TV-Tipp für den 30. Oktober

Oktober 30, 2007

Pro 7, 20.15

Big Fish – Der Zauber, der ein Leben zur Legende macht (USA 2003, R.: Tim Burton)

Drehbuch: John August

Literaturvorlage: Daniel Wallace: Big Fish – A Novel of Mythic Proportions, 1998 (Big Fish)

Vertreter Edward Bloom ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Sein Sohn Will, der hinter den Geschichten nie den wahren Edward Bloom sah, brach deshalb vor Jahren entnervt den Kontakt zu ihm ab. Jetzt sitzt er an Edwards Sterbebett und versucht zum letzten Mal die Beziehung zu seinem Vater zu kitten. Aber dieser erzählt nur wieder einmal die altbekannten Geschichten aus seinem Leben und erfindet einige neue dazu.

Das Buch, eine lockere Sammlung von Episoden, ist bestenfalls solala. Aber der Film, der sich in vielen Teilen von dem Buch entfernt, die Episoden aus dem Buch und zahlreiche neue zu einer Biographie zusammenfügt und dabei das Thema des Buches deutlicher herausarbeitet,  ist eine zwischen trister Realität und farbenfreudiger Fantasie wechselnde Liebeserklärung an das Erzählen von Geschichten, die am Ende doch nicht so erfunden sind, wie der Sohn immer annahm.

Mit Ewan McGregor, Albert Finney, Billy Crudup, Jessica Lange, Helena Bonham Carter, Loudon Wainwright III, Steve Buscemi, Danny DeVito, Daniel Wallace (Econ Professor)

Wiederholung:

Freitag, 2. November, 02.55 Uhr (Taggenau!)

Hinweise:

Homepage von Daniel Wallace

Homepage/Blog von John August (In der Abteilung „Downloads“ gibt es das Drehbuch und weiteres informatives Material zu „Big Fish“.)

Tim Burton bei Film-Zeit

Senses of Cinema-Artikel von Ben Andac über Tim Burton (2003)


TV-Tipp für den 29. Oktober

Oktober 29, 2007

HR, 23.40

Der Stadtneurotiker (USA 1977, R.: Woody Allen)

Drehbuch: Woody Allen, Marshall Brickman

Der vierzigjährige, neurotische Komiker Alvy Singer erzählt von seinem Leben und seiner Beziehung zu Annie Hall.

Woody Allens bekanntester Film. Hier ist für uns Zuschauer kein Unterschied zwischen Woody Allen und dem von ihm erfundenen Alvy Singer zu spüren – und dabei ist letztendlich doch alles erfunden. Jedenfalls irgendwie.

„Annie Hall“ erhielt die Oscars für den besten Film, Regie, Drehbuch und Hauptdarstellerin (Diane Keaton) und zahlreiche weitere Preise.

Mit Woody Allen, Diane Keaton, Tony Roberts, Carol Kane, Paul Simon, Janet Margolin, Shelley Duvall, Christopher Walken, Marshall McLuhan (als er selbst), Jeff Goldblum (Partygast), Walter Bernstein (Annies Date vor dem Theater), Signourney Weaver (Alvys Date vor dem Theater), Truman Capote (Capote Look-Alike)


TV-Tipp für den 28. Oktober

Oktober 27, 2007

Wegen Lino Ventura, und wegen Louis Malle (30. Oktober 1932 – 23. November 1995)

3sat, 00.00

Fahrstuhl zum Schafott (F 1958, R.: Louis Malle)

Drehbuch: Roger Nimier, Louis Malle

LV: Noel Calef: Ascenseur pour l’echafaud, 1956 (Fahrstuhl zum Schafott)

Julien hat den perfekten Mord begangen. Aber danach geht alles gründlich schief: er bleibt in einem Fahrstuhl stecken und sein Auto wird von Halbstarken geklaut.

Malles Regiedebüt ist inzwischen – trotz der Mängel eines Erstlings – ein Noir-Krimiklassiker und einer der stilbildenden Filme der Nouvelle Vague. Dabei verdankt es viel dem improvisierten Jazz des Miles Davis Quintett.

Mit Jeanne Moreau, Maurice Ronet, Lino Ventura, Charles Denner, Jean-Claude Brialy (Gast in der Bar)


TV-Tipp für den 27. Oktober

Oktober 26, 2007

Wegen Lino Ventura, und weil Claude Lelouch am 30. Oktober seinen Siebzigsten feiert:

BR, 20.15

Die Entführer lassen grüßen (F/I 1971, R.: Claude Lelouch)

Drehbuch: Claude Lelouch, Pierre Uvtterhoeven

Fünf Gauner entdecken Entführungen als Geschäftsmodell. Ihre Geisel werden immer höhere Repräsentanten der Gesellschaft.

