The Wrestler – Ruhm, Liebe, Schmerz (USA 2008, R.: Darren Aronofsky)
Drehbuch: Robert Siegel
Das ist deutsche TV-Kultur: Platz 173 in der Top-250-Liste der IMDB, über dreißig Filmpreise erhalten (unter anderem der Goldene Löwe in Venedig), für über dreißig weitere nominiert, Kritikerliebling, über 127.000 Kinobesucher in Deutschland (gut, gegen den „Avatar“ ist das nichts, aber auch in Tom Tykwers „The International“ gingen keine 700.000 Leute und der Film wurde kürzlich, gekürzt, an einem Sonntag von Pro 7 um 20.15 Uhr ausgestrahlt) und die gloriose Rückkehr von Mickey Rourke als Schauspieler (er erhielt für seine Rolle unter anderem den Golden Globe und den BAFTA Award und war für den Oscar nominiert) – und dann hatte der Film, weil „Die beliebtesten Komiker der Deutschen“ wichtiger waren, an einem Wochentag zu später Stunde seine TV-Premiere.
Die Story: Im semidokumentarischem Stil eines Siebziger-Jahre-New-Hollywood-Films verfolgt Aronofsky den abgewrackten Wrestler Randy ‘The Ram’ Robinson, dessen Leben nur aus Wrestling besteht. Nach einem Infarkt soll er das Wrestling aufgeben, er versucht einen Neuanfang, will sich mit seiner Tochter aussöhnen und kann doch vom Wrestling nicht lassen.
Großartiges Schauspielerkino, mit einem deutlichen Blick auf das Mainstream-Publikum.
Als nächsten Film drehte Aronofsky den Ballettfilm „Black Swan“, der in vielen Punkten die spiegelbildiche Ergänzung zu „The Wrestler“ ist.
mit Mickey Rourke, Marisa Tomei, Evan Rachel Wood
Wiederholungen
HR, Montag, 5. September, 23.30 Uhr (anschließend, ebenfalls mit Mickey Rourke, „24 Stunden in seiner Gewalt“)
„High Life“ beginnt tagsüber mitten in der Stadt mit einem Schusswechsel bei einem vor einer Bank stehendem Geldtransporter. Dann kommt in einem Auto ein unrasierter Mann mit Strickmütze und Revolver ins Bild. Es friert ein und jemand sagt „Solang ich denken kann, wollt ich schon immer Anwalt werden.“
Schon jetzt ist klar, dass der Typ dieses Ziel wohl nicht erreichen wird. Er nennt sich Dick (Timothy Olyphant) und sein gerade aus dem Knast entlassener Kumpel Bug (Stephen Eric McIntyre) bringt ihn auch gleich wieder auf die schiefe Bahn. Bug ist ein ziemlich durchgeknallter Psychopath, der keine zehn Sekunden vorausplant, seine Probleme vor allem mit Gewalt löst, dabei über Leichen geht und immer den anderen die Verantwortung zuschiebt. So meint er: „Nur weil du jemand schlägst und der stirbt, dann heißt das noch in keinem Fall ‚du hast ihn umgebracht‘.“
Bug will auch gleich mit einem Überfall etwas Kleingeld verdienen. Aber Dick hat die Idee für einen großen Coup: sie wollen, – wir schreiben 1983 und Geldautomaten waren damals gerade brandneu -, einen Geldautomat ausrauben. Dabei sollen ihnen Dicks hypochondrischer Bruder Donnie (Joe Anderson) und der junge Schönling Billy (Rossif Sutherland), den Dick auf einem Treffen von Drogensüchtigen aufgegabelt hat, helfen. Denn, so Dick: „Er war echt schon im großen Stil dabei. – Er war eben noch nicht sehr erfolgreich. Naja, was Gefängnisse angeht.“
Der nur in ihren drogenumnebelten Hirnen genial geplante und durchdachte Coup geht dann doch nicht so glatt über die Bühne, wie die vier Drogensüchtigen es sich gedacht haben, und Bug improvisiert.
„High Life“ ist eine schwarze, auf einem Theaterstück basierende Gangsterkomödie, die vor allem von den guten Dialogen, den Schauspielern (Hab ich schon gesagt, dass Olyphant mir dieses Mal richtig gut gefallen hat?) und dem pointiertem Schnitt lebt.
Timothy Olyphant überzeugt hier nach „Stirb langsam IV“ und „Hitman“ als Verbrecher. In den USA wird er gerade für seine Rolle als U. S. Marshals Raylan Givens, einem von Elmore Leonard erfundenem Charakter, den er in der TV-Serie „Justified“ spielt, von Krimifans und Kritikern abgefeiert. „Justified“ soll auch demnächst im deutschen TV laufen.
Stephen Eric McIntyre trat unter anderem in Scott Franks „Die Regeln der Gewalt“ (The Lookout) auf. Scott Frank schrieb auch, weil wir gerade bei Elmore Leonard sind, die Drehbücher für die grandiosen Leonard-Verfilmungen „Out of Sight“ und „Schnappt Shorty“ (Get Shorty).
Joe Anderson (Control, Across the Universe, The Ruins, The Crazies) und Rossif Sutherland (wir ahnen es bei dem Nachnamen, ist ein Sohn von Donald Sutherland und damit ein Halbbruder von Kiefer Sutherland) komplettieren das Verbrecherquartett und an ihrem Spiel ist nichts auszusetzen.
Außerdem ist der Film mit knapp siebzig Minuten (mit dem Abspann werden es dann 75 Minuten) so kurz, dass er vorbei ist, ehe es langweilig werden kann.
„High Life“ ist somit definitiv ein Film, den sich Genrejunkies ansehen können, der auch 2009 auf der Berlinale im „Panorama“ lief und ganz gut ankam.
Und, nachdem ich jetzt schon Elmore Leonard so oft erwähnt habe: ja, ein kräftiger Touch Elmore Leonard findet sich auch in „High Life“.
Das Bonusmaterial ist mit einem zehnminütigem „Making of“, zwei geschnittenen Szene und dem deutschen Trailer arg überschaubar. Immerhin ergeht sich das „Making of“ nicht nur in der üblichen Lobhuddelei, sondern es gibt auch einige interessante Informationen zu den Veränderungen des nur an zwei Orten spielenden Theaterstücks zum an mehreren Orten spielenden Film, den Vorbereitungen der Schauspieler und dem optischem Konzept.
