DVD-Kritik: „Der Zinker“, die alte Version

November 1, 2010

Lange vor den immer noch beliebten Edgar-Wallace-Filme der Rialto, die einmal im Jahr im Fernsehen laufen, gab es zahlreiche weitere Edgar-Wallace-Verfilmungen, die heute kaum noch jemand kennt. Etliche englische Edgar-Wallace-Verfilmungen wurden nie synchronisiert. Die Stummfilme werden sowieso nicht mehr gezeigt. Und die frühen Tonfilm-Verfilmungen entsprechen nicht mehr den heutigen Sehgewohnheiten. Deshalb werden sie so oft wie die Stummfilme gezeigt.

Filmfestivals und spezialisierte Kinos sind da, falls überhaupt noch eine Kopie des Films existiert, nur ein kümmerlicher Ersatz.

Deshalb ist die jetzt in der DVD-Reihe „Schätze des deutschen Tonfilms“ veröffentlichte, Verfilmung von „Der Zinker“ eine rundum begrüßenswerte Veröffentlichung, die aus zwei in Archiven gefundenen Kopien zusammengeschnitten wurde. Bild und Ton wurden überarbeitet und sind erstaunlich gut, das Bonusmaterial ist informativ und neben der Originalfassung ist auch die von Florian C. Reithner für die Wiederaufführung komponierte Musik auf der DVD.

Die gelungene Verpackung kann natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass „Der Zinker“ hoffnungslos veraltet ist. Denn der 1931 gedrehte Film wurde, bis auf einige Bilder, ausschließlich im Studio gedreht, es gibt keine Filmmusik, kaum Schnitte und der Film wirkt immer wie ein abgefilmtes Theaterstück mit hoffnungslos chargierenden Mimen.

Das verwundert wenig, denn die Drehbuchautoren Rudolf Katscher, Egon und Otto Eis verarbeiteten neben dem Roman auch das von Edgar Wallace, der schon immer ein Meister der Zweit- und Drittverwertung war, geschriebene Theaterstück über einen geheimnisvollen Unbekannten, der als „Der Zinker“ der Schrecken von Londons Unterwelt ist. Denn wer seine Beute nicht für ein Taschengeld an ihn verhökern will, wird von dem Zinker verzinkt, also an die Polizei verraten. Deshalb wird er von Verbrechern, die von ihm verraten wurden, und der Polizei gejagt.

Im Zentrum der Ermittlungen stehen der Leopard-Club, ein halbseidener Spielsalon für die High-Society, und die Autoexport-Firma von Frank Sutton. Dort ist ein Firmeninhaber verschwunden, aber jemand benutzt immer wieder heimlich den Schreibtisch des Abwesenden.

Auch ohne den Firmengeist tun alle Charaktere immer furchtbar geheimnisvoll und machen sich so furchtbar verdächtig. Jeder hat irgendetwas zu verbergen, aber meistens wird nicht klar, was das mit dem Zinker zu tun hat und wie die Taten der verschiedenen Charaktere, die oft auch ihre wahre Identität und ihre wahren Absichten verbergen, sie näher an die Enttarnung des Zinkers bringen.

Da verwechseln die Macher Verwirrung beim Zuschauer mit Spannung. Und das ist dann gar nicht so weit weg von den Sechziger-Jahre-Edgar-Wallace-Filmen. Autor Egon Eis schrieb in den Sechzigern etliche Drehbücher für Edgar-Wallace-Filme, unter anderem das Drehbuch für den ersten Rialto-Wallace „Der Frosch mit der Maske“. Für den Rialto-“Zinker“ schrieb er ein Treatment. Sein Kollege Rudolf Katscher schrieb das Drehbuch für „Der Rächer“.

Auch der humoristische Sidekick (ich sage nur Eddie Arent) taucht später wieder auf. In „Der Zinker“ ist er sogar verteilt auf drei Charaktere: einen Polizisten, der seinem Vorgesetzten immer hilft, die richtigen Worte zu finden; einem Journalisten, der überall seine Nase hineinsteckt (Hey, so sind die Schreiberlinge!); und einem bemüht freundlichem – gemeine Menschen würden „schmierig“ sagen – Spielclubbetreiber. Es gibt die in Lebensgefahr schwebende Jungfrau. Es gibt den taffen Ermittler, der nicht unbedingt Scotland-Yard-Beamter ist. Und es gibt die vollkommen überraschende Lösung. Das alles erinnert an die bekannten Wallace-Filme aus den Sechzigern.

Aber die kammerspielartige Inszenierung und das deutlich vom Theater und vom Stummfilm beeinflusste Spiel der Schauspieler verorten den Film eindeutig in den frühen dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts.

Daher ist „Der Zinker“ vor allem für filmhistorisch interessierte Krimifans einen Blick wert. Außerdem kann der Film leicht als eine Vorstudie und Fingerübung für die spätere Edgar-Wallace-Reihe gesehen werden.

Die DVD

Das Bild und der Ton sind für einen achtzig Jahre alten Film sehr gut. 1931 gab es, zur Uraufführung, weil es technisch nicht möglich war, noch keine Filmmusik. 2009 schrieb Florian C. Reithner zur Wiederaufführung eine Filmmusik, die auch auf der DVD enthalten ist. Daher kann der Film in der Originalfassung oder mit der neuen Musik gesehen werden.

Es gibt eine kleine Bildergalerie, einen ziemlich langen Trailer zur Wiederaufführung und, wenn auch nur als Texttafeln, ziemlich umfangreiche Informationen zum Film.

Über die DVD-Umsetzung kann nicht gemeckert werden.

Der Zinker (D 1931, R.: Carl Lamac, Martin Fric

Drehbuch: Rudolf Kaischer, Egon Eis, Otto Eis

LV: Edgar Wallace: The Squeaker, 1927 (Der Zinker)

mit Lissy Arna, Karl Ludwig Diehl, Fritz Rasp, Peggy Norman, Paul Hörbiger, Szöke Szakall

DVD

Spirit Media

Bild: 4:3 (SW)

Ton: Deutsch (mono)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Bio- und Filmographien (Edgar Wallace, Fritz Rasp, Carl Lamac, Karl Ludwig Diehl, Lissi Arna, Martin Fric, Paul Hörbiger, Szöke Szakall, Florian C. Reithner), Filminfos, Der neue Soundtrack (alles Texttafeln), Bildergalerie, Trailer (zur Wiederaufführung), Film mit der neuen Musik von Florian C. Reithner

Länge: 70 Minuten

FSK: ab12 Jahre

Hinweise

Wikipedia über „Der Zinker“ (1931)

Krimi-Couch über Edgar Wallace

Kirjasto über Edgar Wallace

Englische Edgar-Wallace-Seite

Deutsche Edgar-Wallace-Seite

Noch eine deutsche Edgar-Wallace-Fanseite


TV-Tipp für den 1. November: Fluchtpunkt Nizza

November 1, 2010

ZDF, 22.15

Fluchtpunkt Nizza (F 2005, R.: Jérôme Salle)

Drehbuch: Jérôme Salle

Chiara ist die Geliebte des international gesuchten Geldwäschers Anthony Zimmer. Um die sie verfolgenden Polizisten abzulenken, flirtet sie im Zug nach Nizza mit dem biederen Übersetzer Francois. Der wird von den Verfolgern für Anthony Zimmer gehalten.

