TV-Tipp für den 18. August: New Rose Hotel

August 17, 2010

SWR, 23.20

New Rose Hotel (USA 1998, R.: Abel Ferrara)

Drehbuch: Abel Ferrara, Christ Zois

LV: William Gibson: New Rose Hotel, 1981 (New Rose Hotel, Kurzgeschichte, zuerst erschienen in „Omni“, später in dem Sammelband „Burning Chrome“, 1986; deutsche Ausgabe: „Vernetzt“)

In der Cyberspace-Zukunft: zwei Headhunter wollen einen Wissenschaftler an den höchsten Bieter verkaufen.

TV-Premiere eines SF-Noir mit einer überraschend hochkarätigen Besetzung und, im Rückblick, der Abschluss von Ferraras großer Zeit. Denn in den Neunzigern war er seit „Bad Lieutenant“ der Liebling des Feuilletons und der Arthouse-Kinos. In den vergangenen zehn Jahren drehte er zwar weiter, aber in Deutschland fand sich kein Verleiher.

„Top geschauspielert, theatralisch redselig, ein halber Porno – typisch Ferrara.“ (Horst Wegener, Zitty, 20/2000)

„Ein einzigartiges Werk, rätselhaft, verstörend, schonungslos.“ (Rüdiger Suchsland, Münchner Merkur, 26. Juli 2000)

mit Willem Dafoe, Asia Argento, Christopher Walken, Yoshitaka Amano, Annabella Sciorra, Gretchen Mol, John Lurie, Ryuichi Sakamoto

Hinweise

Wikipedia über „New Rose Hotel“

3sat über William Gibson

Homepage von William Gibson

Deutsche Homepage von William Gibson

Rolling Stone interviewt William Gibson (2007)

De:Bug Magazin redet mit William Gibson (2008 )

Intor redet auch mit William Gibson (2008 )

The Boston Globe macht „Q&A“ mit William Gibson (2007)

Powells telefoniert mit William Gibson (2007)

Guardian: Andrew Purcell trifft Abel Ferrara (5. August 2010)


R. i. P. Abbey Lincoln

August 17, 2010

R. i. P. Abbey Lincoln (6. August 1930 – 14. August 2010)

Die politisch engagierte Jazzsängerin mit dem eigenwilligen Gesangsstil wurde, nach einigen Aufnahmen unter ihrem Namen, als Sängerin der „Freedom Now Suite“ bekannt. Das Stück ist auf der 1960 erschienenen LP „We Insist! Freedom Now Suite“ ihres späteren Ehemannes Max Roach. In den folgenden Jahren gab es immer wieder lange Pausen zwischen ihren Aufnahmen, in denen sie in schauspielte, unterrichtete und schrieb. In den vergangenen zwanzig Jahren stand sie bei Verve unter Vertrag und erlebte ein Comeback und weltweite Anerkennung.

Nachrufe gibt es in der Badischen Zeitung (Reiner Kobe), WNYC Culture (Julia Furlan) und in der New York Times (Nate Chinen).

Weitere Infos über Abbey Lincoln gibt es auch bei Wikipedia (deutsch, englisch).


Cover der Woche

August 17, 2010


TV-Tipp für den 17. August: Mafia, Parasit

August 17, 2010

Arte, 22.05

Mafia, Parasit (D 2010, R.: Carmen Butta)

Drehbuch: Carmen Butta

Einstündige Doku über die aktuelle Transformation der Mafia in Sizilien. Danach gibt’s eine kurze Diskussionsrunde und die 45-minütige Doku „Dreckige Geschäfte“ über Mafia als Müllentsorger in Neapel. Das Ganze dauert zwei Stunden und nennt sich Arte-Themenabend „Das Geheimnis der Macht – Die Mafia“. Ach, das waren noch Zeiten, als ein Themenabend wirklich abendfüllend war.

Wiederholungen

Donnerstag, 10. August, 10.25 Uhr

Sonntag, 5. September, 00.35 Uhr (Taggenau!)


Robert Brack schreibt über den „Blutsonntag“ in Hamburg-Altona

August 16, 2010

Mit „Blutsonntag“ erkundet Robert Brack weiter die Geschichte seiner Heimatstadt Hamburg. In seinem letzten Roman „Und das Meer gab seine Toten wieder“ schrieb er über die Weibliche Kriminalpolizei, die es in den zwanziger und dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Hamburg gab. Der mutmaßliche Doppelselbstmord von zwei Mitgliedern der Weiblichen Kriminalpolizei 1931 führte dann zu ihrer Auflösung. In dem auf Tatsachen basierendem Roman versucht eine Polizistin aus England den Fall aufzuklären. Damals spielte die junge Journalistin Klara Schindler eine Nebenrolle. In „Blutsonntag“ hat sie die Hauptrolle. Sie will jemanden umbringen und auf 250 Seiten erzählt Robert Brack, wie es dazu kommt, dass eine politisch links stehende Journalistin eine Mörderin werden will und wie sie ihre Tat ziemlich dilettantisch ausführt.

Der Grund dafür ist der Altonaer Blutsonntag vom 17. Juli 1932. Damals marschierten SA und SS, unter großem Polizeischutz, durch das Arbeiterviertel Altona. Es kam zu gewalttätigen Auseinandersetzungen mit 18 Toten.

