Kaum beginnt Kommissar Hanns von Meuffels seinen Dienst in München, muss er auch gleich im Kreis der Kollegen ermitteln. Denn auf die Frau von Gerry Vogt wurde ein Anschlag verübt, bei dem ihre Freundin starb. Diana Vogt erhält Polizeischutz und von Meuffels und Vogt suchen die Mörderin, die wahrscheinlich eine verschmähte Verehrerin ist.
Der erste Auftritt von Matthias Brandt als Kommissar Hanns von Meuffels ist ein starkes Stück Kino, mitreisend erzählt mit kleinen Abschweifungen. Dass die Lösung, rückblickend, einige kleine Logikfehler hat, kann nach neunzig atemlosen Minuten verziehen werden.
mit Matthias Brandt, Ronald Zehrfeld, Philipp Moog, Alma Leiberg, Anna Maria Sturm, Tobias van Dieken
Das unsichtbare Mädchen (Deutschland 2011, Regie: Dominik Graf)
Drehbuch: Friedrich Ani, Ina Jung
Vor elf Jahren verschwand die achtjährige Sina. Obwohl ihre Leiche nie gefunden wird, ist ihr Mörder, ein geistig behinderter junger Mann, schnell gefunden. Als Tanner bei aktuellen Ermittlungen über diesen alten Fall stolpert, zweifelt er immer mehr, ob damals wirklcih der richtige Mann verurteilt wurde.
Gewohnt guter Krimi von Dominik Graf, nach einem Drehbuch von Friedrich Ani und Ina Jung, die für eine Doku über die 2001 spurlos in Oberfranken verschwundene Peggy recherchierte. Ihre Recherchen bildeten die Grundlage für „Das unsichtbare Mädchen“.
mit Elmar Wepper, Ulrich Noethen, Ronald Zehrfeld, Silke Bodenstein, Tim Bergmann
Wiederholung: Donnerstag, 30. April, 01.30 Uhr (Taggenau!)
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Lesehinweis
Bei Emons ist „Abknallen“, der zweite Roman von Friedrich Ani, nach „Killing Giesing“, in einer Jubiläumsausgabe, die auch eine überarbeitete Neuausgabe ist, erschienen. „Abknallen“ erschien 1997 noch vor seinen Tabor-Süden-Romanen, die ihn bekannt machten.
In dem Thriller entführt ein Serienmörder Natascha, die Tochter eines bayerischen Politikers. Während eine Großfahndung nach ihm läuft, beginnt sie sich zu wehren.
Der Grund für diese Neuausgabe ist das dreißigjährige Bestehen von Emons (Wer hätte das damals gedacht?).
– Friedrich Ani: Abknallen Emons, 2015 240 Seiten
10 Euro
Kaum beginnt Kommissar Hanns von Meuffels seinen Dienst in München, muss er auch gleich im Kreis der Kollegen ermitteln. Denn auf die Frau von Gerry Vogt wurde ein Anschlag verübt, bei dem ihre Freundin starb. Diana Vogt erhält Polizeischutz und von Meuffels und Vogt suchen die Mörderin, die wahrscheinlich eine verschmähte Verehrerin ist.
Der erste Auftritt von Matthias Brandt als Kommissar Hanns von Meuffels ist ein starkes Stück Kino, mitreisend erzählt mit kleinen Abschweifungen. Dass die Lösung, rückblickend, einige kleine Logikfehler hat, kann nach neunzig atemlosen Minuten verziehen werden.
mit Matthias Brandt, Ronald Zehrfeld, Philipp Moog, Alma Leiberg, Anna Maria Sturm, Tobias van Dieken
Wenig Zeit, daher „Kurz & Knapp“ (auch eine Form von KuK) über die Neustarts im Kino am heutigen Donnerstag:
„I Origins“ ist einer der Filme, von denen ich viel erwartete und dann umso enttäuschter war. Denn die Prämisse, dass jede Iris einzigartig ist und ein Molekularbiologe, der in diesem Forschungsgebiet über die Evolution des Auges bahnbrechendes leistet, entdeckt, dass diese Arbeitshypothese falsch ist und damit seine gesamte Forschung und seine Überzeugungen in Frage stellen würde, verspricht einen philosophischen Science-Fiction-Film.
