LV: Frederick Knott: Dial M for Murder, 1952 (Theaterstück)
Der ehemalige Tennisprofi Tony Wendice plant den perfekten Mord an seiner untreuen Ehefrau Margot. Als sie den Killer umbringt, wird es Zeit für Plan B.
Für Hitchcock war die Verfilmung des Broadway-Stückes eine Verlegenheitsarbeit, bei dem er damals modische 3-D-Effekte einbauen musste. Er tat dies nur in einer Szene: als Margot den Killer mit einer Schere ersticht. Der Rest ist gut abgefilmtes Theater.
Mit Grace Kelly, Ray Milland, Robert Cummings, John Williams, Anthony Dawson
Bei den Alligatorpapieren sind meine neuen, wunderschön bebilderten TV-Krimi-Buch-Tipps online:
In den kommenden Tagen läuft für den geneigten Krimifan Alfred Hitchcocks Frederick-Knott-Verfilmung „Bei Anruf Mord“, Bob Rafelsons James-M.Cain-Verfilmung „Wenn der Postmann zweimal klingelt“, Francis Ford Coppolas „Cotton Club“ (William Kennedy und Mario Puzo waren am Drehbuch beteiligt), Philip Noyces Charles-Williams-Verfilmung „Todesstille“, Constantin Costa-Gavras geniale Donald-E.-Westlake-Verfilmung „Die Axt“, Billy Wilders Agatha-Christie-Verfilmung „Zeugin der Anklage“, Ridley Scotts Philip-K-Dick-Verfilmung „Blade Runner“ (im Final Cut), Henri Verneuils John-Trinian-verfilmung „Lautlos wie die Nacht“, Claude Sautets Claude-Néron-Verfilmung „Das Mädchen und der Kommissar“, Robert Harmons Robert-B.-Parker-Verfilmung „Jesse Stone – Knallhart“ und James Bond (aka Pierce Brosnan) rettet zweimal die Welt.
Bei Mulholland Books (einem Imprint von Little, Brown and Company, das ab 2011 Krimis veröffentlicht) gibt es bereits jetzt viel zu lesen. Zum Beispiel:
Und The Rap Sheet sieht sich in San Francisco (als Vorbereitung für die Bouchercon, aber auch einfach so als Empfehlungen für einige spannende Stunden) um:
Auf der Suche nach einem möglichst eindringlichen Beispiel berichtet der ZDF-Mann, dass gerade erst der O-Ton von Josef Ackermann aus der ZDF-Mediathek geflogen sei, in dem der Deutsche Bank-Chef im Mai bei Maybrit Illner daran gezweifelt habe, ob Griechenland jemals seine Schulden zurückzahlen könne. Nach drei Monaten ist für Videos der Kategorie Gesprächssendung das Ende gekommen. (…)
Fragt man sich durch die Anstalten, welche Inhalte aufgrund des „Verweildauerkonzeptes“ entfernt wurden, wird man geradezu unter Zahlen begraben: Der BR meldet 69 Prozent des Gesamtinhaltes, darunter überwiegende Teile der Bildungsangebote, Dokumentationen und Reportagen. Der HR gibt eine Löschquote von 58 Prozent für hr-online.de an, bei boerse.ARD.de seien es 72 Prozent gewesen. Beim RBB heißt es, allein im Angebot des Portals kulturradio.de gingen 80 Prozent der Rezensionen von Filmen, Büchern und CDs offline, die älter als zwölf Monate seien. Der SR listet auf: Unter sr-online.de seien in der Rubrik Kultur nur noch sieben Prozent der Inhalte verfügbar.
Jetzt können die Zeitungs- und Zeitschriftenverlage ja so richtig loslegen.
New Orleans – Nach dem Wirbelsturm (USA 2010, R.: Luisa Dantas)
Drehbuch: Luisa Dantas
Spielfilmlange Doku über das heutige New Orleans
„Die amerikanische Filmemacherin Luisa Dantas ist im Jahr 2005 gekommen, als die Reporter längst wieder zur nächsten Katastrophe weitergezogen sind. Sie drehte bis zum Frühjahr 2010 und sammelte 1500 Stunden Filmmaterial. (…) Dank der kontinuierlichen Begleitung wird der mühsame Prozess des Wiederaufbaus sichtbar: Eine intensive Nahaufnahme statt des punktuellen Vorher-Nachher-Bilds, das Korrespondenten liefern, die zu Jahrestagen an den Ort der Katastrophe zurückkehren.“ (Thomas Gehringer, Tagesspiegel, 26. August 2010)
Eine Gruppe von Söldnern soll in Südamerika einen Militärdiktator und einen CIA-Mann ausschalten. Exzessiver Waffengebrauch erlaubt.