Laue Komödie, die sich – weil viel zu undifferenziert – erfolglos in Gesellschaftskritik versucht. „Die Entführer lassen grüßen“ ist, trotz einiger gelungener Szene, wirklich kein wichtiger Ventura-Film.

„Mäßig unterhaltsame Burleske mit oberflächlicher Kritik an Ideologien; stellenweise amüsant, doch überwiegend auf billige Gags und mäßige Späße ausgerichtet.“, schrieb der Katholische Film-Dienst zutreffend zum deutschen Kinostart.

Meinolf Zurhorst und Lothar Just urteilten in ihrem „Lino Ventura“-Buch ähnlich: „Lelouch, gerühmt von den Schauspielern für seine Improvisationsfreude und die Freiheit, die er seinen Darstellern lässt, trat mit ‚Die Entführer lassen grüßen’ in viele Fettnäpfchen. Sein Film ist nicht nur Gaunerkomödie, sondern auch eine deftige, nicht immer geschmacksichere Politiksatire, die alles über einen Kamm schert, seien es lateinamerikanische Freiheitsbewegungen oder die Aktivitäten der CIA…Lelouchs eigenwilliger Stil, immer auf knallige Effekte bedacht und konsumfreundlich, eingängig unterstützt  durch die Musik von Francis Lai, lässt dabei manch gelungene Szene zu, etwa jene, in der die Ganoven am strand verschiedene Annäherungstaktiken für die da liegenden Schönheiten einüben. Man spürt förmlich den Spaß, den die Hauptdarsteller bei der Arbeit gehabt haben.“ Nur überträgt sich dieser Spaß nicht ins Wohnzimmer.

Mit Lino Ventura, Jacques Brel, Charles Denner, Yves Robert, Johnny Hallyday (als er selbst), Juan Luis Buñuel, André Falcon

Homepage von Claude Lelouch (viele Bilder, viele französische Texte)


TV-Tipp für den 26. Oktober

Oktober 25, 2007

ARD, 01.20

Im Dreck verreckt (F/Mex/I 1968, R.: José Giovanni)

Drehbuch: José Giovanni

LV: John D. Carrick: The Vulture, 1966 (Der Geier)

Lino Ventura spielt einen Profikiller, der  in Südamerika den Landespräsidenten umbringen soll.

Spannender, in Mexiko gedrehter, Abgesang auf den Homme Solitaire.

Auch bekannt als „Fremder, wohin gehst du?“


TV-Tipp für den 25. Oktober

Oktober 24, 2007

Ein Grund für Fernsehgebühren ist der Bildungsauftrag der öffentlich-rechtlichen Sender. Arte wird ihm mal wieder gerecht:

Arte, 00.20

Zombie 2 – Das letzte Kapitel (USA 1985, R.: George A. Romero)

Drehbuch: George A. Romero

Der Titel ist etwas irreführend. Denn „Day ot the Dead“ ist nach „Die Nacht der lebenden Toten“ (Night of the living Dead, USA 1968) und „Zombie“ (Dawn of the Dead, USA 1978) der dritte Zombie-Film von Romero. Inzwischen haben die Zombies die Macht auf der Erde übernommen. In einem unterirdischen Bunker in Florida versuchen einige Militärs und Wissenschaftler die menschliche Rasse am Leben zu erhalten.

Die seriöse Filmkritik meinte gewohnt ablehnend zu dem Splatterfilm:  „reichlich ekelerregende Horroreffekte der härteren Art“ (Lexikon des internationalen Films) oder „Anstatt neue Zombie-Filme zu drehen, könnte man auch den ersten ‚Die Nacht der lebenden Toten’ in zeitlichen Abständen immer wieder neu starten. Viel hat sich seitdem bestimmt nicht verändert, weder die Geschmacksgewohnheiten der Zombies noch die ihrer Fans.“ (Fischer Film Almanach 1988). Die Zensurgeschichte folgte auch den bekannten Mustern.

Romero war mit dem bis dahin härtesten Zombiefilm zufrieden und den Fans gefiel er. Etliche halten ihn, wie Romero, für den Besten der Serie. Inzwischen hat Romero mit „Land of the Dead“ (USA 2005) und „Diary of the Dead“ (USA 2007) für Nachschub gesorgt.

