Vorbereitende Lektüre: Über Jörg Maurers verfilmten Kommissar-Jennerwein-Krimi „Hochsaison“

Oktober 12, 2026

Am 5. November startet im Kino die Verfilmung von Jörg Maurers zweitem Kommissar-Jennerwein-Kriminalroman. Bis dahin ist noch genug Zeit, um „Hochsaison“ zu lesen. Insgesamt veröffentlichte Maurer seit 2009 sechzehn Romane mit dem Ermittler. 2013 erhielt er den Radio-Bremen-Krimipreis. 2012 und 2013 den MIMI Krimi-Publikumspreis des Deutschen Buchhandels. Die Romane sind millionenfach verkaufte Bestseller.

Und jetzt verfilmte Hannu Salonen „Hochsaison“ mit Florian Brückner als Kommissar Jennerwein in der TV-üblichen Länge von ungefähr neunzig Minuten. Aber, möglicherweise angestachelt vom Erfolg der Eberhofer-Krimikomödien, spendierte RTL ihrer Produkten einen Kinostart. Die Filmkritik zu der sich ziemlich von der Buchvorlage entfernenden Verfilmung gibt es zum Kinostart. Jetzt gibt es die Buchkritik.

Während dem von sechsundzwanzigtausend Sportfans besuchtem Neujahrsspringen in einem Kurort in Bayern im Werdenfelser Land verletzt sich der Springer der dänischen Nationalmannschaft schwer. Weil der Unfall etwas seltsam war und ein Zeuge einen Schuss gehört haben will, beginnt Kommissar Hubertus Jennerwein zu ermitteln. Zuerst, nur wenige Buchseiten, Schnee. Schnell werden die ergebnislosen Ermittlungen eingestellt. Als drei Monate später in einem Gipfelbuch ein Bekennerschreiben entdeckt wird, werden sie wieder aufgenommen.

Während Jennerwein zwischen Lokalpolitikern, die ihren Ort als Austragungsort für Olympische Spiele ins Gespräch bringen wollen, Einheimischen und auswärtigen, teils prominenten Besuchern den Täter sucht, weiß der Leser schon von der ersten Seite an mehr.

Denn Jörg Maurer beginnt seinen Alpenkrimi mit einem Brief des in dem Moment noch zukünftigen Täters, der gegenüber der Polizei nebulös viele Verbrechen ankündigt und sie in seinen Bekennerschreiben mit vielen falschen Spuren an der Nase herumführt.

Ausgehend von dieser durchaus vielversprechenden Idee zeigt Maurer dann wenig Interesse an einer stringenten Entwicklung des Falls. Die Geschichte entwickelt sich, zwischen verschiedenen Handlungssträngen wechselnd, äußerst konfus und sprunghaft. Immer wieder poppen neue Figuren überraschend auf. Vieles, wie beispielsweise die Hintergründe zu dem Anschlag auf den Skispringer werden nebenbei und noch bevor Kommissar Jennerwein überhaupt etwas ahnt, verraten. Spannung will sich so nicht einstellen.

Den versprochenen Humor entdeckte ich ebenfalls nicht. Die gut lesbare Geschichte ist bestenfalls humoristisch gefärbt.

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Jörg Maurer: Hochsaison

Fischer Taschenbuch Verlag, 2010

400 Seiten

14 Euro

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Die Verfilmung

Kommisar Jennerwein – Hochsaison (Deutschland 2026)

Regie: Hannu Salonen

Drehbuch: Maximilian Brückner, Linus Herbig-Matten, Dinah Marte Golch

mit Florian Brückner, Sarah Thonig, Frederic Linkemann, Eva-Maria Reichert, Helmfried von Lüttichau, Florian Thongsap Welsch, Cornelius Obonya

Länge: 96 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Kinostart: 5. November 2026

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Hinweise

Homepage von Jörg Maurer

Fischer Verlag über Jörg Maurer

Krimi-Couch über Jörg Maurer

Wikipedia über Jörg Maurer und „Kommissar Jennerwein: Hochsaison“


DVD-Kritik: „Arctic Circle – Der unsichtbare Tod“ wütet in Lappland

April 3, 2020

In Lappland, an der finnisch-russischen Grenze, entdeckt die Polizistin Nina Kautsalo in einer einsamen Hütte eine übel zugerichtete russische Prostituierte. In der Hütte findet sie außerdem Frauenkleider in vier verschiedenen Größen. Aber es gibt keine Spur von den anderen Frauen. Bevor Kautsalo mit der Suche nach ihnen beginnen kann, erfährt sie, dass die von ihr entdeckte Russin die Trägerin eines tödlichen Virus ist, der durch eigentlich harmlose Herpes-Infektionen übertragen wird.

