Neu im Kino/Filmkritik: „Blue Moon“ – eine Nacht im Sardi’s mit Lorenz Hart, Richard Rodgers, Oscar Hammerstein und Elizabeth Weiland

März 27, 2026

Im Sardi’s soll am 31. März 1943 nach der Premiere des Musical „Oklahoma!“ gefeiert werden. Es ist die erste Zusammenarbeit von Richard Rodgers und Oscar Hammerstein. Lorenz Hart (Ethan Hawke) ist schon in der Bar. Der berühmte Broadway-Songautor unterhält die wenigen anwesenden Gäste und einen unbeteiligt vor sich hin lesenden Mann mit seinen scharfzüngigen Bemerkungen und lästert über „Oklahoma!“. Er ist verbittert. Denn bis dahin arbeitete er über zwanzig Jahre mit Richard Rodgers zusammen. Von ihnen stammen fast dreißig Musicals für die Bühne und den Film. Viele der über fünfhundert von ihnen geschriebenen Songs wurden zu immer wieder neu interpretierten Klassikern. Zu ihren bekanntesten Songs gehören „My funny Valentine“, „Have you met Miss Jones?“, „Spring is here“, „Little Girl Blue“, „The most beautiful Girl in the World“, „Manhattan“ und „Blue Moon“.

Zwei Wochen nach „Nouvelle Vague“ startet der zweite absolut sehenswerte Film von Richard Linklater in unseren Kinos. In „Nouvelle Vague“ schildert Linklater die Vorgeschichte und die Dreharbeiten zu dem Klassiker „Außer Atem“. In „Blue Moon“ erzählt er eine andere Geschichte aus dem Showgeschäft, die gleichzeitig einen normalen Abend im Leben des damals 47-jährigen Lorenz Hart schildert und gleichzeitig, wenige Monate vor seinem Tod, sein Leben auf wenige Stunden verdichtet.

Umgeben ist er von einem wundervoll aufeinander und auf ihn eingespieltem Ensemble. Wie ein altes Ehepaar werfen sich der Songtexter und der Barkeeper Eddie (Bobby Cannavale) die Bälle zu. Der Barpianist Morty Rifkin (Jonah Lees) setzt als dritter Mann Akzente. Auch wenn er nur die zur Szene passende Hintergrundmusik klimpert. Damals schon bekannte Künstler und noch am Anfang ihrer Karriere stehende Künstler betreten an dem Abend die Bühne im Sardi’s.

Mit der zwanzigjährigen Elizabeth Weiland (Margaret Qualley) zieht Hart sich dann länger zu einem intimen Gespräch in die Garderobe zurück. Sie vertrauen einander. Sie erzählt ihm ihre intimsten Geheimnisse, aber liebt sie ihn auch? Hart jedenfalls ist in sie verliebt. Aber er will der deutlich jüngeren Frau seine Liebe nicht gestehen. Bevor sie an dem Abend ins Sardi’s kommt, unterhält er sich mit Eddie über sie, seine Verehrung für sie und seine Gefühle für sie.

Und wenn Richard Rodgers (Andrew Scott) und die „Oklahoma!“-Entourage auftauchen gibt es Showbiz-Begegnungen und Enthüllungen.

Richard Linklater schildert eine Nacht in New York vor über achtzig Jahren, die sich kaum von einer ähnlichen Premierennacht in der Gegenwart unterscheidet. Aber dank der tollen Schauspieler und des sehr pointierten, anspielungsreichen und clever konstruierten Drehbuchs von Robert Kaplow ist „Blue Moon“ eine sehr kurzweilige Angelegenheit, die, abgesehen von einem kurzen Prolog, chronologisch und ohne Rückblenden eine Geschichte erzählt und locker viele, oft nur für Broadway-Kenner erkennbaren Anspielungen einstreut. Eine erste Fassung des Drehbuchs hatte Kaplow schon vor über zehn Jahren geschrieben. Linklater war begeistert. Ethan Hawke ebenso. Weil er damals noch auf Alt hätte geschminkt werden müssen, verschoben sie die Dreharbeiten bis Hawke in dem richtigen Alter für die Rolle war. Nicht ändern konnten sie den Unterschied in der Körpergröße zwischen Hawke (1,79 Meter) und Hart (1,52 Meter). Das wird durch Hawkes extra breitem Anzug und die von Richard Linklaters langjährigem Kameramann Shane F. Kelly gewählten Kamerawinkel versucht zu kaschieren. Es irritiert trotzdem. Wenn Hawke dann die von Kaplow aufgeschriebenen Sätze, die aus präzisen Beobachtungen, treffenden, oft gemeinen Zuspitzungen, Hass und Selbsterkenntnis bestehen, aufsagt, ist das Vergessen.