High Life – Vier Gangster und ein todsicheres Ding (High Life, Kanada 2008)
Regie: Gary Yates
Drehbuch: Lee MacDougall (nach seinem Theaterstück)
mit Timothy Olyphant, Stephen Eric McIntyre, Joe Anderson, Rossif Sutherland, Brittany Scobie, Mark McKinney
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DVD
Koch Media
Bild: 1.78:1 (16:9)
Sprachen: Deutsch(Dolby Digital 5.1, DTS), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Making of, Geschnittene Szenen, Deutscher Trailer
Boxcar Bertha – Die Faust der Rebellen (USA 1972, R.: Martin Scorsese)
Drehbuch: Joyce H. Corrington, John William Corrington
LV: Boxcar Bertha Thompson (aufgeschrieben von Ben L. Reitman): Sister of the Road
USA in den frühen Dreißigern: die Landstreicherin Bertha und ihr Freund, der Gewerkschaftler Bill, schlagen sich durch das amerikanische Hinterland. Dabei werden sie, eher durch Zufall, zu Zugräubern und Volkshelden. Die Eisenbahngesellschaft ist davon nicht begeistert.
Das könnte heute die TV-Premiere von Martin Scorseses Frühwerk sein. Und wenn nicht, dann lief „Die Faust der Rebellen“ schon seit über zehn Jahren nicht mehr im TV.
„Boxcar Bertha“ wurde von Roger Corman produziert und er ließ Scorsese auch, solange er genug Sex und Gewalt in dieser Bonnie-und-Clyde-Variante unterbrachte, freie Hand. Das Endergebnis ist, obwohl einige Szenen (wozu vor allem das inzwischen legendäre Ende mit dem gekreuzigten Bill an einem Zugwaggon gehört) sehr gelungen sind und schon einiges von Scorseses Talent verraten, enttäuschend.
„Was auch immer an soziologischen, politischen oder dramaturgischen Ambitionen möglicherweise in der Story gelegen hat, wurde rücksichtslos aus der Handlung entfernt, so dass keine der Figuren Interesse oder Sympathie erweckt. Kaum einmal wird versucht, das Gemetzel zu rechtfertigen.“ (Variety)
Als Scorseses Freund und Kollege John Cassavetes den Rohschnitt des Films sah, forderte er ihn auf, nicht noch einen belanglosen Film, sondern einen Film, der ihm wirklich wichtig sei, zu drehen. Scorsese beherzigte den Rat und drehte „Hexenkessel“. Der Rest ist Geschichte.
Mit Barbara Hershey, David Carradine, John Carradine, Barry Primus, Bernie Casey, Victor Argo, David R. Osterhout, Harry Northup
Sind die Aliens denn wirklich so bescheuert? Nachdem bisher alle Invasionen in der Gegenwart gescheitert sind an Bakterien, Computerviren, Bürokratie und Musik, versuchen sie es jetzt in der Vergangenheit. Im Wilden Westen – und legen sich dann auch gleich mit James Bond und Indiana Jones/Han Solo an. Da müsste doch dem dümmsten Alien klar sein, dass auch diese Invasion in die Hose gehen wird.
Aber vielleicht waren sie auch von den Namen verwirrt. Den James Bond (Daniel Craig) ist jetzt Jake Lonergan und ein steckbrieflich gesuchter Verbrecher mit einem totalen Gedächtnisverlust. Indiana Jones (Harrison Ford) ist der das Land beherrschende, verbitterte Viehbaron Colonel Woodrow Dolarhyde.
Sein ziemlich missratener Sohn Percy (Paul Dano) ballert, mal wieder, zum Zeitvertreib in dem Kaff Absolution herum. Als der schweigsame und schlagkräftige Lonergan, der, nachdem er in der Wüste aufwachte, sich an nichts erinnert, aber gleich eine Bande von Strauchdieben entwaffnet, und in Absolution immer noch rätselt, warum er ein seltsames Armband trägt, Percy zusammenstaucht, schießt dieser irrtümlich einen Hilfssheriff an und er wandert ins Gefängnis. Dort wirft der Sheriff (Keith Carradine) einen Blick auf die Fahndungsplakate, erkennt Lonergan als gesuchten Verbrecher, will ihn im Saloon verhaften und, dank der schlagkräftigen Hilfe einer unbekannten Schönheit (Olivia Wilde), sitzt Lonergan etwas später in der Zelle neben Percy.
Als der Sheriff die beiden in die nächstgrößere Stadt bringen will, taucht Dolarhyde auf. Er will seinen Sohn befreien und sich persönlich an Lonergan, der ihn bestahl, rächen. Doch da taucht ein fliegendes Objekt am Himmel auf, schießt auf sie und entführt einige Dorfbewohner. Unter anderem Dolarhydes Sohn. Lonergan kann mit seinem Armband, das eine futuristische Pistole ist, ein Flugzeug abschießen.
Ohne auch nur eine Sekunde zu zögern, beginnen die Dorfbewohner die Dämonen (so nennen sie die Aliens; denn damals gab es noch keine Aliens und keine UFOS; jedenfalls keine Namen dafür) zu jagen. Dafür lässt Dolarhyde auch seine Feindschaft gegenüber Lonergan ruhen.
Und während schon diese Posse mit einem Doktor, der nicht schießen kann, einem Jungen, einem Hund und einer Frau recht bunt besetzt ist, wird es später noch bunter und es wird immer deutlicher, dass im Genrecrossover „Cowboys & Aliens“ zwar die Landschaft und die Handlungszeit, aber nicht der Plot gewechselt wurde. Denn die Geschichte folgt brav den Spuren der bekannten Invasionsfilme, in denen am Ende alle gemeinsam gegen die fremde Bedrohung kämpfen. Das kann, wie in „Independence Day“ (der wie eine Blaupause für „Cowboys & Aliens“ wirkt), die ganze Welt sein.
In „Cowboys & Aliens“ ist es eine Posse, die aus dem Verbrecher, der sich an nichts erinnern kann, dem Viehbaron, der seinen nichtsnutzigen Sohn zurückholen will, dem Sheriff, ehrlichen Siedlern, Dolarhydes Cowboys, Lonergans Verbrecherbande und Indianer besteht. Eine buntere Koalition der Guten gegen das bedrohlich Fremde gab es wohl noch nie.
Trotzdem ist „Cowboys & Aliens“ als weitgehend traditioneller und damit auch ironiefreier Western, nach dem für mich etwas enttäuschenden „True Grit“ (es war vielleicht ein Fehler vor dem Coen-Film das Original gesehen, das Buch und zu viele überschwängliche Kritiken gelesen zu haben) ziemlich gelungen als Breitwand-Western mit Starbesetzung.
P. S.: Bislang gab’s nur eine erfolgreiche Alien-Invasion. Naja, so halbwegs. Denn als die Aliens die Erde mit intergalaktischer Bürokratie belästigten, war’s rum mit dem schönen Erdenleben und Arthur Dent machte sich „Per Anhalter durch die Galaxis“ auf den Weg den Bademantel (auch bekannt als das Kleidungsstück, das wir als Kind niemals anziehen wollten, weil es so unglaublich uncool war) als Kleidungsstück für alle Gelegenheiten zu rehabilitieren.
