest hat das Land verwüstet. Der Krieg gegen Frankreich ist teuer. Zur Finanzierung des Staates werden die Steuern erhöht. Diese müssen letztendlich die Bauern bezahlen, die kein Geld mehr haben. Sie lehnen sich dagegen auf und ziehen Richtung London. Angeführt werden sie von Wat Tyler (Cosmo Jarvis) und dem Prediger John Ball (Jamie Bell).

Einer der nach London marschierenden Bauern ist Ploughman (Andrew Garfield). Er lebt in Essex, wird eher zufällig ein Teil des Aufstands und er ist der fiktive Protagonist der Geschichte; man kann „The Uprising“ auch so zusammenfassen, dass Greengrass in seinem Film nicht nur die Geschichte des Bauernaufstandes, sondern auch die Origin-Geschichte eines legendären und ikonischen Kämpfers erzählt.

Durch Ploughmans Augen zeichnet Greengrass, mit klassenkämpferisch-marxistischem Unterton, ein düsteres Bild der damaligen Zeit und Ereignisse. Auf ihrem Weg nach London marschieren die Bauern durch eine matschige Landschaft. Am Ziel geraten sie, unterbrochen von Verhandlungen mit dem sich als skrupellos erweisendem Richard II, in mehrere Kämpfe, die wahre Gemetzel sind. Da wird geköpft und Arme und Beine abgeschlagen. Greengrass inszeniert dies in seinem ersten wirklich in der Vergangenheit spielendem Film gewohnt quasi-dokumentarisch. Seine anderen Filme, wie „Bloody Sunday“, „Captain Phillips“ und mehrere „Bourne“-Filme, spielen in der Gegenwart oder jüngeren Vergangenheit. Ploughmans Geschichte spielt zwar im 14. Jahrhundert, aber sie ist absolut gegenwärtig inszeniert. Gleiches gilt für die illusionslose Darstellung der zeitlosen Machtspiele und, jedenfalls kurzfristig, die deprimierenden Erfolgsaussichten einer Rebellion.

„The Uprising – Für die Freiheit“ ist nicht Paul Greengrass‘ bester Film. Sehenswert ist er trotzdem. Und mitreisender als die kürzlich im Kino gezeigte, einige Jahre früher, ebenfalls in England spielende Heldendemontage „The Death of Robin Hood“.

The Uprising – Für die Freiheit (The Uprising, Großbritannien/Deutschland/USA 2026)

Regie: Paul Greengrass

Drehbuch: Paul Greengrass

mit Andrew Garfield, Jamie Bell, Cosmo Jarvis, Stephen Dillane, Tom Hollander, Thomasin McKenzie, Jonny Lee Miller, Woody Norman, Stanley Townsend, Katherine Waterston

Länge: 128 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „The Uprising – Für die Freiheit“

Moviepilot über „The Uprising – Für die Freiheit“

Metacritic über „The Uprising – Für die Freiheit“

Rotten Tomatoes über „The Uprising“

Wikipedia über „The Uprising“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul Greengrass’ “Captain Phillips” (Captain Phillips, USA 2013)

Meine Besprechung von Paul Greengrass‘ „Jason Bourne“ (Jason Bourne, USA 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: Über Alex Garland und Ray Mendozas Kriegsfilm „Warfare“

April 17, 2025

Für das Navy-SEAL-Team war der Einsatz am 19. November 2006 im Irak in Ramadi nur ein Routineeinsatz. Sie sollten in der Nacht in der Stadt ein Haus finden und von dort das Gelände beobachten.

Alex Garland und Ray Mendoza, einer der Soldaten, der bei dem Einsatz dabei war, schildern diesen Einsatz von den Sekunden bevor die Einheit das von ahnungslosen Irakern bewohnte Wohnhaus, das ihr Stützpunkt werden soll, besetzen und dem Moment, in dem die Soldaten das zerstörte Haus verlassen.

Der schief laufende Einsatz – die Einheit wird von Einheimischen entdeckt, angegriffen und belagert und muss Hilfe anfordern – wird von Garland und Mendoza chronologisch und minutiös geschildert. Dabei bleiben sie, bis auf einige Drohnen-Aufnahmen von dem Gebiet, immer in dem Wohnhaus und den wenigen Metern zwischen Haus und Straße.

