Drehbuch: Ross Thomas, Dennis O´Flaherty, Thomas Pope
LV: Joe Gores: Hammett, 1975 (Dashiell Hammetts letzter Fall, Hammett)
Dashiell Hammett will sein Geld als Schriftsteller verdienen. Da wird er von seinem Ex-Kollegen Jimmy um Hilfe bei der Suche nach einer chinesischen Prostituierten gebeten. Kurz darauf befindet sich Hammett in einem mörderischen Komplott, bei dem sein Leben keinen Cent mehr wert ist.
Joe Gores mischte in seinem sehr gelungen Buch Hammetts Biographie mit historischen Gegebenheiten und Fiktion.
Die Produktion des Filmes für Francis Ford Coppolas Zoetrope Studios war für Wenders eine ernüchternde Erfahrung: mehrere verschiedene Drehbücher (u. a. schrieb Joe Gores die erste Fassung), ein exzessiver Nachdreh anderthalb Jahre nach dem ersten Dreh, in Farbe statt in Schwarzweiß, mit einem fremden Team und Auseinandersetzungen mit dem Produzenten über die Konzeption des Films. So hatte sich der in Deutschland hochgelobte Regisseur seine Ankunft in Hollywood nicht vorgestellt.
„Hammett ist vor allem ein Film der Zitate, der ironischen Verweise. Er ist eine Erinnerung an den Film Noir, dessen Atmosphäre er evoziert, aber auch ironisiert. Die Kulissen sehen immer ein wenig wie Kulissen aus, das Tempo ist enorm gedrosselt, fast ritualisiert. Alle ästhetischen Mittel der Vorgänger aus den 40er Jahren sind benutzt: die extreme Dunkelheit, die scharfen Kontraste, die Lichtstreifen, die Kameraposition aus der Vogelperspektive.“ (Stefan Kolditz in Wim Wenders, Hanser Verlag Reihe Film Band 44).
Hammett ist – so ein heute immer noch gültiges Urteil der damaligen Kritik – Wenders bester und unpersönlichster Film.
Mit Frederic Forrest, Peter Boyle, Marilu Henner, Elisha Cook, R. G. Armstrong, Samuel Fuller, Ross Thomas (einer der Männer im Sitzungszimmer)
„Ein Fall für Malcolm Fox“ steht groß auf dem Cover von Ian Rankins neuem Roman „Ein reines Gewissen“ und damit ist die Botschaft eindeutig: Malcolm Fox soll der neue Seriencharakter von Ian Rankin werden. Seinen vorherigen, sehr erfolgreichen Inspector John Rebus musste er altersbedingt in Pension schicken. Danach probierte Ian Rankin einiges aus: eine Oper, ein Comic, ein Kurzromane und einen Fortsetzungskrimi für die New York Times. Diese Geschichte überarbeitete er für die Buchveröffentlichung gründlich. Der so entstandene Heist-Krimi „Der Mackenzie-Coup“ war eine unterhaltsame Geschichte über den großen Coup. Es war allerdings auch eindeutig ein Zwischenwerk. Ein tiefes Durchatmen vor neuen, großen Taten.
Mit „Ein reines Gewissen“ soll ein neues Kapitel aufgeschlagen werden. DI Malcolm Fox ist jünger. Er arbeitet bei den Internen Ermittlern. Er ist ein Teamspieler. Er lebt zwar auch allein, aber er hat eine Schwester, die er öfters sieht und einen Vater, der in einem Altersheim lebt und den er noch öfters sieht. Er ist ein Ex-Alkoholiker. Und, sicher auch weil Ian Rankin Malcolm Fox zu einem Gegenentwurf von John Rebus machen wollte, hat er einen ziemlichen Langweiler entworfen. Denn auch nach fünfhundert Seiten ist einem dieser nette Malcolm Fox immer noch ziemlich egal.
Auch der Fall verläuft in den gewohnten Bahnen. Malcolm Fox soll der Abteilung für Kinderschutz helfen. Sie glauben, dass DS Jamie Breck sich Kinderpornos auf seinen Computer runtergeladen und mit seiner Kreditkarte bezahlt hat. Fox und sein Team sollen ihnen die nötigen Informationen beschaffen. Schnell findet Fox Breck sympathisch und, je mehr er über ihn erfährt, umso weniger glaubt er, dass der Verdacht richtig ist.