Aber dann geht es auch um eine Liebesgeschichte, die ungefähr in der Filmmitte ein abruptes Ende findet und später doch wieder wichtig ist. Es geht um Forschungsfragen. Es geht um die Frage nach der Einzigartigkeit des Menschen und um Wiedergeburt, was die Einzigartigkeit der Iris, aber auch etwas viel unangenehmeres beweisen würde. Es gibt auch ein seltsames Forschungsprogramm, das nicht näher erklärt wird, aber für die Fans von Paranoia-Thrillern gedacht ist. Für die gibt es auch eine Szene nach dem Abspann.
Letztendlich begnügt Mike Cahill sich in „I Origins“ mit dem Aufwerfen von Fragen und mehreren überraschenden bis abstrusen Wendungen, die nur verwirren ohne auch nur im Ansatz zu erklären, worum es den Machern ging.
„I Origins“ ist ein frustierender Film. Mit und ohne Seelenwanderung. Und dass Cahill im Presseheft sagt, dass für ihn „I Origins“ nur der Anfang seiner Erforschung des Bereiches zwischen Fakten und Glauben sei und er den Stoff in weiteren Filmen oder einer TV-Serie fortspinnen will, hilft nicht, weil wir dann den Film nicht als eigenständiges, in sich abgeschlossenes Werk, sondern nur als den Auftakt von etwas Größerem ansehen sollen.
Was wäre, wenn dein Kind bei der Geburt vertauscht worden wäre? Und was würdest du tun? Das muss sich Ryota Nonomiya fragen, als er erfährt, dass genau das vor sechs Jahren geschehen ist. Der distanzierte, statusbewusste Architekt, der in finanzieller Hinsicht alles für seinen Sohn tut, aber wegen der vielen Arbeit ihn fast nie sieht, hat jetzt eine Erklärung für die Defizite und den mangelnden Ehrgeiz seines Sohnes. Aber ist Blut wirklich dicker als Erziehung? Soll er seinen falschen Sohn gegen seinen echten Sohn tauschen, der bei einer zwar liebevollen, aber armen und furchtbar ambitionslosen Familie lebt? Oder soll er dafür kämpfen, das Sorgerecht für beide Kinder zu bekommen?
Hirokazu Kore-eda erhielt für seinen Film „Like Father, like Son“ in Cannes den Preis der Jury und das ist verständlich. Ruhig und aus Ryotas Perspektive erzählt er von diesem Dilemma. Dabei bleiben die Sympathien für den egoistischen Ryota, der das Kind vor allem als Statussymbol braucht, überschaubar. Aber die angesprochenen Fragen sind unversell und Hirokazu Kore-eda behandelt sie auch angemessen komplex in einer scheinbar einfachen Geschichte über zwei Familien und ihre Kinder in einer Gesellschaft, in der – wenn so ein Fehler entdeckt wird – die Kinder getauscht werden und ein Adoptionen selten sind.
Ein sehenswerter Film.
Nelly hat schwer verletzt und verunstaltet den Zweiten Weltkrieg und Auschwitz überlebt. Ihre Freundin Lene bietet ihr ein neues Leben in Israel mit einem neuen Gesicht an. Aber Nelly will wieder ihr altes Gesicht zurückhaben. Sie will in Deutschland bleiben und sie will wieder ihren Ehemann Johnny treffen. Er ist ihre große Liebe, der sie verraten hatte.
