Stuttgarter Krimipreis verliehen

Januar 19, 2010

Es bleibt in der Familie. Denn die Preisträger des ersten Stuttgarter Krimipreises kommen alle aus dem Ländle. Zwei leben sogar in Stuttgart (Hm, schwäbische Sparsamkeit?):

Bester deutschsprachiger Kriminalroman 2009

Heinrich Steinfest: Gewitter über Pluto

Bester deutschsprachiger Wirtschaftskriminalroman 2009

Ulrich Ritzel: Beifang

Bester deutschsprachiger Debütkriminalroman 2009

Thomas Hoeth: Herbstbotin

Der Preis wird am 8. März auf der Abschlussgala der Stuttgarter Kriminächte vergeben.


Kleinkram

Januar 18, 2010

Wer hat dieses Jahr einen Golden Globe erhalten?

Ein kurzes Interview mit Iris Kiefer (Leiterin Fiction bei Filmpool) und Susanne Wagner (Executive Producer von „Countdown“) über „Countdown“:

Susanne Wagner: Wir zeigen immer die entscheidende Sequenz des Geschehens, dann gehen wir zurück zur Tat und zum Tatort. Ich finde deshalb nicht, dass unser Konzept unsere Geschichten in irgendeiner Form einengt.

Iris Kiefer: Wir erzählen all das mit gewisser Selbstironie, augenzwinkernd. Natürlich spielt Sebastian Ströbel einen Macho, aber dennoch kommt er bei Frauen extrem gut an. Unsere Studien zeigen, dass er weiblichen Zuschauern gute Laune bereitet.

Ähem, „Countdown“ ist eine neue RTL-Krimiserie, die Donnerstags um 21.15 Uhr (zwischen „Alarm für Cobra 11“ und „Bones“) läuft. Sie kann auch hier angesehen werden.

Irgendwie halte ich die Idee jede Folge als eine lange Rückblende zu erzählen für einen doofen Gimmick, den ich bei „CSI: Miami“ einmal pro Staffel akzeptieren kann, und die ersten Minuten sind gewollt witzig.

Ray Banks schreibt über Derek Raymonds „Dead Man Upright“.

Robert-Ludlum-Neuigkeiten: Marc Forster soll bei „The Chancellor Manuscript“ die Regie übernehmen, Peter O-Brien das Drehbuch schreiben und Leonardo DiCaprio ist immer noch für die Hauptrolle im Gespräch.

Bei Collider ist Ben Begley mit dem achten Staffelauftakt von „24“ ziemlich zufrieden:

24 is by no means a perfect show, but what it usually delivers on is action packed seasons and cliffhangers at the end of each episode.  Season 8, which starts with a 4-hour premiere tomorrow night, has a lot to live up to after last year’s non-stop insanely good season.  Some critics would disagree, but I thought season 7 was pure 24 gold.  Although the premiere isn’t as intense as I had hoped, some great new elements have been introduced.  And let’s just say Renee Walker returns with a vengeance!

Wer nicht auf den Kinostart warten will:

Michael Spierig/Peter Spierig: Daybreakers

Gary Whita: The Book of Eli


Deutscher Krimipreis 2010 verliehen

Januar 14, 2010

Der diesjährige von Kritikern und Buchhändlern verliehene Deutsche Krimipreis geht an:

National

1. Platz: Ulrich Ritzel: Beifang (btb)

2. Platz: Friedrich Ani: Totsein verjährt nicht (Zsolnay)

3. Platz: Jörg Juretzka: Alles total groovy hier (Rotbuch)

International

1. Platz: David Peace: Tokio im Jahr Null (Tokyo Year Zero) (Liebeskind)

2. Platz: Roger Smith: Kap der Finsternis (Mixed Blood) (Tropen bei Klett Cotta)

3. Platz: Ken Bruen: Jack Taylor fliegt raus (The Guards) (Atrium)

Einen herzlichen Glückwunsch den Gewinnern.


Treff den Autor, ohne ihn zu schlagen – Heute: Jussi Adler-Olsen

Januar 14, 2010

Weil ich „Erbarmen“ immer noch nicht gelesen habe (der Nachteil eines 24-Stunden-Tages), gibt es als Ankündigung für die heutige Lesung mit Jussi Adler-Olsen und Wolfram Koch um 19.00 Uhr im Kulturkaufhaus Dussmann (Friedrichstraße 90, Nähe S/U-Bahnhof Friedrichstraße, Berlin) nur die Presseankündigung:

Jussi Adler-Olsen liest gemeinsam mit dem Sprecher des Hörbuchs Wolfram Koch aus seinem Sensationserfolg »Erbarmen« – als Buch seit Wochen auf den obersten Plätzen der SPIEGEL-Bestsellerliste!

