TV-Tipp für den 7. September: Die zweigeteilte Frau

September 7, 2010

Nachdem das Erste die TV-Premiere der „zweigeteilten Frau“ nach Mitternacht versendete, zeigt sich Deutschlands bester Hauptstadtsender publikumsfreundlicher


RBB, 22.45

Die zweigeteilte Frau (F/D 2007, R.: Claude Chabrol)

Drehbuch: Claude Chabrol, Cécile Maistre

Als die TV-Wetterfee Gabrielle von ihrem verheirateten Liebhaber, einem deutlich älteren Bestsellerautor, verstoßen wird, nimmt sie sich einen neuen Liebhaber. Dieser hat allerdings einen seelischen Knacks.

In dem ruhigen Krimidrama über eine Frau zwischen zwei verkorksten Männern führt Chabrol wieder einmal die französische Bourgeoisie vor. Sicher nicht sein bester Film und nach dem grandiosen „Geheime Staatsaffären“ eine Enttäuschung.

Mit Ludivine Sagnier, Benoît Magimel, François Berléand, Mathilda May

Hinweise

Wikipedia über Claude Chabrol (deutsch, englisch, französisch)

Film-Zeit über „Die zweigeteilte Frau“

Wikipedia über „Die zweigeteilte Frau“ (deutsch, englisch, französisch)


Monsieur Bocquet besucht die „Suite Noire“

September 6, 2010

„Papas Musik“ von José-Louis Bocquet konnte „Suite Noire“-Herausgeber Jean-Bernard Pouy nicht ablehnen. Denn Bocquets Noir ist eine Hommage an den Roman „Le Cinéma de papa“ (Papas Kino) von Jean-Bernard Pouy. Dass Bocquets Geschichte, soweit ich weiß, nichts mehr mit Pouys Geschichte zu tun hat, hat auch bei den anderen „Suite Noire“-Romanen nicht gestört. Auch dass der Krimianteil (gemessen an den normalen Krimibeigaben) eher klein ausfällt, aber dafür der Noir-Anteil größer, stört nicht weiter.

In „Papas Musik“ muss sich ein inzwischen vom Pech verfolgter, geschiedener Musikproduzent notgedrungen um seinen Sohn kümmern. Jules hat die Schule geschmissen und ist bei seiner Mutter ausgezogen. Denn beim Vater, den er am Buchanfang bei einem Selbstmordversuch stört, ist es einfach entspannter. Aber dann versucht dieser, für seinen Sohn ein Vater zu sein und sich aus seiner finanziellen Misere zu befreien. Er schenkt Jules eine Gitarre und als er während eines Konzerts bemerkt, dass Jules und seine Rockband talentiert sind, will er eine Platte mit ihnen machen. Dafür nimmt er weitere Schulden auf.

Natürlich, immerhin ist „Papas Musik“ ein Noir und die kennen für den Helden nur einen Weg, nämlich abwärts, endet das nicht gut. Bocquet erzählt diese Geschichte einiger kleiner Leute angenehm pathosfrei, illusionslos und mit einger guten Portion trockenen Humors auf hundert Seiten. Es gibt einige Einblicke in das sich in den vergangenen Jahrzehnten radikal gewandelte Musikgeschäft und dem alltäglichen Überlebenskampf eines kleinen Produzenten. Außerdem gibt es eine Vater-Sohn-Geschichte, in der keiner um die Gunst des anderen buhlt. Für den Vater ist sein Sohn am Anfang nur das „kleine Arschloch“, das wegen der Art des Schuleschwänzens von ihm respektiert wird. Und der Vater ist eine gescheiterte Existenz, der regelmäßig vom Gerichtsvollzieher besucht wird. Dabei ist er kein schlechter Mensch, sondern nur ein Pechvogel.

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José-Louis Bocquet: Papas Musik

(übersetzt von Katarina Grän)

Distel Literaturverlag, 2010

108 Seiten

10 Euro

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Originalausgabe

La musique de papa

Éditions La Branche, 2007

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Verfilmung

La musique de papa (Frankreich 2009)

Regie: Patrick Grandperret

Drehbuch: ?

Mit Antoine Chappey, Léo Grandperret, Marilyne Canto, Agnès Soral, Florence Thomassin, Eric Defosse

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Hinweise

Homepage der „Suite Noire“ (englische Version)

Seite der Éditions La Branche über die „Suite Noire“

Wikipedia über José-Louis Bocquet

Evene.fr über José-Louis Bocquet

Meine Besprechung von Patrick Raynals „Suite Noire“-Buch „Landungsbrücke für Engel“ (Le débarcadère des anges, 2007)

Meine Besprechung von Colin Thiberts „Nächste Ausfahrt Mord“ (Vitrage à la corde, 2007)


TV-Tipp für den 6. September: Lautlos wie die Nacht

September 6, 2010

Arte, 20.15

Lautlos wie die Nacht (F/I 1962, R.: Henri Verneuil)

Drehbuch: Albert Simonin

LV: John Trinian: Mélodie en sous-sol, 1961 (Lautlos wie die Nacht)

Jean Gabin plant zusammen mit Alain Delon seinen letzten Coup: ein Einbruch in das Casino von Cannes. Ein fast perfekter Plan. Spannender Gangsterfilm.

Wiederholung: Montag, 20. September, 14.45 Uhr

Hinweis

Arte über die Filmreihe „Kontinent der Gangster – Internationale Gangsterfilme“


TV-Tipp für den 5. September: I, Robot

September 5, 2010

RTL, 20.15

I, Robot (USA 2004, R.: Alex Proyas)

Drehbuch: Jeff Vintar, Akiva Goldsman

LV: Isaac Asimov: I, Robot, 1950 (Ich, der Robot, Kurzgeschichtensammlung)

2035: Roboter nehmen uns viele Aufgaben ab. Als der Chefkonstrukteur der Firma US Robotics in den Tod stürzt, glaubt Polizist und Roboterhasser Del Spooner, dass der Konstrukteur von einem Roboter umgebracht wurde. Niemand glaubt ihm.

Unterhaltsamer SF-Actionthriller, der von Asimov vor allem die drei Robotergesetze übernommen hat. Denn Proyas interessiert sich vor allem für Design und Entertainment.

mit Will Smith, Bridget Moynahan, Alan Tudyk, James Cromwell, Bruce Greenwood, Chi McBride, Shia LaBeouf

Wiederholung um 23.55 Uhr

Hinweise

Wikipedia über „I, Robot“ (deutsch, englisch)

Film-Zeit über „I, Robot“

Homepage von Isaac Asimov


Leatherface kommt

September 4, 2010

Just the Facts!

Tja, nun:

Heute Abend (Samstag, den 4. September) ist es soweit. Da läuft Tobe Hoopers „The Texas Chainsaw Massacre“ um 22.30 Uhr im Filmkunst 66 nach vielen Jahren wieder einmal auf der großen Leinwand.

Nach der Filmvorführung diskutieren wir mit

Dr. Stefan Höltgen (Medienwissenschaftler, F.LM – Texte zum Film)

und

René Bahns (wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität, Promotion zum Thema „Indizierung von Filmen“)

über die filmhistorische und gesellschaftliche Bedeutung von „The Texas Chainsaw Massacre“ und die bundesdeutsche Verbotspolitik bei Kunstwerken.