Johnny arbeitet jetzt in Berlin in der Bar „Phoenix“. Als er Nelly trifft, erkennt er sie nicht. Aber er bemerkt eine verblüffende Ähnlichkeit zwischen der unbekannten Schönheit und seiner toten Frau. Jedenfalls glaubt Johnny, dass Nelly tot ist. Er will die Fremde zu Nellys Ebenbild verändern, um so an Nelly Familienvermögen zu gelangen. Nelly spielt mit.
Cineasten werden in „Phoenix“ sofort eine Variante von Alfred Hitchcocks „Vertigo“ erkennen. Sowieso hat jedes Bild, jeder Satz, jede Geste und jede Szene mindestens eine weitere Bedeutung, was beim Ansehen und Entschlüsseln Spaß macht. Wobei, wie üblich bei Christian Petzold, der Film auch einfach als spannende Geschichte funktioniert. Jedenfalls bis Nelly auf Johnnys Angebot eingeht. Dann fällt die vorher vorhandene Spannung wie ein Soufflé in sich zusammen und die restlichen Minuten, wenn Nelly die Gestik von Nelly einstudiert und sie bei ihren Verwandten, die den Krieg überlebten, vorgestellt wird, haben dann etwa die Spannung von Malen-nach-Zahlen.
„Phoenix“ ist Fritz Bauer, dem Initiator und Ankläger des Auschwitz-Prozesses, gewidmet. Harun Farocki, mit dem Petzold bei, ich glaube, jedem seiner Filme zusammenarbeitete, verstarb kurz vor der Premiere des Films.
Insgesamt ist „Phoenix“ ein sehenswerter Film. Aber Petzolds bester Film ist es nicht.
– Phoenix (Deutschland 2014)
Regie: Christian Petzold
Drehbuch: Christian Petzold, Harun Farocki (Mitarbeit)
LV (nach Motiven): Hubert Monteilhet: Le retour des cendres, 1961 (Der Asche entstiegen)
mit Nina Hoss, Ronald Zehrfeld, Nina Kunzendorf, Michael Maertens, Imogen Kogge, Kirsten Block
Länge: 98 Minuten
FSK: ab 12 Jahre
– Hinweise Homepage zum Film Film-Zeit über „Phoenix“ Moviepilot über „Phoenix“ Rotten Tomatoes über „Phoenix“
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Nach dem Tod ihres Vaters müssen die Mitglieder der Familie Altman, auf Wunsch des Verstorbenen, eine siebentägige Totenwache nach jüdischer Tradition halten, was natürlich dazu führt, dass die gar nicht so gläubige Familie, die uns als dysfunktional vorgestellt wird, über alte und neue Probleme reden muss.
„Sieben verdammt lange Tage“ ist gut besetzt. Jason Bateman als gerade entlassener und getrennt lebender Radio-Producer (seine Frau schlief mit seinem Boss), der jetzt nicht weiß, was er mit seinem Leben anfangen soll. Tina Fey, Adam Driver und Corey Stoll als seine Geschwister. Jane Fonda (Die soll Jahrgang 1937 sein? Niemals.) als Mutter mit vergrößerter Brust und die ihre Kinder als Studienobjekte für ihre populären Erziehungsratgeber benutzte. In Nebenrollen sind unter anderem Rose Byrne als Batemans alte und neue Freundin und Timothy Olyphant als verblödeter, aber sehr verständnisvoller Nachbar und Ex-Freund von Tina Fey dabei.
Es ist auch gut inszeniert von Shawn Levy (Real Steel, Prakti.com). Jonathan Troppers Drehbuch schmeckt die dramatischen und die komödiantischen Teile in dieser in Richtung harmonieseliger RomCom gehenden Familienzusammenführung ordentlich ab.
Aber die Charaktere, die alle in einem luftleeren Raum abseits von all den normalen Alltagsproblemen lebten, interessierten mich niemals wirklich. Auch die Prämisse wirkte arg ausgedacht. Immerhin versteht die Familie sich gut und sie traf sich in den vergangenen Jahren sicher zum üblichen Thanksgiving-Dinner und dem gemeinsamen Weihnachts-/Silvesterurlaub. Immerhin leben sie doch in und um Long Island, New York, ziemlich nah beieinander.
