TV-Tipp für den 17. Juli: Verdacht

Juli 17, 2011

BR, 23.45

Verdacht (USA 1941, Regie: Alfred Hitchcock)

Drehbuch: Samson Raphaelson, Joan Harrison, Alma Reville

LV: Francis Iles (Pseudonym von Anthony Berkeley): Before the fact, 1932 (Vor der Tat)

Hals über Kopf verknallt sich die schüchterne, vermögende Lina McLaidlaw in den Playboy Johnny Aysgarth. Nach ihrer Heirat erfährt sie, dass ihr Mann ein Spieler ist und dringend Geld braucht. Deshalb glaubt sie, dass er sie umbringen will.

Klassiker.

Zur Einordnung: Das ist der Hitchcock, in dem Grant mit einem Glas Milch auf einem Tablett eine Treppe hochgeht.

“Durchaus spannend, aber auch humorvoll, ist ‘Verdacht’ eine Kriminalgeschichte ohne ein Verbrechen.” (Meinolf Zurhorst: Lexikon des Kriminalfilms)

mit Joan Fontaine, Cary Grant, Sir Cedric Hardwicke, Nigel Bruce

Hinweise

Wikipedia über „Verdacht“ (deutsch, englisch)

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2“

Meine Besprechung von Alfred Hitchcocks „Mr. und Mrs. Smith“

Meine Besprechung von Thilo Wydras „Alfred Hitchcock“

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 16. Juli: Im Schatten der Nacht

Juli 16, 2011

ZDFkultur, 00.00

Im Schatten der Nacht (USA 1949, R.: Nicholas Ray)

Drehbuch: Nicholas Ray, Charles Schnee

LV: Edward Anderson: Thieves like us, 1937

Drei Häftlinge flüchten aus dem Gefängnis. Der Jüngste verliebt sich auf dem Land in eine Frau und will ein ehrliches Leben beginnen. Aber die Polizei jagt das Liebespaar erbarmungslos weiter.

Das extrem selten gezeigte Regiedebüt von Nicholas Ray „schildert die beiden als Ausgestoßene, deren Liebe gegen die Welt der Gewalt keine Chance hat.“ (Paul Werner: Film Noir)

„Nicholas Ray’s first feature is one of the great ‚couple on the run‘ movies, given an added poignancy by the pair’s genuine love for each other.“ (Alexander Ballinger/Danny Graydon: The Rough Guide to Film Noir, 2007)

Robert Altman verfilmte Edward Andersons Krimi 1973 als „Diebe wie wir“ wieder.

Mit Farley Granger, Cathy O’Donnell, Howard Da Silva, Jay C. Flippen, Helen Craig, Will Wright , William Phipps

auch bekannt als „Sie leben bei Nacht“ (Titel der OmU-TV-Fassung; denn einen Kinostart erlebte der Film bei uns nicht)

Wiederholung: Sonntag, 17. Juli, 02.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über Nicholas Ray (deutsch, englisch) und „They live by night“

Noir of the Week über „They live by night“

Mordlust über „They live by night“

Rays Kino Film-Klassiker über „Im Schatten der Nacht“

 


DVD-Kritik: Sam Fullers Noir „Der nackte Kuss“

Juli 15, 2011

Sam Fullers für wenig Geld gedrehter und damals wegen seines In-your-face-Stils sicher schockierender Film „Der nackte Kuss“ ist eine irritierende, teils packende, teils langweilende, letztendlich nicht überzeugende Mischung aus Noir, Melodrama der Douglas-Sirk-Schule und Klippschuldidaktik, die gerade wegen ihrer Machart einlädt, die Geschichte und einzelne Szenen in die verschiedensten psychologischen, psychoanalytischen, sozialen und politischen Richtungen zu interpretieren – und so mehr in dem Film zu sehen, als wirklich vorhanden ist. Denn die ziemlich absurde Story plätschert eher vor sich hin, als dass sie von Sam Fuller, der auch das Drehbuch schrieb und den Film produzierte, zielstrebig in eine Richtung getrieben wird.

Das erste Mal begegnen wir Kelly (Constance Towers), als sie wütend einen betrunkenen Mann zusammenschlägt und sich von ihm die ihr zustehenden 75 Dollar nimmt. Das nächste Mal, zwei Jahre später, taucht sie in einer lauschigen All-American-Kleinstadt auf, springt mit dem Stadtpolizisten ins Bett, beschließt nach einem Blick in den Spiegel ihr Leben zu ändern, nimmt sich in einer Pension ein Zimmer und nimmt einen Job als Krankenschwester für verstümmelte Kinder an. Sie ist schnell allseits beliebt, trifft sogar den Finanzier der örtlichen orthopädischen Klinik, einen jungen, gut aussehenden Millionär, Junggesellen und Nachfahren des Stadtgründers, der sich auch sofort in sie verliebt und sie trotz ihrer Vergangenheit als Prostituierte (hm, das hieß damals wohl noch Freudenmädchen und heute Sex-Arbeiterin) heiraten will.

Die Hochzeit platzt, als Kelly entdeckt, dass ihr Zukünftiger ein Pädophiler ist und ihr einreden will, dass sie beide Ausgestoßene aus der Gesellschaft und daher füreinander bestimmt seien. Sie erschlägt ihn und muss sich im letzten Drittel des Films gegen eine Armada zweifelhafter Belastungszeugen wehren.

Ernst nehmen kann man die Geschichte dieses B-Picture nicht. Dafür ist sie zu sehr schlechte Kolportage. Sam Fuller badet zu sehr im Klischee der Hure mit dem goldenen Herzen und kinderliebenden Übermutter. Sie ist eine Über-Doris-Day. Nur um Kelly dann Sekunden später in typischer Tough-Guy-Manier agieren zu lassen. Die Schauspieler spielen oft zu theatralisch. Die Dialoge sind oft gruselig. Einzelne Szenen dauern viel zu lange, andere sind erkennbar Füllmaterial um die Laufzeit zu strecken. Die Gewalt, die Verstümmelungen der Kinder und der Sex, vulgo nackte Haut und Bilder aus dem Bordell, sind zu sehr auf den Effekt beim damaligem vergnügungssüchtigem Publikum hin inszeniert. So schlägt in den ersten Minuten eine wütende Frau endlos auf einen Mann ein – und die Kamera übernimmt die Perspektive des Mannes, was dazu führt, dass die Furie uns, die nichtsahnenden Zuschauer, schlägt. In diesem Moment wird ein Ton vorgegeben, der nicht zu den späteren teils süßlichen, teils dokumentarischen Szenen passt.