Weitere Infos zum Film und zur Veranstaltung. Bei Trailers from Hell gibt es den kommentierten Trailer und im Neuen Deutschland (Kira Taszman) einen schönen Artikel zum Film:

mit »TCM« trifft das Verbot ein Werk, dessen Horror-Ästhetik im Vergleich zu heutigen Standards relativ harmlos ist. Zwar gibt es durchaus unappetitliche Momente, doch entbehrt der Anblick von in der Pfanne brutzelnden (Menschenfleisch-)Würstchen auch nicht eines gewissen (sehr schwarzen) Humors. Die unfreiwillige Komik des Films ist ebenfalls genre-inhärent. Jedenfalls fängt »The Texas Chainsaw Massacre« sehr anschaulich den »Peace und Love«-Geist seiner jungen 70er-Jahre-Protagonisten ein und prangert unter anderem Unsitten wie Massentierhaltung an. Zudem geschehen die brutalsten Handlungen außerhalb des Kamerablickfelds. Filme, die heute ungesühnt auf Fantasy-Festivals gezeigt werden, sind oft um ein vielfaches drastischer.

Es gibt auch eine deutsche TCM-Version:

Nachtrag (6. September): In der taz schreibt Nina Scholz über den Abend:

Dadurch, dass das Verbot von The Texas Chainsaw Massacre so lange zurückliegt, wird die Crux solcher Verbote besonders deutlich. Alte Fragen werden neu formuliert: Was ist überhaupt ein gefährlicher Film, und wer ist Fachmann genug, das einzuschätzen? Gibt es wirklich einen Zusammenhang zwischen den Szenen im Film (…) und realer Gewalt? Die Geschichte des Verbots des Kettensägenmassakers in Deutschland zeigt, wie sehr Einschätzungen Kinder ihrer Zeit und dem jeweiligen Betrachter geschuldet sind. Und sie zeigt, wie absurd solche Verbote sein können.


TV-Tipp für den 4. September: Blade Runner – Der Final Cut

September 4, 2010

MDR, 00.15

Blade Runner – Der Final Cut (USA 1982, R.: Ridley Scott)

Drehbuch: Hampton Fancher, David Peoples

LV: Philip K. Dick: Do Androids dream of Electric Sheep?; Blade Runner, 1968 (Träumen Roboter von elektrischen Schafen; Blade Runner)

LA, 2019: Rick Deckard soll vier Replikanten finden.

Damals kam er bei der Kritik solala an und im Kino lief er auch nicht so toll. Aber seitdem entwickelte „Blade Runner“ sich zu einem der stilbildenden Science-Fiction-Filme und Lieblingsobjekte von Wissenschaftlern für Interpretationen.

„Der Final Cut“ ist die von Ridley Scott ursprünglich geplante Version, die sich nur in Details von früheren Versionen (Off-Sprecher, Ende, einige Effekte und minimal andere Schnittfolgen) unterscheidet.

Eine zeitgenössische Kritik: „’Blade Runner’ ist ein Film des Dekors (…) Technische Phantasie und die Story, soweit sie erkennbar wird, liegen weit über dem Standard heutiger Science-fiction-Filme. Dennoch ist auch ‘Blade Runner’ ein eher unerfreulicher Film: Er kokettiert nicht nur mit der Gewalt, er schlachtet sie genussvoll aus, menschliche Werte behauptet er nur zu retten, tatsächlich aber versenkt er sie in einem Meer von Zynismus.“ (Fischer Film Almanach 1983)

Ähnlich Ronald M. Hahn/Volker Jansen in „Lexikon des Science Fiction Films“ (1983): „Mehr jedoch als die zum großen Teil unbekannten Schauspieler sind die Trickspezialisten die wahren Stars dieses Films.“

Heute wird’s anders gesehen: „Der Film, der auf der Handlungsebene einem eher einfachen und klar strukturierten Muster folgt (…), eröffnet bei genauerer Betrachtung vielschichtige Bedeutungsebenen, die vor allem zahlreiche Reflexionen über die neuzeitliche Realitätsauffassung und den damit verbundenen Humanitätsbegriff zulassen.“ (Fabienne Will in Thomas Koebner, Hrsg.: Filmgenres Science Fiction, 2003)

„Twenty-five years after its first release Blade Runner is still the benchmark film in tech noir or future noir – a bleak fusion of sci-fi and noir.“ (Alexander Ballinger, Danny Graydon: The Rough Guide to Film Noir, 2007)

Mit Harrison Ford, Rutger Hauer, Sean Young, Edward James Olmos, M. Emmet Walsh, Daryl Hannah, Joanna Cassidy

Hinweise

Homepage zum Film

Wikipedia über „Blade Runner“ (deutsch, englisch)

Schnittberichte: Vergleich Director’s Cut – Final Cut

Homepage von Philip K. Dick


Vorschläge für Deutschen Katzen-Krimi-Preis gesucht

September 3, 2010

Ich gestehe, ich habe noch nie einen Katzenkrimi gelesen.

Ich gestehe, meine Lektüreerfahrung von Tierkrimis geht gegen Null.

Ich gestehe, dass dieser Trend bislang von mir ignoriert wurde.

Aber ich will mich bessern.

Ehrlich. Als erstes Zeichen tätiger Reue veröffentliche ich hier und jetzt alle Informationen zum Deutschen Katzen-Krimi-Preis:

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Landesverband Berlin-Brandenburg ruft zum Wettbewerb um den 1. Deutschen Katzen-Krimi-Preis auf. Bis zum 15. September 2010 können Vorschläge für den besten deutschsprachigen Katzen-Krimi eingereicht werden. Eine unabhängige Jury wird am 25. November 2010 im Rahmen der Berliner Katzen-Krimi-Nacht1. Deutschen Katzen-Krimi-Preis im Berliner »Theater im Palais am Festungsgraben« vergeben. erstmalig den

»Die Berliner Katzen-Krimi-Nacht und der Deutsche Katzen-Krimi-Preis tragen der ständig gewachsenen Popularität des Katzenkrimis Rechnung und wollen herausragende Katzenkrimis aus der Feder deutschsprachiger Autorinnen und Autoren in den Vordergrund stellen«, teilt Verbandsgeschäftsführer Detlef Bluhm mit. »Entstanden ist die Idee dazu übrigens in einem Facebook-Dialog zwischen der Autorin und Übersetzerin Silvija Hinzmann und Kater Paul, einer singulären Erscheinung auf Facebook, die bei vielen Katzen- und Facebook-Freunden bereits Kultstatus genießt.«

Vorschläge für den besten deutschsprachigen Katzen-Krimi können auf Facebook in der Gruppe »Katzenkrimi« auf Kater Pauls Account, per Post (Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Lützowstraße 33, 10785 Berlin) oder per Mail (1KaterPaul1@googlemail.com) eingereicht werden. Für den Preis können alle Katzen-Kriminalromane und -erzählungen deutschsprachiger Autorinnen und Autoren nominiert werden, die von 2008 bis zum 31. August 2010 gedruckt oder als E-Book erschienen sind. Die Vorschläge werden am 16. September auf Kater Pauls Blog (www.katerpaul.wordpress.com) veröffentlicht. Dort entsteht bis zum 3. Oktober durch Stimmabgabe des Publikums die fünf Titel umfassende Shortlist, die am 4. Oktober, dem Eröffnungstag der Frankfurter Buchmesse, veröffentlicht wird. Zur Jury, die aus der Shortlist die Preisträgerin oder den Preisträger ermittelt, zählen Detlef Bluhm, Christiane Gass, Elisabeth Herrmann und ein prominentes Überraschungsmitglied, das ebenfalls zur Frankfurter Buchmesse bekannt gegeben wird. Der Deutsche Katzen-Krimi-Preis ist nicht dotiert. Die Berliner Katzen-Krimi-Nacht und der Deutsche Katzen-Krimi-Preis werden finanziell unterstützt von den Katzenartikelherstellern Gimborn und Royal Canin sowie dem Verlag Page & Turner.