Parallel erzählt Ian Rankin wie Malcolm Fox seinen Vater Mitch in einem Altersheim besucht und wie er sich über Vince Faulkner, den neuen Freund seiner Schwester Jude, ärgert. Denn Faulkner schlägt sie und sie ist nicht bereit ihn zu verlassen. Was auch daran liegt, dass sie selbst, nun, keine unproblematische Person ist.
Als Faulkner ermordet wird, Fox in Verdacht gerät und suspendiert (Gähn!) wird, verbündet er sich mit Breck. Sie wollen den Mörder fangen und herausfinden, wer Breck wegen Kinderpornographie anschwärzen will. Tja, und irgendwann verschwindet der Bauunternehmer Charlie Brogan, der Chef von Faulkner war und verheiratet mit der Tochter von einem Gangsterboss ist, spurlos während eines Segeltörns. Ein Unfall, Selbstmord (denn auch in Edinburgh sind die Immobilienpreise im Keller) oder Mord?
Spätestens ab diesem Moment erzählt Ian Rankin „Ein reines Gewissen“ wie auf Autopilot fertig.
Denn „Ein reines Gewissen“ beginnt unglaublich holprig. Man hat den Eindruck, dass Rankin nachdem er im ersten Viertel des Buches mit viel zu viel Privatgedöns langweilt, irgendwann feststellte, dass er einen Abgabetermin hat und bis dahin eben fünfhundert Seiten gefüllt haben muss.
Das macht „Ein reines Gewissen“ noch nicht zu einem wirklich schlechtem Buch. Es ist aber ein enttäuschendes Ian-Rankin-Werk, das den eher schwachen „Mackenzie-Coup“ (es ist, weil die Genrekonventionen so stark sind, einfach schwer, einen guten Heist-Roman zu schreiben) zu einem besseren Roman macht. Rankin scheint immer noch keinen Plan für seine nächsten Romane zu haben.
Vielleicht sollte er sich in seinem nächsten Malcolm-Fox-Roman wirklich auf die internen Ermittlungen der Polizei konzentrieren oder einfach die Seiten wechseln und einige Gangsterromane schreiben. Da würde dann auch der Vergleich mit dem übermächtigen John Rebus wegfallen. Immerhin sind in England die Rebus-Romane, wie bei uns, Bestseller und zwei Schauspieler verliehen John Rebus für das Fernsehen ihr Gesicht.
À propos Fernsehen: Die Verfilmungen von „Der Mackenzie-Coup“ und „Ein reines Gewissen“ sind für 2011 von ITV und BBC geplant und Rankin darf bei der Besetzung mitreden.
Auf Wunsch des korrupten Politikers Jack Benyon wird Doc McCoy vorzeitig aus der Haft entlassen. Er soll eine Bank ausrauben. Der Überfall gelingt, aber danach geht alles schief.
Die gelungene und kommerziell sehr erfolgreiche Verfilmung des Krimis, mit Steve McQueen und Ali MacGraw – obwohl das letzte Drittel des Buches fehlt. Und das ist noch nicht alles, wie der französische Regisseur Alain Corneau meint: „Im Gegensatz zu Hammett und Chandler sind die Amerikaner nicht dazu in der Lage, Thompson zu verfilmen. Nehmen wir zum Beispiel Getaway. Die Figuren werden für die Verfilmung um 180 Grad gedreht, das Buch um mindestens ein Drittel gekürzt. Die Personen und das Thema des Romans wurden an die Seite gedrängt. Doc McCoy ist im Buch ein viel düsterer Charakter als Steve McQueen, und die philosophischen Dimensionen gingen völlig verloren.“ – Trotzdem ist „Getaway“ ein kalter, düsterer und amoralischer Film.
Mit Steve McQueen, Ali MacGraw, Ben Johnson, Al Lettieri, Slim Pickens, Bo Hopkins
LV: Charles Williams: Dead calm, 1963 (Tödliche Flaute)
Das Ehepaar Ingram fischt einen Mörder aus dem Wasser. Aus Dankbarkeit will er sie umbringen.
Spannender Drei-Personen-Thriller mit Nicole Kidman, Sam Neill, Billy Zane
Stellvertretend für die vielen euphorischen Stimmen: Todesstille „bewegt sich vielmehr auf der differenzierten, fast altmodischen Ebene einer Gattung von Filmen, die seit Jahren nahezu ausgestorben schien, jener kalkulierten Spannungsstücke, die mit einem Minimum an Konfliktstoff auskommen und deren Effekt sich vornehmlich aus der Machart ableitet.“ (film-dienst)
Erin Grant verdient das Geld für einen Sorgerechtsprozeß in einer Striptease-Bar. Dort verliebt sich Senator Dilbeck in sie und verteidigt sie mit einer Champagnerflasche gegen einen Verehrer. Jerry fotografiert dies und erpresst Dilbeck. Kurz darauf ist er tot und Erin sieht das Sorgerecht gefährdet.
