Neu im Kino/Filmkritik: „Lee Cronin’s The Mummy“ ist Horror für Ekelfreunde

April 16, 2026

Lee Cronin’s The Mummy“ heißt der Horrorfilm. Dabei wäre für Lee Cronins dritten Film, nach „The Hole in the Grund“ und „Evil Dead Rise“, „Lee Cronin’s The Exorcist“ der zutreffendere Titel.

Sicher, die Geschichte beginnt in Ägypten und sie hat auch irgendetwas mit der ägyptischen Vergangenheit zu tun, aber das verfluchte Mädchen tut genau das, was die zwölfjährige Regan (Linda Blair) in William Friedkins Horrorfilmklassiker tat: in ihrem Zimmer sitzen, eklige Flüssigkeiten ausspeien, schimpfen, die Familie terrorisieren und Menschen in den Tod treiben. Bei Cronin gibt es vor dem Sterben noch etwas ekligen Bodyhorror und sinnfrei gruselige Bilder. So bohrt sich nach einem Flugzeugabsturz ein Ast durch den Kopf und das Auge eines Passagiers. Cronin präsentiert das Bild im hellen Licht des Tages. Dieses und ähnliche Bilder machen die FSK-ab-18-Jahre-Freigabe nachvollziehbar.

Über zwei Stunden präsentiert Cronin die sattsam bekannten Elemente eines Horrorfilms über eine verfluchte Person. Dieses Mal spielt die Geschichte vor allem in einer einsam gelegenen Villa in Albuquerque, New Mexico. Dorthin bringen Charlie (Jack Reynor) und Larissa Cannon (Laia Costa) ihre Tochter Katie (Natalie Grace). Sie verschwand vor acht Jahren spurlos in Kairo. Jetzt wurde sie in Ägypten in einem 3000 Jahre altem Sarkophag gefunden, der in den Trümmern eines abgestürzten Flugzeugs lag. Sie ist katatonisch und extrem geräuschempfindlich. Die beste Therapie sei, so der zuständige Arzt, wenn sie im Kreis ihrer Familie gepflegt werde. Die Cannons holen ihre Tochter zu sich nach Albuquerque. Dort wird Katie von ihren beiden jüngeren Geschwistern und ihrer sehr gläubigen Großmutter (die wie ein Direktimport aus einer italienischen Komödie aus den fünfziger Jahren wirkt) erwartet. Und schon kann Katie beginnen, ihre Familie zu terrorisieren.

Frei von Überraschungen folgt Cronin der von Friedkin etablierten Formel. Die Tonspur und die Ekeleffekte überzeugen. In sie floss Cronins, wie schon in seinem vorherigen Film „Evil Dead Rise“, seine kreative Energie. Die Geschichte selbst ist dann Malen-nach-Zahlen und ohne ein Thema, dass die einzelnen Szenen zusammenhält. Katie ist einfach von einem bösen Geist besessen. Das muss als Motivation für Angst und Schrecken und Tötungen reichen.

Das Ergebnis ist dann nicht die schlechteste Kopie von „Der Exorzist“.

Mit Karl Freunds Klassiker „Die Mumie“ (The Mummy, USA 1933, mit Boris Karloff) hat Lee Cronins „The Mummy“ nichts zu tun. Auch wenn das so vor dem Filmstart immer wieder gesagt wurde.

Lee Cronin’s The Mummy (Lee Cronin’s The Mummy, USA/Irland 2026)

Regie: Lee Cronin

Drehbuch: Lee Cronin

mit Jack Reynor, Laia Costa, May Calamawy, Natalie Grace, Veronica Falcón

Länge: 135 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Moviepilot über „Lee Cronin’s The Mummy“

Metacritic über „Lee Cronin’s The Mummy“

Rotten Tomatoes über „Lee Cronin’s The Mummy“

Wikipedia über „Lee Cronin’s The Mummy“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Lee Cronins „The Hole in the Ground“ (The Hole in the Ground, Irland/Belgien/Finnland 2019)