„Der nackte Kuss“ wäre ein krudes, nicht besonders interessantes B-Movie, wie es tausend andere gibt, wenn Sam Fuller nicht von Anfang an die Kleinstadt als bigotte Vorhölle zeigen würde. Da springt ein anständiger und geachteter Polizist sofort mit Kelly ins Bett. Da gibt es ein gut funktionierenden, von einer Frau geleitetes Bordell, in dem auch die ehrbaren Bürger verkehren und die Aussage der Puffmutter hat bei der Polizei mehr Gewicht als die Aussage der zugezogenen, auf ihrer Arbeit äußerst beliebten, großherzigen und kinderliebenden Kelly. Es gibt ein Krankenhaus für verstümmelte Kinder und Sam Fuller, der im zweiten Weltkrieg Soldat war und seine Kriegserfahrungen in dem Spielfilm „The Big Red One“ verarbeitete, zeigt exzessiv, nach dem Koreakrieg und kurz vor dem Beginn der offenen US-Intervention in Vietnam, ihre künstlichen Gelenke und wie sie sich mühsam mit ihnen bewegen. Der Zukünftige, ein gutaussehender Junggeselle und Frauenschwarm, ist ein Pädophiler; was Kelly nach dem ersten Kuss wusste. Denn es war ein ’nackter Kuss‘, was, so erklärt sie uns, das Kennzeichen eines Perversen sei. Und er will eine ehemalige Prostituierte heiraten.

Heute fällt in diesen Momenten vor allem auf, wie hanebüchen vieles in dem Film ist. Aber 1964 liefen „Das war der wilde Westen“, „Alexis Zorbas“, „My Fair Lady“ (mt Audrey Hepburn), „Mary Poppins“ (mit Julie Andrews), „Cleopatra“ (mit Elizabeth Taylor), „Schick mir keine Blumen“ (mit Doris Day), und „Marnie“ (mit Tippi Hedren) im Kino. Dagegen ist „Der nackte Kuss“ aus einer vollkommen anderen Welt.

Insofern ist „Der nackte Kuss“ als wütender Blick hinter die saubere Fassade des Kleinstadt-Amerikas und der dort herrschenden Doppelmoral interessant. Denn Sam Fuller greift in „Der nackte Kuss“ die gesellschaftlichen Konventionen ständig an, demaskiert und unterläuft sie. Als psychologische Zeitdiagnose ist der Noir höchst aufschlussreich. Denn, es ist eine Binsenweisheit, dass man aus den kleinen, schnell gedrehten Werken, den B-Pictures in denen die Macher, solange sie einen billig produzierten Film, der sein Geld einspielen würde, ablieferten, ihre Botschaft kompromisslos formulieren konnten, mehr über die wahren Verhältnisse in einem Land lernen kann, als aus den hochbudgetierten Filmen.

Aber ein guter Film ist „Der nackte Kuss“ nicht. Ein bizarrer, ein irritierender, ein teils langweilender, teils beunruhigender und polarisierender Film ist „Der nackte Kuss“ schon, der jetzt in der „Arthaus Retrospektive“ als sparsam ausgestatte DVD mit gutem Bild und Ton erschien.

 

Andere Stimmen

 

„The one who maintained the highest noir profile in the 1960s was Sam Fuller with a trio of startingly brash movies – ‚Underworld USA‘ (1961), ‚Shock Corridor‘ (1963) and ‚The Naked Kiss‘ (1964). All three were forthright attacks on bourgeois hypocrisy and suburban values and the closest in feel to the noirs of the classic era. In Fuller’s uncompromising vision, the cynicism, pessimism and dark existentialism of film noir were far from dead.“ (Alexander Ballinger/Danny Graydon: The Rough Guide to Film Noir, 2007)

 

„Weitgehend einfühlsamer und zurückhaltender Kriminalfilm mit melodramatischen Akzenten. Hervorragend: das sensible Spiel der Hauptdarstellerin.“ (Lexikon des internationalen Films)

 

„Fuller demontiert in diesem Film, der von vielen Kritikern als sein bösartigstes und beunruhigendstes Werk angesehen wird, so ziemlich alle Ideale, die den Amerikanern hoch und heilig sind.“ (TV Spielfilm: Das große Filmlexikon, 2006)

 

Die deutsche Premiere war am 30. September 1982 im WDR.

Der nackte Kuss (The naked kiss, USA 1964)

Regie: Sam Fuller

Drehbuch: Sam Fuller

mit Constance Towers, Anthony Eisley, Michael Dante, Virginia Grey, Patsy Kelly, Marie Devereux

–

DVD

Arthaus/Kinowelt

Bild: 1,33:1 (4:3 Vollbild)

Ton: Deutsch, Englisch (Mono Dolby Digital)

Untertitel: Deutsch

Bonusmaterial: Trailer, Wendecover

Länge: 87 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Wikipedia über „Der nackte Kuss“

Der Film Noir über „Der nackte Kuss“

Film-Rezensionen über „Der nackte Kuss“

Turner Classic Movies: Sean Axmaker über „Der nackte Kuss“

The Last Drive In: Monstergirl über „Der nackte Kuss“ (Teil 1, Teil 2, Teil 3)

Criterion: Michael Dare über „Der nackte Kuss“

You Tube: der gesamte Film in bescheidener Bildqualität


TV-Tipp für den 15. Juli: König der Spione – John le Carré

Juli 14, 2011

Phoenix, 23.45

König der Spione – John le Carré (D 2008, R.: André Schäfer, Werner Köhne)

Drehbuch: André Schäfer, Werner Köhne

Spielfilmlanges Dokuporträt über John le Carré, das man sich auch auf Veoh ansehen kann.

Hinweise

Homepage von John le Carré

Meine Besprechung von John le Carrés „Geheime Melodie“ (The Mission Song, 2006)

Meine Besprechung von John le Carrés “Marionetten (A most wanted man, 2008)

Meine Besprechung von John le Carrés „Verräter wie wir“ (Our Kind of Traitor, 2010)

John le Carré in der Kriminalakte


Neu im Kino/Filmkritik: Paul Giamatti erzählt „Barney’s Version“

Juli 14, 2011

Nein, auf den ersten Blick ist Barney Panofsky (gewohnt grandios: Paul Giamatti) kein netter Mensch. Er ist Filmproduzent. Seine Firma heißt „Totally Unneccessary Productions“ und das produziert er auch. Am erfolgreichsten ist eine langlebige TV-Soap. Gegenüber seinen Angestellten benimmt er sich ziemlich rücksichtslos. Er ist ein Choleriker. Ein Egozentriker. Ein reicher Mann. Und dann wird er noch von einem Polizisten gejagt, der ihn für einen Mörder hält. In einem breit beworbenem Hardcover-Buch beschreibt er ausführlich, wie Barney seinen besten Freund Boogie, umbrachte, nachdem er ihn mit der zweiten Frau Panofsky im Bett erwischte und warum es keine Leiche gibt.