Bis auf die Hauptrolle (Demi Moore, die auch beim Striptease nicht sonderlich erregend wirkt) gelungene Verfilmung eines satirischen Hiaasen-Buches, mit einer grandios aufspielenden Schar Nebendarsteller: Ving Rhames, Burt Reynolds, Armant Assante, Paul Guilfoyle
Wenn der Film zum Lesen des Buches (und der anderen Hiaasen-Werke!) führt, dann kann der Film gar nicht genug gelobt werden
Ganz dunkel erinnere ich mich an einen Artikel aus den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts in einer schnell eingestellten Lizenzausgabe eines amerikanischen Science-Fiction-Magazins über parapsychologische Experimente von US-Soldaten. Damals wusste ich nicht, wie glaubwürdig die Reportage war. Vielleicht erinnere ich mich auch vollkommen falsch an den Text. In jedem Fall dachte ich, dass er wahrscheinlich Unfug war.
Vor sechs Jahren veröffentlichte Jon Ronson ein Buch über seine Recherchen über das erste Erdbataillon und wir erfuhren, dass die US-Army in den Siebzigern und Achtzigern in diese Richtung forschte. Sie wollten bessere Soldaten werden und friedlichere Formen des Krieges finden. Nach dem 11. September wurden einige Ideen in die Praxis umsetzt. Einmal dürfen Sie raten, welche.
Jetzt inszenierte Grant Heslov eine durchgeknallte, starbesetzte Schwarze Komödie, die sich, trotz der von Drehbuchautor Peter Straughan für den Film erfundenen Geschichte, erstaunlich genau an Ronsons Buch hält. Straughan (er schrieb auch das Drehbuch zur neuen John-le-Carré-Verfilmung „Tinker, Tailer, Soldier, Spy“) übernahm viele Szenen wortgenau und hielt sich an Jon Ronsons gewöhnungsbedürftige Struktur. Ronson erzählt die Geschichte der Psychosoldaten als eine Abfolge von Interviews, die in der Chronologie hin und herspringen. Dabei ist es schwer, auch weil Ronson vor allem den naiven, Fragen stellenden Journalisten spielt, den Wahrheitsgehalt der einzelnen Aussagen zu überprüfen. Beim Lesen ergibt sich jedenfalls nur langsam ein halbwegs vollständiges Bild von den Experimenten des Militärs. Am Ende seines Buches erzählt Ronson von der dunklen Seite der Psychoexperimente. Denn während die Psychosoldaten mit Musik für eine friedliche Stimmung sorgen wollten, wurde im Krieg gegen den Terror Musik als Folterinstrument eingesetzt.
Diese Struktur von aktueller Recherche, die mit Rückblenden illustriert wird, funktioniert im Film wesentlich besser als im Buch. Und die neu erfundene Geschichte (ein Journalist begleitet einen ehemaligen Psychosoldaten, der seine reaktivierte Einheit sucht) zeigt ebenfalls die Aktualität der Ideen von Oberstleutnant i. R. Jim Channon, dem Initiator des First Earth Battalion. Channon suchte nach dem Vietnam-Krieg nach neuen Wegen der Kriegsführung. Er fragte sich, inwiefern man die Ideen der verschiedenen in Kalifornien existierenden Esoterik-Zirkel und das Gedankengut der Hippies für die Armee nutzen könne. Er suchte nach Möglichkeiten, wie Soldaten ihr Potential besser nutzen können und wie man Kriege anders führen könnte. Diese von ihm im „Handbuch des Ersten Erdbataillons“ niedergelegten Gedanken zirkulierten dann im Militär, fanden Anhänger und wurden weitergedacht.