Bevor das nach dem Trailer grottige Remake „The Tourist“ (von Florian Henckel von Donnersmarck mit Angelina Jolie und Johnny Depp) im Kino anläuft, kann noch einmal das locker-flockige Original bestaunt werden.

Salles Werk war als bestes Debüt für einen César nominiert.

mit Yvan Atal, Sophie Marceau, Sami Frey, Daniel Olbrychski

auch bekannt als „Anthony Zimmer“

Wiederholung: Mittwoch, 3. November, 00.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Anthony Zimmer“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von Jérôme Salles „Largo Winch“


TV-Tipp für den 31. Oktober: Druckfrisch – mit John le Carré

Oktober 31, 2010

ARD, 23.35

Druckfrisch

In der heutigen Ausgabe des halbstündigen Literaturmagazins (War das nicht mal länger?) unterhält Denis Scheck sich mit John le Carré. Der Anlass ist le Carrés neuer, im Ullstein Verlag erschienener Roman „Verräter wie wir“ (Our kind of traitor, 2010).


TV-Tipp für den 30. Oktober: Wolfsfährte

Oktober 30, 2010

ARD, 20.15

Wolfsfährte (D 2010, R.: Urs Egger)

Drehbuch: Daniel Martin Eckhart

LV: Craig Russell: Brother Grimm, 2006 (Wolfsfährte)

In Hamburg tötet ein als Wolf Maskierter Menschen und hinterlässt bei den Leichen Zettel mit Versen. Kommissar Jan Faber jagt ihn.

Die Verfilmung des zweiten Jan-Faber-Krimis von Craig Russell könnte eine rundum erfreuliche Angelegenheit sein.

mit Peter Lohmeyer, Lisa Potthoff, Hinnerk Schönemann, Marie-Lou Sellem, Markus Boysen, Lars Rudolph

Hinweise

Homepage von Craig Russell

Kiwi Crime interviewt Craig Russell (19. Mai 2010)

Tagesspiegel: Thomas Gehringer bespricht „Wolfsfährte“

Evangelisch: Tilmann P. Gangloff über „Wolfsfährte“

Nachtrag (31. 10. 2010): Der Film ist derzeit in der ARD-Mediathek ab 20.00 Uhr (wegen FSK-12)  ansehbar. Dort gibt es auch jederzeit ein informatives Gespräch mit Craig Russell und Urs Egger über die Verfilmung.


DVD-Kritik: Es ist etwas faul in „Durham County“

Oktober 29, 2010

Dank DVDs kann man seine Lieblingsserien an einem Wochenende in einem Rutsch genießen, Serien, die einem als Jugendlichem gefielen, wiedersehen (was nicht immer unbedingt ein Vergnügen ist) und auch Serien aus Ländern sehen, die im deutschen Fernsehen bestenfalls ein Nischendasein fristen. Auch die kanadische Serie „Durham County“ erhielt in Kanada mehrere Preise, die dritte und letzte Staffel (so die Ankündigung) wird dort gerade im Fernsehen gezeigt und sie wird wahrscheinlich, was nichts über die Qualität der Serie aussagt, niemals im deutschen Free-TV laufen.

Großstadtpolizist Mike Sweeney (gespielt von dem aus „Flashpoint“ bekannten Hugh Dillon) zieht mit seiner Frau und seiner fast erwachsenen Tochter ins beschauliche Durham County in ein ebenso beschauliches Vorstadthaus. Als sie einziehen, bemerkt er, dass Ray Prager ihr Nachbar ist. Prager ist ein Jugendfreund von Sweeney. Nach einem Ereignis (das erst am Ende der Serie enthüllt wird) haben sich ihre Wege getrennt.

Bereits an seinem ersten Arbeitstag werden zwei junge Frauen ermordet. Kurz darauf wird eine Lehrerin von seiner Tochter ermordet. Sweeney war heimlich mit ihr befreundet. Er erzählt seinen Kollegen nichts von seiner Beziehung zu der toten Lehrerin und kann so weiter in dem Fall ermitteln. Im Lauf seiner Ermittlungen, glaubt er, dass sein Nachbar, der zu Wutausbrüchen neigende Prager, der gesuchte Serienmörder ist.

Aber den Machern von „Durham County“ ist der der Jagd nach einem Serienmörder innewohnende Thrill reichlich egal. Auch die traditionellen Krimielemente bedienen sie höchstens halbherzig. Die Polizei ermittelt viel zu dilettantisch und am Ende bleiben zu viele lose Enden, um „Durham County“ zu einer auch nur halbwegs überzeugenden Polizeiserie zu machen. Auch das psychologische Katz- und Maus-Spiel zwischen dem Polizisten Sweeney und dem Mörder Prager interessiert die Macherinnen nicht sonderlich. Denn dass Prager der Mörder ist, ist uns Zuschauern von Anfang an bekannt. Nur Mike Sweeney ahnt erst am Ende der dritten Folge (also zur Halbzeit), dass sein früherer Kumpel Ray Prager der Mörder ist. Doch auch danach wird es nicht spannender. Sweeney sucht nicht sonderlich energisch nach Beweisen und die Konfrontationen zwischen Sweeney und Prager drehen sich mehr um ihr Leben und ihr Verhältnis zu ihren Frauen und Kindern, als um die Morde.

Im Mittelpunkt der Miniserie stehen nämlich die verschiedenen Formen von männlicher Gewalt gegen Frauen, die Frage was heute zum Mannsein gehört und wie kleine Ereignisse und Entscheidungen das Leben beeinflussen können. Sweeney und Prager sind sehr ähnliche Charaktere, die ihre Gewalttätigkeit verschieden kompensieren. Der eine als Polizist. Der andere, nachdem er einen Mord beobachtet, als Frauenmörder.

Damit zeigt sich mit zunehmender Episodenzahl, wie sehr Prager der böse Bruder von Sweeney ist. In dieser Parallelführung von zwei Charakterstudien und ihrem problematischem Verhältnis zwischen Freundschaft und Hass liegt die Faszination der Serie, deren langsamer Erzählrhythmus nach der zweiten Folge, wenn man die Charaktere genauer kennt, zum Weitersehen animiert.

Dennoch hätte „Durham County“ locker in der halben Zeit erzählt werden können. So geschieht in der ersten Episode (nach der ich ernsthaft überlegte, ob ich mir wirklich die weiteren Folgen ansehen soll), außer einer langatmigen Vorstellung der Hauptcharaktere, nichts. In den weiteren Episoden ändert sich an diesem Tempo nichts.