Kommissar Carl Mørk hat ausgedient. Nach einem traumatischen Ereignis im Dienst wird er in das Sonderdezernat Q versetzt, um ungelöste Fälle neu aufzurollen. Die Geschichte einer jungen Politikerin, die vor fünf Jahren spurlos verschwand, weckt seine verloren geglaubten Ermittlerinstinkte. Je mehr sich Mørk in die alten Akten vertieft, desto größer werden die Ungereimtheiten. Ist es wirklich denkbar, dass die Frau noch am Leben ist, festgehalten und gequält an einem unvorstellbaren Ort?

Ein packendes Debüt, als Hörbuch mitreißend gelesen von den Schauspielern Wolfram Koch und Ulrike Hübschmann.

Und das alles gibt es für sagenhafte null Euro.

Den Roman gibt es bei dtv, das Hörbuch im Audio Verlag und alle weiteren sachdienlichen Informationen auf der Homepage.


Neues zur geplanten Mitch-Rapp-Verfilmung

Januar 13, 2010

Nachdem es lange keine Neuigkeiten zu den geplanten Verfilmungen der von Vince Flynn geschriebenen und enorm erfolgreichen Thriller um den CIA-Agenten Mitch Rapp gab, gibt es jetzt erfreuliche Neuigkeiten.

Antoine Fuqua (Training Day, Shooter)  führt Regie, Jonathan Lemkin (Im Auftrag des Teufels, Shooter) schreibt das Drehbuch und verfilmt werden soll der fünfte Mitch-Rapp-Roman „Der Feind“ (Consent to kill, 2005); – jedenfalls ist „Consent to kill“ der gar nicht so schlechte Filmtitel für den Auftakt einer geplante Serie.

Unklar ist immer noch, wer die Hauptrolle übernimmt und wann der Dreh starten soll.


Kleinkram mit James Camerons „Avatar“, Charlie Huston, Mark Billingham, Detektiv Rockford…

Januar 12, 2010

Darauf haben einige gewartet: das Drehbuch von James Cameron zu seinem Film „Avatar“ ist online. Über den Film muss ich ja nichts sagen, oder?

Charlie Huston hat nach langem Schweigen einige Neuigkeiten. Sein neuer Roman „Sleepless“ erscheint heute. Er hat sich an verschiedenen Filmprojekten beteiligt, über die er noch nichts sagen darf (es könnte eine Hank-Thompson-Verfilmung geben) und er schreibt ein Drehbuch zu seinem Roman „Das Clean Team“ (The Mystic Art of Erasing all Signs of Death, 2009) für eine HBO-Serie:

What happened was that I was lucky enough to make an acquaintance with Alan Ball a couple years back and we’d spoken about doing a film or TV project about.
More recently I asked him if he was interested in the idea of a MYSTIC ARTS TV show and he volunteered to executive produce and guru for my first foray into TV.
Hint to the TV newbie: having Alan Ball as your guru helps.
Sometimes, you just get unreasonable lucky.
Anyway, I’m writing the pilot. If it clears the many many hurdles in between script and TV show, the first season will loosely follow the plot of the book.
And then who the fuck knows what.

Mark Billingham verrät Crimespree Cinema seine fünf filmischen Lieblinge (Clint Eastwood ist dabei und…).

Es gibt eine Neuauflage von „Detektiv Rockford“.

Die Winterausgabe von Mysterical E ist online; mit vielen Kurzgeschichten und Jim Doherty porträtiert „Dirty Harry“ Callahan.

Ebenso die Januar-Ausgabe der Krimi-Couch, mit Angelo Petrella (Nazi Paradise), Richard Stark (Das große Gold),  Harlan Coben (Sie sehen dich) und einigen weiteren Krimibesprechungen.

Und natürlich hat das January Magazine auch dieses Jahr eine Liste der besten Krimis des letzten Jahres erstellt (Teil 1, Teil 2).


Kleinkram: Lee Child, Roger Smith und der „Ghostwriter“-Trailer

Januar 11, 2010

Martin Compart schreibt über Lee Child und Jack Reacher. (Müsste, wegen der Zigarette, schon etwas älter sein. Ist aber immer noch lesenswert.)

Roger Smith („Kap der Finsternis“) verrät Crimespree Cinema seine fünf filmischen Lieblinge 2009.

Sodele, der Trailer für den neuen Film von Roman Polanski, „Der Ghostwriter“ (nach dem Bestseller von Robert Harris) ist online.

Premiere ist auf der Berlinale und danach im Kino ihres Vertrauens.

Die ersten Sekunden haben mir gut gefallen; danach sieht’s wie der Trailer für einen x-beliebigen TV-Film aus.


