TV-Tipp für den 25. Juli: Kommissarin Lucas: German Angst

Juli 25, 2012

ZDFneo, 20.15

Kommissarin Lucas: German Angst (D 2007, R.: Thomas Berger)

Drehbuch: Thomas Berger

LV: Friedrich Ani: German Angst, 2000

Nazis entführen die deutsche Frau eines Nigerianers. Sie fordern die Abschiebung seiner Tochter. Kommissarin Lucas ermittelt und gerät zwischen dabei zwischen die politischen Fronten.

Klingt ziemlich konstruiert-didaktisch. Aber die „Südthüringer Zeitung“ sieht es anders: „Ein starker, ein relevanter Film also, der seine Schwächen allenfalls gegen Ende hat, als der Entführungsfall zu einem ebenso überstürzten wie überzogenen Ende geführt wird. Dennoch ist “German Angst” ein beachtenswerter Krimi, der auf mutige Weise den Unterhaltungsanspruch mit dem öffentlich-rechtlichen Auftrag eint.“

Mit Ulrike Kriener, Thure Riefenstahl, Michale Roll, Monica Bleibtreu, Tilo Prückner, Anke Engelke

Hinweise

ZDF über Kommisarin Lucas (im Moment Optik über Inhalt)

Homepage von Friedrich Ani

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Wer lebt, stirbt“ (2007)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Der verschwundene Gast“ (2008)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Totsein verjährt nicht” (2009)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Die Tat” (2010)

Meine Besprechung von Friedrich Anis „Süden“ (2011, mit Interview)

Meine Besprechung von Friedrich Anis “Süden und die Schlüsselkinder” (2011)

Friedrich Ani in der Kriminalakte


Cover der Woche

Juli 24, 2012

Daraus wurde dieser Film


TV-Tipp für den 24. Juli: München 1972 – 8 Regisseure sehen die Olympischen Spiele

Juli 24, 2012

BR, 23.25

München 1972 – 8 Regisseure sehen die Olympischen Spiele (USA/D 1972, R.: Juri Oserow [Frankreich], Mai Zetterling [Schweden], Arthur Penn [USA], Michael Pfleghar [Deutschland], Kon Ichikawa [Japan], Milos Forman [Tscheslowakei], Claude Lelouch [Frankreich], John Schlesinger [Großbritannien])

Drehbuch: Deliara Ozerowa, David Hughes, Arthur Penn, Michael Pfleghar, Shuntara Tanikawa, John Schlesinger

Doku, die 1974 den Golden Globe als bester Dokumentarfilm erhielt, und die vor allem wegen der Regisseure bemerkenswert ist. Denn sie inszenierten nicht die normale 08/15-Sportreportage, sondern Kurzfilme, die sich um einen bestimmten Aspekt der Spiele drehen. Nämlich: The Beginning, The Strongest, The Highest, The Women, The Fastest, The Decathlon, The Losers, The Longest; – so die Titel der einzelnen Filme, von höchst unterschiedlicher Qualität.

„‚Visions of Eight‘ (Originaltitel) hingegen hinterlässt eher ein Gefühl der Ratlosigkeit, denn er befriedigt mit Ausnahme weniger Episoden weder die Bedürfnisse der Sportinteressierten noch die des Cinephilen.“ (Klaus-Peter Koch: Visions of Eight, in Lars-Olav Beier/Robert Müller, Hrsg.: Arthur Penn, 1998)

Koch empfiehlt vor allem die Filme von Milos Forman und John Schlesinger.

Die Musik ist von Henry Mancini.

Laut Wikipeida (und der erste YouTube-Clip bestärkt das) lief die Doku zuletzt vor zehn Jahren auf Arte. Für „TV Spielfilm“ ist sie sogar eine TV-Premiere.

auch bekannt als „München 1972 – Acht berühmte Regisseure sehen die Spiele der XX. Olympiade“

Wiederholungen

BR, Donnerstag, 26. Juli, 01.15 Uhr (Taggenau!)

RBB, Donnerstag, 2. August, 23.00 Uhr

NDR, Mittwoch, 8. August, 00.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „München 1972 – 8 Regisseure sehen die Olympischen Spiele“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Visions of Eight“

Rotten Tomatoes über „Visions of Eight“

DVD Talk über „Visions of Eight“

DVD Beaver über „Visions of Eight“ (viele Bilder und Kommentare der Regisseure)

Kriminalakte: Mein Nachruf auf Arthur Penn

Arthur Penn in der Kriminalakte

 

 


„Inspector Barnaby“ und das gar nicht so beschauliche Landleben

Juli 23, 2012

Die Assistenten von DCI Tom Barnaby wechseln. Aber die Grundpfeiler der britischen Krimiserie „Inspector Barnaby“, die im Original, nach dem Handlungsort, „Midsomer Murders“ heißt und von 1997 bis 2011 von ITV ausgestrahlt wurde, bleiben gleich.

Tom Barnaby ist glücklich verheiratet mit Joyce und ihre Tochter Cully wird zwar älter, aber sie bereitet den Eltern keine Probleme. Sogar ihre gut erzogenen Freunde sind unter den strengen Augen des Vaters akzeptabel. Die Barnabys sind das Vorbild für eine glückliche Mittelstandsfamilie.

Auch die Grafschaft Midsomer, in der sie leben, erfüllt jedes Klischees des ländlichen Englands, in dem die Welt noch heil ist. Es gibt keine Drogen. Außer Alkohol. Aber keine Alkoholiker. In Midsomer gibt es nur Genusstrinker. Es gibt keine Hippies oder Punks. Sogar die Jugendlichen freuen sich über einen schönen, altmodischen Bauerntanz. Es gibt auch keine Ausländer oder Neger. Auch Lesben und Homosexuelle scheinen diesen englischen Landstrich zu meiden. All diese Schrecknisse der Moderne und der Großstadt sind in Midsomer bislang nicht angekommen.

Eigentlich ist Midsomer sogar so friedlich, dass die Einwohner ihre Fahrräder und Wohnungen nicht abschließen. Es gibt nur eine Mordrate, die sogar für eine Großstadt beeindruckend ist. Und vielleicht gerade deswegen kriegen die Bewohner der Grafschaft Midsomer keine Schrei- und Panikattacken, wenn sie mal wieder eine Leiche entdecken. Immerhin werden in den 81 Folgen der Krimiserie zweihundert Menschen ermordet.