Der feuchte Traum jedes 80er-Jahre-Actionkinofans
mit Sylvester Stallone, Jason Statham, Jet Li, Dolph Lundgren, Eric Roberts, Randy Couture, Steve Austin, David Zayas, Gary Daniels, Mickey Rourke, Arnold Schwarzenegger, Bruce Willis
Sein Leben in meiner Gewalt (GB 1973, R.: Sidney Lumet)
Drehbuch: John Hopkins
LV: John Hopkins: This story of yours, 1968 (Theaterstück)
Der desillusionierte und fanatische Detektiv Johnson hält den Verdächtigen für einen Kinderschänder. Während des Verhörs stirbt der Verdächtige und Johnson wird angeklagt.
Intensiv gespieltes, düsteres Drama. Allerdings wollte damals niemand Connery als einen fanatischen Polizisten sehen. „Sein Leben in meiner Gewalt“ war der erste Film, den Sean Connery mit seiner Produktionsfirma Tantallon Films und United Artists drehte. Ein zweites, geplantes Projekt mit United Artists kam nie zustande. Das sagt einiges über den finanziellen Erfolg von „Sein Leben in meiner Gewalt aus“. Denn es dauerte zehn Jahre, bis der Film seine Kosten eingespielt hatte.
John Huston meinte, für ihn gehöre das letzte Drittel des Films zum Besten, was er jemals auf der Leinwand gesehen habe.
Mit Sean Connery, Trevor Howard, Vivian Merchant, Ian Bannen
Hinweise
Wikipedia über „Sein Leben in meiner Gewalt“ (deutsch, englisch)
In den USA startet am 31. Oktober bei AMC die sechsteilige Verfilmung von Robert Kirkmans „The Walking Dead“. Der erste AMC-Trailer sieht verdammt vielversprechend aus:
Auf der Comic Con gab es auch ein Panel zu der Serie:
Wann und wo die Serie im deutschen Fernsehen läuft ist unklar.
Den großen Durchbruch hatte der am 25. August 1930 in ärmlichen Verhältnissen in Edinburgh geborene Sean Connery nach einigen unbedeutenden Nebenrollen als James Bond in „007 jagt Dr. No“ (1962). Bereits während seiner Bond-Jahre probierte er, allerdings mäßig erfolgreich, andere Rollen aus und arbeitete mit bekannten Regisseuren, wie Alfred Hitchcock („Marnie“, 1964), Sidney Lumet („Ein Haufen toller Hunde“, 1965, „Der Anderson-Clan“, 1971, „Sein Leben in meiner Gewalt“, 1972, „Mord im Orient-Express“, 1974, „Family Business“, 1990), Edward Dmytryk („Shalako“, 1968) und Martin Ritt („Verflucht bis zum jüngsten Tag“, 1969) zusammen. Auch danach versuchte er immer wieder, mit wechselndem Erfolg, sein Repertoire zu erweitern. Dazu gehören vor allem John Boormans Science-Fiction-Film „Zardoz“ (1974), John Milius‘ Abenteuerfilm „Der Wind und der Löwe“ (1975), John Hustons Rudyard-Kipling-Verfilmung „Der Mann, der König sein wollte“ (1975), Richard Lesters Robin-Hood-Abgesang „Robin und Marian“ (1976) und sein Politthriller „Explosion in Cuba“ (1979), Michael Crichtons Gangsterfilm „Der erste große Eisenbahnraub“ (1978), Peter Hyams High-Noon-im-Weltraum-Thriller „Outland – Planet der Verdammten“ (Einer der ersten Connery-Filme, die ich im Kino sah. Denn damals gab es in meinem Provinzkino auch eine Wiederholung der Connery-Bond-Filme.), Terry Gilliams Fantasyfilm „Time Bandits“ (hier hatte Connery nur eine Nebenrolle), Richard Brooks prophetische Satire „Flammen am Horizont“ (1982) und Fred Zinnemanns in den Bergen spielendes Eifersuchtsdrama „Am Rande des Abgrunds“ (1982; es war Zinnemanns letzter Film). Dann spielte er für viel Geld noch einmal James Bond: „Sag niemals nie“ (1983).