In einem normalen Film würden wir natürlich auf der Seite des Polizisten stehen und hoffen, dass dieser Panofsky überführt wird.

Aber als Barney Panofsky in dem Buch blättert, beginnt er sich an sein Leben zu erinnern. Von den fröhlichen Boheme-Tagen in den Siebzigern in Rom. Seiner selbstlosen Freundschaft zu dem erfolglosen Künstler Boogie. Seiner ersten Frau, die von ihm ein Kind erwartete und dem Schock, als er das Baby zum ersten Mal sah. Von seiner zweiten Frau, einer ständig plappernden reichen Jüdin und wie er auf ihrer Hochzeit seine Traumfrau erblickte und sie sofort heiraten wollte. Wie er seine zweite Frau mit Boogie im Bett erwischte, er sich mit ihm stritt und Boogie dann spurlos verschwand. Und wie er mit seiner dritten Frau glücklich zusammenlebte, bis sie Blair kennenlernte und wieder als Radiomoderatorin zu arbeiten anfing.

In diesen Momenten wird deutlich, dass Barney auch andere Seiten hat. Er ist treu und er kümmert sich liebevoll-selbstlos um seine Freunde. Aber er sieht nicht wie Adonis aus. Also muss er um seinen Platz kämpfen. Mal mehr, mal weniger rücksichtsvoll, aber immer mit seiner ganzen Energie. Und er weigert sich erwachsen zu werden.

Paul Giamatti legt die Rolle von Barney Panofsky wie die des Gangsters Hertz in dem Actionkracher „Shoot ‚Em Up“ an: cholerisch, egomanisch, wie ein kleines Kind, das nur seine eigenen Bedürfnisse kennt und keine Rücksicht auf Verluste nimmt.

Aber in die Komödie schleichen sich dunkle Töne. Denn Barney verliert sein Gedächtnis und das ist jetzt die letzte Gelegenheit, seine Version seines Lebens zu erzählen. Und daher sehen wir in dem anekdotischem, sich über vier Jahrzehnte erstreckendem Film auch nur Barneys Version von sich und der Welt. Das ist ein Blick, der geprägt ist vom jüdischen Humor, einem tiefen Verständnis für menschliche Schwächen und einem genauen Blick auf das Absurde in jeder Situation. Dieser Blick ist aber auch eher der der Anekdote und der kunstvollen Abschweifung und nicht der der großen, mit einer klaren Botschaft endenden Erzählung. „Barney’s Version“ endet mit einem Grabstein.

„Barney’s Version“ ist aber nicht „Die wahre Geschichte meines verschwendeten Lebens“, wie Barney Panofsky sagt, sondern eher eine „Totally Unneccessary Productions“: nicht unbedingt der historischen Wahrheit verpflichtet, wahrscheinlich ohne eine tiefere Botschaft, aber sehr kurzweilig und voller Weisheiten und Bonmots.

Ob es Regisseur Richard J. Lewis (der inzwischen vor allem als Regisseur und Produzent von „C. S. I. – Den Tätern auf der Spur“ bekannt ist) und Drehbuchautor Michael Konyves (Nun, unter anderem „Solar Attack – Der Himmel brennt“ und „Wenn der Mond auf die Erde stürzt“.) gelungen ist, Mordecai Richlers Roman angemessen zu modernisieren (immerhin erschien der Roman 1997 und der Film endet in der Gegenwart) und adäquat zu verfilmen, weiß ich nicht. Denn noch kenne ich den Roman, der bei uns im Moment nur antiquarisch erhältlich ist, nicht.

Barney’s Version (Barney’s Version, Kanada/Italien 2010)

Regie: Richard J. Lewis

Drehbuch: Michael Konyves

LV: Mordecai Richler: Barney’s Version, 1997 (Wie Barney es sieht)

mit Paul Giamatti, Dustin Hoffman, Rosamund Pike, Minnie Driver, Rachelle Lefevre, Scott Speedman, Bruce Greenwood, Jake Hoffman, Saul Rubinek, Paul Gross, David Cronenberg, Atom Egoyan, Ted Kotcheff, Denys Arcand, Richard J. Lewis (die fünf letztgenannten sind alles Regisseure und haben nur Cameos, zum Beispiel als Regisseur)

Länge: 135 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

–

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Barney’s Version“

Wikipedia über Mordecai Richler (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 14. Juli: Ghost Dog – Der Weg des Samurai

Juli 13, 2011

ARD, 00.55

Ghost Dog – Der Weg des Samurai (USA 1999, R.: Jim Jarmusch)

Drehbuch: Jim Jarmusch

Poetisch-meditativer, mit Hip-Hop-Klängen unterlegter Gangsterfilm über einen nach dem Kodex der Samurai lebendem Killer, der auf die Abschussliste seiner Auftraggeber gerät. Jarmusch ist dabei gänzlich desinteressiert an der Story, aber sehr interessiert an dem Spiel mit Stimmungen, Symbolen, Zeichen und Motiven.

„Durch ‘Ghost Dog’ hindurch blicken wir wie durch ein Vergrößerungsglas in die Filmgeschichte. (…) Mit ‘Ghost Dog’ variiert Jarmusch einmal mehr sein Lieblingsthema, die Differenz der Kulturen und die wunderbaren, auch komischen Momente, die durch den Zusammenstoß verschiedener Mentalitäten entstehen können. Besonders bizarr sieht seine filmische Synthese von HipHop und italienischer Vorstadt-Mafia aus.“ (Nils Meyer in Rolf Aurich/Stefan Reinecke, Hrsg.: Jim Jarmusch, 2001 – ein empfehlenswertes Buch)

mit Forest Whitaker, John Tormey, Cliff Gorman, Henry Silva, Isaach de Bankolé, Gary Farmer, The RZA (Cameo; er schrieb auch die Musik)

Hinweise

Wikipedia über „Ghost Dog“ (deutsch, englisch)

Arte über „Ghost Dog“

Senses of Cinema: Marco Lanzagorta über „Ghost Dog“ (September 2002)

The Jim Jarmusch Resource Page


DVD-Kritik: Paul Newman ist „Der Etappenheld“

Juli 13, 2011

Als Paul Newman 1968 „Der Etappenheld“ drehte, war er bereits ein Star. Trotzdem floppte der Film an der Kinokasse und heute ist er fast unbekannt. Nicht zu unrecht. Denn „Der Etappenheld“ ist eine äußerst milde Satire auf das Militär und eine eher lasche Kriegskomödie; – wobei man auch argumentieren könnte, dass die Macher keine Komödie machen wollten, sondern einen ernsten Film, der auf einer absurden Prämisse basiert, drehten und es dabei einige komische Momente gibt.

