Die Liebe eines Detektivs (USA 1990, R.: Alan Rudolph)
Drehbuch: Alan Rudolph
Privatdetektiv Harry Dobbs wird von einer Frau beauftragt, ihren Liebhaber zu beobachten. Dummerweise beobachtet er den Falschen (der eine Affäre hat). Gleichzeitig wird Dobbs, im Auftrag seiner Frau, von einer Kollegin beobachtet. Und das Liebeskarusell beginnt sich, mit Noir-Versatzstücken, zu drehen. Denn es geht, wie eigentlich immer bei Alan Rudolph, mit guten und bekannten Schauspielern und einer eleganten Inszenierung, um „Love at Large“ (so der Originaltitel).
Anscheinend läuft „Die Liebe eines Detektivs“ heute zum ersten Mal im Fernsehen und weil es keine deutsche DVD gibt, sollte man den Film unbedingt ansehen und/oder aufnehmen.
Heute ist Alan Rudolph fast vergessen. Sein letzter Film, „The secret live of Dentists“, liegt schon zehn Jahre zurück. In Deutschland wurde er nie gezeigt. Seine anderen Filme laufen eher selten im Fernsehen und wenn, dann oft zu arg ungünstigen Zeiten.
Zu seinen bekanntesten Werken zählen „Willkommen in L. A.“ (Welcome to L. A., 1976, mit Keith Carradine, Sally Kellerman, Geraldine Chaplin, Harvey Keitel, Lauren Hutton und Sissy Spacek), „Roadie“ (1980, mit Meat Loaf), „Choose Me – Sag Ja“ (Choose Me, 1984, mit Geneviève Bujold und Keith Carradine), „Trouble in Mind“ (1985, mit Kris Kristofferson, Keith Carradine, Lori Singer und Geneviève Bujold) „The Moderns“ (1988, mit Keith Carradine, Linda Fiorentino, John Lone und Geneviève Bujold), „Tödliche Gedanken“ (Mortal Thoughts, 1991, mit Bruce Willis, Demi Moore und Harvey Keitel), „Equinox“ (1991, mit Matthew Modine, Lara Flynn Boyle, Fred Ward und Marisa Tomei), „Mrs. Parker und ihr lasterhafter Kreis (Mrs. Parker and the Vicious Circle, 1994, mit Jennifer Jason Leigh, Matthew Broderick, Jennifer Beals und Andrew McCarthy), „Liebesflüstern“ (Afterglow, 1997, mit Nick Nolte, Julie Christie, Lara Flynn Boyle) und „Breakfast of Champions – Frühstück für Helden (Breakfast of Champions, 1999, mit Bruce Willis, Albert Finney, Nick Nolte, Barbara Hershey, Lukas Haas und Omar Epps).
mit Tom Berenger, Anne Archer, Elizabeth Perkins, Kate Capshaw, Neil Young, Annette O’Toole, Ted Levine
„Woody Allen: A Documentary“ ist, dank der vielen Ausschnitte aus Woody Allens Filmen witzig und auch kurzweilig. Die vielen Interviews mit Woody Allen, seinen Filmproduzenten und Schauspielern sind informativ – und ich würde die Dokumentation, wenn sie als Bonusmaterial auf einer DVD wäre, hemmungslos abfeiern. Aber lohnt es sich, für diese Doku seine Wohnung zu verlassen und ins klimatisierte Kino zu gehen? Eher nicht.
Denn Robert B. Weide wählte die einfachste Methode, sein Material zu strukturieren: nämlich chronologisch.
Die Einblicke in Woody Allens Anfänge als Autor, Stand-Up-Comedian und Gast in TV-Shows sind sehr interessant und zeigen auch selten gezeigte Aufnahmen von seinen ersten Live-Auftritten, wie er auf der Bühne vom schüchternen Jungen mit der Brille (wir erfahren auch, wie er zu seinem Pseudonym und seiner Brille kam) zum Publikumsliebling wurde, und wie er, auf Anraten seines Managers, durch die TV-Shows tingelte und jeden erdenklichen Quatsch mitmachte. Inclusive eines Boxkampfes gegen ein Känguru. Sowieso sind gerade die Interviews über Woody Allens Anfänge und seine ersten Filme sehr interessant.
Bei den ersten Woody-Allen-Filmen geht es von „Was gibt’s Neues, Pussy?“ (What’s new, Pussycat?, 1965) gleich zu seinem Spielfilmdebüt „Woody – Der Unglücksrabe“ (Take the Money and Run, 1969) und dann chronologisch weiter durch die siebziger Jahre. Bis Mitte der achtziger Jahre behandelt Robert B. Weide dann, außer dem Episodenfilm „Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten“ (Everything you always wanted to know about sex, but were afraid to ask, 1972), alle von Woody Allen inszenierten Filme in kurzen Segmenten und die Laufzeit der Dokumentation schreitet unaufhaltsam voran.
Jedenfalls ist Robert B. Weide wohl ungefähr bei „Hannah und ihre Schwestern“ (Hannah and her sisters, 1986) aufgefallen, dass bis 2012 noch gut dreißig Filme behandelt werden müssten und damit „Woody Allen: A Documentary“ zu einem „Herr der Ringe“-würdigem Epos würde. Die Laufzeit können Sie sich ja, wenn sie pro Film fünf Minuten annehmen, selbst ausrechnen.
Gleichzeitig wird die Dokumentation, mit ihrem monotonen Ablauf von einigen gut ausgewählten Film- und Interviewschnipseln, und dem archivarischen Habitus, alles gleichberechtigt aufzunehmen, auch zunehmend langweiliger. Also werden ab „Radio Days“ (Radio Days, 1987) nur noch einige von Woody Allens späteren Filmen erwähnt und die Auswahl scheint sich vor allem daran orientiert zu haben, von wem es ein gutes Zitat gibt oder wer prominent genug ist. So dürfen dann Scarlett Johansson, Chris Rock, Naomi Watts und Owen Wilson etwas sagen.
Obwohl diese großen Lücken vielleicht von den für die Kinoauswertung notwendigen Kürzungen kommen. Denn „Woody Allen: A Documentary“ lief im November 2011, als Zweiteiler, in einer über dreistündigen Fassung auf dem TV-Sender PBS in der „American Masters“-Reihe. Die Kinofassung ist über eine Stunde kürzer.
Abgesehen von Woody Allens Kindheit und Jugend gönnt Robert B. Weide sich nur einen größeren Ausflug in Woody Allens Privatleben, wenn er den 1992 die Schlagzeilen beherrschenden Sorgerechtsstreit zwischen Woody Allen und Mia Farrow über ihre Adoptivkinder kurz und arg lückenhaft anspricht.