Die Berliner Katzen-Krimi-Nacht findet im Rahmen der Veranstaltungsreihe STADT  LAND  BUCH statt. Vom 21. bis zum 28. November 2010 lädt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels Landesverband Berlin-Brandenburg unter der Beteiligung von Buchhandlungen, Verlagen und Bibliotheken aus Berlin und Brandenburg zu einem umfangreichen Programm mit Veranstaltungen rund um das Buch ein.

STADT  LAND  BUCH wird finanziell unterstützt von der Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Frauen und der Europäischen Union. Hauptsponsor der Veranstaltungsreihe ist der Aufbau Verlag.


TV-Tipp für den 3. September: Zeugin der Anklage

September 3, 2010

WDR, 23.15

Zeugin der Anklage (USA 1957, R.: Billy Wilder)

Drehbuch: Larry Marcus, Billy Wilder, Harry Kurnitz

LV: Agatha Christie: The Witness for the Prosecution, 1933 (Kurzgeschichte, ursprünglich erschienen in „The Hound Of Death And Other Stories”, Zeugin der Anklage)

Hat Leonard Vole eine reiche Witwe erschlagen? Für Staranwalt Sir Wilfried hängt alles von der Aussage von Voles Frau Christine ab.

Prototyp aller Gerichtsfilme und immer noch weitaus spannender als die jüngeren Gerichtsthriller (obwohl die Pointe bekannt sein dürfte), mit – in glänzender Spiellaune – Marlene Dietrich, Charles Laughton, Tyrone Power

Das Drehbuch war für einen Edgar nominiert. „Die zwölf Geschworenen“ gewann ihn.

Hinweise

Offizielle Agatha Christie-Homepage

Wikipedia über „Zeugin der Anklage“ (deutsch, englisch)


DVD-Kritik: The Texas Chainsaw Massacre – 35th Anniversary Edition

September 2, 2010

„The Texas Chainsaw Massacre“ ist ein Low-Budget-Horror aus den Siebzigern, der den Machern den Weg nach Hollywood ebnen sollte. Da bot sich ein Genrefilm, bevorzugt Horror oder Krimi, an, weil sie billig zu drehen sind und es immer ein Publikum für sie gibt. Dass er dann so erfolgreich wurde, überraschte alle Beteiligten. Dass er Eingang in die Popkultur finden würde, dass es ein ausgewachsenes Fantum geben würde und dass er stilbildend für viele weitere Horrorfilme werden würde, hätten die Macher sich in ihren kühnsten Träumen nicht vorgestellt.

Auch nicht, dass „The Texas Chainsaw Massacre“, im Gegensatz zu anderen Horrorfilm-Blockbustern, wie „Der Exorzist“ und „Das Omen“, die damals ebenfalls für Kontroversen sorgten, auch über 35 Jahre nach der Premiere nichts von seiner schockierenden Wirkung verloren hat.

Denn, wie George A. Romero in dem ebenfalls systemkritischen „Die Nacht der lebenden Toten“, inszenierte Tobe Hooper einen Alptraum, in den die jungen Protagonisten hineingeworfen werden und aus dem es kein Entkommen gibt. Sie sind plötzlich fremden Mächten ausgeliefert, die nicht mit ihnen reden wollen, sondern mit nackter Brutalität agieren. Damals war das auch ein sehr deutlicher Kommentar zum Vietnamkrieg, Watergate und dem brutalen Agieren des Staates gegen die Hippie-Bewegung und deren friedliche Antikriegsproteste.

In Tobe Hoopers „The Texas Chainsaw Massacre“ fahren fünf Jugendlichen, zwei Pärchen und der im Rollstuhl sitzenden Franklin, nach Texas um das Grab des Großvaters zu besuchen. Sie nehmen einen verrückten Anhalter mit, fahren an einem Schlachthof vorbei (was Franklin die Gelegenheit gibt, zu erzählen wie früher und heute Rinder getötet werden) und verirren sich in der texanischen Einöde. Sie erkunden ein leerstehendes Haus und entdecken ein weiteres Haus, in dem der geistig zurückgebliebene „Leatherface“ und seine Familie leben. Sie sind Kannibalen und das Haus ist ein bizarrer Schlachthof. „Leatherface“, der von dem plötzlichen Auftauchen der vielen Besucher überfordert ist, behandelt sie wie Schlachtvieh. Denn Tiere töten kann er. Am liebsten tötet er seine Opfer mit einem gezielten Hammerschlag auf den Kopf, aber auch die titelgebende Kettensäge erweist ihm gute Dienste. Pam hängt er an einem Fleischerhaken auf.

Der Höhepunkt des Schreckens ist für Sally, die einzige Überlebende der fünf Freunde, ein Abendessen mit der Kannibalenfamilie.

Diese Geschichte folgt den heute sehr ausgetretenen und oft auf Schocks reduzierten Pfaden der Urbanoia-Geschichten, in denen nette, harmlose, weiße Anfang Zwanzigjährige bei einem Ausflug ins platte Land auf eine Sippe degenerierter, gewaltlüsterner Hinterwäldler stoßen. Außerdem ließen die Drehbuchautor Kim Henkel und Tobe Hooper sich etwas von dem wahren Serienmörder Ed Gein inspirieren, der in den Fünfzigern in Wisconsin lebte. Aber im Gegensatz zu neueren Filmen, in denen die Leinwand in Blut getaucht wird und man alles sehen kann, werden in „The Texas Chainsaw Massacre“ die Morde nur angedeutet. So geschieht Leatherfaces erster Mord fast nebenbei, indem er Kirk mit einem gezielten Schlag auf den Kopf wie ein Tier tötet. Auch die anderen Morde spielen sich vor allem im Kopf des Zuschauers ab – und sind so viel wirkungsvoller.

Dafür nimmt Hooper sich viel Zeit, eine beängstigende Atmosphäre zu schaffen. Das beginnt schon in den ersten Minuten mit der Einleitung, in der betont wird, dass es sich um ein wahres Ereignis handelt (was natürlich Quatsch ist, denn die Ereignisse in dem Film finden nach dem Ende der Dreharbeiten statt) und den folgenden Schnappschüssen von teilweise mumifizierten und verwesten Menschenteilen, den Bildern von den beiden verwesten Leichen, die auf einem texanischen Friedhof in der Gluthitze zur Schau gestellt wurden, und den Sonneneruption. Ein Radiosprecher berichtet von unerklärlichen Gewalttaten. Die unüblichen Aufnahmewinkel, meistens aus der Untersicht, und die minimalistische Musik, die eher eine experimentelle Klangcollage ist, verstärken die bedrohliche Atmosphäre.

Es ist klar, dass im Staate Texas etwas nicht stimmt.