Denn zufällig nehmen die Italiener während des Zweiten Weltkriegs in Tunesien fünf Alliierten-Generäle fest und bringen sie, als Kriegsgefangene, nach Italien in ein Schloss, das ihr Nobelgefängnis sein soll. Ihr Bewacher ist Colonello Enrico Ferrucci, der vorher fast neun Jahre Hauptgeschäftsführer des Ritz Excelsior in Genua war und seine hohen Gäste gerne ordentlich beherbergt. Die Generäle beginnen selbstverständlich sofort ihren Ausbruch zu planen, aber weil sie alle den gleichen militärischen Rang haben, wissen sie nicht, wer sie anführen soll und die Idee, den Ausbruch per Abstimmung zu planen, scheitert, weil die Mehrheit immer gegen den gerade vorgestellten Plan ist.

Währenddessen startet General Homer Prentiss in London eine Rettungsaktion. Er holt sich Private Harry Frigg (Paul Newman). Der steht, weil er ständig Ärger mit seinen inkompetenten Vorgesetzten hat und jede Haftstrafe durch unbotmäßiges Verhalten und Fluchtversuche ins Unendliche verlängert, auf der militärischen Futterleiter ganz unten. Aber als Serienausbrecher ist er der ideale Kandidat, um für die inhaftierten Generäle einen Ausbruch zu organisieren. Er wird, weil die Generäle nur die Befehle eines höherrangigen Militärs akzeptieren werden, zum Major General befördert und nach Italien geschickt.

Routinier Jack Smight, der davor mit Paul Newman den Privatdetektivkrimi „Ein Fall für Harper“ gedreht hatte, und Peter Stone, der davor bereits die Drehbücher für „Charade“ und „Arabeske“ geschrieben hatte (später schrieb er die Drehbücher für „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 1-2-3“ und „Die Schlemmerorgie“), machen erstaunlich wenig aus der vielversprechenden Prämisse. Stattdessen plätschert die Geschichte bis kurz vor Schluss so vor sich hin. Immerhin fühlen sich die Gefangenen gar nicht so unwohl in dem Luxusgefängnis. Die in das Gartenhaus ausquartierte Gräfin Francesca De Montefiore (die Schönheitskönigin Sylva Koscina wurde garantiert nicht wegen ihrer schauspielerischen Fähigkeiten engagiert) hat sich mit den Umständen gut arrangiert, ist am Tisch immer noch die Gastgeberin und sie verliebt sich auch in Harry Frigg, dem sie einige Lehrstunden im Benehmen der Bessergestellten verpasst. Der Gefängniswärter ist ein äußerst zuvorkommender und um das leibliche Wohl seiner Gäste sehr besorgter Gastgeber. Und die Wachen haben in den ersten Wochen auch keine Munition für ihre Gewehre.

Es ist irgendwie schon alles ziemlich paradiesisch in dem Luxusgefängnis, bis die Nazis auftauchen. Werner Peters gibt die Cartoon-Version des kriegslüstern-menschenverachtenden Offiziers, der sie auch gleich in ein anderes, gut bewachtes und gesichertes Gefängnis verfrachtet. Jetzt, auch weil der Film fast um ist, ist Harry Friggs Ausbrechertalent gefragt.

„Der Etappenheld“ ist ein Film für eine verregneten Sonntagnachmittag. Nichts großartiges, auch nichts was länger im Gedächtnis bleibt oder besonders aufregend ist, aber, angereichert mit einigen hübschen Szenen und Dialogen, durchaus kurzweilig unterhält.

–

Der Etappenheld (The secret war of Harry Frigg, USA 1968)

Regie: Jack Smight

Drehbuch: Peter Stone, Frank Tarloff (nach einer Geschichte von Frank Tarloff)

mit Paul Newman, Sylva Koscina, Andrew Duggan, Tom Bosley, John Williams, Charles Gray, Vito Scotti, Jacques Roux, Werner Peters, James Gregory, Norman Fell, Buck Henry

–

DVD

Koch-Media

Bild: 2.35:1 (16:9)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Bildergalerie, Originaltrailer

Länge: 105 Minuten

FSK: ab 12 Jahre.

–

Hinweise

Wikipedia über „Der Etappenheld“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Der Etappenheld“

Movieposters: einige Filmplakate

Kriminalakte: Mein Nachruf auf Paul Newman

Paul Newman in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 13. Juli: An American Crime

Juli 13, 2011

Tele 5, 22.05

An American Crime (USA 2007, R.: Tommy O’Haver)

Drehbuch: Tommy O’Haver, Irene Turner

Bedrückender, auf einem wahren Fall basierender Film: 1965 werden die sechzehnjährige Sylvia Likens und ihre jüngere Schwester zu einer Pflegemutter, die selbst sechs Kinder großzieht, ins beschauliche Indiana gegeben. Schnell guckt die Pflegemutter sich Sylvia als Hassobjekt aus und sie animiert ihre und die Nachbarkinder, Sylvia zu quälen.

Damals war Amerika schockiert darüber, dass so etwas in einer anständigen Wohngegend geschehen konnte.

Das Drehbuch war für den WGA Award, Catherine Keener für den Golden Globe und Emmy nominiert.

Jack Ketchums Roman „Evil“ (The girl next door, 1989) und die Romanverfilmung „Jack Ketchum’s Evil“ basieren ebenfalls auf dem Fall Likens.

mit Ellen Page, James Franco, Catherine Keener, Hayley McFarland, Romy Rosemont, Bradley Whitford

Hinweise

Wikipedia über „An American Crime“ (deutsch, englisch)

Moviefone: Kim Voynar über „An American Crime“

TruTV Crime Library: Denise Noe über den Tod von Sylia Likens

Homepage von Tommy O’Haver


DVD-Kritik: Alfred Hitchcocks Screwball-Comedy „Mr. und Mrs. Smith“

Juli 12, 2011

Bereits als Stummfilm-Regisseur fand Alfred Hitchcock sein Genre: den Spannungsfilm. Die Auftragsarbeiten, die er während dieser Jahre drehte sind, wie viele Stummfilme, verschollen oder nur für die fanatischen Hitchcock-Fans von Interesse. Schließlich will der devote Fan jeden Film des Meisters gesehen haben.