„Sieben verdammt lange Tage“ ist kein schlechter, aber ein uninteressanter Film.
Für die beiden Pariser Teenager Léa und Adrien ist schon die Hinfahrt im Zug eine Tortur, die ihren Höhepunkt erreicht, als sie erfahren, dass das Gut ihres Großvaters ab von jeglicher Zivilisation mitten in der Einöde liegt und dass es dort keinen Handy-Empfang gibt (gut, das Problem wird später gelöst). Für ihren jüngeren, gehörlosen Bruder Théo ist die Zugfahrt wohl eher der Beginn eines großen Abenteuers. Und für ihren Großvater Paul (Jean Reno als grumpy old man) ist der Besuch auch eine höchst unwillkomme Unterbrechung seines geruhsamen Landlebens zwischen Olivenbäumen und funktionierendem Alkoholiker, der sich vor Ewigkeiten so heftig mit seiner Tochter zerstritt, dass er seine Enkelkinder noch nicht gesehen hat.
Dennoch verleben sie einen schönen „Sommer in der Provence“, in dem Léa sich in einen schönen Reiter und Pizzabäcker (mit Nebeneinkommen) verliebt, während ihr Bruder ein Auge auf die ebenfalls etwas ältere Dorfschönheit und Eisverkäuferin wirft. Sie treffen auch, via einer von Adrien gefakten Facebook-Einladung, die alten Freunde von Paul und seiner Frau Irène. Eine Bande echter Rocker. Jedenfalls im Sommer. In den anderen Jahreszeiten gehen sie bürgerlichen Berufen nach. Gemeinsam erinnern sie sich am Lagerfeuer an ihre Jugend, die so um 68 rum war, inclusive einem Besuch des legendären Woodstock-Festivals.
In der Realität hätten die Franzosen damals wohl eher das unbekanntere Isle-of-Wight-Festival besucht, aber diese kleine Ungenauigkeit ändert nichts daran, dass jetzt die 68er alt werden und damit auch neue Themen in das typisch französische „Die Familie verbringt einen Sommer auf dem Land“-Komödie gelangen.
Davon abgesehen ist Rose Boschs „Ein Sommer in der Provence“ die diesjährige Ausgabe dieses Genres, in dem die Familie einen Urlaub auf dem Land macht, die Teenager sich verlieben, die Generationen sich etwas streiten und versöhnen und es viele kleine Episoden für jeden Geschmack gibt. So ist „Ein Sommer in der Provence“ ein luftiger Ensemblefilm, der keinen Protagonisten und keine eindeutige Erzählperspektive hat. Diese Positionslosigkeit im Erzählerischen kann man dem Film vorwerfen, oder sich einfach von den Schönheiten der Landschaft verzaubern lassen.
Nachdem seine Freunde in einem Hotelzimmer ermordet wurden, geht Benjamin (Tom Schilling) zur Europol-Cybercrime-Polizistin Hanne Lindberg (Trine Dyrholm), um ihr alles über die von ihm mitgegründete und polizeilich europaweit gesuchte Hackergruppe CLAY (Clowns laughing @ You) zu erzählen. Gemeinsam machten er und seine Kumpels Max (Elyas M’Barek), Stephan (Wotan Wilke Möhring) und Paul (Antoine Monot, Jr.) etliche Anonymus-Aktionen, die meistens mit einem Einbruch oder mindestens einem Hausfriedensbruch und Benjamins überragenden Computerkenntnissen durchgeführt wurden, gerieten in Kontakt mit der Russian Cyber-Mafia und in den Fokus der Polizei, die sie unerbittlich als Großverbrecher verfolgte.