Auch bei den Barnabys wird sich über Tom Barnabys neuesten Mordfall beim Frühstück unterhalten, als ob es um die gemeinsame Abendplanung ginge. Und wenn die Familie Barnaby mal gemeinsam, wie in „Nass und Tod“ (Dead in the Water, GB 2004), zu einer Regatta geht, packt Joyce anschließend schulterzuckend den Picknickkorb zusammen. Es war ja klar, dass ihr Mann auch hier in einen Mordfall stolpert. So ist das Leben in der Grafschaft Midsomer.

Die zuletzt erschienenen DVD-Boxen „Volume 14“ und „Volume 15“ mit jeweils vier „Inspector Barnaby“-Fällen bieten einen Querschnitt durch die Fälle. Denn, wie auch in den vorherigen „Inspector Barnaby“-Boxen, sind die Fälle bunt aus verschiedenen Jahren und mit verschiedenen Assistenten zusammengewürfelt. Nur an den wechselnden Assistenten, an Cullys Alter und den im Polizeirevier stehenden Computern kann erahnt werden, wann der Krimi entstand.

Dabei sind die besseren Fälle von „Inspector Barnaby“ präzise Milieustudien der englischen Upper-Class, der Lords und der Neureichen, die sich teilweise seit Jahrzehnten, manchmal auch nur seit einigen Jahren, auf das innigste hassen und bekämpfen. Es gibt auch den verarmten Adel. Neid und Missgunst sind daher probate Mordmotive.

In den schlechteren Fällen (die sich eher auf „Volume 14“ befinden) wird dieser Kampf zwischen Reich und Arm dann zu einem possenhaftem Bauerntheater, das überdeutlich auf die Absurdität der Grundkonstellation der Serie hinweist.

Aber diese Cozy-Grundkonstellation bietet auch einen höchst beunruhigenden Blick in die menschliche Psyche. Denn auch wenn der Mord als eine schöne Kunst betrachtet wird, bei dem die Lösung vor allem ein intellektuelles Ratespiel ist und wenn der Mörder überführt wird, die Welt wieder in Ordnung ist, kann die absurd hohe Midsomer-Mordrate und der britische unterkühlte Umgang mit den Toten nicht darüber hinwegtäuschen, dass in jeder Folge, in der es normalerweise mehrere Morde gibt, auch immer gesagt wird: „Wir brauchen keine Ausländer und keine renitenten Jugendliche, um uns gegenseitig umzubringen. Ein gut gepflegter Nachbarschafts- oder Familienstreit tut es auch. Und wenn man mit einem Mord seine Probleme lösen kann, dann tu es ruhig. Wissen Sie, das Böse ist schon lange ein akzeptierter Teil unserer Gemeinschaft.“

So gesehen sind die „Midsomer Murders“ viel beunruhigender als sich in schrecklichen Bildern und nihilistischen Tiraden badende, sich realistisch und düster nennende Krimis, in denen die Welt anscheinend aus, teils geistig minderbemittelten, Berufsverbrechern besteht und man sich immer sagen kann, dass das einen nicht betrifft, weil man ja ein ehrlicher, gesetztestreuer Bürger ist. Wie die Bewohner der Grafschaft Midsomer, die keine Probleme haben einen Malkurs oder eine Blumenschau mit einem Mord zu verbinden.

Manchmal, wie in „Die Blumen des Bösen“ (Orchis Fatalis), sind die Motive für die Mordserie sogar für die Bewohner von Midsomer ziemlich abstrus. In dem Fall wird sogar eine Frage nicht geklärt: Wie kommt ein China-Restaurant nach Midsomer?

Postskriptum: Nachdem John Nettles als Inspector Tom Barnaby 2011 den Dienst in Midsomer quittierte, haben die Macher sich entschlossen, die Serie von „Midsomer Murders“ in „Barnaby“ umzubenennen (die internationalen Verkäufe könnten eine Rolle gespielt haben) und mit Barnabys jüngerem Cousin John Barnaby (gespielt von Neil Dugeon) fortzuführen. Seinen ersten eigenen Fall „Death in the slow lane“ löste er am 23. März 2011.

Also ändert sich sogar der Ermittler, aber ‚Merry Old England‘ bleibt ‚Merry Old England‘.

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Inspector Barnaby (Midsomer Murders, GB 1997 – 2011)

LV: Charaktere von Caroline Graham

mit John Nettles (DCI Tom Barnaby), , Daniel Casey (Sergeant Gavin Troy, 1997 – 2003), John Hopkins (Sergeant Dan Scott, 2004 – 2005), Jason Hughes (DS Ben Jones, 2005 – 2011), Jane Wymark (Joyce Barnaby), Barry Jackson (Dr Bullard), Laura Howard (Cully Barnaby)

Inspector Barnaby – Vol. 14

Edel

Bild: 16:9 (PAL)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)

Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 389 Minuten (4 DVDs)

FSK: ab 16 Jahre (wegen der Hochzeitsepisode „Bloody Wedding“)

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Die bunt-gemischten Ermittlungen

Ganz in Rot (Blood Weeding, GB 2008, Staffel 11, Folge 2)

Regie: Peter Smith

Drehbuch: David Lawrence

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Mord mit Rendite (Market for Murder, GB 2002, Staffel 5, Folge 1)

Regie: Sarah Hellings

Drehbuch: Andrew Payne

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Der Tod und die Lady (A Talent for Life, GB 2003, Staffel 6, Folge 1)

Regie: Sarah Hellings

Drehbuch: David Hoskins

mit Honor Blackman

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Der Tod malt mit (Painted in Blood,GB 2003 Staffel 6, Folge 3)

Regie: Sarah Hellings

Drehbuch: Andrew Payne

 

Inspector Barnaby – Vol. 15

Edel

Bild: 16:9 (PAL)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0 Stereo)

Untertitel: –

Bonusmaterial: –

Länge: 384 Minuten (4 DVDs)

FSK: ab 12 Jahre

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Die etwas weniger bunt gemischten Ermittlungen

Unglücksvögel (Birds of Prey, GB 2003, Staffel 6, Folge 5)

Regie: Jeremy Silberston

Drehbuch: Michael Russell

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Immer wenn der Scherenschleifer… (Bad Tidings, GB 2004, Staffel 7, Folge 2)

Regie: Peter Smith

Drehbuch: Peter J. Hammond

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Grab des Grauens (The Fisher King, GB 2004, Staffel 7, Folge 3)

Regie: Richard Holthouse

Drehbuch: Isabelle Grey

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Die Blumen des Bösen (Orchis Fatalis, GB 2005, Staffel 8, Folge 3)

Regie: Peter Smith

Drehbuch: Terry Hodgkinson

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Hinweise

ITV über Inspector Barnaby

ZDF über „Inspector Barnaby“

Wikipedia über „Inspector Barnaby“ (deutsch, englisch)

FAZ: Nina Belz trifft John Nettles (6. März 2011)

Krimi-Couch über Caroline Graham

Kaliber.38 über Caroline Graham

 Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Volume 12“

Meine Besprechung von „Inspector Barnaby – Volume 13“


TV-Tipp für den 23. Juli: Delta Force

Juli 23, 2012

Kabel 1, 22.40

Delta Force (USA 1986, R.: Menahem Golan)

Drehbuch: James Bruner, Menahem Golan

Musik: Alan Silvestri

Terroristen entführen ein US-Passagierflugzeug. Die Delta Force rückt aus, um den Entführern Manieren beizubringen.