Meine Besprechung von Lee Cronins „Evil Dead Rise“ (Evil Dead Rise, USA 2023)


Neu im Kino/Filmkritik: Wenn der „Imaginary“ Freund ein böser Teddybär ist

März 14, 2024

Der neueste Streich aus dem Haus Blumhouse ist ein weiterer Horrorfilm, der, dank seines geringen Budgets, sein Geld einspielen und der konstant unter seinen Möglichkeiten bleibt. Dabei sieht die Traumwelt, das Niemals-Jemals, als blaugefärbtes Escher-Labyrinth mit unnatürlichen Bewohnern gut aus und ist, jenseits von Raum, Zeit und Logik, gut für einige überraschende Momente und Bilder. Diese sind vor allem im letzten Drittel des Films. In den ersten Minuten des Films gibt es auch einige Bilder aus dem Niemals-Jemals, die furchteinflößender sind, als alles, was in den folgenden neunzig Minuten passiert.

Zusammen mit ihrem neuen Ehemann, dem tourenden Musiker Max, und den beiden Stieftöchtern, der sechzehhnjährigen Taylor und ihrer jüngeren Schwester Alice zieht die Illustratorin und Kinderbuchautorin Jessica in ihr altes Vorstadt-Elternhaus. Während Jessica für ihr neues Buch Spinnenwesen zeichnet, versucht sie die Vorbehalte, die Taylor und Alice gegen sie haben, zu überwinden. Sie will eine gute Mutter für Max‘ Kinder sein.

Im Keller entdeckt Alice hinter einem Schrank und einer Tür, die einen in schönster Horrorfilm-Tradition anschreit „Nicht öffnen!“, einen Teddy. Sie nennt ihn Chauncey und macht ihn zu ihrem ständigen Begleiter. Der Teddy ist, wie der Titel „Imaginary“ andeutet, ein Imaginärer Freund. Das scheint es bei Kindern öfter zu geben. Auch wenn ich und die Kollegen, mit denen ich mich nach der Pressevorführung über den Film unterhielt, früher keinen Imaginären Freund hatten und niemand Kinder kannte, die einen solchen Imaginären Freund haben oder hatten.

Jedenfalls hat Alice jetzt so einen imaginären Freund, der zunehmend besitzergreifend, bedrohlich und gefährlich wird. Für Alice ist er ein realer Feind, den sie für einen Freund hält. Jessica versucht das Schlimmste zu verhindern – und jetzt kommt einer dieser abgeschmackten Sätze, der das Niveau des Films ziemlich genau beschreibt – um Alice zu retten, muss Jessica sich ihren Ängsten und ihrer Vergangenheit stellen. Denn Chauncey war auch ihr Imaginärer Freund/Feind.

Imaginary“ ist auch für den geneigten, jeden Schund akzeptierenden Horrorfilmfan Graubrot. Eine dämonische Puppe und aus der Vergangenheit zurückkehrende böse Geister sind nichts neues im Genre und die meisten Filme mit besessenen Puppen, die in den letzten Jahren im Kino liefen, waren nicht besonders gut. Das gilt auch für „Imaginary“. Die Story recycled vertraute Figuren und Handlungselemente aus älteren Filmen. Die Handlung beschränkt sich budgetschonend weitgehend auf einen Schauplatz und eine Niemals-Jemals-Fantasiewelt, die aus im Studio errichteten alptraumhaften Wänden und Türen besteht. Der Cast besteht aus einer vierköpfigen Familie und einige kurzen Gastauftritten. Die Größe des Casts gibt dem Horrorfilmfan dann auch schon einen Hinweis auf die Zahl der Toten. Es werden nicht viele sein, die einen schrecklichen Horrorfilmtod erleiden könnten.

Immerhin ist „Imaginary“, dank des Verzichts auf eine wackelige Wackelkamera, professionell gefilmt.

