„Ihr Fall, Inspector Morse“ sagt Colin Dexter

Oktober 13, 2021

Nachdem der Unionsverlag alle dreizehn Inspector-Morse-Romane in überarbeiteten Übersetzungen neu veröffentlichte, schließt der Verlag seine verdienstvolle Colin-Dexter-Werkausgabe mit einer vollständigen Neuausgabe von „Ihr Fall, Inspector Morse“ ab. Denn in der ersten deutschen Ausgabe fehlte eine Kurzgeschichte. Nach der Veröffentlichung dieser Kurzgeschichtensammlung 1993 schrieb Dexter, hauptsächlich nach der Jahrtausendwende, noch sieben weitere Kurzgeschichten. Diese wurden bis jetzt nicht gesammelt in einem Buch veröffentlicht und sie wurden, soweit ich weiß, auch nicht übersetzt.

Wer also das gesamte Werk von Colin Dexter, dem Erfinder von Inspector Endeavour Morse und seinem Gehilfen Sergeant Robert Lewis, haben möchte, muss sich auf eine kleine Suchtour begeben. Und Englisch können.

Für die weniger eifrigen Komplettisten dürften die elf in „Ihr Fall, Inspector Morse“ gesammelten Kurzgeschichten reichen. Denn die Geschichten, sechs mit Inspector Morse, fünf ohne ihn, erreichen nie die Qualität seiner Romane. Teils wirken sie wie spontane Ideen oder Szenen, die es nicht in einen der Morse-Romane, geschafft haben. Teils wie Skizzen für einen Roman, die dann doch nicht weiter verfolgt wurden. Das gilt vor allem für die Geschichten, in denen Morse einen Mord aufklären muss. Die Schlußpointen sind vor allem deshalb überraschend, weil sie fast immer aus dem heiterem Oxford-Himmel kommen.

Sehr gelungen ist seine Sherlock-Holmes-Geschichte „Eine falsche Identität“. Sie liefert nämlich hintereinander mehrere überzeugende Erklärungen für das seltsame Verhalten eines potentiellen Bräutigams und zeigt damit, wie eine gute Rätselgeschichte funktioniert.

Ihr Fall, Inspector Morse“ ist vor allem ein Buch, für die Gesamtleser von Colin Dexter. Für sie ist der Sammelband ein schöner Abschluss. Neueinsteiger sollten dagegen mit einem von seinen Inspector-Morse-Kriminalromanen anfangen; – allerdings besser nicht mit seinem letzten, sondern mit irgendeinem früheren Fall.

Colin Dexter: Ihr Fall, Inspector Morse

(übersetzt von Peter Torberg, Almut Carstens, Christa Früh, Ute Tanner, Elfi Hartenstein, Elke Bahr, Karin Polz, Wolfram Hämmerling, Thomas Weidemann)

Unionsverlag, 2021

256 Seiten

12,95 Euro

Deutsche Erstausgabe

Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1995

Die Geschichte „So gut wie Gold“ wurde erstmals ins Deutsche übersetzt.

Originalausgabe

Morse’s Greatest Mystery and other Stories

Macmillan, London, 1993

Der letzte Inspector-Morse-Roman

Colin Dexter: Der letzte Tag

(übersetzt von Ute Tanner)

Unionsverlag, 2021

352 Seiten

13,95 Euro

Deutsche Erstausgabe

Und kurz ist unser Leben

Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2000

Originalausgabe

The Remorseful Day

Macmillan, London, 1999

Hinweise

Unionsverlag über Colin Dexter

Wikipedia über Colin Dexter (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Colin Dexter

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Staffel 6“

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Collector’s Box 1“

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Gesamt Box“

Meine Besprechung von „Inspector Morse: Staffel 1“

Meine Besprechung von Colin Dexters „Gott sei ihrer Seele gnädig“ (The Wench Is dead, 1989)

Mein Geburtstagsgruß an Colin Dexters

Meine Hinweis auf Colin Dexters „Das Geheimnis von Zimmer 3 – Ein Fall für Inspector Morse“ (The Secret of Annexe 3, 1986) (und weitere Weihnachtskrimis. Wer also schon jetzt ein Geschenk für Weihnachten sucht.)


Verbrechen, Straftaten und Morde, Morde, Morde an, zu, um und wegen Weihnachten – Ein unvollständiger Überblick über die diesjährige Saison an Weihnachtskrimis

Dezember 1, 2020

Während in den Buchhandlungen die Tische mit den Weihnachtsbüchern aufgestellt werden, ist Weihnachten für mich alten Weihnachtsignoraten jetzt größtenteils erledigt. Jedenfalls literarisch. Dafür habe ich „Rentier, Raubmord, Rauschgoldengel“ anders gelesen, als es von Herausgeberin Monika Beck geplant war. Das Buch enthält „24 Weihnachtskrimi von Heiligenhafen bis Zermatt“ und ist damit das literarische Äquivalent zu einem Adventskalender. Die Kurzkrimis sind von Regine Kölpin, Gert Anhalt, Till Raether, Andreas Gößling, Jan Jacobs, Judith Merchant, Dina El-Nawab/Markus Stromiedel, Thomas Kastura, Nicola Förg, Wolfgang Burger/Hilde Artmeier, Alexander Oetker, Stefan Haenni, Gisa Pauly, Romy Fölck, Christiane Franke/Cornelia Kuhnert, Katja Bohnet, Christian Kraus, Marc Hofmann, Hanni Münzer, Wolfram Fleischhauer, Iny Lorentz, Angela Svensson, Michaela Kastel und Susanne Mischke. Sie sind erfolgreiche deutsche Autoren, die, jedenfalls gehe ich von dieser Annahme aus, für diesen Sammelband im Frühjahr/Sommer eine Geschichten geschrieben haben. In einigen treten ihre bekannten Seriencharaktere auf. Zwei Geschichten – Gert Anhalts „Der King muss sterben“ mit einem Auftritt von Elvis Presley und Iny Lorentz‘ im Königreich Bayern spielende „Weihnachtslist“ – spielen in der Vergangenheit. Alle anderen spielen in einer unspezifischen Gegenwart, in der die Coronavirus-Pandemie egal ist. Die Pandemie wird nur einmal, in Nicola Förgs „Ein frostiger Boomerang“ in einem Halbsatz, erwähnt. Aber auch diese Geschichte könnte in jedem anderen Jahr spielen. Sowieso könnten fast alle Geschichten, manchmal mit kleinen Änderungen, irgendwann in den vergangenen Jahren und sogar Jahrzehnten spielen. Auch Weihnachten und die Weihnachtszeit sind oft nur ein beliebig austauschbarer, für die Handlung unwichtiger Hintergrund. Alexander Oetkers „Schneegestöber am Matterhorn“ ist hier die lesenswerte Ausnahme. Und selbstverständlich wird in den meisten Kurzgeschichten der in deutschen Krimi-Kurzgeschichten beliebte schwarzhumorig-schnurrige Ton gepflegt.