Bei all den Morden, die einen stabilen Magen verlangen, sollte nie die in Romeros Zombie-Filmen enthaltene überaus düstere Diagnose der Gesellschaft übersehen werden.

„Zombie 2“ erlebt heute Nacht seine TV-Premiere. Allerdings ist noch unklar, welche Fassung. Wahrscheinlich wird die gegenüber dem Original um sieben Minuten gekürzte deutsche Kinofassung gezeigt.

Mit Lori Cardille, Terry Alexander, Joseph Pilato, Jarlath Conroy

Wiederholungen:

Samstag, 27. Oktober, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Freitag, 9. November, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise:

Arte zum Film

OFDB zum Film (mit einer Auflistung der verschiedenen Fassungen und dem Beschlagnahmebeschluss)

Schnittberichte mit einem Vergleich der beschlagnahmten FSK 18-Version und der ungeschnittenen US-Fassung


Ärgerlich: Die Fremde in dir

Oktober 24, 2007

the-brave-one.jpg

The Brave One, USA 2007, R.: Neil Jordan

Drehbuch: Roderick Taylor, Bruce A. Taylor, Cynthia Mort

Mit Jodie Foster (Erica Bain), Terrence Howard (Detective Mercer), Nicky Katt (Detective Vitale), Naveen Andrews (David Kirmani),   Mary Steenburgen ( Carol)

 

++Spoiler-Alarm++

In dem folgenden Text verrate ich das Ende des Films. Für diese Menschen sage ich jetzt: Es lohnt sich nicht, für diesen Film Geld auszugeben. Die anderen dürfen weiter lesen.

++Spoiler-Alarm++

 

Heute habe ich mir endlich “Die Fremde in dir”, den Selbstjustizfilm mit Jodie Foster angesehen. Ich bin schon skeptisch ins Kino gegangen, aber ich wollte ihn unbedingt mit „Death Sentence“ vergleichen. Bei der Kritik ist „Die Fremde in dir“ etwas besser weggekommen. Für mich ist er der ärgerlichere Film.

Die Story ist genretypisch einfach: Erica Bain ist eine erfolgreiche, verliebte New Yorker Radiomoderatorin. Eines Nachts wird sie im Park von drei Gangstern überfallen und zusammenschlagen. Ihr Freund stirbt. Die Polizei kann die Verbrecher nicht fassen. Bain nimmt das Gesetz in die eigenen Hände.

Daraus kann man viel machen. James Wan machte daraus in „Death Sentence“ eine bitterböse Studie über Gewalt und Gegengewalt und den selbstgewählten Weg in den Abgrund. Neil Jordan machte daraus – Ja, was eigentlich?

Wenn wir das Ende betrachten, immerhin ist im Ende eines Films die Botschaft versteckt, dann hat er ein erzreaktionäres und staatsverachtendes Bekenntnis zur Selbstjustiz abgeliefert, das, gerade weil es qualitativ weit über dem Standard dritt- und viertklassiger Ramschware liegt, nur noch ärgerlicher ist.

Also, das Ende geht so: Bain hat erfahren, wo die Gangsterbande ist. Sie geht zu ihnen und bringt sie der Reihe nach um. Zur gleichen Zeit hat der grundehrliche Cop, der in Bain verknallt ist, herausgefunden, wo Bain hingegangen ist. Er fährt hin. Als Bain den letzten Verbrecher umbringen will, geht der Polizist dazwischen. Der Gangster legt sich auf den Boden und wartet auf die Verhaftung. Da richtet Bain ihre Pistole auf den Cop. Ihre Hand zittert (Ein sicheres Zeichen, dass sie den Falschen umbringen will!). Der Cop nimmt ihr die Pistole ab. Und gibt ihr seine Pistole. Sie erschießt ohne zu Zittern den Gangster. Anschließend schießt sie den Cop mit ihrer Pistole an. Der Cop lässt Bain laufen und legt ihre Pistole in die Hand des Gangsters.

Das ist nicht mehr, wie am Ende von „Ein Mann sieht rot“ das Wegsehen eines Polizisten, sondern das ist das aktive Helfen der Polizei bei Lynchjustiz. Die Botschaft des Films lautet: Und das ist gut so.