Sowieso darf man von so einer Dokumentation keinen übermäßig kritischen Blick auf das Objekt der Bewunderung erwarten. Aber eine analytische Perspektive, eine Analyse der künstlerischen Entwicklung Woody Allens (wobei man sagen kann, dass mit „Hannah und seine Schwestern“ seine Entwicklung als Künstler abgeschlossen war und man deshalb seine späteren Filme nur noch kursorisch behandelte) oder eine Strukturierung von Woody Allens Werk anhand seiner Obsessionen und wiederkehrenden Themen, hätte aus „Woody Allen: A Documentary“ einen interessanteren Film, einen Film, der einem neue Einblick auf das Werk des enorm produktiven Regisseurs, Autors und Schauspielers gibt, gemacht.
So liefert „Woody Allen: A Documentary“ einen sehr unambitionierten Bilderbogen ab, der zum wieder sehen seiner Filme einlädt und einen, wenn Woody Allen seine Schreibstube mit der alten Schreibmaschine und den Zettelkasten mit seinen aufgeschriebenen Ideen präsentiert, egal ob gelungene Selbstinszenierung oder reale Schrulligkeit, schmunzeln lässt.
Woody Allen: A Documentary (Woody Allen: A Documentary, USA 2012)
Regie: Robert B. Weide
Drehbuch: Robert B. Weide
mit Woody Allen, Letty Aronson (Schwester von Woody Allen), Marshall Brickman, Josh Brolin, Dick Cavett, Penélope Cruz, John Cusack, Larry David, Mariel Hemingway, Charles H. Joffe (Manager, Archivmaterial), Scarlett Johansson, Julie Kavner, Diane Keaton, Nettie Konigsberg (Mutter von Woody Allen, Archivmaterial), Martin Landau, Louise Lasser, Robert E. Lauder (Professor für Philosophie), Eric Lax (Autor), Leonard Maltin (Filmkritiker), Doug McGrath, Sean Penn, Tony Roberts, Chris Rock, Jack Rollins (Manager), Richard Schickel (Filmkritiker), Martin Scorsese (Ähem, Regisseur und W.-A.-Lobredner), Mira Sorvino, Stephen Tenenbaum (Produzent), Naomi Watts, Fred Weintraub (Produzent), Dianne Wiest, Gordon Willis (Kameramann), Owen Wilson
Nachdem David Cronenbergs „Eine dunkle Begierde“ (A dangerous Method, 2011) schnell als Nebenwerk abgetan wurde, waren die Erwartungen für „Cosmopolis“ hoch. Immerhin schrieb Cronenberg nach „eXistenZ“ (1999) wieder das Drehbuch für einen Spielfilm und im Cronenberg-Kanon werden die Filme, die er nach eigenen Büchern inszenierte, als die für ihn wichtigeren, persönlicheren, angesehen.
Als Vorlage nahm er ein Buch von Don DeLillo. DeLillo ist ein seit Jahrzehnten abgefeierter US-amerikanischer Autor, der mit „Unterwelt (Underworld, 1997) auch zum Bestsellerautor wurde. „Unterwelt“ ist, nach der Seitenzahl, sein Opus Magnum, das noch einmal alle seine Themen und Obsessionen auf gut tausend Seiten bündelt und, aufgrund der Länge, auch einen zerfaserten Eindruck hinterlässt.
In „Cosmopolis“ erzählt Don DeLillo auf knapp zweihundert Seiten von einem 28-jährigem Börsenspekulanten, der im April 2000 in seiner Limousine durch Manhattan fährt. Er will einen Haarschnitt bei seinem Frisör haben. Dass gleichzeitig alle Straßen wegen des Besuches des Präsidenten und einem Trauermarsch für einen Sufi-Rap-Star gesperrt sind, ist ihm egal. Auch dass der Komplex vor einem Anschlag warnt und daher die Sicherheitsmaßnahmen für Packer erhöhen will, ist im egal. Immerhin wird er von Bodyguards beschützt und seine Limousine ist sein von der Außenwelt abgeschottetes Büro, in dem er, nach Belieben, Leute empfangen kann. Für Geschäfte. Für philosophische Diskurse. Für Sex. Für seine tägliche ärztliche Untersuchung. Gerne auch gleichzeitig.
Die Fahrt ist auch eine Reise zu Eric Packers innersten Ängsten, ein Porträt von New York, vor allem der von Packers Limousine abgefahrenen 47. Straße und der Finanzindustrie – vor 9/11 und vor dem großen Finanzcrash. Gleichzeitig entwirft Don DeLillo eine Vision einer Welt, die mehr an die Cyberspace-Welten von William Gibson, als an die Realität erinnert. Jedenfalls die damalige.
Denn Packer verliert an diesem Tag sein ganzes Vermögen an der Börse. Doch dieser Verlust bleibt abstrakt. Es sind nur Zahlen auf einem Bildschirm.
Für den Film nahm David Cronenberg dann Don DeLillos Roman und verfilmte ihn mit minimalen Veränderungen. Er ließ ein, zwei Szenen weg, die sich im Film nicht realisieren ließen. Er stellte einige Kleinigkeiten um. Die größte Änderung ist, dass im Film Benno Levin (gespielt von Paul Giamatti) erst am Ende auftaucht. Davor hat Levin im Film nur einen Cameoauftritt im Hintergrund, als er, mit einer Perücke minimal verkleidet, zu einem Geldautomat geht. Im Buch gibt es dagegen 14 Seiten mit „Benno Levins Bekenntnissen“. Das Ende, der lange Dialog von Levin, der Packer umbringen will, und Eric Packer (gespielt von Robert Pattinson [mein Interview mit ihm]), ist dann wieder gleich. Im Drehbuch hatte diese Szene 22 Seiten und Cronenberg inszenierte sie fast ohne Schnitte.
Der Film ist dann auch folgerichtig ausschließlich aus Eric Packers Perspektive erzählt. Die Kamera verlässt nur mit Packer die Limousine.
Auch Don DeLillos Dialoge wurden Eins-zu-Eins übernommen. Dummerweise sind sie als Literatur vielleicht okay (obwohl sie mir schon da zu künstlich sind), aber in einem Film sind sie einfach nur noch gekünstelt.