Der verrückte Anhalter, der sich in die Hand schneidet, und eine zurückgebliebene Putzkraft an einer Tankstelle, die kein Benzin mehr hat, verstärken dieses Gefühl einer diffusen Bedrohung, das erst im Haus der Familie greifbar wird. Da lebt „Leatherface“, der immer mit einer Ledermaske herumläuft und nur unartikulierte Töne ausstößt. Die Möbel sind aus Knochen gefertigt, auf dem Boden liegen Hühnerfedern und Knochen, an den Fenstern und den Decken baumeln Mobiles aus Knochen und ein Huhn ist in einen viel zu kleinem Vogelkäfig eingesperrt.

Und bis dahin haben wir den Rest der Familie und Großvater noch nicht kennen gelernt.

Aus dem kurzen Ausflug an einem sonnigen Sommertag wird ein von Tobe Hooper beeindruckend konsequent inszenierter Alptraum, aus dem es für die Jugendlichen kein entkommen gibt.

Und weil Hooper nicht die Schocks, sondern Suspense, gepaart mit einer ordentlichen Portion Paranoia, ins Zentrum stellte, ist „The Texas Chainsaw Massacre“ ein auch heute noch zutiefst beunruhigender Film, der einerseits als Fabel auf die damalige Zeit, aber auch sehr einfach auf die Gegenwart bezogen werden kann.

Außerdem, das wird heute, nach dem Genuss der abertausend Epigonen gern vergessen, begründete „The Texas Chainsaw Massacre“ ein Subgenre.

„The Texas Chainsaw Massacre“ als Lehrstunde des deutschen Rechts

Fast überall hatte „The Texas Chainsaw Massacre“ Probleme mit der Zensur. Teilweise war er sogar verboten. Aber in den vergangenen Jahren erfuhr Hoopers Film fast überall eine Neubewertung und Erwachsene, oft auch Jugendliche, dürfen sich den Horrorfilm-Klassiker ansehen.

In Deutschland hatte der Film wegen dem Titel und der Handlung bereits vor der Kinoauswertung 1978 einige Probleme mit der Freiwilligen Selbstkontrolle (FSK). Am 25. August 1978 startete „Blutgericht in Texas“, erleichtert um einige Handlungsszenen, in den deutschen Kinos und war auch hier ein Hit.

In den Achtzigern eroberten Videorekorder die heimischen Wohnzimmer und zu den beliebtesten Filmen gehörten Myriaden billiger Sex-, Gewalt- und Horrorfilme. Gleichzeitig gab es zum Schutz der gefährdeten Jugendlichen eine Welle von Beschlagnahmungen und Indizierungen. Genrefans erinnern sich vor allem an den seit 1983 mehrfach beschlagnahmten „Tanz der Teufel“ (von „Spider-Man“-Regisseur Sam Raimi) oder an Lucio Fulcis „Ein Zombie hing am Glockenseil“ (allein der Titel versetzte die Sittenwächter in höchste Erregung).

Auch „The Texas Chainsaw Massacre“ wurde damals zuerst indiziert (also: nur noch unter der Ladentheke erhältlich) und dann verboten (also: gar nicht mehr erhältlich). Der Beschlagnahmebeschluss vom 23. Dezember 1985 vom Münchner Landgericht 1 wegen Gewaltverherrlichung ist wegen seiner Argumentation („keine Kunst“) und Beobachtungsgabe (es wird der Film beschrieben, der sich im Kopf des Zuschauers abspielt, aber nicht die zu sehenden Bilder) legendär:

„Der Film ‚Ketten-Sägen-Massaker‘ ist sicher kein Werk der Kunst, so dass bereits aus diesem Grunde auf die Bedeutung des Kunstvorbehalts des Art. 5 Abs. 3 GG nicht eingegangen zu werden braucht. Nach alledem stellt der Film weder eine Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte dar (§ 131 Abs. 2 StGB) noch zielt er auf das kritische Bewusstsein des Betrachters ab. Er liefert auch keinen Denkanstoß hinsichtlich der Problematik der Ursachen von grausamer Gewalt, sondern er versteht sich als Horrorfilm, der von brutalen und geschmacklosen Szenenfolgen lebt.“

Seitdem gab es den Film in Deutschland nicht mehr. Jedenfalls nicht mehr ungekürzt. Einige Bootlegs (die dann auch verboten wurden) und eine höchstens für Sammler von Absurditäten interessante Ab-16-Version, in der wirklich jede bekannte Szene aus dem Film gekürzt wurde, gab es zu kaufen.

Weil der Film inzwischen allgemein als Horrofilmklassiker und auch als Filmklassiker anerkannt ist und ein runder Geburtstag eine gute Gelegenheit ist, eine umfassende Geburtstagsedition auf den Markt zu werfen, erwarb Turbine Medien 2008 die Heimvideorechte. Sie ließen einige Gutachten erstellen, die dem Film die strafrechtliche Unbedenklichkeit bescheinigten und als sie der Bundesprüfstelle den Film zeigten, wurde ihr Anliegen wohlwollend aufgenommen. Turbine Medien befürchtete sogar eine Freigabe ab 16 Jahren.

Aber dann sagte ihnen der Vorsitzende der Bundesprüfstelle, dass sie den Film nicht prüfen könnten, weil er verboten sei. Eine Neuprüfung und damit eine mögliche Listenstreichung sei nur möglich, wenn eine Gesetzesänderung stattfände, eine nachfolgende rechtskräftige Gerichtsentscheidung die strafrechtliche Relevanz verneine, die Auslegung des Straftatbestandes sich zwischenzeitlich durch bundesgerichtliche oder obergerichtliche Rechtssprechung ändere oder die ursprüngliche gerichtliche Entscheidung aufgehoben werde.

In der Kurzfassung heißt das: Wenn in Deutschland ein Kunstwerk einmal verboten ist, ist es für immer verboten.

Denn es wird sich nur selten ein Filmanbieter finden, der ein teures Gerichtsverfahren mit einem sehr ungewissen Ausgang riskiert. Wobei es natürlich zuerst einen Staatsanwalt geben muss, der ein entsprechendes Verfahren initiiert.

Auch Turbine Medien vertreibt die „The Texas Chainsaw Massacre“-Geburtstags-Edition derzeit nur in Österreich. In Deutschland versuchen Turbine Medien und ihre Anwälte immer noch eine Freigabe des Films zu erreichen, damit wenigstens Erwachsene den Film in Deutschland kaufen dürfen. Denn derzeit ist „The Texas Chainsaw Massacre“ zu gefährlich für Erwachsene.

„The Texas Chainsaw Massacre“ – die „35th Anniversary Edition“

Die von Turbine Medien erstellte Geburtstagsedition ist das Rundum-glücklich-Paket für den Fan. Es gibt den Film, digital remastered, mit einer vollständigen deutschen Synchronisation und der alten deutschen Synchronisation, auf Blu-Ray und DVD. Das Bild ist atemberaubend gut. Die beiden Audiokommentare sind informativ, aber wer vorher die Dokumentationen auf der Bonus-DVD gesehen hat, erfährt wenig neues.

Auf der dritten DVD gibt es gut drei Stunden sehr informatives Bonusmaterial. Besonders die siebzigminütige Dokumentation „The Shocking Truth“ ist sehr gelungen. Die ebenfalls siebzigminütige Doku „Flesh Wounds“ wirkt dagegen etwas wie eine Zusammenstellung von aus „The Shocking Truth“ geschnittenen Szenen. Denn in „Flesh Wounds“ kommen, neben einigen am Film „The Texas Chainsaw Massacre“ beteiligte Personen, mehrere Fans und Organisatoren von Horrorfilm-Veranstaltungen zu Wort. In dem achtminütigem „Das TCM-Haus“ führt „Leatherface“ Gunnar Hansen (dessen Darstellung von Leatherface gar nicht genug gelobt werden kann) durch das Haus, in dem sie 1973 den Film drehten und das heute ein Familienrestaurant ist.