Das klingt jetzt, nach Wikileaks und den NSA-Enthüllungen von Edward Snowden, wie ein schlecht ausgedachter Scherz und genauso unglaubwürdig wirkt dann auch der gesamte Thriller „Who am I – Kein System ist sicher“ mit seinen eindimensionalen, sich unlogisch verhaltenden Charakteren, die wir immer durch Benjamins Augen sehen. Denn fast der gesamte Film besteht aus Benjamins Geständnis.
Für mich hörte sich Benjamins Geschichte allerdings von der ersten bis zur letzten Minute wie eine schlecht ausgedachte Kolportage aus Schlagzeilen und pubertärer Phantasie an, die eine erfahrene Polizistin niemals glauben würde. Das ist allerdings die Voraussetzung dafür, dass sie später Benjamin hilft und die doppelte Schlusspointe funktioniert. Wobei die erste Pointe Benjamins oft vollkommen unglaubwürdige Geschichte erklärt und die zweite ein netter Abschluss eines vermurksten Films über Hacker, Cybercrime, Lug und Trug ist.
Besser man sieht sich noch einmal „Inside Wikileaks – Die fünfte Gewalt“ an. Da gibt es auch atmosphärische Berlin-Bilder und einen glaubwürdigeren Einblick in das Hacker-Leben.
Fast zehn Jahre sind seit Dominik Grafs letztem Kinofilm „Der rote Kakadu“ vergangen. In dem Film erzählte er von Jugendlichen in der DDR kurz vor dem Bau der Mauer und ihrer Liebe zum Rock’n’Roll. Seitdem drehte er eifrig für das Fernsehen, vor allem Krimis, die nie nach Fernsehen aussahen, wurde von der Kritik abgefeiert und auch mit einigen Büchern geehrt, die seine Bedeutung und Ausnahmestellung im deutschen Film unterstreichen.
Er drehte auch das historische Drama „Das Gelübde“ (2007) über Clemens Brentano und 2001 die in die Gegenwart verlegte Henry-James-Verfilmung „Die Freunde der Freunde“ (mit Matthias Schweighöfer in der Hauptrolle, als er noch kein Star war). Beide Filme zeigten, dass Graf sich nicht nur auf den Straßen der Großstadt wohlfühlt und wenn man beide Filme kennt, ist sein neuer Film „Die geliebten Schwestern“, der schon auf der Berlinale von der Kritik abgefeiert wurde, gar nicht so überraschend.
Ins Kino kommt jetzt eine 139-minütige Fassung. Auf der Berlinale lief eine 170-minütige Fassung und später im Fernsehen soll eine 190-minütige Fassung laufen, die dann wohl einige Probleme nicht mehr hat, die die jetzige Kinofassung hat. Denn wie in das Biopic „Carlos – Der Schakal“ zerfastert „Die geliebten Schwetern“ im letzten Drittel. Graf sagt zwar, dass die drei Fassungen sich nur in ihrem Erzählrhythmus unterscheiden. Trotzdem hatte ich den Eindruck, dass gegen Ende herzhafter zur Schere gegriffen und der anfängliche Erzählfluss grob gestört wurde. Jedenfalls war da so bei „Carlos, der Schakal“, und seitdem ich die TV-Fassung kenne, ist das im Kino ungeliebte letzte Drittel der beste Teil des Biopics.
Graf, der für seinen neuesten Film auch das Drehbuch schrieb, erzählt eine Dreiecksgeschichte, eine Liebesgeschichte zwischen einem Mann und zwei Frauen, sozusagen „’Jules & Jim‘ umgekehrt“, und weil der Mann Friedrich Schiller ist, spielt der Film in der Vergangenheit.
1788 lernt der Dichter (Florian Stetter), der durch sein Theaterstück „Die Räuber“ bekannt ist, in Weimar zufällig Charlotte von Lengefeld (Henriette Confurius) kennen. Charlotte ist bei ihrer Tante, der unglücklich verliebten Frau von Stein (Maja Maranow), um zu einer Hofdame erzogen zu werden und einen finanziell gut ausgestatteten Mann zu finden. Der mittellose Friedrich Schiller ist es nicht, aber Charlotte kann mit dem höfischen Leben nichts anfangen und nachdem sie von ihrem letzten Verehrer sitzen gelassen wurde, ist sie auch zu Tode betrübt. Ihr gelingt es noch nicht einmal einen vermögenden Dummkopf von ihren Vorzügen zu überzeugen.
