Der Knochenmann (Aus 2009, R.: Wolfgang Murnberger)
Drehbuch: Josef Hader, Wolfgang Murnberger, Wolf Haas
LV: Wolf Haas: Der Knochenmann, 1997
Brenner fährt auf’s Land. Eigentlich soll er ein geleastes Auto zurückholen. Aber dann gefällt’s ihm im Wirtshaus von Löschenkohl zu gut, er verliebt sich in die Schwiegertochter des Wirts und stolpert in eine veritable Mordgeschichte. Denn der Löschenkohl wird erpresst, beseitigt seine Erpresser und muss auch auf seinen blöden, aber ambitionierten Sohn aufpassen.
Die dritte Auflage der Ösi-Variante eines Action-Films, eines Whodunit und einer Krimikomödie hat weniger bekannte Namen und weniger Lacher als „Komm, süßer Tod“ und „Silentium“. Dafür ist „Der Knochenmann“ noch desillusioniert-gemeiner in seinem Blick auf die Menschen und Josef Hader hat im Privatdetektiv Brenner die Rolle seines Lebens gefunden.
Mit Josef Hader, Josef Bierbichler, Simon Schwarz, Birgit Minichmayr, Stipe Erceg, Christoph Luser, Dorka Gryllus
LV: Steve Lopez: The Soloist: A Lost Dream, an Unlikely Friendship, and the Redemptive Power of Music, 2008 (Der Solist)
„Los Angeles Times“-Journalist Steve Lopez trifft während einer Recherche den Obdachlosen Nathaniel Ayers, einen hochbegabten Straßenmusiker, der vor einer großen Karriere stand, und der an paranoider Schizophrenie leidet. Die beiden befreunden sich.
Die TV-Premiere der Woche, grandios besetzt mit Robert Downey Jr. und Jamie Foxx in den Hauptrollen, inszeniert von Joe Wright („Abbitte“, „Stolz und Vorurteil“, „Wer ist Hanna?“), nach einem Drehbuch der „Erin Brokovich“-Autorin Susannah Grant, und zu einer Zeit, die sprachlos macht. Denn auch wenn die Kritiken gemischt waren (bei Rotten Tomatoes kommt der Film auf 56 Grad Frische), wäre sicher ein publikumsfreundlichere Zeit drin gewesen.
mit Robert Downey Jr., Jamie Foxx, Catherine Keener, Tom Hollander, Octavia Spencer
Neulich, im ICE fiel mir dieser Flyer der DB in die Hand
Und dabei hält der BER-Flughafen-Aufsichtsrat noch an einem Eröffnungstermin fest (aber eigentlich glaubt niemand, dass am 17. März 2013 die Eröffnung ist) und das Abgeordnetenhaus (also unser Halbtagsparlament) bereitet sich auf einen Untersuchungsausschuss vor. Den Vorsitz hat die Piratenfraktion.
Ich befürchte, die DB trifft dieses Mal mit der Angabe „auf unbestimmte Zeit“ ins Schwarze.
Alfred Hitchcock (13. August 1899, London – 29. April 1980, Los Angeles)
Und anstatt uns wieder einmal einen oder zwei seiner Klassiker anzusehen, könnten wir auch mal einen Blick auf sein Frühwerk (nicht immer unbedingt Krimis) werfen:
Downhill (GB 1927, Bergab)
The Ring (GB 1927, Der Ring)
The Manxman (GB 1929, Der Mann von der Insel Man)
Die drei Stummfilme werden von YouTube leider ohne Ton präsentiert. Denn ein Stummfilm war niemals stumm.
Mary (GB 1929, Alfred Hitchcock drehte die deutschsprachige Version von „Murder“/“Sir John greift ein“ parallel zum englischen Original. Einer seiner ersten Tonfilme.)
Die Filme sind Teil des neuen YouTube-Kanals „Movies“ (englisch, deutsch). Die Auswahl ist noch nicht so toll, aber mit etwas Findigkeit findet man auf YouTube auch viele weitere Filme.
