TV-Tipp für den 17. Juni: Im Zwielicht

Juni 17, 2011

Das Vierte, 20.15

Im Zwielicht (USA 1997, R.: Robert Benton)

Drehbuch: Robert Benton, Richard Russo

Ex-Privatdetektiv Harry Ross jobbt für das mit ihm befreundete, sich im vergangenen Ruhm sonnendes Schauspielerpaar Jack und Catherine Ames. Während eines Botenganges für sie stolpert er über eine Leiche und die alten Instinkte werden wieder wach. Ross will seinen Freunden gegen die Erpresser helfen.

Betont altmodischer Privatdetektiv-Krimi, der sich ausdrücklich auf die Tradition bezieht (so kann er als dritter Lew-Harper-Film gesehen werden. Newman spielte Harper in „Ein Fall für Harper“ und „Unter Wasser stirbt man nicht“. Harper ist der Filmname des von Ross MacDonald erfundenen Privatdetektiv Lew Archer.), mit pointierten Dialogen und einem Haufen Altstars glänzend unterhält.

Die Musik ist von Elmer Bernstein.

„Ein reines Vergnügen.“ (W. O. P. Kistner, AZ, 6. August 1998)

„Benton zeigt angenehm gelassen, wie die Vergangenheit als Ballast wirkt, dem man nicht entrinnt, und wie ihr Fortwirken neues Unheil erzeugt.“ (Fischer Film Almanach 1999)

Das klingt doch verdammt nach Ross MacDonald.

mit Paul Newman, Susan Sarandon, Gene Hackman, Stockard Channing, James Garner, Reese Witherspoon, Giancarlo Esposito, Liev Schreiber, John Spencer, M. Emmet Walsh

Hinweise

Wikipedia über „Im Zwielicht“ (deutsch, englisch)

A. V. Club: Interview mit Robert Benton (4. März 1998)

The Hollywood Interview: Alex Simon redet mit Robert Benton (1998)

 


TV-Tipp für den 16. Juni: Jesse Stone: Totgeschwiegen

Juni 16, 2011

ZDFneo, 22-25

Jesse Stone – Totgeschwiegen (USA 2006, R.: Robert Harmon)

Drehbuch: J.T. Allen, Tom Selleck, Michael Brandman

LV: Robert B. Parker: Death in Paradise, 2001

Dritter Jesse-Stone-Film nach dem dritten Jesse-Stone-Roman. Dieses Mal muss Kleinstadtcop Jesse Stone den Mord an einer 14-jährigen aufklären. Seine Ermittlungen führen ihn in die besseren Kreise von Boston.

Ein weiterer feiner Polizeifilm.

Mit Tom Selleck, Edward Edwards, Viola Davis, John Diehl, William Devane

Hinweise

Homepage von Robert B. Parker

Mein Porträt der Spenser-Serie und von Robert B. Parker

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Die blonde Witwe“ (Widow’s walk, 2002)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Alte Wunden” (Back Story, 2003)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der stille Schüler“ (School Days, 2005)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Der gute Terrorist“ (Now & Then, 2007)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers “Hundert Dollar Baby” (Hundred Dollar Baby, 2006)

Meine Besprechung von Robert B. Parkers „Trügerisches Bild“ (Painted Ladies, 2010)

Mein Nachruf auf Robert B. Parker

Robert B. Parker in der Kriminalakte


Damn it! James N. Frey verrät, „Wie man einen verdammt guten Thriller schreibt“

Juni 15, 2011

Zwischen 1984 und 1992 veröffentlichte James N. Frey neun Kriminalromane und sein „The Long Way to Die“ war 1988 als bestes Taschenbuch für den Edgar nominiert.

1987 veröffentlichte er seinen ersten Schreibratgeber „Wie man einen verdammt guten Roman schreibt“ (How to write a damn good novel) und in den vergangenen zwanzig Jahren verdiente er sein Geld als Lehrer.

Sein neuester Schreibratgeber widmet sich, wie der Titel „Wie man einen verdammt guten Thriller schreibt“ verrät, einem sehr beliebtem Genre und er bietet auch einige gute Einsichten, warum bestimmte Thriller funktionieren und andere nicht thrillen. Aber ein verdammt gutes Buch ist „Wie man einen verdammt guten Thriller schreibt“ nicht, weil Frey gefühlte hundertmal pro Seite „verdammt“ sagt und weil die Empfehlungen, wenn sie stumpf angewandt werden, zu einem formelhaftem Thriller führen; – was bei einigen Thrillern, vor allem wenn sie unglaublich clever (sein zweites Lieblingswort) sein wollen, allerdings schon ein beträchtlicher Gewinn für uns Leser und Zuschauer wäre. Denn: „Meistens ist es (…) nicht die Idee, sondern die Ausführung, die zählt.“

Eine dieser von Frey genannten cleveren Ideen ist, dass wir erst am Ende erkennen, dass unser Held eigentlich der Bösewicht ist oder der Bösewicht erlebt am Ende eine wundersame Wandlung. Nun, nach Frey, funktioniert dies meistens nicht. Als Beispiel nennt er das Ende der Elmore-Leonard-Verfilmung „Todeszug nach Yuma“ (zum Glück zerstört das Ende nicht den Film, aber es ist schon ein gewaltiger Downer).

(Frey erwähnt zwar nicht „The Rock“. Aber er hätte es tun können. In dem Action-Thriller sollen Sean Connery und Nicolas Cage Ed Harris daran hindern, eine Bio-Bombe in ein vollbesetztes Stadion zu werfen. Harris, der einen Army-Soldaten spielt, hat sich mit anderen Soldaten und einem Haufen Geisel auf Alcatraz versteckt. In der letzten Sekunde beschließt Harris, seinen Plan doch nicht durchzuführen. In dem Moment fragte ich mich im Kino, warum ich mir die vorherigen zwei Stunden angesehen hatte.

Doch zurück zum Buch.)

Für Frey ist das seit Jahrhunderten bekannte Muster für einen Thriller: „Ein cleverer Held hat die ‚unmögliche‘ Aufgabe, Böses zu verhindern oder zu bekämpfen. Der Held ist tapfer; er steckt in furchtbaren Schwierigkeiten; die Mission ist dringend; es steht viel auf dem Spiel; und am besten ist es, wenn der Held sich für andere aufopfert.“ Oder noch kürzer: „Ein cleverer Held hat die dringende und ‚unmögliche‘ Aufgabe, Böses zu verhindern.“

Das klingt jetzt etwas banal, aber wenn der Held nur ein ganz gewöhnlicher Mensch ohne besondere Fähigkeiten wäre und wenn die Aufgabe nicht scheinbar unmöglich wäre (immerhin gewinnt er am Ende ja, aber nur unter großen Anstrengungen, meistens indem er sein Leben riskiert) und der Bösewicht nicht abgrundtief böse wäre (sich also durch nichts von seinem Ziel, auch wenn es noch so bescheuert ist, abbringen lassen will), dann haben wir wahrscheinlich auch keinen guten Thriller – und auch keinen guten Roman. Denn Frey wendet einfach nur das Grundprinzip für eine dramatische Geschichte auf den Thriller an.