Guter Anfang

Januar 8, 2010

Wenn du denselben Terroristen gleich zweimal in einer Woche umlegen musst, dann liegt es entweder an dir und deinen Fähigkeiten, oder es stimmt etwas mit der Welt nicht, in der du lebst.

Und an meinen Fähigkeiten gibt es nichts auszusetzen.

Das sind die ersten Sätze und das erste Kapitel von Jonathan Maberrys Thriller „Patient Null“ (Patient Zero, 2009) und obwohl ich nicht weiß, ob mir der Roman gefallen wird, bin ich jetzt gespannt auf die folgenden Seiten.

Grandios ist dieser Titel; jedenfalls in Deutschland:



Die Glauser-Nominierungen für den besten Krimi

Januar 6, 2010

Die Jury des „Syndikats“ hat für den diesjährigen Glauser in der Kategorie „Bester Kriminalroman des Jahres 2009“ eine Auswahlliste erstellt:

Ani, Friedrich – Todsein verjährt nicht (Zsolnay)
Drvenkar, Zoran – Sorry (Ullstein)
Eckert, Horst – Sprengkraft (Grafit)
Ernst, Sabine – Der Krieger (Pendragon)
Geier, Monika – Die Herzen aller Mädchen (Ariadne)
Hültner, Robert -Inspektor Kajetan kehrt zurück (btb)
Juretzka, Jörg – Alles total groovy hier (Rotbuch)
Profijt Jutta – Kühlfach 4 (dtv)
Roth, Silvia – Schattenriss (Hoffmann und Campe)
Slupetzky Stefan – Lemmings Zorn (Rowohlt)
Steier, Christoph – Framhuysen (Mitteldeutscher Verlag)
Twardowski, Daniel – Tod auf der Northumberland (Goldmann)
Voss, Willi – Pforte des Todes (Pendragon)
Wagner, Jan Costin – Im Winter der Löwen (Eichborn)


Kleinkram

Januar 6, 2010

Der Noir of the Week ist „Broken Embrances“, auch bekannt als „Los abrozos rotos“ oder „Zerrissene Umarmungen“ oder einfach „der neue Pedro Almodóvar, mit Penélope Cruz in der Hauptrolle“.

In der Berliner Morgenpost gibt es ein Interview mit Christoph Waltz. Es liest sich wie ein Transkript, aber immerhin sagt er einiges über die Gerüchte, dass er für den HR einen „Tatort“-Kommissar spielen sollte:

Es hat vor längerer Zeit Gespräche darüber gegeben, dass das im Prinzip nicht unmöglich wäre. Ungefähr mit diesem Grad an Wahrscheinlichkeit. Dann aber musste ich von meinem Agenten hier in den USA erfahren, dass im „Hollywood Reporter“ eine Nachricht stand, ich hätte für eine deutsche Fernsehserie unterschrieben. (…) Das war nicht abgesprochen, davon war so nie die Rede, das haben die aus dem Hut gezaubert. Da war ich schon ein bisschen angesäuert, muss ich gestehen.

Waltz spricht auch über die Dreharbeiten zu „The green hornet“ und über „Inglourious Basterds“.

Bei YouTube gibt es auch ein kürzeres deutsches Interview mit ihm zum Kinostart von „Inglourious Basterds“ und ein ausführliches, sehr aktuelles, englisches Interview (5. Dezember 2009).

Wer nicht bis Ende Januar warten will, kann schon jetzt das Drehbuch für den neuen Sherlock-Holmes-Film, der einfach „Sherlock Holmes“ heißt, lesen. Mike Johnson schrieb das Drehbuch, Anthony Peckham überarbeitete es und „RockNRolla“ Guy Ritchie führte Regie.

Bei Go into the Movies gibt es die Liste der 101 Drehbücher, die nach Ansicht der WGA die besten jemals geschriebenen Drehbücher sind (oder auf der WGA-Seite).

Etliche davon gibt es auch online.

Ebenfalls bei Go into the Movies spricht Ring Lardner jr. über sein Drehbuch „MASH“:

I took some of the main incidents, invented a couple more, and organized them into a continuity that I thought would work, even though it violated the cardinal rule that a story involves a change of character in one or more of the principals. In my adaptation, the main characters were the same all the way through, and the illusion of a story had to be sustained by the action and the comedy.

Ali Karim (The Rap Sheet) hat sich mit C. J. Box unterhalten.

Und zum Schluss einige Worte von Elmore Leonard:

I’m always amazed when I’m in someone’s home and see no evidence of books.  Or when someone tells me he never reads novels, doesn’t have time for that.  Really?  You don’t need a special time or place to read.  You can take a book with you wherever you go and find moments to entertain yourself, or to learn about something you’d like to know.

I can’t imagine not having a good book close by, one that I can’t wait to begin.