Obwohl „Delta Force“ auf der Entführung des TWA Flug 847 am 14. Juni 1985 basiert, ist Menahem Golans Werk „ein weiteres Monument der Ramb-Ideologie“ (Fischer Film Almanach 1987) und wäre nicht besonders bemerkenswert, wenn die Produzenten Menahem Golan und Yoram Globus, die Cannon-Chefs, die damals als B-Actionfilmschmiede das Bild das Actionkinos bestimmte („Missing in Action“, „Invasion U. S. A.“, „Die City-Cobra“ und viele mehr), nicht so viele Stars für ihren Film verpflichtet hätten. Der Film selbst zerfällt in zwei Hälften: in der ersten wird ziemlich realistisch die Entführung und die Reaktionen der Passagiere gezeigt; in der zweiten entwickelt sich eine abstruse Befreiungsorgie, die komplett auf jegliche Logik verzichtet. Immerhin lernen wir die Chuck-Norris-Methode des effizienten Umbringen des Bösewichts kennen.

Der Rest sind Hurra-Patriotismus für die USA (typisch für Golan/Globus-Filme) und Israel (sehr untypisch), arabische Klischee-Bösewichter und viel Action.

Der Film war bis Juli 2011 indiziert. Nachdem er vom Index genommen und neu geprüft wurde, erhielt er eine „FSK ab 16 Jahre“-Freigabe. Deshalb müsste er heute ungeschnitten im TV laufen.

„Delta Force“ ist auch der letzte Film von Lee Marvin.

mit Chuck Norris, Lee Marvin, Martin Balsam, Joey Bishop, Hanna Schygulla, Robert Forter, Lainie Kazan, George Kennedy, Susan Strasberg, Bo Svenson, Robert Vaughn, Shelley Winters, Kim Delaney, Liam Neeson (ungenannt, als Delta-Force-Mitglied)

Wiederholung: Dienstag, 24. Juli, 03.10 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Delta Force“ (deutsch, englisch)

Film Monthly über „Delta Force“ (28. Juni 2012)

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Etwas Fortbildung

 


Bin ich „Durchschaut“? Weißt du wirklich, ob ich lüge?

Juli 22, 2012

Spätestens seit der grandiosen TV-Serie „Lie to me“ (mit Tim Roth als menschlichem Lügendetektor Dr. Cal Lightman) wollen wir „Das Geheimnis, kleine und große Lügen zu entlarven“, so der Untertitel des Sachbuchs „Durchschaut“, kennen lernen.

Dass das nicht so einfach wie in der TV-Serie geht, können wir uns denken. Immerhin sind auch Profis, wie Polizisten und Psychiatern, teilweise erschreckend schlecht im Erkennen von Lügen.

Trotzdem verspricht „Durchschaut“-Autor Jack Nasher, der zur Zeit Professor für Führung und Organisation an de Munich Business School ist, dass man nach der Lektüre seiens knapp 180-seitigen, eher großzügig gelayouteten Ratgebers Lügen mit neunzigprozentiger Sicherheit erkennt.

Nicht schlecht?

Und das scheint sogar richtig einfach zu gehen: man achtet auf das Gesicht, die Stimme und die Körpersprache und schon läuft’s.

Zur Sicherheit gibt es noch den Nasher Universaltipp: Belügen Sie den Lügner!

Sagen Sie ihrer Frau, dass Sie sie beim Seitensprung erwischt haben und schon wird sich ihre Stimme und ihre Körpersprache verändern und sie wissen, ob sie wirklich mit einem anderen Mann ins Bett gehüpft ist. Sie können es auch nur nach der „Wink mit dem Zaunpfahl“-Methode andeuten und aufgrund ihres veränderten Verhaltens wissen Sie, was los ist.

Es gibt aber ein kleines Problem bei der Methode. Ich meine nicht, dass Sie zum Schwindler werden müssen, um andere Lügner zu entlarven (Obwohl das auch ein Problem ist.), sondern dass Sie andere Leute beschuldigen und mit Vorwürfen konfrontieren, die vielleicht falsch sind. Mit etwas Pech wird ihre Frau, die Sie jetzt für einen Eifersüchtling hält, in die Arme eines anderen Mannes flüchten, und Sie haben es verkackt, weil man Sie für jemand hält, der ständig, grundlos Leute beschuldigt.

Es kann auch sein, dass Sie ihre Signale falsch interpretieren. Sie glauben, dass sie lügt, dabei ist sie nur über die vollkommen haltlose Anschuldigung empört. Aber, wie es so schön heißt: Shit happens.

Nein, da nimmt man sich besser eines der vielen von Jack Nasher im Anhang auf über zwanzig Seiten genannten Bücher, die als wissenschaftliche Lektüre teilweise trockenes Brot sind und keine eindeutigen Antworten liefern. Oder Paul Ekmans „Ich weiß, dass du lügst – Was Gesichter verraten (Telling Lies, 1991, erweiterte Neuausgaben 2001 und 2009). Ekman, ehemaliger Professor für Psychologie an der University of California in San Francisco und von der American Psychological Association zu einem der einflussreichsten Psychologen des 20. Jahrhunderts ernannt, war die Inspiration für den von Tim Roth gespielten Dr. Cal Lightman in „Lie to me“. Er war auch Berater der Serie.

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Jack Nasher: Durchschaut

Heyne, 2012

224 Seiten

8,99 Euro

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Erstausgabe/Gebundene Ausgabe

Heyne, 2010

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Paul Ekman: Ich weiß, dass du lügst – Was Gesichter verraten

(übersetzt von Hubert Mania)

Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2011

512 Seiten

11,99 Euro

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Originalausgabe

Telling Lies

W. W. Norton, New York, 1991 (erweiterte Neuausgaben 2001 und 2009)

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Hinweise

Homepage von Jack Nasher

Wikipedia über Jack Nasher

Homepage von Paul Ekman

Wikipedia über Paul Ekman (deutsch, englisch)

 

 


TV-Tipp für den 22. Juli: Kein Koks für Sherlock Holmes

Juli 22, 2012

RBB, 22.00

Kein Koks für Sherlock Holmes (USA/GB 1976, R.: Herbert Ross)

Drehbuch: Nicholas Meyer

LV: Nicholas Meyer: The Seven-per-cent Solution, 1975

Dr. Watson bugsiert Sherlock Holmes nach Wien zu einer Therapie bei Dr. Sigmund Freud. Als sie in einen mysteriösen Kriminalfall stolpern erwachen die kleinen grauen Zellen des Meisterdetektivs.