Sehen wir uns einfach David Baldaccis, von und mit Clint Eastwood verfilmten Thriller „Absolute Power“, den Frey für einen – wir ahnen es – „verdammt guten Roman“ und „verdammt guten Film“ hält, an: ein Einbrecher (besondere Fähigkeiten!) beobachtet bei einem Einbruch, wie der Präsident der USA seine Geliebte umbringt. Der Einbrecher wird fortan von den Bodyguards des Präsidenten, die auch den gesamten Polizeiapparat auf ihn ansetzen, gejagt – und der Einbrecher muss seine Unschuld beweisen. Wenn das keine unmögliche Aufgabe ist.

William Goldman, der das Drehbuch schrieb und dafür den Roman kräftig veränderte, meint in seiner kurzweiligen Mischung aus Hollywood-Anekdoten, Biographie und Schreibratgeber „Wer hat hier gelogen?“ selbstkritisch-ironisch „’Absolute Power‘ ist kein herausragender Film“, aber der Film funktioniert als Thriller von der ersten bis zur letzten Minute.

Die meiste Zeit verbringt James N. Frey in seinem neuesten Schreibratgeber, indem er beispielhaft an mehreren Geschichten zeigt, wie ein Thriller konstruiert werden kann. Das hat zwar den Vorteil, dass anhand einiger Beispiele, die er von den ersten Ideen über die Konstruktion des Helden und des Bösewichts hin zu den einzelnen Elementen einer Geschichte entwickelt, zeigt, „wie man einen verdammt guten Thriller schreibt“. Aber andererseits langweilt das kleinteilige Durchexerzieren aller Arbeitsschritte auch und hinterlässt schnell den Eindruck des Seiten-Schindens.

Dennoch sind die Tipps und Hinweise von James N. Frey nützlich, um entweder einen spannenden Thriller zu schreiben oder bei einem Thriller zu wissen, was einem wahrscheinlich warum nicht gefällt. Auch weil Frey seine Meinung mit vielen Film- (mehr) und Roman-Beispielen (weniger) belegt.

–

James N. Frey: Wie man einen verdammt guten Thriller schreibt

(übersetzt von Ellen Schlootz)

Emons, 2011

304 Seiten

19,80 Euro

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Originalausgabe

How to Write a Damn Good Thriller. A Step-by-Step Guide for Novelists and Screenwriters

St. Martin’s Press, 2010

–

Hinweis

Homepage von James N. Frey

 


TV-Tipp für den 15. Juni: Der Liebe verfallen

Juni 15, 2011

Tele 5, 20.15

Der Liebe verfallen (USA 1984, R.: Ulu Grosbard)

Drehbuch: Michael Cristofer

Ein Ingenieur und eine Designerin, beide glücklich verheiratet, treffen sich zuerst in einer Buchhandlung, dann in einem Pendlerzug nach Manhattan und – Überraschung! – sie verlieben sich ineinander. Aber sie wollen auch nicht die Gefühle ihrer Partner verletzten.

„In der Zeichnung der Figuren setzt Ulu Grosbard ganz auf szenische Evidenz und Zielstrebigkeit (…) Jede Szene, die man in diesem Genre erwarten würde, ist drin; die Musikeinsätze sind immer verlässlich. Die Dialoge sind nur notdürftig verschleiert.“ (Gerhard Midding: Der unsichtbare Amerikaner, in Sabine Horst, Hrsg.: Robert De Niro, 2002)

„Die Story ist nicht mehr als eine bittersüße Schnulze auf Hochglanzpapier.“ (Fischer Film Almanach 1986). Aber hochkarätig besetzt, hübsch gefilmt, mit der Musik von Dave Grusin („Die fabelhaften Baker Boys“) und das sind doch wahrlich genug Gründe, um sich den selten gezeigten Film (nach der OFDB ist heute sogar die TV-Premiere) anzusehen.

Ulu Grosbard inszenierte vor „Der Liebe verfallen“ die Krimis „Fesseln der Macht“, ebenfalls mit Robert De Niro, und „Stunde der Bewährung“, mit Dustin Hoffman.

Michael Cristofer schrieb später die Drehbücher für die John-Updike-Verfilmung „Die Hexen von Eastwick“, die Tom-Wolfe-Verfilmung „Fegefeuer der Eitelkeiten“ und die auch vom ihm inszenierte Cornell-Woolrich-Verfilmung „Original Sin“.

mit Robert De Niro, Meryl Streep, Harvey Keitel, Jane Kaczmarek, George Martin, Dianne Wiest, Victor Argo, Frances Conroy

Hinweise

Wikipedia über „Der Liebe verfallen“ (deutsch, englisch)


Cover der Woche

Juni 14, 2011


TV-Tipp für den 14. Juni: 1 Mord für 2

Juni 14, 2011

 

ZDF, 00.20

1 Mord für 2 (USA 2007, R.: Kenneth Branagh)

Drehbuch: Harold Pinter

LV: Anthony Shaffer: Sleuth, 1970 (Theaterstück)

Trotz Michael Caine und Jude Law, trotz Kinostart, trotz bekannter Vorlage – Hey, zeigt doch endlich mal wieder das Original mit Michael Caine und Laurence Olivier! -, läuft die TV-Premiere an einem Wochentag nach Mitternacht. Da scheint jemand in der Programmredaktion den Film wirklich zu hassen oder ihn für unglaublich schlecht zu halten

(Etwas besser geht es „Public Enemy No. 1 – Mordinstinkt“. Der hat im BR bereits um 23.25 Uhr seine TV-Premiere. Aber der Film ist auch erst Frei-ab-18-Jahre und darf daher erst ab 23.00 Uhr im TV laufen. Den zweiten Teil „Todestrieb“ gibt’s morgen.)

Genug der Vorrede.

Der erfolgreiche Krimiautor Andrew Wyke (Michael Caine) lädt den jungen Liebhaber seiner Frau, Milo Tindle (Jude Law), zu einem offenen Gespräch in seine Villa ein. Schnell entspinnt sich zwischen den beiden Männern ein tödliches Spiel.