Kleinkram

Januar 4, 2010

Die Januar-Ausgabe von „The Big Thrill“, der Zeitschrift der International Thriller Writers (ITW) ist online. Dieses Mal wird unter anderem „Watchlist: A Serial Thriller“ (geschrieben von 22 Thriller-Autoren, unter anderem Jeffery Deaver, Lee Child, Joseph Finder und Gayle Lynds) vorgestellt, es werden mehr oder weniger ausführliche Intervies mit, unter anderem, Douglas Preston, Tom Cain und Ken Bruen geführt und Mike Ripley schreibt über die von ihm betreute neue Serie mit klassischen Thrillern „Top Notch Thriller“ (kurz:  TNT).

Galore hat ein schon am 6. Mai 2008 geführtes Interview mit John Niven (Kill your Friends, Coma) online gestellt.

Sean Chercover verrät seine fünf filmischen Favoriten.

Jon Jordan (Crimespree Cinema) hat den neuen „Sherlock Holmes“ gesehen und meint:

I like the movie. I feel it treated the character with respect. The respect came from the screen writers who actually seem to have read some of the Conan Doyle works, Guy Ritchie who seemed to have done the same and Robert Downy Jr also really seemed tuned in to Holmes is. Jude Law was also fabulous as Watson.

One of the factors in my love of this film is the fact that they portray Holmes as a genius. A genius who is so much smarter than most other people that it makes him a bit crazy. He thinks on a whole other level, multiple things going on in his head at any given time. And like a lot of people thinking at that level, his social skills suffer. And this is where Watson really plays in, smart in his own right, he understands Holmes and as a result can help keep him motivated and focused. And Watson is not comic relief here, he actually contributes to the cases they work.

The film also remembers that Holmes can fight, and is capable of action.

„Hardcore Angel“ Christa Faust freut sich: sie hat ihren Hard-Case-Crime-Roman „Money Shot“ nach Hollywood verkauft und darf jetzt auch das Drehbuch schreiben.

Über ihre ersten Erfahrungen beim Drehbuchschreiben sagt sie:

„First of all, I quickly discovered that some things work perfectly well in prose, but not so well in a more visual medium. Second, while novel writing is a mostly solitary job, films are much more collaborative. Each person involved brings their own input and ideas to the table and so it’s important to be able to work together as a team.“

Und Schnittberichte dokumentiert die Filme, die 2009 nur gekürzt in Deutschland liefen.


Der „Stern“ als recherchefreie Zone

Dezember 31, 2009

Stefan Niggemeier hat mich auf diesen schön peinlichen Artikel von Wolfgang Röhl aufmerksam gemacht. Im „Stern“ pöbelt Röhl gegen die Wiederholungskultur der Öffentlich-Rechtlichen Sender (also ARD, ZDF, deren Regional- und Spartensender, wie Arte und 3sat). Dass er dabei die Wiederholungskultur der privaten Sender links liegen lässt; – geschenkt.

Aber dass er dabei auf jede Recherche verzichtet, ist kein gutes Zeichen für den „Qualitätsjournalismus“. Denn Röhl nennt Beispiele und greift dabei ziemlich daneben.

Der Aufhänger seiner Kolumne ist „Telefon“. Der lief aber nicht an Weihnachten (wie der Text suggeriert), sondern zuletzt am 24. Oktober um 23.15 Uhr im ZDF. 2008 und 2007 jeweils einmal (plus Nachtwiederholung) bei Tele 5. Das qualifiziert den Thriller nicht für diese Röhlsche Aussage: „Denn kaum ein Streifen – abgesehen vom „Tatort“-Klassiker „Reifezeugnis“ mit Nastassja Kinski – ist im deutschen Fernsehen so oft abgenudelt worden wie der Krimi um sowjetische Schläfer-Agenten in Amerika.“