Doch schon lange vor diesem Ende hat „Die Fremde in dir“ es bei mir gründlich verschissen. Die letzten Minuten sind einfach nur der letzte Sargnagel eines Desasters, weil Jordan niemals eine stringente Haltung zu seiner Geschichte entwickelt. Denn der Film ist kein psychologisches Drama. Dafür wird Bains Charakter nicht genug ausgelotet.

Der Film ist kein Porträt von New York nach 9/11. Dafür ist von der Millionenstadt einfach nichts zu spüren. Der Film könnte in jeder größeren Stadt überall auf der Welt zu jeder Zeit spielen.

Der Film ist auch, trotz des eindeutigen Originaltitels „The Brave One“, kein überzeugender Selbstjustizfilm. Denn dafür müsste er sich zu seinem Charakter positionieren und ihre Morde in irgendeiner Form aufgrund ihrer Psyche und äußerer Ereignisse nachvollziehbar machen.

In „Ein Mann sieht rot“ war es das Versagen des Staates bei der Strafverfolgung. In „Die Fremde in dir“ schnappen die Polizisten die Täter, aber in diesem Moment hat Bain bereits einige, wahrscheinlich therapeutisch zu verstehende, Morde auf dem Kerbholz und will weitermorden.

In „Death Sentence“ war es das übersteigerte Rachebedürfnis des Vaters. Er wollte nicht, dass der Verbrecher für einige Jahre in den Knast wandert. Er wollte, dass er lebenslänglich für seine Tat büßt.

In „Ein Richter sieht rot“ konnte ein Richter Verbrecher aufgrund von Verfahrensfehlern nicht verurteilen. Er wollte Gerechtigkeit und schloss sich einer Kammer von Lynchjustizrichtern an.

In „Die Frau mit der 45er Magnum“ wehrt sich eine stumme New Yorkerin handgreiflich gegen ihren zweiten Vergewaltiger. Eine in einer Männerwelt immer zum Sexobjekt degradierte Frau wehrt sich.

Und in vielen Filmen (und Büchern), in denen der Held das Recht in die eigenen Hände nimmt, muss er auf eine akute Bedrohung reagieren.

In „Die Fremde in dir“ haben wir dagegen eine Frau, die nach einem Überfall einfach mehr oder weniger wahllos einige Bösewichte abknallt. Dabei sucht sie bewusst gefährliche Orte auf, um ihre Pistole sprechen zu lassen. Denn nach diesem traumatischen Erlebnis muss sie etwas tun. ‚Warum nicht einige Stunden bei einem Psychiater verbringen?’ werden Sie jetzt vielleicht fragen. Das wäre natürlich eine die Kriminalstatistik schonende Vorgehensweise, aber anscheinend ging es Mitproduzentin Jodie Foster nur darum, einige schlechte Karikaturen abzuknallen.

Das ist filmischer Schrott, mit einer auf Haut und Knochen abgemagerten Jodie Foster in der Hauptrolle und einem jede Szene zukleisternden Soundtrack.

 

Homepage des Films


TV-Tipp für den 24. Oktober

Oktober 24, 2007

Arte, 23.15

Stammheim (D 1986, R.: Reinhard Hauff)

Drehbuch: Stefan Aust

LV: Stefan Aust: Der Baader-Meinhof-Komplex, 1985

Hauff und Aust verfilmten, basierend auf den Protokollen des Gerichts, den Prozess in Stammheim gegen die RAF-Terroristen Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Jan-Carl Raspe und Ulrike Meinhof.

Der sehr selten im Fernsehen gezeigte, karge Film erhielt 1986, nach einem Streit in der Jury, den Goldenen Bären.

Derzeit wird, auch vor meiner Haustür, unter der Regie von Uli Edel, nach einem Drehbuch von Bernd Eichinger, das ganze Buch von Stefan Aust verfilmt. Diese Version (Remake kann es nicht genannt werden) gerät sicher opulenter.

Mit Ulrich Pleitgen, Ulrich Tukur, Therese Affolter, Sabine Wegner, Hans Kremer

Wiederholungen:

Montag, 29. Oktober, 14.55 Uhr

Dienstag, 6. November, 14.55 Uhr

Arte zum Film


TV-Tipp für den 23. Oktober

Oktober 23, 2007

ZDF, 21.00

Terrorziel Deutschland – Tödlicher Wettlauf zwischen Ermittlern und Fanatikern (D 2007, R.: Elmar Theveßen, Souad Mekhennet, Christoph Röckerath)

Drehbuch: Elmar Theveßen, Souad Mekhennet, Christoph Röckerath

45-minütige Doku der „Frontal 21“-Redaktion über unsere islamistischen Terroristen.