Durham County“ ist eine durchwachsene Serie, die in ihrem besten Momenten das bürgerliche Vorstadtleben als Purgatorium zeigt.

Durham County – Staffel 1 (Durham County, Kanada 2007)

Regie: Holly Dale, Adrienne Mitchell (Folge 5 und 6)

Drehbuch: Laurie Finstad-Knizhnik

Erfinder: Laurie Finstad-Knizhnik, Janis Lundman, Adrienne Mitchell

mit Hugh Dillon, Helene Joy, Justin Louis, Kathleen Munroe, Laurence Leboeuf, Greyston Holt, Sonya Salomaa

DVD

Universum-Film

Bild: 1,78:1 (16:9 anamorph)

Ton: Deutsch (DD 2.0), Englisch (DD 5.1)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Behind the scenes (25 Minuten)

Länge: 275 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

Hinweise

Kanadische Homepage zur Serie

Durham County Secrets

Wikipedia über „Durham County“

 

 


TV-Tipp für den 29. Oktober: Dracula (1931)

Oktober 29, 2010

ZDFneo, 22.50

Dracula (USA 1931, R.: Tod Browning, Karl Freund [ungenannt])

Drehbuch: Garrett Fort

LV: Bram Stoker: Dracula, 1897 (Dracula)

Der Horrorfilm-Klassiker. Endlich wieder im Fernsehen.

Auch wenn der erste Tonfilm-Dracula heute nicht mehr seine ursprüngliche Wirkung hat: absolute Empfehlung.

Mit Bela Lugosi, David Manners, Helen Chandler, Dwight Frye, Edward Van Sloan

Wiederholung: Samstag, 30. Oktober, 03.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Dracula“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Dracula“

Combustible Celluloid über „Dracula“

Best Horror Movies über „Dracula“

Classic Horror über „Dracula“

Veoh: „Dracula“ (der komplette Film)

Mevio: „Dracula“ (wieder der komplette Film)

Bela-Lugosi-Seite


TV-Tipp für den 28. Oktober: Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels

Oktober 28, 2010

Sat.1, 20.15

Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels (USA 2008, R.: Steven Spielberg)

Drehbuch: David Koepp (nach einer Geschichte von George Lucas und Jeff Nathanson, basierend auf einem Charakter von George Lucas und Philip Kaufman)

Buch zum Film: James Rollins: Indiana Jones and the kingdom of the skull, 2008 (Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels)

1957: Indiana Jones ist zurück. Dieses Mal, tja, also es geht irgendwie um einen außerirdischen Kristallschädel mit supertollen Kräften (Oh my god!), bösen Russen, die ihn haben wollen, einem alten Kumpel, der irgendwie zwischen die Fronten geraten ist, einen jungen Typ, der sein Sohn sein soll und viel sinnlosem Remmidemmi in Nevada und Südamerika.

Ein lahmer, vollgequasselter Actionfilm, bei dem das „Buch zum Film“ besser als der Film ist.

Mit Harrison Ford, Cate Blanchett, Karen Allen, Shia LaBeouf, Ray Winstone, John Hurt, Jim Broadbent, Igor Jijikine

Wiederholung: Samstag, 30. Oktober, 14.35 Uhr


Hinweise

Homepage von James Rollins

Amerikanische Homepage von Indiana Jones

Deutsche Homepage von Indiana Jones

Meine Besprechung des Films und des darauf basierenden „Roman zum Film“ von James Rollins


TV-Tipp für den 27. Oktober: Triangle – Die Jagd nach dem Goldschatz

Oktober 27, 2010

Im Dienst der Videorekorder präsentiert das Erste nach Mitternacht eine TV-Premiere für den Genrejunkie und Hongkong-Filmfan


ARD, 00.35

Triangle – Die Jagd nach dem Goldschatz (Hongkong/China 2007, R.: Ringo Lam, Johnnie To, Tsui Hark)

Drehbuch: Sharon Chung, Kenny Kan, Yau Nai-Hoi, Au Kin-yee, Yip Tin-shing

3 Meister. 1 Meisterwerk.“ war eine Werbespruch für „Triangle“ und mit den Hongkong-Actionregisseuren Tsui Hark, Ringo Lam und Johnnie To (in der Reihenfolge ihres Auftretens) haben sich wirklich drei Meister für ein Experiment getroffen. Denn jeder inszenierte ein halbstündiges Segment des Films in seiner eigenen Handschrift. Das mag vielleicht kein Meisterwerk sein, aber kurzweilige Unterhaltung ist es allemal.

Die Story der Gangsterfarce ist denkbar einfach: drei abgebrannte Glücksritter suchen in einem chinesischen Regierungsgebäude einen Schatz. Nachdem sie das Gold gefunden haben, beginnen sie sich untereinander zu streiten und sie müssen gegen korrupte Polizisten und Gangster, die den Schatz wollen kämpfen.

mit Louis Koo, Simon Yam, Sun Honglei

Hinweise

Wikipedia über „Triangle“

Lessons from the School of Inattention über „Triangle“

Critic.de über „Triangle“

Love HK Film über „Triangle“

Bloody Good Horror über „Triangle“

Arte über „Triangle“

Meine Besprechung von Johnnie Tos „Vengeance“


TV-Tipp für den 26. Oktober: Super Size Me

Oktober 26, 2010

Eins Festival, 20.15

Super Size Me (USA 2003, R.: Morgan Spurlock)

Drehbuch: Morgan Spurlock

Nur bei McDonalds essen ist schlecht für ihre Gesundheit. Das wussten wir schon immer, aber Morgan Spurlock machte die Probe aufs Exempel: 30 Tage Junkfood.

Ansehen: okay. Nachahmen: nicht okay.

Wiederholung: Mittwoch, 27. Oktober, 00.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise:

„Super Size Me“ (deutsche Webseite mit Presseheft und Heft für den Schulunterricht)

Free Documentaries: Super Size Me (der Film im Original)

Blog von Morgan Spurlock (nur periodische Einträge)

Film-Zeit über „Super Size Me“


TV-Tipp für den 25. Oktober: Der Marathon-Mann

Oktober 25, 2010

Arte, 20.15

Der Marathon-Mann (USA 1976, R.: John Schlesinger)

Drehbuch: William Goldman

LV: William Goldman: Marathon Man, 1974 (Der Marathonmann)

Ein Student kommt, durch seinen ermordeten Bruder, einer Nazi-Organisation auf die Spur.

Spannender Thriller mit hochkarätiger Besetzung und einer – immer noch – schrecklichen Zahnarzt-Szene. Ursprünglich sollte sie länger sein, aber Testvorführungen ergaben, dass das zuviel Grauen war.