Außerdem folgt der Film den beiden im Buch angelegten emotionalen Reisen. Die eine ist die der Psychosoldaten von den überbordenden Hoffnungen am Anfang hin zur Enttäuschung über die sinnentstellende Verwendung ihrer Ideen – und ihrem Versuch im Irak eine positive Stimmung zu verbreiten. Die andere ist die des Journalisten vom Skeptiker, der die Psychosoldaten für Spinner hält hin zu einer positiveren Einstellung ihnen gegenüber. Im Film ergreift der Journalist am Ende sogar Partei für die Psychosoldaten und in der letzten Filmminute, nachdem er seine Reportage über die „Männer, die auf Ziegen starren“ geschrieben hat, läuft er durch die Wand. Es ist, immerhin ist es ein Film, vor allem ein Aufruf auch das Undenkbare zu denken und zu probieren. In seinem Audiokommentar betont Jon Ronson, dass er immer ein Skeptiker geblieben sei – und auch der Film gibt dieser Skepsis reichlich Nahrung.
Ein Film über die wahren Jedi-Krieger
Kleinstadtjournalist Bob Wilton (Ewan McGregor) wurde gerade von seiner Freundin verlassen. Jetzt sitzt er in Kuwait City und wartet auf die große Story vom Kampf der amerikanischen Soldaten gegen die bösen Iraker. Aber die Topjournalisten meiden ihn und er ist hier nicht näher an der großen Story als in Ann Arbor, Michigan. Eines Abends sieht er Lyn Cassady (George Clooney). Von ihm hat er, als er eine Reportage für die “Vermischtes“-Seiten schrieb, schon einmal gehört: Cassady soll ein begnadeter Psychokrieger sein, der mit der Kraft seiner Gedanken Ziegen töten kann. Wilton hielt die Geschichte damals für offensichtlichen Unfug. Aber jetzt könnte es eine Story sein.
Nachdem Cassady sich von der Vertrauenswürdigkeit des Journalisten überzeugte (eine Zeichnung spielt dabei eine wichtige Rolle), nimmt er ihn mit in den Irak. Denn Cassady ist reaktiviert und auf dem Weg zu seiner Einheit.
Diese Suche nach Cassadys wiederbelebter Einheit ist eine Folge absurder Abenteuer, die von Cassadys Erinnerungen unterbrochen wird. Er erzählt Wilton, wie Bill Django (Jeff Bridges) in jeder Hippie-Kommune und jedem Esoteriker-Treffen in Kalifornien in den Siebzigern Feldstudien betrieb, die New Earth Army gründete, sie ausbildete und Cassady eine Ziege totstarrte.
Das ist pointiert erzählt, zeigt einiges vom Wahnsinn militärischen Denkens und schon von der Grundidee, obwohl sie und alle Rückblenden auf Tatsachen basieren, komisch. Denn allein die Bilder von Djangos Reise durch die kalifornischen Selbstverwirklichungsgruppen, die zu Hippie-Musik tanzenden Soldaten in Uniform oder die todernsten Vorträge von Bill Django, dem Initiator der New Earth Army, über die neue, friedliche Form des Kampfes und die ausdruckslosen Gesichter der ihm zuhörenden Soldaten, sind grandios. Ein weiterer Pluspunkt sind die Schauspieler, die erkennbar ihren Spaß haben und den gesamten Unfug absolut glaubhaft präsentieren.
Aber dennoch hat man immer den Eindruck, dass „Männer, die auf Ziegen starren“ unter seinen Möglichkeiten bleibt. Vielleicht liegt es an dem assoziativen Plot, vielleicht an der mangelnden satirischen Schärfe, vielleicht an der unentschiedenen Haltung zwischen Spaß mit und Spaß über die Soldaten, vielleicht an dem fantastischen und unbefriedigendem Ende im Irak oder dem etwas banalen Aufruf am Filmende, dass wir jetzt mehr Jedi-Krieger (wie sich die Psychosoldaten selbst nennen) brauchen.
Dabei, und in diesem Punkt haben die Macher absolut recht, braucht die Gesellschaft Menschen, die auch außerhalb der gewohnten Konventionen denken und neues probieren. Auch wenn sie, wie Generalmajor Albert Stubblebine III (in der Realität) oder Dean Hopgood (im Film) beim Durch-die-Wand-Gehen immer wieder scheitern und die Erlebnisse von Wilton und Cassady im Irak mehr als einmal Zweifel an Cassadys paranormalen Fähigkeiten wecken. Immerhin versuchen sie es.
Außerdem ist allein der konsternierte Blick von Ewan McGregor auf die todernste Eröffnung von George Clooney, er sei ein Jedi-Krieger, das Ansehen wert. McGregor sieht ihn an, als habe er als einziger Mensch im Universum noch nie etwas vom „Krieg der Sterne“ gehört. Im Trailer ist diese Szene gar nicht so witzig.