Tatort: Platt gemacht (D 2009, R.: Buddy Giovinazzo)
Drehbuch: Stefan Cantz, Jan Hinter
In Köln wird ein Obdachloser mit Frostschutzmittel vergiftet. Die Kommissare Ballauf und Schenk ermitteln im Milieu.
Sehr unterhaltsamer Kölner-Tatort, der erfrischend undidaktisch (Wir reden vom Kölner Tatort) daherkommt und Udo Kier als Penner ist auch die halbe Miete.
mit Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär, Joe Bausch, Udo Kier, Christian M. Goebel, Michael Schenk, Catherine Flemming, Peter Millowitsch
LV: S. E. Hinton: The Outsiders, 1967 (Die Outsider)
Tulsa, 1966: Die „Greasers“ und die „Socs“ sind zwei verfeindete Jugendgangs. Eines Tages bringt einer der Greasers den Anführer der Socs um. Die wollen Rache.
TV-Premiere von Francis Ford Coppolas 22 Minuten längerem, 2005 veröffentlichten Director’s Cut von „Die Outsider“, einem Jugenddrama mit einem, rückblickend, beeindruckendem Cast von damals aufstrebenden Jungschauspielern.
„Francis Coppola hat einen handwerklich und schauspielerisch guten, aber sehr konventionellen Film (…) gemacht. Obwohl er in den Mittsechzigern spielt, sieht der Film wie ein Fünfziger-Jahre-Drama über Problemkinder aus, wie sie von Nicholas Ray und Elia Kazan gedreht worden sind, ohne allerdings jemals deren Tiefe und Spannung zu erreichen.“ (Variety)
Danach drehte Coppola, ebenfalls nach einem Roman von S. E. Hinton, das deutlich experimentellere „Rumblefish“ und hangelte sich ab dann mehr schlecht als recht durch seine weiteren Filme, die alle, aus verschiedenen Gründen, nicht an sein grandioses Frühwerk (Der Pate, Der Dialog, Der Pate II, Apocalypse Now) anschließen konnten.
mit C. Thomas Howell, Matt Dillon, Ralph Macchio, Patrick Swayze, Rob Lowe, Diane Lane, Emilio Estevez, Tom Cruise, Leif Garrett, Glenn Withrow, Tom Waits, S. E. Hinton
auch bekannt als „Coppola’s The Outsiders – Rebellen ohne Grund“ (Kinotitel)
Die zwölf Geschworenen (USA 1957, R.: Sidney Lumet)
Drehbuch: Reginald Rose
LV: Reginald Rose (Story, Bühnenstück)
Hat der angeklagte Puertoricaner seinen Vater ermordet? Die Geschworenen beraten.
Lumets erster Spielfilm ist ein Klassiker des Gerichtsfilms: ein Raum, zwölf Personen, die eine Entscheidung fällen müssen: unerträgliche Spannung. Ausgangspunkt für den Spielfilm war ein einstündiges Fernsehspiel von Reginald Rose, der dafür von eigenen Erfahrungen als Geschworener inspiriert wurde. Beim Start wurde der Film von der Kritik gelobt, für zahlreiche Preise nominiert und floppte – trotz des niedrigen Budgets – an der Kasse. „Sidney Lumets Erstlingsfilm verleiht dem Geschehen durch die Begrenzung des Ortes und der Personen eine große Dichte und Spannung. Die Wahrheitsfindung entsteht aus dem Zusammenspiel unterschiedlicher Menschentypen, Ideologien und Interessen – ein Modellfall ´demokratischer´ Aufklärungsarbeit. Hervorragend besetzt, gespielt und fotografiert (Preis der OCIC in Berlin)“ (Lexikon des Internationalen Films)
Mit Henry Fonda, L. J. Cobb, Ed Begley, E. G. Marshall, Jack Warden, Martin Balsam, Jack Klugman, Joseph Sweeney
Auf der Suche nach außerirdischem Leben (USA 2011, R.: Oliver Twinch)
Drehbuch: Oliver Twinch
Jetzt, nachdem „Curiosity“ auf dem Mars gelandet und Ridley Scotts „Prometheus“ im Kino angelaufen ist, wird auch wieder darüber diskutiert, ob es Leben auf anderen Planeten gibt. Nun, wir wissen es nicht, aber so ganz unwahrscheinlich ist es nicht. Immerhin ist das Universum ziemlich groß und die Wissenschaft hat auch einige Entdeckungen gemacht, die in der spielfilmlangen Doku, die genaugenommen aus zwei Teilen besteht, die hintereinander weg gezeigt werden, vorgestellt werden.