Insgesamt ist „Rentier, Raubmord, Rauschgoldengel“ eine seltsam von allen Zeitläufen entkoppelte Sammlung von wenig überraschenden Geschichten. Einige Ausnahmen, wie Dina El-Nawab/Markus Stromiedels „Tote halten keine Vorträge“, bestätigen diesen Eindruck.

Monika Beck (Hrsg.): Rentier, Raubmord, Rauschgoldengel – 24 Weihnachtskrimis von Heiligenhafen bis Zermatt

Knaur, 2020

416 Seiten

10,99 Euro

Neben Kurzgeschichten gibt es auch an Weihnachten spielende Kriminalromane. Diese spielen gerne in einem einsam gelegenem, von Schneebergen umgebenem Anwesen. Die Verwandtschaft versammelt sich, in herzlich abgrundtiefer Abneigung gegeneinander vereinigt, um das Kaminfeuer. Einer wird ermordet. Jeder hat ein Motiv. Keiner hat ein Alibi, das einer genaueren Überprüfung standhält. Und weil niemand in der Mordnacht zum Anwesen kommen und es wieder verlassen konnte, ist einer der Anwesenden der Mörder.

Diese immer noch sehr beliebte und sehr variable Formel benutzt Anne Meredith in ihrem Krimi „Das Geheimnis der Grays“. In dem 1933 im Original erschienenem Cozy versammelt sich am Heiligabend 1931 die Verwandtschaft im abgelegenem Landhaus King’s Poplars und einer von ihnen bringt in der Nacht das greise und geizige Familienoberhaupt um.

Für die aktuelle Ausgabe schrieb Martin Edwards, selbst erfolgreicher Krimiautor und Cozy-Fan, ein Nachwort und erwähnt dabei auch Dorothy L. Sayers Buchkritik mit ihrem Urteil: „Ein starkes, beeindruckendes Buch mit einer überzeugenden Zwangsläufigkeit des Handlungsablaufs, die dem Werk etwas wahrhaft Tragisches verleiht.“

Anne Meredith ist ein Pseudonym von Lucy Beatrice Malleson. Sie schrieb auch als Anthony Gilbert.

Anne Meredith: Das Geheimnis der Grays – Eine weihnachtliche Kriminalgeschichte

(übersetzt von Barbara Heller)

Klett-Cotta, 2020

304 Seiten

10 Euro

Originalausgabe

Portrait of a Murderer. A Christmas Crime Story

Victor Gollanz, London, 1933

Hinweise

Wikipedia über Anne Meredith (deutsch, englisch)

Auch „Das Geheimnis von Dower House“ folgt dieser Formel. In dem im Original 1936 erschienenem Kriminalroman erhält der legendäre Flieger Ferguson O’Brien mehrere Morddrohungen, nach denen er an Weihnachten sterben wird. Der Absender ist einer seiner Weihnachtsgäste und, auch wenn O’Brien die Drohungen nicht ganz ernst nimmt, bittet er Amateurdetektiv Nigel Strangeways um Hilfe. Noch während Strangeways mit den Weihnachtsgästen redet, wird O’Brien ermordet.

Der bekannteste Roman von Nicholas Blake ist, ebenfalls mit Nigel Strangeways, „Mein Verbrechen“ (The Beast must die, 1938). Claude Chabrol verfilmte das Buch als „Das Biest muss sterben“ (Que la bête meure, Frankreich 1969).

Nicholas Blake: Das Geheimnis von Dower House – Eine weihnachtliche Kriminalgeschichte

(übersetzt von Jobst-Christian Rojahn)

Klett-Cotta, 2020

336 Seiten

15 Euro

Originalausgabe

Thou Shell of Death

Collins Crime Club, Glasgow, 1936

Diese Übersetzung erschien bereits 1996 im Diogenes Verlag als „Eine vertrackte Geschichte“.

Hinweise

Wikipedia über Nicholas Blake (deutsch, englisch)

Kaum ist der Weihnachtsbraten verzehrt, wird Inspector Morse zu einem Mord gerufen. Im Zimmer 3 des noblen Haworth Hotels wird eine Leiche gefunden. Der Tote gehörte zu den Gästen, die ein dreitägiges Pauschalangebot mit Rundführung durch Oxford und Kostümball gebucht haben.

Mit dem Mord ist die Stimmung ruiniert und Inspector Morse darf den Januar mit einer Mordermittlung beginnen. Wie immer begleitet von Sergeant Lewis.

Das Geheimnis von Zimmer 3“ ist ein weiterer gelungener Rätselkrimi von Colin Dexter.