Die Sätze der anderen Figuren des Stücks sind weniger auf Pointen hin formuliert, aber zusammen ergeben sie, auch dank des guten Ensembles und des hohen Erzähltempos, eine Screwball-Comedy, in der es um verschiedene Formen von Liebe, Enttäuschung und Bewunderung geht.

Blue Moon (Blue Moon, USA 2025)

Regie: Richard Linklater

Drehbuch: Robert Kaplow (inspiriert von den Briefen von Lorenz Hart und Elizabeth Weiland)

mit Ethan Hawke, Bobby Cannavale, Andrew Scott, Margaret Qualley, Patrick Kennedy, Jonah Lees, Simon Delaney, Cillian Sullivan, John Doran, Anne Brogan, David Rawle

Länge: 101 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Moviepilot über „Blue Moon“

Metacritic über „Blue Moon“

Rotten Tomatoes über „Blue Moon“

Wikipedia über „Blue Moon“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Richard Linklaters „Before Midnight“ (Before Midnight, USA 2013)

Meine Besprechung von Richard Linklaters „Everybody wants some!!“ (Everybody wants some!!, USA 2016)

Meine Besprechung von Richard Linklaters „Bernadette“ (Where’d you go, Bernadette, USA 2019)

Meine Besprechung von Richard Linklaters „A Killer Romance“ (Hit Man, USA 2023)

Meine Besprechung von Richard Linklaters „Nouvelle Vague“ (Nouvelle Vague, Frankreich/USA 2025)

Richard Linklater in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 26. Oktober: Das Märchen der Märchen

Oktober 25, 2024

Tele 5, 20.15

Das Märchen der Märchen (Tale of Tales/Il racconto dei racconti, Italien/Frankreich/Großbritannien 2015)

Regie: Matteo Garrone

Drehbuch: Matteo Garrone, Edoardo Albinati, Ugo Chiti, Massimo Gaudioso

LV: Giambattista Basile: Il Racconto dei Racconti, 1634/1636 (Das Märchen der Märchen; Das Pentameron)

Ein Märchenfilm, der kein Märchenfilm für Kinder ist. Auch weil Märchen ursprünglich nicht für Kinder waren.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Salma Hayek, Vincent Cassel, John C. Reilly, Toby Jones, Shirley Henderson, Hayley Carmichachel, Stacy Martin, Bebe Cave, Christian Lees, Jonah Lees, Alba Rohrwacher, Massimo Ceccherini, Guillaume Delaunay

Wiederholung: Sonntag, 27. Oktober, 02.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Moviepilot über „Das Märchen der Märchen“

Metacritic über „Das Märchen der Märchen“

Rotten Tomatoes über „Das Märchen der Märchen“

Wikipedia über „Das Märchen der Märchen“ (englisch, italienisch) und „Das Pentagramm“

„Das Pentagramm“ im Projekt Gutenberg (bei Amazon gibt es ebenfalls eine kostenlose Kindle-Version)

Meine Besprechung von Matteo Garrones „Das Märchen der Märchen“ (Tale of Tales/Il racconto dei racconti, Italien/Frankreich/Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Matteo Garrones „Dogman“ (Dogman, Italien/Frankreich 2018)

Meine Besprechung von Matteo Garrones „Ich Capitano“ (Io capitano, Italien/Belgien 2023)


TV-Tipp für den 7. Januar: Das Märchen der Märchen

Januar 6, 2023

Tele 5, 20.15

Das Märchen der Märchen (Tale of Tales/Il racconto dei racconti, Italien/Frankreich/Großbritannien 2015)