Für „Alien“, den zweiten Spielfilm von Ridley Scott, war der Werbespruch: „In space no one can hear you scream.“
Das war ein grandioser Satz, der neugierig auf den Film machte und auch sagte worum es geht: um einen Horrorfilm im Weltall.
Der Werbespruch für seinen neuesten Film, das „Alien“-Prequel „Prometheus“ ist: „They went looking for our beginning. What they found could be our end.“
Das ist kein wirklich schlechter, aber auch – wie der Film – ein arg austauschbarer, wenig bleibenden Eindruck hinterlassender Werbespruch, der mit einer ordentlichen Portion Hintergrundwissen verrät, dass „Prometheus“ sich in die Reihe der „Alien“-Filme einreiht, in denen es nur einige wiederkehrende Elemente (das Weltall, die Alien-Kreaturen von H. R. Giger und Sigourney Weaver als Ellen Ripley) gab, aber ansonsten die Regisseure Ridley Scott, James Cameron, David Fincher und Jean-Pierre Jeunet ihre eigene Vision im „Alien“-Kosmos erzählten.
Auch „Prometheus“ übernimmt die Kernelemente aus dem „Alien“-Kosmos, verzichtet auf Sigourney Weaver (immerhin spielt die Geschichte von „Prometheus“ ja vor dem ersten „Alien“-Film), hat mit Noomi Rapace aber einen vollwertigen Ersatz gefunden. Wobei, das sei angemerkt: Damals machte Ridley Scott aus einer unbekannten Schauspielerin einen Star. Heute engagiert er, nach den erfolgreichen Stieg-Larsson-Verfilmungen, eine bereits bekannte Schauspielerin und damit ist von Anfang an klar, dass sie, als Star des Films, nicht stirbt. Auch die Rest-Besatzung der „Prometheus“ besteht größtenteils aus bekannten Schauspielern. Eigentlich fehlt nur Mark Strong („Green Lantern“, „John Carter“). Immerhin hat man für die ersten Minuten einen Lookalike genommen.
Außerdem verrät der Werbespruch, dass Scott hier nicht einfach einen zweiten Horrorfilm im Weltall drehte. „Prometheus“ ist definitiv kein Horrorfilm. Denn dieses Mal wird die Geschichte einer Forschungsreise erzählt und, anstatt dass einige Europäer in eine Pyramide latschen, das seit Jahrhunderten versiegelte Grab das Pharaos öffnen und anschließend an einem Fluch sterben, ist es dieses Mal ein Raumschiff, das einige Jahre vor der nächsten Jahrhundertwende auf einem fremden, weit, weit entferntem Planeten landet und einige Forscher latschen in ein unterirdisches Gewirr von Gängen, wo sie einen verschlossenen Raum entdecken, den sie flugs, wie ein Kind seine Weihnachtsgeschenke, öffnen müssen.
Im Endeffekt wird einfach die „Alien“-DNA an einen altmodischen Entdeckerfilm gekoppelt.
