TV-Tipp für den 11. Oktober

Oktober 10, 2007

R. i. P.: Bud Ekins (11. Mai 1930 – 6. Oktober 2007)

Deshalb

HR, 23.30

Gesprengte Ketten (USA 1963, R.: John Sturges)

Drehbuch: James Clavell, W. R. Burnett

LV: Paul Brickhill: The great escape, 1950

Starbesetzter, auf Tatsachen beruhender Weltkrieg-II-Klassiker über den Ausbruch von Kriegsgefangenen aus einem deutschen Lager.

Bud Ekins war Motorradfahrer, Stuntman und mit Steve McQueen befreundet. Sein Leinwanddebüt hatte er in „Gesprengte Ketten“. Er war in dem Film McQueens Stuntdouble und machte den legendären Sprung mit dem Motorrad über den Grenzzaun.

Mit Steve McQueen, James Garner, Richard Attenborough, James Donald, Charles Bronson, Donald Pleasence, James Coburn, Hannes Messemer, David McCallum, Gordon Jackson, Jud Taylor, Hans Reiser, Harry Riebauer

Ein Nachruf auf Bud Ekins


TV-Tipp für den 10. Oktober

Oktober 9, 2007

Arte, 20.40

Krieg gegen den Terror – Stockfinster (USA 2006, R.: Michael Kirk)

Drehbuch: Michael Kirk

Ein Blick hinter die Kulissen der US-amerikanischen Politik. Kirk zeigt in seiner knapp einstündigen Doku die Machtkämpfe zwischen CIA, präsentiert durch deren Chef George Tenet, und der Bush-Administration zwischen dem 11. September 2001 und dem Einmarsch in den Irak.

Wiederholung: Sonntag, 28. Oktober, 17.35 Uhr

Arte zum Film


TV-Tipp für den 9. Oktober

Oktober 8, 2007

Grandioser Film – für den Videorekorder:

ARD, 01.50

Wenig Chancen für morgen (USA 1959, R.: Robert Wise)

Drehbuch: Abraham Polonsky (ungenannt), John O. Killens (Strohmann für Polonsky), Nelson Gidding

LV: William P. McGivern: Odds against tomorrow, 1957 (Von Angst gepeitscht)

Drei Männer planen den perfekten Raub. Nur ihre rassistischen Vorurteile stehen ihnen im Weg.

Aus einer spannenden Vorlage in der Tradition von W. R. Burnett (hier: „Der Asphalt-Dschungel“) wurde ein spannender, leider fast unbekannter Film. Immerhin wird er in Server/Gorman/Greenbergs „The big book of noir“ (ein schöner, dicker Wälzer) in die Liste von 100 wichtigen Noir-Filmen aufgenommen.

Mit Harry Belafonte, Robert Ryan, Shelley Winters, Ed Begley, Gloria Grahame

Wiederholung: HR, Mittwoch, 17. Oktober, 00.15 Uhr (Taggenau!)


TV-Tipp für den 8. Oktober

Oktober 7, 2007

Vor einigen Tagen hatte ich „Taxi to the Dark Side“ bereits gelobt. Jetzt können Sie mein Lob überprüfen:

Arte, 20.40

Taxi zur Hölle (D/USA/GB 2007, R.: Alex Gibney)

Drehbuch: Alex Gibney

Spielfilmlange Doku über den fälschlich als Terrorist beschuldigten afghanischen Taxifahrer Dilawar. Er wird verhaftet, gefoltert und stirbt fünf Tage später. Gibney zeigt in seiner eindrücklichen, sachlich argumentieren Dokumentation am Schicksal eines Jedermanns, wie die US-amerikanische Regierung ihre Soldaten ermutigte, Folter als Verhörmethode wieder einzusetzen.

„Taxi zur Hölle“ wurde auf dem Filmfestival in Tribeca (New York) als beste Dokumentation ausgezeichnet.