Da findet ihre etwas ältere und schon unglücklich verheiratete Schwester Caroline von Beulwitz (Hannah Herzsprung) in Charlottes Schreibtisch einen Brief von Friedrich, beantwortet ihn und lädt den Dichter ein, den Sommer in Rudolfstadt an der Saale bei ihnen auf dem Familienanwesen zu verbringen.
Friedrich nimmt die Einladung an und, weil die drei sich prächtig verstehen, erleben sie einen wundervollen Sommer voll unschuldiger Liebe und verschlüsselter Briefe, die sie munter untereinander austauschen.
In diesen Momenten hat der Film die Unschuld und Beschwingtheit, die auch Francois Truffauts „Jules & Jim“ in den ersten Minuten hat und unter den historischen Kostümen geht es überhaupt nicht muffig zu. Graf erzählt eine unglaubliche, aber historisch verbürgte Liebesgeschichte, aus einer Zeit, als Liebesheiraten kaum vorkamen, weil Vernunftehen normal waren. Heiraten waren finanzielle Abkommen, die im Fall der Familie von Lengefeld dazu dienen sollten, das Überleben des Hofes zu sichern. Das konnte ein mittelloser Dichter natürlich nicht leisten.
Aber nach dem Sommer geht das Leben weiter. Nach dem Sommer der Unschuld, heiratet Friedrich Charlotte, er wird Professor in Weimar, sie bekommen mehrere Kinder, während Caroline als Autorin bekannt wird, sie treffen sich in diesen Jahren immer wieder unter vierschiedenen, nicht immer glücklichen Umständen und nie empfinden sie dabei die Lebensfreude und Unschuld des Sommers von 1788, wo Friedrich Schiller auch Johann Wolfgang von Goethe begegnete. Der Film wird episodischer und rast durch die Jahre ohne jemals wieder die Faszination und Ruhe des ersten gemeinsamen Sommers zu haben. Es wird halt, fast schon protokollarisch im gefürchteten Biopic-Stil, das weitere Leben von Friedrich, Charlotte und Caroline abgehandelt.
Natürlich ist „Die geliebten Schwestern“ sehenswert und viel besser als viele andere deutsche Filme. Aber in der Kinofassung ist es auch nicht Grafs bestes Werk, sondern eher Stückwerk, Teil eines größeren Ganzen, das wir erst irgendwann, wenn im Fernsehen die dreistündige Fassung läuft, wirklich beurteilen können.
Die geliebten Schwestern(Deutschland/Österreich 2013/2014)
Regie: Dominik Graf
Drehbuch: Dominik Graf
mit Hannah Herzsprung, Florian Stetter, Henriette Confurius, Claudia Messner, Ronald Zehrfeld, Maja Maranow, Anne Schäfer, Andreas Pietschmann, Michael Wittenborn
Wahrscheinlich werden alle zusehen wollen, wie ein Haufen Männer hinter einem Ball herrennt, aber es gibt auch
Arte, 20.15
Das unsichtbare Mädchen (Deutschland 2011, Regie: Dominik Graf)
Drehbuch: Friedrich Ani, Ina Jung
Vor elf Jahren verschwand die achtjährige Sina. Obwohl ihre Leiche nie gefunden wird, ist ihr Mörder, ein geistig behinderter junger Mann, schnell gefunden. Als Tanner bei aktuellen Ermittlungen über diesen alten Fall stolpert, zweifelt er immer mehr, ob damals wirklcih der richtige Mann verurteilt wurde.