Die Atmosphäre ist irreal oder, je nach Blickwinkel, hyperreal. Denn alle Charaktere bewegen sich wie Avatare durch eine künstliche Welt, die erst am Ende, wenn Packer sich in einem Frisörsalon, der sogar den Frisörsalon in dem Coen-Film „The Man, who wasn’t there“ modern erscheinen lässt, sich der Alltagsrealität etwas nähert. Aber auch dann inszeniert Cronenberg die Szene, als ob Packer sich in einem Alptraum befindet. Es ist eine Cyberwelt, in der es in der Matrix Hinweise auf kommende Ereignisse gibt (oder auch nicht) und in der, wie im Buch, Ereignisse hart hintereinander geschnitten werden, ohne dass die gewählte Reihenfolge die einzig mögliche oder die logisch sinnvollste ist. Alles steht unverbunden nebeneinander und nur durch Packers Reiseziel hat „Cosmopolis“ eine rudimentäre Geschichte.
Zum Ansehen ist „Cosmopolis“ dann auch hartes Brot. Denn Cronenberg lässt die Kamera meistens statisch die Schauspieler beobachten, die sich kaum bewegen und auch mimisch so wenig tun, dass die Grenze vom Unterspielen zum überhaupt nicht mehr spielen lässig überschritten wird. Einerseits trägt eben diese visuelle Kargheit zur besonderen Atmosphäre des Films bei, andererseits ist es für das Auge ähnlich anregend, wie Farbe beim Trocknen zuzusehen. „Cosmopolis“ wirkt wie ein abgefilmtes Hörspiel mit theatralischen Dialogen, das mit Standbildern der Schauspieler illustriert wird. Besonders Eric Packer ist ein Nichts mit der Ausstrahlung eines Besenstiels. Das liegt weniger bis gar nicht an den schauspielerischen Qualitäten von Robert Pattinson, sondern an dem von Cronenberg geschriebenem Drehbuch und dem von ihm gewähltem ästhetischen Konzept, das sogar Weltklasseschauspieler wie Paul Giamatti hilflos zurücklässt. Und dabei dachte ich bis jetzt, dass Giamatti alles glaubwürdig spielen kann.
Wenn man allerdings zuerst Don DeLillos Roman liest, der sich fast wie der Roman-zum-Film liest, und sich dann den Film ansieht, wird man schon einige Hintergründe kennen und genauer verfolgen können, wo das alles hinführt. Daher empfehle ich: zuerst das Buch lesen, dann – wenn man will – den Film sehen.
„Cosmopolis“ hat als furchtbar werkgetreue Adaption schon etwas, aber er ist auch furchtbar prätentiös und leblos.
Cosmopolis (Cosmopolis, Frankreich/Kanada 2012)
Regie: David Cronenberg
Drehbuch: David Cronenberg
LV: Don De Lillo: Cosmopolis, 2003 (Cosmopolis)
mit Robert Pattinson, Juliette Binoche, Sarah Gadon, Mathieu Amalric, Jay Baruchel, Keven Durand, K’Naan, Emily Hampshire, Samantha Morton, Paul Giamatti
Das Böse – Warum Menschen Menschen töten (D 2012, R.: Karin Jurschick)
Drehbuch: Karin Jurschick
Gut einstündige Doku, die verschiedene Erklärungen vorstellt und dabei auch die aktuellen Forschungen von Wissenschaftlern, wie Gerhard Roth (Neurobiologe), Thomas Elbert (Neuropsychologe) und Harald Welzer (Sozialpsychologe), beachtet.
Jurschick drehte auch die absolut sehenswerten Dokus „Zertifikat Deutsch“ (über Deutschkurse für Ausländer; weil wir ihn auf dem One-World-Berlin-Dokumentarfilmfestival präsentierten, bin ich natürlich etwas voreingenommen), „Die Helfer und die Frauen“ (über den Frauenhandel im Kosovo und Bosnien-Herzegowina) und „Die Wolke -Tschernobyl und die Folgen“ und erhielt für ihre Arbeiten etliche Preise, wie den Grimme-Preis und den FIPRESCI-Preis.
Für die zweite Staffel von „Luther“, der genialen Serie um den Londoner Kriminalpolizisten John Luther (grandios gespielt von Idris Elba), ließen die Macher keinen Stein auf dem anderen. Die Sets wurden verändert. So lebt John Luther inzwischen in einem Apartment, das eine Mischung aus Ruine und Müllkippe ist, die eine Hausdurchsuchung zu eine Ordnung schaffenden Maßnahme macht. Die halbe Besetzung wurde ausgetauscht; was sich auch aus dem genialem Ende der ersten Staffel erklärt. Damit erhielt die BBC-Serie eine Frischzellenkur, die in dem Moment gar nicht nötig gewesen wäre. Aber Autor Neil Cross ergriff nach dem Erfolg der ersten Staffel, die aus sechs einstündigen Episoden bestand, jetzt, anstatt einfach nur die bekannte und bewährte Formel der ersten „Luther“-Folgen fortzuführen. beherzt die Chance, etwas zu schaffen, das die Serie auf ein neues Level hob,
Die zweite Staffel besteht aus zwei spielfilmlangen Fällen. Im ersten Fall jagt er einen Serienmörder, der mit einer Harlekinmaske mordet und, so nimmt Luther an, von Märchen und Mythologien, die er als Inspiration für seine Taten benutzt, besessen ist. Im zweiten Fall jagt Luther einen Täter, der vor seinen Taten seine nächsten Schritte mit einem Würfel bestimmt. Luther fragt sich, wie er einen Täter fangen kann, der seine nächsten Taten noch nicht kennt und welches Spiel der Täter in London spielt.
In dem ersten Fall räumt Neil Cross auch mit allen losen Fäden aus der ersten Staffel auf. Deshalb verabschiedet sich auch seine psychopathische Freundin Alice Morgan (Ruth Wilson), die ich inzwischen wirklich mag. Das ermöglicht John Luther die Chance auf einen Neustart, der erwartungsvoll auf die dritte „Luther“-Staffel blicken lässt. Die ist – gottseidank – auch schon in Planung.
Die netten Damen von Polyband haben mir eine DVD der zweiten „Luther“-Staffel zur Verlosung gegeben. Die Teilnahmebedingungen sind:
Schickt eine E-Mail mit dem Betreff „Verlosung“ und einer deutschen Postadresse an info@axelbussmer.de
Einsendeschluss ist Mittwoch, der 11. Juli, um Mitternacht.