Klara Schindler will herausfinden, was wirklich geschah. Mit einem neuen, von den russischen Brüdern spendiertem Tonbandgerät geht sie auf die Straße und interviewt Menschen, die an dem Sonntag in Altona waren.

Robert Brack schneidet diese Interviews immer wieder in die Geschichte, die vor allem als Sittengemälde Hamburgs am Vorabend der Nazi-Diktatur, mit Krimibeigabe, besticht.

„Blutsonntag“ ist, wie bei Brack nicht anders zu erwarten, ein gelungener Rückblick in die Vergangenheit zwischen Zeitungsredaktion, Kaschemmen, Amüsierlokalen, Hinterhöfen und kleinen Mietwohnungen. Was allerdings genau an dem Blutsonntag geschah, erschließt sich für alle, die diesen Teil der deutschen Geschichte nicht präsent haben, nur langsam aus den Zeugenaussagen, die Robert Brack fast wortwörtlich aus zeitgenössischen Protokollen übernahm. Diese Faktentreue ist, wie schon in „Und das Meer gab seine Toten wieder“ der Vor- und Nachteil des Romans. Denn auch für den besten Historiker wird immer einiges ungeklärt bleiben und er wird nur eine plausible Geschichte erzählen können, wie es wahrscheinlich gewesen ist.

Bracks alter ego Virginia Doyle hat sich auch wieder an den Schreibtisch gesetzt. Vor wenigen Tagen erschien „Die Ehre der Nicolosi“ im Heyne Taschenbuchverlag. „Die spannende Geschichte einer Mafia-Familie vom St. Pauli-Kiez“ steht auf dem Klappentext und die Geschichte scheint zwischen dem Ende des Zweiten Weltkriegs und 1985 zu spielen. Genaueres nach der Lektüre.

Vormerken kann man sich, falls man „Und das Meer gab seine Toten wieder“ nicht schon lange im Regal stehen hat, die für Ende September bei Goldmann angekündigte Taschenbuch-Ausgabe des Krimis.

–

Robert Brack: Blutsonntag

Edition Nautilus, 2010

256 Seiten

13,90 Euro

–

Hinweise

Homepage von Robert Brack

Meine Besprechung von Robert Bracks „Schneewittchens Sarg“ (2007)

Meine Besprechung von Robert Bracks „Und das Meer gab seine Toten wieder“ (2008)

Meine Besprechung von Robert Bracks „Psychofieber“ (1993, Neuausgabe 2008)

Wikipedia über den Altonaer Blutsonntag


The Texas Chainsaw Massacre im Trailer from Hell

August 16, 2010

Kaum kündige ich die Berlin Edition vom Texas Chainsaw Massacre an, erzählt Regisseurin Karyn Kusama (zuletzt „Jennifer’s Body“)  bei „Trailers from Hell“, warum sie das Blutgericht in Texas so sehr beeindruckte.

Hörenswert!


TV-Tipp für den 16. August: Legenden: Gert Fröbe

August 16, 2010

ARD, 21.00

Legenden: Gert Fröbe (D 2010, R.: Michael Strauven)

Drehbuch: Michael Strauven

45-minütige Doku über den Schauspieler, den die meisten unter Fünfzigjährigen zuerst als Räuber Hotzenplotz kennenlernten. Aber heute erinnern sie sich an seine älteren Rollen als Auric Goldfinger in dem gleichnamigen James-Bond-Film und als Kindermörder in „Es geschah am hellichten Tag“.

Wiederholung: Dienstag, 17. August, 03.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über Gert Fröbe

Verstorbene Filmstars über Gert Fröbe

Monsters and Critics: Wilfried Geldner (Teleschau) über Gert Fröbe (August 2010)


TV-Tipp für den 15. August: Todeszug nach Yuma

August 15, 2010

Pro 7, 22.40

Todeszug nach Yuma (USA 2007, R.: James Mangold)

Drehbuch: Halsted Welles, Michael Brandt, Derek Haas
LV: Elmore Leonard: Three-Ten to Yuma, 1953 (Die Kurzgeschichte erschien zuerst in Dime Western, später in den Sammlungen „The Tonto Woman and other Western stories“ und „Complete Western stories“)

Der arme, integere Farmer Dan Evans erklärt sich bereit, den charismatischen und skrupellosen Banditen Ben Wade durch die Prärie zum Zug nach Yuma zu bringen. Wades Bande will das verhindern.

Das Remake von „Zähl bis drei und bete“ (USA 1957) ist in jeder Beziehung größer als das kammerspielartige Original. Sogar der Zug hat Verspätung.

Trotzdem ein schöner Western, eine gute Leonard-Verfilmung (bei Western war die Trefferquote sowieso schon immer höher), mit einem leicht vermurksten Schluss.

„Todeszug nach Yuma“ erhielt den Bronze Wrangler der Western Heritage Awards als bester Western des Jahres.