In Russel Mulcahys „Highlander – Es kann nur einen geben“ (1985) spielte er erstmals die Rolle des väterlichen Freundes und Vorbildes für einen jüngeren Charakter. In Jean-Jacques Annauds Umberto-Eco-Verfilmung „Der Name der Rose“ (1986) hatte er dann damit einen überwältigenden Erfolg und seine zweite Karriere als Schauspieler, in der er nicht mehr nur an James Bond gemessen wurde, begann. Brian De Palmas Prohibitions-Krimi „The Untouchables – Die Unbestechlichen“ (1986, wofür er einen Oscar als bester Nebendarsteller erhielt), Steven Spielbergs „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ (1989), John McTiernans Tom-Clancy-Verfilmung „Jagd auf Roter Oktober“ (1990), Fred Schepisis John-Le-Carré-Verfilmung „Das Russland-Haus“ (1990), ein Kurzauftritt in Kevin Reynolds „Robin Hood – König der Diebe“ (1991, Heute kann sich wahrscheinlich niemand mehr vorstellen, welche Wirkung Connerys Cameo am Filmende hatte.), Philip Kaufmans Michael-Crichton-Verfilmung „Die Wiege der Sonne“ (1993), Bruce Beresfords dank Sean Connery halbwegs sehenswerter Satire „A Good Man in Africa“ (1994), Arne Glimchers okaye John-Katzenbach-Verfilmung „Im Sumpf des Verbrechens“ (1995), Michael Bays „The Rock – Fels der Entscheidung“ (1996, laut, lauter, am lautesten, Jerry Bruckheimer), Jeremiah Chechiks Desaster „Mit Schirm, Charme und Melone“ (1998), Willard Carrolls hochkarätig besetzter Ensemblefilm „Leben und Lieben in L. A.“ (1998), Jon Amiels Caper „Verlockende Falle“ (1999, gleichzeitig eine Abkehr von seinen Väter-Rollen), Gus van Sants „Forrester – Gefunden“ (2000) und, sein bislang letzter Film, Stephen Norringtons desaströse Alan-Moore-Verfilmung „Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen“ (2003).
Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Mr. Connery!
Cuba, 1959: Wenige Tage vor dem Sturz der Batista-Diktatur soll ein britischer Ex-Offizier die Regierung bei der Bekämpfung der Rebellen beraten. Da trifft er eine frühere Freundin und wir befinden uns tief im Graham-Greene-Land.
Damals ein weiterer Flop für den am 25. August 1930 geborenen Sean Connery. Als der Politthriller 1986 seine deutsche Premiere im TV erlebte, gefiel er mir ziemlich gut. „Heute ist dieses Politdrama teilweise rehabilitiert. Es hatte sein Thema bemerkenswert differenziert und ohne Klischees gestaltet und inzwischen nostalgische Patina angesetzt.“ (Adolf Heinzlmeier: Sean Connery, 2001)
„Heute sieht man den Film mit anderen Augen; und wie das oft der Fall ist, wenn kein Druck mehr besteht, die Produktionskosten einzuspielen, und wenn die Stimmen der Kritiker verhallt sind, scheint er eigentlich ganz annehmbar. Trotz der Schwierigkeiten ist Connery gut, und während die historischen Ereignisse verblassen wird ‚Explosion in Cuba‘ als Film seltsamerweise sehenswerter.“ (John Parker: Sean Connery, 1995)
„Regisseur Lester, der von der bizarren Komik seiner frühen Jahre immer mehr Abstand gewinnt, erreicht hier eine dennoch witzig-sarkastische und bis ins Detail genaue Bestandsaufnahme einer ausbeuterischen Gesellschaftsschicht, die mühsam ihre Augen vor dem herannahenden Untergang verschlossen hält.“ (Fischer Film Almanach 1987)
„That’s a fascinating movie. Flawed, but really the things that people disliked about it when it came out are what makes it interesting now, it’s refusal to sort of play to the idea of a war-torn romance. An absolute refusal to be sentimental or easy about anything. Brooke Adams‘ character was really fascinating. Here’s a woman who says ‚Look, I don’t know what little fantasy you’ve got in your head, but don’t play it out on me, because I’m not that.‘ And this guy (Sean Connery) who’s wrestling with the fact that the kind of guy he is, is obsolete now…It’s a really interesting movie.“ (Steven Soderbergh, in einem Interview mit Alex Simon, 1998)
Charles Wood und Richard Lester arbeiteten bereits bei „Der gewisse Kniff“, „Help“, „Wie ich den Krieg gewann“ und „Danach“ zusammen.