Das Bonusmaterial
Das Bonusmaterial für die DVD ist auf den ersten Blick mit geschnittenen Szenen, B-Roll, zwei Hintergrundberichten und zwei Audiokommentaren sehr umfangreich ausgefallen. Aber beim Ansehen bleibt dann, wie bei dem Film, das Gefühl zurück, dass mehr möglich gewesen wäre. Die geschnittenen Szenen sind erfreulich kurz ausgefallen. Hier haben die Macher wirklich das gefilmt, was dann auch in den Film kam. Die B-Roll ist, nun ja, die B-Roll. Die beiden Hintergrundberichte sind viel zu kurz. Das siebenminütige Making-of beschränkt sich hauptsächlich auf Lobhuddeleien. Das zwölfminütige Featurette über die wahren Hintergründe von „Männer, die auf Ziegen starren“ ist informativ, aber man hätte den wahren Psychosoldaten Lieutenant Colonel i. R. Jim Channon (dem Gründer des Ersten Erdbataillons), Colonel i. R. Dr. John Alexander (der Channons Ideen benutzte, um über den Einsatz nicht-tödlicher Waffen nachzudenken), Major i. R. Ed Dames und Sergeant First Class i. R. Glenn Wheaton gerne länger zugehört und genauer erfahren, wie deren Traum von einem friedlichen Militär (was ein Widerspruch in sich ist) in der Entwicklung von nicht-tödlichen Waffen, die teilweise nicht harmloser als tödliche Waffen sind, und neuen Foltermethoden endete.
In Teilen befriedigt der Audiokommentar von Jon Ronson dieses Bedürfnis. Er erzählt ausführlich aus welchen realen Vorbildern die Filmcharaktere zusammengefügt wurden, was von seinem Buch teilweise wortwörtlich übernommen wurde und von seinen Recherchen, wozu auch viele Informationen gehören, die er nicht in seinem Buch verarbeitete.
Der Audiokommentar von Regisseur Grant Heslov erschöpft sich dagegen weitgehend in einer letztendlich langweiligen Aufzählung der verschiedenen Drehorte, der dort herrschenden Temperaturen (Hinweis: Auch wenn Sie in die Wüste fahren, brauchen Sie unter Umständen Winterkleidung.) und der benutzten visuellen Effekte.
Männer, die auf Ziegen starren (The men who stare at goats, USA 2009)
Regie: Grant Heslov
Drehbuch: Peter Straughan
mit George Clooney, Ewan McGregor, Jeff Bridges, Kevin Spacey, Stephen Lang, Robert Patrick, Waleed Zuaiter, Stephen Root, Glenn Morshower
–
DVD
Kinowelt
Bild: 2,35:1 (anamorph)
Ton: Deutsch, Englisch (5.1 DD)
Untertitel: Deutsch
Bonusmaterial: Audiokommentar von Grant Heslov, Audiokommentar von Jon Ronson, Geschnittene Szenen, Goats Declassified: Die wahren Männer des 1. Bataillons (Featurette), Projekt „Hollywood“: Ein Geheimbericht vom Set (Featurette), B-Roll, Trailer (deutsch, englisch), Bildergalerie, interactivevideo™ (exklusiver Zugang zur Online-Lounge), Wendecover
Nach „Knight and Day“, der diesjährigen Variante von „Ein Vogel auf dem Drahtseil“ für die ältere Generation, gibt es mit „Kiss & Kill“ die „Ein Vogel auf dem Drahtseil“-Variante für die jüngere Generation. Für uns alte Säcke bleibt immerhin noch Tom Selleck als Papa.
Die Kritiker (eher Mitglieder der älteren Generation) schlachteten den Film: bei Rotten Tomatoes gibt es elf Prozent; bei dem normalerweise für meinen Geschmack zu positiv gewichtenden Metacritic gibt es einundzwanzig Prozent.
Mit Ashton Kutcher, Katherine Heigl, Tom Selleck, Katherine O’Hara
Drehbuch: Eun-kyo Park, Bong Joon-ho, Wun-kyo Park
„Mother“ (ein wunderschöner deutscher Titel) ist der neue Film von Bong Joon-ho, dem Regisseur des erfolgreichen Amphibien-Horrorfilms „The Host“ (toller deutscher Titel) und des Krimis „Memories of Murder“ (unglaublich poetischer deutscher Titel).
Es geht um eine Mutter, die nicht glaubt, dass ihr geistig behinderter Sohn ein Mädchen umbrachte. Sie sucht den Mörder.
