„Alfonz – Der Comicreporter“ – ein neues Magazin

Juli 16, 2012

Früher waren Comics Bildergeschichten für Kinder.

Heute sind sie ein großes Geschäft. Hollywood benutzt für seine Blockbuster gerne Comics und etliche Comics sind explizit für Erwachsene geschrieben.

Trotzdem fällt einem, wenn man eine ruhige Stunde in einem gut ausgestatteten Bahnhofskiosk verbringt und dort für jede noch so abstruse Leidenschaft ein regelmäßig erscheinendes Magazin entdeckt, auf, dass es bislang kein Magazin, das über Comics berichtet, gibt.

Mit dem vierteljährlich erscheinendem Magazin „Alfonz – Der Comicreporter“ soll diese Lücke geschlossen werden. Schon beim Durchblättern durch das angenehm altmodisch gelayoutete und angenehm textlastige Magazin (d. h. die Bilder illustrieren den Text und nicht umgekehrt) fällt auf, vor welcher Aufgabe die Macher Matthias Hofmann und Volker Haman, in dessen „Edition Alfons – Verlag für graphische Literatur“ „Alfonz“ erscheint, stehen. Denn der Spagat zwischen Bildergeschichten für Kinder, Superheldenepen, Mangas und Graphic Novels für Jugendliche und Erwachsene ist gewaltig und wird in der ersten Ausgabe elegant und ausgewogen bewältigt. Jedenfalls in den langen Reportagen. Bei den Comicrezensionen werden dann die Superhelden zwischen „Batman“ und „Superman“ zugunsten europäischer Comics ziemlich ignoriert.

Dafür wird vorher ausführlich über den aktuellen Relaunch bei DC, die „The Avengers“-Verfilmung und den oft nicht gerade vorbildlichen Umgang von DC mit seinen Autoren geschrieben.

Es gibt mehrere Reportagen, die sich mit Comics aus dem frankobelgischen Raum beschäftigen, wie die dort jüngst erschienenen Kinderableger von bekannten Serien wie Spirou und Lucky Luke, ein Interview mit Wilbur und Didier Conrad, einen Zweiseiter über die Tour de France im Comic und die Kolumne „Lettre de France“.

Es gibt ein achtseitiges Porträt über Vicente Segrelles und seine Fantasy-Geschichte „El Mercenario“. Das alles ist gut geschrieben, informativ und macht neugierig auf die vorgestellten Comics.

Kurz gesagt: Der Einstand ist geglückt.

Die zweite Ausgabe erscheint am 4. Oktober. Angekündigt sind Interviews mit Laura Zuccheri und Francois Schuiten und eine Reportage über die Comicversionen von Literaturklassikern wie „Die Schatzinsel“ und deren Verwendung im Unterricht und eine über die in den letzten Jahren immer wieder angekündigte Rückkehr von „Yps“ an die Kioske.

–

Alfonz – Der Comicreporter 1/2012 (Juli – September 2012)

Edition Alfons/Verlag Volker Hamann

84 Seiten

6,95 Euro

–

Hinweis

Homepage (mit einer Leseprobe aus dem aktuellen Heft und den beiden Nullnummern)


TV-Tipp für den 16. Juli: Der Tod kennt keine Wiederkehr

Juli 15, 2012

Arte, 20.15

Der Tod kennt keine Wiederkehr (USA 1973, R.: Robert Altman)

Drehbuch: Leigh Brackett

LV: Raymond Chandler: The long goodbye, 1953 (Der lange Abschied)

Philip Marlowe hilft seinen Freund Terry Lennox aus der Klemme. Er soll seine Frau umgebracht haben.

Bitterböse Abrechnung mit dem amerikanischen Traum und einem Marlowe (Elliot Gould), der als Relikt durch die Story gestossen wird. – Eine der besten Chandler-Verfilmungen!

Leigh Brackett (1915 – 1978, Schriftstellerin, außerdem schrieb sie die Drehbücher zu „Tote schlafen fest“, „Rio Bravo“, „El Dorado“, „Krieg der Sterne: Das Imperium schlägt zurück“) sagte zu ihrer und Altmans Vorstellung von der Figur Marlowe: „Ich sehe Marlowe so, wie Chandler ihn sah, als Verlierer. Aber ein wirklicher Verlierer, nicht der falsche Gewinner, den Chandler aus ihm machte. Ein Verlierer auf der ganzen Linie….Goulds Marlowe ist ein Mann von simpler Redlichkeit, Ehrlichkeit, Vertrauen und vollständiger Integrität. Alles, was wir machten, war, ihn von den Attributen eines falschen Helden zu befreien. Chandler Marlowe wusste immer mehr als die Polizei. Er konnte zu Brei geschlagen werden, aber er kam immer irgendwie ungeschoren davon. Nur aufgrund bloßer Kraft der Persönlichkeit, professioneller Sachkenntnis und Frechheit war er im Vorteil. Wir meinten ´Solch ein Mann besitzt keinen Vorteil. Er wird rumgestoßen. Die Leute nehmen ihn nicht ernst. Sie wissen nicht, was mit ihm los ist, und es kümmert sie auch nicht´. Also wurde aus dem harten Typ Marlowe ein Gefoppter.“ (Take One)

Pflaum dazu: „Altmann hat Marlowe so gründlich demystifiziert, dass dem Zuschauer in jedem Moment bewußt ist: dieser Mann übernimmt sich, und es ist allein eine Frage der Zeit, bis sich das rächt. Der Held Raymond Chandlers ist nie gefährdeter, nie sterblicher gewesen als in The long goodbye; Altman hat dem Roman auf seine Weise die realistische Dimension zurückgegeben, die er, unter anderen Vorzeichen, einmal hatte“ (Hans Günther Pflaum in Robert Altmann, Hanser Reihe Film 25)

Mit Elliott Gould, Nina van Pallandt, Sterling Hayden, Mark Rydell, Henry Gibson, David Carradine (Cameo), Arnold Schwarzenegger (eigentlich auch ein Cameo-Auftritt)

Wiederholung: Freitag, 27. Juli, 02.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Thrilling Detective über Raymond Chandler und Philip Marlowe

Wikipedia über Raymond Chandler (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 15. Juli: Familiengrab

Juli 15, 2012

RBB, 22.00

Familiengrab (USA 1976, R.: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Ernest Lehman

LV: Victor Canning: The rainbird pattern, 1972 (später “Family plot”; „Auf der Spur“)

Mrs. Rainbird verspricht dem Medium Blanche 10.000 Dollar, wenn sie ihren vor Jahrzehnten verstossenen Neffen findet. Dieser finanziert inzwischen seinen Lebensunterhalt mit Entführungen und unterstellt Blanche und ihrem Freund George niedere Motive.

Was für ein Abgang: eine lockere Krimikomödie mit tiefschwarzem Humor.

Ernest Lehman: „Was Hitchcock wirklich an diesem Filmprojekt faszinierte, war die Idee von zwei getrennt ablaufenden unterschiedlichen Geschichten, die langsam zueinander finden und letztlich zu einer Geschichte werden. Ich ließ nicht locker, ihn darauf hinzuweisen, dass das Publikum nicht einen Film aufgrund seiner einzigartigen Struktur sehen will – es sei denn, Hitchcock plane, den Film als eine Art Dozent zu begleiten und ihn den Zuschauern zu erklären.“ – Mmh, da hat er Recht. „Family Plot“ (hübsch doppeldeutiger Titel) ist beim zweiten, dritten Sehen besser als beim Ersten. Und die Rückprojektionen sind schlecht wie immer.