William Goldmans Drehbuch war für einen Edgar und WGA-Award (für „Die Unbestechlichen“ erhielt er den Preis der Writers Guild of America) nominiert.

Mit Dustin Hoffman, Laurence Olivier, Roy Scheider, Marthe Keller, William Devane, Fritz Weaver

Wiederholung: Donnerstag, 28. Oktober, 00.40 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über William Goldman (deutsch, englisch)

Charlie Rose: Interview mit William Goldman (7. Januar 1997)

Ain’t it cool: Interview mit William Goldman (3. März 2000)

IGN über William Goldman (18. Februar 2003)

Guardian: Interview mit William Goldman (25. April 2009)


TV-Tipp für den 24. Oktober: In der Hitze der Nacht

Oktober 24, 2010

Arte, 20.15

In der Hitze der Nacht (USA 1967, R.: Norman Jewison)

Drehbuch: Sterling Siliphant

LV: John Ball: In the heat of the night, 1965 (In der Hitze der Nacht)

In einem Südstaatenkaff müssen ein weißer, reaktionärer Sheriff und ein afroamerikanischer Kollege einen Mord aufklären.

John Balls hochgelobter, erfolgreicher Roman war der erste Auftritt eines afroamerikanischen Polizisten als Sympathieträger. Ball wollte damit zur Verständigung zwischen den Rassen beitragen. Außerdem reflektierte er in seinem Krimi die damaligen politischen Kämpfe des Civil Rights Movements in den Südstaaten.

Die enorm erfolgreiche Verfilmung erhielt fünf Oscars, unter anderem als bester Film des Jahres. Aus heutiger Sicht ist „In der Hitze der Nacht“ ein extrem naives und einseitiges Bekenntnis zur Rassenversöhnung (etwas guter Wille und schon geht´s) und ein technisch gut gemachter Whodunit.

Poitier drehte noch zwei schwächere Fortsetzungen. Letztendlich wurde es ein normaler, bestenfalls durchschnittlicher Polizeikrimi.

Mit Sidney Poitier, Rod Steiger, Warren Oates, Lee Grant

Wiederholung: Dienstag, 26. Oktober, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „In der Hitze der Nacht“ (deutsch, englisch)

Nick’s Flick Picks review of „In the Heat of the Night“

Culture Cartel: Tony Pellum über „In the Heat of the Night (1. August 2002)

Slate: Mark Harris über „In the Heat of the Night“ (5. Februar 2008)

Drehbuch „In the Heat of the Night“ (Zweite Fassung vom 28. September 1966) von Stirling Silliphant

The Hollywood Interview befragt Norman Jewison (15. März 2008)


TV-Tipp für den 23. Oktober: Im Jahr des Drachen

Oktober 23, 2010

WDR, 23.15

Im Jahr des Drachen (USA 1985, R.: Michael Cimino)

Drehbuch: Oliver Stone, Michael Cimino

LV: Robert Daley: Year of the dragon, 1981 (Im Jahr des Drachen)

Äußerst gewalttätiger, realistischer Krimi über einen Polizisten, der gegen die Drogenmafia kämpft und, als ehemaliger Vietnam-Veteran, den Vietnam-Krieg in den Straßen von New Yorks Chinatown gewinnen will. Damals gab es Proteste von chinesischen Gemeinden (wegen Rassismus) und Robert Daley (wegen Gewalt); – trotzdem einer der besten Cop-Thriller der Achtziger.

Mit Mickey Rourke, John Lone

Auch bekannt unter den eher nichtssagenden Titeln „Manhattan-Massaker“ und „Chinatown-Mafia“

Hinweise

City on Fire (Ziemlich umfangreiche Fanseite zum Film)

Wikipedia über Robert Daley

Wikipedia über „Im Jahr des Drachen“ (deutsch, englisch)

DVD Times (Mike Sutton) über “Year of the Dragon”


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

Oktober 22, 2010

Pünktlich zur gewohnten Zeit sind bei den Alligatorpapieren meine TV-Krimi-Buch-Tipps (auch bekannt als „die Liste, die alle im TV laufenden Krimiverfilmungen enthält“) online:

Der Höhepunkt der kommenden beiden Krimiwochen sind die Jesse-Stone-Verfilmungen „Dünnes Eis“ und „Ohne Reue“, von Robert Harmon mit Tom Selleck in der Hauptrolle.
Wer danach noch nicht genug gute Filme gesehen hat, sollte bei Michael Ciminos Robert-Daley-Verfilmung „Im Jahr des Drachen“, Bob Rafelsons James-M.-Cain-Verfilmung „Wenn der Postmann zweimal klingelt“, Frank Darabonts Stephen-King-Verfilmung „Die Verurteilten“, Norman Jewisons John-Ball-Verfilmung „In der Hitze der Nacht“ (mit Klassikerbonus), John Schlesingers William-Goldman-Verfilmung „Der Marathon-Mann“ (sogar zu einer publikumsfreundlichen Uhrzeit), Don Siegels J.-Campbell-Bruce-Verfilmung „Flucht von Alcatraz“ (die letzte Zusammenarbeit von Don Siegel und Clint Eastwood), Alfred Hitchcocks Victor-Canning-Verfilmung „Familiengrab“ (sein letzter Film) und, als TV-Premiere, bei Urs Eggers Craig-Russell-Verfilmung „Wolfsfährte“ einen Blick riskieren.
Oder ins Kino gehen. Dort laufen ab dem 4. November „Buried“ (ein Mann in einem Sarg. 90 Minuten Hochspannung) und das Biopic „Carlos“ über den Terroristen Carlos (trotz Schwächen lohnt sich der Besuch). Meine Besprechungen erscheinen zum Filmstart in der Kriminalakte.


TV-Tipp für den 22. Oktober: Im Angesicht des Verbrechens (mit ausführlicher Kritik)

Oktober 22, 2010

ARD, 21.45

Im Angesicht des Verbrechens: Berlin ist das Paradies/Wo wir sind, ist vorne (D 2010, R.: Dominik Graf)

Drehbuch: Rolf Basedow

Nach der Premiere von „Im Namen des Verbrechens“ auf der Berlinale schrieben die Kritiker Jubelarien. Das kann allerdings auch einfach daran gelegen haben, dass sie sich beglückwünschten in zwei, jeweils gut fünfstündigen Sitzungen, den TV-Zehnteiler gemeinsam im Kinosaal gesehen zu haben. Ich kann mir vorstellen, dass nach dem letzten Bild im Saal ein ähnliches Gefühl herrschte, wie bei einer Wandergruppe, die den Gipfel erstürmte. Geschafft und stolz auf die eigene Leistung.

Die TV-Premiere im Frühling auf Arte wurde dann auch mit mehr als wohlwollenden Artikeln begleitet und jetzt, zur ARD-Premiere zu einer durchwachsenen Uhrzeit (aufgrund der vielen nackten Haut kann der Film nicht um 20.15 Uhr gezeigt werden und einen späteren Serienslot hat das Erste nicht mehr), gibt es wieder seitenlange Jubelarien.