Wirklich putzig ist die von Röhl erstellte Liste von „kinematografischen Reservisten, die das öffentlich-rechtliche Bezahlfernsehen immer gern an die Unterhaltungsfront schickt – oft mehrmals im Jahr -“. Es geht los mit dem schon erwähnten „Telefon“. Weiter geht’s unter anderem mit „Der eiskalte Engel“ (zuletzt 12. Mai 2008 im RBB, 2007 etwas öfter, weil er von Arte mehrmals wiederholt wurde; aber für so einen Klassiker ist das viel zu selten), „Die Vögel“ (2009, 2008 und 2007 jeweils einmal auf Vox), „Fahrstuhl zum Schafott“ (2009 auf Tele 5, 2007 auf 3sat), „Lohn der Angst“ (zuletzt am 26. April 2007 nach Mitternacht im ZDF), „Das Gesetz bin ich“ (2009 einmal im ARD, 2008 einmal im HR, 2007 einmal im ARD), „Der Malteser-Falke“ (zuletzt am 7. Januar 2007 auf 3sat), „Eine Leiche zum Dessert“ (gab es 2009 und 2008 nur auf Das Vierte, 2007 überhaupt nicht), „Es geschah am hellichten Tag“ (zuletzt, wenn das Original gemeint ist, am 3. Oktober 2009 und 3. Oktober 2007 im ZDF), „Die toten Augen von London“ und „Der Frosch mit der Maske“ (die stehen wohl stellvertretend für die Edgar-Wallace-Filme, die seit Jahren bei Kabel 1 laufen), „Der Klient“ und die „Dirty Harry“-Filme laufen auch nur bei den Privaten. Dass er dann die Wiederholungen von „sämtliche ‚James Bond‘-Filme“ den Öffentlich-Rechtlichen zuschlägt ist Quatsch, weil einige Bond-Filme (vor allem die ersten und letzten) bei den Privaten laufen.

Dracula“ (die 1958er Version mit Christopher Lee) lief zuletzt, nach einer jahrelangen Pause bei „Das Vierte“. An die letzten Ausstrahlungen von „Wenn die Gondeln trauern tragen“ (seit Ewigkeiten auf meiner Aufnehmen-Liste), „Vier im roten Kreis“ (Ähem, nach der ziemlich zuverlässigen OFDB lief dieser Jean-Pierre-Melville-Klassiker noch nie im TV.) und „Ein Mann sieht rot“ (nach der OFDB zuletzt 1999 auf Vox) erinnere ich mich überhaupt nicht.

Ich habe jetzt, weil ich diese Daten auf meinem PC habe, vor allem die Verfilmungen von Krimis herausgepickt und mir nur die letzten drei Jahre angesehen. Bei den anderen Filmen greift er oft ähnlich daneben und wenn er am Ende einige Serien nennt, die nach seiner Meinung öfters im ÖR-Fernsehen laufen, dann ist „Miami Vice“ ein schlechtes Beispiel und „Columbo“ falsch. Denn der ermittelt nur bei den privaten Kollegen von SRTL.

Sorry, Herr Röhl, das war nichts.

Und beim „Stern“ werden Fakten anscheinend überhaupt nicht mehr überprüft.

P. S.: Sie wollen wissen, wie oft „Reifezeugnis“ in den letzten Jahrzehnten wiederholt wurde? Nun, nach Tatort-Fundus gar nicht so oft.


KrimiWelt-Bestenliste Januar 2010

Dezember 29, 2009

Die letzte Bestenliste der KrimiWelt für dieses Kalenderjahr sieht so aus:

1 (4) Don Winslow: Frankie Machine

2 (6) Gerard Donovan: Winter in Maine

3 (1) David Peace: Tokio im Jahr Null

4 (-) Angelo Petrella: Nazi Paradise

5 (5) Heinrich Steinfest: Gewitter über Pluto

6 (3) Linus Reichlin: Der Assistent der Sterne

7 (10) William Boyd: Einfache Gewitter

8 (-) Giampaolo Simi: Camorrista

9 (-) Jim Nisbet: Dunkler Gefährte

10 (5)* Ulrich Ritzel: Beifang

In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat. Ritzel ist ein Wiedereinstieg. Er war im November auf der Bestenliste.

Jim Nisbet und Angelo Petrella, beide bei Pulp Master, erschienen, habe mir gut gefallen und ich werde sie die Tage auch gebührend abfeiern. David Peace hab ich schon abgefeiert. Gerard Donovan hat mich nicht so richtig überzeugt und Don Winslow liegt immer noch auf dem Zu-Lesen-Stapel, irgendwo zwischen James Ellroy, Olen Steinhauer, Robert Littell, Colin Harrison, Daniel Depp und einigen anderen Büchern.

Den Rest find ich nicht so interessant.


Kleinkram

Dezember 27, 2009

Bei Krimikultur gibt es ein Interview mit Pulp-Master-Macher Frank Nowatzki.

Viceland unterhält sich mit David Simon (The Wire).

Das Wall Street Journal mit Dan Brown.

Das Time Magazine mit Sue Grafton.

Christa Faust verrät, welche Bücher und Filme ihr im vergangenen Jahrzehnt gefielen.

Als Noir of the Week gibt es „Die Dame im See“ (The Lady in the Lake, USA 1946). Robert Montgomery spielte die Hauptrolle und übernahm auch die Regie. Das ging,  jedenfalls in der Theorie einfach, weil der Film (wie der Roman) ausschließlich aus der subjektiven Sicht des Helden erzählt wurde. Und dieser ist – ihr ahnt es – Raymond Chandlers Privatdetektiv Philip Marlowe.