P. P. S.: Gottseidank ist „Cowboys & Aliens“ kein 3D-Film.
P. P. P. S.: „Cowboys & Aliens“ ist eine Comicverfilmung. Aber dieses Mal haben die Macher außer der Idee des Genrecrossovers nichts von der ebenfalls ziemlich ironiefreien Vorlage, die jetzt, pünktlich zum Filmstart, bei uns erschien, übernommen. In dem Comic müssen die Außerirdischen 1873 in Arizona notlanden. Ihr Raumschiff ist kaputt.und, bevor sie Hilfe herbeifunken, reißt sich Kommandant Rado Dar (der mit seinen Hörnern an einen grünlichen Büffel erinnert) den Planeten, weil er auf keiner Kasten-Sternenkarte verzeichnet ist, unter den Nagel und die Menschen will er gleich zu seinen Leibeigenen machen. Immerhin gehört ihm jetzt alles.
Doch er hat nicht mit den Cowboys Zeke und Verity, die eine Gruppe von Siedlern in die Glücksritterstadt Silver City bringen sollen, gerechnet. Sie nehmen sofort den Kampf gegen diese neue Bedrohung auf und, als Zeke eine Pistole der Außerirdischen findet, können sie sich erfolgreich wehren.
In dem unterhaltsamen Comic mit erstaunlich wenig Western-Atmosphäre (vor allem im Vergleich zum Film, in dem die Aliens fast die Entschuldigung sind, einen Western zu machen) wird im Prolog die Eroberung Amerikas durch die Europäer mit der Eroberung der Erde durch die Außerirdischen gleichgesetzt. Das ist ein interessanter Aspekt, der aber in dem späteren Kampf der Cowboys gegen die Aliens nicht weiterverfolgt wird.
Cowboys & Aliens (Cowboys & Aliens, USA 2011)
Regie: Jon Favreau
Drehbuch: Roberto Orci, Alex Kurtzman, Damon Lindelof, Mark Fergus, Hawk Ostby (nach einer Geschichte von Mark Fergus, Hawk Ostby und Steve Oedekerk [klingt nach einer sehr langen Entwicklung])
mit Daniel Craig, Harrison Ford, Abigail Spencer, Buck Taylor, Olivia Wilde, Sam Rockwell, Clancy Brown, Paul Dano, Adam Beach, Noah Ringer, Keith Carradine, Walton Goggins
Länge: 118 Minuten
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Scott Mitchell Rosenberg (Erfinder)/Andrew Foley/Fred Van Lente/Andrew Foley (Autoren)/Bennis Calero/Luciano Lima/Magic Eye Studios (Zeichnungen): Cowboys & Aliens
Michael Clayton ist der Troubleshooter für eine große New Yorker Kanzlei. Als einer ihrer Anwälte ausrastet und damit den Prozess gegen das multinationale Chemieunternehmen U/North gefährdet, ist Clayton gefordert. Doch dieser steckt gerade selbst in einer Midlife-Crises.
Tony Gilroy, der als Autor der actionhaltigen Jason-Bourne-Trilogie bekannt wurde, hat mit seinem Regiedebüt einen Paranoia-Thriller inszeniert, bei dem die Bedrohung nicht mehr vom Staat sondern von der Wirtschaft ausgeht. Trotzdem haben Action-Fans bei „Michael Clayton“ schlechte Karten. Fans des guten, im positiven Sinn altmodischen Schauspielerkinos haben dagegen gute Karten.
Tony Gilroy war als bester Autor und Regisseur für einen Oscar nominiert, George Clooney als bester Darsteller, Tom Wilkinson als bester Nebendarsteller und Tilda Swinton erhielt einen Oscar einen BAFTA-Awards als beste Nebendarstellerin.
Gilroys Buch erhielt auch den Edgar-Allan-Poe-Preis.
Mit George Clooney, Tom Wilkinson, Tilda Swinton, Sydney Pollack, Michael O’Keefe
Seit 1997 klärte Detective Chief Inspector Tom Barnaby (John Nettles) über achtzig Mordfälle (ermordet wurden insgesamt um die zweihundert Menschen) in der beschaulichen Grafschaft Midsomer auf. Erfunden wurde diese typisch englische Grafschaft von Caroline Graham und auch die ersten „Midsomer Murders“-Filme basierten auf Büchern von ihr. Doch schon seit langem erfinden die Macher neue Mordfälle, die tief in der Tradition des britischen Rätselkrimis, in denen die Aufklärung der Morde eine intellektuelle Spielerei ist und am Ende der Geschichte die Welt wieder in Ordnung ist, stehen. Die „Inspector Barnaby“-Krimis haben daher mit der Realität ungefähr so viel zu tun, wie die „Schnulze der Woche“. Entsprechend unpolitisch und auch ahistorisch sind die Geschichten. Denn ob die Geschichte 1950, 1980 oder heute spielt, erkennt man höchstens an den Autos, den Telefonen und den Computern.
Die Fälle von DCI Barnaby bilden damit das Gegenstück zu den Fällen von Chief Inspector George Gently, die präzise an einem bestimmten Ort und Zeit (die sechziger Jahre in Northumberland) lokalisiert sind und, durch die historische Brille, sich auch zu aktuellen Problemen äußern. Bei Inspector Barnaby ist dagegen die Welt noch in Ordnung. Spätestens am Ende des Films, wenn der Mörder, dessen Motiv im Privaten liegt, überführt ist und dann auch die lästige Störung der ländlichen Ruhe durch die Morde beseitigt ist.
Denn in den vier Fällen die Barnaby auf der neuesten DVD-Box „Inspector Barnaby – Volume 12“ löst und die, was bei Einzelfilmen kein Problem ist, aus 1999, 2007 und 2008 entstandenen Folgen besteht, folgt auf den ersten Mord meistens noch ein zweiter und ein dritter. Aber so richtig beunruhigt sind die Bewohner von Midsomer nicht und, je mehr Folgen es gibt, umso unrealistischer (was aber den Fan einer Serie noch nie gestört hat) wird das Konzept der Serie. Denn zweihundert Morde in etwas über zehn Jahren ist eine Mordrate, die manche Großstadt als Hort des Friedens erscheinen lässt.
In „Mord auf der Durchreise“, dem ältesten Barnaby-Fall in dieser Sammelbox, wird der Besitzer eines Herrenhauses erschossen. Verdächtig ist selbstverständlich das gerade anwesende fahrende Volk. Barnaby entdeckt bei seinen Ermittlungen schnell seltsame familiäre Bande und alte Feindschaften.
In „Leben und Morden in Midsomer“ entdecken Touristen im Wald eine halb verweste Leiche. Der Tote war der Ex-Mann der neuen Frau von Guy Sandy, dem Herausgeber des scharfzüngigen Magazins „Midsomer Life“. Kurz darauf wird Sandy ermordet und über seinen Tod scheint niemand so richtig traurig zu sein.
In „Geliebt, gejagt, getötet““ wird Jack Colby, ein Ex-Polizist und Ex-Freund von Barnaby, ermordet. Gemeinsam mit seiner Frau, ebenfalls eine Ex-Polizistin, kümmerten sie sich auf dem Anwesen eines als Gattinnenmörder verurteilten Grafen um entlassene Sträflinge. Kurz vor seinem Tod wollte Colby Barnaby noch ein Geheimnis anvertrauen.