„Wir wissen folgendes: Vampire sind seit ewiger Zeit heimlich unter uns. Sie jagen Menschen und ziehen aus den Schatten heraus ihre Fäden. Doch am Vorabend des 20. Jahrhunderts wurde im amerikanischen Westen eine neue Vampirrasse geboren, in Person des berüchtigten Outlaws Skinner Sweet. Sweet kam als eine neue Art von Vampir aus dem Grab zurück. Er war stärker, schneller und die Sonne trieb ihn an. Fast 40 Jahre lang war er der einzige seiner Art, bis er 1925 aus uns unbekannten Gründen einen zweiten amerikanischen Vampir erschuf. Die junge Schauspielerin Pearl Jones ist sein einziger bekannter Schützling. Doch statt Sweet in seinem sporadischen Krieg gegen die herkömmlichen Vampirrassen zu unterstützen, zog Jones es vor, eigene Wege zu gehen. Gemeinsam mit ihrem Mann, einem Musiker namens Henry Preston, verließ sie Hollywood. Jones und Preston lebten fast zehn Jahre im verborgenen. Bis unsere Organisation sie 1936 in Nordkalifornien aufspürte. Nach einigen Schwierigkeiten gelang es uns, ohne Pearls Wissen, einen Deal mit Henry zu machen. Wir garantierten Schutz und im Gegenzug erhielten wir Informationen über die Schwachstelle des amerikanischen Vampirs. Einen normalen Vampir kann man mit Holz töten. Den Amerikanischen jedoch nur mit Gold. Natürlich war Sweet…verblüfft über unsere Entdeckung. Wir wissen nicht, wo er derzeit ist“, fasst Agent Hobbes von den Vasallen des Morgensterns, einer Organisation, die alle Vampire töten will, im dritten Sammelband von „American Vampire“ den Stand der Dinge zusammen.
Die von Autor Scott Snyder erfundene und von Rafael Albuquerque gezeichnete Comicserien erhielt 2011 zu recht den Eisner Award als beste neue Serie. Bei den ersten Heften ist Stephen King, der von Snyder um einen Blurb gebeten wurde und dem das Konzept so gut gefiel, dass er gleich erzählte, wie Skinner Sweet der erste amerikanische Vampir wurde, und er so sein Debüt als Comicautor gab, Co-Autor. Ab dem sechsten Heft schrieb Scott Snyder dann die Geschichte von Skinner Sweet und Pearl Jones alleine fort.
In dem zweiten „American Vampire“-Sammelband sind die mehrteilige Geschichte „Der Teufel in der Wüste“ und „Der Ausweg“ enthalten. „Der Teufel in der Wüste“ spielt 1936 in Las Vegas. Cashel McCogan ist in dem Wüstenkaff der Chef der Polizei. Er trat damit in die Fußstapfen seines vor zwei Monaten ermordeten Vaters, der 36 Jahre Polizeichef war.
Als Verstärkung für ihn sind jetzt die beiden FBI-Agenten Jack Straw und Felicia Book gekommen. Sie sollen ihn beim Kampf gegen das Verbrechen, das mit den Bauarbeitern, den Staudamm bauen sollen, helfen.
Und sie haben auch gleich ihren ersten Fall: in einem Hotelzimmer wurde Howard Beaulieu, Präsident einer von vier Firmen, die als „Konsortium“ die Talsperre bauen, ermordet. Wobei das etwas ungenau ist: er wurde ausgesaugt.
Kurz darauf sterben weitere Mitglieder des Konsortiums, die FBI-Agenten sind keine FBI-Agenten und Skinner Sweet ist auch in der Stadt.
In der zweiteiligen von Mateus Santoloucu gezeichneten Geschichte „Der Ausweg“ erfahren wir mehr über Pearl Jones und ihren Freund Henry, die 1936 in einer gefährdeten Idylle leben.
Am Ende von „Der Teufel in der Wüste“ konnte Skinner Sweet mit viel Glück seinen Verfolgern entkommen und in „Ghost War“ (enthalten in „American Vampire 3“) wütet er 1943 auf einer Insel, wenige Seemeilen vor Japan.
Dort treffen Skinner Sweet, Henry Preston, als Mitglied einer unter US-Flagge operierenden Gruppe der Vasallen des Morgensterns, und die Vasallen auf eine wahrhaft teuflische Vampirrasse. Sie ist so schlimm, dass Pearl Jones, um ihren Mann zu retten, ebenfalls auf die Insel muss. Dort eingetroffen, muss Pearl feststellen, dass sie nur überleben können, wenn sie sich gegen die dort lebenden Vampire verbünden.
Die ebenfalls in „American Vampire 3“ enthaltene, von Daniel Zezelj gezeichnete, ein Heft umfassende Geschichte „Das war der Wilde Westen“ ist eine sarkastische Abrechnung mit dem Showgeschäft. Denn Skinner Sweet besucht 1919 in Idaho eine Westernshow, die von einigen seiner alten Bekannten bestritten wird und die die Vergangenheit, abseits der historischen Wahrheit, ausschmücken. Skinner ist nicht begeistert.
In „American Vampire“ entwerfen Scott Snyder und Rafael Albuquerque eine alternative Geschichte der USA, die es ihnen auch ermöglicht, historische Marksteine zu besuchen und spannende Geschichten mit Charakteren, über die man mehr wissen will, zu erzählen. Dabei gelingt ihnen, immer mit deftigem Zeitkolorit, eine gute Mischung aus Einzelgeschichten und den Andeutungen einer größeren Geschichte.
Und die Vampire in „American Vampire“, auch wenn sie aus Good Old Europe kommen, haben nichts mit der adligen Distinguiertheit der altbekannten Vampire à la „Dracula“ zu tun. Wenn bei Snyder und Albuquerque die Vampire die Zähne fletschen, dann fletschen sie wirklich die Zähne und der Biss ist ein Biss. Das ist garantiert nicht jugendfrei.
Denn Skinner Sweet und Pearl Jones eignen sich nicht für Teenieschwärmereien. Gefühlige „Twilight“-Vampire verputzen sie als kleinen Appetitanreger vor der Vorspeise.
Kann es eine bessere Empfehlung für eine Vampirserie geben?
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Scott Snyder/Rafael Albuquerque/Mateus Santolouco: American Vampire – Band 2
(übersetzt von Bernd Kronsbein)
Panini, 2011
148 Seiten
16,95 Euro
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Originalausgabe
American Vampire, Vol. 6 – 11
DC Comics 2010/2011
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Scott Snyder/Rafael Albuquerque/Danijel Zezelj: American Vampire – Band 3
Die Werbemaschine für die Lee-Child-Verfilmung „Sniper“ (One Shot, 2005) läuft an. Inzwischen heißt der Film, nach dem Held, „Jack Reacher“. Christopher McQuarrie („Die üblichen Verdächtigen“, „Operation Walküre“) schrieb das Drehbuch und führte, nach „Way of the Gun“, wieder Regie.