Mit Karen Black, Bruce Dern, Barbara Harris, William Devane, Ed Lauter, Cathleen Nesbitt

Hinweise

Wikipedia über Victor Canning

Kaliber .38 über Victor Canning

Fanseite über Victor Canning

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks „Mr. und Mrs. Smith“

Meine Besprechung von Thilo Wydras „Alfred Hitchcock“

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 14. Juli: Der Texaner

Juli 14, 2012

ARD, 22.30

Der Texaner (USA 1976, R.: Clint Eastwood)

Drehbuch: Phil Kaufman, Sonia Chernus

LV: Forrest Carter: The Rebel Outlaw: Josey Wales, 1973 (Gone to Texas; The Outlaw Josey Wales; Josey Wales

Missouri, während des Bürgerkriegs: Marodierende Nordstaatler bringen die Familie von Farmer Josey Wales um. Er schwört Rache, schließt sich den Südstaatlern an, ergibt sich nicht am Ende des Bürgerkrieges, wird als Outlaw gejagt und will irgendwann nur noch seine Ruhe haben. Aber langsam hat er eine Ersatzfamilie im Schlepptau.

Ein feiner Western

mit Clint Eastwood, Chief Dan George, Sondra Locke, Bill McKinney, John Vernon, Paula Trueman, Sam Bottoms

Hinweise

Wikipedia über “Der Texaner” (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von Pierre-Henri Verlhacs (Herausgeber) „Clint Eastwood – Bilder eines Lebens“ (2008)

Kriminalakte: Glückwünsche zum achtzigsten Geburtstag von Clint Eastwood

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Hereafter – Das Leben danach” (Hereafter, USA 2010)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


Und der Gewinner von „Luther – Staffel 2“ ist…

Juli 13, 2012

Sodele, der Einsendeschluss der Verlosung der zweiten Staffel der grandiosen BBC-Serie „Luther“ ist vorbei und der glückliche Gewinner ist –

Doch zuerst zwei Beobachtungen zur Verlosung:

165 Menschen (oder sollte ich E-Mail-Adressen sagen?) haben sich beteiligt. Das ist die bislang höchste Beteiligung.

Dieses Mal haben sich sogar mehrere Berliner beteiligt. Denn bei den früheren Verlosungen haben die Hauptstädter sich immer vornehm zurückgehalten.

Und die Glücksfee hat dann auch gleich in Berlin zugeschlagen. Der glückliche Gewinner von „Luther – Staffel 2“ ist

Alfred P. aus 12621 Berlin

 

Viel Vergnügen beim Film!

 

Die DVD ist jetzt in den treuen Händen der Post und ich überleg mir die nächste Verlosung.


Harrison Ford wird Siebzig!

Juli 13, 2012

Er war Han Solo.

Er war Indiana Jones.

Er war auch Jack Ryan.

Er war „Auf der Flucht“.

Und letztes Jahr bewies er, dass er auch als tyrannischer Rinderbaron im Wilden Westen Aliens besiegen kann.

Dabei hätte bei seinen ersten Filmen, niemand gedacht, dass er später ein Weltstar mit einer beeindruckenden Zahl von Blockbustern und Klassikern werden würde.

Sein erster Filmauftritt war in „Immer wenn er Dollars roch“ (Dead heat on a Merry-go-round, USA 1966), einer ziemlich vergessenen Gangsterkomödie von Bernard Girard mit James Coburn in der Hauptrolle. Ford spielt einen Hotelpagen und ist nur einige Sekunden zu sehen. In den nächsten Jahren kam seine Filmkarriere nicht richtig voran. Dafür arbeitete immer mehr als Zimmermann.

Erst 1973 in „American Graffiti“ von George Lucas wurde er bekannter. 1977 kam „Krieg der Sterne“ (Star Wars), wieder von George Lucas inszeniert, in die Kinos und der Rest ist Geschichte. Filmfans dürfen seine kurzen Auftritte in den Francis-Ford-Coppola-Klassikern „Der Dialog“ (The Conversation, USA 1974) und „Apocalpyse Now“ (USA 1979) genießen. Auch der Science-Ficton-Thriller „Blade Runner“ (USA 1982), von Ridley Scott, wurde zu einem Klassiker.

Damals war er als Han Solo in den „Krieg der Sterne“-Fortsetzungen „Das Imperium schlägt zurück“ (The Empire strikes back, USA 1980) und „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ (Return of the Jedi, USA 1983) und als Indiana Jones in „Jäger des verlorenen Schatzes“ (Raiders of the Lost Ark, USA 1981), „Indiana Jones und der Tempel des Todes“ (Indiana Jones and the Temple of Doom, USA 1984) und „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ (Indiana Jones and the Last Crusade, USA 1989) der Liebling des Kinopublikums. Für die Indiana-Jones-Filme hatten sich die damaligen Hollywood-Wunderknaben George Lucas und Steven Spielberg zusammengetan. 2008 folgte mit „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ (Indiana Jones and the Kingdom of the Crystal Skull) eine rundum enttäuschende weitere Zusammenarbeit des Teams Lucas/Spielberg. Aber weil die Kasse stimmte, ist derzeit ein fünfter „Indiana Jones“-Film im Gespräch.

Aber Harrison Ford ruhte sich auf seinem Blockbuster-Ruhm nicht aus, sondern er spielte auch in anspruchsvollen Filmen mit und er hatte dabei ein glückliches Händchen. Mit Peter Weir drehte er den Thriller „Der einzige Zeuge“ (Witness, USA 1985) und das Selbstfindungsdrama „Mosquito Coast“ (The Mosquito Coast, USA 1986), mit Roman Polanski in Paris die Hitchcock-Pastiche „Frantic“ (USA 1988). Mit Phillip Noyce drehte er die beiden Tom-Clancy-Verfilmungen „Die Stunde der Patrioten“ (Patriot Games, USA 1992) und „Das Kartell“ (Clear and Present Danger, USA 1994). Und Andrew Davis‘ Kinoneuauflage der erfolgreichen TV-Serie „Auf der Flucht“ (The Fugitive, USA 1993) war ein Erfolg.

Mit dem Thriller „Air Force One“ (USA 1997) erledigte er, unter der Regie von Wolfgang Petersen, als US-Präsident eigenhändig eine Bande von Terroristen, die seine Präsidentenmaschine entführten.

In den letzten Jahren wurde es dann ruhiger mit Filmen wie Kathryn Bigelows U-Boot-Drama „K-19 – Showdown in der Tiefe“ (K-19: The Widowmaker, USA 2001), Ron Sheltons Cop-Komödie „Hollywood Cops“ (Hollywood Homicide, USA 2003) und Richard Loncraines okayen Geiselnahme-Thriller „Firewall“ (USA 2006).

Letztes Jahr war er mit der RomCom „Morning Glory“ (USA 2010) als stinkstiefeliger Journalist (wobei Harrison Ford und Komödien nie richtig funktionierten) und in Jon Favreaus kurzweiligen Crossover aus Science-Fiction und Western, „Cowboys & Aliens“ (USA 2011) in den Kinos.

Demnächst stehen die Orson-Scott-Card-Science-Ficton-Romanverfilmung „Ender’s Game“ (Regie: Gavin Hood), das Sportler-Biopic „42“ von Brian Helgeland („L. A. Confidential“, „Mystic River“ und „Die Entführung der Pelham 1 2 3“) und der Thriller „Paranoia“, nach einem Roman von Joseph Finder und inszeniert von „21“-Regisseur Robert Luketic auf seinem Terminkalender. Das klingt doch vielversprechend.

 

Bis dahin:

 

Herzlichen Glückwunsch, Harrison Ford!