Mit Russell Crowe, Christian Bale, Peter Fonda, Gretchen Mol, Ben Foster, Dallas Roberts

Wiederholung: Montag, 16. August, 02.35 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Wikipedia über „Todeszug nach Yuma“ (deutsch, englisch)

Film-Zeit über „Todeszug nach Yuma“

Homepage von Elmore Leonard

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Up in Honey’s Room“ (2007)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Gangsterbraut“ (The hot Kid, 2005)

Meine Besprechung von Elmore Leonards „Callgirls“ (Mr. Paradise, 2004)

Mein Porträt „Man nennt ihn Dutch – Elmore Leonard zum Achtzigsten“ erschien im „Krimijahrbuch 2006“

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Sie nannten ihn Stick“ (Stick, USA 1983)

Meine Besprechung der Elmore-Leonard-Verfilmung „Killshot“ (Killshot, USA 2008)

Elmore Leonard in der Kriminalakte


Absurdes Theater?

August 14, 2010

Die Berliner Tageszeitung „Der Tagesspiegel“ hat nachgefragt, wie Politiker und Verwaltungen es mit der Veröffentlichung ihrer Gebäude bei Google Street View halten:

Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) lässt ausrichten, sie wolle ihr Privathaus pixeln lassen. Für den Verwaltungssitz neige sie ebenfalls dazu, während die Frage nach Auskunft einer Justizsprecherin für andere Gebäude der Behörde noch geprüft wird. Denkbar wäre etwa, die Abbildung der Gerichtsgebäude zu dulden, aber Bilder von Gefängnissen löschen zu lassen. Zumal es ja sein könnte, dass in Tegel gerade das Tor für einen Häftlingstransport offen stand, als das Google-Foto-Auto vorbeifuhr.

Nach Auskunft von Senatssprecher Richard Meng prüfen die Senatsbehörden unter Regie der Innenverwaltung, was sie zu verbergen haben.

Hm, dann soll also bei Google Street View das Bild ihres Verwaltungssitzes gelöscht werden, aber auf ihrer Homepage wird’s weiter zu sehen sein.  Und wahrscheinlich auf hunderttausend anderer Seiten.

Immerhin gut, dass die Justizverwaltung keine Webcam installiert hat…

Aber dafür haben die einige hübsche Bilder von ihren Gefängnissen online.

Die Politiker sollten endlich mit diesem Sommertheater aufhören und sich wirklich um den Datenschutz kümmern.


Die Shamus-Nominierungen 2010

August 14, 2010

Die Private Eye Writers of America haben für die diesjährigen Shamus Awards folgende Krimis mit Privatdetektiven als Ermittlern nominiert:

Best Hardcover P.I. Novel

• The Silent Hour, von Michael Koryta (Minotaur)

• Where the Dead Lay, von David Levien (Doubleday)

• Locked In, von Marcia Muller (Grand Central)

• Schemers, von Bill Pronzini (Forge)

• My Soul to Take, von Yrsa Sigurdardottir (William Morrow)

–

Best First P.I. Novel

• Loser’s Town (Stadt der Verlierer), von Daniel Depp (Simon & Schuster)

• The Last Gig, von Norman Green (Minotaur)

• The Good Son, von Russel D. McLean (Minotaur)

• Faces of the Gone, von Brad Parks (Minotaur)

• Chinatown Angel, von A.E. Roman (Minotaur)

–

Best Paperback Original P.I. Novel

• Dark Side of the Morgue, von Raymond Benson (Leisure)

• Sinner’s Ball, von Ira Berkowitz (Three Rivers Press)

• Red Blooded Murder, von Laura Caldwell (Mira)

• Vengeance Road, von Rick Mofina (Mira)

• Body Blows, von Marc Strange (Dundurn)

–

Best P.I. Short Story

• The Dark Island, von Brendan DuBois (aus „Boston Noir“, herausgegeben von Dennis Lehane; Akashic)

• Deadline Edition, von S.L. Franklin (Alfred Hitchcock Mystery Magazine, April 2009)

• Blazin’ on Broadway, von Gary Phillips (aus „Phoenix Noir“, herausgegeben von Patrick Millikin; Akashic)

• Suicide Bonds, von Tim L. Williams (Ellery Queen Mystery Magazine, March/April 2009)

• Julius Katz, von Dave Zeltserman (Ellery Queen Mystery Magazine, September/October 2009)

–

Der Shamus wird auf der Bouchercon im Oktober in San Francisco verliehen.

(dank an The Rap Sheet)


Neue TV-Krimi-Buch-Tipps online

August 14, 2010

Bei den Alligatorpapieren (Danke, Alfred, für die schönen Bilder) sind meine TV-Krimi-Buch-Tipps online. Hier das Intro:

Hallo liebe Krimifreunde,
zu zwei sehr ruhigen Wochen. Es gibt zwar viele Wiederholungen, aber wenige sehenswerte Filme. Dazu gehören Francis Ford Coppolas Mario-Puzo-Verfilmung „Der Pate“ (in der TV-Version), Erik van Looys Jef-Geeraerts-Verfilmung „Mörder ohne Erinnerung“, Roger Donaldsons Kenneth-Fearing-Verfilmung „No way out“, Michael Hodges‘ Ted-Lewis-Verfilmung „Get Carter“ (natürlich mal wieder mitten in der Nacht), Don Coscarellis Joe-R.-Lansdale-Verfilmung „Bubba Ho-Tep“, Claude Chabrols Stanley-Ellin-Verfilmung „Schritte ohne Spur“, Jean-Luc Godards Lionel-White-Verfilmung „Elf Uhr nachts“ (ebenfalls mit Jean-Paul Belmondo), Sidney Lumets John-Hopkins-Verfilmung „Sein Leben in meiner Gewalt“ und, als TV-Premiere James Mangolds Elmore-Leonard-Verfilmung „Todeszug nach Yuma“.