Später drehte Hitchcock, bis auf wenige Ausnahmen, wie „Riff-Piraten“ (Jamaica Inn; sein letzter englischer Film) und „Sklavin des Herzens“ (Under Capricorn), nur noch Thriller. Meistens war er von der Idee bis zur Premiere in die Produktion involviert und spätestens seitdem er 1955 im TV zehn Jahre Gastgeber der erfolgreichen und langlebigen Reihe „Alfred Hitchcock präsentiert“ (später „Alfred Hitchcock zeigt“) war, kannte jedes Kind den dicklichen englischen Gentleman mit dem schwarzen Humor, der immer korrekt gekleidet war und sich nicht scheute Witze über sich und die Geldgeber zu machen.

„Mr. und Mrs. Smith“ ist da im Hitchcockschen Ouevre eine Ausnahme. Als er den Film drehte, war er auch in den USA nach „Rebecca“ und „Mord“ (Foreign Correspondent) bereits ein bekannter Name, und er übernahm die Regie nur als Gefallen an Hauptdarstellerin Carole Lombard, mit der er befreundet war.

„Ich habe mich mehr oder weniger an das Drehbuch von Norman Krasna gehalten. Da ich die Art von Leuten nicht verstand, die in dem Film gezeigt wurden, habe ich die Szenen fotografiert, wie sie geschrieben waren“, sagt Hitchcock in dem legendären Gespräch mit Francois Truffaut in dem ihm eigenen Understatement über den immer noch fast unbekannten Film, der in Deutschland erstmals am 27. August 1970 im ARD gezeigt wurde. Denn für Hichtcock-Fans hat der Film als Nebenwerk nichts Hitchcock-typisches zu bieten. Es gab auch nichts, was Hitchcock erkennbar an dem Film gereizt hatte. So wollte er in „Das Rettungsboot“ (Lifeboat) die ganze Geschichte in einem Rettungsboot spielen lassen. In „Fenster zum Hof“ (Rear Window) ist der Held an seinen Rollstuhl gefesselt und er verbringt seine Zeit, indem er die Menschen im Hinterhof studiert. In „Cocktail für eine Leiche“ (Rope) spielt die Geschichte in Echtzeit und es wurde ohne einen erkennbaren Schnitt gedreht.

Aber in „Mr. und Mrs. Smith“ gibt es solche Herausforderungen nicht. Denn der Film ist eine waschechte Screwball-Comedy, die vor allem die Erfordernisse des Genres mit einer handelsüblich dünnen Geschichte bedient.

Nach einem Ehestreit erfährt Mr. Smith, dass er, weil er seine überaus temperamentvolle Frau auf dem falschen Standesamt heiratete, überhaupt nicht verheiratet ist. Er freut sich auf einen Abend in wilder Ehe. Sie dagegen erwartet einen Heiratsantrag und nachdem dieser nicht kommt, wirft sie ihren Mann aus der gemeinsamen Wohnung. Er setzt jetzt Himmel und Hölle in Bewegung, um sie wieder zu erobern. Sie beginnt dagegen eine Affäre mit seinem Sozietätspartner Jeff Custer, einem rechten Langweiler vor dem Herrn. Und wir können uns an den Fingern einer abgehakten Hand abzählen, wie die Geschichte nach einigen Wortgefechten und tief fliegenden Gegenständen ausgeht.

Und das hat Hitchcock schön auf den Punkt hin inszeniert. Immerhin hat er, auch wenn er von Screwball-Comedy keine Ahnung hat, viel Humor und ein gutes Timing. Für das Drehbuch kann er dieses Mal nichts. Allein schon die Einführung der beiden von finanziellen Problemen unbelasteten Hauptcharaktere ist ein Kabinettsstück: immer wenn Ann und David Smith sich streiten, sperren sie sich in ihrem Schlafzimmer ein und verlassen den Raum erst, wenn sie sich wieder vertragen. Das kann, wie ihr Personal und Smiths Kanzlei aus leidvoller Erfahrung wissen, Tage dauern. Der Rekord liegt bei acht Tagen. In dem Zimmer schleichen sie wie Katz und Maus umeinander herum und versuchen sich möglichst gut zu ignorieren. Was gar nicht so einfach ist. Oder das Abendessen bei „Mama Lucy“, das unter dem neuen Besitzer zu einem heruntergekommenem Imbiss, in dem die Katzen reihenweise an dem Essen sterben, verkommen ist. Aber die beiden Smiths benehmen sich, als ob sie in einem Nobelrestaurant wären. Oder der erste gemeinsame Abend von Ann Smith und Jeff Custer. Zuerst muss sie in einem Tanzlokal David beobachten, der sich anscheinend glänzend mit anderen Frauen vergnügt. Dann müssen Ann und Jeff stundenlang, im Regen in einer Gondel ausharren. Zum krönenden Abschluss gibt sie Jeff einen Schnaps zum Aufwärmen und Jeff, der noch nie Alkohol getrunken hat, ist ganz schnell stockbesoffen.

Oder wenn David am Filmende einen letzten Versuch unternimmt, sie wieder zurückzugewinnen und er sich in einer einsam gelegenen Skihütte neben Ann und Jeff einquartiert. Er spielt ihnen vor, dass er todkrank, im Delirium und kurz vor dem Erfrieren ist. Sie spielt ihm vor, dass Jeff sich zu einem stürmischem Liebhaber entwickelt hat. Dieses Versteckspiel gehorcht, wie der gesamte Film, keiner rationalen Logik mehr, sondern nur noch der emotionalen Logik eines Liebesfilms und es ist, auch wenn der Film eher zum Schmunzeln als zum Lachen animiert, immer auf die Pointe hin inszeniert.

Natürlich ist „Mr. und Mrs. Smith“ vor allem viel heiße Luft. Aber der Film macht auf eine richtig altmodische Art Spaß; – ganz im Gegensatz zu dem gleichnamigen Film von 2005 mit Angelina Jolie und Brad Pitt, der außer dem Titel nichts mit Hitchcocks Film zu tun hat.