Wiederholungen:

Donnerstag, 18. Oktober, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Sonntag, 28. Oktober, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Homepage zum Film

Arte zum Film


TV-Tipp für den 7. Oktober

Oktober 6, 2007

Sonntag. Arte-Themenabend. Heute: Jacques Tati (9. Oktober 1907 – 4. November 1982).

Arte, 20.40

Ferien des Monsieur Hulot ( F 1953, R.: Jacques Tati)

Drehbuch: Jacques Tati, Henri Marquet

Tatis bekanntester Film: Der linkische Monsieur Hulot möchte nur einen ruhigen Urlaub in der Bretagne verbringen. Doch alles was er anfasst, verwandelt sich schnell in ein veritables Chaos.

„Eine zärtlich-erfreuliche Typen-Komödie, die sich gegen jede filmische Einordnung nicht nur im französischen Kino sperrt.“ (Lexikon des internationalen Films)

Mit Jacques Tati, Nathalie Pascaud, Louis Perrault, André Dubois

Auch bekannt als „Die Ferien des Herrn Hulot“

Wiederholungen:

Mittwoch, 10. Oktober, 14.50 Uhr

Montag, 15. Oktober, 01.15 Uhr (Taggenau!)

 

Arte, 22.10

Jacques Tati, das demokratische Lachen (F 2002, R.: Pierre Philippe)

Drehbuch: Pierre Philippe

Mit seltenen Aufnahmen garnierte Doku über den scheuen Künstler Tati.

 

Arte, 23.00

Jacques Tati – „Playtime Story“ (F 2002, R.: François Ede)

Drehbuch: François Ede

Doku zu dem Tati-Film „Playtime“, der in Deutschland „Tatis herrliche Zeiten“ (Welcher Mensch hat sich diesen Titel ausgedacht?) heißt.

Wiederholung: Mittwoch, 10. Oktober, 16.15 Uhr

Arte-Dossier über Jacques Tati


TV-Tipp für den 6. Oktober

Oktober 5, 2007

BR, 22.15

Ich erschoss Jesse James (USA1949, R.: Samuel Fuller)

Drehbuch: Samuel Fuller

LV: Homer Croy (Artikel im American Weekly Magazine)

Outlaw Bob Ford bringt wegen der Belohnung seinen Lebensretter Jesse James um. Damit zieht er den Hass von Frank James auf sich.

Mit diesem, in zehn Tagen gedrehten, Western debütierte Samuel Fuller. Joe Hembus schreibt in seinem „Western-Lexikon“ über den viel zu selten gezeigten Film: „Das Regiedebüt von Samuel Fuller, ein ganzes Programm für sein weiteres Oeuvre: Jeder misstraut jedem, und das mit Recht, und wenn möglich, bringt jeder jeden um. Man stirbt nicht für eine gerechte Sache, man tötet für sie, noch besser; man tötet sie selbst.“

Sam Fuller hielt nicht viel von Jesse James („ein blöder Quatschkopf“) und er meinte: „Bob Ford tat etwas, das bereits eine gute Weile früher im Leben von Jesse Woodson James hätte getan werden sollen.“

Mit John Ireland, Preston Foster, Barbara Britton, Reed Hadley


TV-Tipp für den 5. Oktober

Oktober 4, 2007

Tele 5, 20.15

Das Rußland-Haus (USA 1990, R.: Fred Schepisi)

Drehbuch: Tom Stoppard

LV: John Le Carré: The Russia House, 1989 (Das Rußland-Haus)

Ein russischer Physiker bietet dem britischen Verleger Blair brisantes Material an. Im Auftrag des Rußland-Hauses, einer Abteilung des britischen Geheimdienstes, fährt Blair wieder nach Moskau, verliebt sich und sein Auftrag wird für ihn immer unwichtiger.