Und in „Der Wald der lebenden Toten“ geht es um das Übersinnliche. Denn Ernest Balliol, der Anführer eines lokalen Kults, will ein wertvolles Buch, das er in der Bibliothek von Aloysius Wilmington vermutet, haben. Die beiden waren früher befreundet und sind heute, spätestens nachdem der Wilmington in Büchern und im TV einen Feldzug gegen okkulte Gruppen (bevorzugt natürlich die von Balliol) führt, spinnefeind. Den ersten Toten gibt es während einer Zaubervorstellung von Aloysius vor Kindern. Der zweite Tote ist ein Antiquar und eine dritte Leiche wird es auch noch geben.
Dass für meinen Geschmack „Inspector Barnaby“ etwas zu gemütlich ist, dürfte niemand überraschen. Auch nicht, dass mir das alles etwas zu lauschig ist und zu sehr in Richtung traditioneller Whodunit geht. Denn die Morde geschehen in der Bilderbuchgrafschaft Midsomer und, wenn wir uns die vier in der neuen DVD-Box „Volume 12“ versammelten Folgen ansehen, war es 1999 noch lauschiger als heute. Damals gab es sogar noch Pferdekutschen. In den neueren Episoden wird sich dann mit dem Auto fortbewegt. Sonst ist alles immer noch wie zu Agatha Christies Zeiten.
Aber wenn ich die Wahl zwischen einem „Tatort“, der sich ja immer bemüht neben dem Krimi auch noch etwas Wichtiges zu sagen, und einem „Inspector Barnaby“ habe, dann würde ich doch den Engländer vorziehen. Denn, wie auch die Fälle in der zwölften „Inspector Barnaby“-Box zeigen, sind die Fälle einfach gut entwickelte Whodunits, die nicht mehr und nicht weniger als gutes Handwerk sein wollen; – und beim Sehen von gutem Handwerk fällt immer wieder auf, wie oft in einem „Tatort“ auf genau das verzichtet wird.
Die Musik
Inzwischen gibt es auch die von Jim Parker geschriebene Musik auf CD und in der zehnten „Inspector Barnaby“-Box eine Bonus-CD mit weiteren Liedern aus den Filmen. Denn Parkers Filmmusik ist immer sehr liedhaft und nimmt auch immer wieder Elemente von traditionellen Melodien und Tänzen auf. Das führt dazu, dass die von Jim Parker geschriebenen Stücke auch gut ohne die Filme funktionieren – und weshalb ich die CD im Moment ziemlich oft in meinen CD-Player lege.
Inspector Barnaby – Volume 12 (Midsomer Murders)
LV: Charakter von Caroline Graham
mit John Nettles (DCI Tom Barnaby), Jane Wymark (Joyce Barnaby), Barry Jackson (Dr Bullard), Jason Hughes (DS Ben Jones), Laura Howard (Cully Barnaby), Daniel Casey (Sergeant Gavin Troy), Kirsty Dillon (WPC Gail Stephens)
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DVD
Edel
Bild: PAL 16:9 (Folge 1 – 3), PAL 4:3 (Folge 4)
Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Interview mit John Hughes (8 Minuten)
Länge: 388 Minuten (4 spielfilmlange Episoden auf 4 DVDs)
FSK: ab 12 Jahre
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enthält diese Ermittlungen von Inspector Barnaby
Leben und Morden in Midsomer (Midsomer Life, GB 2008; Staffel 11, Folge 4; Episode 63)
Regie: Peter Smith
Drehbuch: David Hoskins
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Geliebt, gejagt, getötet (Death in a Chocolate Box, GB 2007; Staffel 10, Folge 8; Episode 59)
Regie: Richard Holthouse
Drehbuch: Tony Etchells
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Der Wald der lebenden Toten (The Magician’s Nephew, GB 2008; Staffel 11, Folge 5; Episode 64)
Regie: Richard Holthouse
Drehbuch: Michael Russell
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Mord auf der Durchreise (Blood will out, GB 1999; Staffel 2, Folge 4; Episode 9)
Baranski deckt einen Polit-Skandal auf und will dem pensionierten MAD-Oberstleutnant Delius die Beweise übergeben. Baranski wird vor dem Treffen überfahren. Delius sucht den Mörder.
„Baranskis Geschäft“ war der dritte und letzte „Tatort“ mit Horst Bollmann als MAD-Oberstleutnant Delius. Jürgen Roland, der alle Fälle inszenierte, wagte sich mit den Delius-“Tatorten“ weit in die undurchsichtigen Geschäfte zwischen Ost und West. Entsprechend spannend sind sie heute als Zeitdokumente aus dem Kalten Krieg.
„Baranskis Geschäft“ gehört zu den extrem selten gezeigten „Tatorten“. Zuletzt lief er am 28. Dezember 2003 weit nach Mitternacht im TV.
Mit Horst Bollmann, Knut Hinz, Nicolin Kunst, Ulrich Dobschütz, Klaur Barner, Fritz Eckhardt
Aber das ging damals, als Frank Göhre im Frühjahr 1984 mit Richard K. Flesch, dem legendären Herausgeber der rororo-Thriller-Reihe, über seine neue Romanidee sprach, gar nicht. Damals meinte Flesch auf einen Romanvorschlag von Göhre: „Soweit kommt’s noch, dass Rowohlt kriminelle Heimatschmonzetten veröffentlicht.“
Tja, das war damals, als der Soziokrimi noch lebendig war. Heute veröffentlicht Rowohlt auch Regiokrimis. Damals änderte Göhre sein Konzept. Von der Lüneburger Heide ging’s nach Hamburg. Regisseur Carl Schenkel, mit dem Göhre damals an dem Fahrstuhlthriller „Abwärts“ arbeitete, gab ihm einen „Spiegel“-Artikel über die unglückliche Liebe eines Rentners zu einer Peep-Show-Tänzerin (Hm, klingt irgendwie nach „Professor Unrat“). Göhre begann sich auf der Reeperbahn umzusehen und im Juli 1986 erschien „Der Schrei des Schmetterlings“. Mit „Der Tod des Samurai“ und „Der Tanz des Skorpions“ erzählte er 1989 und 1991 die Geschichte der Polizisten und Verbrecher auf St. Pauli fort. Mit „St. Pauli Nacht“ gab es 1993 einen kleinen Nachschlag und 2006 mit „Zappas letzter Hit“ den vierten St.-Pauli-Roman.
In „Die Kiez-Trilogie“ sind jetzt die ersten drei, eng miteinander verknüpften Romane erschienen und sie sind wahrlich keine Heimatschmonzetten oder Regiokrimis. Sie sind intime Milieustudien von der Hamburger Reeperbahn und der hamburger Melange von Polizei, Verbrechern und Politik. Dabei mischt Göhre Fakten mit Fiktion zu einem Gebräu, in dem immer unklarer wird, wer die Guten und wer die Bösen sind – und mit dem Überführen und Bestrafen der Verbrecher am Ende des Romans funktioniert es auch nicht so gut.