Der Virologe Thomas Lorenz vom Europäischen Zentrum für die Kontrolle von Krankheiten soll, zusammen mit der Polizei und ohne großes öffentliches Aufsehen, herausfinden, wie verbreitet der Virus in der Gemeinde ist und wo er herkommt. Denn zuerst trat er im Jemen bei Schwangeren auf.

Die zehnteilige Miniserie „Arctic Circle – Der unsichtbare Tod“ (die im ZDF in fünf neunzigminütigen Folgen gezeigt wurde) ist nicht, wie man Angesichts der Thematik erwarten könnte, die Serie zur Stunde. Nach einem flotten Anfang – es beginnt mit der Entdeckung der Prostituierten – plätschert die Geschichte gemütlich vor sich hin. Über viele Folgen passiert nichts für die Hauptgeschichte entscheidendes. Stattdessen werden Rätsel aufgetürmt. Was will der vermögende Mehrheitseigner einer Pharmafirma in Ivalo?Was ist unter dem geheimnisvollen Eingang, der irgendwo im verschneiten nirgendwo in einer Erdaufschüttung ist, zu finden? Anscheinend handelt es sich um ein auf keiner Karte verzeichnetes und auch den Einheimischen unbekanntes ‚Gebäude‘, das von den Nazis im Krieg für irgendetwas errichtet wurde. Was hat das mit dem Virus zu tun? Und wer ist der geheimnisvolle Mann, der in einem leerstehendem Zimmer mit Seeblick an Ringen trainiert? All diese und viele weitere Fragen, immerhin geht es auch um den kleinen illegalen Grenzhandel und Menschenschmuggel zwischen Russland und Finnland, vulgo der Europäischen Union, werden erst in den letzten Folgen, teils atemberaubend schnell, beantwortet.

Bis dahin gibt es die inzwischen üblichen familiären Subplots. So ist die Polizistin Kautsalo eine alleinerziehende Mutter einer Tochter mit Down-Syndrom, die gerade unbedingt ihren Vater sehen will. Sie hat eine vergnügungssüchtige Schwester, die ebenfalls Trägerin des Virus ist und überhaupt nicht daran denkt in der Quarantäne zu bleiben. Stattdessen geht sie auf Männerjagd. Der Virologe Lorenz ist gerade in einen Scheidungs- und Sorgerechtsstreit verwickelt, der natürlich nichts mit der Jagd nach dem Virus zu tun hat, ihn aber periodisch von der Arbeit ablenkt. In jedem Handlungsstrang gibt es unzählige unlogische Momente. So beginnen Kautsalo und Lorenz, mitten im Sorgerechtsstreit um seine Tochter Hanna, eine Beziehung und Hanna ruft ihn immer dann an, wenn ihre Mutter in Hörweite ist. Als ob die Dreizehnjährige ihren über alles geliebten Vater auf ihrem Handy nicht aus der Schule anrufen könnte. Der Hauptplot ist, so wie er erzählt und aufgelöste wird, nicht viel besser.

Dabei hätte die Idee und die Lösung durchaus das Potential für einen hübschen zweistündigen trashigen Thriller gehabt. Stattdessen wurde ein siebeneinhalbstündiger Nordic-Noir für anspruchslose Gemüter mit einem Faible für schlechte Dialoge gedreht. Immerhin mit schönen Bildern.

Der gebürtige Finne Hannu Salonen inszenierte vor allem für das deutsche Fernsehen TV-Filme, unter anderem für „Polizeiruf 110“, „Tatort“, „Rosa Roth“, „Commissario Laurenti“, „Ein Fall für zwei“, „Schuld“ und „Die Toten vom Bodensee“.

Die DVD hat kein Bonusmaterial.

Arctic Circle – Der unsichtbare Tod (Ivalo; Arctic Circle, Finnland/Deutschland 2018)

Regie: Hannu Salonen

Drehbuch: Joona Tena, Jón Atli Jónasson, Petja Peltomaa (nach einer Idee von Olli Haikka, Petja Pelomaa und Joona Tena)

mit Iina Kuustonen, Maximilian Brückner, Pihla Viitala, Janne Kataja, Susanna Haavisto, Taneli Mäkelä, Clemens Schick, Aleksandar Jovanovic

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DVD

EdelMotion

Bild: 16:9

Ton: Deutsch, mehrsprachige Originalfassung (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Englisch

Bonusmaterial: –

Länge: 429 Minuten (3 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre

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Hinweise

ZDF über „Arctic Circle“

Wikipedia über „Arctic Circle“