Im Original heißt der Film „Sleuth“ und ist eine Verfilmung des erfolgreichen Zwei-Personen-Theaterstücks „Revanche“ von Anthony Shaffer, das bereits erfolgreich als „Mord mit kleinen Fehlern“ unter der Regie von Joseph L. Mankiewicz nach einem Drehbuch von Shaffer mit Sir Laurence Olivier und Michael Caine (damals in der Rolle des jungen Liebhabers) verfilmt wurde. Nach übereinstimmender Meinung kann das Remake nicht mit dem wesentlich längeren Original mithalten.

In der „Tageszeitung“ sagte Michael Caine zum Remake:

Als Jude Law mir die Rolle bei einem Abendessen anbot, war ich erst noch skeptisch, aber schon als er anfügte, dass Pinter das Drehbuch geschrieben hatte, war für mich alles klar. Jude wusste, dass Pinter den Film von 1972 nie gesehen hatte. Er kannte nur Shaffers Drama, das er radikal umschrieb. Ich selbst habe den alten „Sleuth“ seit 30 Jahren nicht mehr gesehen. Es gab in unserer Version also keinerlei Verweise auf das Original, es war daher kein Remake, sondern etwas völlig anderes. Die Figur, die ich spiele, ist so weit weg von dem, was Larry Olivier damals gespielt hat.

 

mit Michael Caine, Jude Law, Harold Pinter, Carmel O’Sullivan, Kenneth Branagh

 

 Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über den Film

Drehbuch „Sleuth“ von Harold Pinter (Fassung vom Oktober 2006)


Im Verhörzimmer: Don Winslow über Nikolai Hel und seinen neuen Thriller „Satori“

Juni 13, 2011

Eric van Lustbader hat es getan. Nachdem er bereits ein erfolgreicher Schriftsteller war, wurde er von Robert Ludlums Nachlassverwalter gefragt, ob er einen Jason-Bourne-Roman schreiben wollte. Sein siebter Bourne-Roman ist für nächstes Jahr angekündigt.

John Gardner, damals ebenfalls ein bekannter Autor, wurde von Ian Flemings Erben gefragt, ob er James-Bond-Romane schreiben möchte und er sagte zu. Danach kamen Raymond Benson, Sebastian Faulks und Jeffery Deaver (Ja, genau der Jeffery Deaver).

Jetzt hat auch Don Winslow ein solches Angebot angenommen. In den vergangenen Jahren erschrieb er sich einen glänzenden Ruf als Chronist des Verbrechens in Südkalifornien und, nachdem er in Deutschland einige Jahre nicht verlegt wurde, hat er auch hier eine steigende Zahl treuer Leser. Als er gefragt wurde, ob er einen Roman mit Nikolai Hel als Helden schreiben wollte, konnte er, ein großer Fan von Trevanians Roman „Shibumi“, nicht „Nein“ sagen.

In „Satori“ erzählte Winslow jetzt spannend und sehr kurzweilig die Vorgeschichte zu „Shibumi“ und wir erfahren, wie Nikolai Hel, der mehrere Sprachen spricht, ein ausgezeichneter Kämpfer, Liebhaber und Go-Spieler ist (halt irgendwie ein Ebenbild von Derek Flint), in den frühen fünfziger Jahren seinen ersten Auftrag erledigte.

Die Veröffentlichung des tollen Polit-Thrillers war für die Kriminalakte die Gelegenheit, Don Winslow einige Fragen zu stellen.

Was fasziniert Sie an Nikolai Hel?

Er ist auf vielen Ebenen ein faszinierender Charakter, aber am interessantesten ist für mich die in dem Charakter inne wohnende Kombination (und Konflikt) von westlicher und asiatischer Kultur. Als ein Europäer geboren (sein Vater ist Deutscher, seine Mutter Russin) und aufgezogen in Asien, wird er ständig in beide Richtungen gezogen. Er will wichtige philosophische Ideen von beiden Kulturen bewahren. Zur gleichen Zeit ist er ein Einzelgänger – er ist Teil beider Kulturen, aber er kann nie ganz zu einer gehören.

Wie unterschied sich für Sie das Schreiben über einen bereits bestehenden und bekannten Charakter gegenüber ihren eigenen Charakteren?

Über Nikolai Hel zu schreiben war als ob ich ein Geschenk erhalte – dieser faszinierende Mann mit dem bestehendem interessantem Hintergrund und all seinen Fähigkeiten. Ich las „Shibumi“ als es veröffentlicht wurde. So kannte ich ihn bereits.

Aber hier übernahm ich zum ersten Mal einen Charakter, der von jemand anderem erfunden wurde. Ich fühlte eine große Verantwortung das Original nicht zu verraten, aber gleichzeitig zu versuchen, ein zeitgemäßes Buch zu schreiben.

Die wirkliche Herausforderung war, die Welt durch Nikolais Augen zu sehen – wenn ich das tun konnte, wusste ich, welche Entscheidungen ich zu fällen hatte.

Was waren für Sie die größten Herausforderungen beim Schreiben von „Satori“?

Einige. Die erste war, wie schon gesagt, die Herausforderung einen bestehenden Charaktere aufzunehmen. Dann war da die Aufgabe, den Stil von Trevanian zu respektieren, ohne ihn zu imitieren – also, zu versuchen meine Stimme mit seiner zu vereinigen. Am Ende ging es darum, etwas üppiger und lyrischer zu schreiben als ich es in meinen eigenen Arbeiten tue.

Zum Schluss ging es um die historischen Fragen. „Satori“ spielt 1951/1952 in Japan, China und Vietnam. Also musste ich viel recherchieren und versuchen die Plätze und die Zeit nachzuempfinden.

Zum Glück bin ich ein Geschichts-Geek und ich liebe die Recherche.

Ihre ersten Romane waren die Privatdetektivserie mit Neal Carey. Dann wechselten sie mit „Bobby Z“ zu Einzelwerken (und den beiden Boone-Daniels-Romanen), die im heutigen Südkalifornien spielen. Daher würde ich gerne wissen, was Ihnen an Einzelwerken und Kalifornien so gefällt.

Kalifornien ist für mich unendlich interessant. Es hat eine so große Vielfalt von Landschaften und Kulturen. Es ist so schön und dann ist da die hässliche Schattenseite. Für einen Krimiautor ist das eine Goldmine.