Die Kritiker lieben den düsteren Thriller mit Slapstick-Elementen. In Berlin läuft er in drei Kinos.
In Farbe und Schwarzweiß gedrehter Konzertfilm mit Interviewschnipseln, der heute anscheinend seine TV-Premiere erlebt.
Joanou dokumentierte die 1987er Amerikatour von U2. Damals, nach dem Riesenerfolg der aus meiner Sicht unglaublich langweiligen LP „The Joshua Tree“, wurden die auf der Tour gespielten Cover-Lieder und teils gründlich überarbeiteten Versionen der U2-Hits von den Fans als zu amerikanisch und zu bluesig kritisiert. Genau deshalb gefiel mir die zum Film erschienene Doppel-LP. Außerdem ist B. B. King dabei.
Später drehte Joanou „Im Vorhof der Hölle“ (State of Grace), „Eiskalte Leidenschaft“ (Final Analysis), die James-Lee-Burke-Verfilmung „Mississippi Delta“ (Heaven’s Prisoners) und zahlreiche Musikvideos.
„Der Film lebt von der pathetischen Musik, gibt aber über den politischen Anspruch der Gruppe nur rudimentäre Informationen. Ein handwerklich hervorragend gemachter Film für Fans.“ (Fischer Film Almanach 1989)
mit Bono, The Edge, Adam Clayton, Larry Mullen, B. B. King, Sterling Magee, Adam Gussow, The Memphis Horns
In den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts war – dank Margaret Thatcher, Channel 4 und dem British Film Institute (BFI) – das britische Kino eines der aufregendsten Kinos. Fast im Wochentakt erschien ein sehenswerter Film nach dem nächsten. „Mein wunderbarer Waschsalon“, „Prick up your ears“, „Sammy und Rosie tun es“, „Brief an Breshnev“, „Wasser – Der Film“, „Local Hero“, „The Fruit Machine – Rendezvous mit einem Killer“, „Rififi am Karfreitag“ (DVD-Neuausgabe im September), „Stormy Monday“, „Wish you where here“, „High Hopes“ und „Mona Lisa“, um nur einige zu nennen, die großen Mainstreamproduktionen und die Filme von Peter Greenaway ignorierend, gehören dazu. Sie erzählten oft kleine Geschichten, teils märchenhaft überhöht, aber immer mit einem genauen Blick auf die englische Realität, meisten mit Charakteren, die bislang in Filmen höchstens Nebenrollen übernehmen durften, immer mit Sympathie für die Außenseiter und normalerweise in strikter Opposition zur Thatcher-Politik.
Es war eine spannende Zeit.
Es gab viel zu entdecken.
Heute laufen die Filme viel zu selten im Fernsehen und auch auf DVD sind sie nur teilweise erhältlich. Umso erfreulicher ist die Wiederveröffentlichung von
Neil Jordans (Drehbuch und Regie) und David Lelands (Drehbuch) „Mona Lisa“.
In dem Noir erzählen sie in einem London, das oft wie eine sorgfältig inszenierte Bühne für eine griechische Tragödie wirkt, die Geschichte des kleinen Gauners George (glänzend gespielt von Bob Hoskins). Er hat gerade eine mehrjährige Haftstrafe abgesessen hat. Seine Frau will ihn nicht mehr sehen und versucht jeden Kontakt zu seiner fast erwachsenen Tochter zu verhindern. Auch der Gangsterboss Denny Mortwell (Michael Caine, gewohnt gut) will George nicht sehen. Aber weil George damals schwieg, verschafft Mortwell ihm ein Gnadenbrot. Er soll die dunkelhäutige Highclass-Prostituierte Simone (Cathy Tyson, ebenfalls überzeugend) zu ihren Kunden fahren. Für George ist das keine leichte Aufgabe. Denn zu seinem Working-Class-Ethos gehört es, dass Männer Frauen beschützen und dass Frauen sich nicht verkaufen. Sie hält ihn für eine Bauerntrampel.
Dennoch sind sie verwandte Seelen. Als Cathy ihm erzählt ihm, dass sie ihre verschwundene, minderjährige, drogensüchtige und sich deshalb prostituierende Freundin suche, will George ihr helfen. Er beginnt sie in den Pornoläden und Absteigen von Soho zu suchen und gerät in eine Geschichte, die er nie vollständig überblickt und die ständig mit seinen Werten kollidiert.
