Neu im Kino/Filmkritik: Über die Hundeliebhaberin „Supergirl“

Juni 25, 2026

Am Ende von „Superman“ hatten Kara Zor-El (Milly Alcock) und ihr schlecht erzogener Hund Krypto, als sie ihren Cousin Kal-El (aka Superman aka Clark Kent) (David Corenswet) auf der Erde besuchten, ihren ersten, ziemlich denkwürdigen Auftritt.

Jetzt hat Superman via Bildtelefon seinen Auftritt in dem ersten Solo-Film von Kara Zor-El; – Jeannot Szwarc‘ „Supergirl“ von 1984 können wir ignorieren. Der biedere Kal-El will ihr zu ihrem Geburtstag gratulieren. Sie will ihren Geburtstag mit einer gigantischen Sauftour feiern. Sowieso bemüht sich Regisseur Craig Gillespie sein Supergirl als das komplette Gegenteil von dem edlen Superman zu etablieren.

Als die dreizehnjährige Ruthye Marie Knoll vom Danastia Clan (Eve Ridley) in einer Halbweltkaschemme den Gästen ein Angebot macht, will Kara nichts davon wissen. Ruthye sucht den überall gefürchteten Banditenführer Krem of the Yellow Hills (Matthias Schoenaerts). Er ermordete ihre Familie. Jetzt möchte sie, dass jemand sie zu Krem bringt. Sie will ihn töten. Als Lohn für die Hilfe bietet sie ein von ihrem Vater geschmiedetes unbezahlbares Schwert an. Niemand möchte das Angebot annehmen.

Aber als Krem einen vergifteten Pfeil auf ihren geliebten Hund Krypto abschießt und ihr Raumschiff klaut, beginnt Kara ihn kreuz und quer durch das Universum zu jagen. Denn er hat das Gegengift, das sie innerhalb von drei Tagen besorgen muss. Sonst stirbt Krypto.

Nach „Superman“ ist „Supergirl“ der zweite Film im DC Cinematic Universe unter der Ägide von James Gunn und Peter Safran. Als erstes verordneten sie dem DC-Filmuniversum einen umfassenden Neustart. Alles, was vor Gunns Zeit geschah, wurde ins Museum befördert. Alle Pläne, die vorher existierten, wanderten auf den Müllhaufen der Geschichte. Figuren, die weitere Abenteuer erleben sollten, wurden neu besetzt. David Corenswet wurde der neue Superman. Milly Alcock, die in „Superman“ einen Mini-Auftritt hat, Supergirl. Jetzt hat sie einen eigenen Film bekommen, der sich durchaus erfolgreich bemüht, das Gegenteil der „Superman“-Filme zu sein. Die Geschichte spielt nicht auf der Erde, sondern auf verschiedenen Planeten irgendwo im Weltall und Supergirl ist in ungefähr jeder Beziehung das Gegenteil von Superman.

Sie ist die weibliche Ausgabe von Han Solo. Nur schlechter gelaunt, trinksüchtiger und, je nachdem, wo sie gerade ist, mit Superkräften ausgestattet. Schnell wirken ihre Superkräfte wie ein Ersatz für schlampiges Drehbuchschreiben. Je nachdem, was in der Szene gerade benötigt wird, verfügt sie über die Kräfte – oder auch nicht.

Auch der restliche Film wirkt wie ein Film aus dem „Star Wars“-Universum: die Raumschiffe (Karas Raumschiff erinnert an Han Solos Millennium Falcon), Krypto ist ihr Chewbacca, die Kneipen, die Aliens, denen sie begegnet, die Planeten und die Konflikte könnten alle aus einem Han-Solo-Abenteuer sein.

Auch der B-Plot, die Geschichte von Ruthye, erinnert an „Star Wars“. Der Anfang von „Rogue One“ wird hier in Teilen variiert und mit dem zweimal verfilmten Westernklassiker „True Grit“ gekreuzt. In „True Grit“ engagiert die vierzehnjährige Mattie Ross den versoffenen US-Marshal Rooster Cogburn, um den Mord an ihrem Vater zu rächen.

Nur die Idee mit der Bushaltestelle für Raumschiffe, die wie eine stinknormale Bushaltestelle im Nirgendwo aussieht, und dem Greyhound-Bus-Raumschiff ist neu; – hätte aber gut in „Per Anhalter durch die Galaxis“ gepasst.

Das Ergebnis ist okay als Superheldenfilm, der sich kaum um das übliche Superheldengedöns kümmert, und der als SF-Abenteuerfilm beständig an andere Filme und Welten erinnert. Nichts ist wirklich gut oder überraschend. Nichts ist wirklich schlecht. Vieles ist erstaunlich erwartbar. Dazu gehören auch die schlampigen Tricks, die wir so ähnlich inzwischen auch aus anderen Superheldenfilmen kennen.

P. S.: Es gibt keine Szene im oder nach dem Abspann.

Supergirl (Supergirl, USA 2026)

Regie: Craig Gillespie

Drehbuch: Ana Nogueira

mit Milly Alcock, Matthias Schoenaerts, Eve Ridley, David Krumholtz, David Corenswet, Emily Beecham, Jason Momoa

Länge: 108 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Supergirl“

Metacritic über „Supergirl“

Rotten Tomatoes über „Supergirl“

Wikipedia über „Supergirl“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von James Gunns „Superman“ (Superman, USA 2025)

Meine Besprechung von Craig Gillespies „Fright Night“ (Fright Night, USA 2011)

Meine Besprechung von Craig Gillespies „I, Tonya“ (I, Tonya, USA 2017)

Meine Besprechung von Craig Gillespies „Dumb Money – Schnelles Geld“ (Dumb Money, USA 2023)