Neu im Kino/Filmkritik: „Resident Evil“, jetzt inszeniert von Zach Cregger

Früher wäre das ein Abstieg gewesen. Nach zwei hochgelobten und kommerziell erfolgreichen Horrorfilmen dreht ein Regisseur den achten Kinofilm einer existierenden Reihe, die nie die Kritikerherzen eroberte, aber zuverlässig – jedenfalls bei den ersten sechs Filmen, der siebte floppte – das Publikum ins Kino lockte. Solche Regiearbeiten waren Aufträge, die von einem Handwerker oder einem Anfänger, der den Drehplan einhält, aber nicht von einem aufstrebenden Regisseur erledigt wurde. Eine irgendwie geartete eigene Handschrift oder eigenständige künstlerische Vision war nicht erwünscht.

Heute sieht das, wie in den vergangenen Jahren verschiedene mehr oder weniger gelungene Reboots/Remakes/Re-Imaginationen bestehender Franchises zeigten, anders aus. Da inszenierten bekannte Indie-Regisseure oder erfolgreiche Regisseure nicht ihren nächsten eigenständigen Film, sondern sie reihten sich als x-ter Regisseur in ein bestehendes Franchise ein. Teils, vor allem wenn sie einen Superheldenfilm drehten, mit einem Budget, von dem sie davor nicht einmal zu träumen wagten. Der aktuell im Kino laufende Meta-Horrorfilm „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ macht sich über diesen neuesten Reboot-Trend lustig.

Im Fall von „Resident Evil“, dem achten Kinofilm des „Resident Evil“-Franchise durfte „Barbarian“- und „Weapons“-Regisseur Zach Cregger offiziell 75 Millionen US-Dollar ausgeben. Das ist das bislang höchste Budget eines „Resident Evil“-Films; auch wenn einige der ersten, von Paul W. S. Anderson mit Milla Jovovich in der Hauptrolle verantworteten und größtenteils inszenierten Filme inflationsbereinigt über ein ähnliches Budget verfügen könnten. Aber nach dem ersten Reboot-Versuch „Resident Evil: Welcome to Raccoon City“ (2021), der 25 Millionen US-Dollar gekostet haben soll und 42 Millionen US-Dollar einspielte, ist ein solches Budget ein deutlicher Hinweis auf die Gewinnerwartungen der Produzenten.

Auch wer die gleichnamige, sehr erfolgreiche Computerspielreihe nicht kennt und die vorherigen, ebenfalls kommerziell sehr erfolgreichen „Resident Evil“-Filme primär ignorierte, dürfte mitbekommen haben, dass es um ein aus dem Ruder laufendes Biowaffenexperiment eines Konzerns geht und Menschen gegen blutrünstige Zombies kämpfen müssen.

In Interviews und im Presseheft betont Zach Cregger seine Hingabe zum Computerspiel und dass er seine Vision inszenieren durfte. Dafür erfand er eine Geschichte, die auf keinem der Spiele basiert, sondern „could exist on the edges of one of the games“ (Zach Cregger).

Es geht um den Kurierfahrer Bryan (Austin Abrams). In einer verschneiten Winternacht soll er ein sehr wichtiges Paket mit irgendeinem biomedizinischem Inhalt zu dem in in den Bergen gelegenem Krankenhaus von Raccoon City, Colorado, bringen. Schnell wird der scheinbar harmlose Auftrag für ihn zu einem Kampf ums Überleben. Zuerst wird er von einer bisswütigen, spärlich bekleideten, anscheinend nicht sterblichen Frau verfolgt. Dann von einem ebenso bisswütigem tollwütigem Hund. Und das ist erst der Anfang.

Bryan ist dabei ein leicht schluffiger Normalo mit einer schwangeren Freundin und aus Computerspielen stammender Kampferfahrung. Die hilft ihm allerdings nur bedingt, weil eine Waffe in einem Spiel anders reagiert als in der Realität und eine Pistole zuerst entsichert werden muss.

Cregger bleibt während des gesamten Films bei Bryan. Wir sehen und wissen nur, was er sieht und weiß. Er ist ein Mann, der in eine Situation gerät, die ihn hoffnungslos überfordert und in der er nur noch reagieren kann. Das gelingt ihm mal besser, mal schlechter und sorgt für einige Lacher, wenn er von allen möglichen Entscheidungen die dümmste Entscheidung trifft oder er auf von der Situation ähnlich überforderte, panisch agierende Menschen trifft, die kurz darauf Zombiefutter sind.

Cregger erzählt seine bekannte Bilder und Motive recyclende B-Movie-Geschichte in schlanken neunzig Minuten, ohne störende Subplots und ohne Zeitsprünge. Es ist eine simple „Man on a mission“-Geschichte. Bryan wird die Tasche abliefern. Niemand wird ihn daran hindern, seinen Auftrag zu erfüllen. Schon gar nicht irgendwelche Zombies.

Resident Evil (Resident Evil, Deutschland/USA 2026)

Regie: Zach Cregger

Drehbuch: Zach Cregger, Shay Hatten

mit Austin Abrams, Zach Cherry, Kali Reis, Paul Walter Hauser, Johnno Wilson

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Resident Evil“

Moviepilot über „Resident Evil“

Metacritic über „Resident Evil“

Rotten Tomatoes über „Resident Evil“

Wikipedia über „Resident Evil“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Paul W. S. Andersons „Resident Evil: The Final Chapter“ (Resident Evil: The Final Chapter, USA 2016)

Meine Besprechung von Johannes Roberts‘ „Resident Evil: Welcome to Raccoon City“ (Welcome to Raccoon City, USA/Deutschland/Großbritannien 2021)

Meine Besprechung von Zach Creggers „Weapons – Die Stunde des Verschwindens“ (Weapons, USA 2025)

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..