Das ist durchaus unterhaltsam, aber spätestens beim Nachdenken über den saturierten Film, fällt auf, wie schrecklich unlogisch vieles ist, wie oft einzelne Charakter etwas nur tun, weil die Drehbuchautoren es so wollten, und wie viele Handlungsstränge im Nichts enden.
Das Personal der „Prometheus“ wirkt, auch wenn etliche Charaktere an Charaktere aus den vorherigen „Alien“-Filmen erinnern, wie der lieblose Griff in den Klischee-Figurenbaukasten aus dem Handbuch für effektives Storytelling.
Es gibt den taffen Kapitän („Luther“ Idris Elba, auch mal mit Akkordeon und einem doch etwas veraltetem Musikgeschmack [Herrje, gab es seit 1970 wirklich keine guten Bands mehr? Sind die nächsten gut achtzig Jahre Musikgeschichte wirklich für die Tonne?]), die böse Kapitalistin (Charlize Theron wiederholt einfach ihre Rolle der bösen Prinzessin aus „Snow White and the Huntsman“), den, auch aus den anderen „Alien“-Filmen bekannten Androiden, der dieses Mal wie Michael Fassbender aussieht, von ihm herrlich ausdruckslos-selbstironisch gespielt wird, ein großer „Lawrence von Arabien“-Fan ist (Tja, auch in der Filmgeschichte scheint die nächsten Jahrzehnte Ödnis zu herrschen.), auf den Namen „David“ hört und, kleiner Insider-Witz, damit das ABC der Androidennamen in den „Alien“-Filmen von Ash über Bishop und Call zu David fortsetzt und, als große Überraschung, den uralten, an der Schwelle des Todes stehenden Peter Weyland, der die Reise der „Prometheus“ nach dem Ursprung des Lebens aus nicht uneigennützigen Gründen finanzierte (Guy Pearce auf Greis geschminkt, weil auch Szenen mit einem jüngeren Weyland geplant waren), und einige nicht sonderlich intelligente, dafür ziemlich hasenfüßige Raumfahrer, die die Mission – Überraschung! – nur wegen des Geldes mitmachen. Kofferträger und Leichtmatrosen eben, die bei der erstbesten Gelegenheit zu Alienfutter werden.
Es gibt eine Alien-Schwangerschaft, die grotesk-rabiat beendet wird – und die Frage hinterlässt, warum eine vollautomatische OP-Station, die im Zimmer einer Frau steht, auf Operationen an Männern programmiert ist. Aber immerhin gibt das im Kino einen Lacher und wahrscheinlich den Preis für den schnellsten und effektivsten Schwangerschaftsabbruch.
Der gesamte Film fühlt sich letztendlich wie eine All-Inclusive-Reise an, bei der es keine großen Überraschungen und keine Verunsicherung gibt, und man am Ende, einfach weil von den Machern zu sehr auf Nummer Sicher gespielt wird, das Kino auch etwas unbefriedigend verlässt. Denn irgendwie hat man das alles schon einmal gesehen. Oft besser und nur weil Ridley Scott das „Alien“-Menü, jetzt mit Erich-von-Däniken-Schwurbel, schick anrichtet, wird „Prometheus“ definitiv kein Klassiker werden. Dafür ist er einfach zu seelenlos, hat zu wenige Ecken und Kanten, zu wenige Überraschungen und er ist zu konventionell.
Das wäre okay, wenn Ridley Scott und seine Autoren Jon Spaihts und Damon Lindelof („Lost“, „Cowboys & Aliens“) uns nicht ein Ende, das schamlos auf eine Fortsetzung spekuliert, präsentieren würden.
Denn während die vorherigen „Alien“-Filme in sich abgeschlossene Geschichten erzählten, offenbart sich „Prometheus“ in den letzten Minuten, nachdem der Planet atomisiert wurde, nur noch als epischer Prolog für den oder die nächsten (Trilogie, ich hör dich trapsen.) Filme, in denen uns dann alles erklärt werden soll, was im Prolog nur angedeutet wurde.