Colin Dexter: Das Geheimnis von Zimmer 3 – Ein Fall für Inspector Morse

(übersetzt von Marie S. Hammer)

Unionsverlag, 2020

272 Seiten

12,95 Euro

Originalausgabe

The Secret of Annexe 3

Macmillan, London, 1986

Deutsche Erstausgabe

Hüte dich vor Maskeraden

Rowohlt Taschenbuch Verlag, 1988

Hinweise

Unionsverlag über Colin Dexter

Wikipedia über Colin Dexter (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Colin Dexter

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Staffel 6“

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Collector’s Box 1“

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Gesamt Box“

Meine Besprechung von „Inspector Morse: Staffel 1“

Meine Besprechung von Colin Dexters „Gott sei ihrer Seele gnädig“ (The Wench Is dead, 1989)

Mein Geburtstagsgruß an Colin Dexters

Das war’s mit den Geheimnissen im Buchtitel. Fortan gibt es weihnachtliche Geheimnisse nur noch zwischen den Buchtiteln.

Wobei Denis Mina, die Queen of Tartan Noir, in ihrem ’neuesten‘ Alex-Morrow-Krimi auch gleich die ganze Cozy-Heimeligkeit links liegen lässt. Kurz vor Weihnachten spaziert ein Maskierter mit einer AK-47 in eine Glasgower Postfiliale und richtet, als ein älterer Mann gegen seine Anweisungen verstößt, ein Massaker an. Und das ist nicht der einzige Fall, mit dem Morrow, die nach der Geburt von Zwillingen wieder im Dienst ist, sich herumschlagen muss, während die Glocken nie süßer klingen.

Mit der Übersetzung von „Götter und Tiere“, dem dritten von fünf Alex-Morrow-Krimis, liegen Minas Morrow-Krimis jetzt komplett auf Deutsch vor.

Der Verlag nennt den Krimi „einen rasanten, harten und philosophischen Noir“. Aktuell steht er auf dem ersten Platz der monatlichen Krimibestenliste. Viel wichtiger ist allerdings, dass „Götter und Tiere“ 2013 den renommierten Theakstons Old Peculier Crime Novel of the Year Award gewann.

Denise Mina: Götter und Tiere

(übersetzt von Karen Gerwig)

Ariadne, 2020

352 Seiten

21 Euro

Originalausgabe

Gods and Beasts

Orion, 2012

Hinweise

Homepage von Denise Mina

Wikipedia über Denise Mina (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Denise Mina (Autor)/Leonardo Manco/Andrea Mutti (Zeichner) „Stieg Larsson – Millennium: Verblendung – Band 1“ (The Girl with the Dragoon Tattoo – Book One, 2012 )

Meine Besprechung von Denise Mina/Leanordo Manco/Andrea Muttis „Stieg Larsson- Millennium: Verblendung – Band 2“ (The Girl with the Dragoon Tattoo – Book Two, 2013)

Meine Besprechung von Denise Mina/Leonardo Manco/Andrea Mutti/Antonio Fusos „Stieg Larsson Millenium: Verdamnis – Band 1″ (The Girl who played with Fire, 2014)

Etwas cozy wird es wieder in Lucy Foleys Thriller „Neuschnee“.

Neun Freunde treffen sich um den Jahreswechsel in den schottischen Highlands in einer einsamen Berghütte, um dort zu tun, was Freunde halt so tun. Heftiger Schneefall schneidet sie von der Außenwelt ab. Ein Serienmörder (so etwas gab es zu Agatha Christies Zeiten noch nicht) macht die Gegend unsicher.

Als einer aus der neunköpfigen Feiergruppe vor dem Haus ermordet wird, fragen die Überlebenden sich, ob der Serienmörder sie belagert oder ob einer ihrer Freunde der Mörder ist.

Lucy Foley: Neuschnee

(übersetzt von Ivana Marinovic)

Penguin Verlag, 2020

432 Seiten

15 Euro

Originalausgabe

The Hunting Party

HarperCollins, London, 2018

Schon etwas älter, aber nicht uninteressant sind „Jul-Morde“ und „Eine Leiche zum Advent“.

Jul-Morde – Skandinavische Weihnachtskrimis“ ist etwas für die Freunde des Mordens im Norden. Die Geschichten sind von Åke Edwardson, Johan Theorin, Leena Lehtolainen, Mons Kallentoft, Thomas Enger, Kristina Ohlsson, Hans Koppel, Arne Dahl, Viveca Sten, Olle Lönnaeus, Kari F. Brænne, Robert Kviby und Michael Hjorth & Hans Rosenfeldt. Bis auf drei Geschichten handelt es sich um Originalbeiträge.

Das dürfte für die Fans skandinavischer Kriminalgeschichten als Empfehlung ausreichen.

Sibylle Klöcker (Hrsg.): Jul-Morde – Skandinavische Weihnachtskrimis

(übersetzt von: Anne Helene Bubenzer, Antje Rieck-Blankenburg, Günther Frauenlob, Angelika Kutsch, Ursel Allenstein, Christel Hildebrandt, Holger Wolandt, Lotta Rüegger, Gabriele Schrey-Vasara, Sibylle Klöcker, Susanne Dahmann, Dagmar Lendt, Kerstin Schöps, Maike Dörries)

rororo, 2014

272 Seiten

9,99 Euro

Erstausgabe 2013 bei Wunderlich.

Und dann gibt es noch den von Otto Penzler herausgegebene und hier schon mehrmals empfohlenen Sammelband „Eine Leiche zum Advent“. Mit 708 eng bedruckten Seiten ist das genug Stoff für einige mörderisch lange Abende. Trotzdem hat der Lübbe-Verlag es geschafft, den großen Sammelband (fester Einband, 19 x 5 x 23,4 cm, also so in Richtung Bildband gehend) so zu drucken, dass er angenehm leicht in der Hand liegt. Damit eignet er sich nicht als Schlagwaffe (diese Verwendung schlägt der Klappentexter, wahrscheinlich ein echter Scrooge, vor). Otto Penzler schlägt in seinem Vorwort vor, die Geschichten im trauten Kreis von Freunden und Verwandten vorzulesen. „Und falls irgendjemand diese nette, altmodische Aktivität nicht zu schätzen weiß…Nun, Sie können ihn immer noch umbringen.“

Über die Geschichten sagt Penzler: „viele Geschichten in dieser Anthologie [sind] nicht so einfach zu bekommen. Manche sind sogar nicht mehr erhältlich oder auch nur irgendwie auffindbar.“ Und was für die USA gilt, gilt für Deutschland noch mehr.