TV-Tipp für den 14. August: Mörder ohne Erinnerung

August 14, 2010

ZDF, 00.00

Mörder ohne Erinnerung (NL/B 2003, R.: Erik van Looy)

Drehbuch: Carl Joos, Erik van Looy

LV: Jef Geeraerts: De zaak Alzheimer, 1985

Ein Auftragsmörder wendet sich gegen seine Auftraggeber, einen Pädo-Ring, und bringt sie um. Zunehmend gehemmt ist er dabei von seinem fortschreitenden Alzheimer.

In Deutschland erlebte der spannende Thriller seine Premiere auf dem Fantasy-Filmfest und wurde anschließend nur als DVD veröffentlicht.

„Geheimtipp“ (Fantasy Filmfest)

„Düsterer, realistisch anmutender Soziokrimi von überraschender Qualität.“ (Just: Film-Jahrbuch 2005)

Jef Geeraerts schrieb seinen Roman lange vor dem Belgien und Europa erschütternden Fall Dutroux.

Auf dem diesjährigen Fantasy-Filmfest läuft „Dossier K. – Das Recht auf Rache“. Die beiden Drehbuchautoren Joos und van Looy schickte, wieder nach einem Roman von Geeraerts, die beiden Polizisten aus „Mörder ohne Erinnerung“ wieder auf die Jagd. Die ersten Kritiken sind vielversprechend.

Mit Jan Decleir, Koen de Bouw, Wernder de Smedt, Jo de Meyere

Auch bekannt als „Totgemacht – The Alzheimer Case“

Hinweise

Jef-Geeraerts-Fanseite

Wikipedia über Jef Geeraerts

Unionsverlag über Jef Geeraerts


The Texas Chainsaw Massacre – Berlin Edition

August 13, 2010

Als Mitveranstalter freue ich mich auf diesen Abend:

Am Samstag, den 4. September 2010, präsentieren das Filmkunst 66, die Humanistische Union, One World Berlin/realeyz.tv und Turbine Medien um 22.30 Uhr im Berliner Kino Filmkunst 66 Tobe Hoopers Debütfilm „The Texas Chainsaw Massacre“ nach vielen Jahren wieder auf der großen Leinwand. Die ungekürzte Fassung des Filmes ist seit 1985 aufgrund einer Indizierung und einem Verbot nicht in Deutschland zu sehen.

Nach der Filmvorführung diskutieren wir mit

Dr. Stefan Höltgen (Medienwissenschaftler, F.LM – Texte zum Film)

und

René Bahns (wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität, Promotion zum Thema „Indizierung von Filmen“)

über die filmhistorische und gesellschaftliche Bedeutung von „Texas Chainsaw Massacre“ und die bundesdeutsche Verbotspolitik bei Kunstwerken.


Die Bürgerrechtsorganisation Humanistische Union, das Menschenrechtsfilmfestival One World Berlin, die Independent Film Onlineplattform realeyz.tv und der DVD-Verlag Turbine Medien möchten mit dieser Filmvorführung den Weg zu einer Wiederaufnahme des Falls und zeitgemäßen Diskussion über den Film ebnen.

Einmal verboten, für immer im Giftschrank?

Eine Strafe ist irgendwann vorüber.

Ein Verbot besteht dagegen ewig.

Das musste die DVD-Firma Turbine Medien feststellen, als sie zum 35. Geburtstag des bahnbrechenden Horrorfilms „The Texas Chainsaw Massacre“ (Blutgericht in Texas, Das Texas Kettensägen-Massaker) eine filmhistorisch umfassende Edition für die deutschen Filmfans veröffentlichen wollte.

Denn das Original ist seit dem 23. Dezember 1985 verboten. Im Beschlagnahmebeschluss des Münchner Landgerichts 1 steht: „Der Film ‚Ketten-Sägen-Massaker‘ ist sicher kein Werk der Kunst, so dass bereits aus diesem Grunde auf die Bedeutung des Kunstvorbehalts des Art. 5 Abs. 3 GG nicht eingegangen zu werden braucht. Nach alledem stellt der Film weder eine Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte dar (§ 131 Abs. 2 StGB) noch zielt er auf das kritische Bewusstsein des Betrachters ab. Er liefert auch keinen Denkanstoß hinsichtlich der Problematik der Ursachen von grausamer Gewalt, sondern er versteht sich als Horrorfilm, der von brutalen und geschmacklosen Szenenfolgen lebt.“

Tobe Hooper und Kim Henkel erzählen in „The Texas Chainsaw Massacre“ eine typische Urbanoia-Fantasie: eine Gruppe Jugendlicher gerät in die Fänge einer Hinterwäldler-Familie, die sie umbringen und essen wollen. Was Hoopers billig gedrehtes Debüt von anderen Horrorfilmen unterscheidet, ist der erkennbare Bezug zu gesellschaftlichen Problemen, wie dem Vietnam-Krieg und der Massentierhaltung, die alptraumhafte, schwer zu ertragende Atmosphäre, die formale Geschlossenheit und das geschickte Spiel mit der Vorstellungskraft des Zuschauers. In den Kinos war der Film ein Hit. Die Einnahmen haben das Budget um das Fünfhundertfache übertroffen.