Zu Einzelwerken gegen Serien – ich bin gierig. Ich will beide schreiben. Am Ende ist es eine Frage der Geschichte, die ich erzählen will. Einige Geschichten haben ein festes Ende und es wäre falsch, sie zu einer Serie auszubauen. Andere sind mehr ein Marathon als ein Sprint. Du willst länger laufen; die Strecke langsamer mit diesem Charakter bewältigen.

Wie schreiben Sie ihre Bücher?

Meine Schreibroutinen sind sehr einfach. Je nach Jahreszeit beginne ich zwischen 5.00 und 5.30 Uhr im Morgen, arbeite bis 10.00 Uhr, jogge oder gehe dann 4 bis 6 Meilen – oder mache eine andere sportliche Betätigung. Danach gehe ich bis ungefähr 5.00 Uhr zurück an den Schreibtisch.

Normalerweise mache ich die Recherche für ein Buch, während ich ein anderes schreibe. Aber das ist flexibel und hängt von der Situation ab. Manchmal weißt du nicht, was du nicht weißt, bis du es schreibst. Dann musst du eine Pause machen und die Antwort herausfinden. Zum Beispiel: dein Charakter verlässt sein Hotel und dreht sich nach rechts – Weißt du, was er sieht, riecht, hört? Wenn nicht, musst du es herausfinden, damit du den Leser auf diesen Weg mitnehmen kannst.

Outlines machte ich früher. Heute kaum noch. Denn es kann eine nutzlose Übung sein. Normalerweise sagen oder tun meine Charaktere etwas, das ich nicht geplant hatte und die Geschichte in eine andere – normalerweise bessere Richtung – lenkt. Ich habe eine grobe Idee, in welche Richtung die Geschichte sich bewegt – immer basierend auf den Charakteren – aber ich will überrascht werden.

Ich überarbeite jeden Tag; ich ändere ständig, was ich getan habe. Nachdem ich die Anmerkungen von meinem Herausgeber erhalten habe, schreibe ich vom Anfang bis zum Ende eine neue Fassung.

Als tägliches Schreibziel habe ich keine Seitenzahl oder Anzahl von Worten im Kopf. Mein einziges Ziel ist es, jeden Tag gut zu schreiben. Dieses Ziel erreiche ich nicht immer.

–

Don Winslow: Satori

(übersetzt von Conny Lösch)

Heyne, 2011

608 Seiten

12,99 Euro

–

Originalausgabe

Satori

Grand Central Publishing, New York, 2011

–

Hinweise

Homepage von Don Winslow

Deutsche Homepage von Don Winslow

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Private“ (The Dawn Patrol, 2008)

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Paradises“ (The Gentlemen’s Hour, 2009) und „Tage der Toten“ (The Power of the Dog, 2005)

Meine Besprechung von Don Winslows „Bobby Z“ (The Death and Life of Bobby Z, 1997)

Meine Besprechung von Don Winslows „Satori“ (Satori, 2011)

Don Winslow in der Kriminalakte


Georg Schramm lästert

Juni 13, 2011

Die Verleihung des Kleinkunstpreises Anfang Mai hat Georg Schramm sicher viel Freude bereitet; vor allem, weil es ihm (wieder einmal) gelang, die Honoratioren (die ihn doch inzwischen kennen müssten) gegen sich aufzubringen:

In der Stuttgarter Zetung stand über den Abend:

Aus der ersten Reihe wurden „Arschloch“ und Aufhörenrufe laut. „Das war kein Kabarett, das war Klassenkampf“, zischte Europa-Park-Chef Roland Mack. „Unglaublich, charakterlos, Sauerei“, assistierte Gattin Marianne. Doch während die erste Reihe pöbelte, jubelten die hinteren Ränge. „Der Zorn ist wichtig für eine Gesellschaft“, wies Schramm die Anwürfe zurück. Diese Gelegenheit, den anwesenden Großkopfeten die Meinung zu geigen, habe er sich nicht entgehen lassen. „Die Dramaturgie sei ihm aber ein wenig entglitten“, räumte er ein. Er hätte früher aufhören sollen, als die Prominenz in den Spiegel geschaut und erstarrt sei und bevor sie anfangen konnte, zu keifen.


TV-Tipp für den 13. Juni: Der Teufel mit der weißen Weste

Juni 13, 2011

BR, 00.15

Der Teufel mit der weißen Weste (F 1962, R.: Jean-Pierre Melville)

Drehbuch: Jean-Pierre Melville

LV: Pierre Lesou: Le Doulos, 1958

Regieassistenz: Volker Schlöndorff

Nach einem missglückten Einbruch wird Maurice verhaftet. Er glaubt, dass Silien ihn verraten hat und er beauftragt einen Verbrecher, Silien umzubringen. Gleichzeitig tut Silien alles, um Maurice aus dem Gefängnis zu befreien.

Düsterer Gangsterfilmklassiker, mit Jean-Paul Belmondo, Michel Piccoli, Serge Reggiani

Hans Gerhold in „Jean-Pierre Melville“ (Hanser Verlag, Reihe Film 27): „Aus einem durchschnittlichen Série Noire-Stoff wurde ein „Melville“. Tatsächlich macht die komplizierte Konstruktion des Drehbuchs mit unvorhersehbaren Volten und Rückblenden (in den Erzählungen der Personen und in visuellen flash-backs) LE DOULOS zu dem spannendsten und undurchschaubarsten Film Melvilles. Denn LE DOULOS ist eine Anti-Tragödie und auf dem Prinzip der Lüge aufgebaut, die jede Äußerung und jedes Bild sofort wieder relativiert.“

Hinweise

Wikipedia über Jean-Pierre Melville (deutsch, englisch, französisch)

Senses of Cinema (Adrian Danks) über Jean-Pierre Melville (September 2002)

Guardian: Peter Lennon über Jean-Pierre Melville (27. Juni 2003)

Jean-Pierre Melville in der Kriminalakte


TV-Tipp für den 12. Juni: Elf Uhr nachts

Juni 12, 2011

BR, 23.45

Elf Uhr nachts (F/I 1965, R.: Jean-Luc Godard)

Drehbuch: Jean-Luc Godard

LV: Lionel White: Obsession, 1963

Ferdinand stolpert in eine undurchsichtige Mordgeschichte und flüchtet mit seiner Ex Marianne quer durch Frankreich auf eine einsame Insel.

Auch bzw. besser bekannt als „Pierrot le fou“. Die Krimifarce hat mit dem Buch wenig bis nichts zu tun, aber viel mit Godard, seinem filmischen Kosmos und dem Lebensgefühl der Sechziger.