Dabei ist eines unbestritten: „Im Namen des Verbrechens“ ist das bislang umfangreichste Werk von Regisseur Dominik Graf und Drehbuchautor Rolf Basedow.

Und sehr wahrscheinlich werden Graf und Basedow nie wieder zehn Millionen Euro erhalten und die Tortur eines 500-minütigen Films mit 120 Drehtagen und 140 Sprechrollen und unzähligen Komparsen auf sich nehmen.

Allein dafür gebührt ihnen Respekt und natürlich gibt es in „Im Angesicht des Verbrechens“ viele grandiose Szenen. Aber insgesamt, vor allem wenn man sich den Zehnteiler in einem Rutsch ansieht (und nicht vom Gruppengefühl beeinflusst wird), enttäuscht die Serie.

Denn die Serie wirkt niemals wie ein in einem Stück gedrehtes Werk, sondern wie die von verschiedenen Autoren und Regisseuren gedrehten Folgen für eine Serie, die nach der ersten Folge lange nach der episodenübergreifenden Geschichte sucht.

Da kann man dann auch damit Leben, dass Subplots fallengelassen werden, es Irrwege gibt, die im Nachhinein, weil die Folge bereits gezeigt wurde, nicht mehr korrigiert werden können und einige für das Verständnis der Geschichte wichtige Punkte in jeder Episode wiederholt werden. Das kennt jeder, der sich US-amerikanische Serien, die fast in Echtzeit produziert werden, ansieht. Ich sage nur „24“.

Aber „Im Angesicht des Verbrechens“ wurde geschrieben, gedreht, geschnitten und erst dann der Öffentlichkeit präsentiert. Da müsste der episodenübergreifende Plot viel deutlicher sein und sich in jeder Folge weiterentwickeln.

Außerdem scheint Dominik Graf hier mit jeder Folge einen anderen Stil ausprobieren zu wollen. Da wird plötzlich exzessiv mit Split-Screens gearbeitet. Andere Folgen und Szenen erinnern mal an einen Horrorfilm, mal an einen Polizeifilm, mal an einen kitschigen Heimatfilm und mal an einen Märchenfilm. Außerdem feiern die russischen Gangster ungefähr einmal pro Folge ein rauschendes Fest mit Wein, Weib, Gesang und Tanz. Und ungefähr alle zehn Minuten gibt es eine das Herz des Berliners erfreuende Panoramaaufnahme von seiner Stadt.

Entsprechend verfranst wirkt vieles. So sollen nach dem vor jeder Folge gezeigten Vorspann (es spricht einiges dafür, dass das auch die für die Macher wichtigen Geschichten und Themen sind) der junge Polizist Marek Gorsky (Max Riemelt), seine Liebe zu Jelena (Alina Levshin), die Suche nach dem Mörder seines Bruders Grischa und die enge Beziehung zu seiner Schwester Stella (Marie Bäumer), die einen russischen Gangsterboss Mischa (ungewohnt blass: Misel Maticevic) geheiratet hat, im Mittelpunkt der Serie stehen.

Nur Mareks Wunsch, den Mörder seines vor zehn Jahren ermordeten Bruders zu finden, bezeichnet ein konkretes Ziel. Das ist allerdings über weite Strecken nicht handlungstreibend. Stattdessen jagen Marek und sein Polizistenkumpel Sven Lottner (Ronald Zehrfeld, der als draufgängerischer Polizist viel präsenter als Riemelt ist) russische Gangster, verfolgen einen halbseidenen Spediteur in den Osten und haben viel Spaß bei ihrer Arbeit. Doch auch der Kampf gegen die Russenmafia bleibt episodisches Stückwerk. Hier mal eine Razzia, da mal ein Zugriff auf ein Lagerhaus. Denn es wird nie deutlich, welcher Gangster am Ende der Staffel verhaftet werden soll. Entsprechend abrupt endet dann auch der Zehnteiler mit einer weiteren Razzia im benachbarten Brandenburg.

Die Liebesgeschichte zwischen Marek und Jelena spielt in der ersten Hälfte der Serie keine Rolle, in der zweiten Hälfte wird sie wichtiger. Aber sie erscheint psychologisch unmotiviert (jaja, Liebe macht blind und Wer verliebt ist, reagiert nicht vernünftig) und es ist auch nicht nachvollziehbar, weshalb Marek plötzlich versucht Jelenas Freundin Swetlana aus einem letztklassigem Puff in Weißrussland zu befreien.

Und Mareks Beziehung zu seiner Schwester Stella wird zwar immer wieder angesprochen. Aber es wird nie deutlich, wo denn genau der Konflikt für den superehrlichen, fast schon 150-prozentig korrekten (und entsprechend langweiligen) Polizisten Marek liegt. Denn er hat keine Ahnung, wie sehr Stellas Mann Mischa in die Geschäfte der Russenmafia verwickelt ist. Daher muss Marek sich über viele Folgen nicht zwischen seinem Beruf und seiner Schwester beziehungsweise seiner Familie entscheiden. Dieser Konflikt könnte, vor allem nach den in mehrfacher Hinsicht überraschenden Ereignissen in den letzten beiden Episoden von „Im Angesicht des Verbrechens“, in einer zweiten Staffel von „Im Angesicht des Verbrechens“ wichtig werden.

Aber ob es eine zweite Staffel gibt, werden die Fernsehredakteure erst nach der Ausstrahlung der ersten Staffel entscheiden. Dass die DVD, mal wieder mit einem ausgesucht hässlichem Cover und wenig Bonusmaterial (Herrje, warum darf Dominik Graf nicht mal einen Audiokommentar sprechen? Warum gibt es keine Doku über die Russenmafia?), bereits für den 16. November angekündigt ist, sagt allerdings einiges über die Erwartungen der Macher aus. Denn dann läuft die Serie noch im Ersten.

Trotz aller Kritik spricht für die Serie, dass hier endlich einmal mehr als Dienst nach Vorschrift gemacht wurde, dass versucht wurde ein großes Epos zu drehen und dass sich nicht an die biederen Konventionen des neunzigminütigen TV-Films gehalten wurde.

Die weiteren Folgen von „Im Angesicht des Verbrechens“ werden an den kommenden Freitagen, um 21.45 Uhr, gezeigt. Eins Festival wiederholt die Serie, teilweise zu einer publikumsfreundlicheren Zeit, im ursprünglich geplanten Senderhythmus.

mit Max Riemelt (Marek Gorsky), Marie Bäumer (Stella), Misel Maticevic (Mischa), Ronald Zehrfeld (Sven Lottner), Alina Levshin (Jelena), Katja Nesytowa (Swetlana)

Wiederholungen

Berlin ist das Paradies

Eins Festival, Montag, 25. Oktober, 20.15 Uhr, 23.20 Uhr

Eins Festival, Dienstag, 26. Oktober, 02.25 Uhr (Taggenau!)

