TV-Tipp für den 26. September: El Olivo – Der Olivenbaum

September 25, 2018

Arte, 20.15

El Olivo – Der Olivenbaum (El Olivo, Spanien/Deutschland 2016)

Regie: Icíar Bollaín

Drehbuch: Paul Laverty

Als ihr über alles geliebter Großvater zunehmend dement wird, beschließt Alma, den von ihm über alles geliebten Olivenbaum, den Almas Vater an einen deutsche Öko-Energiekonzern verkaufte, wieder zurück in die Heimat zu holen. Zusammen mit einem Arbeitskollegen und ihrem Onkel macht sie sich auf den Weg nach Düsseldorf.

TV-Premiere eines milde kapitalismuskritischen Feelgood-Movies. Da wäre mehr möglich gewesen.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Anna Castillo, Javier Gutiérrez, Pep Ambròs, Manuel Cucala, Miguel Angel Aladren, Carme Pla, Ana Isabel Mena, María Romero

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Filmportal über „El Olivo“

Moviepilot über „El Olivo“

Rotten Tomatoes über „El Olivo“

Wikipedia über „El Olivo“ (englisch, spanisch)

Meine Besprechung von Icíar Bollaíns „El Olivo – Der Olivenbaum“ (El Olivo, Spanien/Deutschland 2016)


Neu im Kino/Filmkritik: Spanischer Kinohit und Oscar-Kandidat: „Wir sind Champions“

September 20, 2018

Marco (Javier Gutiérrez) ist ein Choleriker, ein Rechthaber und ein Stinkstiefel alter Schule, der überzeugt ist, dass die Welt sich gefälligst um ihn drehen muss. Als der Co-Trainer einer spanischen Erst-Liga-Basketballmannschaft die Spielstrategie seines Chefs für falsch hält, beginnt er während des Spiels und vor laufender Kamera, einen handfesten Streit mit ihm. Er wird gefeuert. Seinen Kummer darüber ertränkt er im Alkohol. Auf der Heimat durch das nächtliche Madrid wird er von der Polizei angehalten. Er streitet sich gleich mit den Beamten und demoliert dabei einige Autos. Das Polizeiauto gehört dazu.

Die von einer Richterin ausgestellte Quittung besteht in der Wahl zwischen einer Haftstrafe oder sozialer Arbeit. Marco wählt die Sozialarbeit, die er am liebsten auch Umgehen möchte. Denn wer will schon ein Basketball-Team geistig Behinderter trainieren?

Aber der Vereinsvorsitzende und die Richterin bleiben hart. Marco muss die „Amigos“ trainieren. Die haben noch nie ein Spiel gewonnen und sie werden auch nie eines gewinnen. Sie werfen Bälle in den eigenen Korb. Sofern sie ihn überhaupt treffen. Sie funktionieren nicht als Mannschaft. Sie verstehen die Grundlagen des Spiels nicht. Und weil sie alle geistig behindert sind, verstehen sie vieles nicht oder falsch oder wörtlich. Etwas langsam sind sie auch. Sie sind das genaue Gegenteil von Marco, der aus dem Chaotenhaufen ein Team formen soll, das auch Spiele gewinnt.

Wir sind Champions“ von Javier Fesser (Clever & Smart, Clever & Smart – In geheimer Mission) ist ein sehr sympathischer Feelgood-Film, der humorvoll in den erwartbaren Bahnen verläuft und ein wundervoll liebenswertes Team geistig Behinderter hat, die schon lange den Sinn des Lebens kennen, während Marco ihn noch lernen muss.

In Spanien war die Komödie ein von über drei Millionen Menschen gesehener Kinohit, der inzwschen auch Spaniens Kandidat für den Oscar als bester ausländischer Film ist.

Deutschland schickt stattdessen Florian Henckel von Donnersmarcks bedeutungsschwangeres Drama „Werk ohne Autor“ (Kinostart: 3. Oktober, Besprechung folgt) ins Oscar-Rennen.