Mit Jean-Paul Belmondo, Anna Karina

Hinweise

Arte über „Elf Uhr nachts“

Mordlust über Lionel White

Wikipedia über Lionel White

Wikipedia über „Elf Uhr nachts“ (deutsch, englisch, französisch)

Film-Rezensionen über „Elf Uhr nachts“ (17. November 2009)

Monthly Film Bulletin 1990 über „Elf Uhr nachts“

Films de France über „Elf Uhr nachts“

Wikipedia über Jean-Luc Godard (deutsch, englisch, französisch)

IMDB über Jean-Luc Godard

Kriminalakte gratuliert Jean-Luc Godard zum Geburtstag


Die Nominierungen für den Nero Award 2011

Juni 11, 2011

Der Fan-Verein „The Wolfe Pack“ (sie sind Fans von Rex Stouts Nero Wolf, dem dicken New-Yorker-Privatdetektiv, der nur höchst ungern sein Haus verlässt, und stattdessen seinen Assistenten Archie Goodwin die Laufarbeit erledigen lässt) hat die Nominierungen für den diesjährigen Nero Award (der an einen Krimi verliehen wird, der in der Tradition der Nero-Wolfe-Geschichten geschrieben ist) veröffentlicht:

• Ice Cold, von Tess Gerritsen (Ballantine)

• The Book of Spies, von Gayle Lynds (St. Martin’s Press)

• Bury Your Dead, von Louise Penny (Minotaur)

• The Midnight Show Murders, von Al Roker und Dick Lochte (Delacorte)

• Think of a Number, von John Verdon (Crown)

Die Preisverleihung ist am ersten Samstag im Dezember in New York während des Black Orchid Weekend.

(via The Rap Sheet)


TV-Tipp für den 11. Juni: Der Mann aus Marseille

Juni 11, 2011

ARD, 03.05

Der Mann aus Marseille (F/I 1972, R.: José Giovanni)

Drehbuch: José Giovanni

LV: José Giovanni: L´excommunié/La scoumoune, 1958 (Der Gangsterboss)

Ballade über die Freundschaft zwischen zwei Gangstern, die nach dem Zweiten Weltkrieg sich wieder einen Platz in der Pariser Unterwelt sichern wollen.

Mit Jean-Paul Belmondo, Michel Constantin, Claudia Cardinale, Andréa Ferréol, Gérard Depardieu

Hinweise

Homepage von/über José Giovanni

Wikipedia über José Giovanni (deutsch, englisch, französisch)

Krimi-Couch über José Giovanni

Kriminalakte über José Giovanni


Mit Joe R. Lansdale nach Osttexas in die dreißiger Jahre

Juni 10, 2011

„Nachrichten verbreiteten sich nicht besonders schnell. Nicht damals. Nicht über das Radio und nicht über Zeitungen. Nicht im Osten von Texas. Die Dinge waren anders. Was in einem Ort geschah, drang meistens nicht über ihn hinaus.“

So beginnt der 1933/1934 spielende Kriminalroman „Die Wälder am Fluss“ von Joe R. Lansdale. Er erhielt dafür einen Edgar. Mit „Kahlschlag“ kehrte er einige Jahre später wieder nach Osttexas in die dreißiger Jahre zurück. Aber in einen anderen Bezirk und „Kahlschlag“ ist auch fast so gut wie „Die Wälder am Fluss“.

In „Die Wälder am Fluss“ entdeckt der elfjährige Harry Collins die bestialisch zugerichtete Leiche einer Schwarzen. Zusammen mit seiner jüngeren Schwester sucht er den Mörder. Er glaubt, dass der legendäre, im Wald hausende Ziegenmann dahintersteckt. Weil sein Vater auch der Constable des Dorfes ist, erfährt er aus erster Hand, wie die Ermittlungen voranschreiten.

Diesen Krimiplot verknüpft Joe R. Lansdale äußerst gelungen mit einer Coming-of-Age-Geschichte und einem handfestem Schauermärchen. Denn wenn Harry im Wald den Ziegenmann sucht, stampft man buchstäblich durch sumpfiges Gelände.

In „Kahlschlag“ muss die rothaarige Schönheit Sunset Jones ihren Mann stehen. Vor allem nachdem sie ihren Mann, der sie geschlagen hatte und vergewaltigen wollte, erschossen hat und jetzt von ihrer Schwiegermutter, die die Besitzerin des Sägewerks ist, aufgefordert wird, den Job ihres toten Mannes zu übernehmen. Er war der Constable.

Zusammen mit Clyde, der bereits einige Erfahrung als Deputy hat, und Hillbilly, einem gut aussehendem, aber auch skrupellosem Hobo mit einer musikalischen Ader, versucht sie sich Respekt zu verschaffen. Als der Farbige Zendo auf seinem Grundstück eine im Boden vergrabene, mit Öl überzogene, weiße Frauenleiche und einen Säugling findet und Sunset diesen Doppelmord aufklären will, stößt sie auf einige Geheimnisse und schmutzige Geschäfte.

Aber diesen, in weiten Teilen vorhersehbaren Krimiplot treibt Lansdale nicht sonderlich energisch voran. Denn dafür werden die Leichen reichlich spät entdeckt und die Mordermittlung verschwindet immer wieder unter den zahlreichen, teils sehr detailliert ausgeführten Nebengeschichten.

Lansdale geht es in „Kahlschlag“ halt mehr um ein Porträt der Depressionsjahre, dem damaligen Leben in Osttexas und den Versuchen von zwei Frauen in einer Männergesellschaft ihren Mann zu stehen. Da sind dann einige Längen vorhanden, die es in dem ebenfalls ruhig erzähltem „Die Wälder am Fluss“ nicht gibt. Denn der damals jugendliche Held beginnt seine Welt zu erkunden und die Geheimnisse der Erwachsenen zu enttarnen. Sunset entdeckt dagegen nur und auch für sie wenig überraschend, wie stark ökonomische Interessen das Leben der oberen Zehntausend des Bezirks (was in der Provinz nur eine handvoll Leute sind) bestimmen. Dass ihr Mann eine Geliebte hatte, wusste sie dagegen schon lange.

Letztendlich ist das größte Problem von „Kahlschlag“ allerdings, dass Joe R. Lansdale kurz davor das überragende „Die Wälder am Fluss“ schrieb.

Und wer danach immer noch nicht genug von Joe R. Lansdale hat, sollte sich die Anthologie „The new Dead“ von Christopher Golden mit der Kurzgeschichte „Rack ’n‘ Break“ von Joe R. Lansdale schnappen. In der Geschichte erzählt er von einem Billardspiel das mit einem Toten endet.