Regie: Matteo Garrone

Drehbuch: Matteo Garrone, Edoardo Albinati, Ugo Chiti, Massimo Gaudioso

LV: Giambattista Basile: Il Racconto dei Racconti, 1634/1636 (Das Märchen der Märchen; Das Pentameron)

Ein Märchenfilm, der kein Märchenfilm für Kinder ist. Auch weil Märchen ursprünglich nicht für Kinder waren.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Salma Hayek, Vincent Cassel, John C. Reilly, Toby Jones, Shirley Henderson, Hayley Carmichachel, Stacy Martin, Bebe Cave, Christian Lees, Jonah Lees, Alba Rohrwacher, Massimo Ceccherini, Guillaume Delaunay

Wiederholung: Sonntag, 8. Januar, 23.55 Uhr

Hinweise
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Rotten Tomatoes über „Das Märchen der Märchen“
Wikipedia über „Das Märchen der Märchen“ (englisch, italienisch) und „Das Pentagramm“
„Das Pentagramm“ im Projekt Gutenberg (bei Amazon gibt es ebenfalls eine kostenlose Kindle-Version)

Meine Besprechung von Matteo Garrones „Das Märchen der Märchen“ (Tale of Tales/Il racconto dei racconti, Italien/Frankreich/Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Matteo Garrones „Dogman“ (Dogman, Italien/Frankreich 2018)


TV-Tipp für den 20. April: Das Märchen der Märchen

April 19, 2019

Tele 5, 20.15

Das Märchen der Märchen (Tale of Tales/Il racconto dei racconti, Italien/Frankreich/Großbritannien 2015)

Regie: Matteo Garrone

Drehbuch: Matteo Garrone, Edoardo Albinati, Ugo Chiti, Massimo Gaudioso

LV: Giambattista Basile: Il Racconto dei Racconti, 1634/1636 (Das Märchen der Märchen; Das Pentameron)

Ein Märchenfilm, der kein Märchenfilm für Kinder ist. Auch weil Märchen ursprünglich nicht für Kinder waren.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Salma Hayek, Vincent Cassel, John C. Reilly, Toby Jones, Shirley Henderson, Hayley Carmichachel, Stacy Martin, Bebe Cave, Christian Lees, Jonah Lees, Alba Rohrwacher, Massimo Ceccherini, Guillaume Delaunay

Wiederholung: Montag, 22. April, 02.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise
Moviepilot über „Das Märchen der Märchen“
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Rotten Tomatoes über „Das Märchen der Märchen“
Wikipedia über „Das Märchen der Märchen“ (englisch, italienisch) und „Das Pentagramm“
„Das Pentagramm“ im Projekt Gutenberg (bei Amazon gibt es ebenfalls eine kostenlose Kindle-Version)

Meine Besprechung von Matteo Garrones „Das Märchen der Märchen“ (Tale of Tales/Il racconto dei racconti, Italien/Frankreich/Großbritannien 2015)

Meine Besprechung von Matteo Garrones „Dogman“ (Dogman, Italien/Frankreich 2018)


TV-Tipp für den 4. Juli: Das Märchen der Märchen

Juli 4, 2018

Tele 5, 20.15

Das Märchen der Märchen (Tale of Tales/Il racconto dei racconti, Italien/Frankreich/Großbritannien 2015)

Regie: Matteo Garrone

Drehbuch: Matteo Garrone, Edoardo Albinati, Ugo Chiti, Massimo Gaudioso

LV: Giambattista Basile: Il Racconto dei Racconti, 1634/1636 (Das Märchen der Märchen; Das Pentameron)

Ein Märchenfilm, der kein Märchenfilm für Kinder ist. Auch weil Märchen ursprünglich nicht für Kinder waren.