Spionagedrama und Liebesfilm, bei dem alles stimmt. „Das Rußland-Haus“ ist ein bittersüßer Abgesang auf den alten Spionagefilm. Die Außenaufnahmen entstanden – erstmals –  in Moskau und Leningrad.

mit Sean Connery, Michelle Pfeiffer, Roy Scheider, Klaus Maria Brandauer, James Fox, J. T. Walsh

Wiederholung: Sonntag, 7. Oktober, 02.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweis:

Meine Besprechung von John Le Carrés neuestem Roman „Geheime Melodie“ (The Mission Song):

http://www.alligatorpapiere.de/spurensuche-dreissig-eins.html


TV-Tipp für den 4. Oktober

Oktober 3, 2007

Cineasten und künftige Cineasten freuen sich auf dieses selten gezeigte Meisterwerk

Arte, 20.40

Intolerance (USA 1916, R.: D. W. Griffith)

Drehbuch: D. W. Griffith

In seiner Anklage gegen das Unrecht verbindet David Ward Griffith das Schicksal von Fabrikarbeitern im 20. Jahrhundert mit dem Untergang Babels, der Kreuzigung Jesu und der Bartholomäusnacht in Paris 1572. Nach dem umstrittenen, kommerziell erfolgreichen Ku-Klux-Klan-Epos „Geburt einer Nation“ (Birth of a Nation) prangert Griffith in „Intolerance“ Vorurteile und Unmenschlichkeiten an. In seinem Momumentalfilm („Intolerance“ gilt als der erste Monumentalfilm) präsentiert Griffith eine komplexe Geschichte und er ließ als einer der ersten (vielleicht sogar der erste) die Kamera als eigenständigen Akteur agieren. An der Kinokasse lohnte sich sein Mut nicht. Dem damaligen Publikum war ein über dreistündiger Film einfach zu lang. 

Arte zeigt eine dreistündige, restaurierte Fassung des Films.

Mit Lillian Gish, Mae Marsh, Vera Lewis, Sam de Grasse, Fred Turner

Weitere Informationen:

Arte zum Film

Bonner Kinemathek zum Film (Zusammenstellung von Ausschnitten aus Kritiken und Filmfotos)

Sense of Cinema (John Steinle) über D. W. Griffith (langer, englischer Artikel über den Regisseur mit weiterführenden Links)


TV-Tipp für den 3. Oktober

Oktober 2, 2007

ZDF, 15.45

Es geschah am hellichten Tag (D 1958, R.: Ladislao Vajda)

Drehbuch: Friedrich Dürrenmatt, Hans Jacoby, Ladislao Vajda

LV: Friedrich Dürrenmatt: Das Versprechen – Requiem auf den Kriminalroman, 1957

Kommissar Matthäi sucht den Mörder eines neunjährigen Mädchens.

Allseits bekannter Krimiklassiker mit Heinz Rühmann, Gert Fröbe und Siegfried Lowitz. Auch das Ausland war von dem Film begeistert: „Unter der hervorragendne Regie von Ladislao Vajda wird die Handlung pausenlos in einem unbarmherzigen und beklemmenden Tempo gesteigert und ist getragen von einem Dialog, der vor Gescheitheit blitzt und nur gelegentlich durch die, dem Dichter eigene, Melancholie gebremst wird.“ (Aufbau, New York, 1960)

Dürrenmatt war mit dem Ende des Filmes unzufrieden. Sein „Buch zum Film“ hat daher ein pessimistisches Ende


TV-Tipp für den 2. Oktober

Oktober 1, 2007

ZDF, 22.15

37 Grad: Außer Kontrolle – Kindesmissbrauch und Prävention (D 2007, R.: Manfred Karremann)

Drehbuch: Manfred Karreman

Halbstündige Doku über Pädosexuelle, wie sie versuchen mit ihrer Neigung zu leben und wie es einem Opfer heute geht.

Wiederholung: Mittwoch, 3. Oktober, 03.25 Uhr (Taggenau!)