 

 

 


TV-Tipp für den 13. Juli: Im Dreck verreckt

Juli 12, 2012

RBB, 00.00

Im Dreck verreckt (F/Mex/I 1968, R.: José Giovanni)

Drehbuch: José Giovanni

LV: John D. Carrick: The Vulture, 1966 (Der Geier)

Lino Ventura spielt einen Profikiller, der in Südamerika den Landespräsidenten umbringen soll.

Spannender, in Mexico gedrehter, Abgesang auf den Homme Solitaire.

Auch bekannt als „Fremder, wohin gehst du?“

Hinweise

Homepage von/über José Giovanni

Wikipedia über José Giovanni (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über José Giovanni

Meine Besprechung des Films “Die Abenteurer” (nach einem Buch von José Giovanni, mit Lino Ventura)

Kriminalakte über José Giovanni und Lino Ventura


Neu im Kino/Filmkritik: Noomi Rapace hat Angst vor dem „Babycall“

Juli 12, 2012

Noomi Rapace haben wir in den letzten Jahren als Lisbeth Salander in den Stieg-Larsson-Verfilmungen „Verblendung“, „Verdammnis“ und „Vergebung“ und als ebenfalls schlagkräftige Zigeuner-Wahrsagerin in Guy Ritchies „Sherlock Holmes: Spiel im Schatten“ kennen gelernt – und in Ridley Scotts Irgendwie-„Alien“-Prequel „Prometheus“ scheint sie wieder kein verhuschtes Mäuschen zu spielen.

Aber genau das spielt sie in Pål Sletaunes neuem Film „Babycall“ und allein schon dieser Besetzungscoup verschafft dem Psychothriller die nötige Aufmerksamkeit. Dabei ist die Story, die sich auf die von Noomi Rapace grandios gespielte Anna konzentriert, auch gut.

Anna ist die sehr verängstigte und überfürsorgliche Mutter des achtjährigen Anders. Sie hat auch allen Grund dazu. Ihr gewalttätiger Mann hatte Anders während eines Streits aus dem Fenster eines höheren Stockwerks gehalten. Danach bekamen Anna und Anders vom Sozialamt eine neue Identität und eine neue Wohnung in einer anonymen Mietskaserne. Hier könne, versichern ihr ihre beiden Sozialarbeiter beim Einzug, ihr Mann sie niemals finden.

Die zutiefst traumatisierte und verängstigte Anna will die ihr gebotene Chance auf ein neues Leben ergreifen. Gleichzeitig lässt sie, aus lauter Angst um das Leben von Anders, ihren Sohn nur neben sich im Bett schlafen. Sogar in der Schule würde sie am liebsten während des Unterrichts neben ihm sitzen.

Erst als die sie betreuenden Sozialarbeiter, ihr sagen, dass sie, wenn Anders nicht in seinem Zimmer schlafen dürfe, das Sorgerecht verliere, lässt sie ihn nachts alleine schlafen. Davor hat sie allerdings ein Babyphon gekauft. So hört sie immer, dass mit ihrem Sohn alles in Ordnung ist.

In der Nacht wird sie wach. Durch das Babyphon hört sie einen Streit. Aber Anders schläft friedlich in seinem Bett.

Etwas später erzählt ihr Anders, dass sein Vater ihn in der Schule besucht habe.

Und wir fragen uns, ob sie wirklich hört, wie eine andere Frau geschlagen wird, ober ob sie von ihrem Mann in den Wahnsinn getrieben werden soll oder ob sie das alles zusammenfantasiert. Immerhin hört sie die Stimmen nur, wenn sie allein ist. Und der See, zu dem sie mit Anders gehen will, ist plötzlich nicht mehr da.

Autor und Regisseur Pål Sletaune (Next Door, Wenn der Postmann gar nicht klingelt) legt in dem Psychothriller, in dem er Anna konsequent von Männern umgibt, die falschen Fährten kunstvoll und reichlich aus und so bleibt bis zum Schluss unklar, was in Annas Leben Wahn und Wirklichkeit ist.

Kameramann John Andreas Andersen (zuletzt „Jo Nesbø’s Headhunters“ und „King of Devil’s Island“) findet dazu die richtigen Bilder, die mit ihrem kühl-distanziertem Blick eine Objektivität vortäuschen, die sich am Ende als falscher Schein entpuppt. Jedenfalls irgendwie.

Babycall (Babycall, Norwegen 2011)

Regie: Pål Sletaune

Drehbuch: Pål Sletaune

mit Noomi Rapace, Kristoffer Joner, Vetle Qvenild Werring, Stig R. Amdam, Maria Bock

Länge: 95 Minuten

–

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Babycall“

Rotten Tomatoes über „Baby Call“

Wikipedia über „Baby Call“


TV-Tipp für den 12. Juli: Freiheit fürs Internet

Juli 12, 2012

3sat, 20.15

Freiheit fürs Internet

45-minütige Doku die zeigt, welches Potential in einem freien und unzensiertem Internet steckt – und warum Regierungen das nicht gut finden.

Ab 21.00 Uhr beschäftigt sich „scobel“ eine Stunde mit dem Thema.

Einige Infos zur Doku, inclusive dem Zugang zur Mediathek, gibt es hier.

 


Kurze Lobhuddelei auf Daniel Woodrells „Der Tod von Sweet Mister“

Juli 11, 2012

Der übergewichtige Shug ‚Shuggie‘ Akins ist erst dreizehn Jahre alt. Trotzdem muss er schon den halben Haushalt schmeißen. Seine Mutter Glenda, die ihn liebevoll „Sweet Mister“ nennt, ist eine Trinkerin mit wechselnden Liebhabern. Die jüngste Eroberung der Schönheit ist Red, der als wahres Vorbild Shuggie in die Feinheiten des kleinkriminellen Lebens einführt und nebenbei Glenda verprügelt.

Als Jimmy Vin Pearce in seinem Ford Thunderbird auftaucht, ist er, allein schon durch sein Auto, für Glenda die Verheißung auf ein besseres Leben und als die Konflikte eskalieren, sieht Shuggie seine Chance gekommen.

Mit „Der Tod von Sweet Mister“, das im Original bereits vor über zehn Jahren erschien, erzählte Daniel Woodrell seine in den Ozarks spielende Geschichte erstmals aus der Perspektive eines Jugendlichen. In seinem nächsten Roman „Winters Knochen“ (Winter’s Bone, 2006), der auch erfolgreich verfilmt wurde, war eine Jugendliche, die, um ihr heruntergekommenes Haus vor einer Pfändung zu bewahren, ihren verschwundenen Vater finden musste, die Protagonistin.

Dennoch sind diese beiden Country-Noirs keine Kinder- oder Jugendbücher. Dafür müssen Shuggie und Ree Dolly, die immerhin schon Sechzehn ist, viel zu früh Verantwortung für sich und ihre Familie übernehmen. Immerhin spielen Woodrells Geschichten, bis auf seinen Western „Zum Leben verdammt“ (Woe to live on, 1987, später wegen der Verfilmung „Ride with the Devil“), in der Gegenwart in den Ozarks, einem Waldgebiet in Missouri, das, jedenfalls in den grandiosen Büchern von Daniel Woodrell, eine Hochburg der Hinterwäldler und des White Trashs ist, und wo sich Armut und kriminelle Aktivitäten glänzend verstehen.