Der aus dieser Begrenzung auf ein Ereignis, einen kurzen Zeitraum und einen Ort entstandene Kriegsfilm „Warfare“ überzeugt vor allem als formale und technische Übung. Und als Actionfilm.

Garland führt in „Warfare“ die Entkernung einer durchaus politischen Geschichte von ihren politischen Implikationen und Einrahmungen, die schon bei seinem vorherigen Film „Civil War“ hochproblematisch war, weiter fort. In „Civil War“ erzählte er von einem Krieg, in dem US-Amerikaner gegen US-Amerikaner kämpfen. Warum sie gegeneinander kämpfen, was die einzelnen Gruppen erreichen wollen und wie es zu dem Bürgerkrieg kam, ist egal. Es geht nur um eine Gruppe A die gegen eine Gruppe B kämpft. In „Warfare“ geht es nur noch um einen kleinen Einsatz. Über das Ziel des Einsatzes werden wir am Filmanfang in wenigen Worten informiert: die Navy SEALs sollen einen Spähposten errichten. Welche Bedeutung er innerhalb des Krieges hat, erfahren wir nicht. Über den Irak-Krieg erfahren wir in dem Film noch weniger. Ohne den Ortshinweis am Filmanfang wüssten wir noch nicht einmal, wo der Film spielt. Und wenn Alex Garland Ray Mendoza nicht am Set von „Civil War“ kennen gelernt und dieser nicht von diesem Einsatz erzählt hätte, hätte der Film genausogut an irgendeinem anderen Ort in irgendeinem anderen Krieg spielen können. Denn „Warfare“ interessiert sich nicht für den Kontext, in dem das Gefecht stattfand. Es ist auch kein Gefecht, das für den damaligen Krieg und die Planung künftiger Einsätze eine Bedeutung hatte.

Über die Soldaten, die um ihr Überleben kämpfen und sterben, erfahren wir nichts. Entsprechend egal ist uns ihr Leid und ihr Tod. Schließlich haben sie sich freiwillig verpflichtet. Anders ist das bei den Hausbewohnern und den beiden irakischen Übersetzern, die zum SEAL-Team gehören. Sie bleiben allerdings Randfiguren. Kanonenfutter, an das die US-Soldaten und der Film keine Gedanken verschwenden.

„Warfare“ ist genau der Actionfilm, den Garland und Mendoza machen wollten. Und damit eine gerade wegen seiner Beschränkung auf einen in jeder Beziehung unwichtigen Einsatz todlangweilige technische Übung im luftleeren Raum ohne irgendeinen Erkenntnisgewinn.

Am Ende dieses verfilmten Einsatzberichts bleibt nur die Bestätigung der schon vorher vorhandenen Meinung. Kriegsgegner sehen sich in ihrer Meinung bestätigt, dass Krieg schlimm und sinnlos ist. Soldaten sehen die Dokumentation eines Einsatzes, der ihre Tapferkeit im Kampf gegen einen unsichtbaren, überlegenen, sie aus dem Hinterhalt angreifenden Feind feiert. Andere Romane und Filme über den Krieg, wie Erich Maria Remarques „Im Westen nichts Neues“ (1929) oder Stanley Kubricks „Full Metal Jacket“ (1987), um nur zwei Klassiker zu nennen, waren da vor Jahrzehnten schon weiter.

Warfare (Warfare, USA/Großbritannien 2025)

Regie: Alex Garland, Ray Mendoza

Drehbuch: Alex Garland, Ray Mendoza

mit D’Pharaoh Woon-A-Tai, Charles Melton, Joseph Quinn, Cosmo Jarvis, Will Poulter, Evan Holtzman, Finn Bennett, Noah Centineo, Henrique Zaga, Taylor John Smith, Kit Connor, Michael Gandolfini, Adain Bradley

Länge: 95 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

Moviepilot über „Warfare“

Metacritic über „Warfare“

Rotten Tomatoes über „Warfare“

Wikipedia über „Warfare“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Alex Garlands „Ex Machina“ (Ex Machina, USA/Großbritannien 2014)

Meine Besprechung von Alex Garlands Jeff-VanderMeer-Verfilmung „Auslöschung“ (Annihilation, USA 2018)

Meine Besprechung von Alex Garlands „Men – Was dich sucht, wird dich finden“ (Men, Großbritannien 2022)

Meine Besprechung von Alex Garlands „Civil War“ (Civil War, USA 2024)