Leider zerstören bei der heutigen TV-Premiere die Werbepausen die Märchenstimmung.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Salma Hayek, Vincent Cassel, John C. Reilly, Toby Jones, Shirley Henderson, Hayley Carmichachel, Stacy Martin, Bebe Cave, Christian Lees, Jonah Lees, Alba Rohrwacher, Massimo Ceccherini, Guillaume Delaunay

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Das Märchen der Märchen“
Moviepilot über „Das Märchen der Märchen“
Metacritic über „Das Märchen der Märchen“
Rotten Tomatoes über „Das Märchen der Märchen“
Wikipedia über „Das Märchen der Märchen“ (englisch, italienisch) und „Das Pentagramm“
„Das Pentagramm“ im Projekt Gutenberg (bei Amazon gibt es ebenfalls eine kostenlose Kindle-Version)

Meine Besprechung von Matteo Garrones „Das Märchen der Märchen“ (Tale of Tales/Il racconto dei racconti, Italien/Frankreich/Großbritannien 2015)


Neu im Kino/Filmkritik: „Das Märchen der Märchen“ ist nichts für Kinder

August 28, 2015

Heute sind Märchen Kindergeschichten. Gute-Nacht-Geschichten, die nachmittags im Fernsehen gezeigt werden und deren Ursprung, nämlich eine Erzählung für Erwachsene zu sein, heute kaum noch feststellbar ist.
Matteo Garrone, der das realistische Gangsterepos „Gomorrah“ inszenierte, drehte jetzt mit „Das Märchen der Märchen“ einen Film, der garantiert nicht für Kinder geeignet ist. Auch wenn die FSK ihn ab 12 Jahre freigegeben hat, richtet sich dieser Märchenfilm an ein erwachsenes Publikum, das die Anspielungen und Märchenmotive, die hier vom Kopf wieder auf die Füße gestellt werden, gerne wieder erkennt. Inspiriert ist der Film von Giambattista Basiles Geschichtensammlung „Il Racconto dei Racconti“ („Das Märchen der Märchen“ bzw. „Das Pentameron“). Basile sammelte – wie wir es von Giovanni Boccaccios „Das Dekameron“ (Decamerone, das zwischen 1349 und 1353 geschrieben wurde), einer Sammlung von hundert Novellen, kennen – fünfzig Märchen, die er in eine Rahmenhandlung, in der sich eine Gruppe von Menschen in fünf Tagen 49 Geschichten erzählte, einbettete. „Il Racconto dei Racconti“ erschien 1634/1636 und ist eines der großen Märchenbücher, das, weil es im neapolitanischen Dialekt geschrieben ist, lange unbekannt blieb und später von den Brüdern Grimm als Grundlage für ihre Märchensammlung genommen wurde.
Garrone wählte für seinen Film „Das Märchen der Märchen“ drei Geschichten aus, über deren Anfang und Ende gestritten werden kann. Er erzählt von einer Königin (Salma Hayek), die alles tun würde, um einen Sohn zu gebären. Dafür schickt sie ihren Mann in den Tod. Und nach der Geburt – gleichzeitig gebar eine Dienstmagd einen identischen Zwilling – ist die Geschichte noch nicht vorbei. In der zweiten Geschichte verliebt der König von Strongcliff (Vincent Cassel) sich in eine liebreizende Frau, die bis jetzt seinem Sextrieb entgehen konnten. Was er nicht ahnt, ist, dass sie, die sich seinen Avancen entzieht und ihr Gesicht verbirgt, nicht jung und schön, sondern alt und hässlich ist. Und dabei kriegt der König, wenn er bei einer Frau auch nur eine Falte sieht, Panickattacken. In der dritten Geschichte sucht der König von Highhills (Toby Jones) mit einem Ratespiel einen Gemahl für seine Tochter Violet (Bebe Cave). Der künftige Bräutigam ist ein riesiger, ungeschlachteter Unhold, der sie auch gleich über seine Schulter wirft und in seine Höhle verschleppt.