Inzwischen ist der Film Teil der ständigen Ausstellung des Museums of Modern Art in New York. Er wird allgemein als ein moderner Klassiker des Horrorfilms angesehen, Leatherface ist einer der legendärsten Filmbösewichte und die zahlreichen Fortsetzung, Parodien und Hommagen bestätigen immer wieder seinen Einfluss auf die Popkultur. Außerdem haben sich nach einem viertel Jahrhundert die Sehgewohnheiten geändert.

„Wir hatten sogar Angst, dass der Film, wenn er von der FSK geprüft wird, eine Ab-16-Freigabe erhält und jeder glaubt, dass es sich um eine gekürzte Version handelte“, sagt Christian Bartsch, Produktmanager bei Turbine Medien. Dem war nicht so. Denn, so mussten sie feststellen, wenn in Deutschland ein Film, ein Lied oder ein Buch wegen Gewaltdarstellungen (§ 131 StGB), Pornographie (§ 184 StGB), Volksverhetzung (§ 130 StGB) oder der Verletzung von Persönlichkeitsrechten (wie der Roman „Mephisto“ von Klaus Mann, der erst nach jahrelangen Gerichtsverhandlungen 1980 gedruckt werden durfte) verboten wird, dann ist es für immer verboten.

Die einzige Möglichkeit, ein solches Verbot aufzuheben ist, dass jemand den Film wieder veröffentlicht, jemand gegen diese Veröffentlichung klagt und dann ein Gericht die Klage ablehnt. Falls das Verbot bestätigt wird, muss der Verlag die DVDs abschreiben und auf den Müll werfen. Dieses Risiko wird natürlich – Ausnahmen bestätigen die Regel – nicht eingegangen und so bleiben in Deutschland verbotene Werke für immer verboten.

In Österreich und der Schweiz kann der Film dagegen ganz legal gekauft werden. Auch in anderen europäischen Ländern ist „The Texas Chainsaw Massacre“ legal und ungekürzt teilweise schon für Vierzehn- (Italien) und Fünfzehnjährige (Schweden, Dänemark) erhältlich. In Kanada dürfen Dreizehnjährige den Film sehen. Nur in Deutschland dürfen sogar Erwachsene den Film nicht sehen.

Einige Meinungen zum Film

„Hemmungslos sadistischer Horrorfilm mit nervtötendem Soundtrack, technisch wie inhaltlich gleichermaßen niveaulos.“ (Lexikon des internationalen Films)

„Dieser ekelhafte Kotzbrocken, den auch abgebrühte Zuschauer nur schwer verkraften können, ist in den USA zum Kultfilm geworden. (…) eine perfide Schlächterorgie.“ (Ronald M. Hahn/Volker Jansen: Lexikon des Horrorfilms, 1985/1989)

„The Texas Chainsaw Massacre thematisiert Gewalt nicht, sondern macht sie spürbar. Tobe Hooper analysiert nicht ihre Ursachen, sondern vermittelt die sinnliche Erfahrung mit ihr zu kollidieren.“ (Ulrich von Berg: Besondere Kennzeichen: Schlechter Geschmack – Tobe Hooper, das Genie des neuen Horrorfilms, in Michael Farin/Hans Schmid, Hrsg.: Ed Gein – A quiet man, 1996)

„Hoopers Debüt als universeller Albtraum ist bisher unübertroffen. (…) eine Unvermeidlichkeit, die sich in Hoopers Anwendung einer albtraumhaften Logik spiegelt, die Raum und Zeit in einem geschlossenen Kreis bildet; Leatherface ist ewig auf Sally Fersen, ohne sie jedoch auf ihrer Flucht einzuholen, und Sally entkommt bloß, um zu ihnen zurückgebracht zu werden. Trotz dieser umgedrehten Märchenmotive sieht das Ganze realistisch aus. Die vorgefundenen Locations und das körnige Filmmaterial (…) verleihen dem Film eine harte Glaubwürdigkeit, die von dem manchmal nervösen Schnitt noch unterstrichen wird. Der Humor – der Koch tadelt Leatherface wegen seines Vandalismus mit der Kettensäge – verstärkt nur den Horror, besonders in der makabren Essensszene. Der rhythmische Soundtrack und das immer präsente Kettensägengeheul hält die Spannung am Kochen bis zu Leatherfaces letztem Tanz. Ein Meisterwerk, leider nur mit eingeschränkter Freigabe.“ (James Marriott & Kim Newman: Horror – Meisterwerke des Grauens von Alien bis Zombie, 2006)

„Die filmhistorische Bedeutung von Tobe Hoopers Erstlingswerk kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. (…) Er bildet das Bindeglied zwischen Serienmörder- und Slasher-Film, tradiert Motive des einen, inauguriert Motive des anderen. Darüber hinaus ist er – das zeigt sich nicht zuletzt an den drei Sequels, dem Remake und dem Prequel, die ihm folgten – ein zentrales Werk des Serienmörderfilms bis heute, ein gleichermaßen erfolgreicher wie verabscheuter Film.“ (Stefan Höltgen: Schnittstellen – Serienmord im Film, 2010)