mit Sean Connery, Brooke Adams, Louisa Moritz, Jack Weston, Martin Balsam, Chris Sarandon, Hector Elizondo
Was passiert, wenn „Sin City“, „The Dark Knight Returns“ (Batman: Die Rückkehr des Dunklen Ritters) und „Watchmen“ aufeinander stoßen?
Das ist eine interessante Frage, die bereits 1990 beantwortet wurde.
Frank Miller und Dave Gibbons haben sich damals zusammengetan und mit der vierteiligen Serie „Martha Washington“ (die später aufgrund des Erfolgs einige Fortsetzungen erhielt, die jetzt, teilweise erstmals, bei uns erscheinen) eine vollkommen andere Welt geschaffen, die als Science-Fiction-Geschichte damalige Entwicklungen fortschrieb und, teilweise, an Frank Millers äußerst gewalttätige dystopische, fast zeitgleich entstandene Philip-K.-Dick-Hommage „Hardboiled“ erinnert. Weil Dave Gibbons „Watchmen“ und „Martha Washington“ zeichnete, sind die Parallelen zu Alan Moores in einer Parallelwelt spielendem Epos unübersehbar. Auch der Einsatz von erklärenden Zeitungsreportagen, Titelseiten und Anzeigen ist aus „Watchmen“ vertraut und zeichnet ein vielschichtiges, satirisches Bild einer totalitären Zukunft, die in erster Linie ein unübersehbarer Kommentar zur Tagespolitik war.
Heute, zwanzig Jahre später, ist es natürlich interessant zu sehen, was um 1990 heftig diskutiert wurde, was immer noch aktuell ist und was sich ganz anders entwickelte.
So ist die USA in „Martha Washington“ in verschiedene Staaten zerfallen. Es gibt „God’s Country“ („ein Paradies ohne Zigaretten und Drogen“ in dem „schlechte Musik, schlechtes Essen, schmutzige Wörter, Verhütung, Pornographie und Ehebruch“ verboten sind), „Wunderland“ (nun ja: Hollywood), das „Mexikanische Territorium“ (Hauptquelle für billige Arbeitskräfte), „Real America“ (regiert von dem Fastfood-Konzern Fat Boy Burgers), die „Lone-Star-Republik“ (Texas), „Florida“ (das wahrscheinlich demnächst von Kuba annektiert wird), die „Frauen-Konföderation“ (liegt natürlich an der Ostküste und glaubt, dass „alles Schlimme in dieser Welt von Männern verursacht wird“), die „Kapitalistische Ostküsten-Diktatur“ (Manhattan und anliegende Gebiete), die „New-England-Staatenföderation“ (die alle Verfassungszusätze ab 1990 annullieren möchte und 2009 den Crash der Datenbank des Finanzamtes verursachte) und noch einige Reststaaten, die in den „Vereinigten Staaten von Amerika“ verblieben sind und seit mehreren Wahlperioden von dem gleichen Präsidenten regiert werden.
Die 1995 geborene Afroamerikanerin Martha Washington wächst in Chicago in einem gescheiterten Projekt für Soziales Wohnen auf, kommt in eine Geschlossene Anstalt (eine Möglichkeit dem Ghetto zu entkommen) und geht zum US-Militär, das jetzt „PAX“ heißt. Für Martha gibt es dafür drei gute Gründe: „Jeder, der zu PAX geht, kriegt eine saubere Akte. Man kann nicht verhaftet werden. Das wird Mama echt anpissen.“
In Südamerika kämpft sie als PAX-Friedenskämpferin gegen internationale Fastfood-Konzerne, die den Urwald abholzen. Damals war das Abholzen der Regenwälder ein großes Thema (Na, ihr alten Säcke, erinnert ihr euch noch an die Demos mit dem „MacDonalds holzt den Regenwald ab“-Plakaten?), heute redet niemand mehr darüber.