Für den Sammelband „Eine Leiche zum Advent“ suchte Penzler 49 Geschichten aus (im Original 59; der Verlust einiger Geschichten, u. a. von Agatha Christie, liegt wohl an der Rechtesituation), die er thematisch sortierte. Unter anderem in „Traditionelle Weihnachten“, „Lustige Weihnachten“, „Ein Sherlockianisches Weihnachten“, „Unheimliche Weihnachten“ „Moderne Weihnachten“ und „Klassische Weihnachten“. Es sind teils bekannte, teils ziemlich unbekannte Geschichten von, in der Reihenfolge ihres Auftretens, Peter Lovesey, Ellery Queen, Colin Dexter, Donald E. Westlake, Thomas Hardy, Edward D. Hoch, Arthur Conan Doyle, John D. MacDonald, Andrew Klavan, Max Allan Collins, Peter Robinson, Ed McBain, John Lutz, Sara Paretsky, Mary Higgins Clark, Isaac Asimov, Ed Gorman, G. K. Chesteron, Rex Stout, H. R. F. Keating, Robert Louis Stevenson, O. Henry, Edgar Wallace, undsoweiter. Teilweise mit vertraut-beliebten Charakteren, wie Sherlock Holmes, Father Brown und Nero Wolfe.

Allein schon die Namen verraten Krimifans, dass Krimikenner Penzler eine schöne, undogmatische Auswahl zwischen Tradition und Moderne zusammenstellte. Zu jeder Geschichte verfasste er, wie bei seinen anderen Anthologien, eine kurze Einführung über den Autor und sein Werk.

Da werden auch „die Mürrischsten – jene, die behaupten, sie könnten es gar nicht erwarten, dass die Feiertage vorbei sind“ (Penzler), um eine kleine Verlängerung der Weihnachtstage bitten. Immerhin müssen über siebenhundert, zweispaltig bedruckte Seiten (also viel Lesestoff) durchgearbeitet werden.

Otto Penzler (Herausgeber): Eine Leiche zum Advent – Das große Buch der Weihnachtskrimis

(übersetzt von Stefan Bauer, Winfried Czech, Axel Franken, Stefanie Heinen, Daniela Jarzynka, Helmut W. Pesch, Barbara Röhl, Anna-Lena Römisch, Thomas Schichtel, Dietmar Schmidt und Rainer Schumacher)

Lübbe, 2016

708 Seiten

12 Euro

Originalausgabe

The Big Book of Chistmas Mysteries

Vintage Books, 2013

Und was lernen wir aus all diesen Weihnachtsmorden? Erstens: Weihnachten ist mörderisch. Zweitens: vielleicht besser eine Kreuzfahrt unternehmen…

… „Passagier 23“ von Sebastian Fitzek!…


Cover der Woche

November 24, 2020


Cover der Woche

Oktober 6, 2020


Cover der Woche

September 29, 2020


Alles Gute zum Geburtstag, Colin Dexter

September 29, 2020

Die Legende geht so: In den frühen siebziger Jahren verbringt Colin Dexter einen Familienurlaub in Wales. Es regnet ununterbrochen. Er schreibt zwei Kriminalgeschichten, die ihn nicht überzeugen. Er meint, er könne es besser. Er schreibt „Der letzte Bus nach Woodstock“ (Last Bus to Woodstock) mit Inspector Morse als Ermittler. Der Roman wird 1975 veröffentlicht und ist ein Erfolg.

Bis zu seinem Tod schreibt Colin Dexter (29. September 1930 in Stamford, England – 21. März 2017 in Oxford, England) zwölf weitere Morse-Kriminalromane und einige Kurzgeschichten. Einige mit, einige ohne Inspector Morse.

Der von Dexter erfundene Inspector Endeavour Morse ist einer der großen Ermittler der Kriminalliteratur. Sein Vorname wird erst in „ Der Tod ist mein Nachbar“ (Death is now my Neighbor, 1997) enthüllt. Bis dahin ist sein Vorname wahlweise ‚Inspector‘ oder ‚Morse‘. Bei Morse fällt vor allem seine Normalität auf. Morse ist angenehm unbelastet von privaten und psychischen Problemen. Er hat kein nennenswertes, die Ermittlungen störendes Privatleben. Er ist überzeugter Single. Er liebt Kreuzworträtsel, klassische Musik, ist gebildet und ein leidenschaftlicher Biertrinker. Das sind letztendlich nette Marotten, die beim Leser schnell ein Gefühl von Vertrautheit vermitteln und nicht weiter von dem Rätselplot ablenken. Denn die Morse-Krimis sind traditionsbewusste Rätselkrimis, die wohlige Erinnerungen an die Vergangenheit heraufbeschwören als es noch kein Internet, keine Mobiltelefone, keine DNA-Analyse und keine Videokameras an jeder Ecke gab.

So geht es in seinem jüngst vom Unionsverlag wiederveröffentlichen Morse-Krimis „Der Weg durch Wytham Woods“ (The Way through the Woods, 1992) um eine vor einem Jahr spurlos verschwundene schwedische Studentin. Während der Ermittlungen stößt Morse auf eine Gruppe von Männern, die in ihrer Freizeit gerne freizügige Aufnahmen von jungen Frauen machen und, wenn die Dame aufgeschlossen ist, auch einen Schritt weitergehen.