Ich war damals, als die jetzt in der „Kiez-Trilogie“ versammelten Romane vor über zwanzig Jahren erschienen, mächtig begeistert. Das war wirklich mehr Raymond Chandler, Dashiell Hammett, James M. Cain, Jim Thompson, Mickey Spillane und Ross Thomas (um nur einige zu nennen), als der biedere bundesdeutsche Krimi zwischen -ky, Hansjörg Martin, Christine Grän und Felix Huby (obwohl mir die ersten Bienzles gut gefielen).
Jetzt sind die drei St.-Pauli-Romane bei Pendragon wieder veröffentlicht worden. Frank Göhre schrieb das gut dreißigseitige Nachwort „Hamburger Verhältnisse – Hintergründe und Materialien zur Kiez-Trilogie“, in dem er anhand zahlreicher Zitate aus alten Zeitungen zeigt, wie sehr er sich bei seinen Romanen von der Wirklichkeit inspirieren ließ. Außerdem kannte er auch etliche Szenegrößen und recherchierte viel auf St. Pauli, das mit dem heutigen St. Pauli nichts mehr zu tun hat.
Insofern ist „Die Kiez-Trilogie“ auch ein Teil der alternativen deutschen Geschichtsschreibung und die Antithese zum Regiokrimi.
Lina Braake oder Die Interessen der Bank können nicht die Interessen sein, die Lina Braake hat (D 1975, R.: Bernhard Sinkel)
Drehbuch: Bernhard Sinkel
Nachdem die Bank das marode Mietshaus gekauft hat, wird die 81-jährige Lina Braake aus ihrer Mietswohnung (für die sie ein lebenslanges Wohnrecht hatte) geworfen. Im Altersheim lernt sie einen Bankbetrüger kennen und gemeinsam beschließen sie, sich die Bank vorzuknöpfen.
Ein alter deutscher Film, der damals auf der Berlinale seine umjubelte Premiere erlebte, den Ernst-Lubitsch-Preis und als bester Film des Jahres ein Filmband in Silber erhielt (Lina Carstenss erhielt ein Filmband in Gold für ihre Darstellung), ein Kassenerfolg in Deutschland (der erfolgreichste deutsche Film war 1975 „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ und dann kam „Lina Braake“), Frankreich und England war, den „Neuen Deutschen Film“ beim Publikum bekannt machte, nur selten im TV läuft und heute, wie ein Blick in die Tageszeitung verrät, nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat. Eher im Gegenteil.
„Dieser Film ist so sehr er selbst, dass es fast ungerecht und lieblos ist, darauf hinzuweisen, was er Brecht verdankt, wie er lehrstückhaft plausibel erklärt, dass die Gründung einer Bank ein schlimmeres Delikt ist als deren Ausraubung, oder durchaus auch dem Western, dessen Helden Popularität genießen, weil sie die Institute der Wirtschaft als Institutionen der Ausbeutung begreifen und deshalb den Holdup als das Couponschneiden des kleinen Mannes praktizieren.“ (Robert Fischer/Joe Hembus: Der Neue Deutsche Film)
Die Musik ist von Jazzer Joe Haider.
mit Lina Carstens, Fritz Rasp, Herbert Bötticher, Erica Schramm, Benno Hoffmann, Rainer Basedow, Walter Sedlmayr
• Ann Eleonora Jørgensen für The Killing (Arrow Films, BBC 4)
• Kelly Macdonald für Boardwalk Empire (HBO, Sky Atlantic)
• Ruth Wilson für Luther (BBC One)
• Amanda Abbington für Case Histories (Ruvon Films, BBC One)
• Tara Fitzgerald für Waking the Dead (BBC One)
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Die Preisverleihung ist am Freitag, den 7. Oktober, auf dem Specsavers Crime Thriller Awards im Grosvenor House und, wer das englische Fernsehen empfängt, ITV3 zeigt am Dienstag, den 11. Oktober, die Dagger-Preisverleihung mit der Verleihung der Film-Daggers.
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Jau, „Zen“ basiert auf den Aurelio-Zen-Romanen von Michael Dibdin. Und ZDFneo zeigt „Luther“ ab Montag, den 5. September, um 22.35 Uhr.
Da sind ja einige altbekannte Namen dabei, die, wie Robert Crais, John Lutz, Dominic Stansberry, Gar Anthony Haywood, Mickey Spillane und Max Allan Collins, schon lange nicht mehr übersetzt werden, aber zu meinen Lieblingen gehören. Immerhin bin ich ein Fan von Privatdetektivkrimis und im Moment von den neuen Kenzie/Gennaro-Krimi „Moonlight Mile“ von Dennis Lehane sehr angetan.
Michael Haneke macht ein eins-zu-eins-Remake von seinem 1997er Film. Das verschaffte ihm sicher in den USA einige Zuschauer, aber für die Kenner des Originals stellt sich die Frage, warum sie sich Naomi Watts und Tim Roth statt Susanne Lothar und Ulrich Mühe ansehen sollen. Und Haneke liefert auch keinen Grund: „Habe ich es zu aktualisieren? Eigentlich nicht. Die Aktualität ist innerhalb dieser zehn Jahre gewachsen, und inhaltlich fiel mir nichts Neues dazu ein.“
Mit Naomi Watts, Tim Roth, Michael Pitt, Brady Corbet, Devon Gearhart
Mr. Brooks – Der Mörder in dir (USA 2007, R.: Bruce A. Evans)
Drehbuch: Bruce A. Evans, Raynold Gideon
Mr. Brooks ist ein geachteter Unternehmer mit einem dunklen Geheimnis: er ist auch ein Serienkiller. Als er bei seiner letzten Tat von Mr. Smith beobachtet wird, erpresst dieser ihn. Er wird schweigen, wenn Mr. Brooks ihn in die Kunst des perfekten Mords einweiht. Und dann ist da noch eine hartnäckige Polizistin.
Köstlich-schwarzhumoriger Krimi, der etwas unter seinen vielen Subplots leidet, aber das Zusammenspiel von Kevin Costner (als Mr. Brooks) und William Hurt (als sein mordgieriges Alter Ego) macht das mehr als wett.
„Raffiniert konstruierter Neo-Noir-Thriller“ (Lexikon des internationalen Films)
mit Kevin Costner, Demi Moore, Dane Cook, William Hurt, Marg Helgenberger, Danielle Panabaker, Ruben Santiago-Hudson, Lindsay Crouse, Reiko Aylesworth
Das Yankee Pedlar Hotel ist ein altes Hotel. Aus dem neunzehnten Jahrhundert, stilecht ausgestattet und nur in Details modernisiert. Es ist auch ein eher kleines Hotel in irgendeiner Neuengland-Kleinstadt. Für amerikanische Verhältnisse ist das Hotel schon uralt und, wie es sich für ein altes Gemäuer gehört, soll es auch einen Geist geben.