In dem Moment kam ich mir schon etwas verarscht vor.
Prometheus – Dunkle Zeichen (Prometheus, USA 2012)
Regie: Ridley Scott
Drehbuch: Don Spaihts, Damon Lindelof
mit Noomi Rapace, Michael Fassbender, Guy Pearce, Idris Elba, Logan Marshall-Green, Charlize Theron, Sean Harris, Rafe Spall, Benedict Wong, Patrick Wilson
Die Affäre der Sunny von B. (USA 1990, R.: Barbet Schroeder)
Drehbuch: Nicholas Kazan
LV: Alan M. Dershowitz: Reversal of Fortune – Inside the von Bülow Case, 1985 (Die Affäre der Sunny von B.)
Die Staatsanwaltschaft glaubt Millionär Claus von Bülow habe versucht seine Frau zu töten. Nach seiner Verurteilung engagiert von Bülow den Rechtsprofessor Alan Dershowitz. Dieser erwirkt 1985 einen Freispruch.
Schroeder verfilmte den wahren, in der Sensationspresse ausführlich behandelten Fall: „Nuancierte Regie, effizientes Drehbuch, eine Kamera, die in Einstellung, Bewegung und Farbe die Welten der drei Hauptpersonen exakt differenziert und konfrontiert, exzellente Hauptdarsteller, die in jeder Sequenz überzeugen, haben ein vielschichtiges Kunstwerk geschaffen. Hervorzuheben ist das Fingerspitzengefühl, mit dem unverhüllt ein Vorgang behandelt wird, dessen Protagonisten, einschließlich der wahren Sunny, alle noch leben.“ (Fischer Film Almanach 1992)
Mit Jeremy Irons, Glenn Close, Ron Silver, Annabella Sciorra
„Sherlock“, die grandiose BBC-Neuinterpretation der von Sir Arthur Conan Doyle geschaffenen Figur Sherlock Holmes, ist zurück und die drei Folgen der zweiten Staffel sind keinen Deut schlechter als die Fälle der ersten Staffel, in denen Sherlock Holmes und sein Kosmos von den „Sherlock“-Erfindern Mark Gatiss und Steven Moffat in die Gegenwart verlegt wurden. Für die zweite Staffel haben sie sich drei Sherlock-Holmes-Geschichten (es dürften die bekanntesten Holmes-Geschichten sein) genommen, sie neu interpretiert und mit zahlreichen Querverweisen zu anderen Holmes-Geschichten und -Filmen vollgestopft.
In „Ein Skandal in Belgravia“, basierend auf der Kurzgeschichte „Ein Skandal in Böhmen“, trifft Sherlock Holmes auf Irene Adler, die auch im heutigen London den Männern den Kopf verdreht und mehr will ich jetzt wirklich nicht verraten.
„Die Hunde von Baskerville“ ist die Neuinterpretation von „Der Hund der Baskervilles“ und Autor Mark Gatiss stand vor dem Problem, dass gerade diese Geschichte aus vielen Verfilmungen sehr gut bekannt ist und die Erklärung von Sir Arthur Conan Doyle für den Familienfluch der Baskervilles für einen in der Gegenwart spielenden Film nicht mehr überzeugend ist. Weil aber Verschwörungsgeschichten, so Gatiss, die Geistergeschichten der Gegenwart sind, gibt es in der Nähe des Moores eine Forschungseinrichtung des Militärs und Sherlock Holmes ist, im Gegensatz zum Roman, von Anfang an vor Ort.
In „Der Reichenbachfall“ kommt es dann, wie in der Kurzgeschichte „Das letzte Problem“, zur finalen Konfrontation von Sherlock Holmes und Professor Moriarty, die Holmes nicht überlebt; – wobei Holmes natürlich doch überlebt. Immerhin musste Sir Arthur Conan Doyle Sherlock Holmes auf Wunsch seiner Leser wieder auferstehen lassen. In Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ endet die im viktorianischen England spielende Remmidemmi-Sherlock-Holmes-Version ebenfalls mit dem Sturz von Holmes und Moriarty in den Reichenbachfall und der anschließenden Wiederauferstehung von Holmes.
