Neu im Kino/Filmkritik: Über Adrian Goigingers fünften Kinofilm „Vier minus drei“

April 17, 2026

Barbara, Heli, Fini und Thimo sind eine glückliche Familie.

Wenige Tage nach einem Autounfall muss Barbara ihren Mann Heli und ihre Kinder Fini und Thimo beerdigen und mit ihrer Trauer umgehen.

Adrian Goiginger verfilmte diese wahre Geschichte, die auf Barbara Pachl-Eberharts gleichnamiger Bestseller-Autobiographie von 2010 beruht, als zwischen Barbaras Versuchen, einen Weg aus ihrer Trauer zu finden und ihren Erinnerungen an Heli und ihre beiden Kinder. Goiginger erzählt, wie Barbara (Valerie Pachner) den Clown Heli (Robert Stadlober) auf der Straße kennen lernt, wie sie sich ineinander verlieben und, unter anderem in Krankenhäusern, als Clowns auftreten, auf dem Land ein geerbtes, heruntergekommenes Haus beziehen und renovieren und wie sie mit ihren beiden Kindern umgehen. Sie sind eine glückliche, auf einem Dorf in Österreich lebende Familie.

Nach dem Unglück muss Barbara einen Weg finden, mit dem Verlust umzugehen. Dabei lernt sie den als Landarzt bekannten Schauspieler Friedrich (von Hanno Koffler seltsam steif gespielt) kennen. Er interessiert sich für sie, aber es ist unklar, ob er sich für die trauernde Witwe aus irgendeinem Verantwortungsgefühl, aus Liebe oder weil er erfahren möchte, wie es ist, eine Beziehung zu einer Frau aufzubauen, die kürzlich ihren Mann und ihre Kinder verloren hat. Dieser TV-Seriendarsteller ist die merkwürdigste, unglaubwürdigste und am wenigsten sympathische Figur des gesamten Films. Dabei sollte er genau das nicht sein.

Ein weiteres Problem von „Vier minus drei“ ist das abrupte Ende. Über gut zwei Stunden erzählt Goiginger feinfühlig von Barbaras Leben nach dem tödlichen Unfall und ihren Erinnerungen an ein weitgehend glückliches Leben mit dem immer gut gelauntem Clown Heli. Es sind Episoden, aus denen sich keine richtig nacherzählbare Geschichte ergibt. Er folgt dabei – zum Glück! – nicht den bekannten Stufen der Trauer, die eine absolut vorhersehbare Geschichte ergäben. Das fließt etwas undramatisch, aber angenehm anzusehend und mit der aus Goigingers vorherigen Filmen bekannten Sympathie für seine Figuren und ihr nicht der bürgerlichen Norm entsprechendes Leben vor sich hin. Dann scheint Goiginger bemerkt zu haben, dass schon fast zwei Filmstunden um sind. Plötzlich steht Barbara auf der Bühne und ist geheilt, während man sich im Kinosaal fragt, ob man jetzt nicht gerade mindestens zwei Erzählschritte zwischen Barbaras Verlust ihrer Familie und ihrer Rückkehr ins Leben verpasst hat.

Vier minus drei (Österreich/Deutschland 2025)

Regie: Adrian Goiginger

Drehbuch: Senad Halilbašić

LV: Barbara Pachl-Eberhart: Vier minus drei – Wie ich nach dem Verlust meiner Familie zu einem neuen Leben fand, 2010

mit Valerie Pachner, Robert Stadlober, Stefanie Reinsperger, Hanno Koffler, Margarethe Tiesel, Paul Wolff-Plottegg, Michael Gampe, Petra Morzé, Michael Fuith, Wolfgang Lampl

Länge: 121 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Vier minus drei“

Moviepilot über „Vier minus drei“

Wikipedia über „Vier minus drei“

Berlinale über „Vier minus drei“

Meine Besprechung von Adrian Goigingers „Die beste aller Welten“ (Österreich/Deutschland 2017)

Meine Besprechung von Adrian Goigingers „Märzengrund“ (Österreich/Deutschland 2022)

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Meine Besprechung von Adrian Goigingers „Rickerl – Musik is höchstens a Hobby“ (Österreich/Deutschland 2023)


TV-Tipp für den 23. August: 7500

August 22, 2024

Arte, 20.15

7500 (Deutschland 2019)

Regie: Patrick Vollrath

Drehbuch: Patrick Vollrath, Senad Halilbasic

Hochspannender Thriller über eine Flugzeugentführung. Der Clou des Films ist, dass Patrick Vollrath die Geschichte ausschließlich im Cockpit des Passagierflugzeugs spielen lässt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Joseph Gordon-Levitt, Omid Memar, Aylin Tezel, Murathan Muslu, Carlo Kitzlinger

auch bekannt als „Code 7500“ (alternativer TV-Titel)

Hinweise

Filmportal über „7500“

Moviepilot über „7500“

Rotten Tomatoes über „7500“

Wikipedia über „7500“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Patrick Vollraths „7500“ (Deutschland 2019)


TV-Tipp für den 13. Oktober: 7500

Oktober 12, 2023

3sat, 22.25

7500 (Deutschland 2019)