Schnittberichte hat einen ausführlichen Vergleich der verschiedenen Fassungen von „Krieg der Sterne“ (vor allem die Kinofassung mit der später von George Lucas erstellten Special Edition) und sie verraten uns, welche Szenen aus John Woos neuestem Epos „Red Cliff“ für die internationale Fassung (die bei uns nur auf DVD erschien) geschnitten wurden (Teil 1, Teil 2).


One World Berlin: Interview mit Walter van Rossum online

Dezember 27, 2009

Nachdem die Jungs von „Schattenblick“ bereits einen ausführlichen Bericht über den von mir (als HUler) präsentierten Abend „Die Innere Sicherheit? – Mediale Darstellungen der Terrorbedrohung für Deutschland“ und ein Interview mit Kay Sokolowsky (zuletzt „Feindbild Moslem“) veröffentlichten, ist jetzt auch ihr Gespräch mit Walter van Rossum online. Er verbrachte einige „Sonntage mit Sabine Christiansen“ und erstellte die hörenswerte Radioreportage „Ein Käfig voller Enten – Recherchen zur Sauerlandzelle“ (Deutschlandfunk 2009).

So sagt Walter van Rossum:

Der Begriff des Qualitätsjournalismus ist schreiend komisch, denn das ist wirklich ein letzter Versuch, noch irgendwie zu verhindern, daß alle Leute alles sagen dürfen. Die Öffentlichkeit, die die Presse oder diesen Qualitätsjournalismus produziert, funktioniert in meinen Augen seit langem nicht mehr. Qualitätsjournalismus hat sich auch angesichts der großen Koalition offenbart als etwas, das nicht in der Lage ist, die Welt selbständig zu betrachten, sondern dies immer nur nach Maßgabe dessen, was politisch erlaubt und gestattet ist, tut. Wir erleben in den letzten zehn Jahren einen unerträglichen Einheitsbrei, ein quasi totalitäres Einheitsdenken von allem und jedem, wo die übelsten Behauptungen des Neoliberalismus überall nachgequatscht wurden und es aber auch nirgendwo eine bescheidene Gegendarstellung gab. Ich kann jeden verstehen, der keine Zeitung mehr liest. Das Kaufen einer Zeitungen ist eine Ritualhandlung, die ich zum Beispiel aus eben diesem Grund vollziehe, aber nicht, um mich zu informieren.

Und zum Islam und dem Islamismus meint er unter anderem:

Der Islamismus kann bestimmt nicht beanspruchen, die Generalrepräsentation zu übernehmen, aber es gibt einen islamischen Hintergrund, das ist völlig klar. So können sich christliche Fundamentalisten natürlich auf die Bibel berufen. Wenn Sie dort auf 150 Seiten Träume von Genoziden und Morden und Brandschatzen finden, dann können Sie natürlich sagen, daß der christliche Fundamentalist dort seinen Stoff findet. Und so verhält es sich auch mit dem Islamisten, der findet auch seinen Stoff. Der Islam, so wie er heute gelebt wird, ist keine Einheit, sondern stellt sich, im Gegensatz zum Christentum, als unendliche Vielzahl von sehr lokalen Traditionen, Bezügen, Geschichten dar. Sie werden nicht einen Türken und einen Usbeken finden, die denselben Islam vertreten. Die verbreitete Darstellung, daß der Islam eine Einheit wäre, trifft nicht zu. Wenn wir so weitermachen wie bisher, dann könnte es vielleicht dazu kommen, aber auch das glaube ich nicht ernsthaft.


Fröhliche Weihnacht!

Dezember 24, 2009

Jack Bauer hatte keinen Erfolg. Nach dem Verhör übernahm der Nikolaus die CTU:

Loudon Wainwright III (Yep, der Daddy von Rufus und Martha) hat auch einige „Weihnachtslieder“ geschrieben (Sorry für den schlechten Sound):

Sohn Rufus hat auch ein Weihnachtslied:


Jack Bauer verhört den Weihnachtsmann

Dezember 22, 2009

Kleinkram mit Stieg Larsson, Sue Grafton, Peter Straub, Stefan Arndt, Walton Goggins, Robert Rodriguez, James Ellroy und einem Rückblick auf die TV-Serien des Jahrzehnts

Dezember 22, 2009

Stieg Larsson

Die Verfilmung seines zweiten Romans „Verdammnis“ startet am 4. Februar 2010. Die Besprechung gibt’s zum Filmstart. Den Trailer jetzt:

Ali Karim sich in London die erste Larsson-Verfilmung „Verblendung“ angesehen:

You can put me down right now as saying, the Swedish film version of The Girl with the Dragon Tattoo is going to be a “sleeper hit” in 2010. Even at 2.5 hours in length, the movie seemed to jet by. Afterward, the buzz was overwhelmingly enthusiastic. The only thing we all agreed upon was that the level of violence in this picture was disturbing.