Eins Festival, Montag, 1. November, 01.15 Uhr (Taggenau!)

Wo wir sind, ist vorne

Eins Festival, Montag, 1. November, 20.15 Uhr, 23.35 Uhr

Eins Festival, Dienstag, 2. November, 02.25 Uhr (Taggenau!)

und in der Mediathek

Hinweise

ARD über „Im Angesicht des Verbrechens“

Berliner Zeitung/Frankfurter Rundschau: Klaudia Wick über „Im Angesicht des Verbrechens“ (21. Oktober 2010)

Tagesspiegel: Markus Ehrenberg über „Im Angesicht des Verbrechens“ (21. Oktober 2010)

Kriminalakte: Links zu Artikeln über die Serie und das Gespräch mit dem Publikum nach der Berlinale-Premiere

 


DVD-Kritik: „Vengeance“ von Johnnie To mit Johnny Hallyday

Oktober 21, 2010

Mit seinen neuesten Film „Vengeance“ zeigt Hongkong-Regisseur Johnnie To wieder einmal, wofür ihn Filmfans seitdem sie vor zehn Jahren seinen stilisierten Gangsterfilm „The Mission“ (Unbedingt ansehen!) sahen, lieben: schnörkelloses Genrekino mit stilvoll eingestreuten Zitaten und gerade in ihrer Reduktion grandiosen Actionszenen. Das ist in seiner Stilisierung pures Kino, das näher bei Jean-Pierre Melville als an der Wirklichkeit ist.

Auch in „Vengeance“ zitiert To öfters Melville. So heißt der von Johnny Hallyday gespielte Vater, der seine Tochter rächen will und die meiste Zeit in einem Trenchcoat und Hut durch den Film geht, Francis Costello. Alain Delon hieß in Melvilles „Der eiskalte Engel“ (der im Original „Le Samourai“ heißt) Jef Costello und ursprünglich sollte Alain Delon, der letzte Überlebende des klassischen französischen Gangsterfilms, auch die Hauptrolle spielen. Er sagte ab und der in Frankreich enorm populäre Musiker und Ab-und-zu-Schauspieler Johnny Hallyday übernahm die Rolle des Killers, der sein Gedächtnis verliert. Immerhin hat er ein rollendienliches Outlaw-Image und er hatte 1989 in der kurzlebigen französischen Krimiserie „David Lansky“ (die ich als ziemlich schlecht in Erinnerung habe) schon einen harten Cop gespielt.

Der von Johnny Hallyday gespielte Costello war früher ein Profikiller und ist heute ein Restaurantbesitzer und Koch (Hm, ist das eine Anspielung auf „Alarmstufe Rot“ oder nur das Bedienen eines Klischees über Frankreich?).

Als in Macau in ihrem Haus seine Tochter schwer verletzt und ihr Mann und ihre beiden Kinder feige und brutal ermordet werden, fliegt Costello zu ihr. Weil die Polizei keine heiße Spur hat und er schon immer die Dinge in die eigenen Hände genommen hat, will er die Killer auf eigene Faust jagen und umbringen. Schnell stellt er fest, dass er als Fremder ohne die Hilfe von Einheimischen nicht weiterkommt. In seinem Hotel trifft er auf eine Gruppe von Killern, die gerade einen Auftrag erledigt haben. Er engagiert sie und die Killer müssen sich schnell zwischen der Loyalität zu ihrem Triadenboss, der den Mord an Costellos Familie veranlasste, und Costello entscheiden.

Diese Geschichte wird von Johnnie To und seinem Drehbuchautor Ka-Fai Wai (Mad Detective, Running on Karma, Fulltime Killer) mit einigen atemberaubenden Shootouts und interessanten Wendungen bis zum letzten Duell zwischen Costello und dem Triadenboss erzählt. In dem Duell erinnert Costello in seiner kalten Entschlossenheit an den „Terminator“. Beide verfolgen stoisch ihr Ziel: der aus der Zukunft kommende Roboter, weil er so programmiert wurde; der an Gedächtnisverlust leidende Vater weil er seine Tochter rächen will und jede Ablenkung ihn von seinem Ziel ablenken kann.

Seinen vollen Reiz entfaltet der Film in der Originalversion. Denn während für die deutsche Version mal wieder gnadenlos eingedeutscht wurde, unterhalten sich im Original die Charaktere, wie es auch in der Realität geschehen würde, untereinander in ihren Muttersprachen und miteinander auf Englisch.

Das zehnminütige Making-of beschränkt sich weitgehend auf das übliche Werbeblabla. Dennoch gibt es einige interessante Einblicke in die Herausforderungen eines internationalen Drehs und der unterschiedlichen Arbeitsweise zwischen europäischen und Hongkong-Filmteams. Denn Johnny Hallyday war bei den Dreharbeiten, wie Costello, der Fremde, der sich in einer fremden Welt und einem eingeschworenem Team und ihrer schnellen Arbeitsweise zurechtfinden musste.

Vengeance (Vengeance/Fuk sau, Frankreich/Hongkong 2009)

Regie: Johnnie To

Drehbuch: Ka-Fai Wai

mit Johnny Hallyday, Sylivie Testud, Anthony Wong, Simon Yam

DVD

Koch-Media

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch/Kantonesisch/Französisch (beziehungsweise: Englische Originalversion) (Dolby Digital 5.1)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Making of, Deutscher Trailer, Zwei Originaltrailer

Länge: 103 Minuten

FSK: ab 18 Jahre

Hinweise

Homepage zum Film

Film-Zeit über „Vengeance“

Wikipedia über „Vengeance“


TV-Tipp für den 21. Oktober: Taxi zur Hölle

Oktober 21, 2010

Arte, 20.15

Taxi zur Hölle (D/USA/GB 2007, R.: Alex Gibney)

Drehbuch: Alex Gibney

Der afghanische Taxifahrer Dilawar wird 2002 während einer Taxifahrt mit seinen Fahrgästen vom US-Militär festgenommen und ohne einen Prozess im Gefängnis festgehalten. Fünf Tage später stirbt er in seiner Zelle an den Folgen der Misshandlungen, die ihm die US-Soldaten zugefügt haben. In der gleichen Weise sind seit dem Beginn des „Krieges gegen den Terror“ über hundert US-Gefangene unter mysteriösen Umständen umgekommen. Die mehrfach ausgezeichnete Dokumentation zeigt den Umgang mit Folter als legitimes staatliches Handeln vonseiten der Bush-Regierung und wie sie dadurch gegen die Genfer Konvention verstößt.

Alex Gibney zeigt in seiner eindrücklichen, sachlich argumentieren spielfilmlangen Dokumentation am Schicksal eines Jedermanns, wie die US-amerikanische Regierung ihre Soldaten ermutigte, Folter als Verhörmethode wieder einzusetzen.