„Mona Lisa“ reflektiert, wie die anderen Filme des New British Cinema, die Veränderungen in der englischen Gesellschaft. Während der naive George noch an den alten Werten hängt, hat Mortwell sich als erfolgreicher und pragmatischer Geschäftsmann angepasst. Er verdient jetzt mit dem Sexgeschäft in all seinen Facetten Geld. Dazu gehören neben der Highclass-Prostitution auch das Drehen von Sexvideos, Kinderprostitution und die Erpressung reicher Freier.
Und diese Geschäfte könnten weiterlaufen, wenn nicht George, der nie das ganze Bild sieht, Simone helfen möchte. Denn er wird auch von Simone benutzt. Er benimmt sich, ohne es zu bemerken, als Working-Class-Mitglied in den Gefilden der Upper-Class immer wieder falsch. Er forciert unwissentlich eine fatale Dynamik, die mit einigen Toten endet. Aber er verliert in diesem Alptraum niemals seine Integrität.
Der für seine Darstellung mehrfach nominierte und ausgezeichnete Bob Hoskins verleiht diesem Mann ein Gesicht und eine Tiefe, die uns mit ihm mitfühlen lässt. Denn, auch das ist eine Konstante des britischen Kinos: er lässt sich nicht unterkriegen. Außerdem sieht er, obwohl er das Geschäft mit dem käuflichen Sex ablehnt, hinter Simones cooler Fassade auch den Menschen. In einer Szene korrigiert er, bevor sie in einem Hotel zu einem Freier geht, ihre Kleidung und ihre Haare. Denn sie soll gut aussehen.
Als Bonusmaterial gibt es einen informativen Audiokommentar von Neil Jordan und dem schweigsamen Bob Hoskins. Jordan spricht über seine Herkunft, wie er zum Regisseur wurde, über das Drehbuch, welche Probleme es während der Produktion gab, über das Casting, die Dreharbeiten, seine Absichten bei bestimmten Szenen, über das Filmende und wie es dazu kam, dass er den Genesis-Song „In too deep“ vollständig einsetzte. Sein Kommentar ist eine kleine Filmschule.
Die „HandMade-Story“ ist ein knapp halbstündiger Zusammenschnitt aus Slideshow und Filmtrailern, bei dem Werbung und Selbstbeweihräucherung im Vordergrund stehen. Für einen ersten Einblick (oder eine Erinnerung) an eine wichtige Filmfirma ist der Film okay. Außerdem gibt es, als Texttafeln, Kurzbiographien von Bob Hoskins, Michael Caine, Robbie Coltrane und Neil Jordan, eine Bildergalerie und den Originaltrailer.
Anmerkung 1: Wer wegen der FSK-18-Bewertung auf eine satte Portion Blut, Gewalt und Sex hofft, sollte die Finger von „Mona Lisa“ lassen.
Anmerkung 2: Vergessen Sie das Cover. Anthony Hopkins spielt nicht mit.
Anmerkung 3: Die Bildqualität des Trailers ist bescheiden. Sorry, aber ich habe keinen besseren gefunden.
Mona Lisa (Mona Lisa, GB 1986)
Regie: Neil Jordan
Drehbuch: Neil Jordan, David Leland
mit Bob Hoskins, Cathy Tyson, Michael Caine, Robbie Coltrane, Clarke Peters
–
DVD
Spirit Media
Bild: 16:9
Ton: Deutsch (Dolby Digital 2.0), Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel: –
Bonusmaterial: Audiokommentar von Neil Jordan und Bob Hoskins, The Handmade-Story, Originaltrailer, Bildergalerie, Bio- und Filmographien
Female Agents – Geheimkommando Phoenix (F 2008, R.: Jean-Paul Salomé)
Drehbuch: Jean-Paul Salomé, Laurent Vachaud
Frankreich, 1944: fünf Frauen sollen einen britischen Geologen, bevor er einem SS-Oberst in die Hände fällt, aus Frankreich herausschleusen.
Starbesetzter Thriller, der es bei uns, wie Salomés und Vachauds vorheriger, ebenfalls sehenswerter Abenteuerthriller „Arsène Lupin“, nur auf DVD erschien.