Zu den anderen Autoren der Zombie-Anthologie gehören John Connolly, David Liss, Brian Keene, Jonathan Maberry, Mike Carey, Max Brooks, Tad Williams und Joe Hill. Das klingt doch gut.

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Joe R. Lansdale: Die Wälder am Fluss

(übersetzt von Mariana Leky)

dumont, 2011

368 Seiten

9,99 Euro

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Originalausgabe

The Bottoms

Warner Books/Mysterious Press, 2000

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Deutsche Erstausgabe

dumont, 2004

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Joe R. Lansdale: Kahlschlag

(übersetzt von Katrin Mrugalla)

Golkonda, 2010

368 Seiten

16,90 Euro

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Originalausgabe

Sunset and Sawdust

Alfred A. Knopf, 2004

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Christopher Golden (Hrsg.): The new Dead – Die Zombie-Anthologie

(übersetzt von Firouzeh Akhavan-Zandjani)

Panini Books, 2011

480 Seiten

14,95 Euro

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Originalausgabe

The new Dead – A Zombie Anthology

St. Martin’s Press, 2010

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Hinweise

Homepage von Joe R. Lansdale

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Wilder Winter“ (Savage Season, 1990)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Rumble Tumble“ (Rumble Tumble, 1998 )

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Der Gott der Klinge” (The God of the Razor, 2007)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Der Teufelskeiler” (The Boar, 1998)

Meine Besprechung  von Joe R. Lansdales „Akt der Liebe“ (Act of Love, 1981)


TV-Tipp für den 10. Juni: Kaltblütig

Juni 10, 2011

Kabel 1, 02.00

Kaltblütig (USA 1967, R.: Richard Brooks)

Drehbuch: Richard Brooks

LV: Truman Capote: In cold blood, 1965 (Kaltblütig)

Semidokumentarischer Film über den sinnlosen Mord an einer Familie in Holcomb, Kansas, im November 1959.

Richard Brooks kongeniale Verfilmung von Capotes True-Crime-Klassiker über einen Mord, der die USA erschütterte.

Mit Robert Blake, Scott Wilson, John Forsythe, Paul Stewart

Hinweise

Wikipedia über „Kaltblütig (deutsch, englisch)


TV-Tipp für den 9. Juni: The Wrestler – Ruhm, Liebe, Schmerz

Juni 9, 2011

ARD, 22.45

The Wrestler – Ruhm, Liebe, Schmerz (USA 2008, R.: Darren Aronofsky)

Drehbuch: Robert Siegel

Das ist deutsche TV-Kultur: Platz 173 in der Top-250-Liste der IMDB, über dreißig Filmpreise erhalten (unter anderem der Goldene Löwe in Venedig), für über dreißig weitere nominiert, Kritikerliebling, über 127.000 Kinobesucher in Deutschland (gut, gegen den „Avatar“ ist das nichts, aber auch in Tom Tykwers „The International“ gingen keine 700.000 Leute und der Film wurde kürzlich, gekürzt, an einem Sonntag von Pro 7 um 20.15 Uhr ausgestrahlt) und die gloriose Rückkehr von Mickey Rourke als Schauspieler (er erhielt für seine Rolle unter anderem den Golden Globe und den BAFTA Award und war für den Oscar nominiert) – und dann feiert der Film, weil „Die beliebtesten Komiker der Deutschen“ wichtiger ist, an einem Wochentag zu später Stunde seine TV-Premiere.

Die Story: Im semidokumentarischem Stil eines Siebziger-Jahre-New-Hollywood-Films verfolgt Aronofsky den abgewrackten Wrestler Randy ‚The Ram‘ Robinson, dessen Leben nur aus Wrestling besteht. Nach einem Infarkt soll er das Wrestling aufgeben, er versucht einen Neuanfang, will sich mit seiner Tochter aussöhnen und kann doch vom Wrestling nicht lassen.

Großartiges Schauspielerkino, mit einem deutlichen Blick auf das Mainstream-Publikum.

Als nächsten Film drehte Aronofsky den Ballettfilm „Black Swan“, der in vielen Punkten die spiegelbildiche Ergänzung zu „The Wrestler“ ist.

mit Mickey Rourke, Marisa Tomei, Evan Rachel Wood

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „The Wrestler“

Wikipedia über „The Wrestler“ (deutsch, englisch)


„Satori“ und „Shibumi“: das erste und das letzte Abenteuer von Auftragskiller Nikolai Hel

Juni 8, 2011

 

Ich kann mich nur noch sehr dunkel an Trevanians Thriller „Shibumi“ erinnern, aber ich bin mir sicher, dass ich ihn als Teenager verschlungen hatte. Immerhin waren die Agententhriller von Trevanian, ein Pseudonym von Rodney Whitaker, damals ganz oben auf meiner Leseliste.

Jetzt, anlässlich der Veröffentlichung des von Don Winslos als Prequel zu „Shibumi“ geschriebenem Agententhriller „Satori“, las ich Trevanians Roman wieder und ich fragte mich, was mir damals so gut gefallen hat. Wahrscheinlich war es die Vergötterung der japanischen Kultur, die überragenden Fähigkeiten des Helden Nikolai Hel im Beruf (als Killer) und im Bett (James Bond ist gegen ihn ein Wüstling), seine finanzielle und geistige Unabhängigkeit. Kurz, er verkörperte genau das, was einen pubertierenden Jungen anmacht. Das ganze wurde mit einer ordentlichen Portion US-Bashing (nun ja, der Staub von Watergate legte sich so langsam und die Reagan-Jahre wurden geistig vorbereitet) und elitärem Denken, das heute einen seltsamen Geschmack hinterlässt, weil es doch arg nach der Nazi-Herrenmenschideologie schmeckt (Wobei Hel kein Rassist im eigentlichen Sinn ist. Er verachtet nur die westliche Kultur und deren Kaufmannsmentalität abgrundtief und, auch aufgrund seiner Biographie, stehen die US-Amerikaner ganz oben auf seiner Hassliste.) Auch ist Hel aus heutiger Sicht ein ziemlich altmodischer Macho und Trevanian bedient in „Shibumi“ eben solche Macho-Ideale. Nicht ungeschickt, aber das macht es nicht unbedingt besser.