Taxi zur Hölle” wurde auf den Filmfestival in Tribeca (New York) und Chicago als beste Dokumentation ausgezeichnet.

Wiederholungen

Dienstag, 2. November, 00.55 Uhr (Taggenau!)

Dienstag, 9. November, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage zum Film

Arte zum Film

Wikipedia über „Taxi to the dark side“


TV-Tipp für den 20. Oktober: Wilsberg: Todesengel (und Jürgen Kehrer liest)

Oktober 20, 2010

ZDFneo, 21.00

Wilsberg: Todesengel (D 2005, R.: Buddy Giovinazzo)

Drehbuch: Jürgen Kehrer

LV: Jürgen Kehrer: Wilsberg isst vietnamesisch, 2001

Ermordet die gewissenhafte Frau Kentrup Rentner? Wilsberg ermittelt, während Freund Manni den Bau einer Seniorenresidenz überwacht und Kommissarin Springer am liebsten eine ruhige Kugel schieben möchte.

Witzig-ironischer Wilsberg-Krimi mit etlichen gelungenen Szenen und einer nicht sonderlich überraschenden Auflösung.

Störend ist das hölzerne Spiel von Caroline Peters (sie spielt Wilsbergs Auftraggeberin Susanne Diepenbrock).

Vollkommen unverständlich ist, weshalb „Wilsberg isst vietnamesisch“ im Abspann als Vorlage genannt wird. Denn die Story des Buches hat nichts mit dem Film zu tun und auch der Titel des Romans hat keinen Bezug zum Film.

„Todesengel“ ist der letzte Wilsberg-Krimi mit Heinrich Schafmeister als Manni. Sein Nachfolger ist Oliver Korittke. Er spielt einen Steuerprüfer.

Dieser Wilsberg knüpft nahtlos an den äußerst gelungenen vorherigen, etwas besseren Wilsberg „Schuld und Sühne“ an.

Mit Leonard Lansink, Heinrich Schafmeister, Rita Russek, Helmut Zierl, Bela B. Felsenheimer

Hinweise

ZDF über „Wilsberg“

Wikipedia über „Wilsberg“

Homepage von Jürgen Kehrer

Meine Besprechung von Jürgen Kehrers „Wilsberg und die dritte Generation“


TV-Tipp für den 19. Oktober: Neues aus der Anstalt

Oktober 19, 2010

ZDF, 22.15

Neues aus der Anstalt

Ein Bettenwechsel wird vollzogen. Georg Schramm will raus, Erwin Pelzig will rein, Helmut Schleich, Andreas Rebers und Jürgen Becker wollen nur schnell „Hallöchen“ sagen und wir dürfen darauf spekulieren, wer den ersten „Stuttgart 21“-Witz macht.

Hinweise

ZDF über „Neues aus der Anstalt“ (mit der Möglichkeit, in der Mediathek alte Folgen anzusehen)

Meine Besprechung von Georg Schramms „Lassen Sie es mich so sagen“


DVD-Kritik: „Der Ghostwriter“ – Roman Polanski ist zurück

Oktober 18, 2010

Ewan McGregor spielt, nach „Männer, die auf Ziegen starren“, wieder einen Schreiber. Und wieder stolpert er in eine Geschichte hinein, die er die meiste Zeit nur ungläubig staunend erlebt – und bei der Ähnlichkeiten mit der Wirklichkeit beabsichtigt sind. In der Komödie „Männer, die auf Ziegen starren“ war es die wahre Geschichte der us-amerikanischen Psycho-Soldaten und wie deren Ideen im „war on terror“ pervertiert wurden. In „Der Ghostwriter“ geht es ebenfalls um den „war on terror“ und um Tony Blair. Auch wenn Autor Robert Harris und Regisseur Roman Polanski im Bonusmaterial der DVD betonen, dass ihr britischer Premierminister Adam Lang nicht Tony Blair sei. Aber schon optisch erinnert Pierce Brosnan an Tony Blair. Und gute Polit-Thriller, wie „Der Ghostwriter“, verzerren die Wirklichkeit zur Kenntlichkeit, zeigen, was in den Hinterzimmern der Macht geschieht und regen zum Denken an.

Daher ist Roman Polanskis fulimanter Polit-Thriller „Der Ghostwriter“ viel mehr als ein billiges Blair-Bashing. In dem Film wird Adam Lang, wie Tony Blair, vorgeworfen, den Kampf der USA gegen den internationalen Terrorismus nach dem 11. September 2001 zu bedingungslos unterstützt und sich so auch wissentlich an Kriegsverbrechen beteiligt zu haben.

Neben der fast schon tagespolitisch aktuellen Filmgeschichte waren auf der Berlinale auch die persönlichen Probleme von Roman Polanski zwischen dem Dreh und der Premiere auf der diesjährigen Berlinale das Gesprächsthema Nummer 1. Aber schon jetzt interessiert das immer weniger.

(Daher eine kurze Zusammenfassung: Polanski stand in der Schweiz unter Hausarrest. Er sollte an die USA ausgeliefert werden, weil er 1977 eine Dreizehnjährige vergewaltigte. Er gestand damals die Tat und flüchtete nach Europa. Der Internationale Haftbefehl wurde dann sehr überraschend vollstreckt und die alte Geschichte wieder aufgewühlt. Dabei gab es auf der einen Seite von Künstlern viele Solidaritätserklärungen und auf der anderen Seite eine bigotte Aufregung, dass ein Kinderschänder für seine Taten bestraft werden müsse. Diese Aufregung wäre halbwegs nachvollziehbar, wenn Polanski sich in den vergangenen Jahrzehnten vor der Justiz versteckt hätte [tat er nicht] oder sein Privatleben einen wichtigen Bestandteil bei der Rezeption seiner Filme gespielt hätte [tat es nicht] oder er diesen Teil seines Lebens verschwiegen hätte [hatte er nicht; aus meiner Erinnerung erfuhr ich zuerst diese Geschichte und lernte danach seine Filme kennen]. Jedenfalls musst er den Endschnitt aus seinem Hausarrest machen und daher war es auch zunächst unklar, ob der Film fertig gestellt würde und und er zur Berlinale gezeigt werden könne.

Bei vielen Berlinale-Kritiken wurde dann auch ein Vergleich zwischen der Situation von Adam Lang und der von Roman Polanski, die sich in diesem Moment verdächtig glichen, gezogen und vermutet, dass Polanski deshalb „Der Ghostwriter“ drehen wollte. Das ist natürlich Unfug, weil Polanski bei den Vorbereitungen und dem Dreh nicht ahnen konnte, dass der Internationale Haftbefehl gegen ihn vollstreckt würde.

Soviel zur Historie und der Rezeption bei der Premiere.)