„Noch heute übt Tobe Hoopers The Texas Chainsaw Massacre aus dem Jahre 1974 einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf das Horrorgenre aus. (…) Aus heutiger Sicht wirkt sein Film auch wie ein zorniges Mahnmal, das sich mit den Vietnamkriegsängsten der zeitgenössischen Jugend auseinandersetzt. Der Film zeigt ein Amerika, das sich in eine Mordmaschine verwandelt hat, das seine eigenen Kinder frisst. (…) Endlich eine dem filmhistorischen Status entsprechende Veröffentlichung dieses bisher im deutschen Sprachraum nur verstümmelt erhältlichen Films.“ (Jörg Buttgereit: Der Mann mit der Säge [zur 35th Anniversary Edition des Films von Turbine Medien, epd Film 6/2010)

HInweise

Homepage zum Film

Wikipedia über „The Texas Chainsaw Massacre“ (deutsch, englisch)

Heise: Stefan Höltgen: Schwere Erwachsenengefährung (zum Verbot von TCM in Deutschland, 3. Juli 2010)

Berliner Zeitung: Thomas Klein über den verstaubten Umgang der deutschen Zensur mit Gewaltdarstellungen im Film (13. März 2004)


TV-Tipp für den 13. August: Bubba Ho-Tep

August 13, 2010

Arte, 00.55

Bubba Ho-Tep (USA 2002, R.: Don Coscarelli)

Drehbuch: Don Coscarelli

LV: Joe R. Lansdale: Bubba Ho-Tep (Kurzgeschichte, Erstausgabe in Paul M. Sammon, Hrsg.: The King Is Dead: Tales of Elvis Post-Mortem, 1994)

Elvis und John F. Kennedy (Okay, er ist ein Schwarzer. Aber das beweist doch nur, wie perfide die Mörder von JFK sind, oder?) vegetieren in einem drittklassigen texanischen Altersheim. Das Personal hält sie natürlich für altersbedingt normal-durchgeknallt. Als eine ägyptische Mumie die Heimbewohner dezimiert, rüsten sich Elvis und JFK zu ihrem letzen Kampf. Denn, so Elvis: „Ask not what your rest home can do for you. Ask what you can do for your rest home.“

Wer bis jetzt nicht gemerkt hat, dass „Bubba Ho-Tep“ eine ziemlich durchgeknallte Horrorkomödie ist, wird an dem Film keinen Spaß haben. Ich hatte ihn beim Fantasy-Filmfest gesehen und von der ersten Sekunde an lagen wir in dem vollen Kinosaal gröhlend auf dem Boden. Anschließend erzählte jeder seinen Freunden, er habe einen wahnsinnig guten Film gesehen. Leider kam „Bubba Ho-Tep“ nie in die deutschen Kinos und die DVD-Veröffentlichung ließ ungewöhnlich lange auf sich warten.

Das Drehbuch von Coscarelli erhielt den Bram-Stoker-Award.

Mit Bruce Campbell, Ossie Davies, Ella Joyce, Bob Ivy

Wiederholungen

Montag, 16. August, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Mittwoch, 25. August, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Homepage von Joe R. Lansdale

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Wilder Winter“ (Savage Season, 1990)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales „Rumble Tumble“ (Rumble Tumble, 1998 )

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Der Gott der Klinge” (The God of the Razor, 2007)

Meine Besprechung von Joe R. Lansdales “Der Teufelskeiler” (The Boar, 1998)

Mein Hinweis auf die Neuveröffentlichung von Joe R. Lansdales „Akt der Liebe“ (Act of Love, 1981)

Arte zum Film

„Bubba Ho-Tep“ – die Homepage

Homepage von Bruce Campbell

Horror.Com interviewt Don Coscarelli zu „Bubba Ho-Tep“

Ain’t it Cool: Quint redet mit Bruce Campbell, Don Coscarelli und Joe R. Lansdale über „Bubba Ho-Tep“


Neu im Kino: Das A-Team

August 12, 2010

Das A-Team (The A-Team, USA 2010)

Regie: Joe Carnahan

Drehbuch: Joe Carnahan, Skip Wood, Brian Bloom

Eine Gruppe von unschuldig verurteilten Elite-Soldaten, das A-Team, will seine Unschuld beweisen und verursacht dabei beträchtliche Kollateralschäden.

Die Kinoversion der gleichnamigen 80er-Jahre-Serie „Das A-Team“ ist natürlich in jeder Beziehung einige Nummern größer als das Original und passt sich den zeitgenössischen Sehgewohnheiten an.

Carnahan, der zuvor den düsteren Cop-Thriller „Narc“ und das krachige Jungskino „Smokin‘ Aces“ inszenierte, nahm den Job an, weil er mit seinen beiden anderen Projekten, dem Pablo-Escobar-Biopic „Killing Pablo“ und der James-Ellroy-Verfilmung „White Jazz“, nicht weiterkam. „Das A-Team“ richtet sich, wenig überraschend, vor allem an die „Smokin‘ Aces“-Fans.