Wiederholung: Mittwoch, 24. Oktober, 04.00 Uhr (Taggenau!)

(und wahrscheinlich in der ZDF Mediathek)

Weitere Informationen


TV-Tipp für den 22. Oktober

Oktober 22, 2007

ARD, 00.50

Der Kommissar und sein Lockvogel (F/I 1969, R.: José Giovanni)

Drehbuch: José Giovanni

LV: Joseph Harrington: The last known Address, 1965

Kommissar Leonetti soll in wenigen Tagen einen seit fünf Jahren verschwundenen Zeugen suchen.

Ewig nicht mehr gezeigter Klassiker des Polizeifilms. Giovanni zeigt ohne gefällige Lösungen die zermürbende Arbeit eines Polizisten. Besonders das Ende ist in seiner bitteren Konsequenz grandios.

„Mich reizte die Idee, einen Bullen zu zeigen, der zu Fuß durch die Stadt marschiert, der weder einen schnellen Schlitten fährt, noch dieses ganze Theater wahrnimmt, das man im Kino immer sieht. Aus diesem Grund habe ich diesen Film gemacht, als Gegensatz zu allem, was existiert. Das war übrigens auch schon im Buch von Harrington, der früher selbst Polizist war.“ (José Giovanni)

Mit Lino Ventura, Marlène Jobert, Michel Constantin

Auch bekannt als „Tödliche Frist“ und „Letzter bekannter Wohnsitz“ (unter dem Titel war der Film im Kino angekündigt)

Hinweise:

Lino Ventura-Fansite


TV-Tipp für den 21. Oktober

Oktober 20, 2007

Lino Ventura (14. Juli 1919 – 22. Oktober 1987)

Deshalb heute „Der Panther wird gehetzt“ – und in den kommenden Tagen weitere immer wieder sehenswerte Filme mit dem Europameister im Ringen

MDR, 00.15

Der Panther wird gehetzt (F/I 1960, R.: Claude Sautet)

Drehbuch: José Giovanni, Claude Sautet, Pascal Jardin

LV: José Giovanni: Classe tous risques, 1958 (Das Ende vor Augen)

Gangster Abel Davos kehrt aus seinem italienischen Versteck nach Frankreich zurück. Seine alten Freunde wollen nichts mehr von ihm wissen. Nur der Einzelgänger Eric Stark hält zu ihm.

Tolles Unterweltdrama über die letzten Tage eines Gangsters. Jean-Pierre Melville war begeistert. „Für mich bedeutete dieser Film einen Wendepunkt in meiner Karriere, rein gefühlsmäßig zählt er sehr viel. Er gehört zu jenen Filmen, die ich liebe. Aber das ist ganz persönlich.“ (Lino Ventura)

Damals fand die kirchliche Filmkritik keine lobenden Worte: „Was soll eigentlich der Film? Eine spannende Handlung hat er nicht zu bieten…Dann wird zu unserer berechtigten Empörung das Leben eines Verbrechers ganz unverfroren als Beruf hingestellt. In der gleichen Weise wird die Freundestreue hier so erstaunlich gewürdigt, dass man beinahe vergisst, dass hier Menschen durch Gewaltverbrechen aneinander gebunden sind. Die Kinder des Panthers sind schließlich noch der Gipfel der Unverfrorenheit, denn sie dienen nur dem Zweck, den eiskalten Mörder außerberuflich zum rührenden Familienvater zu verklären.“ (Evangelischer Filmbeobachter)

Mit Lino Ventura, Jean-Paul Belmondo, Sandra Milo

Wiederholung:

RBB, Mittwoch, 24. Oktober, 22.35 Uhr


TV-Tipp für den 20. Oktober

Oktober 19, 2007

Nicht weil der Film so gut ist, sondern weil die viel witzigere Vorlage von Carl Hiaasen ist:

RTL II, 22.10

Striptease (USA 1996, R.: Andrew Bergman)

Drehbuch: Andrew Bergman

LV: Carl Hiaasen: Striptease, 1993 (Striptease)

Erin Grant verdient das Geld für einen Sorgerechtsprozeß in einer Striptease-Bar. Dort verliebt sich Senator Dilbeck in sie und verteidigt sie mit einer Champagnerflasche gegen einen Verehrer. Jerry fotografiert dies und erpresst Dilbeck. Kurz darauf ist er tot und Erin sieht das Sorgerecht gefährdet.