Dafür ist aber die schlechte Situation der Indianer in den Reservaten bekannter. Marthas Abenteuer verschlagen sie nämlich auch in das unbewohnbare Reservat der Apachen. Fast die Hälfte der Apachen leidet, aufgrund von umweltverschmutzenden Ölraffinerien, an verschiedenen Lungenkrankheiten.
In dem Apachengebiet landete sie, nachdem sie im Weltall eine Mission gegen die Arische Achse, eine militante schwule Rassistengruppe, die als Racheakt mit einer Laserkanone das Weiße Haus einäschern wollen, mehr oder weniger erfolgreich beendete.
Aber auch dort wird Martha Washington von ihrem Intimfeind Moretti verfolgt. Sie rettete dem Feigling mit hochfliegenden Ambitionen im Dschungel das Leben. Danach baute er seine Karriere auf einer falschen Heldentat auf und er will die einzige Zeugin dafür töten. Diese Rachegeschichte ist die am Ende des ersten Heftes „Heim & Garten“ beginnende heftübergreifende Geschichte für die nächsten drei, hübsch ironisch betitelten Hefte „Freizeit & Vergnügen“, „Gesundheit & Wohlergehen“ und „Tod & Steuern“ von „Das Leben und Wirken der Martha Washington im 21. Jahrhundert“, wie der vollständige, an die offiziell-pompöse Geschichtsschreibung erinnernde Titel der Sammelausgaben der Martha-Washington-Geschichten lautet.
Ende August erscheint bei Panini mit „Martha zieht in den Krieg“ der zweite Band der dreibändigen „Martha Washington“-Komplettausgabe.
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Frank Miller (Autor)/Dave Gibbons /(Zeichner): Martha Washington – Ein amerikanischer Traum (Band 1)
Der Mann aus San Fernando (USA 1978, R.: James Fargo)
Drehbuch: Jeremy Joe Kronsberg
Trucker Philo verdient mit Schlägereien Geld, hat den Orang-Utan Clyde als Kumpel und verknallt sich in eine Countrysängerin Lynn. Als sie mit einem anderen Mann abhaut, verfolgt er sie quer durch die USA.
Eastwoods erste Komödie war ein gigantischer Kassenerfolg. Genaugenommen lag er an der Kasse direkt hinter „Superman“. „Der Mann aus San Fernando“ ist trotzdem eine sehr durchwachsene Komödie, deren Mischung aus Kloppereien, Schmalz, Witzen, einem Affen (Merke: Tiere sind immer gut) und Country-Songs damals im Trend lag, heute veraltet ist und auch der nostalgische Blick zurück lässt den Film nicht wirklich in einem milderen Licht erscheinen.
mit Clint Eastwood, Sondra Locke, Geoffrey Lewis, Beverly D’Angelo, Ruth Gordon
Mit Vollgas nach San Fernando (USA 1980, R.: Buddy Van Horn)
Drehbuch: Stanford Sherman
Philo, Clyde und Lynn sind zurück. Denn Philo muss wieder die Fäuste ballen.
Die wenigstens kommerziell erfolgreiche Fortsetzung von „Der Mann aus San Fernando“ änderte an dem bewährten Rezept nichts. Außer: „die Handlung [ist] diesmal etwas kohärenter als im ersten Film.“ (Richard Schickel: Clint Eastwood)
mit Clint Eastwood, Sondra Locke, Geoffrey Lewis, William Smith, Harry Guardino, Ruth Gordon
The Flock – Dunkle Triebe (USA 2007, R.: Andrew Lau, Niels Mueller (ungenannt, Reshoots))
Drehbuch: Hans Bauer, Craig Mitchell
Der desillusioniert-fanatische Bewährungshelfer von Sexualstraftätern Erroll Babbage hat keine drei Wochen die naive Allison Lowry auf den Job vorzubereiten. Als ein Mädchen verschwindet, ist Babbage überzeugt, dass der Täter einer seiner Kunden ist.