Weitere Informationen

ZDF über die Doku

Meine Besprechung von Anna Salters Sachbuch „Dunkle Triebe“


TV-Tipp für den 1. Oktober

September 30, 2007

Arte, 20.40
Mulholland Drive – Straße der Finsternis (USA/F 2001, R.: David Lynch)

Drehbuch: David Lynch

Die Handlung kann, wie beim Vorgänger “Lost Highway”, kaum wiedergegeben werden. Denn dafür springt sie zu sehr zwischen Traum und Wirklichkeit, Gegenwart und Vergangenheit, hin und her. Der Film beginnt mit einem Autounfall. Eine junge Schönheit verliert ihr Gedächtnis, findet bei der jungen Schauspielerin Betty Unterschlupf und nennt sich, nach einem Filmplakat, Rita. Gemeinsam versuchen sie hinter Ritas Geheimnis zu kommen.

Zahlreiche Preise und noch mehr Nominierungen sagen einiges über die Qualität von “Mulholland Drive” aus. So erhielt er den César als bester ausländischer Film und Lynch 2001 beim Filmfestival in Cannes den Preis für die beste Regie. Aber für uns Krimifans ist natürlich nur eine Nominierung wichtig. Nämlich der Edgar. „Mulholland Drive“ wurde als bester Kriminalfilm des Jahres nominiert.

Ansonsten schließe ich mich dem „Großen Filmlexikon“ von TV Spielfilm an: „Dabei erinnert Lynch an sein Werk Lost Highway, ist aber so kompromisslos irreal und scheinbar unlogisch, so wild entschlossen, dem Zuschauer die Auflösung seines Thrillers zu überlassen, dass der inszenatorisch überwältigende Mulholland Drive zu Recht als sein bis dato vollendetstes Werk gilt.“

Sein nächster Film „Inland Empire“ ist für mich einfach nur ein dreistündiger, quälend-langatmischer, pseudo-intellektueller Murks. Oder wie im Kino der Mann hinter sagte: „Oh Mann, ist das immer noch nicht zu Ende?“

Mit Naomi Watts, Laura Elena Harring, Justin Theroux, Ann Miller, Robert Foster, Dan Hedaya, Lee Grant, Billy Ray Cyrus, Chad Everett


TV-Tipp für den 30. September

September 29, 2007

ZDF, 22.00

Heißer Verdacht: Das Finale – Teil 1 (GB 2006, R.: Philip Martin)

Drehbuch: Frank Deasy

LV/Erfinder: Lynda La Plante

Die 14-jährige Sally wird ermordet. Jane Tennison sucht ihren Mörder.

Nach einer Pause von drei Jahren folgte jetzt der siebte und letzte Teil der hochgelobten „Heißer Verdacht“-Reihe. Wie die vorherigen Fälle räumte auch dieser Zweiteiler etliche Preise ab. Zuletzt waren es je ein Emmy für die Hauptdarstellerin Helen Mirren, Regisseur Philip Martin und Drehbuchautor Frank Deasy.

Mit Helen Mirren, Robert Pugh, Stephen Tompkinson, Laura Greenwood, Frank Finlay

Teil 2 am Sonntag, den 7. Oktober, um 22.00 Uhr


TV-Tipp für den 29. September

September 28, 2007

RTL II, 23.30

U-Turn – Kein Weg zurück (USA 1997, R.: Oliver Stone)

Drehbuch: John Ridley

LV: John Ridley: Stray Dogs, 1997 (später dann als „U-Turn“ publiziert)

Auf der Flucht vor Gläubigern bleibt Bobby Coopers 64er Mustang mitten in der Wüste liegen. Während in einer Werkstatt sein Auto repariert wird, trifft er die verheiratete Grace und seine wirklichen Probleme beginnen erst jetzt. Denn Grace will ihrem Mann Jake umbringen, Jake will Grace umbringen und beide wollen sich – gegen Bares – von Bobby helfen lassen.

