Neu im Kino/Filmkritik: “Drei Kameradinnen” und die Vorurteile der Gesellschaft

Kurz nachdem die drei Kindheitsfreundinnen Kasih, Saya und Hani sich nach langer Zeit wieder treffen und durch die Siedlung, in der sie groß wurden, ziehen, wird ein Anschlag auf ein Mehrfamilienhaus verübt. Es gibt Verletzte und mehrere Tote. Die Polizei verhaftet Saya. Das Motiv ist unklar, könnte aber linksextremistisch oder islamistisch sein.

Kasih will nicht glauben, dass Saya eine Mörderin sein soll.

Ausgehend von diesem Anschlag entwirft Milena Aboyan in ihrem neuen Film, der auf dem hochgelobtem gleichnamigen Roman von Shida Bazyar basiert, eine atemberaubende Reise durch das migrantische Leben in den vergangenen Jahrzehnten in Deutschland. Weil Kasih eine extrem unzuverlässige Erzählerin ist, die mit den Vorurteilen der deutschen Mehrheitsgesellschaft gegenüber den ‚Ausländern‘, dem eigenen Selbstbild und dem nach außen getragenem Image spielt, ist in dieser nicht-chronologischen, assoziativen Erzählung auch unklar, was denn nun Wahrheit, was Lüge, was Vorurteile sind. Ob und warum Saya die Tat beging oder nicht beging, ist dabei sekundär. Auch weil Kasih, die Saya längere Zeit nicht gesehen hat, darüber nur mehr oder weniger zutreffende Vermutungen anstellen kann.

Diese Nicht-Geschichte erzählt Aboyan erfrischend weit von den üblichen TV-Konventionen und dem Mainstream deutscher Spielfilme.

Deshalb fallen die überaus konventionelle Farbgebung und Bildgestaltung und die partiell zeitlich eindeutige Verortung der Geschichte negativ ins Gewicht. Hier hätte Aboyan locker auf jede Jahresangabe verzichten können. „Drei Kameradinnen“ handelt von einem Gefühl und es ist Kasihs zum Scheitern verurteilter Versuch einer Wahrheitsfndung, während sie sich und uns mit verschiedenen Selbstbildern und Zuschreibungen konfrontiert.

Drei Kameradinnen (Deutschland 2026)

Regie: Milena Aboyan

Drehbuch: Milena Aboyan

LV: Shida Bazyar: Drei Kameradinnen, 2021

mit Bayan Layla, Manal Raga a Sabit, Brikena Ray, Hadnet Tesfai, Eugene Boateng, Jasmin Shakeri, Meret Becker, David Richter

Länge: 93 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Homepage zum Film

Filmportal über „Drei Kameradinnen“

Moviepilot über „Drei Kameradinnen“

Wikipedia über „Drei Kameradinnen“

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