Diese in verschiedenen, aber benachbarten Königreichen spielenden Hauptgeschichten ergänzt Garrone um viele kürzere Episoden und er erzählt sie nicht hintereinander (obwohl ich seine solche Schnitffassung gerne sehen würde), sondern parallel und auch eher distanziert, was dem Film ein schleppendes Tempo verleiht und mit zunehmender Laufzeit bemerkt man, dass der Film primär eine Sammlung von nur lose miteinander verbundenen Episoden ist. Weshalb einige Charaktere plötzlich aus dem Film verschwinden und andere Charaktere, die für den gesamten Film letztendlich eine große Bedeutung haben, wie die Königstochter Violet, erst sehr spät auftauchen. Es gibt nicht, wie bei anderen Ensemblefilmen, einen den gesamten Film tragenden Charakter. Eher schon betrachtet man alle Personen gleich distanziert. Es gibt ein eigentümliches Missverhältnis zwischen Nebencharakteren, deren Gefühle man versteht und die manchmal nur ein, zwei Szenen oder eine große, äußerst berührende Szene haben, und den Hauptcharakteren, die dagegen schon zu einer eindimensionalen Parodie mutieren. Das gilt vor allem für den sexsüchtigen König von Strongcliff (Vincent Cassel), der nur mit schönen, jungen Frauen Sex haben will, dem wir zum ersten Mal nach einem solchen Gelage begegnen und der dem Begriff „Oberflächlichkeit“ eine neue Dimension verleiht. Er ist wahrlich nicht der Märchenprinz, sondern eher ein notgeiler, alternder Vampir.
Auffallend bei allen Geschichten ist, wie sehr die bekannten Märchenkonventionen gegen den Strich gebürstet werden. Als habe Garrone sich gefragt „Was würde Disney tun?“ und dann das Gegenteil getan. Daher ist auch in jeder Szene eine ungebremste sexuelle Lust spürbar und alle sind von niederen Trieben und Obsessionen beherrscht. Das gilt für den König von Highhill (Toby Jones), der sich nur für einen einen schweinemäßig riesigen Floh, den er in seinem Gemach füttert, interessiert. Seine Tochter ist ihm dagegen herzlich egal.
Oder für die Königin von Longtrellis (Salma Hayek), die sich unbedingt einen Erben wünscht, dafür ihren Mann in den Kampf mit einem Seeungeheuer schickt und anschließend das blutig pulsierende Herz des Ungeheuers genußvoll verspeist; – wobei wir uns fragen, wer hier das wirkliche Ungeheuer ist. Denn den durch das Ungeheuer verursachten Tod ihres Mannes betrauert sie nur pflichtschuldig.
Ebenso auffallend ist, dass bei Garrone die Frauen das starke Geschlecht sind und sie auch sympathischer sind, während die Männer ausgemachte Trottel sind, mit denen man keinen Funken Mitleid hat. In diesem Anti-Disney-Kosmos gibt es dann auch keinen Traumprinz und die Prinzessin muss die Dinge selbst in die Hand nehmen.
Seine düsteren Märchen bettet Garrone in eine vom Barock inspirierte Fantasywelt, die in ihrer Opulenz verzaubert. Auch dank der prächtigen Ausstattung und den handgemachten Tricks. Das erinnert dann an die vor Jahrzehnten in Cinecittà entstandenen Filme, irgendwo zwischen Fellinis Pracht und dem Trash der Sandalenfilme.

Das Märchen der Märchen - Plakat

Das Märchen der Märchen (Tale of Tales/Il racconto dei racconti, Italien/Frankreich/Großbritannien 2015)
Regie: Matteo Garrone
Drehbuch: Matteo Garrone, Edoardo Albinati, Ugo Chiti, Massimo Gaudioso
LV: Giambattista Basile: Il Racconto dei Racconti, 1634/1636 (Das Märchen der Märchen; Das Pentameron)
mit Salma Hayek, Vincent Cassel, John C. Reilly, Toby Jones, Shirley Henderson, Hayley Carmichachel, Stacy Martin, Bebe Cave, Christian Lees, Jonah Lees, Alba Rohrwacher, Massimo Ceccherini, Guillaume Delaunay
Länge: 134 Minuten
FSK: ab 12 Jahre

Hinweise
Deutsche Homepage zum Film
Film-Zeit über „Das Märchen der Märchen“
Moviepilot über „Das Märchen der Märchen“
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Wikipedia über „Das Märchen der Märchen“ (englisch, italienisch) und „Das Pentagramm“
„Das Pentagramm“ im Projekt Gutenberg (bei Amazon gibt es ebenfalls eine kostenlose Kindle-Version)