Bis auf die Hauptrolle (Demi Moore, die auch beim Striptease nicht sonderlich erregend wirkt) gelungene Verfilmung eines satirischen Hiaasen-Buches, mit einer grandios aufspielenden Schar Nebendarsteller: Ving Rhames, Burt Reynolds, Armant Assante, Paul Guilfoyle

Wenn der Film zum Lesen des Buches (und der anderen Hiaasen-Werke!) führt, dann kann der Film gar nicht genug gelobt werden

Wiederholung um 02.45 Uhr

Hinweise:

Homepage von Carl Hiaasen

Meine Besprechung von „Sumpfblüten“ (Nature Girl, 2006)

Meine Besprechung von „Der Reinfall“ (Skinny Dip, 2004)

Meine Besprechung von „Krumme Hunde“ (Sick Puppy, 1999)

Meine Besprechung von „Unter die Haut“ (Skin Tight, 1989)


TV-Tipp für den 19. Oktober

Oktober 18, 2007

Arte, 23.50

Phantom (D 1922, R.: Friedrich Wilhelm Murnau)

Drehbuch: Thea von Harbou

LV: Gerhart Hauptmann: Phantom – Aufzeichnungen eines ehemaligen Sträflings, 1923 (Erstabdruck 1922 in Berliner Illustrierten Zeitung)

Ratsschreiber Lubota verliebt sich in eine reiche Frau. Um an Geld zu gelangen, gerät er auf die schiefe Bahn.

Kaum bekanntes Stummfilm-Melodrama von „Nosferatu“-Regisseur Friedrich Wilhelm Murnau. Die Premiere war eine Feier zum sechzigsten Geburtstag von Gerhard Hauptmann.

„Eine Geschichte zwischen Realität und Halluzination. (…) Phantom ist ein Kleinstadtfilm, aber dem (amerikanischen) Genre entgegen inszeniert, wie später dann bei Val Lewton oder David Lynch. Die Träume liegen unter der sanften Oberfläche, aber ohne die beruhigende Aufteilung in Wunsch- oder Alptraum. (…) Das Individuum weiß nicht mehr, wie ihm geschieht, es gibt seine Moral auf und seine Rechtfertigung. Für ihr Drehbuch hat Thea von Harbou die Distanz des moralischen Erzählers in Hauptmanns Text aufgehoben, der die fixe Idee des Lorenz Lubota zum klinischen Fall Fall macht. Treuwillig müssen wir Zuschauer ihm folgen, ‚durch lange Akte hindurch, durch alle Höhen und Tiefen seines Erlebens’. Schuldlos-schuldig ist ihr Held: ‚Die Selbstanklage des Lorenz Lubota im Roman verstummt im Film’.“ (Peter W. Jansen/Wolfram Schütte [Hrsg.]: Friedrich Wilhelm Murnau, Hanser Reihe Film 43, 1990)

Arte zeigt die restaurierte Fassung von 2002.

Mit Alfred Abel, Frida Richard, Aud Egede Nissen

Wiederholungen:

Dienstag, 23. Oktober, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Mittwoch, 31. Oktober, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise:

Arte zum Film

Förderverein Filmkultur Bonn zum Film


TV-Tipp für den 18. Oktober

Oktober 17, 2007

HR, 23.30

Wer mit dem Teufel reitet (Ride with the Devil, USA 1999, R.: Ang Lee)

Drehbuch: James Schamus

LV: Daniel Woodrell: Woe to live on, 1987 (Zum Leben verdammt)

USA, 1860: Jake Roedel und Jack Bull ziehen auf Seiten der Südstaaten in den Krieg. In einer Guerillagruppe beteiligen sie sich an einem zunehmend sinnlosen Vernichtungsfeldzug bei dem keine Gefangenen gemacht werden.

Wie so oft: aus einem hochgelobten Buch wurde ein – nun – mittelmäßiger Film.