Weil in dem gesamten Bonusmaterial durchgängig die Fan-Perspektive eingenommen wird, wären für eine zweite Auflage ein dritter Audiokommentar von einem Filmwissenschaftler und eine Dokumentation über die Zensurgeschichte von „The Texas Chainsaw Massacre“ (besonders natürlich der deutschen Zensurgeschichte) wünschenswert.

Bis dahin ist die „35th Anniversary Edition“ von Turbine Medien die definitive Veröffentlichung des Films.

The Texas Chainsaw Massacre (The Texas Chainsaw Massacre, USA 1974)

Regie: Tobe Hooper

Drehbuch: Kim Henkel, Tobe Hooper

mit Marilyn Burns, Allen Danziger, Paul A. Partain, William Vail, Teri Mcminn, Edwin Neal, Jim Siedow, Gunnar Hansen

auch bekannt als „Blutgericht in Texas“

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DVD/Blu-Ray

35th Anniversary Edition (Film auf Blu Ray und DVD, Bonusmaterial auf Extra-DVD, digitally remastered, mit durchgängig deutscher Synchronisation)

Turbine Medien

Bild: 1080p24 Full HD (1,78:1) (Blu-Ray), 16:9 anamorph (1,78:1) (DVD)

Ton: Englisch (Dolby Digital 5.1, Surround, 2.0 Stereo), Deutsch (Dolby Digital 5.1 Surrond, 2.0 Mono)

Untertitel: Deutsch für Hörgeschädigte, Deutsch, Englisch

Bonusmaterial (circa 160 Minuten): Multi-Angle Introtext in Englisch und Deutsch, Audiokommentar mit Regisseur Tobe Hooper, Kameramann Daniel Pearl, und Gunnar Hansen (Leatherface), Audiokommentar mit den Darstellern Marilyn Burns, Paul A. Partain, Allen Danzinger und Art Director Robert A. Burns, „The Shocking Truth“ (Dokumentation), „Flesh Wounds“ (Dokumentation), „Off the Hook“ (Dokumentation), Eine Führung durch das TCM-Haus mit Gunnar Hansen, Entfernte Szenen, Outtakes, Bloopers, Kino-Trailer (USA, D), US-TV- und Radio-Spots, „The Shocking Truth“-Outtakes

Länge: 84 Minuten

FSK: – (in Deutschland verboten, Verkauf in Österreich legal)

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Präsentation der DVD, mit anschließender Diskussion

Am Samstag, den 4. September 2010, präsentieren das Filmkunst 66, die Humanistische Union, One World Berlin/realeyz.tv und Turbine Medien um 22.30 Uhr im Berliner Kino Filmkunst 66 Tobe Hoopers Debütfilm „The Texas Chainsaw Massacre“ nach vielen Jahren wieder auf der großen Leinwand.

Nach der Filmvorführung diskutieren wir mit

Dr. Stefan Höltgen (Medienwissenschaftler, F.LM – Texte zum Film)

und

René Bahns (wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Juristischen Fakultät der Humboldt-Universität, Promotion zum Thema „Indizierung von Filmen“)

über die filmhistorische und gesellschaftliche Bedeutung von „The Texas Chainsaw Massacre“ und die bundesdeutsche Verbotspolitik bei Kunstwerken.

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Hinweise

Homepage zum Film

Wikipedia über „The Texas Chainsaw Massacre“ (deutsch, englisch)

Schnittberichte: Vergleich FSK-16 – ungeprüft; Vergleich VPS Tape – L. P. (mit einigen historischen Texten und Covers); Vergleich SPIO/JK VHS – Österreichische DVD (ebenfalls mit vielen Covers und Plakaten)

Photobucket: umfangreiche Bildersammlung zu „The Texas Chainsaw Massacre“

Heise: Stefan Höltgen: Schwere Erwachsenengefährung (zum Verbot von TCM in Deutschland, 3. Juli 2010)

Berliner Zeitung: Thomas Klein über den verstaubten Umgang der deutschen Zensur mit Gewaltdarstellungen im Film (13. März 2004)

Kriminalakte über „The Texas Chainsaw Massacre“ (umfangreiche Veranstaltungsankündigung)


TV-Tipp für den 2. September: Die Axt

September 2, 2010

Arte, 21.00

Die Axt (F/B/E 2005, R.: Constantin Costa-Gavras)

Drehbuch: Constantin Costa-Gavras, Jean-Claude Grumberg

LV: Donald E. Westlake: The Ax, 1997 (Der Freisteller)

Der nicht mehr ganz junge Chemiker Bruno hat nach zwei Jahren erfolgloser Jobsuche die Faxen dicke. Er gibt eine Stellenanzeige auf und bringt seine Jobkonkurrenten um.

Bitterböse Satire auf den Kapitalismus, die von Jobsuchenden hoffentlich nicht als Vorbild genommen wird.

Stellvertretend für die vielen positiven Besprechungen: „Im Zeichen von Massenarbeitslosigkeit, Chancenlosigkeit und Globalisierungsdruck drehte Costa-Gavras … eine rabenschwarze Farce, die die Gegenwart nicht gerade in freundliches Licht taucht, und bei der das Lachen mehr als einmal ihm Halse stecken bleibt. Erschreckend an dieser Moritat auf der Folie einer durch und durch sexistisch aufgeladenen Gesellschaft ist vor allem, dass hier ein wohlsituierter Kleinbürger unter dem Druck der Umstände nicht nur zum Verbrecher und Mörder wird, sondern unter dem scheinbaren Zwang, seine Familie schützen zu müssen, ohne weiteres faschistoides Gedankengut produziert.“ (Lexikon des internationalen Films)

Mit José Garcia, Karin Viard, Geordy Monfils, Christa Theret, Ulrich Tukur, – in Nebenrollen einige Autoren und Regisseure – Jean-Claude Grumberg, John Landis, Julie Gavras (Tochter von Constantin Costa-Gavras), Donald E. Westlake (Cameo als alter Mann im Arbeitsamt)

Auch bekannt als “Jobkiller – Eine mörderische Karriere”

Wiederholung: Dienstag, 7. September, 03.00 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Hinweise

Homepage von Donald E. Westlake

Kriminalakte: Nachruf auf Donald E. Westlake

Kriminalakte: Covergalerie Donald E. Westlake

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „What’s so funny?“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Roman „Watch your back!“

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes Dortmunder-Kurzroman „Die Geldmacher“ (Walking around money; erschienen in „Die hohe Kunst des Mordens“ [Transgressions])

Meine Besprechung von Donald E. Westlakes „Mafiatod“ (361, 1962)

Meine Vorstellung von Westlakes als Richard Stark geschriebener Parker-Serie (mit „Nobody runs forever“)

Meine Besprechung von Richard Starks Parker-Romans „Ask the Parrot“

Meine Doppelbesprechung von Richard Starks Parker-Romanen „Fragen Sie den Papagei“ (Ask the Parrot) und „Dirty Money“