Gewohnt guter Krimi von Dominik Graf, nach einem Drehbuch von Friedrich Ani und Ina Jung, die für eine Doku über die 2001 spurlos in Oberfranken verschwundene Peggy recherchierte. Ihre Recherchen bildeten die Grundlage für „Das unsichtbare Mädchen“.
mit Elmar Wepper, Ulrich Noethen, Ronald Zehrfeld, Silke Bodenstein, Tim Bergmann
Auch „Finsterworld“, der erste Spielfilm von Frauke Finsterwalder, nach einem Drehbuch von ihr und ihrem Ehemann Christian Kracht, spielt, wie die ganzen romantischen Komödien, in einer Parallelwelt; einem Deutschland, das es so nicht gibt. Aber das „Finsterworld“-Deutschland ist ein aus der Zeit gefallenes Deutschland voller gestörter Charaktere, die sich auf die Nerven gehen und die sich letztendlich in ihrer Tristesse gut eingerichtet haben.
In dem Film gibt es ein Ehepaar, das nur das Negative sieht und ihren Deutschlandhass in kurzweiligen Sentenzen von sich gibt, einen Fußpfleger, der sich im Alterheim in eine Bewohnerin verliebt, einen Polizisten, der in einem Bärenkostüm nach Nähe sucht, eine TV-Reporterin, die in ihren Drei-Minuten-Reportagen gerne große Kunst über das wahre Leben abliefern würde und dabei doch nur um sich selbst kreist, einen Einsiedler, der stumm im Wald lebt, und uniformierte Schüler, die sich während einer Klassenfahrt zu einem Konzentrationslager nicht für das Leid der Ermordeten interessieren.
Weil diese Charaktere teilweise miteinander verwandt sind und sie sich während des Films mehr oder weniger zufällig begegnen, hängen die Geschichten, die eigentlich eher Episoden aus einem beschädigten Land sind, im bewährten „Short Cuts“- oder „Magnolia“-Stil locker miteinander zusammen. Aber letztendlich werden sie nicht durch einen erzählerischen Zusammenhang, sondern durch den durchgehend misantrophischen Blick auf die Charaktere und Deutschland zusammen gehalten.
„Finsterworld“ ist ein, auch in der Inszenierung, durch und durch künstlicher Film, der wenig über Deutschland, aber viel über die Macher und ihren Hass auf Deutschland verrät. Dieser Deutschland-Hass ist allerdings ein unter Linksintellektuellen seit Jahrzehnten so gepflegter Topoi, dass „Finsterworld“ wie ein später Nachfolger des Neuen Deutschen Films und eine Rainer-Werner-Fassbinder-Hommage wirkt.
Deshalb ist es ein aus der Zeit gefallener Film, ohne besonders großen Erkenntnisgewinn, aber durchaus immer wieder spaßig anzusehen. Vor allem wenn Corina Harfouch und Bernhard Schütz als versnobtes, sich prächtig verstehendes Ehepaar ihren Deutschlandhass pflegen. Schütz nennt sie im Presseheft treffend „Manufaktum-Faschisten“.
Oder Sandra Hüller als endlos plappernde, um sich selbst kreisende Dokumentarfilmerin, die mit Michelangelo Antonionis „Liebe 1962“ einen vollkommen verschobenen Referenzrahmen für ihre kurzen TV-Dokus, in denen sie das wahre Leben zeigen will, nennt.
Und Ronald Zehrfeld als ihr Freund und knuffiger Polizist im Bärenkostüm ist natürlich schön anzusehen.
Da braucht es dann keine „Feuchtgebiete“ Carla Juri als Schülerin und „Dutschke“ Christoph Bach als gutwilligen Lehrer, der seine Schüler mit einem KZ-Besuch fortbilden will. Dabei ist er viel zu jung für einen 68er-Lehrer, aber er verkörpert exakt diesen Typus.
Wie gesagt: „Finsterworld“ ist ein aus der Zeit gefallener Film. Ein Film, der einerseits dreißig, vierzig Jahre zu spät kommt, andererseits ein probates Gegengift zu den deutschen Kinokomödien, wie „Irre sind männlich“, „Vaterfreuden“ oder „Der fast perfekte Mann“, ist.
