Ist das witzig? War das jemals witzig gewesen? Wenn Eva Müller und Isabel Schneider in ihrem Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht“ Szenen aus „Wetten dass…?“-Shows aus den achtziger und neunziger Jahren zusammenschneiden, in denen Thomas Gottschalk, damals noch der junge, elanvolle, frischen Wind zuerst in das Radio-, später TV-Programm bringende Moderator, den Frauen Komplimente macht, sie auf der Couch neben sich platziert und berührt, dann ist das eine Collage männlicher Übergriffigkeiten, die durch die ebenfalls in der Doku präsentierten Collagen von Harald-Schmidt-Witzen mühelos getoppt wird. Kontextualisiert werden die Auftritte der damals jungen Moderatoren durch Bilder aus den Shows von Rudi Carrell und Hans-Joachim Kulenkampff, die damals in ihren Samstagabendshows einen schon sehr altväterlichen Humor pflegten. Sicher, einige Auftritte, Witze und anzügliche Bemerkungen wurde schon damals kritisiert, aber vieles versendete sich ohne endlose Wiederholungsschleifen und YouTube-Clips schnell. Die Gespräche von Gottschalk mit den Stars wurden oft für wichtige Dinge genutzt, wie Pinkelpause, Essensnachschub aus der Küche holen und Gespräche über die Wetten.
Trotzdem; wenn man diese männlichen Humorleistungen geballt sieht, ist das schon sehr unangenehm. Es ist ein Blick in eine Zeit, als Frauen im Unterhaltungsfernsehen, der großen Samstagabendshow für die ganze Familie, vor allem das hübsche, dumm-dümmliche Beiwerk waren.
Für ihren Dokumentarfilm „Was haben wir gelacht“ interviewten Eva Müller und Isabel Schneider die Komikerinnen Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Gaby Köster und Esther Schweins und die Moderatorin Bettina Böttinger über ihre Anfänge im Showgeschäft und wie sie sich Freiräume erkämpften. Sie konfrontieren sie auch mit Ausschnitten aus damaligen Sendungen. Dank des guten Schnitts, kommentieren sich die Interviewten so, dass der Eindruck eines Gesprächs entsteht.
Deutlich wird dabei, wie groß die Widerstände der Männer auf der Bühne und im Saal gegen einen eigenständigen weiblichen Humor waren. Frauen, so die damals herrschende Meinung, sind nur als dumme, vollbusige Blondine witzig.
Das änderte sich im Fernsehen mit dem Privatfernsehen, das neue Formate ausprobierte, in denen sich nicht etablierte Künstler austoben konnten. Diese Experimentierfreude war kein künstlerisches Programm, sondern kommerzielles Kalkül. Mit jungen Gesichtern und einem anderen Humor (vieles was im Privatfernsehen als Humor lief, war nicht besser, oft sogar schlechter und auch konservativer als der öffentlich-rechtliche Humor) konnte mit geringen Kosten ein neues Publikum angesprochen werden.
„Was haben wir gelacht“ ist ein gelungener, kurzweiliger und informativer Rückblick auf den männlich dominierten Humor in den achtziger und neunziger Jahre im deutschen Fernsehen. Der Dokumentarfilm ist keine Analyse, sondern, kommentiert von Zeitzeuginnen, ein sich durch die TV-Archive wühlendes Panoptikum des damals allgemein akzeptierten Humors. Der Rückblick zeigt, wie viel sich in den vergangenen Jahrzehnten veränderte.

Was haben wir gelacht (Deutschland 2026)
Regie: Eva Müller, Isabel Schneider
Drehbuch: Eva Müller, Isabel Schneider
mit Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Gaby Köster, Esther Schweins
Länge: 103 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
Kinostart: 16. Juli 2026
–
Hinweise
Filmportal über „Was haben wir gelacht“
Moviepilot über „Was haben wir gelacht“
Veröffentlicht von AxelB 