Mr. und Mrs. Smith (Mr. and Mrs. Smith, USA 1941)

Regie: Alfred Hitchcock

Drehbuch: Norman Krasna

mit Carole Lombard, Robert Montgomery, Gene Raymond, Jack Carson, Philip Merivale

–

DVD

Arthaus/Kinowelt

Bild: 1,33:1 (4:3 Vollbild)

Ton: Deutsch, Englisch (Mono DD)

Untertitel: Deutsch

Extras: Wendecover

Länge: 90 Minuten

FSK: ab 6 Jahre

–

Hinweise

Wikipedia über „Mr. und Mrs. Smith (deutsch, englisch)

Hitchcockwiki über „Mr. und Mrs. Smith“

Turner Classic Movies über „Mr. und Mrs. Smith“

Hitchcock and Me über „Mr. und Mrs. Smith“

Sex in a Submarine über „Mr. und Mrs. Smith“

Wikipedia über Alfred Hitchcock (deutsch, englisch)

Senses of Cinema (Ken Mogg) über Alfred Hitchcock

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock präsentiert – Teil 2“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 1“

Meine Besprechung von „Alfred Hitchcock zeigt – Teil 2

Meine Besprechung von Thily Wydras “Alfred Hitchcock”

Alfred Hitchcock in der Kriminalakte

 


Cover der Woche

Juli 12, 2011


TV-Tipp für den 12. Juli: The Verdict – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit

Juli 12, 2011

ARD, 00.35

The Verdict – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit (USA 1982, R.: Sidney Lumet)

Drehbuch: David Mamet

LV: Barry Reed: The Verdict, 1980 (The Verdict – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit…)

Der heruntergekommene Anwalt Frank Galvin will es noch einmal wissen. Für eine nach einem Narkosefehler im Koma liegende Frau nimmt er den Kampf gegen ein mächtiges Hospital auf.

Spannender Gerichtsthriller, lange vor John Grisham und realistischer

David Mamets Drehbuch war für den WGA Award, den Golden Globe und den Oscar nominiert. Paul Newman, Sidney Lumet und James Mason und der Film (als Bester Film des Jahres) waren ebenfalls für Oscars nominiert, aber „Ghandi“ war einfach der bessere Oscar-Film.

Mit Paul Newman, Charlotte Rampling, Jack Warden, James Mason, Milo O’Shea, Lindsay Crouse, Roxanne Hart, Tobin Bell, Bruce Willis (beide als Teil des Publikums im Gericht)

Hinweise

Wikipedia über „The Verdict“ (deutsch, englisch)

 

Mein Nachruf auf Sidney Lumet

Mein Nachruf auf Paul Newman

Meine Besprechung von David Mamets „Bambi vs. Gorilla – Über Wesen, Zweck und Praxis des Filmbusiness“ (Bambi vs. Gorilla – On the Nature, Purpose, and Practice of the Movie Business, 2007)

Sidney Lumet, David Mamet und Paul Newman in der Kriminalakte


Ein fast zweistündiges Gespräch mit Steven Spielberg

Juli 11, 2011

Die Directors Guild of America (DGA) feiert ihren 75. Geburtstag und am 11. Juni 2011 stand im DGA Theater in Los Angeles ein Abend mit und über Steven Spielberg auf dem Programm. Michael Apted führte durch den Abend und James Cameron und J. J. Abrams (dessen neuen Film „Super 8“ [Kritik gibt’s zum Kinostart] Spielberg produzierte) waren auch auf der Bühne.

Hier geht’s zum Mitschnitt.

Viel Spaß!


TV-Tipp für den 11. Juli: Im Zeichen des Bösen

Juli 11, 2011

Arte, 20.15

Im Zeichen des Bösen (USA 1958, R.: Orson Welles)

Drehbuch: Orson Welles

LV: Whit Masterson: Badge of Evil, 1956 (Unfehlbarkeit kann tödlich sein)

In einer schäbigen Grenzstadt versuchen ein korrupter US-Polizist und ein mexikanischer Drogenfahnder (in den Flitterwochen) einen Mord aufzuklären.

Noir-Klassiker, bei dem sich eine deutsche DVD-Ausgabe mit den verschiedenen Fassungen, einem Making-of und einem guten Audiokommentar lohnen würde. In den USA erschien am 8. Oktober 2008 eine entsprechende Edition.

„Einer der schönsten und intelligentesten Polizeifilme der Kinogeschichte.“ (Seesslen: Copland)

Mit Charlton Heston, Janet Leigh, Orson Welles, Akim Tamiroff, Marlene Dietrich, Joseph Cotten, Zsa Zsa Gabor, Dennis Weaver

Wiederholung: Dienstag, 12. Juli, 14.45 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „Im Zeichen des Bösen“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Touch of Evil“

TCM: Frank Miller über „Touch of Evil“

AMC Filmsite (Tim Dirks) über „Touch of Evil“

Noir of the Week über „Touch of Evil“

Script Secrets (William C. Martell) über „Touch of Evil“

Wellesnet: Das Memo von Orson Welles zum Film

Mystery File über Whit Masterson

Wikipedia über Whit Masterson

Mordlust über Whit Masterson


DVD-Kritik: Der Routine-Western „Die schwarze Maske“

Juli 10, 2011

Für George Sherman, der in Hollywood zwischen 1937 und 1978 über 120 Filme drehte und dessen bekannteste Filme wohl das Errol-Flynn-Piratenabenteuer „Gegen alle Flaggen“ und der John-Wayne-Western „Big Jake“ sind, war „Die schwarze Maske“ damals sicher nur ein weiterer Routine-Western und die gesamte Crew bot auch nicht mehr als Routine bei einer ziemlich lieblos zusammengeklaubten Geschichte über einen Banditen, der eine schwarze Maske trägt, und die Postkutschen von Wells Fargo ausraubt. Die Überfälle sind nur der Teil eines größeren Plans. Als die Sängerin Lola Montez, die sich während eines Überfalls in den honorigen Banditen verliebt, nach Sacramento kommt und zwei alte Freunde des Banditen, der inzwischen eine Tarnexistenz als Rancher Charles E. Boles hat, auftauchen und Wells Fargo das Kopfgeld in astronomische Höhen geschraubt hat, wird es für Boles brenzlig. Aber er will noch einen letzten Überfall machen.