Daniel Woodrell, der in West Plains,Missouri, lebt, beschreibt deren Leben, ohne etwas zu beschönigen, aber mit deutlicher Sympathie, in wenigen, präzise gewählten Worten und Bildern. Allein schon der Anfang von „Der Tod von Sweet Mister“ sagt so unglaublich viel über den Erzähler Shuggie, Red, deren Leben und die kommenden Ereignisse: „Als wir die Staatsgrenze überquert hatten, sagte Red, ich solle aussteigen und den Pick-up in eine andere Farbe umlackieren. Seine Stimme schien für mich immer voll von diesen Würmern zu sein, die einen fressen, wenn man tot ist. Seine Stimme wollte mich diesen wartenden Würmern vorstellen.“

In knappen Szenen und dem Mut zur klug gesetzten Lücke, die vom Leser ausgefüllt werden muss, treibt Daniel Woodrell seine Geschichten voran. So bleiben seine Bücher angenehm schlank. Gleichzeitig lenkt nichts von seiner düsteren Weltsicht ab.

Insofern ist auch „Der Tod von Sweet Mister“ eine Mogelpackung. Denn anstatt einer schnellen und entsprechend schnell vergessenen Lektüre für einen lauen Sommerabend gibt es eine Geschichte, die einen noch lange danach beschäftigt.

Hinweis 1: Neue Daniel-Woodrell-Fans dürfen sich auf die Wiederveröffentlichung seiner drei René-Shade-Romane, die im November, bei Heyne als Sammelband „Im Süden: Die Bayou-Trilogie“ erscheinen, freuen. Die drei Romane waren seit Ewigkeiten nicht mehr erhältlich.

Hinweis 2: Daniel Woodrell ist, pünktlich zur Taschenbuchausgabe von „Winters Knochen“ (ebenfalls bei Heyne), vom 12. bis 18. September in Deutschland auf Lesereise. Die genauen Daten demnächst.

Daniel Woodrell: Der Tod von Sweet Mister

(übersetzt von Peter Torberg)

Liebeskind, 2012

192 Seiten

16,90 Euro

–

Originalausgabe

The Death of Sweet Mister

Marian Wood Books/G. P. Putnam’s Son, 2001

–

Hinweise

Kaliber.38 über Daniel Woodrell

Mordlust über Daniel Woodrell

Wikipedia über Daniel Woodrell

The Independent: John Williams über Daniel Woodrell (16. Juni 2006)

The Southeast Review interviewt Daniel Woodrell (1. April 2009)

River Cities’ Reader über Daniel Woodrell (8. April 2010)

The Wall Street Journal/Speakeasy (Steven Kurutz) unterhält sich mit Daniel Woodrell über “Winter’s Bone” (27. Februar 2011)

Daniel Woodrell bei Mulholand Books

Meine Besprechung von Daniel Woodrells „Winters Knochen“ (Winter’s Bone, 2006)

Daniel Woodrell in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 11. Juli: Der Swimmingpool

Juli 10, 2012

HR, 00.15

Der Swimmingpool (F/I 1968, R.: Jacques Deray)

Drehbuch: Jean-Emmanuel Conil (Pseudonym von Alain Page), Jean-Claude Carrière (Adaption und Dialoge), Jacques Deray (Adaption und Dialoge)

Viel Story hat „Der Swimmingpool“ nicht, aber darum ging es auch nicht. Denn das High Concept hieß: Das ehemalige Liebespaar „Alain Delon und Romy Schneider am Swimmingpool. Und Jane Birkin ist auch dabei.“

Denn der Filmplot ist eine (wenn man mehr als Delon und Schneider leicht bekleidet am Swimmingpool sehen will) arg zähe Dreiecksgeschichte mit Sex und Mord unter der südfranzösischen Sonne.

mit Alain Delon, Romy Schneider, Maurice Ronet, Jane Birkin

Hinweise

Homepage von Alain Delon

Wikipedia über Alain Delon (deutsch, englisch, französisch)

Wikipedia über „Der Swimmingpool“ (deutsch, englisch, französisch)

Meine Besprechung von „Der Leopard“ (mit Alain Delon und Burt Lancaster)

Meine Besprechung von „Die Abenteurer“ (mit Alain Delon und Lino Ventura)

Alain Delon in der Kriminalakte

Kriminalakte zum 75. Geburtstag von Alain Delon


Der emsige Robert Kirkman zwischen „The Walking Dead“ und „Haunt“

Juli 10, 2012

Robert Kirkmans „The Walking Dead“-Universum expandiert unaufhörlich. Zuerst ins Fernsehen mit einer erfolgreichen TV-Serie, die schnell – und auf Wunsch von Kirkman, der Mitproduzent ist – mit den aus der Comicserie bekannten Charakteren eigene Wege beschritt. In den USA wartet man schon auf die dritte Staffel der grandiosen Serie.

Die Tage erschien bei Heyne der Roman „The Walking Dead“ von Robert Kirkman und Jay Bonansinga. In dem Roman, der der Auftakt einer Trilogie ist, erzählen sie, wie Philip Blake zu dem selbsternannten Gouverneur von Woodbury wird. Der Despot war in den „The Walking Dead“-Sammelbänden 5 bis 8 der schreckliche Gegner von Rick Grimes und der von ihm angeführten Gruppe Überlebender.

Es gibt eine Webserie und Computerspiele, die mich nicht sonderlich interessieren.

Und dann gibt es auch noch das Mutterschiff: die Comicserie, von der in den USA gerade das einhundertste Heft veröffentlicht wurde und ein Ende der Geschichte ist nicht absehbar. Inzwischen ist der Grund für die Zombieplage, die fast alle Menschen tötete, ziemlich egal. Schließlich geht es Robert Kirkman schon seit den ersten „The Walking Dead“-Heften nicht um fröhliches Zombie-Klatschen oder um brachiale Zeitkritik, sondern um die Frage, wie Menschen in einer für sie neuen Situation überleben und sie ihr Leben in einer feindlichen Welt organisieren. Er fragt, was das Menschsein ausmacht und zeigt dies an den unterschiedlichen Reaktionen einer Gruppe von Menschen, die durch die USA reisen. Ihr letztes Ziel war Washington, D. C., weil es dort eine Erklärung und ein Mittel gegen die Zombies geben sollte.

Auf ihrer Reise dorthin erlebte die von Rick Grimes angeführte Gruppe viele Abenteuer. Grimes ist ein Polizist, der die Katastrophe nach einer Schussverletzung im Koma überlebte, seine inzwischen verstorbene Frau und ihren Sohn Carl suchte, sich einer Gruppe Überlebender anschloss und, aufgrund seiner Führungsqualitäten, schnell ihr Anführer wurde. Zuletzt trafen sie auf eine andere Gruppe und Grimes fand in deren Anführer, dem Soldaten Abraham „Abe“ Ford, einen ähnlich denkenden Freund. Gemeinsam machten sie sich auf den Weg in die Hauptstadt.

Washington entpuppte sich dann als falsches Versprechen. Aber sie fanden die Kommune Alexandria, die auf Grimes und die anderen wie das Paradies wirkt. Denn dort lebt, abgeschottet von der feindlichen Umwelt, eine friedliche Gemeinschaft, die das Gegenteil von Woodbury ist und auch wohnlicher als das Gefängnis, das ihnen eine Zeit lang als Unterschlupf diente, sind die Vorstadthäuser allemal.

Der vierzehnte „The Walking Dead“-Sammelband endete mit einem für sie verlustreichen Angriff der Zombies auf die Siedlung. Auch Carl Grimes wurde durch eine Kugel am Kopf schwer verletzt.