Grandioses Romandebüt für die Noir-Gemeinschaft, fast grandioser Film. Denn Stones „Natural Born Killers“-Stil nervt.

Mit Sean Penn, Jennifer Lopez, Nick Nolte, Joaquin Phoenix, Powers Boothe, Billy Bob Thornton, Jon Voight

Wiederholung: Montag, 1. Oktober, 02.40 Uhr (Taggenau!)

Homepage/Blog von John Ridley:

http://www.jridley.com/blog/


TV-Tipp für den 28. September

September 27, 2007

Das kommt jetzt natürlich nicht vollkommen überraschend:

RTL II, 01.55

Jackie Brown (USA 1997, R.: Quentin Tarantino)

Drehbuch: Quentin Tarantino

LV: Elmore Leonard: Rum Punch, Jackie Brown, 1992 (Jackie Brown)

Stewardess Jackie Brown hat Probleme mit der Polizei und dem Gangster Ordell, der sein Schwarzgeld-Konto mit Jackies Hilfe auflösen will.

Tarantinos sehr werkgetreue Huldigung von Leonard und Pam Grier: cool (Leonards Dialoge!), etwas langatmig (Warum muß jedes Lied ausgespielt werden? Warum bemüht sich Tarantino so krampfhaft, die Antithese zu Pulp Fiction zu drehen? Warum nicht 20 Minuten kürzer?) und mit Starbesetzung (Robert de Niro, Samuel L. Jackson, Bridget Fonda, Robert Foster, Michael Keaton, Chris Tucker)

Von Leonards Homepage: „When Quentin Tarantino was a kid, he stole a copy of Elmore Leonard’s The Switch and got caught. Unrepentant, he later went back to the same store and stole the book again. Elmore Leonard was a beacon, lighting the direction that he would soon take in his films. He wrote a movie directed by Tony Scott called True Romance which he said was “an Elmore Leonard novel that he didn’t write.” It certainly was an homage; it even opens in Detroit. After Reservoir Dogs came out, Elmore wrote Rum Punch which reprises the three main characters from Tarantino’s shoplifted book, The Switch. Tarantino read it and wanted to buy it but didn’t have the money. Elmore and his agent, Michael Siegel, offered to hold it for him. When he finally did acquire the book and moved forward on the Rum Punch film project, Tarantino did not contact Elmore Leonard for a long time. When he did, he confessed a reluctance to call sooner. Elmore said, “Why, because you changed the name of my book and cast Pam Grier in the lead?“ No worry. Elmore was down with that. He said, “That’s Ok, just make a good movie.” And Quentin did.

Jackie Brown is Elmore Leonard on the screen. Taking nothing away from Get Shorty and Out of Sight, Tarantino’s manic absorption of Elmore’s essence comes through in a way that only he could pull off especially for a long movie. The acting, the direction, the dialog are all great. There are so many great bits, especially with Jackson, De Niro, Chris Tucker and Bridget Fonda; and then there’s Hattie Winston as Simone the Supreme. Jackie Brown is the Elmore Leonard experience.“

Hinweise:

Wiederholung: Sonntag, 30. September, 02.10 Uhr (Taggenau!)

Homepage von Elmore Leonard:

http://www.elmoreleonard.com/

Meine Besprechung von „Up in Honey’s Room“ (2007) in der Spurensuche:

http://www.alligatorpapiere.de/spurensuche-vierzig.html  

Meine Besprechung von „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004) in der Spurensuche:

http://www.alligatorpapiere.de/spurensuche-dreissig-sechs.html

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“:

http://www.nordpark-verlag.de/krimikritiksieben-jahrbuch-2006.html


Die Dokus „The Trap“ und „Taxi to the Dark Side“ und der Thriller „Death Sentence“

September 27, 2007

In den vergangenen Tagen habe ich einige Dokus für das One-World-Festival gesehen. Es ist vom 14. bis 23. November in Berlin und wir von der Humanistischen Union (natürlich wird die Aufgabe irgendwie an mir hängen bleiben) präsentieren einige Filme und vielleicht noch einige andere Sachen. Das sage ich jetzt so vage, weil wir noch beim Planen sind.