Wir sind Champions (Campeones, Spanien 2018)

Regie: Javier Fesser

Drehbuch: David Marqués, Javier Fesser

mit Javier Gutiérrez, Athenea Mata, Luisa Gavasa, Daniel Freire, Laura Barba, Juan Margallo, Jesús Lago Solis, Roberto Sánchez, Julio Fernández, Jesús Vidal, José de Luna, Sergio Olmos, Stefan López, Alberto Nieto, Fran Fuentes, Gloria Ramos

Länge: 119 Minuten

FSK: ab 0 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Wir sind Champions“

Rotten Tomatoes über „Wir sind Champions“

Wikipedia über „Wir sind Champions“ (englisch, spanisch)


TV-Tipp für den 16. Juli: La isla minima – Mörderland

Juli 16, 2018

Arte, 21.45

Mörderland – La Isla Mínima (La Isla Mínima, Spanien 2014)

Regie: Alberto Rodriguez

Drehbuch: Rafael Cobos, Alberto Rodriguez

Spanien, 1980: zwei Polizisten aus Madrid (Juan gehört noch zur alten Garde, Pedro nicht) sollen in einem Dorf im Marschland am Fluss Guadalquivir zwei spurlos verschwundene, minderjährige Schwestern suchen.

Toller, atmosphärischer Thriller, der im Kino leider unterging und viel besser als „True Detective“ ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Javier Gutiérrez, Raúl Arévalo, María Varod, Perico Cervantes

Hinweise

Moviepilot über „Mörderland“

Rotten Tomatoes über „Mörderland“

Wikipedia über „Mörderland“ (deutsch, englisch, spanisch)

Meine Besprechung von Alberto Rodriguez‘ „Mörderland – La Isla Mínima (La Isla Mínima, Spanien 2014)


TV-Tipp für den 25. Juli: Mörderland

Juli 24, 2017

Tele 5, 22.35

Mörderland – La Isla Mínima (La Isla Mínima, Spanien 2014)

Regie: Alberto Rodriguez

Drehbuch: Rafael Cobos, Alberto Rodriguez

Spanien, 1980: zwei Polizisten aus Madrid (Juan gehört noch zur alten Garde, Pedro nicht) sollen in einem Dorf im Marschland am Fluss Guadalquivir zwei spurlos verschwundene, minderjährige Schwestern suchen.

Toller, atmosphärischer Thriller, der im Kino leider unterging und viel besser als „True Detective“ ist.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Javier Gutiérrez, Raúl Arévalo, María Varod, Perico Cervantes

Wiederholung: Mittwoch, 26. Juli, 23.55 Uhr

Hinweise

Movieland über „Mörderland“

Rotten Tomatoes über „Mörderland“

Wikipedia über „Mörderland“ (deutsch, englisch, spanisch)

Meine Besprechung von Alberto Rodriguez‘ „Mörderland – La Isla Mínima (La Isla Mínima, Spanien 2014)


DVD-Kritik: Der sehenswerte spanische Thriller „Mörderland – La Isla Mínima“

November 16, 2016

Spanien, 1980, kurz nach dem Ende der Franco-Diktatur: die gegensätzliche Polizisten Pedro und Juan aus Madrid (Juan gehört noch zur alten Garde, Pedro nicht) sollen in einem Dorf im Marschland am Fluss Guadalquivir zwei spurlos verschwundene, minderjährige Schwestern suchen.

Schnell befürchten sie, dass die Teenager ermordet wurden und der Mörder schon mehrere Frauen tötete.

Gut, der Plot von „Mörderland – La Isla Mínima“ ist für Krimifans altbekannt und auf der reinen Handlungsebene folgt Alberto Rodriguez dem vertrauten Plot ohne große Überraschungen. Viel mehr interessiert ihn die Atmosphäre des Marschlandes, das gesellschaftliche Klima in der Zeit nach der jahrzehntelangen Franco-Diktatur und das Leben in einem abgelegenem ländlichen Teil des Landes. Einer Gegend, in der sich nach dem Ende der Diktatur wenig bis nichts änderte.