Für Claire (Sara Paxton) und Luke (Pat Healy) ist das die letzte Gelegenheit, den Geist zu kontaktieren. Die beiden Mittzwanziger (sie eher Anfang, er eher Ende Zwanzig) arbeiten als Portiere in dem Hotel und müssen die letzte Schicht, ein ganzes langweiliges Wochenende, übernehmen. Gäste gibt es, bis auf eine Mutter mit ihrem Sohn und der alternden Schauspielerin Leanne Rease-Jones (Kelly McGillis), die jetzt als Medium arbeitet und locker die Minibars in einem Stockwerk leertrinkt, nicht.
Luke, der eine Homepage über den Geist aufgebaut hat und zynisch-desillusioniert auf das Leben blickt, und seine begeisterungsfähige Kollegin, die jetzt endlich auch den Geist sehen will, hängen in der Lobby herum und versuchen die Zeit möglichst unproduktiv totzuschlagen. Claire probiert in der ersten Nacht, eher erfolglos, mit dem Geist Kontakt aufzunehmen. Dafür befreit sie (mit letztendlich fatalen Folgen) einen Vogel aus dem Keller.
Und dann kommt in der letzten Nacht ein letzter Gast, der unbedingt ein bestimmtes Zimmer will.
„The Innkeepers“ ist ein sehr altmodischer Grusler, der von seinen Schauspielern, die alle einen Tick neben der Spur spielen und so alle etwas seltsam erscheinen, den Dialogen (vor allem Luke hat einige schöne Einzeiler, aber auch der erste Auftritt von Rease-Jones als Medium ist toll) und den atmosphärischen und stilistischen Hinweisen auf frühere Gruselfilme lebt. Ich sage nur die durch die Gänge und Räume gleitende Kamera und die damit verbundene und oft enttäuschte Erwartung, dass bald etwas Schlimmes geschehen wird.
Das ist aber, weil auf Tricks wie sich verformende Türen, seltsame Stimmen, sich durch die Gänge bewegende Geister (die heute wahrscheinlich alle aus dem Computer kommen) und, bis auf ein, zwei Ausnahmen, die auch in einer „C. S. I.“-Folge gezeigt werden könnten, auf blutige Effekte verzichtet wurde, auch arg minimalistisch und, weil die Überraschungen höchstens im Detail (dieser Dialog, jene Bewegung) liegen, auch arg vorhersehbar und in der Mitte dann auch ziemlich zäh. Denn die Geschichte ist etwa so spannend wie ein Wochenende in einem Hotel.
Der Geisterhaushorror „The Innkeepers“ ist eher der „TV-Film der Woche“ als der „Kinofilm der Woche“.
The Innkeepers (USA 2011)
Regie: Ti West
Drehbuch: Ti West
mit Sara Paxton, Pat Healy, Kelly McGillis, George Riddle, John Speredakos
Länge: 102 Minuten
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Der Zeitpunkt der deutschen Veröffentlichung ist noch unklar.
Der korrupte Cop Grimaldi soll eine Berufskillerin, die sich mit der Mafia angelegt hat, beschützen. Er verliebt sich in sie und, auch weil sie ihr eigenes Spiel spielt, gerät er zwischen alle Fronten.
„Ein Film noir wie aus der Schreibmaschine von Cornell Woolrich“, steht vollkommen zutreffend im Fischer Film Almanach (1995).
mit Gary Oldman, Lena Olin, Annabella Sciorra, Juliette Lewis, Roy Scheider, Will Patton, David Proval, James Cromwell, Ron Perlman, Dennis Farina (Cameo)
Otto Preminger drehte Klassiker und Publikumshits wie „Laura“, „Engelsgesicht“, „Fluss ohne Wiederkehr“, „Carmen Jones“, „Porgy und Bess“, „Anatomie eines Mordes“, „Exodus“, „Der Kardinal“ und „Bunny Lake ist verschwunden“. Er drehte während seiner fast fünfzigjährigen Karriere als Regisseur selbstverständlich auch einige Flops. Sein größter Flop ist wohl die absolut unwitzige Komödie „Skidoo – Ein Happening in Love“ (USA 1968). „Unternehmen Rosebud“ ist als absolut unspannender Thriller nicht viel besser. Die Story ist ein typischer Siebziger-Jahre-Polit-Thriller, der die Schlagzeilen aufnimmt und in einer klischeehaften Geschichte, in der palästinensische Terroristen fünf Millionärstöchter entführen und ein Söldner sie befreien soll, verbrät.
Was okay wäre, wenn Preminger die Story, nach einem hoffnungslos überladenem und konfusem Drehbuch von seinem Sohn Erik Lee (es ist das einzige von ihm verfilmte Buch), wenigstens flott erzählt hätte. Aber das tut er nicht.
In der ersten halben Stunde ist, außer der Entführung der fünf Hübschen und der Forderung der Terroristen an die einflussreichen Väter der Geisel, einen Film weltweit auszustrahlen, wenig geschehen und sowohl die Opfer als auch die Täter sind uns herzlich egal.
Erst dann betritt der Held der Geschichte, der Zeitungsjournalist und freischaffende Agent Larry Martin (Peter O’Toole) die Bühne und beginnt arg lustlos mit der Suche.
Peter O’Toole hatte die Rolle kurzfristig von Robert Mitchum übernommen, der sich während der Dreharbeiten hoffnungslos mit Otto Preminger zerstritt (aus ihren Erzählungen ist unklar, wer für den Bruch verantwortlich war). O’Toole, dessen Karriere damals auf dem Tiefpunkt war, porträtiert Larry Martin als einen eitlen, dandyhaften, ständig leicht angesäuselten Gockel. Aber vielleicht, immerhin war O’Toole damals als Partylöwe und ausdauernder Trinker bekannt, trockelte er einfach nur durch die Kulissen und fragte sich, was er hier verloren habe und warum er mehr in den Film investieren sollte, als die anderen Schauspieler.
Denn obwohl Otto Premiger mal wieder viele bekannte Schauspieler engagierte, sind ihre Leistungen durchgehend erschreckend schlecht. Bei den Millionärstöchtern, die von entsprechend jungen Schauspielerinnen, die primär wegen ihres Aussehens gecastet wurden, könnte das noch mit ihrer mangelnden Schauspielerfahrung entschuldigt werden. Wobei Isabelle Huppert inzwischen eine geachtete Schauspielerin ist und die damalige Debütantin Kim Cattrall immer noch gut im Geschäft ist. Von den anderen Film-Geiseln hat man nichts bemerkenswertes mehr gehört.
Aber auch erfahrene Schauspieler, wie Richard Attenborough, Claude Dauphin, Peter Lawford, Raf Vallone und Klaus Löwitsch, scheitern an den dünnen Charakterisierungen (soweit man davon sprechen kann), den peinlichen Dialogen und der abwesenden Regie.