Werner Herzog ist dabei. Als Bösewicht. Rosamund Pike, Robert Duvall und Richard Jenkins sind ebenfalls dabei. Das sind die eindeutig erfreulichen Nachrichten.
Tom Cruise spielt Jack Reacher – und darüber kann man streiten. Natürlich sieht Tom Cruise nicht wie der von Lee Child in seinen Romanen beschriebene Jack Reacher aus. Aber er ist einer der Schauspieler, der viele Leute ins Kino lockt – und so etwas sehen die Produzenten gerne.
Dummerweise sieht der erste Trailer, der jetzt auch in der englischen Fassung online ist (eine russische Fassung ist schon seit einigen Tagen online), so furchtbar uninteressant aus:
War diese Schlägerei nicht in einem anderen Jack-Reacher-Thriller? Und die Explosion nicht in „Outlaw“ (Nothing to Lose, 2008)? Naja, egal.
Auch die ersten beiden Bilder mit Tom Cruise als Jack Reacher; – – – nun, es ist halt ein Mann und ein Auto.
Freddy Heflin hat als frühes Gnadenbrot eine Stelle als Sheriff in Garrison, New Jersey bekommen. Die Einwohner sind von ihm bewunderte New Yorker Polizisten. Als eines Tages ein Interner Ermittler aus New York ihn um Hilfe bei Ermittlungen gegen korrupte Polizisten bittet, muss Heflin sich zwischen seinem Job und dem polizeilichen Ehrenkodex entscheiden.
Gutes Schauspielerkino mit einem kräftigen Touch 70-Jahre-Kino und einem genießbaren Stallone, der in diesem Cop-Movie versuchte von seinem Rambo/Rocky-Image wegzukommen. Inzwischen ist er wieder bei „Rocky“ und „Rambo“ angekommen und drehte zuletzt mit einer Action-All-Star-Besetzung im Dschungel „The Expendables“ (über Söldner, die tun, was Söldner tun).
Mit Sylvester Stallone, Robert De Niro, Harvey Keitel, Ray Liotta, Peter Berg, Michael Rapaport, Annabella Sciorra, Robert Patrick, Noah Emmerich
Flüstern und Schreien – Ein Rockreport (DDR 1988, R.: Dieter Schumann)
Drehbuch: Dieter Schumann, Jochen Wisotzki
DEFA-Doku über die DDR-Rockszene, die es im Februar 1989 auf die Berlinale und im August 1989 sogar in die westdeutschen Kinos schaffte.
Im Mittelpunkt stehen die Bands „Feeling B.“ (mit Flake Lorenz und Paul Landers, später „Rammstein“), „Chicoree“ (mit Dirk Zöllner), „Sandow“ und, als bekannteste Band, „Silly“ (mit Tamara Danz). Es gibt Konzertausschnitte, Interviews mit den Musikern (auch über ihre politischen Ansichten) und den Fans.
„ein authentisches Filmpuzzle über das Lebensgefühl der heutigen DDR-Jugend“ meinte der Fischer Film Almanach, eher er die geringe Distanz des Regisseurs bemängelte. Nun, gerade das ist, rückblickend, ein Vorteil und die Musik ist auch nicht schlecht.
Seit Jahren stand „Die Seven-Ups“, der einzige Film von „Bullitt“- und „The French Connection“-Produzent Philip D’Antoni, mit Roy Scheider in der Hauptrolle, auf meiner Wunschliste. Aber im Fernsehen lief der Film nie und auch auf DVD machte er sich rar.
Sollte also, abgesehen von der legendären zehnminütigen Autoverfolgungsjagd, der Film einfach schlecht sein?
Nun, sagen wir es mal so: ein vergessenes Meisterwerk ist „Die Seven-Ups“ nicht. Dafür liefert der Film dann doch zu sehr die heute sattsam bekannten Polizeifilmklischees ab. Dabei hätte der Film, mit einem besseren Drehbuch, durchaus ein Klassiker werden können.
Denn die Geschichte, die heute wahrscheinlich in einer TV-Folge erzählt würde, ist nicht uninteressant. Buddy Manucci (Roy Scheider) ist der Chef der Spezialeinheit „Seven-Ups“, die, im Gegensatz zu normalen Polizisten, bei ihrer Arbeit große Freiheiten genießen. Immerhin erwarten die von den „Seven-Ups“ gejagten Verbrecher mindestens sieben Jahre Gefängnis. Wohin diese Freiheiten, die damals auch in der Realität einige Polizeieinheiten hatten, führten, kann man in „Prince of the City“ (das Sachbuch und die Verfilmung erzählen, was nach „The French Connection“ geschah) sehen.
Viele Tipps erhält Buddy von dem seinem Jugendfreund, dem Gangster Victo Lucia (Tony Lo Bianco), der in der Mafia-Hierarchie schon ziemlich mächtig ist. Lucia hat jetzt auch eine Methode gefunden, nebenher viel Geld zu machen: er lässt Gangsterbosse von falschen Polizisten entführen und lässt sie gegen ein erkleckliches Lösegeld wieder frei.
Die Gangster glauben, dass die falschen Polizisten echte Polizisten sind und auch in der Polizei werden die „Seven-Ups“ für die Drahtzieher gehalten. Als die Verbrecher einen von Buddys Kollegen deswegen umbringen, jagen die restlichen „Seven-Ups“ gnadenlos die Gangster.
Allerdings vertieft D’Antoni den zwischen Buddy und Lucia liegenden Konflikt zwischen Loyalität und Freundschaft nicht weiter. Er fragt auch nicht nach der Legitimität der Methoden. Effizienz genügt Buddys Vorgesetzten.
Damit gehört „Die Seven-Ups“ zu den damals erfolgreichen Thrillern, die nach der Legitimität des staatlichen Gewaltmonopols fragten und Großstädte als Dschungel begriffen, in dem die letzten Stellungskämpfe gegen ein überbordendes Verbrechen geführt wurden. Georg Seeßlen spricht in „Copland“ von „Polizisten im kontrollierten Bürgerkrieg“. Die „Dirty Harry“-Filme mit Clint Eastwood und „Ein Mann sieht rot“ mit Charles Bronson (der als Liberaler, während die Polizei wegsieht, zur Waffe greift) sind die auch heute noch bekannten Genrevertreter.