Gesehen habe ich den BBC-Dreiteiler „The Trap: What happened to our dream of freedom“ von Adam Curtis. In drei Stunden zeichnet er nach, wie sich während des Kalten Krieges ein reduzierter Begriff von Freiheit und ein ebenso reduziertes ökonomisches Menschenbild (ich sage nur Rational Choice und Public Choice) zuerst in der Wissenschaft und später in der Politik durchsetzte. Er zeigt, wie Ideen die Welt verändern können. Er zeigt, wie das Rational-Choice-Menschenbild und der Glaube, alles messen zu können, die Politik beeinflusst. Denn wenn die Politiker nur noch von selbstinteressierten Menschen ausgehen, werden sie eine bestimmte Politik machen. Eine Politik die bestimmt ist von Misstrauen und Paranoia. Denn eine der Kernpunkte des Rational-Choice-Menschenbildes ist, dass man niemand vertrauen kann. Ein anderer, dass jeder nur noch nach seinem eigenen Glück streben solle. So etwas wie Gemeinschaft, Vertrauen undsoweiter gibt es nicht.

Dann habe ich „Taxi to the Dark Side“ von Alex Gibney gesehen. Der läuft am 8. Oktober als „Taxi zur Hölle“ auf Arte. Gibney thematisiert die Folterungen von US-Soldaten in Afghanistan und wie es dazu kommen konnte. „Taxi to the Dark Side“ ist eine gut recherchierte, beängstigende, spielfilmlange Dokumentation, die gerade wegen ihrer ruhigen Machart mehr beeindruckt als die kommerziell erfolgreicheren, auf kurzfristige Effekte und Lacher angelegten Dokumentationen von Michael Moore.

Vielleicht habe ich nach diesen beeindruckenden Dokumentationen den Rachethriller „Death Sentence – Todesurteil“ (Regie: James Wan, Drehbuch: Ian Jeffers) nur als bittere Allegorie auf den Kampf gegen den Terror sehen können. Kevin „Ich-spiele-die-Rolle-des-Arschlochs“-Bacon spielt einen braven, glücklichen Familienvater. Eines Tages wird sein ältester Sohn von einigen Gangstern umgebracht. Er hat einen der Täter gesehen. Als der Staatsanwalt ihm erklärt, dass aufgrund der Beweise nur eine kurze Gefängnisstrafe möglich sei, beschließt Bacon das Gesetz in die eigenen Hände zu nehmen. So weit, so gut. Auch der Rest folgt, immerhin ist die Vorlage ein Krimi von Brian Garfield aus den Siebzigern, dem vertrauten Schema von Gewalt und eskalierender Gegengewalt bis hin zum tödlichen Ende für die Bösen. Der einzige Unterschied auf dieser Ebene zu den Rachethrillern der Siebziger ist, dass die Morde brutaler sind.

Irritierend und unangenehm für uns Zuschauer wird der Film, wenn er jede Glorifizierung für den amoklaufenden Familienvater vermissen lässt. Wir wollen ihn als Helden sehen, denn er nimmt, nachdem der Staat versagt, stellvertretend für uns das Recht in die eigenen Hände. Das ist der stille Vertrag zwischen uns Zuschauern im dunklen Kinosaal und dem Mann mit der Knarre auf der Leinwand. Aber Bacon unterscheidet sich immer weniger von den Bösen. Er verliert seine bürgerlichen Bindungen. Er verliert seine Seele. Er verliert letztendlich die Rechtfertigung für seine Kampf: seine Familie. Wenn er in der letzten Szene leichenblass und blutend auf seiner Couch sitzt, dann ist er der Verlierer, weil er sich mit den falschen Mitteln gegen die Bösen wehrte.