Schon mit etwas zeitlichem Abstand fällt auf, was für einen gelungenen Paranoia-Thriller Roman Polanski drehte und wie stark er an seine Meisterwerke, wie „Chinatown“ und „Der Mieter“, anknüpfte. Denn Polanski letzte Filme waren oft nicht unbedingt Filme, die man gesehen haben muss. Aber mit dem kammerspielartigem „Der Ghostwriter“ ist er wieder zurück.

Ewan McGregor spielt den namenlosen Ghostwriter, der nachdem sein Vorgänger im Meer ertrank, innerhalb weniger Wochen die Memoiren des ehemaligen britischen Premierministers Adam Lang schreiben soll. Der Ghostwriter hat keine Ahnung von Politik, aber viel Ahnung vom Schreiben verkäuflicher Biographien. Deshalb ist er der geeignete Mann, in Langs Haus auf der Insel Martha’s Vineyard zusammen mit Lang die Biographie zu schreiben. Die lange Reise verbringt er größtenteils schlafen (Aber im Gegensatz zu modernen Spielereien, in denen der Film dann den Traum des Helden erzählt, hält Polanski sich strikt an die Filmrealität. Polanski erzählt nämlich die Geschichte des politischen Erwachens des Ghostwriters.).

Auf der Insel darf der Ghostwriter das Manuskript nur in dem am Meer gelegenen Haus lesen. Als Lang als Kriegsverbrecher angeklagt wird, wittert der Ghostwriter einen guten Aufhänger für die Biographie. Außerdem beginnt er sich zu fragen, was sein Vorgänger in Langs Vergangenheit entdeckte, das zu seiner Ermordung führte. Und er fragt sich, ob er als nächster sterben soll.

Gleichzeitig fragt man sich, was für ein Bohei um Langs Memoiren gemacht wird. Das Manuskript darf nur in Langs Villa bearbeitet werden. Es wird immer in eine Schachtel gelegt, die im Schreibtisch eingesperrt wird, und es dürfen keine Kopien gemacht werden. Weil die meisten bekannten Politikermemoiren absolut harmlos sind und die Memoiren sowieso demnächst veröffentlicht werden sollen, ist das ein etwas seltsames Gebaren von Lang und seiner Vertrauten.

Es könnte also auch sein, dass der Ghostwriter nicht auf der Spur einer großen Verschwörung ist, wie J. J. Gittes in „Chinatown“, sondern sich langsam, wie Trelkovsky in „Der Mieter“, in eine ausgewachsene Paranoia und damit verbundene Wahnwelt hineinsteigert.

Diesen Zwiespalt löst Polanski erst in den letzten Minuten auf. Bis dahin liefert er perfektes, vielschichtiges Spannungskino, das von den Schauspielern, den Dialogen, dem gelungenen Spiel mit Andeutungen lebt.

Die DVD

Das Bonusmaterial ist zeitlich nicht so umfangreich, aber dafür sehr informativ und pointiert geschnitten. Laurent Bouzereau, der in den vergangenen Jahren zahlreiche Features für DVDs erstellte, stellte die richtigen Fragen. Dabei gewährt er Robert Harris, der die Vorlage und, zusammen mit Polanski, das Drehbuch schrieb, erfreulich viel Zeit, um über die Hintergründe zum Roman und seiner Zusammenarbeit mit Roman Polanski zu erzählen. Auch Roman Polanski und die Schauspieler liefern interessante Einblicke in den Dreh und die Geschichte des Films.

Allerdings sollte das Bonusmaterial erst nach dem Film angesehen werden. Denn fasst alle Interviewten äußern sich zum Ende des Films.

Der Ghostwriter (The Ghost Writer, Fr/D/GB 2010)

Regie: Roman Polanski

Drehbuch: Robert Harris, Roman Polanski

LV: Robert Harris: The Ghost, 2007 (Ghost, Der Ghostwriter)

mit Ewan McGregor, Pierce Brosnan, Olivia Williams (die eigentlich viel zu jung für ihre Rolle ist), Kim Cattrall, Tom Wilkinson, James Belushi, Timothy Hutton, Eli Wallach (die letzten drei haben nur Kleinstrollen)

DVD

Arthaus (Kinowelt)

Bild: 2,35:1 (anamorph)
Sprache: Deutsch, Englisch (5.1 DD), Deutsch (Stereo DD)
Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial „Der Ghostwriter: Die Besetzung“, „Der Ghostwriter: Fiktion oder Realität?“, Interviews mit Ewan McGregor, Olivia Williams, Pierce Brosnan, Robert Harris und Roman Polanski; Fotogalerie; Trailer; Wendecover

Länge: 123 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

Hinweise

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Der Ghostwriter“

Tagesspiegel: Kurzes Interview mit Robert Harris zum Film (13. Februar 2010)

Die Welt: Interview mit Robert Harris zum Film (12. Februar 2010)

Krimi-Couch über Robert Harris

Wikipedia über Robert Harris (deutsch, englisch)

Drehbuch „The Ghostwriter“ (aka The Ghost“ von Robert Harris und Roman Polanski (nach dem Roman von Robert Harris)

Die Berlinale-Pressekonferenz zu „Der Ghostwriter“ (12. Februar 2010)


TV-Tipp für den 18. Oktober: Mr. Brooks – Der Mörder in dir

Oktober 17, 2010

ZDF, 22.15

Mr. Brooks – Der Mörder in dir (USA 2007, R.: Bruce A. Evans)

Drehbuch: Bruce A. Evans, Raynold Gideon

Mr. Brooks ist ein geachteter Unternehmer mit einem dunklen Geheimnis: er ist auch ein Serienkiller. Als er bei seiner letzten Tat von Mr. Smith beobachtet wird, erpresst dieser ihn. Er wird schweigen, wenn Mr. Brooks ihn in die Kunst des perfekten Mords einweiht. Und dann ist da noch eine hartnäckige Polizistin.

Köstlich-schwarzhumoriger Krimi, der etwas unter seinen vielen Subplots leidet, aber das Zusammenspiel von Kevin Costner (als Mr. Brooks) und William Hurt (als sein mordgieriges Alter Ego) macht das mehr als wett.

„Raffiniert konstruierter Neo-Noir-Thriller“ (Lexikon des internationalen Films)

Weil der Film „frei ab 18 Jahre“ (Keine Ahnung warum.) ist, dürfte eine gekürzte Fassung laufen.

mit Kevin Costner, Demi Moore, Dane Cook, William Hurt, Marg Helgenberger, Danielle Panabaker, Ruben Santiago-Hudson, Lindsay Crouse, Reiko Aylesworth

Hinweise

Drehbuch „Mr. Brooks“ von Bruce A. Evans und Raynold Gideon

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „Mr. Brooks“

„Mr. Brooks“ in der Kriminalakte (zum Kinostart)

Nachtrag (22. Oktober 2010): Schnittberichte dokumentiert die vom ZDF gemachten Schnitte (fast 3 Minuten).