Vergnügliche Liebeserklärung an Holmes und Watson und eine vergangene Zeit.

Mit Alan Arkin, Nicol Williamson. Robert Duvall, Laurence Olivier, Vanessa Redgrave, Samantha Eggar, Charles Gray

Hinweise

Wikipedia über „Kein Koks für Sherlock Holmes“ (deutsch, englisch)

Rotten Tomatoes über „Kein Koks für Sherlock Holmes“

Homepage von Sir Arthur Conan Doyle (Erben)

Krimi-Couch über Sir Arthur Conan Doyle

Kirjasto über Sir Arthur Conan Doyle

Wikipedia über Sir Arthur Conan Doyle (deutsch, englisch)

Sherlockian.net (Einstiegsseite mit vielen Links)

Facebook-Seite der deutschen Sherlock-Holmes-Gesellschaft

Thrilling Detective über Sherlock Holmes

Meine Besprechung von Arthur Conan Doyles “Sherlock Holmes Geschichten”, “Sherlock Holmes Kriminalgeschichten” und “The Adventures of Sherlock Holmes” (und hier eine Auflistung der in diesen Werken enthaltenen Geschichten)

Meine Besprechung von Anthony Horowitzs „Das Geheimnis des weißen Bandes“ (The House of Silk, 2011)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Davide Fabbris (Zeichner): Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies! (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Zombies, 2010)

Meine Besprechung von Ian Edginton (Autor)/Horacio Domingues/Davide Fabbris (Zeichner) „Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula“ (Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Jekyll/Hyde; Victorian Undead: Sherlock Holmes vs. Dracula, 2010/2011)

Meine Besprechung von „Sherlock: Ein Fall von Pink“ (A Study in Pink, GB 2010)

Meine Besprechung von „Sherlock: Eine Legende kehrt zurück – Staffel 1“ (Sherlock, GB 2010)

Meine Besprechung von „Sherlock: Ein Skandal in Belgravia“ (A Scandal in Belgravia, GB 2012)

Meine Besprechung von Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ (Sherlock Holmes: A Game of Shadows, USA 2011)

Sherlock Holmes in der Kriminalakte

 


TV-Tipp für den 21. Juli: Mein Bruder Kain

Juli 21, 2012

ZDFneo, 22.30

Mein Bruder Kain (USA 1992, R.: Brian De Palma)

Drehbuch: Brian De Palma

Der angesehene Kinderpsychologe Carter Nix hat Probleme mit seinen verschiedenen Persönlichkeiten. Besonders Kain löst Probleme mit anderen Menschen gerne final.

Unterschätzter De-Palma-Film. Denn: “Raising Cain is (…) one of De Palma’s most challenging, elliptical and darkly comic films. Because of its refusal to ‘make it easy’ for the audience, it is also the least understood and appreciated film from his ‘red phase’.” (Senses of Cinema)

Mit John Lithgow, Lolita Davidovich, Steven Bauer, Frances Sternhagen, Gregg Henry

Hinweise

Senses of Cinema über „Mein Bruder Kain“ (Raising Cain)

Slant Magazine über “Mein Bruder Kain”

Senses of Cinema über Brian De Palma (2003)


DVD-Kritik: Die „Misfits“ wollen nur ihren Spaß haben

Juli 20, 2012

Einige nichtsnutzige Jugendliche, die in einem heruntergekommenen Gemeinschaftszentrum (Gibt es auch andere?) ihre Sozialstunden ableisten müssen, werden während eines Gewitters von einem Blitz getroffen und entwickeln Superkräfte.

Klingt doch gut?

Aber nach der ersten Folge der BBC-Serie „Misfits“ wollte ich mir die restlichen fünf Folgen der ersten Staffel nicht mehr ansehen. Denn die deutsche Synchronisation, so ein pseudo-hipper Pseudo-Nord-Neukölln-Assi-Slang, vergällte mir jede Lust.

Dann sah ich mir die zweite Folge im Original an und es war besser. Jedenfalls klang der Slang natürlicher und es entwickelt sich auch der Beginn einer folgenübergreifenden Geschichte. Denn nicht nur die fünf Straftäter, sondern auch andere Menschen hatten neue Kräfte bekommen.

Aber gerade dieser Strang wird von Autor Howard Overmann, der die Serie erfand und alle Drehbücher schrieb, nicht weiterverfolgt. Die Superkräfte, – die da wären: eine kann Gedanken lesen, eine kann durch Berührung Männer in sie begehrende Sexbestien verwandeln, einer kann in die Zukunft sehen und sie verändern, einer kann sich unsichtbar machen und das Plappermaul der Gruppe weiß bis zum Ende der ersten Staffel nicht, was für eine Superkraft er hat -, spielen in den meisten Folgen keine oder nur eine marginale Rolle. Ein Gimmick eben.

Stattdessen entwickelt sich ein halbgarer Krimi. Denn in der ersten Folge wird der Bewährungshelfer der Jugendlichen durch das Gewitter zu einer von einem Wut-Virus infizierten Bestie, die die Jugendlichen umbringen will. Sie sind schneller und vergraben die Leiche unter einer Autobrücke. In der zweiten Folge taucht die Freundin des Toten als ihre neue Betreuerin auf. Sie will herausfinden, was mit ihrem Freund geschah und sie glaubt, dass die Jugendlichen etwas damit zu tun haben.

Neben dem Krimiplot erfahren wir in den einzelnen Folgen etwas über die Wünsche und Sehnsüchte unserer jugendlichen Outcasts. Aber das alles könnte auch gut, wahrscheinlich sogar besser, ohne das Superkräfte-Gedöns gezeigt werden. Denn meistens spielen ihre neuen Kräfte keine entscheidende Rolle für die Geschichte. Auch die potentiellen Konflikten zwischen den Wünschen der Jugendlichen, die nur ihr Vergnügen wollen, und dem allseits bekanntem Superheldenethos, der aufgrund seiner Kräfte die Welt zu einem besseren Ort machen muss (Spider-Man!), werden höchstens gestreift. Es gibt daher auch keine Kämpfe gegen andere Superhelden. Sogar in der letzten Episode, in der eine Sekte Jugendliche zu einem tugendhaftem Leben verführt (naja, genaugenommen manipuliert deren Anführerin mit ihrer gedankenverhexenden Superkraft die Menschen dazu), könnte locker ohne die Superkräfte der „Misfits“ auskommen.

