Kathryn Bigelows nicht unproblematischen Film über die Jagd auf Osama Bin Laden, erzählt aus der Sicht der Geheimdienste mit einer CIA-Analytikerin als Protagonistin.
Zum Kinostart schrieb ich unter anderem: „Nach dem gelungenen „The Hurt Locker“, der ersten Zusammenarbeit von Mark Boal und Kathryn Bigelow, ist „Zero Dark Thirty“ eine ziemlich herbe Enttäuschung, die unter einem unfokussiertem Drehbuch und der Absicht, den Menschen im Schatten, die Osama bin Laden jagten und töteten ein Denkmal zu setzen, leidet. Für ein solches Heldenporträt muss man nicht gleich den gesamten Film ausschließlich und ohne jegliche Distanz aus der Perspektive der CIA-Agenten und Soldaten erzählen.“
Anschließend, um 00.35 Uhr zeigt Arte die 55-minütige Doku „Kathryn Bigelow – Hollywood unter Adrenalin“ (Frankreich 2023).
mit Jessica Chastain, Jason Clarke, Jennifer Ehle, Fares Fares, James Gandolfini, Kyle Chandler, Harold Perrineau, Reda Kateb, Mark Strong, Edgar Ramirez, Frank Grillo, Mark Valley
Turk Henry ist ein stinkreicher, im selbstgewählten Ruhestand lebender Hair-Metal-Rocker, der geistig immer noch zwischen Sandkasten und Pubertät steckt. Da schleift ihn seine Freundin Sheila aus dem selbstgewählten Exil nach Santiago de Chile.
Dort baut er am Pool sofort sein Lager auf und trinkt ein Bier nach dem nächsten. Für mehr interessiert er sich nicht. Sie macht sich als Teil einer kleinen Gruppe auf zum Llama-Watching und wird prompt gekidnappt. Die anderen Geisel werden erschossen oder freigelassen. Aber Juan Carlos behält das frühere Model. Immerhin ist Sheila die Freundin des Sängers und Bassisten der von ihnen bewunderten Metal-Band.
Ihre Lösegeldforderung von einer Million Dollar ist aus Turks Sicht lächerlich gering und er möchte das Geld auch sofort bezahlen.
Aber der Botschaftsmitarbeiter Ben Harding glaubt, dass die Entführer Terroristen sind und mit Terroristen wird nicht verhandelt.
Und schon beginnt ein Versteckspiel zwischen dem lethargischen Musiker, der notgedrungen etwas tun muss, und dem vor Energie strotzenden Harding, der jede Verhandlung möglichst unauffällig verhindern will. Währenddessen menschelt Sheila mit den eigentlich grundsympathischen Entführern, die etwas Piratencharme versprühen.
Früher wäre „Gun Shy“ wahrscheinlich im Bahnhofskino gelaufen. In den wenigen Kritiken wäre der Film als Abschreibungsprojekt bezeichnet worden. Das kann über „Gun Shy“ nicht behauptet werden. Immerhin wurde der Film mit einer Crowdfunding-Kampagne finanziert. Für ein originäre Abschreibungsprojekt wäre das ein etwas mühevoller Weg zur Steuererleichterung. An der Qualität des Endprodukts ändert das nicht. .
Trotzdem kann so ein schlechter Film, wenn man ihn sich mit den richtigen Erwartungen ansieht, auch gefallen. Das liegt in diesem Fall vor allem an Antonio Banderas, der den Hair-Metal-Rocker Turk Henry mit spürbarer Lust am Klischee und dessen Debilität spielt. Turk ist ein Über-Rockmusiker, der deshalb besonders dumm, kindisch, verwöhnt und lebensuntüchtig ist. Früher, während seiner aktiven Krachmacherzeit, war er in jeder Beziehung vergnügungssüchtig. Sogar die Jungs von Spinal Tap sind gegenüber Turk nobelpreisverdächtige Intelligenzbestien.
Auch die anderen Schauspieler bemühen sich nie um ein auch nur ansatzweise naturalistisches Spiel. Entweder sind sie einfach so da oder sie übertreiben so lange, bis ihr Charakter eine Comedy-Figur ist. In ihren lichtesten Momenten sind sie alle grenzdebil, meistens allerdings erheblich dümmer.
Sie sind Klischeefiguren in einer an Handlung sparsamen Geschichte, die an wenigen Orten mit einem überschaubarem Budget gedreht wurde.
Regisseur Simon West („Con Air“, „The Expendables 2“, „The Mechanic“) bringt die Geschichte immerhin angenehm unernst und flott über die knapp neunzig Minuten. So macht „Gun Shy“ als anspruchsloser Klamauk durchaus Spaß. Und wenn man den Film mit einigen Freunden und Getränken sieht, entfaltet er wahrscheinlich einige SchleFaZ-Momente.
P. S.: Das Cover hat, wie man es von Bahnhofskinofilmen kennt, mit dem Film nichts zu tun. Jedenfalls erinnere ich mich nicht an brennende Boote, durch die Luft fliegende Geldscheine, Hubschrauber, einen Gitarrenkoffer (Turk befördert das Geld bevorzugt in stabilen Reisekoffer) und Turk mit einer Pistole. An Turk in Hair-Metal-Klamotten und Bierdose schon.
Gun Shy (Gun Shy, Großbritannien 2017)
Regie: Simon West
Drehbuch: Toby Davies, Mark Haskell Smith
LV: Mark Haskell Smith: Salty, 2007
mit Antonio Banderas, Olga Kurylenko, Ben Cura, Mark Valley, Aisling Loftus, Martin Dingle Wall, Emiliano Jofre
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DVD
Ascot Elite
Bild: 2.39:1 (16:9)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Deutscher und Originaltrailer, Wendecover
Gut versteckte TV-Premiere von Kathryn Bigelows nicht unproblematischen Film über die Jagd auf Osama Bin Laden, erzählt aus der Sicht der Geheimdienste mit einer CIA-Analytikerin als Protagonistin.
Zum Kinostart schrieb ich unter anderem: „Nach dem gelungenen „The Hurt Locker“, der ersten Zusammenarbeit von Mark Boal und Kathryn Bigelow, ist „Zero Dark Thirty“ eine ziemlich herbe Enttäuschung, die unter einem unfokussiertem Drehbuch und der Absicht, den Menschen im Schatten, die Osama bin Laden jagten und töteten ein Denkmal zu setzen, leidet. Für ein solches Heldenporträt muss man nicht gleich den gesamten Film ausschließlich und ohne jegliche Distanz aus der Perspektive der CIA-Agenten und Soldaten erzählen.“
mit Jessica Chastain, Jason Clarke, Jennifer Ehle, Fares Fares, James Gandolfini, Kyle Chandler, Harold Perrineau, Reda Kateb, Mark Strong, Edgar Ramirez, Frank Grillo, Mark Valley