Die Filmrechte für eine amerikanische Version der Romane von Stieg Larsson sind an Sony verkauft. Scott Rudin soll produzieren und Steve Zaillian das Drehbuch schreiben. Ich bin zwar skeptisch, ob Larssons Geschichte auch in den USA funktioniert (jedenfalls gehe ich davon aus, dass die Story in die USA verlegt wird), aber bei der Sjöwall/Wahlöö-Verfilmung „Massenmord in San Fanzisco“ (nach ihrem Roman „Endstation für neun“), mit Walter Matthau in der Hauptrolle, hat es ja prächtig funktioniert.

Sarah Weinman porträtiert Sue Grafton (A is for Alibi, B is for Burglar, C is for…).

Tom Piccirilli unterhält sich mit Peter Straub.

Die Süddeutsche unterhält sich mit X-Filme-Gründer Stefan Arndt (zuletzt Michael Hanekes „Das weiße Band“).

Peter Mühlbauer blickt bei Telepolis auf das Jahrzehnt der Serien zurück. Im ersten Teil „The Wire“, „Rome“, „The Shield“, „House MD“ und „Jericho“; im zweiten „Dexter“, „Drawn Together“, „American Dad“, „24“ und „Aqua Teen Hunger Force“.

Apropos „The Shield“: Walton Goggins (er spielte Detective Shane Vendrell und war Mitglied in Vic Mackeys Strike Team) erzählt Steve Weintraub (Collider), was er vom Ende der grandiosen Cop-Show hält und was seine künftigen Pläne sind.

Robert Rodriguez verrät Steve Weintraub (Collider) einiges über „Sin City 2“ und „Machete“.

Im neuen „Rolling Stone“ gibt es ein vierseitiges Interview von Sean Wood mit James Ellroy. Lesenswert, aber leider nur offline.


One World Berlin: ein Interview mit Kay Sokolowsky

Dezember 21, 2009

Nach der Präsentation „Die Innere Sicherheit? – Mediale Darstellungen der Terrorbedrohung für Deutschland“ (ausführlicher Bericht hier) unterhielten die Jungs von Schattenblick sich lange mit Walter van Rossum und Kay Sokolowsky. Das Gespräch mit Sokolowsky kann jetzt bei Schattenblick gelesen werden:

Man muß die Leute immer fragen „Woher weißt du das?“. Und man kann ihnen dann immer auch ein paar Sachen um die Ohren hauen: „Weißt du denn das noch nicht?“ Ich habe erlebt, daß das hilft – nicht bei allen, denn die echten Rassisten erreicht man natürlich nie. Die sind in ihrem Weltbild eingemauert. Niemals wird man einen Antisemiten bekehren. Das geht nicht. Und einen Antiislamisten genauso wenig. Doch es gibt Leute, die ein bißchen kippeln. Die haben Ressentiments im Kopf, die sie angelesen haben, die sie im Fernsehen aufgesaugt haben, wo sie immer nur Kopftuch-Frauen sehen. Wenn man mit ihnen ein bißchen länger redet, dann gestehen sie schon zu, daß man recht hat. Das habe ich inzwischen schon erlebt. Am meisten hat mich gefreut, wenn mir jemand gesagt hat: Das hat mir in dem Punkt die Augen geöffnet. Ich bin nicht mit allem einverstanden. Aber ich habe gemerkt, daß es bestimmte Vorurteile in meinem Kopf gibt, die ich als Vorurteile noch gar nicht erkannt habe. Wenn ich von solchen Reaktionen noch mehr bekäme, dann wäre ich richtig froh, dieses Buch geschrieben zu haben.


Einige Buchtipps für Weihnachten

Dezember 18, 2009

Zuerst gibt es die Eigenwerbung:

Cordelia Borchardt/Andreas Hoh (Hrsg.): Die Uhr läuft ab

Fischer Taschenbuch Verlag, 2009

256 Seiten

7,95 Euro

Der Untertitel ist „Die besten Einsendungen für den Agatha-Christie-Krimipreis 2009“ und meine bombige Kurzgeschichte „Val Kilmer kommt“ ist drin.

Josefine Rosalski (Hrsg.): Schneeglöckchen, Mordsglöckchen

Edition Karo, 2009

176 Seiten

12 Euro

Der Untertitel ist „Berliner Weihnachtskrimis – KaroKrimiPreis 2009 – Die besten Dreizehn“ und meine fantastische Kurzgeschichte „Die Sache mit den Fabergé-Eiern“ ist drin.

Und nun zu den anderen.