Außerdem erzählt Trevanian seine Geschichte sehr ungeschickt. Denn nachdem auf den ersten Seiten eine CIA-Aktion auf dem Flughafen von Rom aus dem Ruder läuft, es anstatt der geplanten zwei, neun Tote gibt, der CIA-Scherge Mr. Diamond entdeckt, dass die gesamte Aktion schlampig vorbereitet war und mit welcher Gefahr sie es vielleicht zu tun haben, geht die Möchtegern-Terroristinnen Hannah Stern, die den Anschlag überlebte, nach Etchebar. Dort, im Baskenland, hat Nikolai Hel ein großes Anwesen, das er historisch herrichtet, und eine große Schar vertrauter ETA-Widerstandskämpfer (vulgo gute Terroristen; – das ist eine Siebziger-Jahre-Unterscheidung zwischen Terroristen und Freiheitskämpfern, die heute obsolet ist. Wie auch viele der damaligen Terroristengruppen.).

Diamond fräst sich durch die Akte von Nikolai Hel und wir erfahren hunderttausend Dinge über Hel, die interessant, aber für die Geschichte reichlich unwichtig sind.

Erst auf Seite 286 tritt Hel zum ersten Mal leibhaftig auf. Er erkundet mit seinem Freund Benat Le Cagot auf den folgenden sechzig Seiten eine Höhle, die später noch einmal wichtig wird.

Die erste Begegnung zwischen Hel und Hannah Stern ist auf Seite 371. Erst jetzt muss Hel sich fragen, ob er sein Leben als Killer im Ruhestand verlassen will. Bis er dann endlich die Initiative ergreift vergehen weitere Seiten, die sich inzwischen endlos anfühlen. Der Kampf zwischen Hel und den Bösewichtern beschränkt sich dann auf wenige Seiten. Dabei hätten sie eigentlich den größten Teil von „Shibumi“ einnehmen müssen.

Auf der Habenseite bleibt immer noch ein faszinierender Charakter, die Idee einer Muttergesellschaft, die als Verbindung zwischen Politik und Ölindustrie sogar über den CIA befehlen darf und mit allen Mitteln ihre Interessen schützt, eine geradezu prophetische Beschreibung des Einsatzes von Computern und einige Bonmots, wie „Es ist eine Binsenweisheit der amerikanischen Politik, dass der Mann, der eine Wahl zu gewinnen versteht, diesen Sieg nicht verdient.“ oder warum Informationen über die Liberalen von dem Supercomputer auf weißen Karten ausgedruckt werden: „als Fat Boy die Möglichkeit wirksamer Aktionen vonseiten der Liberalen errechnet hatte, erhielten sie wieder weiße Karten, das Kennzeichen politischer Machtlosigkeit.“.

Don Winslow schrieb jetzt, beauftragt von Trevanians Familie, ein Prequel zu „Shibumi“. In „Satori“ erzählt er, wie Nikolai Hel zum Auftragskiller wurde.

Nachdem der sechsundzwanzigjährige Hel drei Jahre in einer kleinen Zelle saß, macht ihm der CIA-Mann Haverford ein Angebot: wenn er für sie einen Mann ermordet, wird er freikommen. Dass der Auftrag ein Himmelfahrtskommando ist, weiß Hel von der ersten Sekunde an. Denn er soll in Peking, getarnt als französischer Waffenhändler, den russischen Botschafter mit bloßen Händen umbringen und so einen Keil zwischen Peking und Moskau treiben.

Dieser Botschafter ist der skrupellose KGB-Mann Juri Woroschenin, der Hels Mutter entehrte und Hel um sein Erbe brachte, und damit hat der junge Mann auch ein persönliches Motiv, um den Auftrag anzunehmen.

Doch wie heißt es so schön: reinkommen ist kein Problem, lebendig rauskommen schon. Zum Glück kann Hel auf die Hilfe von hilfreichen Mönchen (die dann doch gar nicht so harmlos sind) bauen.

Und der CIA und das amerikanische Militär waren bereits vor sechzig Jahren tief in illegale Geschäfte verwickelt und versuchten ihre eigenen Schäfchen ins Trockene zu bringen. Auch wenn dann dafür eine andere Behörde den schwarzen Peter erhält. In diesem Spiel ist der passionierte Go-Spieler Hel nur ein Bauer, der je nach Opportunität, geopfert werden kann.

„Satori“ ist ein farbiger, im Fernen Osten 1951/1952 spielender Agententhriller, der prächtig unterhält und ein angenehmes Retro-Gefühl verbreitet. Denn einerseits erinnert alles an die Agententhriller aus der Zeit des Kalten Krieges, andererseits legt Don Winslow ein absolut zeitgemäßes Erzähltempo vor und verknappt Beschreibungen und Szenen bis zum Äußersten. Im Tonfall und der damit verbundenen ironischen Darstellung der doch leicht absurden Abenteuer von Nikolai Hel erinnert Winslow dann an die grandiosen Tanner-Romane von Lawrence Block. Gegenüber dem schnellen und pointiert erzähltem Thriller „Satori“ wirkt Travanians „Shibumi“ noch schwerfälliger als es eh schon ist.

Außerdem nimmt Don Winslow gelungen einige Fäden und Episoden aus Trevanians „Shibumi“ (so wird in „Shibumi“ Hels erster Auftrag auf einigen Seiten erwähnt) auf, füllt die Lücken aus und zeichnet ein Bild eines jüngeren Mannes, der das Killerhandwerk erst noch erlernt.

„Satori“ ist ein feiner Schmöker. Fortsetzung nicht ausgeschlossen und willkommen.

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Trevanian: Shibumi

(übersetzt von Gisela Stege)

(vollständig überarbeitete Neuausgabe)

Heyne, 2011

576 Seiten

9,99 Euro

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Originalausgabe

Shibumi

Crown Publishers, New York, 1979

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Deutsche Erstausgabe

Shibumi oder der leise Tod

Droemer Knaur, 1981

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Don Winslow: Satori

(übersetzt von Conny Lösch)

Heyne, 2011

608 Seiten

12,99 Euro

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Originalausgabe

Satori

Grand Central Publishing, New York, 2011

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Hinweise

 Homepage von Trevanian

Martin Compart über Trevanian und „Shibumi“ (Teil 1, Teil 2)

Homepage von Don Winslow

Deutsche Homepage von Don Winslow

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Private“ (The Dawn Patrol, 2008)

Meine Besprechung von Don Winslows „Pacific Paradises“ (The Gentlemen’s Hour, 2009) und „Tage der Toten“ (The Power of the Dog, 2005)

Meine Besprechung von Don Winslows „Bobby Z“ (The Death and Life of Bobby Z, 1997)

Don Winslow in der Kriminalakte

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Vorankündigung

In wenigen Tagen könnt ihr nur in der Kriminalakte mein Interview mit Don Winslow lesen.