Ebenfalls wenig überraschend ist, dass „Das A-Team“ jahrelang in Hollywood entwickelt wurde und wahrscheinlich jeder bekannte Regisseur und Schauspieler irgendwann im Gespräch war.

mit Liam Neeson, Bradley Cooper, Jessica Biel, Quinton ‚Rampage‘ Jackson, Sharlto Copley, Patrick Wilson, Gerald McRaney

Hinweise

Amerikanische Homepage zum Film

Deutsche Homepage zum Film

Film-Zeit über „Das A-Team“

BR-Online: Interview mit Joe Carnahan (10. August 2010)

IndieLondon: Interview mit Joe Carnahan (kurz, nach der Premiere in London)

FilmSchoolRecects: Interview mit Joe Carnahan (11. Juni 2010)

UGO: Interview mit Joe Carnahan (kurz, 14. Juni 2010)

Cinematical: Interview mit Joe Carnahan (20. Januar 2010)


TV-Tipp für den 12. August: Schritte ohne Spur

August 12, 2010

Arte, 20.15

Schritte ohne Spur (F/I 1959, R.: Claude Chabrol)

Drehbuch: Paul Gégauff

LV: Stanley Ellin: The key to Nicholas Street, 1952 (Die Dame nebenan)

Wer hat die Geliebte des Weinhändlers ermordet? Taugenichts Laszlo glaubt, den Täter zu kennen.

Bereits in seinem dritten Spielfilm machte sich Claude Chabrol über das dekadente Bürgertum her.

Mit Jean-Paul Belmondo

Wiederholungen

HR, Montag, 16. August, 23.30 Uhr

Arte, Mittwoch, 25. August, 14.45 Uhr

Hinweise

Homepage von Stanley Ellin (im Aufbau; – also vielleicht irgendwann)

Wikipedia über Stanley Ellin (deutsch, englisch)

Krimi-Couch über Stanley Ellin

MysteryNet über Stanley Ellin

Kirjasto über Stanley Ellin


Thriller < 10 Euro (mit Ausnahmen)

August 11, 2010

Wer bei den Hardcover-Ausgaben zögerte, kann jetzt die, teilweise überfälligen Taschenbuch-Ausgaben von einigen guten Büchern kaufen. Beginnen wir ohne bestimmte Reihenfolge in Berlin:


D. B. Blettenberg: Berlin Fidschitown (Pendragon, 12,95 Euro)

Sein bereits 2003 erschienener, hauptsächlich in Berlin, oft im Untergrund, spielender, mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichneter Thriller ist jetzt endlich als Taschenbuch erschienen. Unbedingt lesen!


Jörg Juretzka: Der Willy ist weg (Unionsverlag, 9,90 Euro)

Sein dritter Krimi erschien zuletzt bei Rotbuch als Hardcover. Jetzt gibt es das brüllend komische Abenteuer von Privatdetektiv Kristof Kryszinski als Taschenbuch. Im Anhang gibt es ein dreiseitiges Interview, eine Bio- und eine Bibliografie.


Domingo Villar: Wasserblaue Augen (Unionsverlag, 9,90 Euro)

Ein Debüt aus Spanien: Inspektor Leo Caldas soll den Mörder eines bestialisch ermordeten Saxofonisten finden. Ihre Ermittlungen führen sie in Szenebars und Schwulenclubs – und mit etwas über 200 Seiten kann das Buch in einem Rutsch gelesen werden.


Matti Rönkä: Bruderland (grafit, 8,95 Euro)

Der zweite Krimi mit dem in Helsinki lebendem, russischstämmigem Privatdetektiv Viktor Kärppä. Als einige Jugendliche an verunreinigtem Heroin sterben, wird Kärppä von der Polizei gezwungen, seine alten Kontakte zu benutzen. Guter PI-Krimi, der nicht wallandert, sondern sich an amerikanischen Vorbildern orientiert.


Charles den Tex: Die Zelle (grafit, 11 Euro)

Nach „Die Macht des Mr. Miller“ ein weiterer Thriller mit dem Unternehmensberater Michael Bellicher, dessen Leben wieder aus den geordneten Bahnen gerät. Dieses Mal soll er einen Unfall mit Todesfolge verursacht haben (er erinnert sich nicht daran) und er besitzt plötzlich marode Treibhäuser (die er niemals gekauft hat). „Die Zelle“ erhielt den Goulden Strop.


Max Bronski: München Blues (Heyne, 7,95 Euro)

Drei Jahre nach der Hardcover-Ausgabe erscheint der zweite Krimi von Max Bronski endlich als Taschenbuch. Amateurdetektiv Gossec stolpert während des Oktoberfestes über eine Bierleiche und in den schönsten bayerischen Amigofilz.


Allan Guthrie: Abschied ohne Küsse (Heyne)

Nun, die Taschenbuch-Ausgabe eines Hard-Case-Crime-Taschenbuches. Mir gefällt das originale Pulp-Cover besser. Der Inhalt bleibt gleich und ist nichts für zartbesaitete Gemüter.