Die erste US-Arbeit von „Infernal Affairs“-Macher Andrew Lau enttäuscht: die Story ist okay, die Besetzung gut, aber die Kameraarbeit ist nervig. In einem Wust von falsch belichteten Bildern, Jumcuts, Sekundenbildern, falsch gewählten Ausschnitten ist man die meiste Zeit damit beschäftigt, zu enträtseln, was gerade zu sehen ist und kann sich kaum auf die Schauspieler und die 08/15-Story konzentrieren.
mit Richard Gere, Claire Danes, Kadee Strickland, Ray Wise, Avril Lavigne
Wenige Tage nach seinem Geburtstag (18. August) zeigt 3sat in der Interview-Reihe „Inside the Actors Studio“ das Gespräch von James Lipton mit Robert Redford.
Ist Top-CIA-Agentin Evelyn Salt eine sowjetische Schläferin, die heute den amerikanischen Präsidenten umbringen soll? Während sie versucht, ihre Unschuld zu beweisen, wird sie von ihren CIA-Freunden als Verräterin gejagt.
Viel Action
mit Angelina Jolie, Liev Schreiber, Chiwetel Ejiofor, Daniel Olbrychski, August Diehl
Drehbuch „Salt“ von Kurt Wimmer (Fassung vom 2. März 2007; damals war der Titel „Edwin A. Salt“ weil der Held ein Mann war. Dann sagte Angelina Jolie zu.)
Agenten sterben einsam (GB 1969, R.: Brian G. Hutton)
Drehbuch: Alistair McLean
LV: Alistair McLean: Where Eagles Dare, 1967
Winter 1944: Einige alliierte Soldaten sollen einen von den Nazis in einer unzugänglichen Alpenfestung festgehaltenen US-General befreien. Ein Himmelfahrtskommando.
Wendungsreiches, etwas langatmiges Spionageabenteuer mit dem Krieg als Abenteuerspielplatz für echte Männer.
„Es geht um Krieg, Helden, Verrat und Gegenverrat…Es ist weniger eine Handlung als vielmehr ein Vorwand für ziemlich viel Gewalt und meist bedeutungslose Action“ (Richard Schickel: Clint Eastwood – Eine Biographie)
Am 8. Juli 1986 verschwindet irgendwo in der westdeutschen Provinz ein Mädchen. Ihre Leiche wird später gefunden. Der Mörder wird nie gefasst.
23 Jahre später verschwindet am gleichen Ort wieder ein Mädchen. Die Polizei sucht das Mädchen – und befürchtet, dass es bereits tot ist.
Aber Autor und Regisseur Baran bo Odar interessiert sich, wie die Vorlage, nicht für die Ermittlungsarbeiten der Polizei. Er will das Bild eines Zustandes zeichnen. Schon Jan Costin Wagners Buch hieß bedeutungsschwanger „Das Schweigen“. Für den Film wurde der Titel dann in „Das letzte Schweigen“ verschärft und die These noch deutlicher herausgearbeitet.
Denn alle Charaktere haben ihr Päckchen Leid und Schuld zu tragen und, anstatt darüber zu reden, schweigen sie über ihre Gefühle. Die Mutter (Katrin Sass) trauert immer noch über ihre vor 23 Jahren ermordete Tochter. Der damals ermittelnde, inzwischen pensionierte Kommissar Christian Mittich (Burghart Klaußner) sucht immer noch den Mörder. Kommisar David Jahn (Sebastian Blomberg) trauert vor allem um seine kürzlich verstorbene Frau. Die Eltern der jetzt verschwundenen Sinikka Weghamm, Ruth (Karoline Eichhorn) und Karl (Roeland Wiesnekker) werfen sich vor, dass sie ihre Tochter nach einem Streit alleine wegfahren ließen und, wir ahnen es, schweigen sich an. Timo Friedrich (Wotan Wilke Möhring), der 1986 dabei war, ist inzwischen ein glücklich verheirateter Architekt mit zwei Kindern und er schweigt immer noch über den damaligen Mord und seine pädophile Neigung. Und der damalige Mörder, Hausmeister Peer Sommer (Ulrich Thomsen), arbeitet immer noch im gleichen Wohnblock als der allseits beliebte, allein lebende Hausmeister.