Auch stilistisch ist „Die Seven-Ups“ ein Kind der siebziger Jahre. Die vielen Außenaufnahmen von New York, Lagerhallen und Industriebrachen, die langen Einstellungen, die Ruhe, mit der die Kamera den Charakteren folgt, die wenigen Dialoge und die nur sparsam eingesetzte Musik von Jazzer und „The French Connection“-Komponist Don Ellis. Sogar, oder gerade, bei der zehnminütigen Autoverfolgungsjagd gibt es keine Musik, sondern nur die Fahrgeräusche der Autos und schreiend weglaufende Kinder. Diese Szene ist zwar nicht so spektakulär wie in „French Connection“ , aber immer noch mitreisend.
Und, auch das spricht für den Film, wir erfahren außerhalb ihrer Arbeit nichts von den Charakteren. Es gibt keine langen, gefühligen Familienszenen, keine privaten Subplots und auch keine Liebesgeschichte. „Die Seven-Ups“ ist ein reiner Männerfilm.
Roy Scheider, damals ein aufstrebender Star nach seinem „The French Connection“- und vor seinem „Der weiße Hai“-Ruhm, spielt Buddy Manucci, den Chef der Seven-Ups, als einen kühlen, äußerlich immer beherrschten Chef. Er würde niemals, wie Popeye Doyle in „The French Connection“, ausrasten. Stattdessen erinnert Buddy Manucci an Buddy Russo, Doyles, ebenfalls von Scheider gespielten, Partner in „The French Connection“ und dieser basiert auf dem echten Sonny Grosso, der in beide Filme involviert war.
Auch die anderen Schauspieler gefallen sich im Unterspielen – und verkörpern damit den Geist der Professionalität. Sie sind, egal ob Gangster oder Polizisten – und auf den ersten Blick ist auch nicht zu erkennen, auf welcher Seite die unauffällig gekleideten Männer stehen -, Profis, die ihr Handwerk beherrschen und ihre Moralkodex folgen. Probleme gibt es letztendlich nur durch die im falschen Moment unbesonnen reagierenden Entführer. Dass sie Probleme verursachen werden, verrät schon ihre, nach dem Standard des Films, viel zu auffällige Kleidung.
„Die Seven-Ups“ ist für Fans von Siebziger-Jahre-Filmen und düsteren Copthrillern ein Pflichttermin.
Denn, wenn ich es recht überlege, spricht gegen den Film nur das Drehbuch, das halt nur okay ist. Immerhin gab es seit „Die Seven-Ups“ unter anderem „Leben und Sterben in L. A.“ (noch düsterer und mit einer wiederum Maßstäbe setzenden Autoverfolgungsjagd), die TV-Serie „The Shield“ (die Macher haben definitiv „The Seven-Ups“ gesehen), „Training Day“, „Dark Blue“ und „Street Kings“ (eine quasi Los-Angeles-Polizeitrilogie von David Ayer, mit heftigem James-Ellroy-Einfluss) . Wobei diese Polizeigeschichten, bis auf „Leben und Sterben in L. A.“, keine Autoverfolgungsjagd haben.
Die Seven-Ups (The Seven-Ups, USA 1973)
Regie: Philip D’Antoni
Drehbuch: Albert Ruben, Alexander Jacobs (nach einer Geschichte von Sonny Grosso)
mit Roy Scheider, Victor Arnold, Jerry Leon, Ken Kercheval, Tony Lo Bianco, Larry Haines, Richard Lynch
Wer die Strecke der Autoverfolgungsjagd, natürlich unter strikter Beachtung der Geschwindigkeitsbegrenzungen, nachfahren will, sollte sich dieses Video ansehen
Für „Bullitt“ gibt es eine ähnliche Analyse, die ich im Moment nicht finde.
Angst über der Stadt (F/I 1974, R.: Henri Verneuil)
Drehbuch: Jean Laborde, Henri Verneuil, Francis Veber
Actionhaltiger, harter Polizeithriller in dem ein Pariser Kommissar, Typ „Dirty Harry“, einen Serienmörder jagt.
Nach dem Genuss von „Matrix“ und „Spider-Man“ wirken die Action-Szenen in „Angst über der Stadt“ zwar bedächtlich, aber Jean-Paul Belmondo ließ sich bei den zahlreichen Verfolgungsjagden, dem Abseilen von einem Hubschrauber und der Kletterei über die Dächer von Paris nicht doubeln. Bei den Schlägereien natürlich auch nicht. Die Story folgt den bekannten Genrekonventionen und Belmondo hatte in seiner ersten Polizistenrolle einen Kassenschlager.
„Angst über der Stadt“ ist „die mythische Dokumentation seiner Konversion von der Seite der Rebellen auf die Seite der Gesetz- und Ordnungsvertreter.“ (Georg Seesslen: Copland)
Anscheinend läuft heute zum ersten Mal die ungekürzte Fassung im TV. Denn für den deutschen Kinostart wurde der Film etwas gekürzt
Mit Jean-Paul Belmondo, Charles Denner, Catherine Morin, Berto Maria Merli, Lea Massari
„Wir möchten mit diesem Buch einige der Spannungsfelder aufzeigen, in denen sich die Debatte um die digitale Gesellschaft in den nächsten Jahren befinden wird. Dabei wenden wir uns nicht vorrangig an die Experten. (…) Wir hoffen, ein verständliches und teils auch vergnüglich zu lesendes Buch über die Netzpolitik und ihre Bedeutung für die Gesellschaft von morgen verfasst zu haben“, schreiben Markus Beckedahl und Falk Lüke im Vorwort zu ihrem Buch „Die digitale Gesellschaft – Netzpolitik, Bürgerrechte und die Machtfrage“ und genau an diesem selbstformulierten Anspruch sollte das Buch auch gemessen werden. Also: Ist „Die digitale Gesellschaft“ ein Buch, das ich meinem Vater, der von Computern und dem Internet keine Ahnung hat, zum Lesen geben soll? Wird er danach den derzeitigen Umbruch besser verstehen?
Nun; eher nein.
Er wird wohl eher verwirrt von der Struktur des Buches sein. Die Hauptkapitel „Freiheit und Sicherheit“, „Wissen und Macht“, „Wirtschaft als globales Netz im Netz“ und „Neue und alte Öffentlichkeit“ verweisen auf etablierte Politikfelder und die großen Konfliktlinien im Netz. Aber in den einzelnen Kapiteln geht es mitunter bunt durcheinander und manchmal werden Themen zu einem späteren Zeitpunkt, an einem mehr oder weniger unpassendem Ort, wieder aufgenommen. Nur: ohne ein Register findet man die Stellen nicht.