Rodriguez fängt das in atmosphärischen Bildern und Luftaufnahmen ein, die dem flachen Marschland eine gespenstische Stimmung verleihen und die Wege in jeder Beziehung kompliziert sind. Insofern spiegeln die Bilder auch die damalige gesellschaftliche Unsicherheit über den Umgang mit der Vergangenheit, die Zukunft der noch neuen Demokratie und die gegenwärtigen ökonomischen Unsicherheiten (damals und heute) wieder. Es ist eine Mischung aus Abschied und Aufbruch, die einen unwillkürlich an den berühmte Satz, alles müsse sich verändern, damit alles so bleibe wie es ist, aus „Der Leopard“ denken lässt.

Etliche Kritiker verglichen „Mörderland“ mit der ersten Staffel von „True Detective“. Aus kommerziellen Gründen und wegen der Bekanntheit der TV-Serie ist das nachvollziehbar, aber „Mörderland“ ist besser in seiner Beschränkung auf die Länge eines Spielfilms und der damit verbundenen konzentrierten Erzählweise.

Außerdem gibt es durch die Verlegung der Handlung in das Jahr 1980 ein bei der Ausstattung, der Kleidung und den Autos schönes Retro-Gefühl.

Das Bonusmaterial ist beim Durchsehen dann zwar nicht so umfangreich, wie es auf den ersten Blick ist, weil das mehrteilige „Behind the Scenes“ in großen Teilen ein Umschnitt des „Making of“ ist. Aber die über eine Stunde Material ist sehr informativ und geht, neben den üblichen Punkten (wie Hintergründe zur Geschichte und zum Drehbuch und den Schwierigkeiten bei dem achtwöchigen Dreh vor Ort) auch auf die über zweihundert Spezialeffekte, die auf den ersten Blick nicht auffallen, ein.

Und in den Outtakes sehen wir, wie schwer es ist, cool eine Zigarette anzuzünden.

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Mörderland – La Isla Mínima (La Isla Mínima, Spanien 2014)

Regie: Alberto Rodriguez

Drehbuch: Rafael Cobos, Alberto Rodriguez

mit Javier Gutiérrez, Raúl Arévalo, María Varod, Perico Cervantes

DVD

Koch Media

Bild: 2.40:1 (16:9)

Ton Deutsch, spanisch (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Outtakes, Entfallene Szenen, Videotagebuch, Behind the Scenes, Spezialeffekte, Musik, Artwork, Storyboard, Drehbuch, Trailer

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Movieland über „Mörderland“

Rotten Tomatoes über „Mörderland“

Wikipedia über „Mörderland“ (deutsch, englisch, spanisch)


Neu im Kino/Filmkritik: Das milde kapitalismuskritische Märchen „El Olivo – Der Olivenbaum“

August 27, 2016

Ein wichtiges Thema, ein Autor, der schon öfter gelungen komplexe Themen behandelte, eine Regisseurin, die damit ebenfalls darin Erfahrung hat. Viel besser könnten die Umstände nicht sein für diese zwischen Spanien und Deutschland spielende Geschichte, die auch und vor allem ein Kommentar zur spanischen Wirtschaftskrise sein will. In, so die Regisseurin Icíar Bollain, der Form eines Märchens mit einem realen Bezugspunkt.

Das Drehbuch ist von ihrem Lebensgefährten Paul Laverty, der bereits für ihren mit mehreren Goyas ausgezeichneten Film „Und dann der Regen“ das Buch schrieb. Der Ken-Loach-Stammautor weiß, wie man eine scharfe Kritik aus linker Perspektive am Kapitalismus, an herrschenden Institutionen und Strukturen in eine unterhaltsame Geschichte verpackt, die Partei für die kleinen Leute, die Unterdrückten, ergreift und zur Empörung und zum Handeln gegen die herrschenden Verhältnisse auffordert. In „El Olivo“ ist die Gesellschaftskritik dann so unspezifisch, dass alles in einer sentimentalen Wohlfühl-Watte endet.