Dieser Sexkreis erinnert dann doch weniger an die frühen neunziger Jahre, in denen der Roman spielt, sondern an die siebziger Jahre, als die sexuelle Befreiung auch auf dem Land praktiziert wurde und die Kinos mit erotischen Filmen und Pornos überschwemmt wurden „Deep Throat“ wurde sogar zu einem Must-see-Film.

Das, vor allem die Heimlichtuerei und die Schuldgefühle der Männer, wirkte vor knapp dreißig Jahren vielleicht etwas altmodisch. Heute, wo wir den direkten Vergleich zu den damaligen Bestellern (wie „Das Schweigen der Lämmer“ und dem ganzen Serienkillergedöns), nicht mehr haben, liest sich auch dieser Morse-Krimi angenehm nostalgisch. Er ist, wie die anderen Morse-Krimis, gut geschrieben, gut geplottet und mit einem vertrackten Rätsel im Mittelpunkt. Auch wenn man in „Der Weg durch Wytham Woods“ die Zusammenhänge rasch erahnt.

Heute zählt der Roman zu den besten Morse-Krimis. Unter anderem in der „Good Reading Guide to Crime Fiction“ und der „The Rough Guide to Crime Fiction“ wird er als bester Morse-Krimi genannt. Er wurde von der CWA mit dem „Gold Dagger“ ausgezeichnet. In der „Rough Guide to Crime Fiction“ wird außerdem John Maddens Verfilmung für die „Inspector Morse“-TV-Serie gelobt.

Dexters Romane waren in England die Grundlage für die dort sehr erfolgreiche Krimiserie „Inspektor Morse, Mordkommission Oxford“ (Inspector Morse). John Thaw spielte Morse. Regisseure waren Peter Hammond, Jack Gold, John Madden, Danny Boyle und Antonia Bird. Anthony Minghella gehörte zu den Drehbuchautoren. Die Serie entstand von 1987 bis 2000. In Deutschland ist sie fast unbekannt.

Später entstanden die Spin-Offs „Lewis – Der Oxford-Krimi“ (mit dem aus der „Inspektor Morse“-Serie vertrauten Kevin Whately als Lewis) und „Der junge Inspektor Morse“ (gespielt von Shaun Evans).Und Colin Dexter hatte auch in ihnen zahlreiche Cameo-Auftritte.

Alles Gute zum Geburtstag, Colin Dexter! (wenn auch posthum, aber dafür vom Herzen kommend)

Zuletzt erschienen in der Neuausgabe des Unionsverlags, für die Eva Berié die alten Übersetzungen überarbeitet:

Colin Dexter: Der Wolvercote-Dorn

(übersetzt von Ute Tanner)

Unionsverlag, 2020

288 Seiten

12,95 Euro

Originalausgabe

The Jewel that was ours

Macmillan, London 1991

Deutsche Erstausgabe

Tod für Don Juan

Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek, 1992

Colin Dexter: Der Weg durch Wytham Woods

(übersetzt von Karin Pelz)

Unionsverlag, 2020

352 Seiten

12,95 Euro

Originalausgabe

The Way through the Woods

Macmillan, London 1992

Deutsche Erstausgabe

Finstere Gründe

Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek 1992

Die Inspector-Morse-Romane

Last Bus to Woodstock, 1975 (Der letzte Bus nach Woodstock)

Last seen wearing, 1976 (… wurde sie zuletzt gesehen; Zuletzt gesehen in Kidlington)

The silent World of Nicholas Quinn, 1977 (Die schweigende Welt des Nicholas Quinn)

Service of Aal the Dead, 1979 (Eine Messe für all die Toten)

The Dead of Jericho, 1981 (Die Toten von Jericho)

The Riddle of the Third Mile, 1983 (Das Rätsel der dritten Meile)

The Secret of Annexe 3, 1986 (Hüte dich vor Maskeraden; Das Geheimnis von Zimmer 3)

The Wench is dead, 1989 (Mord am Oxford-Kanal; Gott sei ihrer Seele gnädig)

The Jewel that was ours, 1991 ( Tod für Don Juan; Der Wolvercote-Dorn)

The Way through the Woods, 1992 (Finstere Gründe; Der Weg durch Wytham Woods)

The Daughter of Cain, 1994 (Die Leiche am Fluss; Die Töchter von Kain – Neuausgabe für Februar 2021 angekündigt)

Death is now my Neighbour,1996 (Der Tod ist mein Nachbar – Neuausgabe für Februar 2021 angekündigt)

The remorseful Day, 1999 (Und kurz ist unser Leben; Der letzte Tag – Neuausgabe für Juli 2021 angekündigt)

zusätzlich und um die Liste komplett zu machen, erscheint im Juli 2021 im Unionsverlag

Ihr Fall, Inspector Morse (6 Kurzgeschichten – angekündigt für Juli 2021)

Hinweise

Unionsverlag über Colin Dexter

Wikipedia über Colin Dexter (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Colin Dexter

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Staffel 6“

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Collector’s Box 1“

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Gesamt Box“

Meine Besprechung von „Inspector Morse: Staffel 1“

Meine Besprechung von Colin Dexters „Gott sei ihrer Seele gnädig“ (The Wench Is dead, 1989)


Alter Scheiß? Colin Dexter: Gott sei ihrer Seele gnädig

August 2, 2020

Inspector Morse – – – ist bei uns wohl am bekanntesten aus zwei Spin-off-TV-Serien. Die eine heißt „Lewis – Der Oxford Krimi“. In ihr ermittelt DI Robert „Robbie“ Lewis in Oxford. Davor war er der Assistent von Inspector Morse. Die andere ist „Der junge Inspektor Morse“ und sie erzählt von Fällen, die Morse als junger Polizist in den sechziger Jahren in Oxford aufklärte. Der Ursprung für beide Serien ist die bei uns fast unbekannte Serie „Inspektor Morse“. Diese Serie basiert auf dem von Colin Dexter erfundenem Ermittler, der vor seinem TV-Leben in einigen hochgelobten Kriminalromanen Verbrecher jagte.