Regie: Patrick Vollrath

Drehbuch: Patrick Vollrath, Senad Halilbasic

Hochspannender Thriller über eine Flugzeugentführung. Der Clou des Films ist, dass Patrick Vollrath die Geschichte ausschließlich im Cockpit des Passagierflugzeugs spielen lässt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Joseph Gordon-Levitt, Omid Memar, Aylin Tezel, Murathan Muslu, Carlo Kitzlinger

auch bekannt als „Code 7500“ (alternativer TV-Titel)

Hinweise

Filmportal über „7500“

Moviepilot über „7500“

Rotten Tomatoes über „7500“

Wikipedia über „7500“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Patrick Vollraths „7500“ (Deutschland 2019)


TV-Tipp für den 10. September: Code 7500

September 9, 2021

Arte, 20.15

Code 7500 (Deutschland 2019)

Regie: Patrick Vollrath

Drehbuch: Patrick Vollrath, Senad Halilbasic

TV-Premiere. Hochspannender Thriller über eine Flugzeugentführung. Der Clou des Films ist, dass Patrick Vollrath die Geschichte ausschließlich im Cockpit des Passagierflugzeugs spielen lässt.

Mehr in meiner ausführlichen Besprechung.

mit Joseph Gordon-Levitt, Omid Memar, Aylin Tezel, Murathan Muslu, Carlo Kitzlinger

auch bekannt als „7500“ (Kinotitel)

Hinweise

Filmportal über „7500“

Moviepilot über „7500“

Rotten Tomatoes über „7500“

Wikipedia über „7500“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Patrick Vollraths „7500“ (Deutschland 2019)


Neu im Kino/Filmkritik: „7500“, dieses Flugzeug wurde entführt

Dezember 27, 2019

Als Pilot Michael Lutzmann (Carlo Kitzlinger) und sein ebenso erfahrener Co-Pilot Tobias Ellis (Joseph Gordon-Levitt) im Cockpit des Airbus A 319 vor dem Start routiniert die Checkliste durchgehen und etwas privat plaudern, erwarten sie einen einen langweiligen Routineflug von Berlin nach Paris.

Kurz nach dem Start übernehmen Entführer das Kommando in der Passagierkabine. Sie wollen unbedingt in das Cockpit. Nach vorherigen Entführungen ist es inzwischen gut gesichert. Nur der Pilot kann die Tür öffnen und genau das soll er unter keinen Umständen tun.

Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände gelingt es einem der Terroristen in das Cockpit einzudringen. Bei dem Kampf wird Pilot Lutzmann schwer verletzt. Co-Pilot Ellis kann Kenan (Murathan Muslu) überwältigen und ihn auf einem Klappsitz fesseln.

Die anderen Terroristen versuchen weiterhin, Ellis zum Öffnen der Tür zu bewegen und so die Gewalt über die Maschine zu erlangen. Dabei schrecken sie auch nicht vor tödlicher Gewalt gegen die Passagiere und Stewardessen zurück. Eine der Stewardessen ist Ellis‘ Freundin und die Mutter ihres Sohnes. Ellis versucht das Schlimmste zu verhindern ohne das Leben der Passagiere zu gefährden oder Gewalt anzuwenden.

Mit seinem Spielfilmdebüt „7500“ sendet Patrick Vollrath, dessen Kurzfilm „Alles wird gut“ 2016 für den Kurzfilmoscar nominiert war, unübersehbar sein Bewerbungsschreiben nach Hollywood. Dafür verpflichtete er mit Joseph Gordon-Levitt einen US-Star als Hauptdarsteller, drehte größtenteils auf Englisch und erzählt eine Thrillergeschichte. Diese spielt als Quasi-Zwei-Personenstück in Echtzeit im engen Cockpit eines Passagierflugzeugs. Nur am Filmanfang, wenn Überwachungskameras das Einchecken der Entführer dokumentieren, und am Filmende verlässt die Kamera für wenige Minuten, eher Sekunden, das Cockpit.

Vollrath gelingt es in diesem engen Raum eine beträchtliche Spannung zu erzeugen.

Das ist nicht in jeder Minute perfekt. Das gilt für allem für die Gespräche zwischen Ellis und den Terroristen, ihrem Motiv und ihrem Plan. Manchmal ist es auch etwas unlogisch. Aber insgesamt ist „7500“ ein spannender B-Thriller, der sich nicht vor vergleichbaren US-Thrillern verstecken muss. Im Gegenteil!

P. S.: Unnützes Wissen: 7500 ist in der internationalen Luftfahrt der Notfallcode für eine Flugzeugentführung.

7500 (Deutschland 2019)

Regie: Patrick Vollrath

Drehbuch: Patrick Vollrath, Senad Halilbasic

mit Joseph Gordon-Levitt, Omid Memar, Aylin Tezel, Murathan Muslu, Carlo Kitzlinger

Länge: 92 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Filmportal über „7500“

Moviepilot über „7500“

Rotten Tomatoes über „7500“

Wikipedia über „7500“ (deutsch, englisch)