Das war jetzt kein Spoiler. Denn diese Tat wird in den ersten Minuten gezeigt und in Rückblenden werden einige weitere Hintergründe präsentiert. Denn man sieht sich dieses Kuriositätenkabinett sich anschweigender Menschen eher gelangweilt wie eine artifizielle Präsentation an. Schöne Bilder. Schöne Musik. Schöne Menschen. Schön langweilig. Denn der Wille zur Kunst ist größer als der Wunsch eine emotional packende Geschichte zu erzählen. Dafür sind die einzelnen Handlungsstränge in schlechter „Short Cuts“-Manier viel zu wenig miteinander verknüpft. Dafür verhalten sich die einzelnen Charaktere alle zu seltsam, ohne jemals auch nur ansatzweise die durchgeknallte Qualität eines David-Lynch-Charakters zu erhalten. Das Verhältnis zwischen den einzelnen Plots bleibt unklar und damit auch, welcher Charakter die Identifikationsfigur (die es auch in einem Ensemblefilm gibt) für den Zuschauer sein soll.
Kommissar Jahn, der sich als ermittelnder Kommissar anböte und in Jan Costin Wagners Kriminalromanen als Kommisar Kimmo Joentaa der Seriencharakter ist, sieht meistens wie ein Penner, der in erster Linie seiner Frau hinterhertrauert, aus. Sein erratisches Verhalten qualifiziert ihn für einen langen Erholungsurlaub, den er sich als trauernder Witwer redlich verdient hat, und eine ausgedehnte psychiatrische Behandlung, aber nicht für den Polizeidienst.
Mittich mischt sich als Pensionär ungefragt und rabiat in die Ermittlungen ein. Er ist von Anfang an überzeugt, dass der gleiche Täter wieder zugeschlagen hat und ignoriert die Frage, warum ein Mörder nach fast 25 Jahren eine Eins-zu-Eins-Kopie seiner Tat machen sollte.
Friedrich ist nach dem Verschwinden von Sinikka über irgendetwas sehr beunruhigt. Er macht sich auf den Weg zu den Orten seiner Vergangenheit und besucht auch Hausmeister Sommer. Warum er dies tut und warum er sich so und nicht anders verhält, darf sich der geneigte Zuschauer, wie schon vorher der Leser von Jan Costin Wagners Buch, selbst ausdenken.
Sowieso darf der geneigte Zuschauer sich viel denken. Denn Baran bo Odar präsentiert, hübsch ausgeleuchtet, meistens schweigende Menschen, die allein, regungslos in Autos, sparsam möblierten Wohnungen und Hotelzimmern sitzen. Es gibt schöne Bilder von sich im Wind bewegenden Baumgruppen und Kornfeldern („Twin Peaks“ lässt grüßen). Garniert von der hypnotischen Musik von Pas de Deux erzeugt er eine träumerische Stimmung. Aber während David Lynch in „Twin Peaks“ seine Ansammlung schräger Charaktere mit schwarzem Humor, zahlreichen Anspielungen und einem Spiel auf vielen verschiedenen Ebenen garnierte, bleibt in „Das letzte Schweigen“ alles monochrom düster und nur in wenigen Szenen (wenn ein Charakter sich wirklich zu unangemessen verhält) blitzt unfreiwilliger Humor auf.
Das ist aber bereits in Jan Costin Wagners mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichneten Roman so. Baran bo Odar hält sich, bis auf das Ende und der damit verbundenen Erklärung für Sinikkas Verschwinden, bis hin zu einzelnen Dialogen an die Vorlage. Das mag die Freunde der Werktreue, die auf der Leinwand nur die bebilderte Version des Romans sehen wollen, erfreuen. Es steht aber einem eigenständigen Zugriff auf das Material im Weg. Denn in dem Film finden sich so auch alle Probleme des Romans, wie die maue, oft unglaubwürdige, sich eher zufällig entwickelnde Geschichte, die mangelhafte psychologische Motivation des Täters (in Buch und Film verschieden und jede Lösung hat ihre Probleme), die schnell langweilende Parallelführung von sich nie berührenden Handlungssträngen und, was das Schlimmste ist, die mangelhafte Differenzierung zwischen den einzelnen Charakteren und ihren Gefühlen. Letztendlich müssen sie alle mit Verlusten, Misserfolgen und charakterlichen Defiziten umgehen und sie haben alle darauf die gleiche Antwort: sie fressen die Erfahrung in sich hinein. Sie sind in sich gekehrt, schweigsam und – Hey, immerhin spielt Wagners Roman in Finnland. – depressiv. Nur der pädophile Kindermörder erscheint als allseits beliebter, freundlicher und in sich ruhender Hausmeister der einzig normale Charakter zu sein. Im Gegensatz zu allen anderen ist er mit sich im Reinen.