Martin Compart halt Woodrells zweiten Roman “Woe to live on” für einen der besten Bürgerkriegs-Romane: “Mit jedem zündenden Satz verbrennt Woodrell die Hollywoodklischees über den Sezessionskrieg. Der Roman folgt dem jungen Ich-Erzähler auf seiner blutigen Spur an der Seite der Freischärler unter dem berüchtigten Quantrill. In den West Plains tobte ein brutaler Partisanenkrieg, der noch Jahre nach dem Ende des Bürgerkrieges Opfer forderte…Die Sprache des Romans ist filmisch und hypnotisch.“

Woodrell zu seinem Buch: „Die Amerikaner haben sich über das Buch zu Tode erschreckt, weil es vom Standpunkt der Südstaaten geschrieben ist. Ich bekam keine Rezension nördlich der Dixon-Linie. Keiner wollte wissen, was hier wirklich los war. Es war wie in Bosnien.“ Die Erstausgabe war ein Flop – und ist heute ziemlich teuer.

Woodrell zur Verfilmung: „I was merely the writer of the novel. That is, the one who created the story, characters, dialogue and structure from scratch. Once the movie started I was more or less blotted from the scene. I did enjoy watching actors mouth my words and so on, and did learn plenty from that experience. As to the process of making the film, all I can say is, if it happens again, I won’t make nice so much. I deferred to their arguments (I had no power to do anything) since I thought maybe they know more about narrative for film than I-and they don’t. Everything is clouded by,“If we show this scene in a truthful manner we think twelve people will walk out in Encino, so we will substitute a phony as shit scene we got from a can of old movies we found sitting open back in the vault.“ And so on.“

Der Film war kein Kassenerfolg; was hier allerdings – im Gegensatz zum Buch –  an der Qualität des Werkes liegt: „Eine Enttäuschung“ (Zitty), „Der Film wirkt mitunter so langatmig, als würde man den Bürgerkrieg in Echtzeit miterleben.“ (Berliner Zeitung). Und, was sicher auch zu seiner Unbeliebtheit beigetragen hat: „Ride with the Devil“ ist ein Film „über Männer, die für die falsche Sache auf der falschen Seite in einem schrecklichen Krieg kämpfen…Man könnte auch behaupten, dass dieser Film eine Feldstudie über galoppierende Dummheit ist.“ (Berliner Zeitung)

Eine der wenigen positiven Stimmen: “Ang Lee’s film, Ride with the Devil, is the best western since Clint Eastwood’s Unforgiven (1992)… Ride with the Devil displays a care and intelligence increasingly rare in mainstream American cinema. While there are suitably memorable images of violence there is also a lot of memorable talk. Wonderful cinematography from Frederick Elmes, excellent performances from its (then mostly) young, up-and-coming cast of actors, and the acting debut of pop star Jewel should have brought new, younger viewers to this old genre. The film deserved a better commercial fate because it is as “stone brilliant” as the writing from which it is derived, and making such a fine film also “required some genius”.” (Noel King, Senses of Cinema – eine sehr informative Web-Seite)

Die meisten Bücher von Woodrell erschienen im Rowohlt Verlag und sind inzwischen nur noch auf den Wühltischen und Antiquariaten ihres Vertrauens zu finden. Die Originale sind dagegen bei verschiedenen Verlagen gut erhältlich.

Mit Skeet Ulrich, Tobey Maguire, Jewel Kilcher, Jonathan Rhys, James Caviezel

Kinotitel: „Ride with the Devil – Die Teufelsreiter“

Hinweise:  

Meine Besprechung von “Winter’s Bone”  

Mordlust über Daniel Woodrell  

Martin Compart in „Evolver“ über Daniel Woodrell 

The Richmond Review interviewt Daniel Woodrell zum Film 


TV-Tipp für den 17. Oktober

Oktober 16, 2007

Das Vierte, 20.15

Fesseln der Macht (USA 1981, R.: Ulu Grosbard)

Drehbuch: John Gregory Dunne, Joan Didion

LV: John Gregory Dunne: True Confessions, 1977

Los Angeles, 1948: In einem Bordell wird die Leiche eines Priesters gefunden. Bei den Ermittlungen stößt Tom Spellay auf seinen Bruder, der inzwischen Sekretär des Erzbischofs ist. Beide wollen den Fall vertuschen. Aber eine ermordete Prostituierte vereitelt diesen Plan.

Spannendes, stimmiges Krimidrama, das sich an ein erwachsenes Publikum richtet. Die deutsche Premiere erlebte der Film 1986 auf Video.

Georges Pelecanos zum Film: “Released in 1981, it represents a kind of studio-picture craftsmanship that is sadly absent in most movies made today. Read the book, then wait for a rainy Saturday afternoon and see the film. This is one that has stood the test of time.”