„Death Sentence – Todesurteil“ ist eine klinische Studie über Gewalt mit einem zutiefst pessimistischen Ende.

(P. S.: In früheren Posts habe ich auf Interviews mit Garfield, den Trailer und die Homepage des Films hingewiesen. Über die Suchen-Funktion müssten die Teile schnell zu finden sein.)


TV-Tipp für den 27. September

September 27, 2007

Das Vierte, 20.15

Das Wespennest (F 1983, R.: Philippe Labro)

Drehbuch: Jacques Labib, Philippe Labro, Jean-Patrick Manchette

Inspektor Martin Griffon soll den Mord an einem bekannten Richter untersuchen. Schnell entdeckt er ein korrumptives Geflecht.

Typisch französischer Kriminalfilm, der den Polizeifilm mit dem Politthriller mischt, wahre Fälle als Inspiration nimmt und die französische Gesellschaft als stockkorrupt zeichnet.

Der lange nicht mehr gezeigte Polizeifilm hat mir vor Jahren sehr gut gefallen. Deshalb: ein unterschätzter Krimi.

„’La Crime’ ist vor allem ein Retro-Werk, ein Film, der viele bekannte Elemente neu ordnet, und allenfalls in seiner rigiden Absage an jede Hoffnung auf ein Durchbrechen des Kreises von Gewalt und Korruption darüber hinausgeht. ‚Die Polizisten’, so heißt es einmal dezidiert, ‚haben gelernt, sich wie Kriminelle zu verhalten.’“ (Georg Seeßlen: Copland)

Mit Claude Brasseur, Jean-Claude Brialy, Jean-Lous Trintignant

Nachtrag:  „Das Vierte“ sendete nicht diesen guten Kriminalfilm, sondern irgendsoeinen Zweiter-Weltkriegs-Murks mit Rock Hudson in der Hauptrolle. Gleicher Titel, falsche Baustelle. Aber wenn die Sender die falschen Filme ankündigen oder ihr Programm kurzfristig ändern,…


TV-Tipp für den 26. September

September 25, 2007

Kabel 1, 20.15

Copland (USA 1997, R.: James Mangold)

Drehbuch: James Mangold

Freddy Heflin hat als frühes Gnadenbrot eine Stelle als Sheriff in Garrison, New Jersey bekommen. Die Einwohner sind von ihm bewunderte New Yorker Polizisten. Als eines Tages ein Interner Ermittler aus New York ihn um Hilfe bei Ermittlungen gegen korrupte Polizisten bittet, muss Heflin sich zwischen seinem Job und dem polizeilichen Ehrenkodex entscheiden.

Gutes Schauspielerkino mit einem kräftigen Touch 70-Jahre-Kino und einem genießbaren Stallone, der in diesem Cop-Movie versuchte von seinem Rambo/Rocky-Image wegzukommen.

Mit Sylvester Stallone, Robert De Niro, Harvey Keitel, Ray Liotta, Peter Berg, Michael Rapaport, Annabella Sciorra, Robert Patrick, Noah Emmerich


TV-Tipp für den 25. September

September 24, 2007

RTL, 23.10

Law & Order: Blutrache (USA 2004, R.: Matthew Penn)

Drehbuch: Richard Sweren

Creator: Dick Wolf

Reservistin Lindsay Starr wird ermordet. Anscheinend ist das Motiv für den Mord Rache für Folgerungen im irakischen Militärgefängnis Abu Ghraib.

Heute startet die 15. Staffel des Dauerbrenners. Nach dem plötzlichen Tod von Jerry Orbach tritt Dennis Farina in seine Fußstapfen als Mordermittler der New Yorker Polizei. Sein Partner meint zutreffend nach dem ersten Treffen „I wasn’t sure if he was a cop or a wise guy.”