Was sagt uns das über den Film und unsere Gesellschaft?
Das letzte Schweigen (D 2010)
Regie: Baran bo Odar
Drehbuch: Baran bo Odar
LV: Jan Costin Wagner: Das Schweigen, 2007
mit Ulrich Thomsen, Wotan Wilke Möhring, Burghart Klaußner, Katrin Sass, Sebastian Blomberg, Karoline Eichhorn, Roeland Wiesnekker, Claudia Michelsen, Oliver Stokowski, Jule Böwe
Ferdinand stolpert in eine undurchsichtige Mordgeschichte und flüchtet mit seiner Ex Marianne quer durch Frankreich auf eine einsame Insel.
Auch bzw. besser bekannt als „Pierrot le fou“. Die Krimifarce hat mit dem Buch wenig bis nichts zu tun, aber viel mit Godard, seinem filmischen Kosmos und dem Lebensgefühl der Sechziger.
Shawn Ryan (The Shield, The Unit, Lie to me [ab der zweiten Staffel]) hat eine neuen Serie am Start: „Terriers“, eine Comedy mit Donal Logue als Ex-Polizist, der sich jetzt als Privatdetektiv durchschlägt. Die Serie startet am 8. September auf FX und ich hoffe (auch wenn der Trailer mich etwas unbegeistert zurücklässt), dass die Serie erfolgreich ist und auch im deutschen Fernsehen gezeigt wird. Denn ich warte schon seit einer gefühlten Ewigkeit auf eine neue PI-Serie.
Wenn mir bitte jemand diese Entscheidungen erklären könnte…
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Da sind wir gleich bei unserem nächsten Thema: Verbotene Filme, einer Tagung der Deutschen Kinemathek und von iRights am Donnerstag, den 9. und Freitag, den 10. September in Berlin.
Das Programm liest sich vielversprechend.
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Noch nicht verboten sind die Filme des diesjährigen Fantasy Filmfest, das ab heute in Berlin und danach in einigen weiteren Städten läuft. Neben viel Mittelaltergekröse, Schwertkämpfen, Gekreische und Blutfontänen gibt es einige Filme für den geneigten Krimifan:
Kaboom (der neue Film von Gregg Araki)
22 Bullets (Schauspieler und Regisseur Richard Berry verfilmte mit Jean Reno einen Thriller von Franz-Olivier Giesbert)
The Chameleon (ein neuer Krimi von Jean-Paul Salomé [Female Agents, Arsène Lupin])
The Experiment (die US-Version von Oliver Hirschbiegels Kinohit „Das Experiment“, inszeniert von „Prison Break“-Erfinder Paul Scheuring, mit Adrien Brody und Forest Whitaker)
Harry Brown (die britische Antwort auf „Gran Torino“, mit Michael Caine in der Hauptrolle)
The Killer inside Me (Michael Winterbottoms umstrittene Jim-Thompson-Verfilmung mit Casey Affleck als Sheriff Lou Ford; bei den Noir-Fans kommt der Film allerdings ziemlich gut an)
Little Big Soldier (Jackie Chan in einer Antikriegssatire)
Love Crime (ein neuer Film von „Wahl der Waffen“-Regisseur Alain Corneau, mit Kristin Scott Thomas und Lidivine Sagnier)
Outrage (ein neuer Yakuza-Film von Takeshi Kitano)
Rapt (französischer Kidnapping-Thriller; läuft nicht in allen Städten)
Reykjavik Whale Watching Massacre (Der Titel klingt nach „The Texas Chainsaw Massacre“ und Gunnar Hansen ist auch dabei)
Sphinx (das Programmheft spricht von einem klassischen französischem Polizeifilm)
Tony (britischer Debütfilm über einen Serienkiller, der Daily Mirror schreibt „a masterclass in psychological horror)
Einige Filme wird es in Deutschland danach nie wieder auf der großen Leinwand und in dieser Form zu sehen geben.