Sein erster literarischer Auftritt war 1975 in „Der letzte Bus nach Woodstock“ (Last Bus to Woodstock, 1975).

Einige Jahre später schrieben die Krimikritiker Rudi Kost und Thomas Klingenmaier in „Steckbriefe“ über Colin Dexter und Inspector Morse: „Es gibt ihn noch, den guten alten englischen Krimi, mit all seinen Tugenden: Gepflegter Stil, sophisticated bis ironisch, schrullige Figuren, jede Menge falscher Fährten, die Verrätselung bis zum verblüffenden Schluss. Colin Dexter bedient sich ungeniert in der Trickkiste, mit der Selbstsicherheit eines Autors, der sich der Tradition, der Spielregeln, bewusst ist, aber auch der gutgeölten Mechanismen, die eine Geschichte am Laufen halten und der deswegen mit ihnen augenzwinkernd spielen kann. Seine Bücher sind mit einem Wort zu kennzeichnen: gepflegt. Colin Dexter nimmt eine bekannte Formel auf, misst sie an modernen kriminalistischen und psychologischen Erkenntnissen und passt sie sodann geschmeidig an.“

Der von Colin Dexter erfundene Inspector Endeavour Morse ist, wie es sich für einen traditionellen Rätselkrimi gehört, ein von privaten und psychischen Problemen angenehm unbelasteter Ermittler. Er hat kein Privatleben, das die Ermittlung stört und den Roman um Dutzende, wenn nicht sogar hunderte Seiten verlängert. Er lebt allein. Hat keine Beziehung. Hört gern klassische Musik. Liest gerne. Löst leidenschaftlich Kreuzworträtsel. Das alles ist nicht so wahnsinnig interessant, macht ihn aber in seiner Gewöhnlichkeit sehr sympathisch. Vor allem ist er ein schlauer Ermittler.

Gott sei ihrer Seele gnädig“ ist der achte Morse-Roman. Er erhielt den „Gold Dagger“ und ist wahrscheinlich der ungewöhnlichste Morse-Roman.

Morse wird mit einem Magengeschwür und -blutungen ins Krankenhaus eingeliefert und sofort notoperiert. Sein jahrelanger übermäßiger Alkohol- und Nikotinkonsum, gepaart mit einem Hang zur körperlichen Bewegungslosigkeit, forderten ihren Tribut. Im Krankenbett liest er, zwischen den Kontrollbesuchen von Ärzten und Schwestern, einem Bericht über einen historischen Mordfall. Bei der Beschreibung des Tathergangs fallen ihm einige Unstimmigkeiten auf. Daher vermutet er, dass 1859 die falschen Männer für den Mord an Joanne Franks gehenkt wurden. Also beginnt er vom Krankenbett aus, unterstützt von einigen ihm bei der Beschaffung historischer Dokumente helfenden Hände, den Täter zu suchen. Denn Mord verjährt nicht.

Und, da verrate ich jetzt kein Geheimnis, er kann den Fall lösen.

Dabei war für Morse diese Ermittlung zunächst nur eine Ablenkung vom Klinikalltag mit seinen Regeln, die ihn dazu zwingen, bestimmte feste (ein Schundroman mit eindeutigem Cover) und flüssige Gegenstände (etwas Alkohol) vor neugierigen Augen zu verbergen. In diesen Momenten liefert Colin Dexter eine wunderschön süffige des damals (der Roman erschien 1989) wohl schon etwas der Vergangenheit angehörenden drakonischen Krankenhausalltags mit festen Besuchszeiten, Peinlichkeiten bei der Lektüre der falschen Literatur, strengen Schwestern und Ärzten, die Aufgrund der medizinischen Werte sofort den Alkoholkonsum des Patienten treffend einschätzen. Bei dem Aufnahmegespräch gab Morse selbstverständlich zu geringe Mengen an.

Gott sei ihrer Seele gnädig“ ist auch die Geschichte eines alten Mannes, der noch einige neue Dinge entdeckt. Inzwischen sind diese Second Chances-Geschichten ja ein etabliertes Genre, in dem Sechzigjährige (oder noch ältere) es noch einmal wissen wollen oder die wirklich große Liebe entdecken.

Außerdem: welche unsportliche Leseratte wäre nicht gern wie der alleinstehende, übergewichtige Inspector Morse, dem auf dem Krankenbett fast alle Frauenherzen zufliegen?

Colin Dexter erzählt dies alles mit süffigem Humor. Er weiß, welche Klischees er bedient. Er tut dies mit spürbarer Wonne. Und der Fall ist gut geplottet.

Gott sei ihrer Seele gnädig“ bewegt sich, wie seine anderen Romane, im Feld des traditionellen Rätselkrimis, der heute in dieser Form kaum noch gepflegt wird. Einerseits, weil zwei-/dreihundertseitige Bücher zugunsten dickerer Bücher aus der Mode gekommen sind. Andererseits – und das ist der wichtigere Grund -, ist es verdammt schwierig, einen guten Rätselplot mit überzeugenden falschen Fährten und einer ebenso logischen, wie überraschenden Auflösung zu erfinden.

In Deutschland erschienen die Morse-Krimis zuerst im Rowohlt-Verlag und seit zwei Jahren im Unionsverlag. Diese überarbeiteten Neuauflagen machen die Krimis so einer neuen Leserschaft zugänglich.

Und „Gott sei ihrer Seele gnädig“ ist ein guter Einstieg in die Morse-Welt. Denn, auch das ist etwas aus der Mode gekommen, die Morse-Romane können in jeder beliebigen Reihenfolge gelesen werden.