Insofern war ich, trotz einiger Lacher, schwer enttäuscht von den „Misfits“.

P. S.: Die Freigabe der FSK „ab 18 Jahre“ bezieht sich nur auf die zweite Folge. In der hat einer der Jugendlichen Sex mit einer Frau, deren Superkraft ist, dass sie sich wieder in eine junge Schönheit verwandeln kann. Das führt beim Sex zu einem für den Jungen schockierendem Erlebnis. Aber ob wirklich etwas nackte Haut der Grund für die FSK-18 war, weiß ich nicht.

Jedenfalls wurde so eine Serie für Jugendliche zu einer Serie gemacht, die von Jugendlichen nicht gesehen werden kann, und im Fernsehen erst nach 22.00 Uhr (die FSK-18-Folge noch später) gezeigt werden kann.

Misfits – Staffel 1 (Misfits, GB 2009)

Regie: Tom Green (Episode 1, 2,4), Tom Harper (Episode 3, 5, 6)

Drehbuch: Howard Overman

Erfinder: Howard Overman

mit Antonia Thomas (Alisha Bailey), Robert Sheehan (Nathan Young), Lauren Socha (Kelly Bailey), Iwan Rheon (Simon Bellamy), Nathan Stewart-Jarrett (Curtis Donovan), Alex Reid (Sally)

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DVD

Polyband

Bild:16:9

Ton: Deutsch (Dolby Digital 5.1), Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Deutsch, Englisch

Bonusmaterial: Behind the Scenes, Simon’s Films, The Making of Misfits, Wendecover

Länge: 270 Minuten (6 x 45 Minuten) (2 DVDs)

FSK: ab 18 Jahre

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Hinweise

BBC/E4 über „Misfits“

BBC Germany über „Misfits“

Wikipedia über „Misfits“ (deutsch, englisch)

Film ABC: Unterrichtsmaterialien zur Serie

 


TV-Tipp für den 20. Juli: Firewall

Juli 20, 2012

RBB, 00.00

Firewall (USA 2006, R.: Richard Loncraine)

Drehbuch: Joe Forte

Bankräuber Bill Cox nimmt die Familie von Jack Stanfield, Sicherheitschef bei einer Bank, gefangen. Er verlangt von Stanfield, dass dieser ihm bei dem Bankraub hilft. Stanfield versucht den Bankraub zu verhindern und seine Familie zu retten.

Gut, die Story ist mit etwas Hightech-Voodoo aufgebretzelte Dutzendware, aber die Riege der altbekannten Gesichter und die Schlägerei am Ende (sie war auch für den World Stunt Award/Taurus-Award als bester Kampf) entschädigt dafür.

„Firewall“ ist ein B-Picture mit Starpower.

mit Harrison Ford, Virginia Madsen, Paul Bettany, Carly Schroeder, Jimmy Bennett, Mary Lynn Rajskub, Robert Forster, Robert Patrick, Alan Arkin

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Firewall“

Wikipedia über „Firewall“ (deutsch, englisch)

The Writing Studio: Interview mit Joe Forte über „Firewall“

Mein Geburtstagsgruß an Harrison Ford (mit weiteren Links)


Neu im Kino/Filmkritik: „Lady Vegas“ verzockt sich

Juli 19, 2012

„Lady Vegas“ basiert auf der ‚Biographie‘ „Lay the Favorite: A Memoir of Gamblin“ von Beth Raymer und die Geschichte hat auch etwas: da macht sich eine Kleinstadtstripperin (Rebecca Hall) aus Florida auf nach Las Vegas, um dort als Kellnerin in einer Cocktailbar ihr Glück zu versuchen. Von dem Job hat sie keine Ahnung; was auch egal ist, weil diese Jobs in Las Vegas nur an Gewerkschaftsmitglieder vergeben werden und sie daher keine Chance hat. Über eine Empfehlung stolpert sie in das Büro von Dink Heimowitz (Bruce Willis) und er ist begeistert von ihrem Talent für Zahlen. Denn Dink verdient mit Wetten sein Geld.

Beth wird, unter den fürsorglichen Händen der Zockerlegende, zu, so der Werbetext, „einer der besten Buchmacherinnen der Wettbranche“.

Das ist doch ein gut abgehangener Plot, der in einem faszinierendem Milieu vor einer prächtigen Kulisse erzählt wird.

Was kann da schief gehen?

Nun, schon während der ersten Begegnung von Beth (Rebecca Hall) und Dink (Bruce Willis), sagt Dink, dass er zufrieden sei, wenn er mehr gewinne als verliere. Damit ist das hier betriebene professionelle Glücksspiel ein Job, der zwar mit großen Emotionen (wenn sie in Dinks Büro ein im Fernsehen laufendes Pferd anfeuern als ginge es um das Abwenden des Weltuntergangs) einhergeht, aber auch nicht sonderlich riskant ist. Immerhin gewinnt Dink auf lange Sicht genug, um sich, seinen beiden Mitarbeitern (die er ungefähr im Wochentakt feuert und wieder einstellt) und seiner Frau Tulip (Catherine Zeta-Jones, die als Hausdrache eifersüchtig über Dink wacht) ein luxuriöses Leben zu sichern.

Es geht also um nichts. Es gibt keine existentielle Bedrohung für die Charaktere. Sie lassen sich alle von der einen Wette zur nächsten treiben. Sie ergreifen eine Chance, wenn sie sich bietet und sie dafür kein allzu großes Risiko, hm, ein überschaubares Risiko, ach, eigentlich überhaupt kein Risiko, eingehen müssen.

Und auch wenn Beth gegen Ende in New York bei Rosie (Vince Vaughn), dem sehr großmäuligem und aus dramaturgischen Gründen von Drehbuchautor D. V. DeVincentis (auch Autor des Frears-Films „High Fidelity“) erfundenem Gegenstück zu Dink, ihr Glück versucht und in einen ziemlichen Schlamassel gerät, aus dem sie dann doch arg einfach und mit der bereitwillig und selbstlos gewährten Hilfe von Dink, seiner Frau und seinen Angestellten (also Beths neuer Familie) herauskommt, dient der Lärm, die fast immer hoffnungslos übertriebenen Emotionen der Schauspieler, nur dazu, die Leere des Drehbuchs zu übertünchen. Aber das gelingt nicht.