Dominik Graf: Schläft ein Lied in allen Dingen

Alexander Verlag, 2009

376 Seiten

19,90 Euro

Inzwischen habe ich es gelesen und ich kann meinen ersten Eindruck bestätigen: ein sehr lesenswertes Buch. Danach sieht man die von Graf besprochenen, einige andere und auch seine Filme mit anderen Augen. Denn, wie Graf in einer Mail schrieb:

Neulich sagte oder schrieb jemand, dass ich mit meinen Artikeln meine eigene Filmographie legitimieren will…Hmmm. Kann sein. What’s wrong with that?“

Nichts, solange der Schreiber einen so guten Geschmack hat.

Ben Hecht: Von Chicago nach Hollywood – Erinnerungen an den amerikanischen Traum

Berenberg, 2009

152 Seiten

19,00 Euro

Nochmal Film, aber auch Chicago vor gut hundert Jahren. Ein begnadeter Erzähler.

Ross Thomas: Voodoo, Ltd.

Alexander Verlag, 2009

360 Seiten

14,90 Euro

Artie Wu und Quincy Durant sollen den Mord an einem Hollywood-Produzenten aufklären. Ross Thomas zeichnet ein gewohnt illusionsloses Porträt der USA. Für die Neuausgabe wurde die alte Heyne-Übersetzung überarbeitet.

Und zum Abschluss gibt es einige Empfehlungen, die nur auf einem ersten Eindruck basieren:

Ivo Ritzer: Walter Hill – Welt in Flammen

Bertz + Fischer, 2009

288 Seiten

25 Euro

Ein Filmbuch über einen der wichtigsten und innovativsten Action-Regisseure der späten siebziger und achtziger Jahre. Danach ging das Publikum lieber in den nächsten Blockbuster.

Inzwischen hat Hill bei der TV-Serie „Deadwood“ mitgemacht und den abgefeierten TV-Western „Broken Trail“ gedreht.

Erstaunlich, dass es das erste Buch über Walter Hill ist.

Harald Steinwender: Sergio Leone – Es war einmal in Europa

Bertz + Fischer, 2009

400 Seiten

25 Euro

Noch ein Filmbuch. Noch eine Dissertation. Und, wie bei Bertz üblich, fein illustriert.

Oh, und mit vierhundert engbedruckten Seiten noch umfangreicher als das Walter-Hill-Buch (das hat nur 288 engbedruckte Seiten).

Manfred Büttner/Christine Lehmann: Arsen und Zielfahndung – Das aktuelle Handbuch für Krimiautorinnen und Neugierige

Ariadne, 2009

256 Seiten

16,90 Euro

Darf auch von Jungs gelesen werden, aber es lässt die eh schon fantastischen deutschen Krimis als meist sehr irreale Werke (besonders natürlich die TV-Krimis) erscheinen.

James Mollison: Escobar – Der Drogenbaron

Heyne, 2009

416 Seiten

16 Euro

Mark Bowden schrieb bereits mit „Killing Pablo“ die wichtige Biographie über Pablo Escobar, den 1993 erschossenen Drogenboss des Medellin-Kartells. In „Escobar – Der Drogenbaron“ wird Escobars Leben mit über 350 bislang unveröffentlichten Fotos aus verschiedenen Archiven dokumentiert. Eine faszinierende Spurensuche.

Robert Littell: Das Stalin-Epigramm

Arche, 2009

400 Seiten

22 Euro

Sein neuer Roman, den ich wegen „wichtigeren“ Büchern immer wieder zur Seite gelegt habe.

Colin Harrison: Im Schlund des Drachen

Droemer, 2009

448 Seiten

16,95 Euro

Nachdem Harrisons Roman in seiner Heimat abgefeiert wurde und auf ungefähr jeder wichtigen Nominierungsliste war, bin ich natürlich sehr gespannt auf diesen Thriller.

Jim Nisbet: Dunkle Geschäfte

Pulp Master, 2009

192 Seiten

12,80 Euro

Pulp Master, für den Hammett nominiert. Ich will’s an einem ruhigen Abend in einem Zug genießen.

Angelo Petrella: Nazi Paradise

Pulp Master, 2009

128 Seiten

12,80 Euro

Nochmal Pulp Master und nochmal Lektüre für einen ruhigen Abend.

Wem das alles zu textlastig ist, der kann bei Eric Powells „The Goon“ zuschlagen. Zuletzt erschienen „Meine mörderische Kindheit“ und „Bergeweise Trümmer“. Der Goon kloppt sich in einem Paralleluniversum, das eine Mischung aus „Amazing Stories“ und 30-Jahre-Gangsterfilm ist, mit Monstern, Zombies und Seemonster.

Da bleibt kein Auge trocken.