Colin Dexter: Gott sei ihrer Seele gnädig – Ein Fall für Inspector Morse

(übersetzt von Christiane Friederike Bamberg, durchgesehen von Eva Berié)

Unionsverlag, Zürich, 2020

208 Seiten

12,95 Euro

Originalausgabe

The Wench is dead

Macmillan, London, 1989

Deutsche Erstausgabe

Mord am Oxford-Kanal

Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek, 1990

Ebenfalls wieder neu erschienen

Colin Dexter: Das Geheimnis von Zimmer 3 – Ein Fall für Inspector Morse

(übersetzt von Marie S. Hammer, durchgesehen von Eva Berié)

Unionsverlag, Zürich, 2020

272 Seiten

12,95 Euro

Originalausgabe

The Secret of Annexe 3

Macmillan, London, 1986

Deutsche Erstausgabe

Hüte dich vor Maskeraden

Rowohlt Taschenbuch Verlag, Reinbek, 1988

Hinweise

Unionsverlag über Colin Dexter

Wikipedia über Colin Dexter (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Colin Dexter

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Staffel 6“

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Collector’s Box 1“

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Gesamt Box“

Meine Besprechung von „Inspector Morse: Staffel 1“

Meine


Boxenstop: „Lewis – Der Oxford Krimi“, einmal bitte alles, mit Beigaben

Juli 9, 2018

Seine Sporen verdiente Robert Lewis (Kevin Whately) sich als Gehilfe von Inspector Endeavor Morse. Als John Thaw („Die Füchse“ [The Sweeney]) genug von seiner Rolle als Morse hatte, aber die Zuschauer immer noch neugierig auf Morde in Oxford waren, bekam Lewis seine eigene TV-Serie. Von 2006 bis 2015 ermittelte er in 33 spielfilmlangen Filmen in Oxford. Zusammen mit Detective Sergeant James Hathaway (Laurence Fox) löste er Mordfälle auf die gemütliche Art, die auch ein nostalgisches Bild von England zeichnen. Oxford ist halt nicht der verkommene, von psychisch kaputten Ermittlern bevölkerte Moloch London, sondern eine uralte Universitätsstadt, in der auch bei einem Mord auf gutes Benehmen geachtet wird. Außerdem gibt es noch Morses ewig gültigen Ratschlag: „There’s always time for one more pint.“

Mit dem Erreichen der Pensionsgrenze quittierte der 1951 geborene Kevin Whately den Dienst in dem Revier, das ihn die meiste Zeit seines Schauspielerlebens mit Arbeit, Mord und Totschlag versorgte. Immerhin lief „Inspector Morse“ von 1987 bis 2000 und „Lewis“ von 2006 bis 2015.

Jetzt, nachdem alle Lewis-Krimis auch im deutschen Fernsehen im ZDF und ZDFneo gezeigt wurde, hat edel: motion die „Lewis“-Krimis in einer Gesamtbox veröffentlicht. Aktuell ist diese als limitierte Sonderedition bei Amazon erhältlich. Ab Oktober soll sie auch im normalen Handel erhältlich sein.

In der Sonderedition sind alle 33 „Lewis“-Fälle auf 20 DVD, eine Bonus-DVD mit jeweils der ersten Episode von „Inspector Morse“ und „Der junge Inspektor Morse“ (ein weiteres Spin-Off von „Inspector Morse“, ebenfalls unter freundlicher Begleitung von Morse-Erfinder Colin Dexter) (diese DVD können wir locker als Werbung abtun), dem Soundtrack zur Serie, das „Making-of der Serie“ und ein umfangreiches Booklet mit Infos zur Serie, den Hauptdarstellern und dem Serienschöpfer Colin Dexter enthalten.

Das alles könnte auch bei späteren Veröffentlichungen der Gesamtbox dabei sein. Die Fan-Extras der Sonderedition – ein Lewis Pint-Glas, ein Untersetzer mit Flaschenöffner, eine Landkarte von Oxford mit den Oxford Pubs als Puzzle, zwei Lewis-Kühlschrankmagnet und ein Lewis-Schlüsselanhänger – eher nicht.

So richtig billig ist die Gesamtbox mit über 150 Euro nicht, aber wozu gibt es Eltern (oder Kinder) und Geburtstage?

Lewis – Der Oxford Krimi: Gesamt Box

edel: motion

Bild: 16:9

Ton: Deutsch, englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: ?

Bonusmaterial: vorhanden, siehe oben

Länge: 2982 Minuten (+ 241 Minuten Bonusmaterial)

FSK: ab 12 Jahre

Bonushinweis

Wie gesagt: „Lewis“ ist das Spin-off von „Inspector Morse“, einer auf der Insel sehr erfolgreichen, auf dem Festland sehr unbekannten TV-Serie, die auf den mehrfach ausgezeichneten Romanen von Colin Dexter (1930 – 2017) basiert. Die erschienen auf Deutsch bei rororo und wenn ich einen Blick auf die Preise werfe, die bei Amazon von verschiedenen Anbietern für die Krimis verlangt werden (z. B. ist „Der letzte Bus nach Woodstock“ für 60 und 86 Euro, plus Versandkosten, im Angebot), ist die jetzt im Unionsverlag startende Neuauflage ein No-Brainer. Denn irgendwo da draußen scheint es eine Nachfrage nach guten Rätselkrimis zu geben.

Mitte Juli erscheinen „Eine Messe für all die Toten“ und „Zuletzt gesehen in Kidlington“ für jeweils 12,95 Euro.

Damit bringt der Unionsverlag, nach Michael Dibdin (die in Italien spielenden Aurelio-Zen-Romane) und James McClure (die in Südafrika spielenden Kramer-und-Zondi-Krimis), einen weiteren legendären Krimiautor zurück in unsere Buchhandlungen.