In dem BBC-Film stürzt Holmes sich von einem Hochhausdach – und wir werden erst mit dem Beginn der dritten Staffel, die bereits bestellt ist, erfahren, wie Holmes dem Tod entging.
Doch vor dem Fall gibt es einen atemberaubenden Thriller, in dem Professor Moriarty behauptet, dass Sherlock Holmes ein Blender, ein Schwindler, sei und er kann es auch beweisen. Holmes muss in „Der Reichenbachfall“ um seine Identität kämpfen.
Auch in den beiden anderen „Sherlock“-Filmen wird Sherlock Holmes‘ Selbstbild auf die Probe stellen. In „Ein Skandal in Belgravia“ muss er sich mit seinem Verhältnis zum anderen Geschlecht und zur Sexualität beschäftigen. Immerhin hat Holmes sich bislang als asexuelle Denkmaschine gesehen, die allen anderen Menschen deshalb überleben ist. In „Die Hunde von Baskerville“ fragt er sich, ob er noch seinem Verstand trauen kann. Denn auch er selbst beginnt an den Hound zu glauben, obwohl es ein solches Wesen nicht geben kann.
Dass die Filme vor Anspielungen auf den gesamten Sherlock-Holmes-Kosmos nur so strotzen, dass die Plots verschachtelt und immer wieder überraschend sind, dass die Filme enorm schnell erzählt sind, dass die Schauspieler hochkarätig sind und dass das Vergnügen viel zu schnell vorbei ist, muss ich wohl nicht extra betonen. Das habe ich ja schon zu den ersten drei spielfilmlangen „Sherlock“-Filmen gesagt.
Und dass die dritte Staffel, natürlich mit dem bewährtem Team, erst 2013 gezeigt wird, muss man wohl als höhere Gewalt akzeptieren. Immerhin sind alle an der Serie Beteiligten gut beschäftigt und auch die nächsten Ermittlungen von Sherlock Holmes und Dr. John Watson sollen ja die Qualität der bisherigen Fälle halten.
Das Bonusmaterial
Als Bonusmaterial gibt es das zwanzigminütige Making-of „Sherlock uncovered“ und zwei hörenswerte Audiokommentare. Für den Audiokommentar zu „Ein Skandal in Belgravia“ versammelten sich Produzentin Sue Vertue, die beiden „Sherlock“-Erfinder Mark Gatiss und Steven Moffat, Sherlock-Holmes-Darsteller Benedict Cumberbatch und Lara Pulver, die Irene Adler spielen durfte, vor dem Mikrofon. Bei dem „Die Hunde von Baskerville“-Audiokommentar sind wieder Sue Vertue, Steven Moffat und Mark Gatiss dabei und Russel Tovey, der Schauspieler von Henry Knight, dem von Wahnvorstellungen geplagten Klienten von Sherlock Holmes, gesellte sich zu ihnen. Dieser Audiokommentar ist für die Holmesianer etwas interessanter, weil Tovey den beiden „Sherlock“-Erfindern viele Fragen zu den Hintergründen der Serie stellt und die beiden Sherlock-Holmes-Fans Gatiss und Moffat viel aus dem Nähkästchen plaudern.
Das ist insgesamt eine unspektakuläre, aber ordentliche Portion an Hintergrundinformationen.