Der jetzt erschienene fünfzehnten „The Walking Dead“-Sammelband „Dein Wille geschehe“ (der die Hefte 85 bis 90 enthält) führt die Geschichte nahtlos fort. Aber Autor Robert Kirkmann, wie immer fabelhaft unterstützt von den Zeichnern Charlie Adlard und Cliff Rathburn (der für die Grautöne zuständig ist), gibt der Geschichte einen neuen Dreh. Denn Rick Grimes, der bislang das Überleben seiner Familie immer an die erste Stelle gesetzt hat, will jetzt nicht mehr nur Überleben, sondern eine neue Gemeinschaft aufbauen. Alexandria soll der Nukleus für eine neue Welt werden. Die Rückkehr zur Zivilisation.

Aber nicht jeder kann sich damit anfreunden, dass er der quasi selbsternannte Anführer ist und dass die von Grimes geführte Gruppe, die lange Zeit in der Wildnis überlebte und daher gewohnt ist, ihre Ziele im Zweifelsfall rücksichtslos zu verfolgen, jetzt die Zukunft der Stadt bestimmen soll.

„Dein Wille geschehe“ erzählt die Geschichte von Rick Grimes spannend fort und endet mit einem hoffnungsvollem Cliffhanger. Jedenfalls für „The Walking Dead“-Verhältnisse.

Als Bonusmaterial gibt es den fünfzehnten und letzten Teil der informativen Zombie-Guide, der sich dieses Mal mit George A. Romeros Spätwerk, anderen zeitgenössischen Zombie-Filmen und, wegen „Rammbock“, dem Kleinen Fernsehspiel beschäftigt.

Mal sehen, was die Jungs von Cross Cult für den sechzehnten „The Walking Dead“-Sammelband „Eine größere Welt“, der im Herbst erscheint, als Bonusmaterial beigeben.

Neben „The Walking Dead“ erfand und schrieb Robert Kirkman, zusammen mit seinem Idol Todd McFarlane, auch die Superheldenserie „Haunt“ und wegen „The Walking Dead“ hörte er nach dem 18. „Haunt“-Heft auf. Denn die „The Walking Dead“-TV-Serie beanspruchte zu viel Zeit. Für Todd McFarlane, der selbst mit einem „Spawn“-Drehbuch beschäftigt war, war das die Gelegenheit, die Serie in andere Autorenhände zu übergeben. Ab dem 19. Heft haben Autor Joe Casey und Zeichner Nathan Fox die Serie übernommen. Deren Einstand als Autor/Zeichner-Team ist, gesammelt in vierten „Haunt“-Sammelband, für Mitte August angekündigt.

Haunt ist ein Superwesen, das durch die Verbindung von Daniel Kilgore, einem Priester, und seinem Bruder Kurt, einem US-Geheimagenten, der bei einer Mission starb, entstand und, nachdem die Agency von Daniel Kilgores Fähigkeiten erfahren hat, ihn verpflichtete.

Ein Blick auf die davor erschienenen, noch von Todd McFarlane und Robert Kirkman geschriebenen „Haunt“-Hefte 13 bis 18, die in „Haunt – Band 3“ erschienen sind, lässt mich vermuten, dass der Autorenwechsel eine kluge Entscheidung war. Denn die Geschichten plätschern durchaus kurzweilig, aber auch etwas ziellos vor sich hin. Da hilft auch das Auftauchen von dem „Gespenst“, einem für fast alle unsichtbarem, roten Wesen, das Haunt mächtig Probleme bereitet, nicht.

–

Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburn: The Walking Dead 15: Dein Wille geschehe

(übersetzt von Marc-Oliver Frisch)

Cross Cult, 2012

152 Seiten

16 Euro

–

Originalausgabe

The Walking Dead, Vol. 15: We find ourselves

Image Comics, 2012

–

enthält

The Walking Dead, # 85 – 90

–

Todd McFarlane/Robert Kirkman/Greg Capullo: Haunt – Band 3

(übersetzt von Claudia Fliege)

Panini, 2012

132 Seiten

16,95 Euro

–

Originalausgabe

Haunt # 13 – 18

Image, 2011

–

Hinweise

Offizielle „The Walking Dead“-Seite

Wikipedia über „The Walking Dead“ (deutsch, englisch)

AMC-Blog zu „The Walking Dead“

„The Walking Dead“-Fanseite

„The Walking Dead“-Wiki

Spiegel Online: Interview mit Charlie Adlard (21. Oktober 2011)

Kriminalakte: Meine Gesamtbesprechung der ersten zehn „The Walking Dead“-Bände

 Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 11: Jäger und Gejagte“ (The Walking Dead Vol. 11: Fear the hunters)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 12: Schöne neue Welt“ (The Walking Dead Vol. 12: Life among them)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 13: Kein Zurück“ (The Walking Dead Vol. 13: Too far gone, 2011)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead 14: In der Falle“ (The Walking Dead Vol. 14: No way out, 2011)

Meine Besprechung von Robert Kirkman/Tony Moore/Charlie Adlard/Cliff Rathburns „The Walking Dead – Die Cover, Volume 1“ (The Walking Dead: The Covers, Vol. 1, 2010)

Meine Besprechung der TV-Serie „The Walking Dead – Staffel 1“ (USA 2010)

Kriminalakte: das Comic-Con-Panel zur TV-Serie

“The Walking Dead” in der Kriminalakte 

Homepage von Todd McFarlane

Meine Besprechung von Todd McFarlane (Tusche, Co-Creator)/Robert Kirkman (Autor, Co-Creator)/Ryan Ottley (Zeichner)/Greg Capullo (Zeichner) „Haunt – Band 1“ (Haunt, Vol 1 – 5, 2010)

Meine Besprechung von Todd McFarlane (Tusche, Co-Creator)/Robert /Kirkman (Autor, Co-Creator)/Greg Capullo (Zeichner) „Haunt – Band 2“ (Haunt, Vol. 6 – 12, 2010)

–

Bonushinweis

Noch nicht gelesen, aber der Vollständigkeit halber und weil in den USA bereits im Oktober „The Road to Woodbury“, der zweite „The Walking Dead“-Roman von Robert Kirkman und Jay Bonansinga erscheint, gibt es die bibliographischen Angaben zum ersten „The Walking Dead“-Roman und einen Einblick in die Buchvorstellung.

Einige von Bonansingas älteren Romanen erschienen bei verschiedenen deutschen Verlagen. Die meisten bei rororo, einige noch beim Buchhändler ihres Vertrauens, die meisten inzwischen beim Antiquar ihres Vertrauens.

Robert Kirkman/Jay Bonansinga: The Walking Dead

(übersetzt von Wally Anker)

Heyne, 2012

448 Seiten

8,99 Euro

–

Originalausgabe

The Walking Dead: Rise of the Governor

St. Martin’s Griffin/Thomas Dunne Books, 2011

 


Cover der Woche

Juli 10, 2012


TV-Tipp für den 10. Juli: Allah in Ehrenfeld

Juli 10, 2012

ARD, 22.45

Allah in Ehrenfeld (D 2012, R.: Birgit Schulz, Gerhard Schick)

Drehbuch: Birgit Schulz, Gerhard Schick

Super! Da bringt das Erste eine spielfilmlange Dokumentation über den Bau der Zentralmoschee im Kölner Stadtteil Ehrenfeld und den Streit, der den Moscheebau seit der Vorstellung der Pläne, über den Baubeginn bis zum Bauende begleitet – und versteckt sie mitten in der Nacht. „Der Dicke“ und „In aller Freundschaft“ sind halt wichtiger. Außerdem kann man sich – hoffe ich – die Doku ja in der Mediathek ansehen. Damit ist der Bildungsauftrag dann erfüllt.