Im Mittelpunkt von „El Olivo – Der Olivenbaum“ steht die junge, etwas burschikose Spanierin Alma, die in einer Geflügelfarm einer schlecht bezahlten Arbeit nachgeht. Ihre Familie hatte einmal viele Olivenbäume. Für sie und ihren zunehmend dementen Großvater, den sie abgöttisch liebt, ist dabei vor allem ein uralter Olivenbaum besonders wichtig. Viele Erinnerungen und die halbe Familiengeschichte sind mit ihm verbunden. Aber ihre Eltern verkauften den Baum schon vor längerem und steckten das Geld in ein inzwischen bankrottes Restaurant.

Als Alma erfährt, dass der Baum nicht vernichtet wurde, sondern in Düsseldorf im Empfangsbereich eines Öko-Energiekonzerns steht, entschließt sie sich, den Baum zurückzuholen und so ihrem schweigsamen Großvater einen letzten Wunsch zu erfüllen.

Bis Alma mit ihrem Onkel Alcachofa und dem in sie verliebten Arbeitskollegen Rafa, die beide keine Ahnung von ihrem Plan haben, in einem LKW losfährt, vergeht allerdings viel Zeit, in der wir mit vielen Rückblenden zwar einiges über sie, ihr Umfeld und die Familiengeschichte erfahren, aber die ganze Zeit auf den Beginn der Geschichte, – den Aufbruch, die Fahrt nach Deutschland und die Befreiung des Baumes -, warten. Die Fahrt nach Deutschland ist dann nur die Anhäufung einiger eher belangloser Anekdoten und Streitigkeiten in der Fahrerkabine.

In Düsseldorf, das immer der austauschbare Handlungsort für irgendeine Großstadt bleibt, fällt der Film endgültig in sich zusammen. Zwischen Streitigkeiten und Versöhnungen untereinander und campieren vor der Bank, erhält Alma dann auch noch die Hilfe einiger flugs herbeigeeilter, Happening-süchtiger Freizeitkapitalismusgegner, die von einer Frauen-Wohngemeinschaft die nötigen Informationen für ihren Protest erhielten.

Diese studentische WG, die wie ein Befehl der Filmförderung wirkt, redet vorher arg didaktisch auf biederem TV-Niveau über die bösen Banken, den Kapitalismus, den Naturschutz und ob man überhaupt etwas tun solle. Sie initiieren dann doch eine „Free the Tree“-Bewegung, die Alma in Düsseldorf helfen soll, den Olivenbaum zu befreien. Den Anstoß dafür erhielten die WG-Damen durch einen Internet-Post von Almas Freundin und natürlich hätte man hier im Rahmen der Filmgeschichte etwas über die guten Seiten der sozialen Medien bei der Vernetzung und Gemeinschaftsbildung über Ländergrenzen erzählen können. So wie Jon Favreau es in seinem Road-Movie „Kiss the Cook“ in kulinarischem Zusammenhang tat. Bei „El Olivo“ wirkt dieser irgendwann lieblos fallengelassene Handlungsstrang allerdings durchgehend wie ein Fremdkörper, weil die Internetöffentlichkeit für die Baumrettungs-Kampagne nur am Ende, bei einer kindischen Protestaktion, eine realweltliche Entsprechung findet.

Dieser für die Haupthandlung letztendlich erschreckend unerhebliche Handlungsstrang ist wie der gesamte Film zwar gut gemeint, aber mehr als ein milde kapitalismuskritisches Feelgood-Movie mit unantastbar strahlender Heldin und, sicher auch wegen ihres idiotischen „ich gehe in die Bank und hole den Riesenbaum heraus“-Plans, unklarer Stoßrichtung der Kritik kommt dabei nicht heraus.

El Olivo - Plakat

El Olivo – Der Olivenbaum (El Olivo, Spanien/Deutschland 2016)

Regie: Icíar Bollaín

Drehbuch: Paul Laverty

mit Anna Castillo, Javier Gutiérrez, Pep Ambròs, Manuel Cucala, Miguel Angel Aladren, Carme Pla, Ana Isabel Mena, María Romero

Länge: 99 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

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Filmportal über „El Olivo“

Moviepilot über „El Olivo“

Rotten Tomatoes über „El Olivo“

Wikipedia über „El Olivo“ (englisch, spanisch)


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