So geht es in „Freiheit und Sicherheit“, ein klassischer innenpolitischer Konflikt zwischen Bürgerrechtlern und Sicherheitsbehörden, der normalerweise bei den Justiz- und Innenministerien angesiedelt ist, über Netzsperren für (hm, eigentlich gegen) Killerspiele und Kinderpornographie, Onlinedurchsuchung, Vorratsdatenspeicherung, Verbraucherschutz, Jugendschutz, Datenverarbeitung von privaten Firmen, Smart Meter und intelligente Stromnetze. Das ist ein buntes Potpourri unterschiedlicher und auch wichtiger Themen, die eher anekdotisch als argumentativ aneinandergereiht werden und oft nicht zur klassischen Innenpolitik gehören. So hat der Verbraucher- und Jugendschutz nichts mit der inneren Sicherheit, aber viel mit der Wirtschaft zu tun.
Über verschiedene Überwachungsmöglichkeiten und Begehrlichkeiten des Staates und privater Unternehmen, bi- und multilaterale Verträge, in denen festgelegt wird, wie Daten zwischen Staaten ausgetauscht werden, und die Zusammenarbeit zwischen staatlichen und privaten Stellen (auch die Auslagerung staatlicher Aufgaben an private Firmen) sollte dagegen intensiver diskutiert werden.
Über die Abhängigkeit und damit verbundene Anfälligkeit von unseren technischen Infrastrukturen (so legten in den vergangenen Monaten in Berlin mehrere Kabelbrände die Bahn lahm und einmal, im Mai 2011, fielen in Berlin und großen Teilen Ostdeutschlands stundenlang Züge, Internet und Telefonnetze aus), den Katastrophenschutz und das weite Feld der Internetkriminalität („Cybercrime“), abseits von unseriösen Kreditangeboten, wird nichts gesagt.
Die Diskussion über das Urheberrecht wird zwar angerissen und füllt auch einige Seiten, aber trotz des Umfangs bleibt sie eher an der Oberfläche. Denn gerade an diesem Problem könnten die verschiedenen Konfliktlinien exemplarisch aufgezeigt werden.
Die Frage, was davon zu halten ist, dass wenige Unternehmen das Netz dominieren, wird kaum thematisiert. Dabei haben Unternehmen wie Google und Facebook über ihre Benutzer Daten, die alle bisherigen Datensammlungen in den Schatten stellen. Und Monopole haben, jedenfalls in der alten Ökonomie, sehr unschöne Auswirkungen. Im Internet nicht?
Aber anstatt, – immerhin sind beide Autoren als politisch denkende Köpfe bekannt -, die Gelegenheit nutzen, endlich einmal im großen Zusammenhang das Bild einer digitalen Gesellschaft mit ihren Chancen und Gefahren zu zeichnen, ergehen Markus Beckedahl und Falk Lüke sich meistens im Deskriptiven und im Rückblick auf frühere Kämpfe gegen Wolfgang Schäuble und Ursula von der Leyen und Treffen auf der „Freiheit statt Angst“-Demonstration. So ist „Die digitale Gesellschaft“ nicht die mit einer stringenten Argumentation beeindruckende Vision einer digitalen Gesellschaft, sondern eher die Sammlung von Blogbeiträgen. Aber während Blogbeiträge aufgrund ihrer Länge immer fragmentarisch bleiben, Dinge nur anreißen und auf aktuelle Entwicklungen reagieren, kann man in einem Buch einige Gedanken endlich einmal genauer ausführen.
Die im Untertitel „Netzpolitik, Bürgerrechte und die Machtfrage“ angekündigte Machtfrage stellen sie nicht. Sie fragen nicht, – und das wären gute Leitfragen gewesen -, wie die Bürgerrechte gegen den Staat, den klassischen Gegner, und die Wirtschaft, den weniger klassischen Gegner, im Netz geschützt werden können. Und wie im Netz die freie, liberale Gesellschaft geschützt, erhalten und ausgebaut werden kann.
Deshalb haben sie auch keine Idee davon, welche Regeln gelten sollten. Außer natürlich der liberalen Idee, dass es keine Überwachung geben sollte, dass Netzneutralität wichtig ist, dass die Nutzer sich frei entscheiden sollten, was sie tun wollen und dass Freie Software besser als Windows ist.
In diesen Momenten porträtieren sie allerdings auch ziemlich genau die Szene der deutschen Netzpolitiker, die sich aus dem großen Kuchen der Probleme nur einige Rosinen herauspicken.
Etwas erstaunlich, aber auch das ist ein Spiegelbild der deutschen Netzgemeinde, ist der doch sehr deutsche Blick, garniert mit einigen US-amerikanischen Einsprengseln. Immerhin ist ein Kennzeichen des Internets, dass man Landesgrenzen mühelos überspringen kann. Aber abgesehen von Bestellungen von Waren (wie DVDs aus Österreich) scheint es doch keinen länderübergreifenden Diskurs zu geben. Und das gilt schon für unsere Nachbarländer Österreich und die Schweiz. Da kann noch nicht einmal auf eine Sprachbarriere verweisen.
Auf Grafiken, eine Literaturliste, weiterführende Lektüre und ein Register wurde verzichtet. Das alles muss bei einem Sachbuch zwar nicht unbedingt sein, aber es hilft, Stellen zu finden und man kann dann auch besser mit dem Buch arbeiten.
Bretagne: Ein zehnjähriges Mädchen wird erdrosselt und vergewaltigt gefunden. Für die Kommissarin Lesage ist der Hauptverdächtige der erfolglose Zeichenlehrer der Ermordeten. Während sich der Verdächtige immer mehr zurückzieht, beginnt seine Frau für ihn zu kämpfen.
Eine weitere gelungene Zusammenarbeit des Teams Barski/Chabrol. In diesem ruhigen Provinzkrimi geht es um die verschiedenen Formen von Lüge.
Mit Sandrine Bonnaire, Jacques Gamblin, Antoine de Caunes, Valeria Bruni Tedeschi, Bernard Verley, Bulle Ogier
Für die Jüngeren gibt es ab 13.55 Uhr Klänge vom „Hurricane 2012“-Festival. Unter anderem Die Ärzte, The Cure, Blink 182, The Stone Roses, New Order und Sportfreunde Stiller.
Für die Älteren gibt es ab 20.15 Uhr Konzerte vom diesjährigen „Isle of Wight“-Festival. Dabei sind Bruce Springsteen, Tom Petty, Pearl Jam, Noel Gallagher’s High Flying Birds, Feeder, Ash, Primal Scream und den Stranglers.
Gill, der Sicherheitsberater mit der farbigen Vergangenheit zwischen allen möglichen Geheimdiensten, ist zurück. Nachdem er in „Der Sodom-Kontrakt“ in Europa gegen eine Bande Kinderschänder vorging, geht es jetzt um mehr. Dabei beginnt für ihn alles ganz harmlos mit einer verschwundenen Katze, die er für den jungen Michael sucht.