Hinweise

ARD über die Doku

Bildersturm-Film über „Allah in Ehrenfeld“


R. i. P. Ernest Borgnine

Juli 9, 2012

R. i. P.: Ernest Borgnine (24. Januar 1917, Hamden, Connecticut – 8. Juli 2012, Los Angeles, Kalifornien)

Irgendwie war Ernest Borgnine immer da. Über 200 Filme drehte er seit 1951, als er in „China Corsair“ sein Debüt als Hu Chang gab.

Danach spielte er in „Verdammt in alle Ewigkeit“ (1953), „Johnny Guitar“ (1954), „Vera Cruz“ (1954), „Marty“ (1955 – für diese Rolle erhielt er unter anderem den Oscar, Golden Globe und BAFTA-Award als bester Hauptdarsteller), „Das dreckige Dutzend“ (1967), „Eisstation Zebra“ (1968), „The Wild Bunch“ (1969), „Ein Zug für zwei Halunken“ (1973), „Convoy“ (1978), „Die Klapperschlange“ (1981), „Gattaca“ (1997), „R. E. D. – Älter. Härter. Besser.“ (2010) und in der TV-Serie „Airwolf“ (1984 – 1986) mit. Um nur einige seiner wichtigeren und bekannteren Filme zu nennen.

Sein letzter Film „The Man Who Shook the Hand of Vicente Fernandez“ (2012), sogar mit ihm in der Hauptrolle, wartet noch auf die richtige Auswertung. Beim Newport Beach Film Festival erhielt er den Preis in der Kategorie „Outstanding Achievement in Acting“.

Erste Nachrufe gibt es im Guardian, New York Times, Huffington Post (ausführliche AP-Meldung), Deadline Hollywood – und mehr demnächst.

Bis dahin könnt ihr euch dieses zweieinhalbstündige Interview vom 10. Oktober 2008 im „Archive of American Television“ ansehen.


TV-Tipp für den 9. Juli: Cruising

Juli 9, 2012

Arte, 22.10

Cruising (USA 1980, R.: William Friedkin)

Drehbuch: William Friedkin

LV: Gerald Walker: Cruising, 1970

Polizist Steve Burns soll undercover in der New Yorker schwulen SM-Subkultur einen Mörder suchen.

Als William Friedkin den Film drehte, protestierte die schwule Gemeinschaft gegen den Film und die Kritik ging damals auch eher ungnädig mit dem Film um. Z. B. „auf Kosten dieses Milieus haut Regisseur William Friedkin kräftig auf die Pauke. Tabuisierte Minderheiten werden vor die Kamera gezerrt, doch nicht, um Wirklichkeit zu zeigen, sondern um Effekte mit der Kamera zu erhaschen.“ (Fischer Film Almanach 1981)

Es gab auch drei Razzie-Nominierungen: für das Drehbuch, die Regie und den Film.

Aus heutiger Sicht ist „Cruising“ ein faszinierender, quasi-dokumentarischer Einblick in die homosexuelle Lederszene vor Aids und erstaunlich vorurteilsfrei, was sich vor allem an den Polizisten zeigt, die, bis auf zwei Streifenpolizisten (Hinweis: merken Sie sich die Gesichter der beiden Polizisten!), keine Vorurteile gegen Homosexuelle haben und sich nach Kräften bemühen, den Täter zu fangen. Man könnte „Cruising“ sogar fast schon als schwulenfreundlich bezeichnen.

Für Friedkin war „Cruising“ immer eine Kriminalgeschichte in einem faszinierendem Milieu (deshalb ergriff er auch nicht für oder gegen die porträtierte Szene Partei), die mehr Fragen stellte, als Antworten lieferte. Das beginnt schon damit, dass am Ende zwar ein Mörder verhaftet wird, aber es unklar bleibt, welche Morde er begangen hat. Es werden auch Fragen nach der Identität und dem Selbstverständnis gestellt. Und das Ende ist ein ziemlicher Schocker, das viele neue Fragen stellt. Heute würde ein solcher Film wohl nicht mehr gedreht werden.

Für den Film ließ sich Friedkin von echten Mordfällen inspirieren, er recherchierte ausführlich in dem Milieu, unterhielt sich mit Polizisten, die teilweise auch im Film mitspielten, darüber und er drehte vor Ort, mit Männern aus der Szene.

Die Initialzündung für „Cruising“ war für Friedkin ein Gespräch mit Randy Jurgensen, der, wie der Filmheld Steve Burns, undercover im SM-Milieu einen Serienmörder jagte und selbst etliche der Probleme hatte, die Burns in dem Film hat. Jurgensen spielte in „Cruising“ Det. Lefransky.

Mit dem schon 1970 erschienenem Roman von Gerald Walker hat sein Film, so Friedkin, nichts zu tun.

„Cruising“ ist kein perfekter Film (und ich würde schon gerne wissen, was in den vierzig Minuten, die vor dem Kinostart aus dem Film herausgeschnitten wurden und verschwunden sind, erzählt wurde), aber „Cruising“ ist ein faszinierender Einblick in eine fremde Welt und ein zutiefst beunruhigender Film. Immer noch.

mit Al Pacino, Paul Sorvino, Karen Allen, Richard Cox, Don Scardino, Joe Spinell, Randy Jurgensen (Polizist, Berater und Inspiration für „Cruising“), Barton Heyman, Gene Davis, Arnaldo Santana, Larry Atlas, Allan Miller, Sonny Grosso (noch ein Polizist, der schon bei „The French Connection“ dabei war), Ed O’Neill (Debüt, später hatte er eine schrecklich nette Familie), James Remar (fast sein Filmdebüt), Leo Burmester (Debüt), Powers Boothe (fast sein Filmdebüt)

Wiederholung: Freitag, 27. Juli, 00.50 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Rotten Tomatoes über „Cruising“

Wikipedia über „Cruising“ (deutsch, englisch)

Bright Lights Film über „Cruising“ (April 1996)

Rouge: Bill Krohn über „Cruising“ (2004)

Fipresci: Adrian Martin über „Cruising“ (2008)

The Hollywood Interview: William Friedkin über „Cruising“ (2007)

 


Dagger-Preise, die Erste – und einige weitere Dagger-Nominierungen

Juli 8, 2012

Die britische Autorenvereinigung Crime Writers’ Association (CWA) hat die ersten Dagger-Preise des 2012er Jahrgangs verliehen:

CWA International Dagger

The Potter’s Field, von Andrea Camilleri, übersetzt von Stephen Sartarelli (Mantle)

nominiert

I Will Have Vengeance, von Maurizio de Giovanni, übersetzt von Anne Milano Appel (Hersilia Press)

Until Thy Wrath Be Past, von Åsa Larsson, übersetzt von Laurie Thompson (Quercus/MacLehose)

Trackers, von Deon Meyer, übersetzt von T.K.L Seegers (Hodder & Stoughton)

Phantom, von Jo Nesbø, übersetzt von Don Bartlett (Harvill Secker)

The Dark Valley, von Valerio Varesi, übersetzt von Joseph Farrell (Quercus/MacLehose)

–

CWA Non-fiction Dagger

The Eleventh Day, von Anthony Summers und Robbyn Swan (Transworld/Doubleday)

nominiert

To Live Outside the Law, von Leaf Fielding (Serpent’s Tail)

Dark Market, von Misha Glenny (Vintage)

Hood Rat, von Gavin Knight (Pan Macmillan)

The Negotiator, von Ben Lopez (Little, Brown)

Witness, von David Smith, mit Carol Ann Lee (Mainstream)

–

CWA Short Story Dagger (zusammen)

The Message, von Margaret Murphy (aus „Murder Squad: Best Eaten Cold and Other Stories“, herausgegeben von Martin Edwards; The Mystery Press)