 

 


TV-Tipp für den 8. Juni: Ruhe sanft GmbH

Juni 8, 2011

Das Vierte, 20.15

Ruhe sanft GmbH (USA 1963, R.: Jacques Tourneur)

Drehbuch: Richard Matheson

Die Schwarze Komödie mit etlichen Morden und grotesk überzeichneten Typen ist ein kleiner Klassiker: um ein Bestattungsunternehmen vor der Pleite zu retten, sorgen der Schwiegersohn und sein Gehilfe für Nachschub. Mit allen Mitteln.

Mit Boris Karloff, Vincent Price, Peter Lorre, Basil Rathbone

Wiederholung: Donnerstag, 9. Juni, 03.30 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über Richard Matheson (deutsch, englisch)

Phantastik-Couch über Richard Matheson

Times: Stephen King über Richard Matheson (22. Juli 2006)

Mystery File: Ed Gorman unterhält sich mit Richard Matheson (2006)

Archive of American Television: Interview mit Richard Matheson

Rod Serling Memorial Foundation: William Simmons interviewt Richard Matheson


DVD-Kritik: „Der Fall Rohwedder“ ist immer noch ungelöst

Juni 7, 2011

Am 1. April 1991 wurde der Treuhand-Chef Detlev Karsten Rohwedder in seinem Haus in Düsseldorf erschossen. Der Täter konnte flüchten. Später wurden auf einem Handtuch, das am Tatort gefunden wurde, Haare von Wolfgang Grams gefunden. Weil das RAF-Mitlglied am 27. Juni 1993 auf dem Bahnhof in Bad Kleinen starb, kann er nichts mehr dazu sagen und die Bundesanwaltschaft nennt ihn auch nicht als Täter.

In der 45-minütigen Doku „Der Fall Rohwedder“ legen sich die Macher Anne Kauth und Bernd Reufels ziemlich eindeutig auf die Täterschaft des toten RAFlers fest, seine Schießkünste werden mit dem Training in der DDR bei der Stasi (die freudig alles unterstützte, was dem Klassenfeind schadete und am Ende der DDR flugs die erreichbaren Akten vernichtete, weshalb gerade die jüngste Vergangenheit im Schredder landete) und das konspirative und sehr professionelle Vorgehen der dritten und auch heute noch unbekanntesten RAF-Generation wird mit Nachhilfestunden bei der Stasi erklärt.

Andere Erklärungen verfolgen Kauth und Reufels nicht weiter. Das gilt vor allem für die populäre Verschwörungstheorie „Das RAF-Phantom“ (Knaur Verlag, Dezember 1992) von Gerhard Wisnewski, Wolfgang Landgraeber und Ekkehard Sieker, nach der es die dritte Generation der RAF nicht gab, sondern der Staat oder die Wirtschaft die Anschläge auf Rohwedder und den Deutsche-Bank-Vorsitzenden Alfred Herrhausen verübte. Im Bonusmaterial lehnt Alexander Straßner diese Verschwörungstheorie als haltlos ab.

Insgesamt folgt die Doku, was auch an der Auswahl der Interviewpartner, wie Lothar de Maiziere, Wolfgang Schäuble, Theo Waigel und Ex-BKA-Chef Hans-Ludwig Zachert, liegen kann, stark der offiziellen Geschichtsschreibung. Deshalb liegt der Wert der Doku nicht im Enthüllen bislang unbekannter Fakten und Vermutungen, sondern im akribischen Nachzeichnen des Mordes und des damaligen gesellschaftlichen Klimas. Denn obwohl das alles erst vor zwanzig Jahren geschah, wirkt es heute (und nicht nur wegen der Kleider, Frisuren und Möbel) sehr fern.

Es wird nur am Rand auf die Ironie eingegangen, dass die RAF gerade mit diesen Anschlägen letztendlich das Geschäft des Gegners besorgte. Denn während Rohwedder und Herrhausen Kapitalisten mit einem sozialen Gewissen waren, waren ihre Nachfolger kaltschnäuzige Kapitalisten, die genau das taten, was die RAF verhindern wollte. Mit diesen Anschlägen bugsierte sie sich noch weiter (oder endgültig) ins politische Abseits. Am 20. April 1998 löste die RAF sich auf.

Das Bonusmaterial der DVD besteht aus zwei Interviews: eines mit Prof. Dr. Wolfgang Seibel über die Einheit und die Treuhand; eines, das auch teilweise in der Doku „Der Fall Rohwedder“ verwandt wurde, mit Dr. Alexander Straßner über die RAF. Da hätte man sich noch weitere Ausschnitte aus den anderen, für die grundsolide TV-Dokumentation verwandten Interviews gewünscht.

Der Fall Rohwedder (D 2010)

Regie: Anne Kauth, Bernd Reufels

Drehbuch: Anne Kauth, Bernd Reufels

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DVD

Polyband (Arte Edition)

Bild: 16:9 (1,78:1)

Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0)

Untertitel: –

Bonusmaterial: Interviews mit Dr. Alexander Straßner und Prof. Dr. Wolfgang Seibel (45 Minuten)

Länge: 47 Minuten

FSK: ab 12 Jahre

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Hinweise

Homepage von Bernd Reufels

Homepage von Looks Film (produzierte „Der Fall Rohwedder“)

ZDF über die Doku

Wikipedia über Detlev Karsten Rohwedder


Cover der Woche

Juni 6, 2011


TV-Tipp für den 7. Juni: The man who shot Chinatown

Juni 6, 2011

3sat, 22.25

The Man Who Shot Chinatown – The Life and Work of John A. Alonzo (D/USA/GB 2007, R.: Axel Schill)

Drehbuch: Stephanie Bahr, Axel Schill

Sehenswerte 75-minütige Doku über den 2001 verstorbenen Kameramann John A. Alonzo. Zu seinen Filmen gehören neben „Chinatown“ auch „Scarface“, „Infernal Affairs“, „Das fliegende Auge“, „Ich, Tom Horn“, „Schwarzer Sonntag“, „Die Bären sind los“, „Harold und Maude“, „Fluchtpunkt San Francisco“ und „Fahr zur Hölle, Liebling“.

Mit Richard Dreyfuss, Roger Ebert, Mike Figgis, William Friedkin, Sally Field, Michael Crichton, Haskell Wexler

Hinweise

Homepage zum Film (Presseheft)

Film-Zeit über „Alonzo – The Man who shot Chinatown“