Roger Smith: Kap der Finsternis (Heyne, 8,95 Euro)

Ein zünftiger Hardboiled aus Südafrika. Das feine Debüt spart nicht Gewalt und erscheint deshalb auch folgerichtig in der Hardcore-Reihe von Heyne.


Jeffery Deaver: Der Täuscher (Blanvalet, 9,95 Euro)

Lincoln Rhyme ermittelt wieder und wir erfahren einiges über die Möglichkeiten der Überwachung und Datenmanipulation. Da hat Deaver wieder ein halbes Sachbuch in seinen Krimi geschmuggelt.


Michael Connelly: Echo Park (Heyne, 6,65 Euro)

Harry Bosch ermittelt wieder. Muss ich wirklich mehr sagen?


Joe R. Lansdale: Akt der Liebe (Heyne, 8,95 Euro)

Lansdales Debüt erschien 1999 bei pulp master, ist schon seit Ewigkeiten nicht mehr erhältlich und Antiquare verlangen ziemlich viel Geld dafür. Daher ist die, anhand einer kursorischen Überprüfung nur wenig überarbeitete Neuausgabe für alle Lansdale-Fans (neue und alte) die Gelegenheit, einen Klassiker des Serienkillerthrillers (wieder) zu lesen. Immerhin erschien „Akt der Liebe“ in den USA 1981; was uns schmerzlich daran erinnert, dass Lansdale auch schon einige Jahrzehnte auf dem Planeten wandelt.

Lasst euch nicht von dem nichtssagendem Cover, das eher an eine Liebesschnulze in tropischen Hütten erinnert, und dem harmlosen Titel abschrecken.

–

Und wer doch nicht auf sein geliebtes Hardcover verzichten kann:


Laura Thompson: Agatha Christie (Scherz, 24,95)

Eine fünfhundertseitige Biographie über die enorm produktive Schriftstellerin (15. September 1890 – 12. Januar 1976). In England wurde das Buch gemischt aufgenommen. Denn Thompson, die auch einen exclusiven Zugang zum Archiv von Agatha Christie hatte, schreibt nicht besonders kritisch über die heute immer noch erfolgreiche Krimiautorin. Und das ist wahrscheinlich das größte Rätsel um Agatha Christie.


Die Dagger-Finalisten 2010

August 11, 2010

Die Liste der British Crime Writers’ Association (CWA) für den diesjährigen Dagger wird immer kürzer:

CWA Gold Dagger 2010

Blacklands, von Belinda Bauer (Corgi)

Blood Harvest, von S.J. Bolton (Bantam Press)

Shadowplay, von Karen Campbell (Hodder & Stoughton)

The Way Home (Kein Weg zurück), von George Pelecanos (Orion)

–

CWA Ian Fleming Steel Dagger 2010 (gestiftet von Ian Fleming Publications Ltd.)

A Loyal Spy, von Simon Conway (Hodder & Stoughton)

The Dying Light, von Henry Porter (Orion)

Innocent, von Scott Turow (Macmillan)

The Gentlemen’s Hour (Pacific Paradise), von Don Winslow (Heinemann)

–

CWA John Creasey (New Blood) Dagger 2010

Acts of Violence, von Ryan David Jahn (Pan)

The Pull of the Moon, von Diane Janes (Robinson)

Rupture, von Simon Lelic (Picador)

The Holy Thief, von William Ryan (Mantle)

–

Die Preisverleihung ist am Freitag, den 8. Oktober.

(via The Rap Sheet)


TV-Tipp für den 11. August: Der letzte Scharfschütze

August 11, 2010

WDR, 00.20

Der letzte Scharfschütze (USA 1976, R.: Don Siegel)

Drehbuch: Scott Hale, Miles Hood Swarthout

LV: Glendon Swarthout: The Shootist, 1975 (Der Superschütze)

Revolverheld Books will seine letzten vom Krebs gekennzeichneten Tage in Ruhe verbringen. Aber so einfach ist das nicht.

Einer der besten Spätwestern – und John Waynes letzter Film.

„Don Siegel unterzog in ‚The Shootist – Der Scharfschütze’ den Mythos einer distanzierten Würdigung, die noch einmal dem Western zurückgab, was ihm in den letzten Jahren abhanden gekommen war: Ruhe. Und vielleicht exakt diese Botschaft ist es, die endgültig dem Genre ein friedvolles Ende bescheren hätte können: nämlich, die, dass der Western tot, die Grenze erschlossen, die Gesellschaft korrupt ist und dass man sich darüber nicht besonders aufregen muss.“ (Georg Seesslen: Western)

Die Western Writers of America verliehen Swarthouts Buch den Spur-Award als bester Western-Roman des Jahres 1975. Später nahmen sie „The Shootist“ in die Liste der 21 besten Western, Swarthout in die Liste der besten Western-Autoren und die Verfilmung in die Liste der zehn besten Western des zwanzigsten Jahrhunderts auf.

Mit John Wayne, Lauren Bacall, James Stewart, Ron Howard, Richard Boone, John Carradine

Auch “The Shootist – Der Scharfschütze”

Hinweise

Homepage von Glendon Swarthout

Meine Besprechung der DVD “Der Shootist – Der letzte Scharfschütze”


Mr. Joe Gores speaking about Dashiell Hammett and „The Maltese Falcon“

August 10, 2010