Neu im Kino/Filmkritik: „Die Blutgräfin“ besucht Wien

Die Gräfin Elizabeth Bathory ist zurück. Nach 25 Jahren taucht sie wieder in Wien auf und wieder versinkt die Stadt in einem irren und, dank der Inszenierung, den Locations und den Kostümen, sehr stilbewusstem Blutrausch.

Gespielt wird die Gräfin von Isabelle Huppert. Inszeniert wurde der Film von Ulrike Ottinger, einer Legende des feministischen Kinos. Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek half bei dem Drehbuch. Von ihr sind die Anspielungen auf die österreichische Kultur und Geschichte. Die Zusammenarbeit zwischen Ottinger und Jelinek am Drehbuch begann in den frühen Nuller Jahren. Auch Isabelle Huppert wurde schon vor zwanzig Jahren auf die Rolle angesprochen. Sie war interessiert. Die Finanzierung gestaltete sich dann schwierig.

Neben Huppert spielen Birgit Minichmayer, Thomas Schubert, Lars Eidinger und Conchita Wurst (Göttlich! Kein weiterer Kommentar.) in diesem wundervoll respektlosem Tanz der Vampire mit.

Und das war es mit dem selektivem Name-Dropping für einen doch sehr speziellen Film. Die Figuren tragen absurde Namen, es gibt einen vegetarischen Vampir, weitere zur Familie gehörende, burschenschaftlich-halbstarke Vampire, einen Therapeuten, der die Vampirsichtungen seines Klienten für mit einer Konfrontationstherapie behandelbare Spinnereien hält, einen Kommissar, der sich an ein frühere Blutbäder erinnert, zwei verschrobene Wissenschaftler, die die Tagung „Identität der Vampire im Zeitalter ihrer digitalen Reproduzierbarkeit“ besuchen. Als sie erfahren, dass die Blutgräfin Elizabeth Bathory zufällig ebenfalls in dem Nobelhotel nächtigt, sind sie begeistert. Und es gibt ein sehr wienerisches morbid theaterhaft überhöhtes Wien, in dem die Begegnung zwischen Menschen und Vampiren normal ist.

Die vernachlässigbare Geschichte über ein Buch, das alle wollen, spielt in einem Operettenwien, das die Bühne für ein einziges gigantisches Kostümfest ist. Die Dialoge sind bewusst künstlich. Die Namen der Figuren, wie Rudi Bubi Baron von Strudl zur Buchtelau, Theobastus Bombastus, Nepomuk Nachbiss oder Oberinspektor Unglaube, sind Kabarettnamen. Die Bilder sind eindeutig für das Kino konzipiert. Martin Gschlacht arbeitete auf der Grundlage von Storyboards, die Ulrike Ottinger zeichnete. Bei ihren vorherigen Filmen war sie die Kamerafrau.

Ulrike Ottinger ist eine der wenigen Regisseurinnen des Neuen Deutschen Films. Neben der Filmregie war die Feministin Malerin, Fotografin, Galeristin, Filmclub-Betreiberin, Mitgründerin des Verbandes der Filmarbeiterinnen, Theater- und Opernregisseurin.

Am bekanntesten ist ihre Berlin-Trilogie „Bildnis einer Trinkerin“ (1979), „Freak Orlando“ (1981) und „Dorian Gray im Spiegel der Boulevardpresse“ (1984). Danach konzentrierte sie sich auf teils episch lange Dokumentarfilme.

Der wienerisch-morbide Vampirfilm „Die Blutgräfin“ ist jetzt ihre sehr stilbewusste Rückkehr zum Spielfilm. Gewohnt experimentell spielt sie mit Zitaten und Mythen, während die Blutgräfin und ihre Zofe durch Wien wandeln und alle seine Vampire ein Fest feiern mit den Lebenden und bald Toten.

Die Blutgräfin (Österreich/Deutschland/Luxemburg 2026)

Regie: Ulrike Ottinger

Drehbuch: Ulrike Ottinger, Elfriede Jelinek (Dialoge)

mit Isabelle Huppert, Birgit Minichmayer, Thomas Schubert, Lars Eidinger, André Jung, Marco Lorenzini, Karl Markovics, Felix Oitzinger, Tom Neuwirth (aka Conchita Wurst), Maresi Riegner, Branko Samarovski, Inge Maux, Paul Matic

Länge: 120 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Die Blutgräfin“

Moviepilot über „De Blutgräfin“

Metacritic über „Die Blutgräfin“

Rotten Tomatoes über „Die Blutgräfin“

Wikipedia über „Die Blutgräfin“ (deutsch, englisch)

Berlinale über “Die Blutgräfin”

Homepage von Ulrike Ottinger

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