„Die schwarze Maske“ ist von der ersten bis zur letzten Minute ein B-Western, in dem es die typischen Zutaten (inclusive einer Musical-Einlage [ach, wie habe ich als Jugendlicher diese die Handlung störenden Gesänge meist schlechter Lieder gehasst]) in altbekannter Mischung gibt. Bemerkenswert sind da nur, dass sogar Boles als Protagonist und Held der Geschichte aus rein pekuniären Motiven die Überfälle begeht (was wir eher aus dem Italo-Western kennen), dass er keinen wirklichen Gegner und auch kein wirkliches Motiv für seine Taten hat (was die Story ungemein schwächt), und dass „Die schwarze Maske“ in Farbe gedreht wurde. Denn 1948 waren Farbfilme noch nicht die Regel. Sogar Filme mit Stars, wie die zeitgleich entstandenen Klassiker „Bis zum letzten Mann“, „Gangster in Key Largo“, „Der Schatz der Sierra Madre“ und „Kennwort 777“, wurden in Schwarz-Weiß gedreht.

Aber Sherman nutzt die Möglichkeiten des Farbfilms, außer ansatzweise bei der Gesangseinlage, nicht.

Mit dem echten „Black Bart“ hat der Film eigentlich nichts zu tun. So lebte Charles E. Boles bei seiner Verhaftung in San Francisco in einer Pension, er wurde zu sechs Jahren verurteilt und kam nach vier Jahren frei. Im Film ist sein Ende, nun, etwas dramatischer.

–

Die schwarze Maske (Black Bart, USA 1948)

Regie: George Sherman

Drehbuch: Luci Ward, Jack Natteford, William Bowers (nach einer Geschichte von Luci Ward und Jack Natteford)

mit Yvonne De Carlo, Dan Duryea, Jeffrey Lynn, John McIntire, Percy Kilbride

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DVD

Koch Media

Bild: 1.37:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Bildergalerie

Länge: 77 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Wikipedia über „Die schwarze Maske“

Turner Classic Movies über „Die schwarze Maske“

New York Times: Besprechung des Films vom 4. März 1948

Wilder Westen über Black Bart

Umfangreiche Seite über Black Bart


TV-Tipp für den 10. Juli: Das Gesetz der Ehre

Juli 10, 2011

Pro7, 22.20

Das Gesetz der Ehre (USA 2008, Regie: Gavin O’Connor)

Drehbuch: Joe Carnahan, Gavin O’Connor

New York, heute: ein junger Detective soll ein mysteriöses Massaker aufklären und stößt auf einen Sumpf auf Korruption und Verrat in den eigenen Reihen.

Just another Cop-Movie mit Knatsch in Familie 1 (Vater, Bruder, nichtsnutzige Verwandtschaft, Frauen) und Familie 2 (Vater, Bruder, nichtsnutziger Verwandtschaft, korrupten Kollegen; – gerne in Personalunion).

Aber da ich ein Fan von Cop-Filmen bin…

Mit Edward Norton, Colin Farrell, Jon Voight, Noah Emmerich, Jennifer Ehle, Frank Grillo

Wiederholung: Montag, 11. Juli, 02.45 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Das Gesetz der Ehre“

Wikipedia über „Das Gesetz der Ehre“ (deutsch, englisch)

eFilm-Critic: Interview mit Gavin O’Connor zum Film 


TV-Tipp für den 9. Juli: Leb wohl, Liebling

Juli 9, 2011

ZDFkultur, 00.00

Leb wohl, Liebling (USA 1945, R.: Edward Dymtryk)

Drehbuch: John Paxton

LV: Raymond Chandler: Farewell, my lovely, 1940 (Lebewohl, mein Liebling/Betrogen und gesühnt/Lebwohl, mein Liebling)

Für Privatdetektiv Philip Marlowe ist die Suche nach der Ex-Geliebten des Gangsters Malloy nur ein scheinbar leichter Auftrag.

„Murder, my sweet“ ist eine, zu Unrecht, etwas untergegangene Chandler-Verfilmung. Bogart war einfach besser und erfolgreicher. Chandler hielt allerdings Dick Powell für die gelungenste Marlowe-Verkörperung. Eine Film-Noir-Perle, die in den USA an der Kasse erfolgreich war und mit dem Edgar ausgezeichnet wurde.

„insgesamt ist der Film einer der visuell geschlossensten Film noirs“ (Paul Werner: Film noir)

mit Dick Powell, Claire Trevor, Anne Shirley, Otto Kruger

Alternativtitel sind in Deutschland „Murder, my Sweet“ und „Mord, mein Liebling“

Wiederholung: Sonntag, 10. Juli, 02.20 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Leb wohl, Liebling“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Leb wohl, Liebling“

Noir of the Week über „Leb wohl, Liebling“

Mordlust über „Leb wohl, Liebling“

Thrilling Detective über Raymond Chandler und Philip Marlowe

Wikipedia über Raymond Chandler (deutsch, englisch)

Raymond Chandler in der Kriminalakte


DVD-Kritik: Die „Herrin der toten Stadt“ zeigt sich kampfeslustig

Juli 8, 2011

Es ist eine Binsenweisheit, dass die meisten Western keine wahren Geschichten aus dem Wilden Westen, sondern Märchen erzählen. Auch der 1867 in Arizona spielende Western „Herrin der toten Stadt“ von William A. Wellman scheint mit der Wirklichkeit nicht allzu viel zu tun zu haben.

Stretch (Gregory Peck) und seine Gang überfallen eine Bank. Auf ihrer Flucht müssen sie die Wüste durchqueren. So schütteln sie zwar ihre Verfolger ab, aber sie scheinen auch in den sicheren Tod zu stolpern. Es gelingt ihnen, die Wüste zu durchqueren und auf der anderen Seite stoßen sie auf eine Stadt. „Yellow Sky“. Eine Geisterstadt. Sie glauben schon, dass alles umsonst war, als eine Frau (Anne Baxter) auftaucht und ihnen sagt, wo eine Wasserquelle ist. Mike, wie Constance Mae genannt wird, lebt zusammen mit ihrem Opa in einem Haus.

Die Verbrecher fragen sich, warum zwei Menschen in einer Geisterstadt ausharren. Schnell kommen sie zu dem Schluss, dass die beiden Goldschürfer sind und irgendwo ein Vermögen gebunkert haben müssen. Sie wollen das Gold.