Dummerweise lenkt das immer wieder den Blick auf die zahlreichen Löcher im Plot und, wenn man den Film als ganzes betrachtet, plötzlich verschwindenden Charakteren, im nirgendwo endenden Subplots und seltsamen erzählerischen Umwegen, die zwar Zeit kosten, unseren Helden Larry Martin nicht einen Schritt näher ans Ziel bringen, aber dafür einen Einblick in die rauhen Sitten auf französischen Polizeirevieren, der effizienten Arbeit der deutschen Polizei (garniert mit einigen Berlin-Bildern) und der noch effizienteren Arbeit der israelischen Sicherheitsbehörden, die den besten Computer auf der Welt haben, geben.
So wird in den ersten Minuten gezeigt, wie ein Mann im Versteck der Terroristen seine kranke Frau pflegt. Dass die Terroristen gerade in so einer Wohnung, auch wenn sie einsam gelegen ist, ihre Geisel verstecken wollen, ist nicht gerade logisch. Und wenn dann eben dieses Pärchen nicht wieder auftaucht, fragt man sich, warum sie überhaupt so groß eingeführt wurden.
Oder wenn die Geisel sich für eine Videoaufnahme ausziehen müssen, erwartet man natürlich (immerhin ist der Film von 1975) einen Blick auf den nackten Busen. Den gibt es für die FKK-Fanatiker unter den Zuschauern nicht, aber vielleicht sollte auch nur gezeigt werden, was für schäbige Gesellen die Terroristen sind. Danach sind sie jedenfalls auffallend desinteressiert an den Reizen ihrer Geisel, die ihre Gefangenschaft als eine Art Schullandheimaufenthalt mit Putzdiensten und gemeinsamen Singen verbringen.
Oder wenn die Entführer ihre erste Geisel freilassen. Sie inszenieren für sie im Hinterhof ihrer Villa eine unglaublich lange Reise. Aber dann lassen sie sie einige Meter von ihrer Villa frei und, obwohl sie scheinbar an alles gedacht haben, haben sie vergessen, dass man auf einer Insel die Ankunft eines Flugzeugs ziemlich einfach mitbekommt. Es wäre sowieso viel einfacher gewesen, die Hübsche einfach zu betäuben und an irgendeiner Landstraße auszusetzen. Dann wäre ihr auch nie aufgefallen, dass sie gar nicht in einem richtigen Flugzeug war.
Undsoweiterundsofort.
Dass bei diesem Desaster auf erzählerischer und schauspielerischer Ebene „Unternehmen Rosebud“ nicht nur als „Thriller“, sondern auch als „Polit-Thriller“ und „Actionfilm“ versagt, wundert kaum noch. Denn die schlecht choreographierten Action-Szenen werden bereits fast vollständig im Trailer gezeigt und die politische Dimension ist mit Diskursen auf Pennäler-Niveau vorgeschoben. Wobei gerade diese klischeehafte politische Dimension aus heutiger Sicht noch das interessanteste an diesem Stinker ist. Denn sie bieten einen unverfälschten Blick auf die damaligen Diskurse zwischen Kapitalismuskritik, Palästina-Israel-Feindschaft und dem internationalem Terrorismus. Das ist zwar platte Kolportage, aber halt die Kolportage von 1975.
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Unternehmen Rosebud (Rosebud, USA 1975)
Regie: Otto Preminger
Drehbuch: Erik Lee Preminger, Marjorie Kellogg (ungenannt)
LV: Paul Bonnecarrere, Joan Hemingway: Rosebud, un chantage qui bouleverse le monde, 1973 (Unternehmen Rosebud)
Mit Peter O’Toole, Richard Attenborough, Cliff Gorman, Claude Dauphin, John V. Lindsay, Peter Lawford, Raf Vallone, Adrienne Corri, Amidou, Isabelle Huppert, Kim Cattrall (Debüt), Klaus Löwitsch
Zugegeben, das Problem mit der Zukunft ist, dass wir noch nicht wissen, was demnächst geschehen wird. Danach weiß man, was geschehen ist und kann man nur noch sagen: „Damals hielt ich es für eine gute Idee.“
Aber es gibt auch einige Leute, die es besser wissen müssten, weil sie sich beruflich mit bestimmten Fragen beschäftigen. Doch auch sie, wie Jürgen Brater in seinem neuen Buch „Keine Ahnung, aber davon viel – Die peinlichsten Prognosen der Welt“ zeigt, irren sich immer wieder. Teils aus Betriebsblindheit, teils aus Eigeninteresse.
So meinte der US-amerikanische Bischof Milton Wright 1903: „Menschen werden niemals fliegen, denn Fliegen ist den Engeln vorbehalten.“ Oder der US-Präsident Grover Cleveland sagte 1905: „Vernünftige und verantwortungsbewusste Frauen wollen gar nicht wählen.“
Tja, nun, da war wohl eine gehörige Portion Eigeninteresse dabei.
Vollkommen übertrieben fortschrittsgläubig war Alex Lewyt, Chef der US-Staubsagerfirma Lewyt Corporation, 1955, als er sagte: „Nuklear-getriebene Staubsauger werden innerhalb der nächsten zehn Jahre wahrscheinlich Realität sein.“ Auch der Nobelpreisträger Herbert Simon irrte sich, als er 1957 meinte: „Innerhalb der nächsten zehn Jahre wird ein Computer Schachweltmeister.“
Tja, damals war man doch sehr fortschrittsgläubig.
Politikexperten sind auch immer gut für eine Fehlprognosen. So meinte Larry C. Johnson, Anti-Terrorismus-Experte des US-Außenministeriums, am 10. Juli 2011 in der New York Times: „Amerikaner sind von Phantasien über Terrorismus besessen. Sie scheinen zu glauben, dass der Terrorismus die größte Bedrohung der Vereinigten Staaten sei und dass er sich ausbreiten und tödlicher wird. Keine dieser Annahmen basiert auf Fakten.“
Und, wenn wir die Fehlprognosen von Steve Jobs und Bill Gates mal links liegen lassen, hat Steve Chen, Mitbegründer von YouTube, sich 2005 kräftig geirrt, als er sagte: „YouTube wird ein Reinfall. Es gibt einfach nicht so viele Videos, die ich anschauen möchte.“
Brater hat zu jeder Prognose mehr oder weniger ausführlich geschrieben, in welchem Zusammenhang sie gemacht wurde, wer sie gemacht hat, wie die damalige und wie die heutige Realität ist. Das liest sich sehr kurzweilig und ist auch informativ. Allerdings drängt sich bei der Häufung von Fehlprognosen auch mit der Zeit der Eindruck auf, dass die Experten eine Ansammlung von Trotteln sind. Das stimmt aber nicht. Schon Voltaire wusste: „Man kann von Propheten nicht verlangen, dass sie immer irren.“
Denn, so Dan Rather: „Irren ist menschlich. Aber wenn man richtig Mist bauen will, braucht man einen Computer.“
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Jürgen Brater: Keine Ahnung, aber davon viel – Die peinlichsten Prognosen der Welt
Ullstein, 2011
304 Seiten
8,99 Euro
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Alle Zitate sind aus „Keine Ahnung, aber davon viel“.