Sherlock – Staffel 2 (Großbritannien 2012)
Erfinder: Steven Moffat, Mark Gatiss
LV: Charakter von Sir Arthur Conan Doyle
mit Benedict Cumberbatch (Sherlock Holmes), Martin Freeman (Dr. John Watson), Una Stubbs (Mrs. Hudson), Rupert Graves (Detective Inspector Lestrade), Mark Gatiss (Mycroft Holmes), Andrew Scott (Moriarty), Lara Pulver (Irene Adler)
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Blu-ray
Polyband
Bild: 16:9 (1,78:1)
Ton: Deutsch, Englisch (DTS-HD Master Audio 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch
Bonusmaterial: Audiokommentar zu „Ein Skandal in Belgravia“ und „Die Hunde von Baskerville“, Making of „Sherlock uncovered“, 16-seitiges Booklet
Länge: 270 Minuten (3 x 90 Minuten) (2 Blu-rays)
FSK: ab 12 Jahre
(DVD identisch)
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Die Fälle der zweiten „Sherlock“-Staffel
Ein Skandal in Belgravia (A Scandal in Belgravia)
Regie: Paul McGuigan
Drehbuch: Steven Moffat
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Die Hunde von Baskerville (The Hounds of Baskerville)
Eine Farm in Montana (USA 1978, R.: Alan J. Pakula)
Drehbuch: Dennis Lynton Clark
Nach dem zweiten Weltkrieg kehrt Frank Athearn nach Montana zurück. Er will dort eine Farm betreiben, gerät in einen Konflikt mit einem Viehbaron, der das Land aufkaufen will, verbündet sich mit einer Rancherin, die ebenfalls um ihr Land kämpft, und eine Ölfirma will Öl fördern.
Schöner, melancholischer Spätwestern, der damals nicht gut aufgenommen wurde. Denn: „Sie erwarteten von Pakula neue Impulse für das Western-Genre. Doch viele der Überzeugungen, die die Figur von Jane Fonda auszeichnen und die Jane Fonda selbst damals vertrat, gehören zur Grundausstattung des Westerns: die Schlechtigkeit der Großgrundbesitzer, die Liebe zur Natur und die Nähe der Ölmanager zum Gaunertum. In einem Film der fest in der Jetztzeit angesiedelt ist, wären diese Motive revolutionär, aber im Western klingen sie abgedroschen.“ (Joe Hembus: Das Western-Lexikon)
Das Drehbuch erhielt 1979 den Spur Award der Western Writers of America.
mit James Caan, Jane Fonda, Jason Robards, George Grizzard, Richard Farnsworth, Jim Davis, Mark Harmon, James Keach
Drehbuch: Jerzy Kromolowski, Mary Olson-Kromolowski
LV: Friedrich Dürrenmatt: Das Versprechen – Requiem auf den Kriminalroman, 1957
Kamera: Chris Menges
Musik: Hans Zimmer
Ein Polizist sucht nach seiner Pensionierung – zunehmend wahnhaft – einen Kindermörder. Als Beute für den Mörder wählt er ein Kind aus.
Grandiose, ruhige Studie über Alter und Einsamkeit. Penn hielt sich bei seiner Version an Dürrenmatts Buch „Das Versprechen“. Dürrenmatt schrieb es, nachdem er mit dem optimistischen Ende von „Es geschah am hellichten Tag“ (D 1958) unzufrieden war. Sogar die notorisch schwer zu begeisternde Ponkie schrieb: „Das Vorhersehbare eines Krimiklassikers – und die Brutal-Details eines grausamen Thrillers: ein respektables, aber nicht zwingend nötiges Remake.“ (AZ, 11. 10. 2001)
Mit Jack Nicholson, Patricia Clarkson, Benicio Del Toro, Mickey Rourke, Helen Mirren, Robin Wright Penn, Vanessa Redgrave, Sam Sheppard, Tom Noonan, Harry Dean Stanton, Aaron Eckhart
Wir erinnern uns: Es gab eine Vogelgrippe-Epidemie die zum Tod von 23 Millionen Menschen in den USA führte. Seitdem ist der Verzehr von Geflügel verboten und die überaus mächtige Lebensmittelbehörde FDA wacht darüber. Tony Chu und sein Kollege John Colby wurden zu ihr versetzt. Während Colby nach einem Unfall zu einer Mischung aus Terminator und Robocop umfunktioniert wurde und er jetzt einen halben Computer in seinem Körper hat, hat Chu seit Geburt eine ganz andere Eigenschaft. Er ist Cibopath, das heißt: wenn er etwas isst, erfährt er auch gleich die gesamte Lebensgeschichte des Gegessenen. Für Ermittlungen ist das natürlich hilfreich. Chu muss nur einen Tropfen Blut von dem Opfer schlucken und er kennt den Mörder. Manchmal muss er auch in einen vergammelten Hamburger beißen. Oder in etwas noch Unappetitlicheres. Kein Wunder, dass Tony Chu absolut keinen Humor hat.