Hm, eine verlassene Goldgräberstadt, in der zwei Menschen immer noch Gold schürfen? Das klingt jetzt nicht gerade nach einer glaubwürdigen Prämisse, aber hier sind alle mit soviel Energie und Schwung bei der Arbeit, dass man sich nicht länger mit dem sehr konstruiertem Setting beschäftigt, sondern ganz einfach genießt, wie die Bösewichter als eine fast gleichberechtigte Zweckgemeinschaft eingeführt werden, wie Mike und ihr nur scheinbar trotteliger Großvater (der wie eine Vorlage für die schwer einzuschätzenden, aber zu allen Untaten fähigen Hinterwäldler aus modernen Horror- und, seltener, Kriminalfilmen wirkt) die Verbrecherbande im Schach halten, wie die verfallene Stadt und die Landschaft (es wurde im Death Valley Nationalpark gedreht) eine eigene Rolle übernehmen und wie zügig die Geschichte mit einigen überraschenden Schlenkern bis zum doch arg unglaubwürdigem Ende erzählt wird. Denn damals war in Hollywood ein Happy End Vorschrift und wurde, wie in einem Gangsterfilm mit dem Tod des Gangsters oder der fantastischen und deshalb entsprechend unglaubwürdigen Bekehrung des Trinkers in Billy Wilders „Das verlorene Wochenende“ (toller Film!) brav exekutiert.

Lamar Trottis Drehbuch erhielt damals den WGA-Preis der Writers Guild of America als bester Western. John Fords John-Wayne-Western „Der Teufelshauptmann“ war ebenfalls nominiert und im Schatten von so bekannten Filmen wie „Der Teufelshauptmann“ steht der sehenswerte und prominent besetzte Western „Herrin der toten Stadt“ heute immer noch.

 

Die DVD

 

Auf der DVD gibt es als Bonusmaterial den Trailer, drei umfangreiche Slideshows und, untertitelt, das halbstündige, auf dem Film basierende Hörspiel mit Gregory Peck, das einige Monate nach dem Kinostart, am 15. Juli 1949, im „Screen Director’s Playhouse“ gesendet wurde. Das sind die feinen Ergänzungen für einen schon ziemlich alten SW-Film (nebenbei bemerkt: tolles Bild), der in der uneingeschränkt lobenswerten „Western Legenden“-Reihe von Koch Media erschien. Denn im TV lief die „Herrin der toten Stadt“ schon seit Ewigkeiten nicht mehr.

Herrin der toten Stadt (Yellow Sky, USA 1948)

Regie: William A. Wellman

Drehbuch: Lamar Trotti (nach einer Geschichte von W. R. Burnett)

mit Gregory Peck, Richard Widmark, Anne Baxter, James Barton, Henry Morgan, Robert Arthur, John Russell, Charles Kemper

auch bekannt als „Nevada“

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DVD

Koch Media (Western Legenden No. 7)

Bild: 1.37:1 (4:3)

Ton: Deutsch, Englisch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: Englisch

Bonusmaterial: Englischer Trailer, Originalhörspiel „Yellow Sky“ (mit deutschen Untertiteln), Bildergalerie mit seltenem Werbematerial (Fotos, Hinter den Kulissen, Poster & Werbung)

Länge: 94 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Wikipedia über „Herrin der toten Stadt“ (deutsch, englisch)

Turner Classic Movies über „Herrin der toten Stadt“

Wikipedia über W. R. Burnett (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über W. R. Burnett

Mordlust über W. R. Burnett

DetNovel über W. R. Burnett

FilmNoirNet über W. R. Burnett

 


„Vergebt mir“ ist „Tage des Zorns“

Juli 8, 2011

 

Der neue Roman von Simon Kernick ist in Wirklichkeit eine Wiederveröffentlichung unter einem anderen Titel. Denn Kernicks Debüt „The business of dying“ von 2002 erschien bereits 2003 bei Goldmann als „Tage des Zorns“,

Jetzt hat Heyne den Thriller als „Vergebt mir“, versehen mit einem im Januar 2011 geschriebenem, zweiseitigem Vorwort von Simon Kernick (nette Beigabe, aber kein Grund für eine Neuanschaffung), wiederveröffentlicht.

Auf einem Parkplatz erschießt Detective Sergeant Dennis Milne drei Männer, die er für skrupellose Verbrecher hält. Als er erfährt, dass sie unschuldig waren, wird er zum Gejagten. Gleichzeitig will er herausfinden, wer ihn reingelegt hat.

Der zweite und letzte Roman mit Dennis Milne, „Fürchtet mich“ (A good day to die) ist für Oktober angekündigt

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Simon Kernick: Vergebt mir

(übersetzt von Marie-Luise Bezzenberger)

Heyne, 2011

400 Seiten

8,99 Euro


TV-Tipp für den 8. Juli: Bringing out the dead

Juli 8, 2011

3sat, 22.25

Bringing out the dead – Nächte der Erinnerung (USA 1999, R.: Martin Scorsese)

Drehbuch: Paul Schrader

LV: Joe Connelly: Bringing out the dead, 1998 (Bringing out the dead – Nächte der Erinnerung)

Verfilmung des biographischen Romans von Joe Connelly über einen Notarztwagenfahrer, der in Hell’s Kitchen zu Beginn der neunziger Jahre zunehmend an seiner Arbeit und dem Sinn des Lebens zweifelt. Da werden, nicht nur weil das Team Martin Scorsese/Paul Schrader wieder zusammen ist, Erinnerungen an „Taxi Driver“ wach.

Eine feine, etwas unterschätzte Tour de force

mit Nicolas Cage, Patricia Arquette, John Goodman, Ving Rhames, Tom Sizemore, Marc Anthony, Nestor Serrano

Wiederholung: Sonntag, 10. Juli, 03.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Bringing out the dead“ (deutsch, englisch)

Drehbuch „Bringing out the dead“ von Paul Schrader

 

Wikipedia über Martin Scorsese (deutsch, englisch)

Martin-Scorsese-Fanseite

Martin Scorsese in der Kriminalakte


Die KrimiZeit-Bestenliste Juli 2011

Juli 7, 2011

Die KrimiZeit-Bestenliste für den Sommermonat Juli ist draußen

1 (-) Roger Smith: Staubige Hölle

2 (2) James Sallis: Der Killer stirbt

3 (4) Dominique Manotti: Roter Glamour

4 (5) Giancarlo de Cataldo: Schmutzige Hände

5 (1) Friedrich Ani: Süden

6 (6) Reginald Hill: Der Tod und der Dicke

7 (10) Patrick Pécherot: Belleville-Barcelona

8 (-) Mechtild Borrmann: Wer das Schweigen bricht

9 (9) Malla Nunn: Lass die Toten ruhen

10 (7) Leif GW Persson: Der sterbende Detektiv

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In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat

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Sallis und Ani: gut. Smith und Pécherot: will ich noch lesen. Und den Rest finde ich nicht so interessant. Immerhin liegt der neue Lawrence Block (Deutscher Verlag gesucht!) auf meinem Zu-Lesen-Stapel und der neue Jason Starr („Brooklyn Brothers“ oder „Lights Out“ im Original) hat mir zuletzt verdammt gut gefallen.