Imaginary (Imaginary, USA 2024)

Regie: Jeff Wadlow

Drehbuch: Greg Erb, Jason Oremland, Jeff Wadlow

mit DeWanda Wise, Tom Payne, Taegen Burns, Pyper Braun, Veronica Falcon, Betty Buckley

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Imaginary“

Metacritic über „Imaginary“

Rotten Tomatoes über „Imaginary“

Wikipedia über „Imaginary“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jeff Wadlows Mark-Millar-Verfilmung „Kick-Ass 2“ (Kick-Ass 2, USA 2013)


Neu im Kino/Filmkritik: Hallochen! Herzlich willkommen zur „Jungle Cruise“

August 1, 2021

1916: Lily Houghton (Emily Blunt) will im Amazonas einen einzigartigen Baum finden, der wunderheilende Kräfte haben soll und dessen Entdeckung für die Medizin einen unvorstellbaren Fortschritt bedeuten würde. Wo er ist, weiß niemand. Aber es gibt eine Schatzkarte und ein Amulett, das bei der Entdeckung des Baumes eine wichtige Rolle spielen wird. Mit diesen beiden Gegenständen und Frank Wolff (Dwayne Johnson) will Houghton den Baum finden. Begelitet wird sie von ihrem Bruder MacGregor (Jack Whitehall), der, nun, kurz gesagt, die aus älteren Filmen bekannte Rolle der Frau übernimmt: ängstlich, auf Etikette bedacht, mit Tonnen an wichtigem Gepäck für eine Dschungelreise, wie täglich frische Kleider für jedes gesellschaftliche Ereignis, und Tennisschläger.

Wolff ist der Kapitän eines Schiffes, das eine schwimmende Bruchbude und Wundertüte ist. Für die älteren Semester muss jetzt der Hinweis auf John Hustons in Afrika spielender Bootsfahrt „African Queen“ mit Humphrey Bogart und Katherine Hepburn kommen. Auch wenn es außer dem Zickenkrieg zwischen Blunt und Johnson, einem Boot und einem Fluss wenig Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Liebeskomödien gibt. Und damit zurück zur „Jungle Cruise“.

Verfolgt werden Houghton und Wolff von Prinz Joachim (Jesse Plemons), einem deutschen Operettenbösewicht, der in der Originalfassung erstaunlich viele Sätze (und das allseits beliebte S-Wort) auf Deutsch sprechen darf, Nicht erstaunlich ist, dass er eine Spur der Verwüstung hinterlässt.

Jungle Cruise“ ist, wie die „Pirates of the Caribbean“ (Piraten der Karibik), die Verfilmung einer Attraktion in Disneyland. Wobei diese Attraktionen keine Geschichte erzählen, sondern nur Situationen und Sets liefern, die irgendwie zu einer Filmgeschichte ausgebaut werden. Bei den Piraten der Karibik gelang das in kommerzieller Hinsicht sehr gut. Bei anderen Disney-Themenparks gelang das in finanzieller Hinsicht weniger gut. „Jungle Cruise“ ist jetzt der neueste Versuch, eine Erlebniswelt in Disneyland in eine Serie von Kinofilmen umzuwandeln. Und dieses Mal könnte es gelingen.

Die Inspiration für die „Jungle Cruise“ in Disneyland war, als die erste Dschungelfahrt 1955 in Anaheim, Kalifornien eröffnet wurde, der schon erwähnte Filmklassiker „African Queen“. Die Bootsfahrt wurde mit wahren und erfundenen Informationen über das gefährliche Leben im Dschungel aufgepeppt. Ungefähr so, wie Wolff in den ersten Filmminute eine Gruppe Touristen durch den Dschungel schippert und eigentlich jede Gefahr, Verzögerung, Begegnung mit am Ufer stehenden Wilden und Tieren geplant ist.