Laptop, von Cath Staincliffe (aus „Murder Squad: Best Eaten Cold and Other Stories“)

nominiert

The Golden Hour, von Bernie Crossthwaite (aus „Guilty Consciences“, herausgegeben von Martin Edwards; Severn House)

Hixton, von William Kent Krueger (aus „Crimes by Moonlight“, herausgegeben von Charlaine Harris; Gollancz)

He Did Not Always See Her, von Claire Seeber (aus „Guilty Consciences“)

A Long Time Dead, von Mickey Spillane und Max Allan Collins (aus „The Best American Mystery Stories 2011“, herausgegeben von Harlan Coben und Otto Penzler; Corvus)

–

CWA Ellis Peters Historical Dagger

Icelight, von Aly Monroe (John Murray)

nominiert

The Crown, von Nancy Bilyeau (Orion)

I Will Have Vengeance, von Maurizio de Giovanni (Hersilia Press)

Bitter Water, von Gordon Ferris (Corvus)

Prague Fatale, von Philip Kerr (Quercus)

Sacrilege, von S.J. Parris (HarperCollins)

A Willing Victim, von Laura Wilson (Quercus)

–

CWA Dagger in the Library

Steve Mosvon

nominiert

Belinda Bauer

S.J. Bolton

Susan Hill

Peter May

Imogen Robertson

–

CWA Debut Dagger

Beached, von Sandy Gingras

nominiert

Death von Glasgow, von Jon Breakfield

Easy to Die, von Sean Carpenter

The Watchers, von Karen Catalona

One Man Army, von Bram E. Gieben

Trick, von Sean Hancock

Broken-Winged Bird, von Renata Hill

Death Knell, von Rob Lowe

Chasing Shadows, von Lesley McLaren

The Wrong Domino, von Simon Miller

Message from Panama, von Britt Vasarhelyi

Port of Spain, von Elizabeth Wells

–

Aber das ist noch nicht alles. Denn es gibt noch Longlists für drei weitere Dagger-Kategorien:

The John Creasey (New Blood) Dagger

The Doll Princess, von Tom Benn (Jonathan Cape)

Heart-Shaped Bruise, von Tanya Byrne (Headline)

A Land More Kind than Home, von Wiley Cash (Bantam)

So Much Pretty, von Cara Hoffman (Century)

Good People, von Ewart Hutton (HarperCollins)

Turn of Mind, von Alice LaPlante (Harvill Secker)

The Expats, von Chris Pavone (Faber and Faber)

What Dies in Summer, von Tom Wright (Canongate)

–

The Ian Fleming Steel Dagger

Dare Me, von Megan Abbott (Picador)

The Shadow Patrol, von Alex Berenson (Headline)

A Foreign Country, von Charles Cumming (HarperCollins)

The Fear Index, von Robert Harris (Hutchinson)

The Dispatcher, von Ryan David Jahn (Macmillan)

Uncommon Enemy, von Alan Judd (Simon & Schuster)

The Child Who, von Simon Lelic (Mantle)

Reamde, von Neal Stephenson (Atlantic)

–

The Gold Dagger

A Land More Kind than Home, von Wiley Cash (Bantam)

Vengeance in Mind, von N.J. Cooper (Simon & Schuster)

Grandad, There’s a Head on the Beach, von Colin Cotterill (Quercus)

The Flight, von M.R. Hall (Mantle)

The Rage, von Gene Kerrigan (Vintage)

Turn of Mind, von Alice LaPlante (Harvill Secker)

The Child Who, von Simon Lelic (Mantle)

Bereft, von Chris Womersley (Quercus)

–

Wer diese Dagger-Preise erhält, wird in einigen Monaten bekannt gegeben.

(via The Rap Sheet)

 


TV-Tipp für den 8. Juli: Wag the Dog – Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt

Juli 8, 2012

ZDFneo, 23.05

Wag the dog – Wenn der Schwanz mit dem Hund wedelt (USA 1997, R.: Barry Levinson)

Drehbuch: Hilary Henkin, David Mamet

LV: Larry Beinhart: American Hero, 1991 (American Hero)

Ein Medienberater rät dem Stab des Präsidenten, einen Krieg in Albanien zu inszenieren, um von einer Sexaffäre des Präsidenten abzulenken. Nach einem überzeugenden Anfang gerät das Ablenkungsmanöver außer Kontrolle.

Köstliche Medien- und Politsatire, die von Beinharts langatmigem Buch nur die Idee („Wir fälschen einen Krieg. Merkt doch keiner.“) übernimmt und durch die damaligen politischen Ereignisse (Clinton-Lewinsky-Affäre, Jugoslawien) eine nicht geplante tagespolitische Brisanz erhielt.

Mit einer bestens aufgelegten Riege von Schauspielern: Dustin Hoffman, Robert De Niro, Anne Heche, Denis Leary, Willie Nelson, Kirsten Dunst, William H. Macy, Woody Harrelson

Hinweise

Drehbuch „Wag the Dog“ von David Mamet

Homepage von Larry Beinhart

Huffington Post: Kolumne von Larry Beinhart

Meine Besprechung von Larry Beinharts „Crime – Kriminalromane und Thriller schreiben“


TV-Tipp für den 7. Juli: Hängt ihn höher

Juli 7, 2012

ARD, 23.45

Hängt ihn höher (USA 1967, R.: Ted Post)

Drehbuch: Leonhard Freeman, Mel Goldberg

Oklahoma 1873: Jed Cooper lässt sich zum Deputy Marshal ernennen. So kann er sich auf der Seite des Rechts an den Männern rächen, die ihn hängen wollten.

Nachdem Clint Eastwood mit den Sergio-Leone-Western „Für eine Handvoll Dollar“, „Für ein paar Dollar mehr“ und „zwei glorreiche Halunken“ erfolgreich der Sprung vom Fernsehen ins Kino gelang, kehrte er mit „Hängt ihn höher“ zurück nach Hollywoood und setzte seinen Aufstieg fort. Der Regisseur seines nächsten Films „Coogans großer Bluff“ hieß Don Siegel und der Rest ist Geschichte.

„Hängt ihn höher“ ist ein Rachewestern, der einige unangenehme Fragen stellt.

Richard Schickel nennt in seiner Clint-Eastwood-Biographie von 1996 den Film „einen intelligenten Western, der sich zwar an die Konventionen des Genres hielt, aber dennoch komplex und originell war.“

mit Clint Eastwood, Inger Stevens, Ed Begley, Pat Hingle, Arlene Golonka, Ben Johnson, Bruce Dern, Dennis Hopper, L. Q. Jones

Hinweise

Wikipedia über „Hängt ihn höher“ (deutsch, englisch)

Kriminalakte: Glückwünsche zum achtzigsten Geburtstag von Clint Eastwood

Meine Besprechung von Clint Eastwoods “Hereafter – Das Leben danach” (Hereafter, USA 2010)

Clint Eastwood in der Kriminalakte


DVD-Kritik: Ein Besuch in der „Folterkammer des Hexenjägers“ mit Vincent Price, Lon Chaney jr., Debra Paget, Edgar Allan Poe, H. P. Lovecraft und Roger Corman

Juli 6, 2012

Der deutsche Titel „Die Folterkammer des Hexenjägers“ für „The haunted palace“ ist höchst kreativer Unfug. „Das Spukschloss“ hätte es besser getroffen, aber in den Sechzigern waren die deutschen Verleiher (naja, die anderen auch) immer wieder sehr kreativ bei ihrer Titelsuche.