Drehbuch: Paul Haggis (nach einer Geschichte von Mark Boal und Paul Haggis)
Ex-Militärpolizist und Vietnamveteran Hank Deerfield erfährt, dass sein Sohn Mike sich nach seiner Rückkehr aus dem Irak fahnenflüchtig ist. Kurz darauf wird seine verbrannte Leiche gefunden. Deerfield beginnt mit einer Polizistin Mikes Mörder zu suchen. Dabei werden sie vom Militär behindert.
Haggis benutzt in seinem feinen Thriller das Genre, um auf ein gesellschaftliches Problem aufmerksam zu machen. Denn der auf einem wahren Fall basierende, hochgelobte Thriller beschäftigt sich mit den seelischen Kosten von Kriegseinsätzen für den Einzelnen und die Gesellschaft.
Der Titel spielt auf die David-und-Goliath-Geschichte in der Bibel an. Deren Kampf fand im Valley of Elah, bei uns je nach Bibelübersetzung bekannt als Eichgrund, Elberfelder oder Terebinthental, statt.
Mit Tommy Lee Jones, Charlize Theron, Susan Sarandon, Jason Patric, James Franco, Josh Brolin, Jonathan Tucker
Egal was man von der am Donnerstag im Kino startenden „Captain America“-Verfilmung hält, sie hat uns die Übersetzung des „Captain America“-Comics von David Morrell beschert.
Genau, der David Morrell, der 1972 John Rambo erfand, danach zahlreiche Bestseller schrieb und auch die Filmromane zum zweiten und dritten „Rambo“-Film schrieb. Morrell mochte beide Filme nicht und er verzichtete auch darauf, den Charakter weiter auszuschlachten. Denn damals, in den Achtzigern, hätte er mühelos mit dem Charakter viel Geld verdienen können. Zuletzt erschien bei uns sein spannender Thriller „Level 9“. Seine letzten drei Romane wurden aus unbekannten Gründen nicht mehr übersetzt.
„Captain America“ ist, für alle, die die vergangenen Wochen in einer Höhle verbracht haben, eine Comicfigur aus dem Marvel-Universum. Sie wurde 1941 von Joe Simon und Jack Kirby erfunden. Captain America ist Steve Rogers, ein Hänfling, der gerne zum Militär möchte um seinem Vaterland im Kampf gegen die bösen Nazis zu dienen. Im Rahmen eines geheimen militärischen Projekts bekommt er Quasi-Superkräfte und los geht’s. „Captain America“ ist natürlich eine ultrapatriotische Serie, die vor allem das US-amerikanische Selbstbild des guten Weltpolizisten transportiert. Captain America ist also mehr die von Sylvester Stallone in „Rambo II“ und „Rambo III“ porträtierte Ein-Mann-Kampfmaschine, als der von David Morrell erfundene Outcast, der auch am Ende des Romans „First Blood“ stirbt.
Dass David Morrell seiner „Captain America“-Geschichte, die außerhalb der Kontinuität der regulären, inzwischen von Ed Brubaker geschriebenen „Captain America“-Serie spielt, einen sehr eigenen Dreh gibt, versteht sich daher von selbst.
In Afghanistan kämpft Corporal James Newman für sein Land. Als seine Einheit in einem Hinterhalt gerät, sieht er plötzlich Captain America und gemeinsam können sie Newmans Kameraden retten. Newman wird anschließend geehrt für seine Tapferkeit. Captain America hat dagegen niemand gesehen.
Kurz darauf sollen die Soldaten ein Waffenlager ausheben. Sie dringen in die Höhle ein. Durch eine Explosion werden sie verschüttet und Newman muss sich seinen Ängsten stellen, um seine Kameraden zu retten. Denn er hat furchtbare Platzangst. Und wieder hilft ihm Captain America. Während Newman den Weg aus der Höhle sucht, erzählt Captain America ihm, wie er zu Captain America wurde.
Denn Captain America ist es irgendwie gelungen, in Newmans Kopf zu gelangen.
In Wirklichkeit liegt er in der Nähe von Washington in einem schwerbewachten Labor und kämpft gegen seine rapide schwindenden Kräfte. Gleichzeitig nimmt er an einem Experiment teil. Einem Fernwarhnehmungsexperiment und der Präsident der USA meint zu Captain Americas Teilnahme: „Selbstlos wie immer. Opfert sich auf bis zuletzt.“
David Morrell lässt die Geschichte nicht im platten Patriotismus enden. Schon die in der Geschichte mantraartig immer wieder auftauchenden Worte „Mut, Ehre, Loyalität, Opferbereitschaft“ geben einen Hinweis auf das Ende. Denn diese honorigen Werte und auch soldatischen Tugenden können allzu leicht von der Regierung missbraucht werden. Captain America will aber, wie er Newman sagt, etwas anderes: „Überall im Land gibt es noch andere Männer und Frauen mit ihren Tugenden. Anständige, fürsorgliche Menschen, die bereit sind, Opfer zu bringen. Einige von ihnen sind bereits Helden, auch wenn sie sich selbst nicht dafür halten. Sie bestehen darauf, bloß ihren Job zu erledigen. Menschen, die sich für gewöhnlich halten, obwohl sie die wichtigste, heldenhafteste Arbeit der Welt leisten. Die alles tun, was ihnen möglich ist. Die stets ihr Bestes geben, um das Leben aller zu verbessern. (…) Ich nutze meine letzte Entschlossenheit, um sie dazu zu drängen, in sich hineinzuhorchen, den Edelmut und die Hingabe aufzubringen, die für das beste stehen stehen, wie Menschen sein können. (…) Mit Freuden opfere ich mein Leben, wenn die Menschen dadurch begreifen, dass jeder von ihnen es in sich hat, ein Held zu sein…dass sie alle Captain America sein können.“
Insofern erzählt David Morrell in „Captain America – Der Auserwählte“ in den langen Rückblenden zwar die bekannte Entstehungsgeschichte von Captain America, aber er verleiht ihr seinen eigenen Dreh. Es geht nicht mehr um Patriotismus, sondern um Tapferkeit und Nächstenliebe.
Und, immerhin sind Morrells Bücher durchaus seitenstark und „Captain America – Der Auserwählte“ ist sein erster Comic, erzählt er die Geschichte sehr bildhaft mit sehr wenigen und eher knappen Dialogen, die manche Comicautoren als ziemliche Schwätzer erscheinen lassen.
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David Morrell (Autor)/Mitch Breitweiser (Zeichner): Captain America – Der Auserwählte (Marvel Exklusiv 93)