Der immer zuverlässige Thriller-Regisseur Jaume Collet-Serra (zuletzt „The Shallows“ und „The Commuter“ ) inszenierte nach einem Drehbuch von Michael Green, Glenn Ficarra und John Requa seine „Jungle Cruise“ als ein buntes Retro-Abenteuer, das vor über hundert Jahren spielt und vor über siebzig oder sogar achtzig Jahren genauso hätte inszeniert werden können. Denn „Jungle Cruis“ (der Film) ist eine Mischung aus Abenteuerfilm und Screwball-Comedy mit einigen modernen, aber letztendlich vernachlässigbaren Elementen. So werden deutlich mehr und deutlich mehr wichtige Rollen von Frauen gespielt. Die Bösewichter (alles Männer) verharren dagegen auf dem aus den Dreißigern bekanntem Comic-Level, das sie zu überdimensional lächerlichen Männern macht. Und wahrscheinlich jedes Bild wurde mit Computereffekten überarbeitet. So dürfte kein einziges Tier bei den Dreharbeiten dabei gewesen sein.

Emily Blunt übernimmt die Rolle des männlichen Helden. Sie ist Indiana Jones (den „Indiana Jane“-Gag hat schon jemand anderes gemacht und so toll ist er auch nicht). Sie hat vor nichts Angst. Außer vor Wasser; weil sie nicht schwimmen kann. In diesen Abenteuerfilmen sit eine so starke Frauenfigur neu. Schließlich waren sie bislang die in Stöckelschuhen, panisch schreiend, auf ihre Garderobe und ihre Frisur bedachten, durch die Wildnis laufenden, gut aussehenden, aber für Abenteuer vollkommen untauglichen Wesen. Echte Männer, wie Indiana Jones (um nur den bekanntesten Vertreter dieser beliebten Grabräuber zu nennen), waren die Helden der Filme. Lily Houghton übernimmt mit ihrer ‚erst handeln, dann nachdenken‘-Attitütde diesen Stab überzeugend.

Ihr Filmbruder ist, wie gesagt, der humoristische Sidekick, der kreischende Feigling, der im Dschungel keine vier Minuten überleben würde. Und er ist schwul. Und natürlich steht er spätestens im Schlusskampf seinen Mann.

Jungle Cruise“ ist ein unterhaltsamer Abenteuerfilm, in dem es für unsere Helden nie wirklich gefährlich wird. Einerseits weil die gefährlichen Situationen sich meist schnell in Wohlgefallen auflösen, andererseits weil die Computereffekte bei den Tieren oft überdeutlich sind. Die Story plästschert oft mehr als nötig episodisch vor sich hin und, wenn sich Houghton und Wolff fetzen, gibt es weniger Lacher als ich nach dem Trailer erwartet hatte.

Damit ist „Jungle Cruise“ letztendlich ein Film für Kinder – solange sie keine Angst vor Schlangen haben.

Jungle Cruise (Jungle Cruise, USA 2021)

Regie: Jaume Collet-Serra

Drehbuch: Michael Green, Glenn Ficarra, John Requa (nach einer Geschichte von John Norville, Josh Goldstein, Glenn Ficarra und John Requa)

mit Dwayne Johnson, Emily Blunt, Edgar Ramírez, Jack Whitehall, Jesse Plemons, Paul Giamatti, Veronica Falcón

Länge: 128 Minuten

FSK: ab 12 Jahre (wahrscheinlich wegen der Schlangen, die bei Indiana Jones dann doch echter waren)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Englische Homepage zum Film

Moviepilot über „Jungle Cruise“

Metacritic über „Jungle Cruise“

Rotten Tomatoes über „Jungle Cruise“

Wikipedia über „Jungle Cruise“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „Non-Stop“ (Non-Stop, USA 2013; ebenfalls mit Liam Neeson)

Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „Run all Night“ (Run all Night, USA 2015; dito)

Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „The Shallows – Gefahr aus der Tiefe“ (The Shallows, USA 2016)

Meine Besprechung von Jaume Collet-Serras „The Commuter“ (The Commuter, USA/Großbritannien 2017)