Der Horrorfilm mit Vincent Price in einer Doppelrolle gehört zu den neun Edgar-Allan-Poe-Verfilmungen von Roger Corman, die schon damals – immerhin hat Corman schon immer darauf geachtet, dass am Ende in der Buchführung eine schwarze Null stand – durch ihre Sets (Studio zwar, Zweitverwertung sowieso, aber WOW), die bekannten Schauspieler (die damals nicht auf dem Höhepunkt ihrer Karriere standen), die atmosphärische Kameraarbeit und die guten Drehbücher beeindruckten. Unter anderem schrieben Richard Matheson, Robert Wright Campbell, die auch als Romanautoren Erfolg hatten, und Robert Towne die Bücher, die eher wenig von Poes Geschichten, aber viel von deren Schaueratmosphäre übernahmen,

Auch „Die Folterkammer des Hexenjägers“ hat all das, aber keinen Hexenjäger und über die Folterkammer könnte man streiten. Es ist eher eine riesige Halle in dem riesigen, über der Neu-England-Gemeinde Arkham thronendem Schloss.

In diesem Schloss verschwanden 1765 die Töchter der Stadt. Die Gemeinde, angeführt von Weeden (Leo Gordon), verbrennt den Schlossherrn Joseph Curven (Vincent Price) auf einem Scheiterhaufen. Mit seinem letzten Atemzug verflucht er Arkham.

Hundertzehn Jahre später taucht Curvens Nachfahre Charles Dexter Ward (ebenfalls Vincent Price) mit seiner jungen Frau Ann (Debra Paget [ihr letzter Spielfilm]) in Arkham auf. Er bezieht das verlassene Schloss – und bald versucht der gar nicht so tote Geist von Joseph Curven von ihm Besitz zu ergreifen. Denn Curven will seine vor hundertzehn Jahren begonnenen Geisterbeschwörungen fortsetzen. Sein damaliger Helfer Simon Orne (Lon Chaney jr.), der als blässlicher Hausverwalter immer wieder wie ein Geist auftaucht, ist schon da. Als Lehrbuch für seine Rituale hat Curven/Ward das Necronomicon.

Genaugenommen ist „Die Folterkammer des Hexenjägers“ keine Edgar-Allan-Poe-Verfilmung (gut, als Originaltitel wurde ein Gedichttitel von Poe genommen), sondern eine, nein, die erste H.-P.-Lovecraft-Verfilmung. Charles Beaumont folgte ziemlich genau Lovecrafts posthum veröffentlichem Roman und Roger Corman verfilmte es mit den Insignien seiner Poe-Verfilmungen. Jedenfalls optisch und mit Vincent Price als Hauptdarsteller in einer Doppelrolle, Lon Chaney jr. (Der Wolfsmensch [The Wolf Man, 1941]) als Faktotum, dem als Nebendarsteller in vielen Filmen der Schwarzen Serie immer zuverlässigen Elisha Cook jr. und vielen aus anderen Corman-Produktionen bekannten Gesichtern auch gut besetzt.

Dazu kommt noch eine Dorfgemeinschaft, die ihre missgestalteten Kinder vor der Öffentlichkeit verbirgt. Curvens erste Begegnung, nachts auf offener Straße, wenn die blinden und missgestalteten Kinder sich ihm und seiner Frau im Nebel langsam nähern und einkreisen, schockiert als Urängste aufgreifendes Bild immer noch – und erinnert an ähnliche Szenen aus später gedrehten Zombiefilmen.

Auch die anderen Kinder, von denen oft wenig zu sehen ist, sind ziemlich erschreckend, während Cthulhu als grünes, sich in einer Flüssigkeit befindendes Wesen, gar nicht so furchterregend ist.

„Die Folterkammer des Hexenjägers“ ist für die Freunde des altmodischen Gruselns ein großer Spaß.

Einige andere Stimmen

„ein faszinierendes Gemeinschaftsprodukt von den beiden Horror-Meistern Amerikas“ meinen James Marriott und Kim Newman in „Horror – Meisterwerke des Grauens von Alien bis Zombie“ (2007)

Sogar Ronald M. Hahn und Volker Jansen fanden in ihrem „Lexikon des Horrorfilms“ (das mit solchen Filmen eher ungnädig umgeht) lobende Worte: „einer der wenigen B-Pictures, die man sich ansehen kann, ohne Bauchschmerzen zu bekommen.“

William K. Everson, ein erklärter Fan der klassischen Horrorfilme (also der Hollywood-Horrorfilme der dreißiger und vierziger Jahre), meinte zu diesem Film immerhin „einer der besseren Roger-Corman-Horrorfilme der sechziger Jahre, als Poe-Verfilmung ausgegeben, tatsächlich eher von Lovecraft inspiriert.“ (Klassiker des Horrorfilms, 1979)

Das „Lexikon des internationalen Films“ meint: „Formal zwar über dem Durchschnitt des Genres, gleichzeitig aber geschmäcklerisch und drastisch; oberflächlich in dem Versuch, die Grenzen vom Sinnlich-Begrifflichen zum Übersinnlichen zu überschreiten.“

Der deutsche Kinostart war am 24. Oktober 1969.

Die Folterkammer des Hexenjägers (The haunted palace, USA 1963)

Regie: Roger Corman

Drehbuch: Charles Beaumont

LV: Edgar Allan Poe: The haunted palace, 1839/H. P. Lovecraft: The Case of Charles Dexter Ward, 1941 (Der Fall des Charles Dexter Ward)

mit Vincent Price, Debra Paget, Lon Chaney jr., Frank Maxwell, Leo Gordon, Elisha Cook jr.

–

DVD

Black Hill

Bild: 2.35:1 (16:8)

Ton: Deutsch, Englisch (DD 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Originaltrailer

Länge: 84 Minuten

FSK: ab 16 Jahre

–

Roger Cormans Edgar-Allan-Poe-Filme

Die Verfluchten (The house of Usher, 1960)

Das Pendel des Todes (Pit and the pendulum, 1961)

Lebendig begraben (The premature burial, 1962)

Der grauenvolle Mr. X (Tales of terror, 1962)

Der Rabe – Duell der Zauberer (The raven, 1963)

Die Folterkammer des Hexenjägers (The haunted palace, 1963 – obwohl genaugenommen eine Lovecraft-Verfilmung)

The Terror – Schloss des Schreckens (The terror, 1963 – obwohl der Film auf keiner Poe-Geschichte beruht, wird er manchmal zu Cormans Poe-Filmen gezählt)

Satanas – Das Schloss der blutigen Begierde (The masque of the Red Death, 1964)

Das Grab der Lygeia (The Tomb of Ligeia, 1964)

–

Hinweise

Wikipedia über „Die Folterkammer des Hexenjägers“

TCM über „Die Folterkammer des Hexenjägers“

H. P. Lovecraft: The Case of Charles Dexter Ward

Edgar Allan Poe: The haunted palace (das Gedicht wurde in „The Fall of the House of Usher“ eingefügt)

AMCTV: Stacie Ponder über „Die Folterkammer des Hexenjägers“ (31. Oktober 2008)

TCM: John H. Miller über „Die Folterkammer des Hexenjägers“

Classic Horror: Julia Merriam über „Die Folterkammer des Hexenjägers“

Senses of View: Carsten Henkelmann über „Die Folterkammer des Hexenjägers (4. September 2003)

Thomas Wagner über Roger Cormans Poe-Verfilmungen

–

Bonusmaterial

Joe Dante (Piranhas, Die Gremlins, Small Soldiers) spricht über „Die Folterkammer des Hexenjägers“

Christopher Lee liest Edgar Allan Poes „The haunted Palace“