Meine Besprechung des Films “The Stepfather”, nach einem Drehbuch von Donald E. Westlake


Monsieur Thibert besucht die „Suite Noire“

September 1, 2010

Gabriel Landry ist der Leiter eines großen, in der tiefsten Provinz liegendem Verkaufsgebietes für PVC-Fensterrahmen an die dort lebenden Bauern. Sein ganzer Stolz ist ein gerade gekaufter Porsche Cayenne, der das offensichtliche Symbol für seinen Erfolg als Vertreter ist. Er ist verheiratet, hat zwei Kinder und ist am Abschlussabend des Lehrgangs für die neuen Vertreter, wieder einmal, einem Seitensprung mit einer der neuen, jungen Vertreterinnen nicht abgeneigt. Landry ist ein auf seinen Status und den äußeren Schein fixierter, überheblicher Bourgeois. Deshalb nimmt er an dem Abend mit der ebenfalls alkoholisierten Vertreterin auf dem Beifahrersitz seines Porsches, als er eine Polizeikontrolle sieht, eine Abkürzung, fährt zu schnell, rammt einen Kleinwagen, ist zuerst nur um seinen Porsche besorgt, hört dann ein Baby schreien, setzt das andere Auto mit der toten Fahrerin und dem Baby in Brand und wird dabei dummerweise von seiner Beifahrerin, die inzwischen aufgewacht ist, beobachtet. Also muss auch sie sterben. Dann verschafft er sich ein Alibi und die Sache könnte er auf sich beruhen lassen, wenn er nicht eine ordentliche falsche Spur legen möchte und deshalb weitere Morde begehen muss.

„Nächste Ausfahrt Mord“ von Colin Thibert ist eine weitere, sehr kurzweilige, schwarzhumorige Variante der Geschichte des Biedermannes, der durch einen Zufall jemand tötet und, weil er sein bürgerliches Leben schützen möchte, weitere Morde begehen muss. Gleichzeitig ist, was regelmäßige Leser französischer Krimis nicht erstaunt, Landry ein arrogantes Arschloch, dem man alles Schlechte wünscht. Und weil die Geschichten in der von Jean-Bernard Pouy herausgegebenen „Suite Noire“ nur hundert Seiten haben dürfen, bleibt den Autoren keine Zeit für zeitraubende Umwege und Subplots. Stattdessen wird der Hauptplot angenehm zügig zu Ende erzählt.

Neben der Länge ist jedes „Suite Noire“-Buch eine Hommage an einen älteren Kriminalroman ist. Colin Thibert wählte Stephen Marlowes 1955 erschienener Krimi „Turn Left for Murder“, der in Frankreich „Virage à la corde“ heißt, aus.

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Colin Thibert: Nächste Ausfahrt Mord

(übersetzt von Katarina Grän)

Distel Literaturverlag, 2010

108 Seiten

10 Euro

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Originalausgabe

Vitrage à la corde

Éditions La Branche, 2007

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Verfilmung

Vitrage à la corde (Frankreich 2009)

Regie: Laurent Bouhnik

Drehbuch: Bibi Naceri

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Hinweise

Homepage der „Suite Noire“ (englische Version)

Seite der Éditions La Branche über die „Suite Noire“

Wikipedia über Colin Thibert

Polar Noir über Colin Thibert

Meine Besprechung von Patrick Raynals „Suite Noire“-Buch „Landungsbrücke für Engel“ (Le débarcadère des anges, 2007)

Meine Besprechung von Bibi Naceris „Go Fast“ (er schrieb das Drehbuch für den Franco-Krimi)


TV-Tipp für den 1. September: Das Öl-Zeitalter

September 1, 2010

Arte, 20.15

Das Öl-Zeitalter (F 2009, R.: Patrick Barbéris)

Insgesamt knapp zweistündige Doku (genaugenommen ist „Das Öl-Zeitalter“ ein Zweiteiler, der in einem Rutsch gezeigt wird) über den Zusammenhang von Öl, Politik und Wirtschaft.

Weitere Infos gibt es auf der umfangreichen Arte-Seite zur Doku.

Wiederholung

Dienstag, 7. September, 10.25 Uhr (außerdem, jederzeit, sieben Tage in der Arte-Mediathek)


„100 Bullets“ für „Loveless“?

August 31, 2010

Gleich zwei Serien von Brian Azzarello steuern auf ihr Ende zu. Einmal die geniale, auf hundert Hefte angelegte Noir-Serie „100 Bullets“, einmal die eher konfuse Westernserie „Loveless“, die ursprünglich als ein großes Epos geplant war, aber nach 24 Heften eingestellt wurde.

Bereits in den ersten „Loveless“-Heften fragte man sich, was Brian Azzarello da eigentlich anstellt. Die Prämisse (Wes Cutter kehrt aus dem Krieg zurück und will sich rächen) ist einfach, aber tragfähig. Die Idee, die Zeit nach dem Bürgerkrieg ungeschminkt zu zeigen, verspricht durchaus einige spannende Geschichten, die ein unbekanntes Licht auf die amerikanische Geschichte werfen und gegen einen zünftigen Western ist auch nichts einzuwenden. Besonders wenn die ersten Seiten einen Mix aus Spaghetti-Western und Deadwood versprechen. Aber schon in den ersten Heften wurde die Rachegeschichte zugunsten verschiedener heftlanger Episoden und unmotivierter Aktionen von Wes Cutter, die vielleicht die Bewohner von Blackwater provozieren, ihn aber nicht näher an sein Ziel bringen, vernachlässigt. Am Ende des zweiten „Loveless“-Bandes „Begraben in Blackwater“ gab es dann den großen Schock: Wes Cutter wird von einem gedungenen Mörder erschossen.

Im dritten, jetzt erschienenen Band „Saat der Vergeltung“ nimmt Cutters Frau Ruth das Heft des Handelns in die Hand. Immerhin hat sie jetzt einen weiteren Grund, sich an den Einwohnern von Blackwater und den dort brutal agierenden Nordstaaten-Soldaten zu rächen. Aber vor der Rache gibt es erst einmal ein Bündel Charakterstudien, die den einzelnen Charakteren mehr Tiefe verleihen, ohne den Hauptplot (der jetzt wohl ‚Ruth Cutter will sich rächen‘ ist) erkennbar voranzutreiben. Dafür erzählt Azzarello in der drei Hefte umfassenden Geschichte „Stunde der Abrechnung“, wie ein ultrabrutaler Nordstaatler den Grundstein für den Klu Klux Klan legt und es entsteht langsam ein düsteres Bild, wie sich der Hass zwischen Nord- und Südstaatlern, politische und ökonomische Interessen miteinander verknüpfen. Es bleibt aber immer noch die Frage, wie das alles in dem vierten und abschließendem, für Ende September angekündigten „Loveless“-Band „Stunde der Abrechnung“ enden soll.

Wie das Enden soll fragt man sich auch bei „100 Bullets“. Denn Autor Brian Azzarello und Zeichner Eduardo Risso haben nur noch siebzehn Hefte um den Kampf zwischen den Minutemen und den verschiedenen Häusern des Trusts zu einem sicher für viele Charaktere tödlichem Ende zu führen und die vielen offenen Fragen zu klären.

In dem elften „100 Bullets“-Sammelband „Das Einmaleins der Macht“ springen Azzarello und Risso so sehr zwischen den einzelnen Subplots und Zeitebenen, dass die Geschichte kaum noch nacherzählt werden kann.