Vor allem die ständige Überdrehtheit von Rebecca Hall nervt. Sie kreischt und quieckt sich durch den Film, als würde sie nach Lautstärke bezahlt werden. Mich nervte dieses Gehabe schon nach fünf Minuten und in einem Lokal würde ich möglichst schnell vor so einer Person flüchten.

Dass „Lady Vegas“ sich dann auch nie entscheiden kann, ob es ein Drama, eine Komödie oder eine Milieustudie sein will, führt dazu, dass die Genres und Stile sich gegenseitig im Weg stehen und so eine undramatisch-unwitzige vor sich hin plätschernde Dramedy entstand, die definitiv nicht zu Stephen Frears besten Arbeiten, wie „Mein wunderbarer Waschsalon“, „Gefährliche Liebschaften“, „The Grifters“ (nach einem Roman von Jim Thompson und einem Drehbuch von Donald E. Westlake) und „Die Queen“, gehört.

Lady Vegas (Lay the Favorite, USA/GB 2012)

Regie: Stephen Frears

Drehbuch: D. V. DeVincentis

LV: Beth Raymer: Lay the Favorite: A Memoir of Gambling, 2010

mit Rebecca Hall, Bruce Willis, Catherine Zeta-Jones, Vince Vaughn, Joshua Jackson, Laura Prepon, Frank Grillo, Wayne Pére, John Carroll Lynch, Corbin Bernsen

Länge: 94 Minuten

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Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Lady Vegas“

Rotten Tomatoes über „Lady Vegas“

Wikipedia über „Lady Vegas“

 


TV-Tipp für den 19. Juli: Die Verachtung

Juli 19, 2012

3sat, 22.25

Die Verachtung (Frankreich/Italien 1963, R.: Jean-Luc Godard)

Drehbuch: Jean-Luc Godard

LV: Alberto Morovia: Il Desprezzo, 1954 (Die Verachtung)

Drehbuchautor Paul soll das Drehbuch für einen Film über die Abenteuer von Odysseus auf der Insel Capri schreiben. Dort sind, neben ihm, seine Frau, der Produzent, der ein Auge auf Pauls Frau Camille geworfen hat, und der Regisseur. Camille, die an Pauls Liebe zweifelt, beginnt ihn zunehmend zu verachten.

Godards anspielungs- und zitatenreiche Satire auf das Filmbusiness, gedreht mit viel Geld, Brigitte Bardot und Fritz Lang als Regisseur.

mit Brigitte Bardot, Michel Piccoli, Jack Palance, Fritz Lang, Georgia Moll, Jean-Luc Godard, Raoul Coutard

Hinweise

Wikipedia über „Die Verachtung“ (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Jean-Luc Godards „Außer Atem“

Jean-Luc Godard und Fritz Lang in der Kriminalakte


Zuerst gab es den Roman „Finger weg vom heißen Eis“, dann den Film „Vier schräge Vögel“ und jetzt den Comic „Hot Rock“

Juli 18, 2012

In der von Lax gezeichneten Version von Donald E. Westlakes erstem John-Dortmunder-Krimi „Finger weg vom heißen Eis“ (The Hot Rock, 1970), die in den USA unter Comic-Crime laufen und was bei uns nur unzulänglich als „witziger Kriminalroman“, „Krimikomödie“ oder „Krimihumoreske“ übersetzt wird, fällt auf, was für einen ausgefuchsten Plot Donald E. Westlake unter all den Lachern gut verborgen hat.

Westlake erfand John Dortmunder, als er als Richard Stark einen neuen Parker-Roman schreiben wollte. Den Plot hatte er auch schon: Parker muss einen Gegenstand mehrmals klauen. Aber Parker klaut nichts mehrmals. Er ist der Profi, der seinen Plan gnadenlos durchzieht und mit einer solchen Geschichte würde er sich zum Affen machen.

Auftritt: John Dortmunder, New Yorker, Einbrecher, Mastermind einer kleinen Gruppe Gesetzesbrecher, die bei ihren Verbrechen regelmäßig vom Pech verfolgt sind.

In „The Hot Rock“ sollen sie, im Auftrag von Major Iko, dem UN-Botschafter von Talabwo, den Smaragd von Talabwo, der in den Händen eines anderen Stammes ist, klauen. Dieser wertvolle Stein wird einige Tage in einem New Yorker Museum ausgestellt. Für den Einbruch spricht, dass sie einen Abnehmer haben und es nach einem leichten Bruch aussieht. Dagegen spricht, nun, der Kontrollwahn ihres Auftraggebers und seine fast schon unendliche Geizigkeit.

Bei dem Einbruch gibt es ein kleines Problem und Greenwood wird mit der Beute erwischt. Die anderen können entkommen.

Das ist die Initialzündung für eine Serie von weiteren, von John Dortmunder minutiös geplanten Einbrüchen, – in ein Gefängnis, in eine Hochsicherheitsklinik für betuchte Irre, eine Bank und in eine Polizeistation -, und immer kämpfen sie mit der Tücke des Objekts, die Dortmunders ausgefuchste Pläne regelmäßig in einem Desaster enden lässt.

Während man bei den Dortmunder-Romanen von einem Lachanfall zum nächsten liest (weshalb man diese Krimis auch nicht in der Öffentlichkeit lesen sollte) und auch die Verfilmung „Vier schräge Vögel/Zwei dufte Typen“ (The Hot Rock, USA 1971) von Peter Yates mit Robert Redford und George Segal eine kurzweilige Krimikomödie ist, ist der Comic wesentlich unwitziger. Dafür arbeitet Lax (das Pseudonym von Christian Lacroix) deutlicher heraus, wie ausgefuchst der von Donald E. Westlake erfundene Plot ist. Einige Lacher gibt es auch.

Nur dass aus Dortmunder bei Lax „Dort’“ wird, hätte nicht sein müssen. Denn Dortmunder ist, wie die Biersorte, Dortmunder.

Nach „The Hot Rock“ schrieb Westlake dreizehn weitere Dortmunder-Romane und einige Kurzgeschichten, die in „Thieves‘ Dozen“ gesammelt sind. Die ersten Dortmunder-Romane wurden auch ins Deutsche übersetzt. Empfehlenswert sind sie alle; – wie auch Laxs „The Hot Rock“, das in er uneingeschränkt empfehlenswerten Noir-Reihe von Schreiber & Leser erschien.