„Auf Ausstattung und Spannung setzendes Kriegs- und Agentendrama, das sich erfolgreich um eine Balance zwischen anspruchsvollem Unterhaltungskino und einer Würdigung der Nazi-Opfer bemüht.“ (Lexikon des internationalen Films)
„Das übliche Agentenfilmgenre wird hier doppelt gebrochen: (…) Obwohl der Film am Ende pathetisch den französischen Résistance-Kämpferinnen huldigt, ist er weniger ein Kriegsdrama denn ein auf Spannung getrimmter Thriller. Das hat er durchaus mit „Operation: Walküre“ gemein.“ (Die Welt)
„it’s all played with gusto and it’s actually a more enjoyable piece of work than Paul Verhoeven’s much-praised wartime drama Black Book.“ (Guardian)
„an old-fashioned period adventure that radiates star wattage but doesn’t exactly shine in the script department. A sort of „Girls With Guns 2“ for helmer Jean-Paul Salome, pic has a slick look and exciting WWII setting that help plaster over its generic feel and generally one-note perfs („Look determined!“ must have been Salome’s chief instruction).“ (Variety)
mit Sophie Marceau, Julie Depardieu, Marie Gillain, Moritz Bleibtreu
Wiederholungen
Eins Festival, Samstag, 7. August, 22.00 Uhr
Eins Festival, Sonntag, 8. August, 01.35 Uhr (Taggenau!)
R. i. P. Tom Mankiewicz (1. August 1942 – 31. Juli 2010)
Am Samstag starb der Drehbuchautor und Regisseur Tom Mankiewicz in seinem Haus in Los Angeles. Er hatte Krebs.
Am bekanntesten ist der Sohn von Joseph L. Mankiewicz (Die barfüßige Gräfin, Cleopatra, Mord mit kleinen Fehlern) für seine Drehbücher. Er schrieb die Bücher für die Bond-Filme „Diamantenfieber“, „Leben und sterben lassen“ und „Der Mann mit dem goldenen Colt“ und war auch in „Der Spion, der mich liebte“ und „Moonraker“ involviert. Außerdem schrieb er die Bücher für „C. R. A. S. H.“, „Cassandra Crossing“, „Der Adler ist gelandet“, „Der Tag des Falken“ und „Schlappe Bullen beißen nicht“; diese „Dragnet“-Parodie inszenierte er auch. Er überarbeitete die Drehbücher für die ersten zwei „Superman“-Filme mit Christopher Reeve als Superman. Auch bei anderen Filmen und Serien, wie „Die Tiefe“, „Gremlins“ und „Columbo“, war er Skript-Doktor und Berater. Bei der 80er-Jahre-Krimiserie „Hart aber herzlich“ war er als Autor, Regisseur und Berater involviert.
Er verschaffte uns in allen Genres, mit einem Schwerpunkt auf Krimis und Komödien, einige entspannende Kinostunden. Denn, wie er 1987 dem Miami Herald sagte: „I don’t apologize for entertaining people.“
Die Damen und Herren der KrimiWelt haben die verschlossenen Umschläge abgeliefert, an einem geheimen Ort wurden sie miteinander verglichen und der Zeremonienmeister verkündete die Bestenliste für den August 2010:
1 (4) Richard Price: Cash
2 (1) Pete Dexter: God’s Pocket
3 (-) Derek Nikitas: Scheiterhaufen
4 (2) Dominique Manotti: Letzte Schicht
5 (9) Jiří Kratochvil: Das Versprechen des Architekten
Die ersten beiden Plätze sind fest in der Hand großer amerikanischer Literaten, die auch in Hollywood ihre Spuren hinterlassen haben. Gegen Don Winslow kann nichts gesagt werden und der Einstieg von D. B. Blettenberg in die Bestenliste war überfällig.
Nächsten Monat könnten dann Garry Disher, Raúl Argemi, Claudia Pineiro, Jenny Siler, Frank Göhre, Robert Brack, Massimo Carlotto (Zählt eine Biographie?) und R. J. Ellory (obwohl das Buch so unglaublich dick ist) mit ihren neuen Werken auf der Liste sein.
Sebastian Fitzek wird’s dagegen wahrscheinlich nie auf diese Liste packen.
Denn sie kennen kein Erbarmen (D 2006, R.: Hans-Jürgen Panitz, Peter Dollinger)
Drehbuch: Hans-Jürgen Panitz, Peter Dollinger
Sehr informative, spielfilmlange Doku über den Italo-Western.
Mit Franco Nero, Ferdinando Baldi, Claudia Cardinale, Pierre Brice, Sergio Corbucci, Damiano Damiani, Clint Eastwood, Alberto Grimaldi, Robert Hossein, Sergio Leone, Antonio Margheriti, Tomas Milian, Ennio Morricone, Bud Spencer, Jean-Louis Trintignant, Eli Wallach