Zur gleichen Zeit, wenige Kilometer entfernt, sucht die großbusige, sexhungrige, superschlaue, schlagkräftige und blonde Leiterin der Mordkommission Alexa Bloch nach dem Mann, der in einem Massengrab in der Nähe von Dortmund afrikanische Kinder, die niemand vermisst, vergrub. Die Spur führt in Satanistenkreise, deren Mitglieder überaus vermögend und mächtig sind.
Auch Gill, der mit seinen halbseidenen Freunden, die verschwundene Katze findet, stört die Satanisten. Als Alexa von dem Anführer der Satanisten nach Afrika verschleppt wird, machen sie sich, in schönster „Expendables“-Tradition, schwer bewaffnet auf den Weg in den Dschungel.
Selbstverständlich ist „Die Lucifer-Connection“ purer Pulp, bei dem die Wirklichkeit bis zur Kenntlichkeit überzeichnet wird. Aber während mir Gills erster Einsatz verdammt gut gefiel, hat „Die Lucifer-Connection“ doch deutliche Längen. Denn anstatt geschwind zur Tat zu schreiten und zuerst in Deutschland und später in Afrika, die Satanisten zu bekämpfen, ergehen sich Gill und seine Freunde immer wieder in endlosen Tiraden über die schlechte Welt und man glaubt, dass Gill und seinen Kumpels an der Pommesbude neben der sattsam bekannten „Tatort“-Pommesbude der Kölner Kommissar Ballauf und Schenk abhängen.
Gerade weil Compart einige hübsch perfide Ideen hat und die Wut über die Gegenwart in jeder Zeile spürbar ist, ärgerte mich beim Lesen das die Geschichte nicht voranbringende Stammtischgegröhle.
Denn ein guter Pulp-Roman hat 200 Seiten. „Die Lucifer-Connection“ kommt auf 400 engbedruckte Seiten.
Hausfrau Thelma und ihre Freundin, die Kellnerin Louise, brechen zu einem Wochenende ohne Männer auf. In einer Bar wird ein Mann zudringlich. In Notwehr erschießt Louise ihn. Weil ihnen das aber niemand glaubt, fliehen Thelma und Louise nach Mexiko. Verfolgt von der Polizei.
Ein feministisches Roadmovie, ein Kassen- und Kritikererfolg und inzwischen ein Klassiker.
Callie Khouri erhielt für ihr Drehbuch unter anderem den Oscar, einen Golden Globe und den Preis der Writers Guild of America. In ihren späteren Werken konnte sie an diesen Erfolg nicht anknüpfen.
mit Susan Sarandon, Geena Davis, Harvey Keitel, Michael Madsen, Brad Pitt
„Small Town Murder Songs“ ist ein sperriger Film. Ein Film, der seinen Charakteren ihre Geheimnisse lässt, der vieles nur andeutet und keine Identifikationsfigur hat. Der Kleinstadtpolizist Walter (Peter Stormare) erscheint auf den ersten Blick wie der etwas hinterwäldlerisch-gutmütige Onkel, der allerdings in der Gemeinde misstrauisch beäugt wird. Denn hinter der Fassade brodelt es. Vor kurzem verprügelte er einen Mann. Seitdem versucht er noch drängender, im Glauben Halt zu finden. Oder sind für ihn die Gebete und die Gespräche, die fast schon penetrant vor sich her getragene Gläubigkeit, nicht die Suche nach Erlösung, sondern nur eine Möglichkeit, bei seiner jetzigen Frau zu bleiben und wieder ein respektiertes Mitglied der Mennoniten-Gemeinde zu werden?
Dieses geregelte Leben, in dem Feindschaften liebevoll gepflegt werden, nicht viele Worte gemacht werden (Man kennt sich ja seit Ewigkeiten) und Walter hilflos mitansehen muss, wie die eigene Verwandtschaft mit halbseidenen Geschäften Geld verdient, wird von einem Mordfall unterbrochen. Dem ersten seit Ewigkeiten. Am See wird, nach einem anonymen Telefonanruf, die nackte Leiche einer jungen, unbekannten Frau gefunden.
Walter verdächtigt schnell Steve (Stephen Eric McIntyre, „The Lookout“ [Die Regeln der Gewalt], „High Life“) als Mörder. Steve spannte Walter vor einem halben Jahr seine Freundin Rita (Jill Hennessy, „Law & Order“, „Crossing Jordan“) aus. Deshalb ist auch unklar, ob Steve, ein in kriminelle Aktivitäten verwickelter Posterboy für die White-Trash-Galerie, der Walter betont respektlos behandelt, wirklich etwas mit dem Mord zu tun hat oder Walter ihn nur verdächtigt, um sich so ein bisschen zu rächen.
Die Macher nennen „Small Town Murder Songs“, vollkommen zutreffend ein „gothic tale of crime and redemption“, das von „No Country for Old Men“ und „In Cold Blood“ (Kaltblütig) beeinflusst ist. Aber während in der Truman-Capote-Verfilmung „In Cold Blood“ das Böse von Außen in die friedliche Gemeinde kam, ist es in „Small Town Murder Songs“ ein integraler Bestandteil der Gemeinschaft und es gibt für Walter und die anderen Männer keine Erlösung.
Daran ändern auch die als strukturierendes Element eingestreuten religiösen Sprüche, die noch an Gass-Donnellys erste Idee, den Film als eine Abfolge von unverbundenen Szenen zu erzählen, die Roots-Rock-Musik der Indieband Bruce Peninsula und die streng durchkomponierten, atmosphärischen Landschaftsaufnahmen von Brendan Steacy nichts.
Obwohl Ed Gass-Donnellys Charakterstudie in Kanada spielt, reiht er sich in die düsteren US-amerikanischen Heimatfilme der letzten Jahre, wie der in Missouri spielenden Daniel-Woodrell-Verfilmung „Winter’s Bone“, die die Verwüstungen des Kapitalismus und der Bush-Ära im Hinterland, in dem die Moderne anscheinend nie angekommen und jede Hoffnung auf ein besseres Leben, den amerikanischen Traum, verloren ist, ein.
Small Town Murder Songs (Small Town Murder Songs, Kanada 2010)
Regie: Ed Gass-Donnelly
Drehbuch: Ed Gass-Donnelly
mit Peter Stormare, Aaron Poole, Martha Plimpton, Jill Hennessy, Stephen Eric McIntire, Ari Cohen, Jackie Burroughs