Hinweise

ITV über „Lewis“

ZDF über „Lewis“

Wikipedia über „Lewis“ (deutsch, englisch).  Inspector Morse und „Inspector Morse“ (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Colin Dexter

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Staffel 6“

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Collector’s Box 1“

Meine Besprechung von „Inspector Morse: Staffel 1“


DVD-Kritik: Die erste Collector’s Box von „Lewis – Der Oxford Krimi“ mit „Inspector Morse“-Bonus

September 30, 2014

Emsige DVD-Käufer kennen das Spiel: zuerst gibt es die Staffelboxen. Dann eine Mehrstaffelbox; jedenfalls wenn man sich schon die Einzelboxen besorgt hat. Und irgendwann eine Komplettbox. Oft, siehe „Dexter“ und „The Walking Dead“, in verschiedenen Ausgaben. Auch bei „Lewis – Der Oxford Krimi“, die ein Spin-off von „Inspector Morse“ ist, wurden jetzt in der ersten Collector’s Box die ersten drei Staffelboxen und, als Bonusfilm, der erste „Inspector Morse“-Film veröffentlicht. Weil man nur die bereits erschienen DVD-Boxen zusammenpackte, spart diese Collector’s Box (jedenfalls die Ausgabe, die ich habe), im Gegensatz zu den schlanken „Inspector Barnaby“-Boxen, keinen Regalplatz.
In der Box sind die ersten zwölf spielfilmlangen „Lewis“-Krimis enthalten:
Der Schlüssel zum Mord (Pilot, GB 2006)
Dämonen der Vergangenheit (Whom the God’s would destroy, GB 2007)
Das Mordkomplott (Old School Ties, GB 2007)
Späte Sühne (Expiation GB 2007)
Partitur des Todes oder Deckname Siegfried (Music to die for, GB 2008)
Der Kuss des Mondes (And the Moonbeams kiss the Sea, GB 2008)
Wer mit dem Feuer spielt (Life Born of Fire, GB 2008)
Mord in bester Gesellschaft (The Great and the Good, GB 2008)
Von Musen und Morden (Allegory of Love, GB 2009)
Mörder in eigener Sache (The Quality of Mercy, GB 2009)
Eine Frage der Perspektive (The Point of Vanishing, GB 2009)
Ein letzter Blues (Counter Culture Blues, GB 2009)
In der Pilotfolge „Der Schlüssel zum Mord“ kehrt Inspector Robert Lewis (Kevin Whately) nach einem längeren Auslandsaufenthalt nach Oxford zurück und er stürzt sich auch gleich in seinen ersten Mordfall. Als Kollegen bekommt er James Hathaway (Laurence Fox), der hier noch wie eine Morse-Kopie wirkt, während Lewis der eher bodenständige Ermittler ist. Seitdem ermitteln sie in der Universitätsstadt und ein Ende ist noch nicht abzusehen.
Gerade in der ersten Folge wird öfters Inspector Morse angesprochen. Auch weil der aktuelle Mordfall mit einem alten Fall von Morse in Verbindung steht und Hathaway etliche Fragen zu dem legendären Inspector hat. Davon abgesehen folgt der erste Fall von „Lewis“ schon den vertrauten „Inspector Barnaby“-Rätselkrimipfaden mit viel Lokalkolorit, aber deutlich weniger Humor.


Einige Fragen über Inspector Endeavour Morse werden auch in dem Bonusfilm „Inspector Morse – Pilotfolge“ (Die Toten von Jericho/The Dead of Jericho) beantwortet. In dem arg betulich erzähltem Rätselkrimi findet der verliebte Ermittler den Mörder seiner Geliebten.
Inspector Morse ist ein von Colin Dexter erfundener Charakter: Ein Denker, ein Einzelgänger, mit einem eher assoziativem Ermittlungsansatz, ein Kreuzworträtselfreak, ein Biertrinker und Opernfan, mit einem Verständnis von den Komplexitäten des Lebens, die im Gesetz nicht abgebildet werden. Dexter schrieb die erfolgreichen Morse-Romane zwischen 1975 (Last Bus to Woodstock) und 1999 (The Remorseful Day), wo Morse starb. Die deutschen Übersetzungen erschienen bei rororo thriller.
Die TV-Serie mit John Thaw (1942 – 2002, „The Sweeney – Die Füchse“) lief von 1987 bis 2000 im englischen TV, brachte es auf 33 spielfilmlange Fälle, war weltweit erfolgreich und lief nie im deutschen TV. Daher ist die jetzige Veröffentlichung der Pilotfolge „Die Toten von Jericho“ und der ersten vier Morse-Filme in der Box „Staffel 1“ (was nicht ganz der englischen Numerierung entspricht) ein längst überfälliger Lückenschluss für die Rätselkrimifans. Auch Cineasten sollten unbedingt einen Blick auf die Pilotfolge werfen. Denn Anthony Minghella schrieb das Drehbuch. Er schrieb noch zwei weitere „Morse“-Drehbücher. Später drehte er „Der englische Patient“, „Der talentierte Mr. Ripley“ und „Unterwegs nach Cold Mountain“.

Lewis Collector s Box 1 - Cover
Lewis – Der Oxford Krimi – Collector’s Box 1
Edel
Bild: 16:9 PAL
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0, Dual Mono)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Inspector Morse: Pilotfolge (OmU)
Länge: 1157 Minuten (13 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre

Inspector Morse - Staffel 1 - DVD-Cover
Inspector Morse – Staffel 1
Edel
Bild: 16:9 PAL
Ton: Englisch (Dual Mono)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: –
Länge: 410 Minuten (4 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre

enthält
Die Toten von Jericho (The Dead of Jericho, Großbritannien 1987)
Die Stille Welt des Nicholas Quinn (The Silent World of Nicholas Quinn, Großbritannien 1987)
Eine Messe für alle Toten (Service of all the Dead, Großbritannien 1987)
Der Wovercote-Dorn (The Wolvercote Tongue, Großbritannien 1987)

Hinweise

ITV über „Lewis“
ZDF über „Lewis“
Wikipedia über „Lewis“ (deutsch, englisch).  Inspector Morse und „Inspector Morse“ (deutsch, englisch)
Krimi-Couch über Colin Dexter

Meine Besprechung von „Lewis – Der Oxford Krimi: Staffel 6“


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