Wie gerne würde ich „Zwischen Welten“, den neuen Film von Feo Aladag loben. Ihr vorheriger Film „Die Fremde“ hatte zwar Storyprobleme, vor allem das plötzliche Ende und das unentschlossene Agieren der Protagonistin gefielen mir nicht, aber er bot einen guten Einblick in das Leben einer jungen Türkin, die versuchte zwischen der deutschen und der türkischen Kultur ihren Weg zu finden.
In „Zwischen Welten“ geht es um den Culture Clash zwischen deutschen Soldaten, die in Afghanistan die „Freiheit am Hindukusch“ verteidigen und der dortigen Bevölkerung.
Jesper meldet sich für einen weiteren Afghanistan-Einsatz zurück. Er soll mit seiner Truppe ein Dorf gegen den wachsenden Einfluss der Taliban schützen. Um sich mit den Einheimischen zu verständigen, ist er auf die Hilfe von Tarik, einem jungen Dolmetscher, angewiesen. Tarik und seine Schwester schweben allerdings in großer Gefahr, weil er aufgrund seiner Arbeit als Verräter gilt.
Das ehrliche Bemühen, etwas über den Auslandseinsatz der Bundeswehr und Afghanistan zu erzählen, kann Aladag nicht abgesprochen werden. Sie drehte vor Ort. Mit Einheimischen. Sie wollte nicht nur die Perspektive der Soldaten, sondern auch der Einheimischen und der Frauen zeigen. Sie wollte auch zeigen, dass es in den Städten (gedreht wurde in Kunduz und Mazar-i-Sharif) ein ganz normales Leben gibt – und diese Einblicke in den afghanischen Alltag sind auch die stärksten Szenen des Films.
Aber eine schlüssige Geschichte fand sie nicht und so reiht sie eine undramatische Szene an die nächste. Die Handlungsmotive bleiben größtenteils im Dunkeln. Die Beziehung zwischen Jesper und Tarik wirkt immer wie eine Drehbuchbehauptung. Die Männer von Jespers Einheit bleiben austauschbar. Auch über Jesper erfahren wir eigentlich nichts.
Diese mangelhafte Charakterisierung fällt besonders stark auf, wenn man sie mit der Einführung der Charaktere in „Lone Survivor“ vergleicht. In dem Film wurden die Protagonisten innerhalb weniger Minuten zu dreidimensionalen Charakteren, deren Tod uns Nahe ging. In „Zwischen Welten“ ist das, wenn Menschen sterben oder verletzt werden, nicht der Fall.
Am Ende des deshalb langweiligen, thesenhaften und didaktisch ausgewogenen Films bleibt das Gefühl, dass uns etwas wichtiges gesagt werden sollte. Aber wir haben keine Ahnung was – und da hilft auch kein Dreh vor Ort mit Einheimischen.
Das unsichtbare Mädchen (D 2011, R.: Dominik Graf)
Drehbuch: Friedrich Ani, Ina Jung
Vor elf Jahren verschwand die achtjährige Sina. Obwohl ihre Leiche nie gefunden wird, ist ihr Mörder, ein geistig behinderter junger Mann, schnell gefunden. Als Tanner bei aktuellen Ermittlungen über diesen alten Fall stolpert, zweifelt er immer mehr, ob damals wirklcih der richtige Mann verurteilt wurde.
Gewohnt guter Krimi von Dominik Graf, nach einem Drehbuch von Friedrich Ani und Ina Jung, die für eine Doku über die 2001 spurlos in Oberfranken verschwundene Peggy recherchierte. Ihre Recherchen bildeten die Grundlage für „Das unsichtbare Mädchen“.
mit Elmar Wepper, Ulrich Noethen, Ronald Zehrfeld, Silke Bodenstein, Tim Bergmann