Mit Robert De Niro, Robert Duvall, Charles Durning, Burgess Meredith

Auch „Gefährliche Beichte“


TV-Tipp für den 16. Oktober

Oktober 16, 2007

SWR, 00.00

Das Mädchen und der Kommissar (F/I 1971, R.: Claude Sautet)

Drehbuch: Claude Sautet, Jean-Loup Dabadie, Claude Néron

LV: Claude Néron: Max et les ferrailleurs, 1968

Ein ehrgeiziger Polizist animiert, mit Hilfe einer Prostituierten, eine Gruppe von Kleingangstern zu einem Banküberfall. Er will sie auf frischer Tat ertappen.

Der vorzügliche französische Kriminalfilm mit Starbesetzung ist eine beklemmende Charakterstudie über einen ehrgeizigen Polizisten und die Annahme, dass der Zweck die Mittel heilige.

Mit Romy Schneider, Michel Piccoli, Bernard Fresson


TV-Tipp für den 15. Oktober

Oktober 14, 2007

RTL, 23.00

EXTRA Spezial: Der Kannibale von Rotenburg (D 2007, R.: Günter Stampf)

Drehbuch: Günter Stampf

Einstündige Doku über und mit Armin Meiwes, dem Kannibalen von Rotenburg. Stampf veröffentlichte auch vor wenigen Tagen das den Film ergänzende Buch „Interview mit einem Kannibalen“.

RTL zur Sendung


TV-Tipp für den 14. Oktober

Oktober 14, 2007

Kabel 1, 00.15

12 Uhr nachts – Midnight Express (USA/GB 1978, Regie: Alan Parker)

Drehbuch: Oliver Stone

LV: Billy Hayes (als William Hayes), William Hoffer: Midnight Express, 1977

1970 wird der Student William Hayes in Istanbul verhaftet und als Drogenschmuggler zu dreißig Jahren Haft verurteilt. Erst nach fünf Jahren gelingt Hayes die Flucht aus dem unmenschlichen Gefängnis.

Der auf einer wahren Geschichte basierende Film war ein Kassenknüller und Vorbild für neuere Gefängnisfilme. Die anti-türkischen Töne müssen als Genreimmanent in Kauf genommen werden. Ebenso die einseitige Parteinahme für einen Drogenschmuggler.

Oliver Stone erhielt für sein Drehbuch einen Oscar und den Preis der Writers Guild of America.

Mit Brad Davis, Irene Miracle, Bo Hopkins, Randy Quaid, John Hurt


TV-Tipp für den 13. Oktober

Oktober 12, 2007

3sat, 22.05

Die Blechtrommel-Story (D 2007, R.: Wilfried Hauke)

Drehbuch: Wilfried Hauke

TV-Premiere einer 45-minütigen Spurensuche mit unserem Nobelpreisträger Günter Grass, der am Dienstag, den 16. Oktober, seinen Achtzigsten feiert.

Aus diesem Anlass zeigt die ARD am 16. Oktober, um 00.50 Uhr (Taggenau!), „Die Blechtrommel“.

3sat zur Doku

 


TV-Tipp für den 12. Oktober

Oktober 11, 2007

Endlich wieder im Fernsehen (es könnte sein, dass „Straßen in Flammen“ nur einmal 1998 im Fernsehen lief):

RTL II, 23.20

Straßen in Flammen (USA 1984, R.: Walter Hill)

Drehbuch: Walter Hill, Larry Gross

Die Story ist ein luftiges Nichts: Gang-Boss Raven Shaddock entführt während eines Konzertes die Sängerin Ellen Aim. Ihr Ex Tom Cody kommt zurück, rettet sie aus dem Club des Bösen, bringt sie zurück und trifft sich mit Raven zum abschließenden Kampf.

 „Straßen in Flammen“ ist ein typischer 80er-Jahre Actionfilm, der bemerkenswert gut gealtert ist. Damals war er als überlanger Videoclip seiner Zeit weit voraus. Heute ist der Genrehybrid immer noch gut genießbar. Damals war Walter Hill einer der heißesten und besten Regisseure von intelligenten Actionfilmen. Heute liegt sein letzter guter Spielfilm auch schon über zehn Jahre zurück.

Mit Michael Paré, Diane Lane, Rick Moranis, Amy Madigan, Willem Dafoe, Deborah Van Valkenburgh, Richard Lawson, Rick Rossovich, Bill Paxton

Wiederholung: RTL II, Samstag, 13. Oktober, 03.20 Uhr (Taggenau!)

Meine ausführliche Besprechung von „Streets of Fire“