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Lax/Donald Westlake: Hot Rock

(übersetzt von Resel Rebiersch)

Schreiber & Leser, 2011

96 Seiten

17,80 Euro

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Originalausgabe

Pierre qui roule

Casterman/Payot & Rivages, 2008

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Vorlage

Donald E. Westlake: The Hot Rock

Simon & Schuster, New York 1970

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Deutsche Ausgabe

Finger weg vom heißen Eis

Ullstein, 1971

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Verfilmung

Vier schräge Vögel/Zwei dufte Typen (The Hot Rock, USA 1971)

Regie: Peter Yates

Drehbuch: William Goldman

Musik: Quincy Jones

mit Robert Redford, George Segal, Zero Mostel, Ron Leibman, Paul Sand, Moses Gunn, William Redfield

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Hinweise

Homepage von Donald E. Westlake

Drehbuch „The Grifters“ von Donald E. Westlake (Second Draft, März 1989)

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Get Real“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake

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Bonushinweis

Drehbuchautor Josh Olson („A History of Violence“) über die Verfilmung


Über die fein gezeichnete Version von „Scarface“

Juli 18, 2012

Wenn man heute von „Scarface“ redet, dürften die Meisten an Brian De Palmas gleichnamigen Gangsterfilm von 1983 mit Al Pacino in der Hauptrolle denken. Dabei ist der Film, je nach Blickwinkel ein Remake oder ein zeitgemäßes Update von Howard Hawks Klassiker „Scarface – Shame of the Nation“ (tja, den Zensoren, die viele Probleme mit dem Film hatten, musste man im Untertitel genau sagen, was von dem Gangster zu halten ist) von 1932 und dem sich etwas altertümlich lesendem Roman von Armitage Trail. In „Scarface“ erzählten sie, wie viele andere Autoren und Regisseure, von dem damals in den USA tobendem Gangsterkrieg. Das reale Vorbild für „Scarface“ war Al Capone, dessen Spitzname sogar „Scarface“ war. Der Roman und die Verfilmung begründeten, zusammen mit „Little Caesar“ (nach einem Roman von W. R. Burnett) und „The Public Enemy“, den Mythos des modernen Gangsters und seinen Wandel im öffentlichen Bewusstsein zur Popikone. Erzählt wird die Geschichte vom Aufstieg und Fall eines Mannes, der aus kleinen Verhältnissen kommt und zum mächtigen Gangsterboss wird.

Christian De Metter, der auch von Dennis Lehanes „Shutter Island“ eine grandiose Comicversion erschuf, nahm sich jetzt Armitage Trails Roman vor. Deshalb sehen wir auch nicht das legendäre Filmende, in dem Scarface schwer verwundet auf die Straße taumelt, zusammenbricht, stirbt und die Kamera nach oben zur Leuchtreklame „The World is yours“ schwenkt. De Metter erzählt die Geschichte von Tony Camonte in kurzen, knalligen, fast schon atemlosen Szenen von seiner Jugend über die ersten Jahre als Kleingangster, wie er im 1. Weltkrieg im Gefecht die Narbe erhielt, die ihm den Spitznamen „Scarface“ (Narbengesicht) verpasste, wie er nach dem Krieg erfahren muss, dass sein alter Boss tot ist und er unter neuem Namen zum die Stadt beherrschenden Gangsterboss aufsteigt. Doch schon während des Aufstiegs legt er das Fundament für sein Ende, das nur ein Tod im Kugelhagel der Polizei sein kann.

Als Gegengewicht zu Camontes unstetem Leben, was in einer sehr episodischen Erzählweise mündet, hat Christian De Metter die Panels streng, fast wie in einem der damals populären Comicstrips, bis auf drei Ausnahmen, immer mit drei Bildzeilen pro Seite, angeordnet.

Ein feiner Comic.

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Christian De Metter/Armitage Trail: Scarface

(übersetzt von Resel Rebiersch)

Schreiber & Leser, 2012

112 Seiten

21,80 Euro

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Originalausgabe

Scarface

Casterman/Payot & Rivages, 2011

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Vorlage

Armitage Trail: Scarface

Clode, 1930

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Deutsche Erstausgabe

Scarface

DuMont Noir 14, 1999

(nur noch antiquarisch erhältlich)

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Verfilmung

Scarface (Scarface – Shame of the Nation, USA 1932)

Regie: Howard Hawks

Drehbuch: Ben Hecht

mit Paul Muni, Ann Dvorak, Karen Morley, Osgood Perkins, George Raft, Boris Karloff

Deutscher Kinostart: 14. Februar 1981

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Hinweise

Wikipedia über „Scarface“ (USA 1932) (deutsch, englisch)

Filmsite über „Scarface“ (USA 1932)

Martin Compart über „Scarface“

Wikipedia über Christian De Metter (englisch, französisch)

Meine Besprechung von Christian De Metter/Dennis Lehanes „Shutter Island“

 


TV-Tipp für den 18. Juli: Belle de jour

Juli 18, 2012

3sat, 23.10

Belle de jour – Schöne des Tages (F/I 1967, R.: Luis Buñuel)

Drehbuch: Luis Buñuel, Jean-Claude Carrière

LV: Joseph Kessel: Belle de jour, 1928 (Belladonna; La belle de jour- Die Schöne des Tages)

Arztgattin Séverine langweilt sich. Als Lebemann Husson sie mit Madame Anais und ihrem Etablissement für erotische Wünsche und Fantasien bekannt macht, beginnt Séverine ein Doppelleben.

Einer von Buñuels zugänglichsten Filmen über die Doppelmoral des Großbürgertums. Er erhielt den Goldenen Löwen in Venedig und war bei Kritik und Zuschauern ein Erfolg. Deneuve war danach auf die Rolle der kühlen Blondine festgelegt.

Mit Catherine Deneuve, Jean Sorel, Michel Piccoli, Geneviève Page

Hinweise

Wikipedia über “Belle de jour”

3sat über “Belle de jour”


Die Scribe-Awards 2012

Juli 17, 2012

Die International Association of Media Tie-In Writers (IAMTW) hat die diesjährigen Scribe Awards auf der San-Diego-Comic-Con vergeben. Der Scribe Award ehrt gute Filmromane und auf TV-Serien und Filmen bestehende Romane. Denn immer noch werden diese „Romane zum Film“, obwohl sie teilweise von bekannten Autoren geschrieben sind, als hingeschluderte Literatur verachtet.