In „Flambiert“, dem vierten „Chew – Bulle mit Biss!“-Sammelband, der die Chew-Hefte 16 bis 20 enthält, gibt es eine Handvoll grandios komischer Abenteuer mit den beiden Polizisten. Es sind eher schonungslos überdrehte Episoden aus dem alltäglichen Polizistenleben und weniger eine Fortsetzung des Kampfes zwischen Chu und dem ehemaligen FDA-Agenten Mason, einem anderen Cibopathen, der anfangs der FDA-Vorgesetzte von Chu war und sich dann als sein Gegner entpuppte.
Jetzt taucht eine geheimnisvolle Schrift am Himmel auf. Was sie bedeutet, ist unklar. Jeder hat zwar seine armageddonhafte Interpretation, aber Tony und John, der auch ein ordentliches Alkoholproblem hat, sind, obwohl die Durchsetzung der Hähnchenprohibition wegen dieser Schrift nicht mehr die oberste Priorität hat, mit anderen Dingen beschäftigt.
Sie suchen den esssüchtigen Migdalo Daniel, stolpern in ein Highschool-Massaker, werden auf eine Selbstmordmission gegen einen paranoiden General geschickt, treffen dabei auf den vollkommen durchgeknallten und angriffswütigen Hahn Poyo,
werden von Antonelle Chu, Tonys ständig plappernde, bei der Nasa arbeitenden Nervschwester, zur Area 51 und den dortigen, hm, Lebewesen gebracht, sollen Undercover bei der „Kirche der Heiligkeit der ungerührten Dotter“ ermitteln und Mason probiert das Blut von Migdalo Daniel.
Die von John Layman erfundenen, absolut durchgeknallten und herrlich respektlosen Geschichten werden auch im vierten „Chew“-Sammelband „Flambiert“ von Rob Guillory mit satirisch überspitzten Zeichnungen illustriert. Sie sind das Sahnehäubchen der „Chew“-Geschichten. Die Serie war letztes Jahr wieder für einen Eisner-Award prämiert. Dieses Mal als „Beste Comic-Serie“.
Denn die Abenteuer von Tony Chu sind ein echtes Vier-Sterne-Menü – mit und ohne Fleischbeilage,
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John Layman/Rob Guillory: Chew – Bulle mit Biss! (Band 4): Flambiert
Das freche Mädchen (Frankreich 1985, R.: Claude Miller)
Drehbuch: Claude Miller, Annie Miller, Luc Béraud, Bernard Stora
Die 13-jährige Charlotte erlebt den letzten Sommer ihrer Kindheit: ihre alte Welt wird ihr zu eng, sie lernt eine gleichaltrige Starpianistin kennen und verliebt sich in einen jungen Mann.
„Millers fünfter Film zeigt in exakt inszenierten Schlüsselszenen die Verunsicherung und den zeitweisen Realitätsverlust der Heranwachsenden und vermittelt einen Einblick in ihre Verletzlichkeit.“ (Fischer Film Almanach 1987)
mit Charlotte Gainsbourg, Bernadette Lafont, Julie Glenn, Clothilde Baudon, Jean-Claude Brialy