Aber das ist auch irgendwie müßig. Denn die „100 Bullets“-Fans werden die Story verschlingen, Neueinsteiger werden sich im elften „100 Bullets“-Sammelband sehr verloren vorkommen. Daran ändert auch die kurze Zusammenfassung am Anfang des Buches nichts.

Hier muss wirklich mit dem ersten Heft begonnen werden. Denn letztendlich ist kein Charakter und keine Geschichte überflüssig. Sie alle (Tote ausgenommen) tauchen irgendwann wieder auf und oft erscheint ihr früheres Handeln in einem neuen Licht.

Im Gegensatz zu der verunglückten Westernserie „Loveless“ (außer Brian Azzarello findet noch einen überraschenden Abschluss) ist die Noir-Serie „100 Bullets“ absolut empfehlenswert.

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Brian Azzarello/Danijel Zezelj/Werther Dell’Edera: Loveless – Saat der Vergeltung (Band 3)

(übersetzt von Bernd Kronsbein)

Vertigo/Panini 2010

148 Seiten

16,95 Euro

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Originalausgabe

Loveless – Blackwater Falls

Vertigo Comics, 2008

(die Originalausgabe enthält Volume 13 – 24)

Die deutsche Ausgabe Volume 13 – 18, Vertigo Comics 2007

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Brian Azzarello/Eduardo Risso: 100 Bullets – Das Einmaleins der Macht (Band 11)

(übersetzt von Claudia Fliege)

Vertigo/Panini 2010

196 Seiten

19,95 Euro

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Originalausgabe

100 Bullets – Once upon a crime

Vertigo, 2007

(enthält Volume 27 – 83, DC Comics 2006/2007)

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Hinweise

Wikipedia über „100 Bullets“ (deutsch, englisch)

Britische Fanseite zu „100 Bullets“

News A Rama: Interview mit Brian Azzarello (Oktober 2006)

UGO: Interview mit Brian Azzarello (circa 2006)

Comics Bulletin: Interview mit Brian Azzarello (circa 2006/2007)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “Jonny Double” (Jonny Double, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins “Loveless 1 – Blutrache” (Loveless: A Kin’ of Homecoming, 2006)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Marcello Frusins „Loveless 2 – Begraben in Blackwater“ (Loveless: Thicker than Blackwater, 2007)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos “100 Bullets 3 – Alle guten Dinge” (100 Bullets: Hang up on the Hang Low, 2001)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets 5 – Du sollst nicht töten“ (100 Bullets Vol. 5: The Counterfifth Detective, 2002)

Meine Besprechung von Brian Azzarello/Eduardo Rissos „100 Bullets – Dekadent (Band 10)“ (100 Bullets: Decayed, Volume 68 – 75)


Cover der Woche

August 31, 2010


TV-Tipp für den 31. August: Wenn der Postmann zweimal klingelt

August 31, 2010

HR, 23.30

Wenn der Postmann zweimal klingelt (USA 1981, R.: Bob Rafelson)

Drehbuch: David Mamet

LV: James M. Cain: The postman always rings twice, 1934 (Wenn der Postmann zweimal klingelt, Die Rechnung ohne den Wirt)

Frank Chambers verliebt sich in Cora, die gelangweilte Frau des Tankstellenbesitzers Nick. Gemeinsam planen sie seinen Tod.

Düsteres Drama mit Jack Nicholson und Jessica Lange. – Das schmale Buch von Cain wurde fünfmal verfilmt und mindestens drei Verfilmungen sind Klassiker: „Ossione“ (I 1942, R.: Lucino Visconti), „Die Rechnung ohne den Wirt“ (USA 1946, R.: Tay Garnett) und „Wenn der Postmann zweimal klingelt“.

Hinweise

Wikipedia über James M. Cain (deutsch, englisch)

Kirjasto über James M. Cain

Krimi-Couch über James M. Cain

Mordlust über James M. Cain

Meine Besprechung von David Mamets “Bambi vs. Godzilla – Über Wesen, Zweck und Praxis des Filmbusiness” (Bambi vs. Godzilla – On the Nature, Purpose, and Practice of the Movie Business, 2007)

David Mamet in der Kriminalakte


„The Road“ – der deutsche Trailer

August 30, 2010

Am 7. Oktober startet John Hillcoats tolle Cormac-McCarthy-Verfilmung „The Road“ (Die Straße, Rowohlt) endlich auch in Deutschland. Joe Penhall schrieb das Drehbuch, die Musik ist von Nick Cave und Warren Ellis und Viggo Mortensen, Kodi Smit-McPhee, Charlize Theron, Robert Duvall, Guy Pearce und Molly Parker spielen mit. Trotz der Besetzung ist „The Road“ im wesentlichen ein Zwei-Personen-Stück.

Zum Filmstart gibt es meine Jubelrezension (Yep: Film gesehen, begeistert). Bis dahin gibt es den Trailer:


TV-Tipp für den 30. August: Der Elefantenmensch

August 30, 2010

MDR, 22.50

Der Elefantenmensch (GB 1980, R.: David Lynch)

Drehbuch: Christopher de Vore, Eric Bergren, David Lynch

LV: Frederick Treves: The Elephant Man and Other Reminiscences (1923); Ashley Montagu: The Elephant Man: A Study in Dignity (1942)

Im viktorianischem England entdeckt der Arzt Frederick Treves auf einem Jahrmarkt den durch das Proteus-Syndrom und multiple Neurofibromatose grauenhaft entstellten John Merrick, der dort als „Elefantenmensch“ der sensationsgeilen Masse präsentiert wird. Treves nimmt ihn als neues Forschungsobjekt zu sich.

Atmosphärische SW-Verfilmung eines wahren Falles. Der von Mel Brooks produzierte Film war ein gewaltiger Erfolg und David Lynchs Karte nach Hollywood. Sein nächster Film war „Dune – Der Wüstenplanet“.

mit Anthony Hopkins, John Hurt, Anne Bancroft, John Gielgud, Wendy Hiller, Freddie Jones

Hinweise

Wikipedia über „Der Elefantenmensch“ (deutsch, englisch)

Time Out: Tom Huddeston interviewt David Lynch über „Der Elefantenmensch“

Homepage von David Lynch

Deutsche David-Lynch-Seite

Wikipedia über David Lynch


TV-Tipp für den 29. August: 8 Blickwinkel

August 29, 2010

Pro7, 20.15

8 Blickwinkel (USA 2008, R.: Pete Travis)

Drehbuch: Barry L. Levy

Salamanca, Spanien, großer Antiterrorgipfel: der amerikanische Präsident will auf dem Marktplatz eine Rede halten. Da wird er erschossen und eine Bombe explodiert. Sein Leibwächter Thomas Barnes hat aber etwas gesehen und er nimmt die Spur auf.

„8 Fremde, 8 Sichtweisen, 1 Wahrheit“ lautet der Werbespruch, der ziemlich genau die erzählerische Pointe des Films verrät. Denn das Ereignisse vor, während und nach dem Attentat werden aus acht verschiedenen Sichtweisen erzählt und am Ende gibt es eine atemberaubende Autoverfolgungsjagd. Das unterhält prächtig über die knapp neunzig Minuten und ist filmisch und darstellerisch auch sehr gut gelöst. Denn mit den verschiedenen Blickwinkeln ändert sich auch immer der Blick auf die Ereignisse und die beteiligten Personen.