Die Preisträger sind:

GENERAL FICTION/BEST ORIGINAL NOVEL

MIKE HAMMER: KISS HER GOODBYE von Max Allan Collins & Mickey Spillane

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SPECULATIVE FICTION/BEST ORIGINAL NOVEL

DUNGEONS & DRAGONS – FORGOTTEN REALMS: BRIMSTONE ANGELS von Erin M. Evans

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BEST ADAPTATION GENERAL OR SPECULATIVE

COWBOYS & ALIENS von Joan D. Vinge

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BEST YOUNG ADULT

THUNDERBIRDS: EXTREME HAZARD von Joan Marie Verba

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BEST AUDIO

MIKE HAMMER: ENCORE FOR MURDER von Max Allan Collins & Mickey Spillane

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GRANDMASTER

KEVIN J. ANDERSON

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Die Nominierungsliste gibt es hier.


Der Thriller-Award 2012

Juli 17, 2012

Ohne große Worte: die Gewinner des diesjährigen Thriller Award der International Thriller Writers (ITW):

Best Hard Cover Novel

11/23/63 (Der Anschlag), von Stephen King (Scribner)

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Best Paperback Original Novel

THE LAST MINUTE, von Jeff Abbott (Sphere/Little, Brown UK)

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Best First Novel

SPIRAL, von Paul McEuen (The Dial Press)

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Best Short Story

HALF-LIVES, von Tim L. Williams (Ellery Queen Mystery Magazine)

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Thriller Master

Jack Higgins

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True Thriller Award

Ann Rule

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Silver Bullet Award

Richard North Patterson

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Die Nominierungsliste gibt es hier.


Cover der Woche

Juli 17, 2012


TV-Tipp für den 17. Juli: Quartett im Bett

Juli 17, 2012

RBB, 22.45

Quartett im Bett (D 1968, R.: Ulrich Schamoni)

Drehbuch: Ulrich Schamoni

Die Jacob Sisters und Insterburg & Co. machen Kreuzberg unsicher.

Extrem selten gezeigter Szeneklamauk des Berliners Ulrich Schamoni (9. November 1939 – 9. März 1998), der auch „Es“, einen der Klassiker des Neuen Deutschen Films, drehte.

„Schamoni zeigt das Berlin unserer Tage und beschwört dabei das Bild einer heimeligen friedlichen Stadt. Politischer Zündstoff wird mühelos in dieses Bild integriert. Das gelingt Schamoni, indem er gesellschaftliche Tatbestände ihrer Zusammenhänge beraubt, sie zu bloßen Phänomenen reduziert.“ (Klaus Bädekerl, Filmkritik, 1969)

„Eine peinliche Aneinanderreihung flauer, kabarettistisch gemeinter Gags mit der damals populären Band ‚Insterburg & Co.‘ – einer Komiker-Truppe, die aus de rebellischen 68er-Stimmung kräftig Kapital schlug und als Trittbrettfahrer bei der Studentenbewegung mitfuhr.“ (Lexikon des internationalen Films)

Der Film erhielt den Ernst-Lubitsch-Preis – und Karl Dall machte später jeden Scheiß mit.

mit Ingo Insterburg, Karl Dall, Jürgen Barz, Peter Ehlebracht, Johanna Jacob, Eva Jacob, Hannelore Jacob, Rosi Jacob, Rainer Basedow

Hinweise

RBB über „Quartett im Bett“

Filmportal über „Quartett im Bett“

Schamoni Film und Medien GmbH über „Quartett im Bett“

Wikipedia über Ulrich Schamoni

Insterburg und Co. (Fanseite) über „Quartett im Bett“ (viele Filmbilder)


Kurzkritik: Matti Rönkä: Zeit des Verrats

Juli 16, 2012

Viktor Kärppä ist zurück und, wie seine vorherigen vier Abenteuer, unterscheidet sich „Zeit des Verrats“ angenehm vom tiefsinnig-trüben skandinavischen Krimi-Mainstream-Einerlei mit depressiven Ermittlern und erhöhtem Alkoholgenuss.

Obwohl auch in „Zeit des Verrats“ ordentlich gebechert wird. Viktor Kärppä, den wir in „Der Grenzgänger“ als Privatdetektiv mit farbiger Vergangenheit, militärischer Spezialausbildung, daher guten Sowjet-Geheimdienstkontakten, viel zu guten Beziehungen in das kriminelle Milieu diesseits und jenseits des nicht mehr existierenden Eisernen Vorhangs und entsprechenden kriminellen Verwicklungen, kennen lernten, ist jetzt endgültig zum Bauunternehmer geworden.

Während eines feucht-fröhlichen Abends wenige Kilometer hinter der russischen Grenze, mit Saunabesuch und Geschäftsangeboten von Typen, mit denen er nichts zu tun haben will, wozu auch ein wenig vertrauenswürdiger Militärkamerad gehört, deponieren sie in seinem Auto vier Metallröhrchen.

Als er in seiner Garage sein Auto durchsucht, entdeckt Kärppä die Röhrchen eher zufällig. Er hat keine Ahnung, was sie enthalten. Aber er vermutet, immerhin gehörten die Russen, mit denen er den Saunaabend verbrachte, in das Halbweltmilieu zwischen Mafia, Geheimdienst und Weißer-Kragen-Kriminalität, und die finnische Polizei beobachtet ihn, dass es etwas mit dem demnächst anstehenden Besuch des russischen Präsidenten zu tun hat und er gar nicht so genau wissen will, was drin ist.

Während Kärppä versucht mit heiler Haut aus der Sache rauszukommen, will er auch seinen Schnitt machen.

Matti Rönkä erzählt auch seinen neuesten Viktor-Kärppä-Krimi im lakonischen Hardboiled-Stil. Seine Charaktere sind angenehm verkommen und herrlich frei von jeglichem Weltschmerz. Die Story gewinnt dem altbekannten Ein-Mann-verhindert-einen-Anschlag-auf-den-Präsidenten-Plot etliche neue Facetten ab. Denn obwohl Kärppä den Anschlag verhindert, falls überhaupt ein Anschlag geplant war, geht es in „Zeit des Verrats“ viel mehr um Freundschaft, Verrat, Intrige, Gegenintrige und wer wen am Ende besser aufs Kreuz legen kann.

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Matti Rönkä: Zeit des Verrats

(übersetzt von Gabriele Schrey-Vasara)

Lübbe, 2012

272 Seiten

14,99 Euro

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Originalausgabe

Tuliaiset Moskovasta

Gummerus Kustannus Oy, 2009

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Hinweise

Wikipedia über Matti Rönkä

Deutschlandradio: Alexander Budde über Matti Rönkä (19. April 2010)

Krimi-Couch: Jochen König interviewt Matti Rönkä (Februar 2011)

Meine Besprechung von Matti Rönkas „Der Grenzgänger“

Meine Besprechung von Matti Rönkäs „Bruderland“