Krimifans kennen den ehemaligen Chicagoer Polizisten Dennis Farina seit seinen ersten Auftritten. In Michael Manns Thriller „Der Einzelgänger“ (Thief, USA 1981) gab er sein Debüt. Kurz darauf spielte er in „Miami Vice“ einen charismatischen Gangsterboss und in „Crime Story“ übernahm er die Hauptrolle als Lieutenant Mike Torello. Martin Compart meinte „eine der besten Polizeiserien aller Zeiten“ (Crime TV). In „Blutmond“/“Roter Drache“ (Manhunter, USA 1986) spielte Farina  den FBI-Ermittler Jack Crawford. Das war seine bislang letzte Zusammenarbeit mit Michael Mann. Seitdem bereicherte er mit seiner Präsenz zahlreiche Filme. Mal als Polizist, mal als Verbrecher. Unvergessen sind seine Auftritte in den Elmore-Leonard-Verfilmungen „Get Shorty“ (USA 1995) und „Out of sight“ (USA 1998), wenn er seiner Tochter zum Geburtstag eine Pistole schenkt und ihren Freund elegant über den Tisch zieht.

In der heutigen Folge tritt Michael Bloomberg als Bürgermeister von New York auf.

Mit Dennis Farina (Detective Joe Fontana), Jesse L. Martin (Detective Ed Green), S. Epatha Merkerson (Lt. Anita Van Buren), Sam Waterston (Executive A.D.A. Jack McCoy), Elisabeth Röhm (A.D.A. Serena Southerlyn), Fred Dalton Thompson (D.A. Arthur Branch)


TV-Tipp für den 24. September

September 23, 2007

R. i. P.: Jürgen Roland, 25. Dezember 1925 – 21. September 2007

Deshalb:

NDR, 21.00

TATORT: Tod eines Mädchens (D 1991, R.: Jürgen Roland)

Drehbuch: Horst Bieber

Hat Bading ein Mädchen umgebracht? Stoever und Brockmöller meinen ja, bis sie ihren Hauptverdächtigen ermordet finden.

Guter Einsatz der damals noch nicht singenden Kommissare.

Mit Manfred Krug, Charles Brauer, Lutz Reichert, Helmut Zierl, Monica Bleibtreu, Katja Studt

Hinweise:

Am Freitag, den 28. September, zeigt die ARD um 21.45 Uhr den Tatort „Stoevers Fall“, ebenfalls von Jürgen Roland, nach einem Drehbuch von Willi Voss (Der könnte auch mal wieder einen neuej Kriminalroman schreiben.), inszeniert. Das ist der Tatort mit Dieter Thomas Heck als Kriminalpolizist, der ständig „Fein. Fein.“ sagt. Ein schönes Teil; auch weil Horst Frank einen Anwalt spielt.

Mehr über Jürgen Roland und die Stoever-Tatorte

Mehr über Horst Bieber


TV-Tipp für den 23. September

September 22, 2007

Mickey Spillane schreib einige sehr erfolgreiche Bücher und versuchte sich auch einige Male als Schauspieler. Zum Beispiel hier:

SRTL, 21.45

Columbo: Schreib oder stirb (USA 1974, R.: Robert Butler)

Drehbuch: Peter S. Fischer

Verleger Riley Greenleaf ist stinkig. Sein Bestsellerautor Alan Mallory möchte den Verlag wechseln. Greenleaf denkt sich ‚nicht mit mir’ und der tapsige Lieutenant Columbo hat einen neuen Fall

Für Krimifans ist „Schreib oder Stirb“ ein Highlight. Es gibt zahlreiche Anspielungen auf den Literaturbetrieb und Mickey Spillane (Ja, genau der!) spielt einen Bestsellerautor.

Mit Peter Falk, Jack Cassidy, Mickey Spillane