Dass der ganze Attentatsplan, wenn man genauer darüber nachdenkt, ziemlich konstruiert ist, fällt einem erst nach dem Abspann auf.

mit Dennis Quaid, Matthew Fox, Forest Whitaker, Sigourney Weaver, William Hurt, Edgar Ramirez, Ayelet Zurer, Bruce McGill, Zoe Saldana

Wiederholung: Montag, 30. August, 02.15 Uhr (Taggenau!)

Hinweise

Deutsche Homepage zum Film

Amerikanische Homepage zum Film

Film-Zeit über „8 Blickwinkel“

Los Angeles Times über Barry Levy


„Verbotene Filme“ in Berlin

August 28, 2010

Aus zuverlässiger Quelle habe ich erfahren, dass die Veranstalter des zweitägigen Symposiums „Verbotene Filme“ noch einige Anmeldungen annehmen. Wer also immer noch überlegt, ob er die „Verbotenen Filme“ (mit einer sinnlichen Einführung am Vorabend der Tagung in Kino Arsenal) in der Deutschen Kinemathek (Potsdamer Platz) besuchen soll, wird durch einen Blick auf das Programm sicher überzeugt:

Mittwoch, 8. September

20.00 Uhr

Im Reich der Sinne (J/F 1976) | Regie: Nagisa Oshima (Filmvorführung)

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Donnerstag, 9. September

10.00 Uhr

Begrüßung, Eröffnung

Dr. Rainer Rother | Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek

Dr. Paul Klimpel | Verwaltungsdirektor der Deutschen Kinemathek

10.30 Uhr

Was ein Filmemacher alles tun muss, um einen Film rechtlich abzusichern

Hannes Stöhr | Regisseur, Drehbuchautor und Produzent

10.50 Uhr

Einführung in die juristischen Grundbegriffe

Christlieb Klages | Rechtsanwalt, Hertin Anwaltssozietät

11.20 Uhr

Rechtliche Restriktionen in Deutschland und China

Peiqi Han | Dozentin, Ostasiatisches Institut der Universität Leipzig

11.40 Uhr

Legal clarification in the US

Michael C. Donaldson | Attorney and author, Donaldson & Callif Law Firm, Los Angeles

Block 1: Fime, die nicht gezeigt werden

13.00 Uhr

Vom „Reich der Sinne” ins Visier der Staatsanwaltschaft

Ulrich Gregor | Filmhistoriker und Mitbegründer der Freunde der Deutschen Kinemathek e. V.

13.20 Uhr

Rechtliche Bewertung des Falles „Im Reich der Sinne”

Christlieb Klages

14.00 Uhr

Beruf Neonazi (D 1993) – Ein verbotener Film?

Winfried Bonengel | Regisseur und Autor

14.20 Uhr

Rechtliche Bewertung von „Beruf Neonazi”

Christlieb Klages

15.20 Uhr

Hitlers Hitparade (D 2003) – über die Fallstricke der Rechteklärung

C. Cay Wesnigk | Regisseur, Autor und Produzent

15.40 Uhr

Paul is Dead (D 2000) – ein Film nur für das Fernsehen?

Hendrik Handloegten | Regisseur

16.00 Uhr

Was im Fernsehen Recht ist, muss das auch dem Kino billig sein?

Podiumsgespräch mit

Hendrik Handloegten | Regisseur

C. Cay Wesnigk | Regisseur, Autor und Produzent

Dr. Mareile Büscher | Rechtsanwältin, Raue LLP

17.00 Uhr

Verwaiste Werke – nicht nur ein Problem der Archive. Die Vorschläge des öffentlich-rechtlichen Rundfunks

Peter Weber | Stellvertretender Justiziar, ZDF

18.00 Uhr

Beruf Neonazi, D 1993 (Regie: Winfried Bonengel)

Filmvorführung für die Teilnehmer des Symposiums

19.30 Uhr

Kurzfilmprogramm „Mashup-Rolle” (90 Min.)

Filmvorführung, kuratiert von Ilja Braun und Valie Djordjevic, iRights.info

ab 21.00 Uhr

Filmkunst trifft Netzkunst

Abendveranstaltung mit Mashups und Remixes und der Podiumsdiskussion

Ein anfälliges System? – Rechtsdurchsetzung im Internet und ihre Folgen

mit Dr. Matthias Leonardy, Geschäftsführer der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberechtsverletzungen (GVU) und Mario Sixtus, Journalist und „Elektrischer Reporter“

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Freitag, 10. September

Block 2: Filme, die nicht gemacht werden

10.00 Uhr

Die Schere im Kopf

Prof. Dr. Peter Raue | Rechtsanwalt, Raue LLP

10.20 Uhr

Untold Stories

Michael C. Donaldson | Attorney and author, Donaldson & Callif Law Firm, Los Angeles

Block 3: Filme, die es gar nicht geben dürfte

11.30 Uhr

Neue Wege, neue Filme – das Internet als Verbreitungsmedium von rechtlich problematischen Bewegtbildern

Dr. Till Kreutzer | Rechtsanwalt & Autor, iRights.info

13.30 Uhr

Das Internet als Kunstmaschine: Bedingt eine neue Technik eine neue Ästhetik?

Podiumsdiskussion mit

Susanne Gerber | Künstlerin

Kathrin Becker | Kuratorin und Leiterin des Video-Forums des Neuen Berliner Kunstvereins

Stefan Eckel | reproducts.de, Medienarchäologe und Videokünstler

Moderation: Valie Djordjevic | iRights.info

15.00 Uhr

Arts and politics: How political is the remix and mash-up culture?

Panel discussion with

Johan Söderberg | Editor, director and audiovisual designer

Elisa Kreisinger | Video remix artist and pop culture pirate

Peter Conheim (Negativland) | Collage and appropriation artist

Moderation: Ilja Braun | Filmwissenschaftler und Publizist

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Uff, ein volles Programm.

Und das ganze kostet 00,00 Euro.

Mehr Infos gibt es bei iRights und bei der Deutschen Kinemathek (symposium-recht@deutsche-kinemathek.de) kann man sich anmelden. Aber nicht mehr lange.


KrimiWelt-Bestenliste September 2010

August 28, 2010

Die Bestenliste der KrimiWelt für den September:

1 (1) Richard Price: Cash

2 (4) Dominique Manotti: Letzte Schicht

3 (-) Jenny Siler: Verschärftes Verhör

4 (8) Giancarlo de Cataldo: Romanzo Criminale

5 (-) Garry Disher: Rostmond

5 (-) Jo Nesbø: Headhunter

6 (-) Richard Stark: Irgendwann gibt jeder auf

7 (-) Jussi Adler-Olsen: Schändung

8 (3) Derek Nikitas: Scheiterhaufen

9 (-) Frank Göhre: Der Auserwählte

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In ( ) ist die Platzierung vom Vormonat.

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Tja, sechs Neueinsteiger (drei davon hab ich letzten Monat schon angekündigt). Davon sind fünf auf meinem Zu-Lesen-Stapel; der Parker von Richard Stark steht im Original schon lange im Regal.

Aber zuerst wird die die Vorlage für die am 7. Oktober startende, tolle Cormac-McCarthy-Verfilmung „The Road“ gelesen.

Draußen sind leider Pete Dexter, D.B. Blettenberg und Don Winslow, der am 14. September in Berlin ist.